Was bringt der Mehrsprachigkeitshype?

von Thomas Benedikter

Viel Stimmung wird derzeit für eine zweisprachige Schule gemacht, und zwar als zusätzliches Angebot zum dreigeteilten Schulsystem. Es wird spekuliert, ob zu diesem Zweck der Artikel 19 des Autonomiestatuts abgeändert werden muss oder ob seine „Neuinterpretation“ dafür reichen würde, wie es bei der soeben blockierten DFB der Fall gewesen wäre. In diesem Sinn argumentieren auch die Grünen, die vor einem Jahr einen Gesetzentwurf (Nr. 67/15) „Recht auf Mehrsprachlichkeit im Bildungssystem des Landes“ mehrsprachige Klassenzüge in bestehenden muttersprachlichen Schulen einführen wollten, wenn einige Eltern das wünschen. In dieselbe Richtung zielt der kürzlich von Senator Palermo vorgelegte Vorschlag für zweisprachige Klassen oder Schulabteilungen in den bestehenden Schulen. Statt den Artikel 19 derart überzustrapazieren, wäre es rechtlich schon korrekter, zunächst die übergeordnete Norm abzuändern, sofern sich demokratische Mehrheiten dafür finden. Würde der Südtiroler Gesetzgeber dies von sich aus einführen, wäre nämlich auch mit Klagen auf Statutsverletzung zu rechnen.

Mehrsprachigkeit ist für viele Südtiroler das Leitmotiv für die Bildung ihrer Kinder geworden, so als wäre es das absolute Oberziel der Schulbildung schlechthin, der Schlüssel fürs Leben und den beruflichen Erfolg. In diesem Sinn ist in der Bozner Pascoli-Oberschule ein dreisprachiger Schulversuch im Gang mit Deutsch, Italienisch und Englisch als Unterrichtssprachen. Es hat den Anschein, dass bei der italienischen Sprachgruppe heute das Pendel ins andere Extrem ausschlägt, nachdem die erste Generation, die mit dem Autonomiestatut aufgewachsen ist, die zweite Landessprache leider vernachlässigt hat. Wenn das die Motivation zum Deutschlernen stärkt (laut Kolipsi-Studie von 2012 waren 2009 gut 75% der italienischsprachigen Oberschüler erst auf Niveau B1 bei der deutschen Sprache), ist das nur zu begrüßen. Doch muss es in Südtirol aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit zweisprachige Schulen für alle geben?

So argumentiert Sprachwissenschaftler Siegfried Baur in der ff 11/2017 und plädiert für ein dreisprachiges Triennium vor der Matura: „Da müsste die erste Sprache allen Anfechtungen standhalten und die Jugendlichen wären international konkurrenzfähig.“ Müssen Südtirols Schüler aus einem wirtschaftlichen Grund (Konkurrenzfähigkeit) auf eine muttersprachliche Schule verzichten, die die allermeisten europäischen Altersgenossen in Anspruch nehmen? Solange nicht der gesamte deutsch- und italienischsprachige Raum von Flensburg bis Catania ein dreisprachiges Schulsystem einführt, brauchen sich Südtirols Schüler eigentlich keine Sorgen um ihre Konkurrenzfähigkeit in der EU zu machen, geschweige denn in Südtirol. Etwas CLIL, moderne Sprachendidaktik und Zusatzangebote, damit schaffen sie L2 und L3 locker. Etwas mehr Selbstbewusstsein wäre angesagt.

Die Bildungswelt Europas sieht anders aus. In Europa ist immer noch die einsprachige Schule mit 1-2 weiteren Sprachen absoluter Standard. Millionen europäischer Abiturienten erreichen Jahr für Jahr ein Niveau in einer Zweitsprache, das ihnen ein Hochschulstudium in dieser Sprache erlaubt. In Südtirol liegen mehr als die Hälfte der deutschsprachigen Oberschüler auf B2-Niveau der Zweitsprache (Kolipsi 2012), über 70% der Deutschsprachigen beherrschen fließend Italienisch (Astat). Gibt es ein Unternehmen, das Südtirol wegen mangelnder Zweisprachigkeit der Mitarbeiter wieder verlassen hat?

Ganz ohne Zweifel ist Mehrsprachigkeit im heutigen Europa ein wichtiges Bildungsziel (vgl. Barcelona-Erklärung des EU-Rats 2002: Muttersprache+2) und die Beherrschung der zweiten Landessprache ist zu Recht ein hoher Wert in der Südtiroler Gesellschaft. Doch weder hat die EU den 27 Mitgliedsländern aufgetragen, ihr Schulsystem in ein zwei- oder mehrsprachiges umzubauen, noch ist davon abzuleiten, dass Sprachminderheiten zwecks Konkurrenzfähigkeit auf Staats- und Unionsebene — also aus wirtschaftlichen Gründen — von muttersprachlichen Schulen abzugehen haben.

Dazu nochmals ein knapper Einschub aus einem Land, das von Mehrsprachigkeit etwas versteht, die Schweiz, die seit jeher den Erwerb der anderen Landessprachen in den Schulen groß schreibt (vgl. diese Analyse). In der ganzen Schweiz gibt es nicht mehr als zwei zweisprachige öffentliche Schulen, und zwar zwei englisch-deutsche Gymnasien in Zürich, die vor allem von Kindern von Business-Nomaden und gut gestellten Ausländern besucht werden. Die Einführung von zweisprachigen Oberschulen ist nicht einmal im Tessin ein Thema, das wohl am meisten befürchten müsste, auf Bundesebene sprachlich abgehängt zu werden, und auch nicht in den zweisprachigen Kantonen (eine zweisprachige Unterstufe gibt es allenfalls für die Romanen in Graubünden).

Somit könnten auch einige Missverständnisse vorliegen, die den heutigen Hype für mehrsprachige Schulen befeuern, wie etwa folgende:

  • das Missverständnis, dass die gute Kenntnis weiterer Sprachen nur über gemischte Schulen zu erreichen ist (das Standardschulmodell Europas beweist das Gegenteil);
  • das Missverständnis, dass die italienische und deutsche Sprachgruppe in Südtirol beim Sprachenerwerb denselben Bedarf haben;
  • das Missverständnis, dass es nur mit einer zweisprachigen Schule gelingt, gut Italienisch oder Deutsch zu lernen;
  • das Missverständnis, dass Sprachenlernen ein und alles für Wettbewerbsfähigkeit sei (wäre dem so, wären Exportnationen wie die Schweiz, Deutschland und die Niederlande längst abgehängt);
  • das Missverständnis, dass ein öffentliches Bildungssystem auf den Geschmack eines Teils der Eltern mit besonderen Wünschen zugeschnitten werden muss (Schule á la carte);
  • das Missverständnis, dass gerade eine Sprachminderheit aus Konkurrenzgründen eine gut funktionierende muttersprachliche Schule aufgeben solle.

Bei letzterem würden die Befürworter der zweisprachigen Schule einwenden, dass es ihnen um einen zusätzlichen zweisprachigen Klassenzug oder ein Zusatzangebot einer zweisprachigen Schule geht, doch Simon Constantini hat schon mehrfach (vgl. Gastbeitrag in „Mehr Eigenständigkeit wagen“, POLITiS 2016) treffend aufgezeigt, wohin diese Art von Konkurrenz bei den Schulmodellen unweigerlich führen würde. Fazit: Etwas mehr Bewusstsein bezüglich unserer Rechte und Fähigkeiten wäre angesagt. Warum sollten gerade die Südtiroler aus Gründen wirtschaftlicher Konkurrenz die muttersprachliche Schule einschränken, wenn das weder die übrige EU und nicht einmal die mehrsprachige Schweiz tut?

Bündner Kantonspolizei achtet auf Mehrsprachigkeit.

Die Kantonspolizei (KaPo) des nahen Kantons Graubünden hat am vergangenen Samstag erstmals zwei Polizisten vereidigt, die ihre Ausbildung an der Tessiner Scuola cantonale di polizia (SCP) absolviert haben.

Wie die Polizia chantunala mitteilt, werde »die Sprachkompetenz im dreisprachigen Kanton« seitens der Polizei »gefördert und gepflegt.«

Einerseits werden in den Regionen Sprachkurse angeboten und rege durch die Polizistinnen und Polizisten genutzt. Andererseits ist es auch ein Ziel in der Rekrutierungsphase, die für die jeweiligen Sprachregionen geeigneten Personen zu evaluieren. Mit diesen Kompetenzen können sie ideal zu Gunsten der Bündner Bevölkerung und der Gäste eingesetzt werden. Mit der Ausbildungsmöglichkeit an der Polizeischule Scuola cantonale di polizia (SCP) in Giubiasco wird der italienische Sprachraum über die Kantonsgrenze hinaus genutzt und ein Grundstein für zukünftig Auszubildende gelegt.

— KaPo Graubünden

Von einer ähnlichen Sensibilität und Einstellung können wir in Südtirol — in Ermangelung einer Landespolizei — nur träumen. Nicht nur, dass die Ausbildung von OrdnungshüterInnen ausschließlich in der Staatssprache stattfindet. Immer wieder muss das Land gegen den Staat klagen, weil elementarste Verpflichtungen missachtet werden. Polizei und Carabinieri gehören trotz ihrer hochsensiblen Aufgaben zu jenen Behörden, die den BürgerInnen ihr verbrieftes Recht auf Gebrauch der Muttersprache am häufigsten verwehren.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Weltoffen bei Facebook.

Aufgrund anonymisierter Daten des hauseigenen sozialen Netzwerks hat Facebook Research den Anteil grenzüberschreitender Verknüpfungen — oder »Freundschaften« — in europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Wenig überraschend schauen NutzerInnen, die in einem Kleinstaat beheimatet sind, am häufigsten über den Tellerrand.

Anteil grenzüberschreitender Facebook-Freundschaften:

  • in San Marino und Monaco: rund 85%.
  • Schweiz, Moldawien, Albanien und Zypern: zwischen 70 und 75%.
  • Deutschland, Belgien und Island: ca. 15%.
  • Großbritannien, Frankreich, Spanien, Dänemark und Norwegen: 10-11%.
  • Italien: 6%.

Daten anderer Länder wurden leider nicht publik gemacht.

Wo sind die Grenzen der Demokratie?

Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen — abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.

— Ausgelutschtes Zitat von Winston Churchill

Ich war heute Abend beim Treffen der Initiative für mehr Demokratie zum Thema »Besser Wählen«. Eine dort stattgefundene Teildiskussion, die sich — kurz — zwischen Vertretern des Vereins diverkstatt (insbesondere dem Ex-PDler Gianluca Da Col) und mir entfacht hat, nehme ich zum Anlass für diesen Artikel. Doch eine ähnliche Auseinandersetzung hatte ich bereits mit Herrn Zeno Christianell (SVP) im Rahmen des Südtirolkonvents.

Konkret erwähnte Herr Da Col (der angab, mit Flüchtlingen zu arbeiten) das Beispiel einer nicht näher benannten Gemeinde in der Schweiz, wo sich die Bevölkerung in einer Abstimmung gegen die Errichtung eines Flüchtlingsheims ausgesprochen habe, um seine Zweifel an der direkten Demokratie zum Ausdruck zu bringen. Jemand anderes erwähnte die späte Einführung des Frauenwahlrechts in der Eidgenossenschaft.

Während daraufhin einige in Bezug auf das Flüchtlingsheim Grenzen für direktdemokratische Entscheide postulierten, vertrat ich die Meinung, dass Demokratie nicht »gute« oder »richtige« (bzw. unseren Vorstellungen entsprechende) Entscheidungen garantieren könne, sondern lediglich solche, die den Mehrheitswillen der Bevölkerung widerspiegeln.

(Übrigens gibt es allein in Italien zahlreiche Gemeinderatsbeschlüsse gegen die Aufnahme von Flüchtlingen — ohne, dass deswegen jemand die Abschaffung der repräsentativen Demokratie gefordert hätte.)

Jedenfalls antwortete Herr Da Col auf meinen Einwand, indem er ankündigte, nicht mehr mitdiskutieren zu wollen, denn so (also mit meiner Sichtweise) würde man auch den Nationalsozialismus ermöglichen.

Ja! Klar! Aber mal davon abgesehen, dass Adolf Hitler eh weitgehend legal und demokratisch an die Macht gekommen war, frage ich mich: Was anderes bleibt DemokratInnen übrig, als ein ziemlich uneingeschränkter Relativismus? Wer soll bitte — und wie? — die Grenzen der Demokratie festlegen? Wer soll die Menschenrechte und die Verfassung schreiben? Technokratinnen? Diktatoren? Gott?

Ob ich denn wisse, was die [italienische] verfassungsgebende Versammlung war, fragte mich Herr Da Col süffisant. Ja… was war sie denn? Ein demokratisches Gremium, nehme ich an, und kein übermenschlicher Weisenrat.

Natürlich sehe ich ein, dass das ein großes Dilemma ist. Ich befürworte die »wehrhafte Demokratie« — doch auch Gesetze, mit denen verfassungsfeindliche Umtriebe, Handlungen, Gesten oder Symbole unter Strafe gestellt werden, müssen demokratisch beschlossen werden und ebenso demokratisch abschaffbar sein. Gegen die »nationalsozialistische« (oder: antidemokratische) Gefahr gibt es letztendlich keine Versicherung. Nur mühevolle kulturelle und Bildungsarbeit kann uns davor schützen.

Zu allem Überfluss hielt dann noch ein Herr Enrico Santoro ein Plädoyer für Diktaturen (denn in Bruneck [!] müsse man endlich mal aufräumen) — während ein anderes Mitglied von diverkstatt (aka Arci Bruneck) behauptete, die Schweiz sei das rassistischste Land, das er kenne.

Die Diskussion ist eröffnet!

Sonderstatus für Bozen?

Wie nach jeder Sitzung des K33 im Südtirolkonvent hat auch der grüne Landtagsabgeordnete Riccardo Dello Sbarba wieder eine Zusammenfassung veröffentlicht. Er bemängelt darin unter anderem, dass seine zahlreichen Vorschläge zu Demokratisierung, Gemeindeautonomie und Subsidiarität zwar kritisiert, aber keine Gegenvorschläge eingebracht worden seien.

Dass das nicht ganz stimmt, entnimmt man demselben Bericht: Dello Sbarba selbst beschreibt dort nämlich den Vorstoß von Wolfgang Niederhofer in Richtung mehr Dezentralisierung. Anstatt, wie vom grünen Landtagsabgeordneten angeregt, der Landeshauptstadt einen Sonderstatus zuzuteilen, sollte man überlegen, Dienste — wie etwa das Astat — in die Bezirke verlegt werden.

Föderale Systeme tun das:

  • So hat das deutsche Verfassungsgericht seinen Sitz in Karlsruhe, während die Bundesnetzagentur in Bonn und die Zentralbank in Frankfurt sitzt.
  • Die Schweiz hat nicht einmal eine Hauptstadt (Bern ist »Bundesstadt«); das Bundesgericht befindet sich in Lausanne, das Bundesstrafgericht in Bellinzona, das Bundesamt für Statistik in Neuchâtel.
  • Auch die EU verteilt viele Institutionen bewusst auf dem Kontinent: So ist der EuGH in Luxemburg, die Behörde für Lebensmittelsicherheit in Parma und die EZB in Frankfurt.
Das Schweizer Bundesstrafgericht (seit 2004 in Bellinzona).
Das Schweizer Bundesstrafgericht befindet sich seit 2004 in Bellinzona. (Foto: Wikipedia)

Ein Sonderstatus für die Hauptstadt, der ihre politische Rolle stärkt, ist eher typisch für zentralistische Systeme.

Drei Landtagsabgeordnete der SVP hatten übrigens erst kürzlich einen Dezentralisierungsvorschlag vorgelegt.

Post: Zahlen, damit alles gleich bleibt?

Das Mailänder Abkommen ist ein Phänomen: Der Abschnitt, der den Anteil des Landes am Steuerkuchen definieren sollte, wurde vom Zentralstaat einfach ignoriert und musste durch ein neues Finanzabkommen — de facto eine Verzichterklärung — ersetzt werden.

Jener Teil hingegen, der es dem Land erlaubt, für den Staat in die Bresche zu springen und Leistungen zu finanzieren, deren Zuständigkeit in Rom bleibt, ist nach wie vor lebendig. So dürfen wir das (staatliche) Gefängnis finanzieren, für den lombardischen Teil des Nationalparks Stilfser Joch zahlen oder Rai Südtirol aufpäppeln — ohne dass dem Land im Gegenzug maßgebliche Kompetenzen übertragen worden wären. Für die LehrerInnen (die weiterhin Staatsangestellte bleiben) und die Staatsstraßen (die nicht in den materiellen Besitz des Landes übergegangen sind) zahlen wir schon länger.

Und nun kommt eine weitere großartige »Finanzierungskompetenz« dazu: die Post. Wie unterschiedliche Medien übereinstimmend berichten, will das Land Südtirol dem ehemaligen Staatskoloss mit 10 Millionen Euro jährlich unter die Arme greifen — damit alles so bleibt, wie es schon war. Es sollen keine weiteren Filialen geschlossen werden und der Dienst soll (anders, als von der italienischen Post geplant) mindestens fünf Zustellungstage pro Woche erhalten bleiben. Etwas, was laut Europäischem Parlament normal sein sollte. Darüberhinaus soll es vielleicht auch wieder ein Verteilerzentrum in Bozen geben. Wie früher.

Dass dem Land Gesetzgebungsbefugnisse im Postwesen übertragen werden, ist genausowenig geplant, wie der Übergang des Personals ans Land. Wäre aber schön, wenn die Landesregierung wenigstens darauf pochen würde, dass die geltenden Autonomiebestimmungen (Zwei- und Dreisprachigkeit) eingehalten werden, wenn schon weder Gerichte noch das Regierungskommissariat dafür sorgen. Vielleicht kann man gar erreichen, dass die Post auch wieder Post (und nicht einsprachig Poste Italiane) heißt.

Wenn man sich ansieht, wie wenig sich an der Einsprachigkeit von Trenitalia geändert hat, seit das Land im Lokalverkehr als Auftraggeber auftritt, merkt man, dass selbst die Erreichung dieses Minimalziels alles andere als selbstverständlich ist.


Ob wenigstens ein Gedanke daran verschwendet wurde, was man in Zusammenarbeit mit der bereits von sich aus mehrsprachigen (und effizienteren, ça va sans dire) Schweizer Post umsetzen könnte, wenn man ihr den Einstieg in den Südtiroler Markt jährlich mit 10 Millionen Euro versüßen würde? Aber selbstverständlich gibt das Mailänder Abkommen sowas nicht her.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

Quotation (307): Si può dire di tutto…

So benissimo che essendo l’autodeterminazione — come dire? — una visione in questo momento immaginaria, anche se si può fare riferimento ad altri casi, si può dire che se si fa l’autodeterminazione si fa la scuola bilingue, non ci sarà più il censimento etnico, ci sarà la convivenza bellissima ecc. Si può dire di tutto… e anche il contrario di tutto. […]

— Riccardo Dello Sbarba (Vërc), Convenzione dei 33, 23.09.2016

Giusto. Ed è per questo che BBD propone il «modello giurassiano», a più tappe, in modo che prima di prendere una decisione definitiva la popolazione possa

  • contribuire a elaborare, in maniera partecipata
  • leggere, studiare e valutare

la futura costituzione dell’eventuale Sudtirolo indipendente. Allo stesso modo i partiti darebbero la loro indicazione di voto sulla base di un testo definito e certo.

Vedi anche: [1] [2] [3] [4]

Dello Sbarba e il «modello giurassiano».

Durante l’ultima seduta della Convenzione dei 33 (K33), consacrata all’autodeterminazione, Wolfgang Niederhofer ha fatto riferimento al cosiddetto modello giurassiano, proponendolo come esempio per un processo di autodeterminazione «a tappe» e quindi più dolce e più «controllabile» dalla popolazione coinvolta.

Nel 2013 — ma il processo era iniziato negli anni precedenti — le cittadine e i cittadini del Giura bernese avevano avuto l’opportunità di decidere, in via referendaria, se avviare un processo di secessione dal Canton Berna e di unificazione con il Canton Giura. Al contempo, la stessa domanda fu posta alla cittadinanza di quest’ultimo cantone.

Se ci fosse stata una maggioranza interessata a mettere in moto questo processo — che però non ci fu — i due cantoni avrebbero dovuto iniziare le trattative per un eventuale passaggio di sovranità, mentre le popolazioni coinvolte avrebbero votato un’assemblea costituente con il compito di elaborare una nuova costituzione per il nuovo Canton Giura.

Solo alla fine di tale processo, a risultati definiti e a bocce ferme, le popolazioni coinvolte avrebbero deciso, in un secondo referendum, se accettarne le conseguenze (e quindi confermare la nascita del nuovo Canton Giura) oppure lasciare tutto com’era prima.

È evidente che un tale processo sia di una trasparenza e di una chiarezza irragiungibile con una secessione-riunificazione sancita tramite un unico referendum, ovvero in una sola tappa. Si eviterebbe inoltre di costringere la popolazione a «comprare a scatola chiusa».

Durante tutto il processo, dal primo al secondo referendum sino all’eventuale proclamazione del nuovo cantone sarebbe stata coinvolta solamente la popolazione del Giura bernese e del Canton Giura, ma non quella del restante Canton Berna. Perché? Semplicemente perché la secessione riguarda solamente le persone residenti nel Giura bernese, mentre il Canton Giura avrebbe dovuto approvare l’ampliamento del proprio territorio.

Riccardo Dello Sbarba (Verdi) ha ribattuto a Wolfgang Niederhofer che nel caso del Canton Giura fu l’intera popolazione svizzera ad esprimersi in un referendum — e che qui da noi nessuno vorrebbe far votare 60 milioni di italiani sulla secessione del Sudtirolo.

È vero, l’intera popolazione svizzera si espresse, ma non nel 2013 durante il processo di (eventuale) secessione-unificazione, bensì nel 1978, quando fu fondato l’attuale Canton Giura, anch’esso da una costola del Canton Berna. Ed è logico che così fosse: Se la popolazione giurassiana avesse voluto l’indipendenza dalla Svizzera il referendum avrebbe riguardato solo la popolazione giurassiana. Il nuovo Canton Giura invece voleva, contemporaneamente alla sua nascita, venire accolto dalla Confederazione elvetica come nuovo membro — ed è su questo che si espressero anche le cittadine ed i cittadini degli altri cantoni.

Esattamente come nel 2013 il Canton Giura poté esprimersi sull’eventuale accoglienza nei confronti del Giura bernese; o come il Landtag sudtirolese si esprime sull’eventuale annessione di comuni ora appartenenti al Veneto piuttosto che alla Lombardia.

Dunque, per analogia, se il Sudtirolo volesse secedere dall’Italia dovrebbero poter votare solo le ed i sudtirolesi (di tutti i gruppi linguistici, va da sé). Mentre se il Sudtirolo volesse diventare una nuova regione italiana o chiedere l’annessione ad un’altro stato esistente sarebbero anche questi stati a doversi esprimere.

Ma tutto questo a Riccardo Dello Sbarba interesserà relativamente, avendo già sentenziato (non si sa su che base) che

Tranquilli: non ci sarà alcuna Selbstbestimmung nel prossimo Statuto di autonomia.

Vedi anche: [1] [2] [3]