Zur Lage der Nation.
Oder warum das Wort Nation nichts mit Nationalismus zu tun haben muss

Im Volksmund werden die Wörter Nation, Land und Staat nicht selten synonym gebraucht. Folglich wird, wenn die Bevölkerung eines Gebietes nach Eigenstaatlichkeit strebt, auch schnell einmal das Wort „Nationalismus“ in den Mund genommen. Und Nationalismus ist böse. Ganz gleich ob er in Form der traditionellen Nationalstaaten oder als „Mikronationalismus“ (ganz so, als ob die Größe einen Unterschied machen würde) bei separatistischen Bewegungen auftritt. Doch so einfach ist die Sache nicht. Nicht überall wo „Nation“ draufsteht, muss „Nationalismus“ drin sein. Der Versuch einer Differenzierung.

Das Wort Nation leitet sich vom lateinischem Wort für Geburt, natio, ab. Die klassische nationalistische Idee geht demnach davon aus, dass die Menschheit sich von Natur aus in Völker aufteilt, innerhalb derer die Menschen gewisse Merkmale teilen. Das geht von der Sprache über die Kultur bis hin zu Charaktereigenschaften. Das heißt, seine Nation kann man sich nicht aussuchen. Man wird in sie hineingeboren und kann sie somit auch Zeit seines Lebens nicht wechseln. Mesut Özil mag zwar in Gelsenkirchen auf die Welt gekommen sein, über einen deutschen Pass verfügen und sogar in der deutschen „Nationalmannschaft“ spielen, jedoch ist er im klassisch-nationalen Sinne Türke. Nationalität (im Gegensatz zu Staatszugehörigkeit) ist eine Frage des Blutes, nicht des Willens oder des Bodens – nach der Vorstellung eines Nationalisten wohlgemerkt. In seiner intensivsten Ausprägung paart sich dieser Nationalismus mit Chauvinismus, welcher der eigenen Nation ein gewisses Maß an Überlegenheit anderen Nationen gegenüber attestiert. Nationalismus ist somit eine elitäre Angelegenheit.

Wenn wir heute das Wort „Nation“ hören oder verwenden, muss das allerdings nicht notwendigerweise mit obigem Konzept in Zusammenhang stehen. Ja die Bezeichnung „Nation“ kann dem sogar widersprechen, weil – abhängig vom Sprachraum und vom gesellschaftspolitischen Hintergrund – das Wort unterschiedlich konnotiert ist.

Im angloamerikanischen Raum – wie auch in anderen Weltgegenden – hat sich das Wort „Nation“ wesentlich weiter von seiner ursprünglichen Bedeutung entfernt als im Deutschen. Das ist wenig verwunderlich, haben sich doch die USA von Beginn an als Nation verstanden und auch als solche bezeichnet, obwohl sie im traditionellen Sinne keine Nation sind. Die US-Amerikaner berufen sich bei ihrem „Nationalismus“ nicht auf Abstammung, sondern auf eine gemeinsame Idee, ein gemeinsames Ideal. Und jeder, der diese Idee, dieses Ideal teilt, darf selbstverständlicher Teil der Nation sein. Dieser Logik folgend kann jemand mit dem Namen Barack Hussein Obama ein typischer Amerikaner, niemals aber ein typischer Deutscher oder Italiener sein. Die USA sind eine so genannte Willensnation (ein Oxymoron, denn der klassischen Idee der Nation folgend, ist die Zugehörigkeit ja nicht dem Willen unterworfen, sondern eine Frage der Abstammung), deren Kitt der Verfassungspatriotismus ist. Dieser amerikanische Nationalismus ist elitär bis chauvinistisch. „God bless you and may God continue to bless the greatest nation on earth, the United States of America“ ist eine Phrase, die in den USA nicht bloß von rechten Politikern geradezu inflationär verwendet wird, aus dem Munde eines deutschen Politikers jedoch undenkbar wäre. Gleichzeitig ist ihr Nationalismus aber kein ausschließender, da er nicht an ein äußeres oder unveränderliches Merkmal gekoppelt ist.

Aus einem ähnlichen Grund hat auch die schottische Unabhängigkeitspartei SNP (Scottish National Party) kein gravierendes Problem damit, das Wort „National“ im Namen zu führen, wenngleich die Vorsitzende Nicola Sturgeon den Namen ändern würde, wenn sie in die Zeit der Parteigründung zurückreisen könnte. Die SNP vertritt ein Politikverständnis und ein Gesellschaftsmodell, das linksliberal und ökosozialdemokratisch ist und der ursprünglichen Idee des Nationalismus diametral entgegensteht. Sie und ihre Mitstreiter von den Scottisch Greens begründen ihren Wunsch nach Unabhängigkeit nicht mit der Andersartigkeit eines „schottischen Volkes“. Wie denn auch: kulturell unterscheiden sich Schottland, Irland, England und Wales nicht großartig. Auch eine etwaige gemeinsame Sprache ist nach dem beinahe Aussterben des Gälischen kein einendes Element mehr. Wenn Alex Salmond (ehemaliger First Minister) oder jetzt Nicola Sturgeon von „Nation“ sprechen, dann meinen sie damit nicht ein „Volk“, wie es den traditionellen Nationalisten vorschwebt, die sich immerzu auf des Völkerrecht und das dort verankerte Selbstbestimmungsrecht berufen. SNP-Politiker sprechen in ihren Reden auch so gut wie nie von „the Scottish people“, sondern fast immer von „the people of Scottland“. Der politikwissenschaftliche Begriff für dieses Gesellschaftsverständnis ist „civic nationalism“ oder „inclusive nationalism“ und hat mit Nationalismus im wörtlichen Sinne nichts zu tun. Es ist das genaue Gegenteil. Die SNP leitet von ihrem Verständnis von Nation weder ein Überlegenheitsgefühl ab, noch koppelt sie die Zugehörigkeit zu dieser Nation an irgendwelche (äußerlichen oder unveränderlichen) Merkmale. Was die Schotten eint ist ein Gesellschaftsmodell, das sie im Verbund mit England, Wales und Nordirland nur schwer verwirklichen können: Sie sind proeuropäischer als die restlichen Bewohner der Insel (was sich bei der Brexit-Abstimmung zeigte, wo die Schotten mit Zweidrittelmehrheit für den Verbleib stimmten), sie sind sozialer als das turbokapitalistische London (soziale Marktwirtschaft und Sozialstaat nach skandinavischem Vorbild, keine Studiengebühren usw.), sie sind pazifistischer als die konservativen Tories (Ablehnung der Stationierung von Atomwaffen, Opposition zu den britischen Militäreinsätzen usw.), sie sind solidarischer, ökologischer und inklusivistischer als die Zentralregierung (Entwicklungshilfeetat gegenüber London verdoppelt, stärkere Förderung erneuerbarer Energien, Ablehnung der strikten Zuwanderungspolitik usw.). Folgerichtig haben bei der Abstimmung über Schottlands Unabhängigkeit aufgrund eines progressiven Modus, der seinesgleichen sucht, nicht nur Menschen mit britischem Pass, sondern – mit wenigen Ausnahmen – alle Bewohner Schottlands abstimmen dürfen; also auch deutsche, italienische, australische, kanadische, indische, pakistanische, südafrikanische usw. Staatsbürger, obwohl bekannt war, dass viele ausländische Mitbürger der schottischen Unabhängigkeit auch skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden. Auch Engländer, Waliser und Nordiren, die in Schottland einen Wohnsitz haben, durften mitstimmen. In Schottland geborene oder aufgewachsene Menschen, die nicht (mehr) in Schottland wohnen, hingegen nicht. Bei einem Ja hätte Schottland zudem eines der liberalsten Staatsbürgerschaftsgesetze der Welt bekommen.

Im deutschsprachigen Raum dagegen ist der Begriff „Nation“ nach wie vor eng mit dem eingangs beschriebenen Gesellschaftsverständnis verknüpft. Ein Grund dafür wird wohl auch die leidvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts sein, wo die extremste Ausprägung des Nationalismus, die wir bislang gesehen haben, von „deutschem Boden” ausging. Die Nationalsozialisten trieben das Konzept Nation auf die Spitze, indem sie von ihrer behaupteten Überlegenheit des deutschen Volkes sogar das Recht zu töten ableiteten und mit dem Ariernachweis das Blut als alleinige Identifikationsbasis akzeptierten. Der Gedanke, dass Nation auch egalitäre Willensgemeinschaft und somit das Gegenteil einer elitären Blutsnation sein kann, ist daher für viele Deutschsprachige schwer vorstellbar.

Dennoch lässt sich beobachten, dass sich auch in unseren Breiten das Verständnis von Nation vom „Ethnos“ (Volk) in Richtung „Demos“ (Bevölkerung) verändert. Zwar herrscht im Gegensatz zu den USA und beinahe allen anderen nord- und südamerikanischen Ländern in Europa mehrheitlich noch das Prinzip des Ius sanguinis vor, doch haben nach französischem bzw. britischem Vorbild beispielsweise auch Deutschland und Irland erste Schritte hin zu einem Ius soli unternommen. Traditioneller Nationalismus geht von kultureller und ethnischer Homogenität aus und erklärt sie zur Norm (Stichwort Kulturnation). In einer Willensnation ist hingegen die Heterogenität die Norm. Aufgrund der demographischen Entwicklung – hauptsächlich durch Migrationsbewegungen – entfalten so auch die klassischen europäischen Nationalstaaten immer mehr Anzeichen von Willensnationen und passen ihre Gesetze und ihr Verständnis von Nation entsprechend an. Oft ist diese Entwicklung mit Widerständen von Seiten rechtsnationaler Gruppierungen verbunden, die in diesem Zusammenhang von Überfremdung, Umvolkung und Austausch des Volkes sprechen.

Versuch einer Einordnung verschiedener Staaten und Konzepte

Meines Erachtens unbestritten ist aber, dass es für die Organisation eines Gemeinwesens eine Art kollektiver Identifikationsbasis braucht, die das Gemeinwesen erst zu einem solchen macht und dieses rechtfertigt. Das Problem am Nationalismus ist, dass diese Basis angeboren, unveränderlich, exklusiv und elitär ist bzw. es große Hürden gibt (Stichwort Staatsbürgerschaftsprinzip und –recht), doch irgendwie Teil der Gemeinschaft zu werden. Ist der Zugang zu dieser Basis jedoch ohne große Hürden dem freien Willen unterworfen, inklusiv und egalitär, so sollte man nicht von Nationalismus sprechen, sondern eben vielmehr von der minimal notwendigen Voraussetzung für ein Gemeinwesen. Auf einer Matrix könnte man somit grob vier Kategorien von Staatsordnungen ausmachen: elitäre Blutsnationen (Extrembeispiel Drittes Reich), egalitäre Blutsnationen (viele klassische europäische Nationalstaaten wie Deutschland, Schweden usw.), elitäre Willensnationen (USA) und egalitäre Willensnationen (Unabhängigkeitsbewegung Schottland), wobei letztere kein Merkmal der klassischen nationalen Idee erfüllen und folglich auch nicht nationalistisch sind.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

Quotation (401): Provinzielle Aufregung.

Die Aufregung über das spanische Vorgehen sei eher ein Ausdruck des Südtiroler Provinzialismus. “Jeder will sich aufgrund der Probleme anderer profilieren. Und sieht dabei nur, was ihn interessiert.”

Senator Francesco Palermo (SVP/PD) über die Lage in Katalonien, zitiert in ff 39/2017

Man muss vermutlich äußerst weltgewandt sein, um die Durchsuchung von Zeitungsredaktionen, die Beschlagnahme von Urnen und Stimmzetteln, die Festnahme von Politiker- und Funktionärinnen, die Anklage von Bürgermeisterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft mitten im Europa des 21. Jahrhunderts zu verstehen. Ich muss zum Beispiel gestehen, dass ich leider den Provinzialismus und die Aufregung mehrerer dänischer, britischer, Schweizer und EU-Abgeordneter, von Amnesty International, Fundació Miró, den Bürgermeisterinnen von Barcelona und Dublin, mehrerer italienischer Persönlichkeiten oder des gesamten sardischen und aostanischen Regionalrats teile. In Zukunft werde ich mich aber anstrengen, auch nur ein wenig vom Niveau derer zu erhaschen, die der Einsatz der Polizei gegen einen demokratischen Wunsch der eigenen Bevölkerung kalt lässt — es scheint mir notwendig.

Siehe auch: [1] [2]

Schweizerische Abgeordnete kritisieren die Methoden der spanischen Zentralregierung.

Auch eine parteiübergreifende Gruppe von Schweizer Parlamentarierinnen — Angehörige der Groupe d’Amitié Parlementaire Helvético-Catalan — verfasste einen offenen Brief an die spanische Regierung. Die Abgeordneten bezeichnen darin die »Methoden« des Zentralstaats im Umgang mit den Selbstbestimmungsbefürworterinnen als »eines modernen und demokratischen Staates nicht würdig«.

Vorangegangen waren Briefe von Abgeordneten zum dänischen, britischen und EU-Parlament. Außerdem gab es etwa Stellungnahmen der Regionalräte von Sardinien und Aostatal.

Zuviel Sünd’ auf der Alm?

Wollen wir uns auch mal über motorisierten Verkehr auf Bergen und Almen unterhalten?

Vorausgeschickt: Ich war desöfteren in der Schweiz wandern und bin dort auch auf fahrtauglichen Wegen (fast) nie einem Motorfahrzeug begegnet, während mir dies in Südtirol (fast) jedes Mal passiert. Das mag natürlich Pech sein und jedenfalls nicht repräsentativ, aber eine gewisse Regelmäßigkeit stelle ich schon fest. Es ist sogar so, dass die einzigen Autos, die mir je in der Schweiz bei einer Bergwanderung begegnet sind, ein Südtiroler Kennzeichen hatten — das war im Val Müstair, wo vielleicht Vinschger Bauern Almen besitzen, wie ich mir zusammengereimt habe.

Aktueller Anlass für diesen Artikel ist das letzte Wochenende (26./27. August) als ich mit Freunden auf der Brixner Hütte und auf der Rodenecker Alm war.

Während unserer Wanderung zur Brixner Hütte (Samstag) fuhren mehrmals landwirtschaftliche Gefährte und ein Geländefahrzeug Staub aufwirbelnd, lärmend und stinkend nach oben. Auf der Ladefläche und gar auf der Baggerschaufel eines Traktors: Menschen — und Gepäck. Insbesondere da, wo der Weg durch querende Rinnsale feucht und matschig war, hinterließen die Fahrzeuge tiefe Spuren mit unangenehmen Nebenwirkungen für das Schuhwerk der Wandernden. Mehrmals konnte ich die Beschwerden der zu Fuß Gehenden hören, die sich über das unerwartete Verkehrsaufkommen ärgerten.

In der Hütte angekommen erschloss sich uns der Grund für das rege Treiben: Die Einweihung des neuen Gipfelkreuzes für die Wilde Kreuzspitze stand an, musikalisch umrahmt von einer Musikkapelle.

Da stellen sich mir ein paar Fragen:

  1. Kann man den Musikantinnen den wirklich nicht sehr anstrengenden Fußmarsch mit ihrem jeweiligen Instrument echt nicht zumuten?
  2. Wenn nein: Warum kann man die Musikinstrumente nicht am Vorabend (oder zu früher Morgenstund) zur Hütte transportieren, wie dies offenbar mit dem Kreuz geschehen ist? Dann könnte man sich tagsüber einige Fahrten ersparen, indem man nur die Musikanten nach oben fährt — oder eben diese zu Fuß laufen lässt.
  3. Warum informiert man die Wandernden nicht darüber, was oben stattfindet und bittet vorab um Verständnis? Man hätte sich die eine oder andere Verärgerung vielleicht ersparen können.
  4. Und überhaupt: Muss eine Segnung tatsächlich in den Bergen stattfinden? Könnte das nicht schonender im Tal geschehen?

Am Sonntag war ich dann mit Freunden, darunter eine Frau mit Kinderwagen, auf der Rodenecker Alm spazieren. Am Parkplatz (Zumis) angekommen, bemerkten wir, dass die Fahrzeuge von einem energisch gestikulierenden Herrn dazu angeleitet werden, weiterzufahren — direkt auf die unbefestigte Almstraße. Das Durchfahrtsverbotsschild hatte man mit einem Plastiksack verdeckt. Wir beschlossen, wenig weiter am Wegesrand zu parken und wie ursprünglich geplant zu Fuß weiterzugehen. Nach wenigen hundert Metern mussten wir jedoch einsehen, dass das nicht möglich war: Dutzende von Autos und Minibussen wirbelten so viel Staub auf, dass an unbeschwerte Atmung nicht zu denken war. Touristen hielten sich Jacken und Pullover vor die Nase und schüttelten die Köpfe. Zunächst versuchten wir noch, auf einen parallelen, nicht befahrbaren Pfad auszuweichen, doch erstens war dort mit dem Kinderwagen kein Vorankommen und zweitens breitete sich die Staubwolke auch bis dorthin aus.

Wir sahen also von unserem Ansinnen gänzlich ab und begaben uns zur nahegelegenen Oberhauserhütte — wo man uns eröffnete, dass weiter oben ein Almfest stattfand.

Auch hier wieder ein paar Fragen:

  1. Kann man den Besucherinnen eines Almfests tatsächlich nicht zumuten, eine halbe oder dreiviertel Stunde zu Fuß zu laufen?
  2. Wenn nein: Wozu gibt es dann ein Almfest? Wäre nicht ein Wiesenfest weiter unten im Tal eine »ehrlichere« Alternative zu dieser — pardon — Almverwüstung und Ruhestörung?
  3. Und auch hier: Könnte man die Gäste nicht bereits im Tal (oder wenigstens am Parkplatz) darüber aufklären, dass an eine normale Wanderung nicht zu denken ist? Soviel Respekt fände ich nicht übertrieben.

Ich höre es schon: Sollen diese »Stadtler« doch in der Stadt bleiben, wenn es ihnen bei uns auf der Alm nicht passt. Aber: Zumindest im Fall von Rodeneck geht es doch um (angebliche) Bespaßung von Gästen und — in beiden Fällen — keineswegs um nötigen Verkehr zur Almbewirtschaftung. Wobei mir auch dieser in Südtirol (siehe Vergleich mit der Schweiz) oft maßlos übertrieben scheint.

Ich bin mir bewusst, dass an diesem Wochenende auch Pech dabei war. Trotzdem sollten solche Vorfälle in einem Land, das sich gern Klimaland schimpft, nach meinem Dafürhalten Anlass für eine ernsthafte Diskussion sein. Gemeinsam und im Rahmen von Überlegungen zum nachhaltigen Tourismus, zur Landwirtschaft und zur Ökologie im allgemeinen.

FMV: Umstiegsfrei, grenzüberschreitend.
Tessin und Lombardei wachsen zusammen

Am 10. Dezember 2017 wird nach jahrelangen Bauverzögerungen auch der lombardische Teil der Ferrovia Mendrisio Varese (FMV) in Betrieb gehen, die dann den Tessiner Bezirkshauptort Mendrisio grenzüberschreitend mit der lombardischen Provinzhauptstadt Varese verbindet. Laut Fahrplan 2018 sind täglich 34 umstiegsfreie Fahrten mit Tagesrandverbindungen um 5.33 und 23.33 Uhr vorgesehen.

Zum Vergleich: In der Euregio Tirol — die schönste und beste überhaupt — gibt es täglich sage und schreibe vier umstiegsfreie Regionalzüge. Weil wir das Glück haben, an einer der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Achsen zu liegen, gesellen sich dazu noch zehn umstiegsfreie, aber zuschlagspflichtige Eurocitys. Das ergibt zusammen nicht ganz halb soviele Verbindungen, wie sie allein die FMV zwischen Tessin und Lombardei gewährleisten wird.

Dazu gesellen sich aber noch die bestehenden TILOs (Treni Regionali Ticino Lombardia), die unter anderem auf der Hauptstrecke zwischen Bellinzona und Mailand bereits grenzüberschreitende Verbindungen sicherstellen. Und dies, obschon die Schweiz nicht zur EU gehört — und nicht selten mit Isolationismus assoziiert wird.

Über das Versagen unserer Euregio und den enormen Aufholbedarf können da nicht einmal schöne Logos auf Südtiroler Zügen hinwegtäuschen.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Moderne Sklaverei in Europa.

Die Walk Free Foundation erstellt seit 2013 eine jährliche Wertung mit der geschätzten Anzahl moderner Sklaven pro Land, die nach den Vorstellungen der Stiftung dazu beitragen soll, dieses Übel noch in kürzester Zeit (»in our generation«) vollständig auszumerzen. Laut diesem Global Slavery Index lebten 2016 geschätzte 45,8 Millionen Menschen weltweit in moderner Sklaverei.

Dabei ist dieses Phänomen auch in EU- und EFTA-Mitgliedsstaaten verbreitet, wie folgende Aufstellung zeigt:

 

Der geringste Bevölkerungsanteil (0,018%) ist in zwölf westeuropäischen Ländern von Sklaverei betroffen, worunter sich sieben Staaten mit weniger als 10 Millionen Einwohnerinnen befinden. Österreich, die Schweiz und Deutschland liegen in dieser Gruppe.

In Italien ist das Ausmaß des Phänomens — dieser Schätzung zufolge — bereits knapp zwölfmal (0,211%) so hoch; Schlusslicht Polen (0,476%) verzeichnet gar einen 26 mal höheren Wert, als die Spitzengruppe. In absoluten Zahlen leben in Luxemburg rund 100, in Deutschland 14.500, in Italien 129.600 und in Polen 181.100 Menschen in moderner Sklaverei.

Grundsätzlich schneiden hier westeuropäische Länder besser ab, als die des ehemaligen Ostblocks. Übrigens hätte ich mir erwartet, dass hier kleine Staaten noch deutlich besser abschneiden, weil die Kontrolle dieses Phänomens in überschaubaren Gebieten doch tendenziell einfacher und demnach besser sein sollte.

4 × Mehrsprachigkeit.
Erfrischend buntes Schweizer Team

Bei den Leichtathletikweltmeisterschaften in London holte die 4 × 100-m-Frauenstaffel aus der Schweiz den fünften Platz.

https://www.nzz.ch/sport/weiterer-sport/leichtathletik-wm-schweizer-rekord-und-finaleinzug-fuer-staffel-quartett-ld.1310437

Die Läuferinnen von links nach rechts:

Sarah Atcho, aus Lausanne, Muttersprache Französisch
Mujinga Kambundji, aus Uetendorf, Muttersprache Schwizerdütsch
Ajla Del Ponte, aus Losone, Muttersprache Italienisch
Salomé Kora, aus St. Gallen, Muttersprache Schwizerdütsch

Im Internet finden sich Videos in denen Sarah Deutsch und Englisch, Mujinga Französisch und Englisch, Ajla Französisch und Salomé Französisch sprechen (Anm.: kein Anspruch auf Vollständigkeit).

Siehe auch: [1] [2] [3]

Belprahon e Sorvilier decidono.
Seguiranno Moutier verso il Canton Giura?

Il 18 giugno, in una votazione ufficiale, le cittadine del comune giurassiano di Moutier si erano dichiarate maggioritariamente favorevoli alla secessione dal loro cantone di appartenenza (Berna), per aderire al Canton Giura.

Ora sarà la volta dei comuni di Belprahon e Sorvilier, le cui aventi diritto a fine settembre (domenica 24) saranno chiamate a decidere se seguire le orme di Moutier oppure rimanere ancorate a Berna. In occasione della votazione del 24 novembre 2013, che avrebbe portato, in prospettiva, alla creazione di un nuovo cantone (fusione dell’odierno Canton Giura con l’intero Giura bernese), le cittadine di Belprahon si erano espresse favorevoli e contrarie in parti eguali — con 110 voti favorevoli e altrettanti contrari. A Sorvilier invece aveva prevalso il no (al 54%); ma ora, con Moutier avviata verso il Canton Giura, sono cambiate le premesse, per cui si è deciso di dare l’opportunità alla cittadinanza di esprimersi ancora una volta.

Se, contro ogni previsione, Sorvilier decidesse di lasciare il Canton Berna, si trasformerebbe in un’enclave, non confinando né con l’attuale Canton Giura, né (come invece Belprahon) con il territorio di Moutier. D’altronde le enclavi e le esclavi sia cantonali che comunali in Svizzera non sono rare.

Vedi anche: [1] [2] [3]