"Feuilleton"

Zukunft Europa: Zwei »Aspekte«.

pérvasion, am 29. August 2010

Das ZDF-Kulturmagazin Aspekte vom 27.08.2010 war der Zukunft Europas gewidmet. Zwei Beiträge — jenen des Dirigenten Pierre Boulez und den des Schriftstellers Robert Menasse — möchte ich hier wiedergeben, weil ich sie besonders interessant finde:

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Die gesamte Sendung hier in der ZDF-Mediathek.

Spiegel-Reflexion.

pérvasion, am 29. August 2010

von/di Enrico De Zordo

Anstatt sie auszurotten, kann die Zweisprachigkeit die Blödheit bisweilen verdoppeln.

Riflessione davanti allo specchio.

Il bilinguismo. anziché estinguere l’imbecillità, può talvolta duplicarla.

Übersetzung: BBD/SC/SK.

Südtiroler | Altoatesini.

pérvasion, am 29. August 2010

di/von Enrico De Zordo

Se i sudtirolesi non esistessero, gli altoatesini sarebbero tutti interetnici. Proprio come i sudtirolesi se non ci fossero gli altoatesini.

Wenn die Südtiroler nicht existierten, wären die Altoatesini allesamt interethnisch. Genau so wie die Südtiroler, wenn es keine Altoatesini gäbe.

Übersetzung: BBD.

Minderheiten.

pérvasion, am 24. Juli 2010

von Enrico De Zordo

Ein Ort, dessen gesamte Bevölkerung sich als Minderheit begreift, ist mehrheitlich von Deppen bewohnt.

Übersetzung: BBD.

Nächtliche Gedanken.

pérvasion, am 22. Juli 2010

von Enrico De Zordo

Gleich einem unerträglichen nächtlichen Gedanken, dessen Schwere allmählich schwindet, sobald das Tageslicht ins Zimmer dringt, lösen sich das Unbehagen der Italiener und die Opferrolle der Deutschen auf, sobald sie ihren regionalen Rahmen einbüßen; aus einer nationalen oder internationalen Perspektive betrachtet, verlieren sie ihren Sinn; in Bozen sinnüberfrachtet, sind sie aus Rom oder Berlin gesehen unverständlich.

Wenn die Südtirolfrage keine Inszenierung ist, warum betrachtet die ganze Welt sie dann mit einem Theaterglas?

Übersetzung:
BBD/SC/SK.

Dorn.

pérvasion, am 20. Juli 2010

von Enrico De Zordo

»Die Italiener stecken seit über achtzig Jahren in Südtirol wie ein Dorn im Auge, wie ein Messer im Rücken, wie ein Geschoss in der Stirn, wie ein Schwert im Herzen«.

Dieser Gedanke, den einer meiner Schüler am Tag nach der Volksbefragung zum Siegesplatz als Kommentar zu einer langen Diskussion formuliert hat, beinhaltet nichts Überflüssiges. Er beschreibt eine offene Wunde, an deren Heilung niemand Interesse hat. Eher noch als um den Urtyp eines Delikts, handelt es sich um das Passbild auf dem Ausweis unseres Landes. Die Deutschen und die Italiener Südtirols sind darauf gemeinsam abgebildet: Die einen in Form eines geschändeten Körpers, die anderen als Fremdkörper. Mit Sicherheit ist das Portrait derart gelungen, dass man meinen möchte, es entspreche nicht der Realität. Vielleicht ist es unvollständig, vielleicht sogar eine Fälschung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine Fotomontage handelt. Doch es birgt einen wichtigen Inhalt: Die Opferrolle der Deutschen und das Unbehagen der Italiener sind die zwei Seiten derselben Medaille.

Übersetzung: BBD/SC/SK.

Crisi.

pérvasion, am 24. Juni 2010

Ora che il governo italiano prepara tagli drastici e indiscriminati a cultura, sicurezza ed educazione, la proposta — educativa — che tutti aspettavamo era quella di demandare la polizia alla protezione di uno squallido monumento fascista.

Hinterland von Venedig.

pérvasion, am 16. Juni 2010

nordest2019.Wie die Tageszeitung in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, hat die Landesregierung beschlossen, dass Bozen sich an der Kandidatur des Triveneto als Europäische Kulturhauptstadt beteiligt. Das Triveneto wurde im Faschismus eingeführt, u. a. um Südtirol in einen größeren, kulturell hegemonischen Kulturraum einzubetten und so leichter zu assimilieren. Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen — die kulturelle Konzeptlosigkeit und Leere ist derart trostlos und eklatant, dass sie von selbst zum Himmel schreit.

Seit Jahren wird über eine eigenständige Kandidatur Bozens und über eine gemeinsame Bewerbung der Europaregion debattiert, und nun degradieren wir uns mit einer Nacht- und Nebelaktion unserer Regierung freiwillig zum kulturellen Anhängsel Venedigs. »Weil wir auch als Euregio keine Chance gegen Venedig gehabt hätten«, wie der Landeshauptmann in vorauseilender Selbstunterschätzung feststellt. Bozens Bürgermeister Spagnolli ist mit dieser Lösung sehr zufrieden und bezeichnet die Landeshauptstadt (ohne Witz!) als Hinterland der Lagunenstadt. Wir machen uns die zentralistische Kulturauffassung des Faschismus zueigen und bestätigen sie noch 65 Jahre nach Kriegsende — aus freien Stücken.

Ende 2005 hatte ich davon geschrieben, dass die Floskel vom Schnittpunkt der Kulturen nichts anderes bezeichne, als Südtirols Peripherizität in zwei Kulturräumen, ohne ernstzunehmende eigenständige Produktion. Eigentlich hatte ich geglaubt, dass wir — durch das Erstarken zahlreicher hochwertiger Initiativen wie Transart, Festival Bozen und Tanz Bozen, durch die Austragung der Manifesta und die Eröffnung des Museions — die Überwindung dieser dunklen Phase anpeilen. Doch jetzt muss ich zur Kenntnis nehmen, dass zumindest die offizielle Kulturpolitik außerstande ist, diese Realität zur Kenntnis zu nehmen, aufzuwerten und zusammen mit anderen kulturellen Eigenheiten (die Dreisprachigkeit zum Beispiel) selbstbewusst in den Vordergrund zu stellen. Die Landesregierung begreift Südtirol nicht einmal mehr als Schnittpunkt der Kulturen, sondern sogar als kulturelles Hinterland nur einer davon. So präsentieren wir uns der Welt.

Satirische Einlage: HC.

pérvasion, am 3. April 2010

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Schade, dass es in Italien spätestens seit dem Bulgarischen Edikt nicht mehr so ohne weiteres möglich ist, einen ranghohen Poliktiker so vorzuführen. Schon gar nicht im Öffentlich-Rechtlichen.

Einmal Siegesdenkmal, bitte!

pérvasion, am 31. März 2010

Vermutlich als indirekte Folge der Wirtschaftskrise — und des drohenden Staatsbankrotts — muss sich der Staat nun von seiner umstrittensten Immobilie im Lande trennen: Das Siegesdenkmal in Bozen wird nicht mehr renoviert, sondern verkauft. Ein bisher inkognito agierender einheimischer Mittelsmann wurde damit beauftragt, einen neuen Besitzer für den Piacentini-Bau samt Grünfläche und angrenzenden Stellplätzen zu finden. Sogar eine Homepage wurde eigens ins Netz gestellt.

Ein verbindlicher Preis ist derzeit aber genausowenig in Erfahrung zu bringen wie die genauen Verkaufsbedingungen oder ein etwaiges Interesse der Gemeinde Bozen oder des Landes, den Bau zu erwerben. Es bleibt zu hoffen, dass er nicht in die Hände von Rechtsextremisten oder einschlägigen politischen Parteien fällt.

Siehe auch: [1] [2] [3]