Best-Case-Zukunft.
Quotation 507

Wenn wir unsere Träume nicht einmal selbst ernst nehmen können, wird das Entwerfen von zukunftsfähigen Gesellschaftsformen schwierig, die Umsetzung geradezu unmöglich. Ohne eigene und gemeinsame Vorstellungen davon, wohin es in Zukunft gehen soll, ohne ein Bildinventar der Zukunft, werden wir nicht einmal uns selbst davon überzeugen können, dass es eine gute Zukunft gibt. Geschweige denn andere. Also: Lasst uns das Träumen, das Imaginieren von Utopien wieder gesellschaftsfähig machen und politisch; ernsthaft, selbstbewusst und angstfrei über unsere Best-Case-Zukunft sprechen. Sonst kann es sie nicht geben.

Gemina Picht und Magali Mohr in ‘Zukunftsbilder Jugendlicher – Ich wünsch mir einen Mähdrescher’, ‘taz futurzwei’.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

Messner erhielt Asturien-Preis.
Keine Berührungsangst mit spanischem Monarchen

Der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner, scharfer Kritiker rechter und populistischer Politikerinnen, nahm gestern in Oviedo aus den Händen des spanischen Königs, Felipe VI., den Princesa-de-Asturias-Preis im Bereich Sport entgegen.

Es ist für mich eine große Ehre, den prestigeträchtigen [Preis] gemeinsam mit Krzysztof Wielicki zu erhalten und werde mit höchster Freude an der Zeremonie in Oviedo teilnehmen.

– Reinhold Messner (Webseite des Preises)

Übersetzung:

Die spanische Monarchie wurde nach dessen Tod auf persönlichen Wunsch von Diktator Franco wiedererrichtet, zu dem der Vater des derzeitigen Königs, Juan Carlos I., Kontakte pflegte. Felipe VI., seit Juni 2014 auf dem Thron, hat im Zusammenhang mit den katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen eine äußerst starre, wenig konziliante Rolle eingenommen, die in Spanien auch von Unionistinnen scharf kritisiert wurde.

Den von seinem Vater 1975 geschaffenen Titel Duca de Franco, con grandeza de España, übertrug der Monarch — trotz gegenteiliger Aufrufe demokratischer Kräfte, einschließlich der PSOE von Pedro Sánchez — im Juli 2018 von der verstorbenen Tochter auf die Enkelin von Francisco Franco.

Mit dem österreichischen Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wollte Messner nicht in die Berge gehen. Umso erstaunlicher also, dass er »mit höchster Freude« einen Preis von diesem hoch problematischen Monarchen entgegennahm. Der der ehemalige grüne EU-Abgeordnete ist aber grundsätzlich eine widersprüchliche Persönlichkeit: Noch vor wenigen Jahren hatte er sich beispielsweise von der chinesischen Diktatur beeindruckt gezeigt.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Wer hat das Sagen in Europa?
Die "linksgrünversifften Gutmenschen-Willkommensklatscher" eher nicht

Europa respektive die Europäische Union geht den Bach runter. Zumindest lautet so die Diagnose nicht weniger Kommentatoren. Ein Wechsel muss her. Und zwar schnell, bevor es zu spät ist. Wobei man sich erstaunlich uneinig darüber ist, wer denn nun alles den Bach runter gehen hat lassen. Wer trägt Schuld am Chaos, am Untergang des Abendlandes? Sind es die “linksgrünversifften Gutmenschen-Willkommensklatscher” oder die “Nazis”? Jedenfalls ist es der politische Gegner, der bekanntlich ganz Europa in seinem Würgegriff hält und dem Kontinent seine Ideologie aufoktroyiert.

Da mir solche Radikalurteile mit Hang zur Dramatisierung immer recht suspekt sind, hab ich mir die Mühe gemacht, die politische Zugehörigkeit der europäischen Staats- und Regierungschefs (plus der Rats-, Kommissions- und Parlamentspräsidenten der EU) der vergangenen rund 30 Jahre herauszusuchen.

Einige Beobachtungen dazu:

  • Die Mehrheit der Menschen in der EU lebt in Ländern mit einer Rechtsregierung (konservativ, christdemokratisch, nationalistisch, rechtspopulistisch).
  • In rechtsregierten EU-Ländern leben mehr Menschen (228 Millionen) als in links- und liberalregierten zusammengenommen (106 + 104 Millionen).
  • EVP-Mitglieder (Europäische Volkspartei) stellen in 10 von (noch) 28 EU-Ländern die Regierungschefs. Der SPE (Sozialdemokratische Partei Europas) bzw. der Linken können 9 Regierungschefs zugerechnet werden. 6 gelten als Liberale, während in 3 Ländern der Regierungschef parteilos ist oder keiner Strömung zugeordnet werden kann.
  • Die “Blüte” der Parteien des rechten Spektrums war um das Jahr 2011. Damals waren 21 der 28 EU-Mitgliedsstaaten “rechtsregiert”. Die “rote Glanzzeit” lag um das Jahr 1996, als 13 Länder einen Regierungschef aus dem linken Spektrum hatten. 6 liberale Regierungschefs gab es neben 2018 auch schon 2003.
  • Seit 2015 stellt die EVP sowohl den EU-Kommissionspräsidenten als auch den EU-Ratspräsidenten und den EU-Parlamentspräsidenten.
  • Irland (wie auch Südtirol) wurde in den vergangenen 30 Jahren stets von konservativen Volksparteien regiert, während in Portugal in dieser Zeit immer eine sozialdemokratische Partei am Ruder war.
  • Wohlstand bzw. Entwicklungsgrad (HDI – Human Development Index) eines Landes korrelieren nicht mit einer einzigen politischen Richtung. Es gibt erfolgreiche links-, rechts- und liberalregierte Länder und tendenzielle Krisenstaaten, in denen in der Vergangenheit mehrheitlich linke wie auch rechte Parteien an der Macht waren. Nur Länder mit liberaler Tradition gehören tatsächlich selten zu den Verlierern.
  • Wohlhabende und höher entwickelte Länder tendieren auffällig oft zu langen, stabilen Perioden, in denen eine politische Richtung den Ton angibt. Krisenländer kennzeichnet eher ein ständiger Wechsel in der politischen Affinität.
  • Es scheint in den meisten Staaten nach wie vor einen einigermaßen gesunden demokratischen Wettbewerb zu geben, der einmal die eine und einmal die andere Seite nach oben spült.

Eine Interpretation der einleitenden Anschuldigungen auf Basis dieser Beobachtungen sei jedem Leser/jeder Leserin selbst überlassen.

Schöngesoffene Verhältnisse.
Quotation 476

Je betrunkener man ist, desto konservativer wird man. […] Es gibt ja dieses Klischee: Wer mit 20 nicht links ist, hat kein Herz. Wer mit 50 immer noch links ist, hat keinen Verstand. Da ist was dran. Wenn du links bist, bist du tendenziell Idealist. Du musst dir vorstellen, dass es eine bessere Welt geben kann. Du bildest also nicht nur die Welt ab, sondern baust in einem zweiten Areal deines Gehirns eine Gegenwelt auf. Wenn sich durch Alter oder Alkohol die Rechenkapazität im Gerhirn reduziert, dann kommt dir die Fähigkeit abhanden, dir vorzustellen, dass es anders sein könnte. Also findest du das, was du vorfindest, automatisch immer besser. Das ist das gleiche Muster, nach dem man sich jemanden in der Kneipe schönsäuft. Man kann sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse schönsaufen.

Kabarettist und Arzt Eckart von Hirschhausen im ‘Spiegel’ (30/2017).

Siehe auch: [1] [2]

Libertad.
Quotation 466

La libertad no hace felices a los hombres, los hace sencillamente hombres.

Freiheit macht die Menschen nicht glücklich, sie macht sie einfach zu Menschen.

La libertà non rende felici gli uomini, li rende semplicemente uomini.

Manuel Azaña (1880-1940), 1936-39 Präsident der Zweiten Spanischen Republik/presidente della Seconda Repubblica di Spagna.

Übersetzung/Traduzione:

Siehe auch/Vedi anche: [1] [2] [3]

Freiheit ist kein Geschenk.
Quotation 464

[Immanuel Kant insists] that freedom is the precondition for acquiring the maturity for freedom, not a gift to be granted when such maturity is achieved.

[Immanuel Kant betont,] dass Freiheit die Vorbedingung ist, um reif für die Freiheit zu werden, nicht ein Geschenk, das gewährt wird, sobald diese Reife [schon] erreicht ist.

Aus: Noam Chomsky, ‘On Anarchism’, Penguin Books, 2014 (S. 8)

Übersetzung:

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]