Zur Doppelpass-Umfrage.

Weil wir schon beim Thema »Fragebögen« sind: Salto, barfuss und ut24 führen gemeinsam mit vier Journalismus-Studenten der Fachhochschule Joanneum in Graz eine Umfrage zum Thema »Doppelpass« durch. Sie besteht aus

  • fünf Fragen zur Einordnung der Teilnehmenden (Emailadresse, Altersgruppe, Sprachgruppe, Geschlecht und Wohnort) sowie
  • zwei inhaltlichen Fragen, wobei sich nur eine auf die doppelte Staatsbürgerschaft (und die andere auf die Unabhängigkeit Südtirols) bezieht.

Diese eine Kernfrage zeugt von großer Professionalität:

  • Während in der deutschen Fragestellung darauf hingewiesen wird, dass es sich um die italienische und die österreichische Staatsbürgerschaft handelt, ist dies in der italienischen Fragestellung nicht der Fall.
  • Während auf Deutsch danach gefragt wird, ob man die doppelte Staatsbürgerschaft »befürworten« würde (warum nicht, ob man sie »befürwortet«?), wird auf Italienisch gefragt, ob man sie »unterstützen« möchte.
  • Die Antwortmöglichkeit »Ja« lautet auf Italienisch »si Eher«, dafür fehlt dieses »Eher« dann bei der dritten Antwortmöglichkeit, die wohl »Eher nein« lauten müsste.
  • »Sì« auf Italienisch korrekt (nämlich mit Akzent) zu schreiben, wäre gerade bei einer Umfrage auch ein nettes Feature gewesen.

Darüberhinaus wird

  • man gebeten, personenbezogene Daten (einschließlich der Emailadresse) anzugeben
  • vermutlich die IP-Adresse erfasst, aber
  • nicht informiert, wer die Daten erhebt und verwahrt oder ggf. zu welchem genauen Zweck in welcher Form verwendet oder gar weitergibt/veröffentlicht.

Nachtrag (1): Inzwischen wurde zumindest der gröbste Schnitzer korrigiert… und das Wort »eher« an den richtigen Ort verschoben.

Nachtrag (2): Das Formular wurde auch um eine kurze Datenschutzinformation ergänzt.

Kleine ‘Sprachstudie’ zur Wolfsstudie.

Gestern habe ich an der Wolfsstudie der Eurac teilgenommen — und muss mal wieder kleinlich sein. Denn ich kann mich des Eindrucks der üblichen Hemdsärmeligkeit (vgl. Verknüpfungen ganz unten) nicht erwehren.

Wie in der Einleitung erklärt wird, soll der Online-Fragebogen — bzw. die Studie, deren Teil er ist — »einen repräsentativen Überblick über die Meinungen und Haltungen gegenüber dem Wolf auf verschiedenen sozialen Ebenen erarbeiten«. Sofern Studien irgendetwas erarbeiten können (und nicht die dahinter stehenden Forscherinnen) und sofern ein Online-Fragebogen, den man problemlos fünfmal (anonym) ausfüllen könnte, irgendetwas Repräsentatives an sich hat. Aber dazu werden sich die Forscherinnen schon etwas gedacht haben.

Was mich wurmt ist wieder einmal der laxe Umgang mit der deutschen Sprache — und das vonseiten einer wissenschaftlichen Institution wie der Eurac, zu deren Kernkompetenzen der Minderheitenschutz gehört und die ein Institut für Angewandte Sprachforschung* betreibt.

Zum Beispiel wurde der Fragebogen offenbar wie so oft aus dem Italienischen übersetzt und dabei kein Versuch unternommen, den Satzbau an die deutsche Sprache anzupassen. Oder ist das (Nr. 14) ein deutscher Fragesatz, wie das Satzzeichen am Ende suggeriert?

Ähnliches gilt für die zahlreichen Fragen, die (nach italienischem Muster) mit »Ihrer Meinung nach…« beginnen:

Ob es einen Grund gibt, warum in Frage Nr. 22 plötzlich von Südtirol die Rede ist, während im restlichen Fragebogen von »deiner Provinz« (»dein Land« klingt meiner Meinung nach besser) die Rede ist, entzieht sich meiner Kenntnis:

Nachdem dieselbe Frage in der italienischen Sprachfassung nicht speziell auf Südtirol bezogen ist, nehme ich aber an, dass es sich um Schlamperei handelt.

So wie übrigens bei der Tatsache, dass die Befragten in Frage Nr. 8 zunächst gesiezt und dann geduzt werden:

Wesentlich klarer sind da zum Beispiel die Fragen Nr. 14 bzw. 15/16/22 (siehe oben), wo entweder konsequent geduzt oder gesiezt wird.

Ob »Staat der Residenz« (statt »Wohnsitzland«) nur holprig klingt oder wirklich falsch ist, kann ich nicht sagen:

Sicher ist aber, dass das Informationssystem für Rechtsterminologie (‘bistro’) der Eurac (!) für italienisch »residenza« ausschließlich die deutsche Entsprechung »Wohnsitz« ausspuckt.

Dass man abschließend einer »Datenschutzrichtlinie« (?) zustimmen soll, wonach ein Institut für Regionale Entwicklung (das aber laut Eurac-Homepage Institut für Regionalentwicklung heißt) am »Viale Druso« (zu Deutsch »Drususallee«) in Bozen Daten für die »angegebenen Kommunikationszwecke« (die aber nirgends angegeben sind) verarbeitet, und zwar gemäß D.Lgs 196/2003 (zu Deutsch »gvD«), ist höchstens ein Versehen. Dies zu bemängeln wäre ziemlich kleinlich.

Nachtrag (1): Ich wurde jetzt noch auf Frage Nr. 11 hingewiesen, deren Formulierung ein Lehrbeispiel dafür sei, was man in einem Fragebogen vermeiden soll:

Wird hier nur gefragt, ob man über die An- bzw. Abwesenheit von Wölfen informiert ist? Oder auch, ob man weiß, dass sie tatsächlich vorkommen? Was — ja oder nein — soll hier anklicken, wer weiß, dass in der eigenen Wohngegend keine Wölfe vorkommen?

Nachtrag (2): Die Eurac hat uns eine Antwort geschickt, die wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag gepostet haben.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10]

*) Das ‘Institut für Angewandte Sprachforschung’ der ‘Eurac’ ist unter anderem für das ‘bistro’-Projekt verantwortlich, das als »Hilfsmittel für eine verbesserte Kommunikation, Textproduktion und Übersetzung« dienen soll.

Ruf der Autonomie: Geheime Studie.

Sehr geehrter Herr Constantini,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Die Studie wurde von IDM im Auftrag gegeben und IDM selber hat darauf das Eigentum der Rechte, die nicht für alle zugänglich sind.

Der Landtag hat eine Kopie der Studie bekommen und der Pressemitteilung beigelegt, mit dem Hinweis dass Fotos und Grafiken nur mit Einverständnis der Agentur für Presse und Kommunikation des Landes verwendet werden dürfen.

Weiters teile ich Ihnen mit, dass die Studie nicht an die Öffentlichkeit gerichtet ist und dass es sich bei der Vorstellung im Landtag um eine interne Anhörung gehandelt hat.

Mit freundlichen Grüßen

Marco Pappalardo

Warum ist eine im Auftrag des Landtags mit öffentlichen Mitteln durchgeführte Studie, die zur Entwicklung einer politischen Strategie führen soll, nicht öffentlich?

Inclusive Development Index 2018.
Europäische Kleinstaaten dominieren

Das World Economic Forum (WEF) hat den Inclusive Development Index 2018 (IDI) veröffentlicht, der neben dem BIP weitere elf Indikatoren berücksichtigt. Damit soll ein umfassenderes Gesamtbild wiedergegeben werden, das auf den drei Grundpfeilern Wachstum und Entwicklung, Inklusion und Generationengerechtigkeit fußt.

Dabei zeigt sich, dass besonders europäische Kleinstaaten es schaffen, eine leistungsfähige Wirtschaft mit Inklusion und Nachhaltigkeit zu koppeln. Größere Staaten wie Deutschland, Frankreich oder Vereinigtes Königreich sind in den ersten zehn Rängen nicht zu finden.

Small european economies dominate the Index, with Australia (9) the only non-European economy in the top 10.

— IDI-Bericht

Italien liegt weit abgeschlagen an drittletzter Stelle unter sämtlichen »fortgeschrittenen Volkswirtschaften« (advanced economies) und hält in der Sonderwertung der 20 größten Wirtschaftsnationen sogar den Negativrekord.

Selbst die nicht für Inklusion bekannten USA schneiden besser ab und belegen den 24. Platz.

Die Wertung der aufstrebenden Volkswirtschaften (emerging economies) wird von Litauen, Ungarn, Aserbaidschan und Lettland angeführt, die allesamt ebenfalls eine höhere Punktezahl erzielen, als Italien.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

Quotation (458): Impfpflicht fördert Widerstände.

Wir wissen, dass Länder, die die Pflichtimpfung einführen, aufgrund unzureichender Durchimpfungsraten, dass es ihnen nicht gelingt, bessere Durchimpfungsraten zu erzielen, wie in Ländern, in denen eine gute Aufklärung der Eltern durchgeführt wird.

Wenn wir eine Impfpflicht einführen, dann erzeugen wir damit natürlich auch Widerstände, die dann dazu führen können, dass sich große Teile der Bevölkerung, die vorher in dem informierten Entscheidungsprozess mit einbezogen sind, […] die sich dagegen wehren, ‘warum werde ich sozusagen gezwungen dazu, mein Kind zu impfen’?

Impfungen sind wichtig, weil wir damit wirklich lebensbedrohliche Erkrankungen vermeiden können, eliminieren können.

Prof. Johannes Liese, Uni-Klinik Würzburg, Teilnehmer am Brixner Oster-Seminar-Kongess, in der gestrigen ‘Tagesschau’ von ‘Rai Südtirol’

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Regionale Verwaltungsqualität 2010-2017.
Südtirols Absturz

Das Quality of Government Institute (QoG) der Universität Göteborg, das — im Auftrag der Europäischen Kommission — auch den Korruptionsindex erstellt, veröffentlicht im Mehrjahresabstand eine Wertung der Verwaltungsqualität (European Quality of Government oder EQI) auf regionaler Ebene. Am 20. Februar dieses Jahres publizierte das Institut zudem eine Vergleichsstudie über den Zeitraum 2010-(2013)-2017.

Aus -Sicht ist natürlich interessant, wie sich die Performance Südtirols und seiner Nachbarregionen während der letzten 7-8 Jahre verändert hat. Während unser Land — wie das Bundesland Nord-/Osttirol und das Trentino — im Jahr 2010 noch überdurchschnittlich gut (blaue Farbtöne) abgeschnitten hatte, lag es 2017 schon unter dem EU-weiten Durchschnitt (rote Farbtöne). Als einziges Gebiet in der Europaregion Tirol ist Südtirol gar um zwei Stufen abgesackt und liegt nun gleichauf mit dem Trentino.

In ganz Deutschland, Frankreich (mit Ausnahme der Überseegebiete), Österreich, Benelux, Schweden, Finnland, Irland sowie im Vereinigten Königreich gab es 2017 kein einziges Gebiet mehr, das sich unter dem EQI-Durchschnittswert befindet. Demgegenüber bedeutet die Verschlechterung von Südtirol, dem Trentino und der Region Aosta, dass sich in ganz Italien keine einzige Region mehr über dem EQI-Durchschnitt befindet.

Während Südtirol 2010 noch gleichauf mit Bayern lag, konnte sich das süddeutsche Bundesland im Lauf der letzten Jahre deutlich verbessern, sodass es heute besser dasteht, als Nord-/Osttirol.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

Vaccini, Sudtirolo arretrato?

A Bolzano abbiamo un grosso problema perché la realtà — più rurale che altrove — mantiene una grandissima diffidenza nei confronti delle vaccinazioni e, in generale, rispetto alla medicina. Abbiamo lavorato con l’Asl per aiutare realtà più chiuse ad accettare il metodo scientifico. Purtroppo in contesti come questi si confonde una scelta identitaria di tipo politico con una scelta sulle vaccinazioni che di politico non ha nulla, si tratta solo di salute pubblica.

È ancora una volta un Sudtirolo arretrato quello disegnato dalla ministra della salute, Beatrice Lorenzin, citata sull’edizione odierna del quotidiano A. Adige.

Quello stesso Sudtirolo che però ha una speranza di vita nettamente superiore alla media italiana e il cui sistema sanitario — ormai qualche anno addietro, è vero — era «il primo della classe», almeno se paragonato a quello delle regioni italiane.

È veramente assodato che un metodo, «solo» perché scientifico, sia sempre e comunque il migliore e non possa venir discusso? Non è mia intenzione mettere in forse la scienza — ma anch’essa in una democrazia non può semplicemente venire imposta.

Lorenzin, con la sua propria lista, è alleata del PD (e quindi indirettamente anche dell’SVP) per le elezioni politiche del 4 marzo.

Vedi anche: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

Quotation (445): Exkludierende Partisaninnen.

1962 wurde ein Gedenkstein auf der gegenüberliegenden Straßenseite des ehemaligen [Bozner Durchgangs-]Lagers errichtet, der allerdings bis heute immer noch von den Verbänden der ehemaligen Partisanen vereinnahmt wird und andere Häftlingsgruppen ausblendet.

Juliane Wetzel in ‘Der Ort des Terrors — Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager’, Band 9, Seite 302, Wolfgang Benz und Barbara Distel (Hrsg.), Verlag C. H. Beck, München 2009

Siehe auch: [1] [2]