Das Land braucht eine (echte) Sprachstelle!

Wie wir wissen darf Südtirol — trotz Autonomie — nicht eigenständig Verstöße gegen die Sprachbestimmungen ahnden. Nichtsdestotrotz Umso mehr wäre eine leistungsfähige Sprachstelle im Rahmen der Landesverwaltung (nach dem Vorbild anderer mehrsprachiger Gebiete) dringend erforderlich, zum Beispiel um die (derzeit leider oft mangelhafte) Qualität der mehrsprachigen Kommunikation von öffentlichen Verwaltungen in Südtirol sicherzustellen.

Eine solche Sprachstelle sollte und könnte

  • auf die Einhaltung der Zwei- und Dreisprachigkeitsbestimmungen in der Landesverwaltung, bei den Konzessionären öffentlicher Dienste und möglicherweise auch in den Gemeinden achten;
  • über die verpflichtende Zwei- und Dreisprachigkeit hinaus Empfehlungen aussprechen, auch bezüglich der Ausweitung und Verbesserung von Sprachrechten;
  • die Einhaltung der vorgesehenen Mehrsprachigkeit bei vom Land geförderten Unternehmen (Post…) oder Projekten (Gefängnisneubau…) einfordern;
  • von der Landesverwaltung mit öffentlichen Geldern unterstützte Sprachprojekte begleiten und evaluieren;
  • auch Privaten (insbesondere Unternehmen) mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie hinsichtlich Mehrsprachigkeit sensibilisieren;
  • sich einschlägiges Wissen aneignen und im Austausch mit ähnlichen Stellen anderer mehrsprachiger Gebiete weiterentwickeln;
  • in Zusammenarbeit mit der Eurac den amtlichen Wortschatz in den Südtiroler Amtssprachen auf dem neuesten Stand halten und auf eine korrekte/konsistente Implementierung achten;
  • mit dem Astat die kontinuierliche Erhebung sprachrelevanter Indikatoren planen;
  • ggf. die Koordinierung und Abhaltung der Zwei- und Dreisprachigkeitsprüfungen sowie die Anerkennung gleichwertiger Sprachzertifikate übernehmen;
  • den Bürgerinnen und Bürgern als vermittelnde und Auskunft erteilende Ombudsstelle (SprachgarantIn) dienen, wenn sie ihre Sprachrechte verletzt sehen und
  • solange diese Zuständigkeit dort verbleibt: zur etwaigen Ahndung von Verstößen mit dem Regierungskommissariat zusammenarbeiten und/oder Meldungen über Verstöße ans Regierungskommissariat weiterleiten.

Nix im Schädel?

Am Freitag, den 21. April organisierten die örtliche Schützenkompanie und der Südtiroler Schützenbund in Leifers eine Podiumsdiskussion zum Thema »Italianisierung in unseren Schulen« und stellten ihn unter den — mit Verlaub — bescheuerten und beleidigenden Titel »Pizza im Kopf«.

Was soll eine etwaige Italianisierung mit einem italienischen Gericht zu tun haben, das weltweit (und auch in Südtirol) zu den beliebtesten gehört?

Der Kampf um die deutsche Schule in Südtirol hat jahrzehntelang gedauert. Heute hat Südtirol ein gut funktionierendes deutsches Schulsystem, das der wesentliche Pfeiler des Minderheitenschutzes ist. Doch neuerdings wird mit Experimenten wie „Immersion”, „CLIL” und „Mehrsprachigkeit” an unserem bewährten deutschen Schulsystem gesägt. Zwangsverpflichtungen von deutschen Schülern zur Teilnahme an nationalistischen italienischen Feierlichkeiten, wie unlängst in Leifers, tun ein Übriges.

Soll aus unserer deutschen Schule eine italienische Schule mit (teilweise) deutscher Unterrichtssprache werden? Sollen unsere Kinder zu „deutschsprachigen Italienern” erzogen werden?

— Veranstaltungsankündigung

Die Mehrsprachigkeit ist für das öffentliche Schulsystem in einem mehrsprachigen Land ein wichtiges Ziel, das man wohl kaum als »Experiment« bezeichnen kann. Es darf und muss eine vorurteilsfreie Diskussion über die Methoden der Sprachvermittlung und die damit verbundenen Risiken geben — die speziell für eine Minderheitensprache im Nationalstaat bestehen. Wir haben das stets betont.

Dies darf aber kein Vorwand sein, um auch nur implizit die Verständigung zwischen den Sprachgruppen zu unterminieren, plumpen Antiitalianismus zu betreiben oder einen Rückzug in die Einsprachigkeit zu propagieren.

Die erfolgreiche »deutsche Schule« ist schon heute fortschrittlich, offen und inklusiv — und das sollte sie auch bleiben. »Völkische« Experimente kann sich Südtirol nicht leisten.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Landesjournalistenkammer: Mayr kontert Kronbichler.

Der Chefredakteur von Rai Südtirol, Wolfgang Mayr, antwortet dem Kammerabgeordneten Florian Kronbichler (Grüne/MDP), der in Bezug auf die Schaffung einer autonomen Südtiroler Journalistenkammer von »provinzieller Einigelung« und »ethnischer Trennung« geschrieben hatte.

Die bevorstehende Umwandlung der Journalistenkammer Trentino-Südtirol in zwei eigenständige Landeskammern wurde von Senator Karl Zeller (SVP) erreicht.

Mayr erinnert daran, dass JournalistInnen von Rai Südtirol, Athesia und Südtirol 1 bereits im Herbst 2015 von der regionalen Journalistenkammer gefordert hätten, Fortbildungskurse endlich auch in deutscher und ladinischer Sprache anzubieten. Ein entsprechender offener Brief sei an alle Südtiroler ParlamentarierInnen, also auch an Florian Kronbichler verschickt worden — doch weder Kronbichler, noch die Journalistenkammer selbst hätten je darauf reagiert.

Dass es sich bei der Schaffung einer Südtiroler Journalistenkammer um »ethnische Trennung« handle, verneint Mayr. Alle anderen Berufskammern seien schon heute auf Landesebene organisiert — und auch die Führung der Südtiroler Journalistenkammer würde dann eben von deutschen, italienischen und ladinischen JournalistInnen gewählt.

Warum dürfen wir nicht machen, was in anderen Berufen schon lange gilt?

— Wolfgang Mayr

Eine ähnliche Position wie jetzt hätte Kronbichler bereits zum Zeitpunkt der Rai-Reform eingenommen, so Mayr, als der grüne Kammerabgeordnete gar prognostiziert hatte, dass die italienischsprachige Redaktion von Bozen nach Trient übersiedeln müsste. Dies sei jedoch nicht eingetreten.

Noch einen weiteren Vorwurf weist der Rai-Chefredakteur zurück: Eine Schutzklausel für Sprachminderheiten, die ihre Vertretung im staatsweiten Kammerrat sicherstellt, hatte Kronbichler scharf kritisiert. Schließlich sei schon bisher — ohne Schutzklausel — schon immer »ein deutscher Südtiroler« im Kammerrat verteten gewesen. Mayr weist darauf hin, dass das Gremium bisher aus 156 Mitgliedern bestanden hatte, nunmehr jedoch auf 60 Sitze verkleinert werden soll. Somit hätte tatsächlich die Gefahr bestanden, dass die Minderheiten nicht mehr angemessen vertreten gewesen wären.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Schlampige Einzugsdienste.
Wo sind Velturns, Varn und Naz?

Die Südtiroler Einzugsdienste wurden 2013 auf Betreiben des Landes Südtirol und des Gemeindenverbandes als lokale öffentliche Gesellschaft zur Einhebung von Steuern und Gebühren aus der Taufe gehoben.

Schon im Fall des öffentlichen Ausschreibungsportals sowie der Webauftritte des Safety Parks oder für »Integration und Zweisprachigkeit« (!) hatten wir auf mangelnde Sorgfalt hingewiesen — ein Vorwurf, den man auch in Bezug auf die Homepage der Südtiroler Einzugsdienste nur wiederholen kann.

Ein Beispiel: Will man mit dem angebotenen ePayment-System eine Zahlung für eine Südtiroler Gemeinde tätigen, muss man sich durch eine Liste wühlen, die zwar fein säuberlich nach dem Anfangsbuchstaben des Gemeindenamens geordnet ist, aber nur, wenn man bemerkt, dass als Kriterium Tolomeis Übersetzungen benutzt wurden. So folgen auf B wie Bruneck plötzlich K wie Kaltern, T wie Tscherms oder G wie Graun, die gemeinsam haben, dass deren »italienische« Ortsbezeichnung mit C beginnt. Nicht nur politisch ein Unding, sondern bei 116 Kommunen auch alles andere als übersichtlich.

Als Krönung kommt noch hinzu, dass die angeblich »deutschen« Ortsbezeichnungen auch noch mehrmals falsch geschrieben wurden, was die Suche nicht gerade erleichtert. So finden wir Naz-Schabs (statt Natz-Schabs), Varn (Vahrn) und Velturns (Feldthurns).

Fazit: Einmal mehr muss leider von Hemdsärmeligkeit und wenig Rücksicht für die in Bezug auf ihre Sprachrechte ohnehin nicht verwöhnten Südtirolerinnen und Südtiroler gesprochen werden.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Dreisprachiges Erscheinungsbild.

Wie das Landespresseamt mitteilt, hat die Regierung Kompatscher auf Vorschlag von Landesrat Mussner (SVP) am 27. März beschlossen, das — etwas altbackene — Logo des Landes in dreisprachiger Fassung zu vereinheitlichen:


Bisher war das Logo vor allem von den Mussner unterstellten Abteilungen in der dreisprachigen, sonst vorwiegend in der zweisprachigen Version verwendet worden. Die nunmehrige Entscheidung sei eine symbolische Anerkennung der amtlichen Dreisprachigkeit sowie der Tatsache, dass die drei Landessprachen gefördert und gefordert würden.

Jeder Beitrag zur Gleichstellung und Sichtbarmachung sämtlicher Landessprachen ist aus BBD-Sicht erfreulich.

Siehe auch: [1] [2] [3]

China für Selbstbestimmung Kataloniens.

Vom 23. bis 25. März fand in Mexiko-Stadt die 21. Ausgabe des »Internationalen Seminars« der Arbeiterpartei (Partido del Trabajo) statt. Mit dabei: über 100 linke und kommunistische Parteien und Organisationen aus aller Welt.

In diesem Rahmen brachten die linke und antikapitalistische katalanische CUP sowie die spanische Linke Izquierda Unida (IU) eine Resolution ein, mit der die Selbstbestimmung im allgemeinen und insbesondere jene Kataloniens unterstützt werden soll(t)en.

Selbst die EinbringerInnen dürften erstaunt gewesen sein, als ihre Vorlage von sämtlichen teilnehmenden Parteien angenommen wurde, also neben den kommunistischen Parteien Deutschlands (KPD) oder Kanadas (CPC-PCC) auch von den Staatsparteien von Kuba und China.

Dass damit zumindest China eine zutiefst widersprüchliche Haltung an den Tag legt, wenn man etwa den Umgang der Volksrepublik mit den eigenen Minderheiten (TibeterInnen, UigurInnen…) betrachtet, ist mehr als offensichtlich. Die eigentlichen Absichten (Destabilisierung Europas? Hinweis auf die Inkonsequenz des sogenannten Westens, wenn er sich für Tibet einsetzt?) kann man hingegen nur erahnen.

Die wahre Tragik liegt in meinen Augen aber darin, dass ein Hort der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit (wie es Europa zweifellos ist) sich selbstverschuldet in die Lage begibt, von einer Diktatur in demokratischen Belangen vorgeführt, bloßgestellt und dadurch unter Umständen sogar destabilisiert zu werden — weil man in Europa akzeptiert, dass den Menschen beharrlich ein demokratisches Entscheidungsrecht verweigert wird.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

Quotation (358): Logischer Vorgang.
Migration und Sprache

Durch diese neue Migration haben sich aber die traditionellen Trennlinien zwischen den drei Landessprachen verhärtet, zumal Migranten als erstes die italienische Sprache lernen. Das ist an und für sich ein logischer Vorgang, weil sie in Italien den Asylantrag stellen.

Zeithistorikerin Eva Pfanzelter im Barfuss-Interview.

Aussagen wie diese bestätigen, dass die Autonomie außerstande ist, die intrinsischen Mechanismen des Nationalstaats im Sinne einer plurilingualen Gesellschaft wie der unseren außer Kraft zu setzen. Obschon das ihr eigentlicher Zweck sein sollte. Dabei muss der Nationalstaat gar nicht aktiv tätig werden, damit die »selbstverständliche« Wirkung seines »Nationalismus« greift. Darüberhinaus wird in Südtirol auch nicht (wie woanders) versucht, durch asymmetrische Maßnahmen (affirmative action) für mehr Gleichgewicht zu sorgen. Stattdessen

  • ist zum Beispiel für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung nach wie vor ausschließlich der Nachweis der Staatssprache vorgeschrieben;
  • werden ZuwandererInnen teils Italienischkurse kostenlos angeboten, während Deutschkurse kostenpflichtig sind;
  • ist man selbst in Südtiroler Landgemeinden oft der Auffassung, dass Italienisch für MigrantInnen die »bessere« Sprache sei, weil angeblich leichter zu erlernen.

Gerade in mehrheitlich deutschsprachigen Ortschaften wirken sich derartige Ansätze zudem ausschließend auf die neuen MitbürgerInnen aus. Solche für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtigen Überlegungen in die rechte Ecke zu stellen — nur weil sie aus durchsichtigem politischem Kalkül auch von den Rechten angestellt werden — halte ich für brandgefährlich.

Einwanderung ist zumindest bei den Migrationsnetzwerken immer noch ein „italienisches“ Phänomen – mehr als vier Fünftel der Vereinigungen bedienen sich der Referenzsprache Italienisch und weniger als 20 Prozent der deutschen.

Historiker und Konfliktforscher Kurt Gritsch auf Salto.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8]

»Minority Safepack«, EBI und Relationen (1:56).

Der sogenannte Minority Safepack der — von der höchst dubiosen Hermann-Niermann-Stiftung geförderten — FUEV/FUEN ist auf den Weg gebracht. Es handelt sich dabei um eine Europäische Bürgerinitiative (EBI), die »den Schutz der nationalen und sprachlichen Minderheiten« verbessern und »die kulturelle und sprachliche Vielfalt in der Union« stärken möchte.

Eine Million Unterschriften aus mindestens sieben EU-Mitgliedsstaaten müssen bis März 2018 für das Anliegen gesammelt werden, um es verbindlich auf die politische Tagesordnung der Europäischen Kommission (EU-K) zu setzen, freut sich zum Beispiel Mitinitiator Herbert Dorfmann (MdEP, SVP/EVP).

Auf die Tagesordnung setzen — das ist wenig, aber immerhin etwas. Verpflichtungen über die Behandlung hinaus hat die EU-K in Bezug auf eine erfolgreiche EBI leider nicht.

Und trotzdem: Wenn wir eine Million Unterschriften (bei rund 500 Millionen EU-BürgerInnen) auf Südtirol herunterbrechen, ergäbe das (bei rund 500.000 EinwohnerInnen) rund 1.000 Unterschriften. Vor gut drei Jahren hatten sich über 56.000 SüdtirolerInnen für eine Abstimmung zur staatlichen Zugehörigkeit unseres Landes ausgesprochen.

Anteilsmäßig über fünfzig Mal soviele, wie für den Erfolg einer EBI erforderlich sind, wurden damals von Medien und Politik belächelt und als großer Misserfolg abgetan. Auf der politischen Tagesordnung der Landesregierung landete die Angelegenheit natürlich nicht.

Herrn Dorfmann und seinen MitstreiterInnen aus der SVP wünsche ich für den Minority Safepack viel Erfolg. Aber — ohne große Hoffnung — auch, dass sie sich über den Umgang mit Anliegen aus der Bevölkerung Gedanken machen.