Quotation (477): Wer will…?

Welches sind die Identitätszeichen der katalanischen Kultur?

Es ist eine Kultur, die sich zusammen mit den jeweiligen Bedingungen verändert. Vor hundert Jahren gab es zum Beispiel in Katalonien eine weitgehende Akzeptanz des Stierkampfs. Heute gilt er als etwas Verabscheuungswürdiges. Und ich denke, darin liegt gerade die Stärke des Charakters, in der Fähigkeit, sich an die verschiedenen Einflüsse anzupassen und auch den Einwanderungswellen der letzten Jahrhunderte gegenüber offen zu sein. Das hat zum Glück auch das Entstehen eines ethnischen Nationalismus verhindert, der im 19. und 20. Jahrhundert teilweise in Mode war. Wir fragen ja nicht: Wer ist Katalane? Sondern: Wer will Katalane sein?

Der ehemalige katalanische Präsident, Carles Puigdemont (PDeCAT), im Interview mit der Berliner TAZ.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Sprachpfusch: Schlepper auf freiem Fuß.

Die Finanzwache hat letzten Sonntag am Brenner einen mutmaßlichen Schlepper gestellt und festgenommen. Dies berichtet die TAZ in ihrer gestrigen Ausgabe. Antrag seiner Verteidigerinnen habe das Landesgericht den deutschen Staatsbürger jedoch wieder auf freien Fuß setzen müssen, da die Beamtinnen die entsprechenden Unterlagen — vorschriftswidrig — nicht in deutscher Sprache verfasst hätten.

Nun wäre es der typische Reflex einer Minderheit, daraus die Konsequenz zu ziehen, dass Sprachrechte abgebaut werden müssen, um die Wiederholung solcher Zwischenfälle zu vermeiden.

Vielmehr sollten wir hingegen von diesem Staat fordern, den unendlichen Sprachpfusch einzustellen, der all seine Ämter und Behörden kennzeichnet. Dieser Schlendrian im Umgang mit den Bürgerinnen ist einfach unerträglich — und kann, wie der vorliegende Vorfall exemplarisch zeigt, auf Kosten der Sicherheit gehen.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Baden im ‘Triveneto’.

Athesia macht Werbung für eine Tourismusregion, die vor allem für Revisionistinnen und Faschistinnen existiert. Seit letztem Donnerstag — und wohl solange der Vorrat reicht — kann mit dem Tagblatt A. Adige der Seenführer des Triveneto (original: Guida ai Laghi del Triveneto) erworben werden, der zur weiteren Verbreitung dieses zweifelhaften geographischen Begriffs beiträgt.

Die Erfindung des Begriffs der »Drei Venetien« geht auf den Görzer Graziadio Isaia Ascoli (1829-1907) zurück, der damit die angebliche Italianität des Gebietes der Venezia Euganea (Venetien und Teile Friauls), der Venezia Giulia (Julisch Venetien und Teile Friauls) und der Venzia Tridentina (Trentino und Südtirol) unterstreichen wollte.

Aus historisch-geographischer Sicht hat die damit suggerierte Verbindung zwischen Südtirol und Venetien und/oder Italien keinerlei Fundament. Dafür schafft sie einen politischen Denkrahmen für nationale Assimilierung.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Quotation (473): Un nuovo movimento sociale.

Il movimento catalano m’impressiona, perché è talmente forte e pacifista. E perché non ha commesso l’errore che ha fatto il movimento basco di continuare la lotta armata dopo la fine della dittatura. Credo che il suo carattere pacifico sia un fattore di forza e anche un segnale per tutto il mondo. Si lancia il messaggio che si può raggiungere di più se sono le masse a mobilitarsi senza violenza che avendo una piccola elite violenta che usa le armi.

L’unico nazionalismo rilevante dello stato è il nazionalismo spagnolo. Il movimento catalano è soprattutto democratico. È la cittadinanza che vuole decidere il destino, che vuole esercitare diritti democratici.

Sono convinto che il movimento catalano sia una cosa nuova. Non è facilmente paragonabile… è nuovo come movimento sociale. Mi sembra che siate il futuro dei movimenti sociali d’emancipazione. Prima di tutto è un movimento capace di mobilitare regolarmente una gran parte della società. Su una cittadinanza di 7,5 milioni, mobilitarne regolarmente un milione, due milioni, è una cosa straordinaria. In secondo luogo è molto ben strutturato: migliaia di piccoli organi, associazioni, raggruppamenti, entità. Una società civile nel miglior senso della parola. Cittadinanza organizzata. E il terzo elemento è un movimento senza violenza, ma con molta immaginazione, come ha dimostrato il primo ottobre. Vedo nel movimento catalano il futuro dei movimenti di emancipazione d’Europa, e oltre. Basta guardare agli Stati Uniti, con questo movimento di giovani contro le armi. Ci sono somiglianze. Ora, come storico, forse la cosa che mi viene in mente è la Rivoluzione di Velluto, l’anno 1989 in Cecoslovacchia, e il maggio del 1968. Cioè mobilitazioni massicce. Autoorganizzazione molto forte, dove il comando non è centrale e potente, ma è la gente che prende in mano le redini. Molto aperte alle diverse tendenze interne. E infine pacifiche. Sono movimenti di disobbedienza civile nel miglior senso della parola.

Tratto dall’intervista di ‘Vilaweb’ con Josef Lang, storico, deputato del Consiglio nazionale svizzero (2003-2011) per i Verdi Alternativi del Canton Zugo (traduzione: ).

Vedi anche: [1] [2] [3] [4]

Schicken hier die Post.

Heute komme ich wieder einmal auf den Postdienst zurück.

  • Knapp ein Jahrhundert nach der Annexion,
  • 46 Jahre nach Inkrafttreten des Autonomiestatuts,
  • 30 Jahre nach Erlass der Zweisprachigkeitsbestimmungen (DPR 574/1988) und
  • über ein Jahr nach Unterzeichnung des grandiosen Deals zwischen Landeshauptmann und italienischer Post, der in Sachen Mehrsprachigkeit vor allem den Ankauf eines neuen Poststempels zur Folge hatte

habe ich festgestellt, dass die Beschriftung von Briefkästen folgenden zwei Mustern entspricht:

Entweder die Informationen sind (wie hier in der Brixner Bahnhofstraße) dreisprachig, wobei die deutsche Übersetzung — in Widerspruch zu DPR 574/1988 — mit einer kleineren Schrift versehen ist. »Poste« und »Posteitaliane« wurde gar nicht übersetzt, »spedisci qui la tua corrispondenza« äußerst sorgfältig mit »schicken hier die Post«.

Das zweite Modell ist dieses und folgt (wie hier in der Millander Plosestraße) den stets beliebten Maximen »eh wuascht« und »scheiß drauf«.

Beide Varianten sind illegal und zeugen davon, welch ignorante und nationalistische Mentalität bei diesem Betrieb nach wie vor herrscht. Aber natürlich können wir weitere Jahrzehnte weiterkämpfen und hoffen, dass irgendwann einmal — vielleicht in 30 oder 40 Jahren — Gesetze eingehalten werden.

P.S.: Wo ist eigentlich das Regierungskommissariat, das sich angeblich so toll um die Zweisprachigkeit kümmert?

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]

Der Nationalismus- und Intoleranz-Index.

Das Pew Research Center, ein unparteiischer Fact Tank mit Sitz in Washington D.C., hat Ende Mai die Studie Being Christian in Western Europe veröffentlicht, in deren Rahmen auf der Grundlage von 22 relevanten Fragen auch ein 15 Westeuropäische Länder umfassender Nationalismus- und Intoleranzindex erstellt wurde. Dieser sogenannte NIM-Score (mit Werten von 0 bis 10) umfasst dabei den Nationalismus sowie die Feindseligkeit gegenüber Immigration und religiösen Minderheiten.

Südtirol befindet sich dabei am Schnittpunkt zweier Staaten, deren Bevölkerung in Westeuropa besonders schlecht abschneidet: Fast vier von zehn Italienerinnen und — mit einigem Abstand — knapp drei von zehn Österreicherinnen erzielen einen kombinierten NIM-Wert von über fünf von zehn Punkten.

Einen ähnlich großen Sprung wie zwischen dem erstplatzierten Italien und dem zweitplatzierten Österreich (neun Prozentpunkte) finden wir nur am Ende der Skala noch einmal, zwischen dem besonders toleranten Schweden und den Niederlanden (acht Prozentpunkte).

Betrachten wir den Medianwert (0-10), fallen einige signifikante Unterschiede auf: Während es etwa in der portugiesischen Bevölkerung relativ wenige »intolerante Nationalistinnen« (mit mehr als fünf Punkten) gibt, liegt Portugal (3,5) hier hinter Italien (4,1) an zweiter Stelle.

Zu einigen speziellen Fragestellungen*:

  • 93% der Portugiesinnen (AT: 85% – IT: 84% – CH: 84% – ES: 79% – DE: 78%) sind stolze Mitglieder ihrer Nation.
  • 87% der Finninnen (AT: 69% – DE: 66% – IT: 64% – CH: 64% – UK: 62%) sind stolz, Europäerinnen zu sein.
  • 93% der Christinnen in Portugal (IT: 78% – AT: 66% – CH: 64% – DE: 62% – UK: 61%) sind stolz, Christinnen zu sein.
  • 12% der Italienerinnen (AT: 8% – DE: 8% – CH: 8% – NL: 1%) würden keine jüdischen Nachbarinnen akzeptieren.
  • 21% der Italienerinnen (AT: 13% – DE: 13% – CH: 13% – NL: 3%) würden keine muslimischen Nachbarinnen akzeptieren.
  • 62% der Finninnen (IT: 53% – AT: 48% – DE: 44% – CH: 42% – PT: 31%) glauben, dass der Islam mit der Kultur und den Werten ihres Landes fundamental inkompatibel sei.
  • 30% der Italienerinnen (AT: 24% – DE: 24% – CH: 23% – PT: 12%) sagen, muslimische Frauen sollten gar keine religiöse Kleidung tragen dürfen.
  • 26% der Italienerinnen (AT: 23% – CH: 21% – DE: 17% – SE: 8%) sagen, dass die Lehren mancher Religionen Gewalt fördern.
  • 37% der Belgierinnen (IT: 32% – AT: 25% – DE: 25% – CH: 23% – FI: 8%) fühlen sich aufgrund der Anzahl an Musliminnen wie Fremde im eigenen Land.
  • 36% der Portugiesinnen (IT: 31% – CH: 24% – AT: 22% – DE: 19% – SE: 13%) stimmen der Aussage zu, dass Jüdinnen immer ihre eigenen Interessen und nicht jene des Landes, in dem sie leben, verfolgen.
  • 36% der Italienerinnen (AT: 22% – CH: 21% – DE: 18% – SE: 11%) stimmen der Aussage zu, dass die Jüdinnen ihr historisches Leid überschätzen.

Interessant ist abschließend, dass bei Christinnen (praktizierend oder nicht) in allen Ländern** die Wahrscheinlichkeit teils deutlich höher ist, einen kombinierten NIM-Wert von über fünf (von zehn) zu erreichen, als bei Menschen, die sich religiös nicht zuordnen.

Siehe auch: [1] [2] [3]

*) nicht alle fließen in den NIM-Score ein
**) eine Ausnahme bilden praktizierende Christinnen in Norwegen

Die Angelobung und die Eidesformeln.

Nach der heutigen Vereidigung der neuen italienischen Regierung (5SB/Lega) habe ich kurz recherchiert, welche Eidesformeln in anderen Staaten üblich sind. Grund ist, dass ich den italienischen Text — wiewohl man die Prozedur vielleicht nicht überbewerten sollte — problematisch finde:

Giuro di essere fedele alla Repubblica, di osservarne lealmente la Costituzione e le leggi e di esercitare le mie funzioni nell’interesse esclusivo della Nazione.

Speziell wenn man die Einbindung Italiens in die Europäische Union bedenkt, ist es doch zumindest merkwürdig, wenn von den Regierungsmitgliedern verlangt wird, ihr Amt im ausschließlichen Interesse der Nation (!) auszuüben.

Auch die in der BRD gebräuchliche Eidesformel ist mit ihrem Verweis auf das »deutsche Volk« altbacken, aber nicht so ausdrücklich exkludierend wie die italienische. Bundeskanzlerin und Ministerinnen sagen bei der Angelobung:

Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. [So wahr mir Gott helfe.]

Der religiöse Zusatz ist freiwillig. In der Schweiz können die Bundesrätinnen zwischen einem religiösen »Eid« und einem weltlichen »Gelübde« wählen:

Ich schwöre vor Gott dem Allmächtigen, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten meines Amtes gewissenhaft zu erfüllen.

Ich gelobe, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten meines Amtes gewissenhaft zu erfüllen.

In Österreich schließlich lautet die Eidesformel für sämtliche Regierungsmitglieder wie folgt:

Ich Gelobe, dass ich die Verfassung und alle Gesetze der Republik getreulich beobachten und meine Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen werde.

Die Schlüsse überlasse ich den Leser- und Kommentatorinnen.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Quotation (468): Retorica della guerra.

I giorni dell’adunata a Trento sono stati giorni di esaltazione della guerra. Sui quotidiani, nell’informazione è solo un lungo inseguirsi di mostre che hanno messo e mettono in vetrina armi, che inneggiano all’eroismo degli alpini, al sacrificio dei soldati, alla grandezza – cent’anni fa – di una vittoria voluta fortemente da tutto un popolo.

Perché? Perché cent’anni dopo ci siamo raccontati ancora le balle degli eroi che morirono in trincea, senza ricordare che morirono squartati, tenendosi le budella, avvolti nella loro merda, mangiati da topi e pidocchi, costretti a ripararsi con i cadaveri dei compagni appena uccisi? Perché dobbiamo raccontare agli alpini di oggi che i loro nonni-commilitoni sono morti inneggiando la patria e il Re, senza dire delle bestemmie, delle morti terribili per il freddo, tra i ghiacci, in una guerra senza senso, travolti dalle slavine, uccisi dalla polmonite e dalla fame, prima che dal nemico?

Cent’anni dopo siamo ancora a confrontarci con la grezza, stupida, arrogante retorica della guerra e della Prima Guerra Mondiale. Non diciamo che quei milioni di morti ci furono perché avevamo aggredito un altro Paese per strappargli della terra. Noi applaudiamo gli alpini che sfilano nella retorica dei “baluardi che hanno difeso la Patria”. Cantiamo la canzone del Piave spiegando che “l’esercito marciava per far contro al nemico una barriera”. Noi quel 24 maggio del 1915 abbiamo mandato migliaia di italiani a morire invadendo un territorio, varcando l’Isonzo – non il Piave, diciamolo per favore – per occupare pezzi d’Austria. In 157 anni di storia nazionale, non abbiamo mai, mai combattuto una guerra difensiva.

Abbiamo sempre attaccato briga, andando a conquistare pezzi di imperi, pezzi d’Africa o pezzi di Balcani. Sempre all’offensiva, sempre a casa d’altri. L’unica guerra difensiva della nostra storia è stata la Guerra di Liberazione partigiana: guarda caso è quella che vogliamo dimenticare. In questa retorica da straccioni, ci siamo dimenticati di pensare un solo momento dedicato a chi è stato ed è contro la guerra. Non c’è stata una mostra ufficiale, a Trento o altrove, che ricordi i disertori, quelli che scelsero di morire per non uccidere. Non c’è un momento dedicato alle donne che tentarono di fermare le tradotte carichi di figli, mariti e fratelli destinati al macello. Niente, nulla.

tratto da un commento di Raffaele Crocco, direttore ‘Atlante delle Guerre e dei Conflitti nel Mondo’, apparso su ‘il Dolomiti’.

Vedi anche: [1] [2] [3]