Militärwohnungsskandal.

Wie Salto-Chefredakteur Christoph Franceschini aufgedeckt hat, soll das Land Südtirol Wobi-Wohnungen in städtischer Top-Lage an gegenwärtige und ehemalige Mitglieder der italienischen Streitkräfte verscherbeln. Grundlage für diesen Skandal sei das umstrittene Tauschgeschäft zwischen Land und Militär, in dessen Rahmen 5% der betroffenen Flächen an Genossenschaften von aktiven und bereits im Ruhestand befindlichen (Unter-)Offizieren hätten gehen sollen. Weil es jedoch nie dazu kam, sei mit dem im August verabschiedeten Nachtragshaushalt 2017 klammheimlich ein Passus ins Wohnbaugesetz eingefügt worden: Demzufolge könne die Landesregierung diese 5%-Quote auch durch Abtretung von Wobi-Wohnungen in Bozen und Meran erfüllen. Franceschini mutmaßt, dass diese Regeländerung auf Bestellung der Militärs beschlossen worden sei — da schon kurz nach ihrer Einführung eine Genossenschaft aus Angehörigen des Heeres und der Carabinieri gegründet worden sei, die zum Ziel hatte, diese neue Möglichkeit in Anspruch zu nehmen.

Dabei hätten sich die Uniformierten mit zunächst vom Wobi angebotenen Wohnungen nicht zufrieden gezeigt. Ihrem Wunsch nach zentrumsnäheren und somit teureren Lagen sei schlussendlich auch noch entsprochen worden. Da die Wohnungen weit unterm Marktpreis abgetreten worden seien und auch keiner Sozialbindung unterlägen, sei die Operation ein perfektes Spekulationsgeschäft.

Der wahren Wohnraumbedürfnisse ungeachtet könnten die Militärs dem Wobi— völlig legal — Immobilien abkaufen, um sie tags darauf gewinnbringend weiterzuverkaufen. Bildlich gesprochen schenkt das Land Privatpersonen hohe Geldsummen, weil sie einer bestimmten Berufsgruppe angehören.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Siegesdenkmal: Historisierung verhöhnt.

Mit hinterfotzig-freundlicher Fratze posierte der erklärte Faschist und CPI-Chef Simone Di Stefano bei seinem jüngsten Südtirolbesuch* vor dem — ähm — vorbildlich mutig überarbeiteten faschistischen Siegesdenkmal. Ein kleiner Handgriff reicht, um den »historisierenden« Ring hinter einer Zeitschrift verschwinden zu lassen.

Sollten noch Zweifel bestanden haben, ob die vorgenommene Kontextualisierung ausreicht — hier dürfte die Antwort sein.

Beim Piffrader-Relief wäre sowas glücklicherweise viel schwieriger.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]

*) Di Stefano war Ende letzter Woche als Wahlkampfunterstützung für ‘CasaPound’ in Bozen

‘Wahllokal’: Limitare il turismo?

Secondo una statistica pubblicata recentemente da Südtiroler Wirtschaftszeitung, il Sudtirolo sarebbe la quarta regione dell’Unione Europea per pernottamenti turistici, dopo l’Egeo Meridionale, le Isole Ionie e le Baleari*.  Siamo dunque in testa alla classifica di tutte le zone non marittime.

Le voci che chiedono una limitazione del turismo per limitare l’antropizzazione del territorio e proteggere l’ambiente si fanno sempre più insistenti. E anche Wahllokal, iniziativa di Südtiroler Jugendring per aiutare i giovani a orientarsi in vista delle elezioni sudtirolesi del 21 ottobre, ha chiesto alle singole liste che cosa pensano di un’eventuale giro di vite.

Solo quattro di loro — Team Köllensperger (TK), Noi A. A. Südtirol, Verdi e Lega Nord — si dicono favorevoli alle limitazioni. TK, che ritiene «importante» la questione, si dice favorevole allo sviluppo qualitativo e contrario a quello quantitativo, «la tutela del paesaggio e il controllo del traffico hanno la priorità». Anche Noi specifica «più qualità meno quantità», mentre Verdi e Lega Nord (entrambi ritengono la questione «molto importante») non danno ulteriori spiegazioni.

Contrari a «limitare lo sviluppo dell’industria turistica» si dicono invece tutti gli altri: da Süd-Tiroler Freiheit (STF) alla Sinistra Unita passando per AAnC/FdI («molto importante»); BürgerUnion, Forza Italia e M5S («importante»); Freiheitliche, SVP** e PD («meno importante»).

Mentre STF si dice favorevole a trovare un giusto equilibrio (senza spiegare come, visto che ci si dice contrari a qualsiasi limitazione), i Freiheitlichen in perfetto stile neoliberale si dichiarano del tutto contrari a interventi di questo tipo nella libera economia, con BürgerUnion che invece chiede meno letti e maggiore qualità.

La Sinistra Unita punta su «sostenibilità e regionalità» mentre i Cinque Stelle propongono una riconversione dell’industria turistica «secondo modelli ecosostenibili» con «sostegno all’agroturismo e all’eco bio turismo con mobilità dolce».

Vedi anche: [1] [2] [3] [4] [5] [6] | [7] [8] [9] [10] [11]

*) pernottamenti rapportati al numero di abitanti, dati 2016 relativi alle regioni NUTS-2
**) risposta elaborata dal comitato scientifico di ‘Wahllokal’ sulla base del programma SVP

Migranc y speculanc.

de Pablo Palfrader

Al m’á fat morvëia, cun ci impëgn che ladins á porvé da se paré da n pér de migranc. Valgügn se damanâ cinamai referendums, dijon che la jënt dess podëi dí sce ai ó bëgn i avëi. Le medemo impëgn foss d’öga da ti jí pormez ala svenüda de nüsc paisc a foresć. Iló n’él degügn che damana sce la jënt ó che sü paisc vëgnes venüs fora, sce ara é a öna cun i rolôs stlüc jö döt l’ann, o che jënt ne vá nia plü te nüsc hotí, o tl piec di caji cun vijins che te fej problems pornanche na iarina ciapa te so urt. Iló vëgnel dit che “al é mio y cun mi privat feji ci che i ó”. FALZ! La ciasa venüda sará privata, mo les conseguënzes paia düc. La svenüda á porté i prisc di grunc ales stëres, contribuësc da petoné pro nüsc paisc y compromët le dagní de nüsc mituns, che ará de gran dificoltés da se fá sö n’abitaziun. Chësta n’é nia fantasia, i l’odun te d’atri posć: de chi da Cortina á messü chirí n tët a San Vito dal Ciadura, gherdënes a Laiun y dla Val Badia foran Puster. So paisc é gnü massa cer. Y chësc nia dainré por gauja de speculanc che ne n’á mai assá, sfrüta y vënn vigni cubatöra sciöche sce ai foss i ultims. Chisc é danns che restará, cotan piec co na man de migranc. Les aministraziuns ne pó nia plü sté a bazilé y ciaré pro. Ares messass se paré cun pîsc y cun mans da chësc svilup che vá cuntra süa jënt. La Provinzia de Balsan á sëgn fat fora che i cuatiers nüs mëss gní convenzioná al 100%. Odarun sce chësc provedimënt portará davëi früc. Le todësch dij che “Not macht erfinderisch”! Mo indere: ince l’ingordia.

La Usc di Ladins.

Teilstopp dem Ausverkauf.

Die Landesregierung hat gestern die Gemeinden und Fraktionen definiert, in denen fortan 100% der neuen Wohnungen der Konventionierungspflicht unterliegen. Das bedeutet, dass sie nur von Personen bewohnt werden dürfen, die ihren Wohnsitz seit mindestens fünf Jahren in Südtirol haben oder im Lande ein Arbeitsverhältnis nachweisen können.

Die Grundlage für diesen Beschluss ist das neue Gesetz für Raum und Landschaft, das am 8. Juni verabschiedet wurde und am 1. Jänner 2020 vollständig in Kraft tritt. Die Regelung, die sich auf den sogenannten »Ausverkauf der Heimat« bezieht, gilt jedoch bereits seit 13. Juli.

Sie besagt, dass die Landesregierung die Gemeinden und Fraktionen ermittelt, in denen mehr als 10% der Wohnungen als Zweitwohnungen genutzt werden, und über diese die 100-prozentige Konventionierungspflicht verhängt. Fraktionen, in denen es insgesamt weniger als 50 Wohnungen gibt, sind von der Regelung ausgenommen.

Ziel der Maßnahme ist es, die Überhandnahme von Zweitwohnungen einzudämmen, den Grundverbrauch zu beschränken und dem Preisanstieg entgegenzuwirken, der für Ortsansässige häufig ein gravierendes Problem darstellt.

Die 100-prozentige Konventionierungspflicht gilt bis zum 31. Dezember 2019 für:

  • 25 Gemeinden:
    Altrei, Badia, Brenner, Corvara, Gsies, Hafling, Innichen, Kastelruth, Mareo, Niederdorf, Olang, Plaus, Rasen-Antholz, Ritten, Schnals, Sexten, S. Cristina, S. Martin de Tor, Sëlva, Stilfs, Terenten, Toblach, Urtijëi, Welsberg–Taisten, Welschnofen.
  • 26 Fraktionen:
    Radein (Aldein), Afers (Brixen), St. Andrä (Brixen), Reischach (Bruneck), Petersberg (Deutschnofen), Mühlbach (Gais), St. Valentin (Graun i.V.), Graun (Kurtatsch a.d.W.), Hauptort Lajen, Tanirz (Lajen), Pawigl (Lana), St. Martin am Kofel (Latsch), Pfelders (Moos in Passeier), Unterfennberg (Margreid), Meransen (Mühlbach), Issing (Pfalzen), St. Jakob (Pfitsch), Außerprags (Prags), Innerprags (Prags), Walten (St. Leonhard in Passeier), Thuins (Sterzing), Gfrill (Tisens), Peterbühel (Völs), Prösels (Völs), St. Konstantin (Völs), Ums (Völs).

Zum 1. Jänner 2020 wird die Liste überprüft und gegebenenfalls überarbeitet.

A22: Infrastrukturqualität (nach Genua).

Nach dem tragischen Einsturz des Polcevera-Viadukts in Genua, der gestern Dutzende Menschen das Leben gekostet hat, gewinnt — wie ich finde — auch die Sorge um den Zustand öffentlicher Infrastruktur in Südtirol an Aktualität.

Im Mai 2017 hatte ich bezüglich Brennerautobahn A22 »mangelhafte Instandhaltung und Risiken« beanstandet, unter anderem

Bröckelnde seitliche Stützwände mit fehlenden (abgefallenen) Verkleidungselementen

und

Schlechter Zustand statischer Strukturen mit teils freiliegenden Bewehrungseisen (z.B. Steinschlagschutzüberbauung Nähe Brennerpass).

Auch an anderen Stellen sind mir inzwischen besorgniserregende Verfallserscheinungen aufgefallen. So wurde eine Autobahnüberführung (s. Bild) im Wipptal seitlich mit einer Plane »verpackt«, ganz offensichtlich um zu verhindern, dass abbröckelnde Betonteile auf die darunterliegende Fahrbahn gelangen können. Nachdem das Viadukt nach wie vor in Betrieb ist, stellt sich womöglich auch die Frage nach der Stabilität.

Im wahrsten Sinne zerbröselnde Bordsteine und in Auflösung befindliche Betonleitwände stellen zwar — vielleicht* — keine unmittelbare Gefahr dar, doch auch sie nähren das Misstrauen in die Infrastruktur als Ganzes. In die Teile also, die man im Vorbeifahren weder sieht noch beurteilen kann.

Bis gestern war dieses Grundvertrauen, dass schon doch alles passen und wenigstens das Wesentliche professionell überwacht wird, noch einigermaßen intakt.

*) und nur solange das Material nicht auf der Fahrbahn landet

Profit aus faschistischem Unrecht.
Eine angebliche Lorenzner Erfolgsgeschichte

Der Begriff »Raubkunst« bezeichnet — laut Wikipedia, die sich wiederum auf Hannes Hartung* beruft — verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter […] von Personen,

die einer Personengruppe angehören, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 aus rassischen, religiösen und politischen Gründen verfolgt

wurden. Darunter fallen auch Güter, die von den Eigentümerinnen verkauft wurden, weil sie vom Regime in eine Zwangslage versetzt wurden.

Um Raubkunst handelt es sich natürlich auch, wenn die Entziehung oder der Verlust unter damals »legalen« Verhältnissen — also gesetzeskonform — stattgefunden hat.

Und nicht zuletzt fällt auch der Raub des Staates an seiner eigenen — anderweitig nicht verfolgten —Bevölkerung und an den eigenen öffentlichen Sammlungen (etwa von sogenannter »entarteter Kunst«) unter den Raubkunstbegriff.

Weitestgehende Einigkeit herrscht darüber, dass es sich dabei um ein Kulturverbrechen und um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt. Entsprechende Güter sind ihren ursprünglichen Besitzerinnen (bzw. den Erbinnen) zurückzugeben — natürlich kostenlos, wobei sebsterklärenderweise unerheblich ist, ob sie sich ggf. einen Rückkauf leisten könnten. In vielen Fällen werden auch Entschädigungen geleistet.

Anders in Südtirol.

Infolge archäologischer Funde aus der Römerzeit ließ das faschistische Regime in St. Lorenzen 1940 Grundstücke enteignen. Die Entdeckung von Resten der Mansio Sebatum wurde zur Legitimierung der bereits laufenden Entnationalisierungs- und Assimilierungspolitik missbraucht, dem bereits verhunzten Ortsnamen »San Lorenzo« der Zusatz »di Sebato« (als Italianisierung von Sebatum) angehängt. Wie alle anderen Gemeinden im Land kann auch St. Lorenzen bis heute nicht frei über die eigene Ortsbezeichnung befinden, sondern bleibt an faschistisches (Un-)Recht gebunden.

Die im Faschismus enteigneten Gründe — unter anderem jene, auf denen sich die römischen Gemäuer befinden — sind erst jetzt wieder in den Besitz der Pustertaler Gemeinde zurückgekehrt. Doch nicht etwa freiwillig, sondern (wie das Land in einer Pressemitteilung vermeldet) »nach langen Verhandlungen.« Und auch nicht kostenlos: Der Lorenzner Bürgermeister, Martin Ausserdorfer (SVP), spricht von zwei Millionen Euro, die am Ende eines Tauschgeschäfts den Carabinieri zugute kommen.

Dieselben Carabinieri übrigens, die widerspruchslos dem faschistischen Regime gedient hatten — und die sich (genauso wie der italienische Staat als Ganzes) niemals bei Südtirol entschuldigt haben, seit sie am Ende des zweiten Weltkriegs nahtlos in Südtirol weitergearbeitet** haben.

So sieht es eben hierzulande aus, wenn — wie es das Land ebenfalls nennt — »faschistisches Unrecht rückgängig [gemacht]« wird. Da muss natürlich auch was für den »Räuber« abfallen.

Siehe auch: [1]

*) Hannes Hartung: Kunstraub in Krieg und Verfolgung. Die Restitution der Beute- und Raubkunst im Kollisions- und Völkerrecht. (= Schriften zum Kulturgüterschutz). de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-89949-210-2. (Zugleich: Zürich, Univ., Diss., 2004)

**) die ‘Carabinieri’ haben sich in der Folge auch der Folter von Südtirol-Attentätern schuldig gemacht

Unsere Themen bei 12 nach 12.

Der ehemalige Chefredakteur von Rai Südtirol, Wolfgang Mayr, hat mich kürzlich für die Sendung 12 nach 12 interviewt. Das Ergebnis ist schon seit mehreren Tagen als Podcast bei Rai Südtirol abrufbar, wird am morgigen Samstag im Radio gesendet und ist jetzt auch hier zu hören:

Es geht um die Kernthemen des Blogs, aber zum Beispiel auch um eine Bewertung der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen oder um den Brixner Hofburggarten.

Die Anmoderation übrigens, wonach ich als Architekt »angekommen« sei, ist zwar wohlwollend formuliert, aber nicht wirklich zutreffend.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]