"LanQuatscherei"

Unvergessener, immer währender Norbert C. Kaser

Susanne, am 16. February 2008

Vor über dreißig Jahren hat N.C. Kaser folgende Artikel auf der “Deutschen Seite” der Tageszeitung “Alto Adige” veröffentlicht. Es gibt viele dieser Beiträge, die es wert wären, aufgegriffen zu werden; ich möchte es im Augenblick bei diesen beiden belassen. Sie bezeugen, wie viel - oder besser wie wenig - sich in den dreißig Jahren verändert hat. Gute Lektüre! Wer die Sprache nicht versteht, beherzige die Diagnose, die mir gestern wieder in die Hände gefallen ist (es handelt sich um eine Aktion der Grünen): Einsprachigkeit ist heilbar!

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Norbert C. Kaser

Susanne, am 28. October 2007

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stegener markt ausgabe 77

weinen will ich weinen um den groeßten markt tirols.
leute zuhauf menschen auch . . . nix weiter.
der markt aber schreit nicht mehr.
kinderaugen verlaufen sich nicht am tuerkischen honig.
automatisierte schausteller.
wo? wo die schwerversehrten bettler
die gaukler schwindler feuerfresser
die heilgenbildchen wundermittel
die tiger panther rotarschaffen
die dickste ziehorglerin der welt
koeschtnbrater bauernfaenger riesenschlange
steilwandfahrer tanzbaer akrobat

fade sind die waren ohne salz daß sich die plastikblumen schaemen.
die tupfer fehlen im gewog gewurle & geschehen.
doch ueber allem schweben vom bierzelt aus die schwaden massenhaft
massakrierter huehner dem dorfe stegen zu.
weinen will ich weinen & find das schneuztuchmanndl nimmer
mit seinem song:

eins fiers moidile nannile joggile seppile tresile
moidile nannile joggile seppile
moidile nannile joggile
moidile nannile
moidile

plaerren kannt’i!

Nachtrag, 29. Oktober
Ich habe obigen Text reingestellt, da ja am Wochenende der heurige Stegener Markt stattfand und dies genau dreißig Jahre danach. Leider konnte ich das originale Layout nicht beibehalten, da ich hier die bestimmten Verse nicht einrücken kann.

Gestern hab ich’s mir noch verkniffen, aber ich kann nicht umhin, hier mein Lieblingsggedicht von Norbert C. Kaser reinzustellen:

die laerche

gerne waer ich eine laerche
mueßte nicht trinken
nix rauchen
nicht mich brauchen
zu bewegen
nur bewegen lassen

gerne waer ich eine laerche
im schnee
ohne gewand
& saeh uebers land
im fruehjahr
laerchengruen

nur bewegen lassen
von boden regen hagel
eller
wind

gerne auch aelter
wuerd ich werrn
denn
sie

In memoriam ff-Forum

Susanne, am 30. September 2007

Aus der Versenkung möchte ich einige wenige (ich glaube auch, zum Teil von mir amputierte) Diskussionsfäden aus dem gewesenen ff-Forum retten. Ich habe nur wenige gespeichert, in der Meinung, dass man sie aus dem Labyrinth des Netzes jederzeit wieder rausfischen könne. Falsche Vermutung: Bis vor einiger Zeit konnte man mittels Suchmaschine die Diskussionsfäden wieder finden, heute habe ich festgestellt, dass dies nicht mehr möglich ist.

Ich bitte deshalb jeden, der Threads gespeichert hat, diese hier zu posten.

Sulla scrittura
Sulla scrittura 2
Meditazioni sul confine
Kakanien

Valentin[o] hat mir folgende Diskussionsstränge zukommen lassen, die eine Veröffentlichung wert sind.
“Disagio” nei forum
SVP vs PPS
Los von Italien… vielleicht
Schließung des FF-Forums
Devolution oder Dissolution

Außerdem hat er mich auf folgende Seite des Blogs verwiesen, auf der eine Diskussion unter
der Überschrift “Der Plan des Lehendakari” verewigt ist.

Nachtrag, 29. Oktober 2007
Schon vor einigen Wochen hat mir Alex freundlicherweise Links zur Verfügung gestellt, mittels denen man zu einigen Threads des gewesenen Forums gelangt und von dort wiederum vor- und zurücksurfen kann. Einige Gesprächsfäden lassen sich nicht mehr öffnen, andere hingegen schon. Leider fehlt mir immer wieder die Zeit diese Arbeit ordentlich zu machen. Inzwischen lade ich mal einige dieser Threads als PDF-Dateien. Nicht immer sind sie so sehr inhaltlich interessant, als dass sie die Atmosphäre des Verblichenen wiedergeben.

Jassir Arafat

Antifa in Südtirol

Clamorosa notizia

Die Pflanze

Fahnenkult

Jean Selim

Kultur- und Sprachpolitik in Katalonien

Lobis

Ortsnamen zum x-ten Mal

Peterlini

Piloni (Siegesdenkmal)

Pressefreiheit

Quattro chiacchiere sulla “questione”

Rocco im Wortlaut

Rokko Großeflasche

Schönstes deutsches Wort

Seligsprechung des Kaisers

Tiroler Fahnen mit Trauerflor

US-Wahl

Air Alps und 10 Mio. Kapitalbedarf

Aus Werbegründen

Susanne, am 29. May 2007

Wenn dies auch bei uns Schule macht, dann hätten wir das Problem der Toponomastik schon mal vereinfacht. Irgendwie erinnert mich das an die zweite (oder ist es die dritte?) Folge der “Piefke-Saga” von Felix Mitterer. Die Kommentare zu dieser Nachricht sind absolut lesenswert.

Der Lammerdurchbruch bei Oberscheffau wird bald nur noch in den Heimatkunde-Büchern “Lammeröfen” heißen: Der traditionelle Name des Naturschauspiels wird auf Hinweistafeln und in Tourismusprospekten aus Werbegründen in “Lammerklamm” umbenannt.

Die Geschichte.

Ausweis

Susanne, am 17. March 2007

Ich habe mich heute auf der Bozner Gemeinde sehr ärgern müssen. Anlass war der Personalausweis für meine Tochter. Das Gespräch wurde auf Italienisch geführt (ich löste meinen Partner ab, da das Auto nicht ordnungsgemäß geparkt war) und versicherte mich, dass die Daten in beiden Sprachen aufscheinen würden. Toll fand ich, dass man jetzt den Zivilstand nicht mehr angeben muss, was bei einer Fünfzehnjährigen sowieso absurd wäre.

Bei der Frage nach dem Beruf fuhr ich sofort meine Antennen aus, zu Recht, wie ich dann erfuhr: Auf meine Frage, wie denn “studente” auf Deutsch laute, antwortete mir der Beamte mit “Studentin”. Auf meinen Hinweis, dass beim Alter meiner Tochter nur “Schülerin” in Frage käme, stimmte er mir zu und meinte, dass es sich um einen Programmfehler handle und dass er den Amtsvorsteher schon vor einigen Monaten darauf aufmerksam gemacht habe.

Ich kenne mich mit Computerprogrammen nicht aus, kann mir aber vorstellen, dass sehr wohl die Wahl zwischen “studente/StudentIn” sowie “studente/SchülerIn” möglich sein sollte. Eine diesbezügliche Mail habe ich bereits abgeschickt.

Nachtrag: Da ich mit dem Bozner Bürgermeister, Herrn Spagnolli, noch ein Hühnchen zu rupfen hatte, schrieb ich ihm auch über diesen Fall, zumal der Bürovorsteher über den Sachverhalt Bescheid weiß, jedoch nicht gehandelt hatte. Dies ist seine Antwort - nach anderthalb Tagen -  zu diesem Fall; übrigens keine automatische:

Per il programma anagrafico mi sono attivato. Talvolta i software sembrano essere inamovibili, peggio dei burocrati vecchio stampo, ma ho fiducia che si riesca a rimuovere l’incongruenza linguistica.

Tondokumente (2)

Susanne, am 26. February 2007

Die folgenden Äußerungen stammen vom Pächter eines Cafés im Bozner Don-Bosco-Viertel. Vorangegangen war eine Bemerkung meinerseits zur ausgehängten Öffnungszeit, die nur auf Italienisch angebracht ist. Ich habe mich zu dieser Bemerkung deshalb hinreißen lassen, weil der Betreiber mich auf Deutsch verabschiedet hatte, obwohl unser Gespräch bei Bestellung und Bezahlung auf Italienisch abgelaufen war. Auch hier besitze ich die Tonaufnahme, liefere sie jedoch aus dem bekannten Grund nicht mit. Die Verschriftlichung habe ich bewusst einfach gehalten: Beistriche sind hier keine Satzzeichen, sondern kennzeichnen eine kurze Pause; Bindestriche stehen für eine etwas längere Pause; Fragezeichen geben die entsprechende Satzmelodie an. Nicht angezeigt habe ich leise oder besonders betonte Textteile.

Io Le posso dire una cosa, io ho lavorato in un ambiente tedesco, beh non faccio il nome dell’albergo per cui lavoravo dove c’è una/una mafia di lingua tedesca che Lei non immagina, quindi è inutile che stiamo lì a/a dire e a fare, quando ci si trova in un ambiente tedesco bisogna essere tedeschi ma se si trova in ambiente italiano ci vuole il bilinguismo

qua è solo/quasi/tipicamente italiano (x) a me del bilinguismo/io vengo da Ischia Signora, io non ho questi problemi, i problemi sono qua sono di quelli di lingua tedesca e di quelli di lingua italiana I problemi Signora, io scusi beh, io ho sposato una tirolese di lingua ladina io ho portato mio figlio a Lana, al/al/all’asilo tedesco quindo io volevo ambientarmi

ma parla ladino Suo figlio?

no, non parla ladino, però le posso garantire che io ho portato mio figlio in un asilo tedesco e – me l’hanno messo da parte, questo è da fare una denuncia è da fare tante cose, io ho preferito andarmene da là però è una storia vera

ma sapeva il tedesco Suo figlio?

mio figlio aveva quattro anni, l’ho messo in un asilo tedesco, bisogna insegnarglielo

che lingua gli avete insegnato in casa?

noi gli parlavamo in italiano, ma noi abbiamo detto alla/alla insegnante, che parlava solo tedesco, parlava solo tedesco, le abbiamo detto, questo bambino parla solo italiano, vogliamo fargli imparare il tedesco?, è possibile portarlo in questo asilo? - ah, sì, gli insegneremo il tedesco - invece no, l’hanno messo da parte - adesso non mi faccia ritornare indietro di dieci anni, signora eh, che special/mio figlio a otto anni l’ho portato dal/dal/dall’analista, otto anni, per questo motivo qua (xxx) entriamo in gioco, io volevo ambientarmi, eh cioé questa è una/è una/è una/una cosa vostra, di quelli di lingua tedesca, perché gli italiani sono aperti, i tedeschi vogliono solo fare a modo loro lo registri signora, me lo mandi pure

Zweisprachige Kinder

Susanne, am 8. February 2007

Ich bringe diesmal die Transkription von einer Stunde, die ich mit den religionsbefreiten Zweitklässlern einer deutschen Grundschule in Bozen verbrachte. Sämtliche Kinder sind zweisprachig aufgewachsen, bei vier ist die Erstsprache der Mutter Deutsch, ein Kind hat eine italienischsprachige Mutter und einen zweisprachig aufgewachsenen Vater.

Bei einem dieser Kinder, das alle acht Pflichtschuljahre (mit guter/sehr guter Benotung) mit meiner Tochter absolvierte, hatte ich immer den bauchlastigen Eindruck, dass es an einer italienischen Schule besser aufgehoben wäre. Nun, am Anfang des jetzigen Schuljahres traf ich die Mutter dieses Kindes und sie erzählte mir, dass es nach der ersten Oberschulklasse an eine italienische Oberschule gewechselt sei und sich dort sehr viel wohler fühle.

Wer möchte, kann raten.

Pdf. PDF-Datei

Audiodateien: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9].

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Tondokumente (1).

Susanne, am 29. January 2007

Ich habe mir vorgenommen, nur mehr in Begleitung eines Aufnahmegeräts unterwegs zu sein. Ich möchte damit spontane Äußerungen hinsichtlich der Einstellung zur anderen Sprache bzw. zu den Anderssprachigen einfangen. Die Originalaufnahme, von der einige unwesentliche Äußerungen getilgt wurden, habe ich sehr großzügig transkribiert.

Der Sprecher ist ein Mittsechziger, aus dem Pustertal gebürtig, der schon seit fast vierzig Jahren ein Lokal in dem “italienischsten” aller Bozner Stadtteile führt. Seine Frau stammt aus einem Dorf im Eisacktal. Den Anlass zur Äußerung gab die Bemerkung seiner Frau, dass in der Todesanzeige einer Familie der Vornamen der Verstorbenen in Deutsch aufscheint, während in jener der Gemeinde, die ihre Anteilnahme zum Todesfall bekundet, der Namen in der italienischen Form steht. Dies brachte das Gespräch auf die aufgezwungenen Namensänderungen während des faschistischen Regimes.

Audiodatei [1].

Peter.

Gemeinsamkeiten den Vorrang geben

Susanne, am 16. January 2007

oder: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Ich poste hier Folgendes, was ich bereits im Vorjahr im FF-Forum geschrieben hatte:

Es ist die gängige Meinung, dass das Zusammenleben der verschiedenen Sprachgruppen informell hervorragend funktioniert, wenn da nur nicht die Politik wäre. Ich stimme dem mit Einschränkung zu. Was mich dieses Jahr überrascht hat, sind die Erfahrungen, die ich in den SVP-Hochburgen direkt bzw. indirekt gemacht habe.

Das erste Beispiel betrifft die Schule. Eine Fachlehrerin meiner Tochter (deutsche Oberschule in Bozen) ist eine Italienerin aus Mittelitalien, die unter anderem auch in Österreich studiert hat. Ihr Deutsch ist gut, aber doch noch etwas unbeholfen. Ich glaube, es ging von meiner Tochter aus, Tatsache ist: In diesen Schulstunden kommunizieren Lehrerin und Schülerin meistens auf Italienisch.

Das zweite Beispiel betrifft eine Wohnbaugenossenschaft. Da die “deutsche” Genossenschaft aus verwaltungstechnischen Gründen die geplante Anzahl an Wohnungen nur an die von der Gemeinde zugelassenen Mitglieder vergeben konnte, blieben etwa 30 Wohnungen (ein Drittel = ein Block) übrig. Diese Wohnungen konnten daher nicht an die Mitglieder auf der Warteliste der “deutschen” Genossenschaft vergeben werden, sondern mussten einer anderen Genossenschaft überlassen werden. Dies war natürlich eine “italienische”. Nun, die Zusammenarbeit funktioniert bestens, die Versammlungen problemlos. Bei der Grundsteinlegung gab es ein Fest: Die Ansprachen waren entweder auf Deutsch oder auf Italienisch, es gab keine Übersetzungen, es gab kein Aufmucken.

Letzten Monat gab es einen Informationsabend, zu welchem die Mitglieder beider bauenden Genossenschaften geladen waren. Die Punkte auf der Tagesordnung waren entweder auf Deutsch oder auf Italienisch angekündigt, in der jeweiligen Sprache wurden sie auch behandelt. In ihren einleitenden Worten machte die Obfrau der “italienischen” Genossenschaft klar, dass es keine Übersetzung geben werde; sollte es dennoch Verständnisprobleme geben, so könnte man diese hinterher beseitigen. Alles klappte einwandfrei, einziger Wermutstropfen: Einer der Projektleiter sprach einen sehr starken Dialekt, der auch mir größte Aufmerksamkeit und Interpretationsbereitschaft abverlangte.
Dies alles lässt natürlich hoffen, dass das Leben in der künftigen Wohnanlage auf der Einsicht beruht, dass uns mehr verbindet als trennt.

Und sie geht doch…

Susanne, am 4. January 2007

…problemlos: Die mehrsprachige (in diesem Fall zweisprachige) Erziehung.

Damals war meine Tochter gerade sechs Jahre alt. Es handelt sich hier um eine typische Unterhaltung am Abendtisch. Ich liefere auch die Transkription. An die Pedanten: Ich weiß, die Transkription ist nicht perfekt; die Anmerkungen sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Mit dem grünen Marker sind alle Code Switches markiert.

Audiodateien: [1] [2] [3].

Transkription: Pdf. PDF-Datei

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