iatz!ZEITUNGs-Interview.

Unter dem Titel »Zukunftsweisende Ideen« ist in der diesjährigen Ausgabe der iatz!ZEITUNG, die anlässlich des iatz!-Fests 2016 gedruckt wurde, ein Interview mit mir erschienen, das ich an dieser Stelle wiedergebe.

Die Links wurden nachträglich hinzugefügt.


Herr Constantini, in dem von „Brennerbasisdemokratie“ veröffentlichten Manifest wünschen Sie sich ein mehrsprachiges, nicht mehr ethnozentrisch ausgerichtetes Südtirol, das losgelöst von jeglichem Nationalstaat sein soll. Welche Vorteile versprechen Sie sich von diesem Zukunftsmodell im Vergleich zu einem weiteren Ausbau der Südtirol-Autonomie?

Die Autonomie ist die bestmögliche Antwort auf ein falsches System. Und dieses falsche System ist der Nationalstaat, also ein Staat, der sich aufgrund einer vorherrschenden Sprache und Kultur definiert. Unserer Auffassung nach wäre es besser, das falsche System zu ändern, anstatt weiter an der Autonomie herumzubasteln.

Minderheitenschutz in einem Nationalstaat macht Schutzmechanismen notwendig, die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, dem sogenannten Zusammenleben, im Weg stehen. Nachdem uns die Autonomie zusteht, weil wir „anders“ sind, als die restliche „Nation“, werden wir dazu animiert, unsere Andersartigkeit immer und immer wieder zu betonen, anstatt die internen Widersprüche zu überwinden.

Wenn wir uns jedoch aus freien Stücken als einschließendes und bewusst mehrsprachiges Gebilde konstituieren, würde dieser Unterscheidungsdruck wegfallen. Stattdessen könnten wir konstruktiv an einer den Bedürfnissen unseres mehrsprachigen Landes ausgerichteten Lösung arbeiten. Vorbilder könnten dann bereits existierende Staaten sein, die sich nicht „national“ aufgrund einer einzigen Sprache definieren.

Wäre da ein Anschluss an Österreich nicht einfacher und damit auch der historischen Tiroler Landeseinheit ein Stück weit Rechnung getragen?

Auch Österreich hat viele Merkmale eines Nationalstaates, wie die bereits erwähnte Orientierung an einer Sprache und Kultur. So gesehen wäre ein Anschluss an Österreich, der aus historischer Sicht durchaus nicht abwegig wäre, lediglich die Umkehrung der heutigen Situation. Wir müssten dann Schutzmechanismen für die italienische und ladinische Sprachgruppe einführen, was wiederum dem gesellschaftlichen Miteinander im Wege stünde. Das Freistaatsmodell der Freiheitlichen folgt übrigens einer ähnlichen Umkehrlogik: So bliebe zum Beispiel der Proporz erhalten und der Nationalstaat Italien wäre die Schutzmacht der Südtiroler italienischer Muttersprache. Sie wollen also alles ändern, damit alles gleich bleibt.

Die Umsetzung Ihres Projekts würde aber direkt in die Kleinstaaterei und zu einer Zersplitterung Europas führen…

Das leugne ich keineswegs. Aber ich finde nicht, dass uns die Großstaaterei, gerade im Rahmen einer größeren Union, überhaupt Vorteile bringt. Es sind die großen Nationalstaaten Europas, die das weitere Zusammenwachsen und die bitter notwendige Demokratisierung der EU verhindern, weil sie glauben, es auch allein zu schaffen. Kleinere Einheiten, die zudem näher an den Menschen dran sind, haben ein wesentlich größeres Interesse an politischer Integration, weil ihnen bewusst ist, dass sie allein nicht so leicht überlebensfähig sind.

In Europa sind es übrigens die kleinen Staaten, die im Durchschnitt in Rankings zu Lebensqualität, Bürokratie, Korruption oder Transparenz die besten Werte erzielen.

Die Plattform „Brennerbasisdemokratie“ ist weder eine Partei noch eine organisierte Bürgerbewegung. Wie sollen ihre Ziele und Ideen mehrheitsfähig und verwirklicht werden?

Wir sehen uns in erster Linie als überparteiliche Denkfabrik, die ihre Ziele nicht unmittelbar selbst erreichen muss, sondern durch Meinungsbildung gesellschaftlichen Einfluss ausüben kann.

Was die Verwirklichung betrifft, berufen wir uns nicht auf das ethnisch begründete „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ aus dem vergangenen Jahrhundert, sondern auf die Grundprinzipien der Demokratie, die es der Bevölkerung eines jeden Gebiets gestatten müssen, letztendlich auch über den Rahmen ihrer Selbstregierung frei zu befinden.

Mittlerweile haben Sie auf ihrem Blog, zusammen mit einer kleinen Gruppe von Autoren, knapp 3.000 Artikel und Beiträge zur Eigenstaatlichkeit Südtirols veröffentlicht. Warum tun Sie sich das an?

Das ist eine gute Frage… es ist vermutlich die Lust, gemeinsam mit anderen interessante und zukunftsweisende Ideen zu entwickeln. Und ein Stück weit auch die Einsicht, dass gewisse Positionen ohne unseren Blog in Südtirol unterrepräsentiert wären.


Brennerbasisdemokratie ist nicht Teil des iatz!-Fests.

Unsere neue Kurzadresse: bbd.tirol

Immer wieder wurden wir mit der Beschwerde konfrontiert, wonach unsere Internetadresse www.brennerbasisdemokratie.eu zu lang, zu sperrig und beim neuen Eintippen (zum Beispiel an einem fremden Rechner) tippfehleranfällig sei.

Die schon seit geraumer Zeit aktive Kurzadresse www.31bbd.eu war auf wenig Gegenliebe gestoßen, sie war nicht leicht zu merken. Die Variante ohne die »Vorwahl« 31 (steht für: 3 Sprachen – 1 Land) war bereits vergeben.

Ab sofort steht alternativ die Variante www.bbd.tirol zur Verfügung — ganz im Sinne der von uns erwünschten Regionalisierung. Und in Erwartung eines Südtiroler Internetsuffixes. Umgeleitet wird aber auch weiterhin auf unsere Hauptadresse www.brennerbasisdemokratie.eu

Siehe auch: [1] [2]

Stellungnahme zu meiner Wahl in den K33.

Nach der Polemik um die gestrige Wahl meiner Person in den Konvent der 33 folgende Klarstellungen:

  1. Über die nicht sehr wahrscheinliche, aber trotzdem mögliche Nominierung meiner Person im Landtag, zur Wahl für den Konvent der 33, habe ich die Mitautoren des Blogs Brennerbasisdemokratie nicht informiert. Hierfür übernehme ich die Verantwortung.
  2. Am Montag, 4. April 2016, fand am späten Nachmittag ein kurzes Kaffeehaustreffen mit Roland Tinkhauser (Landtagsabgeordneter der Südtiroler Freiheitlichen) statt. Dieser fragte mich, ob mich eine Mitarbeit im Konvent der 33 (K33) reizen würde. Die Minderheitenfraktionen hätten die Möglichkeit 5 KandidatInnen zu nominieren und diese müssten nicht zwingend MadatarInnen sein. Er schränkte die Wahrscheinlichkeit einer Nominierung und Wahl dahingehend stark ein, dass diese davon abhänge wieviel gewählte MandatarInnen letztendlich Interesse am K33 hätten und wie die Zusammensetzung der Geschlechter und Sprachgruppen aussieht.
  3. Zu keinem Zeitpunkt des Gesprächs gab es auch nur ansatzweise eine Andeutung den parteiunabhängigen Charakter meiner Person zu konditionieren oder in Frage zu stellen. Ich stellte auch klar, dass ich mich im Falle einer Wahl als parteiunabhängiger, freier Bürger Südtirols verstehen würde.
  4. Die Nominierung hatte nur eine äußerst geringe Chance und rückblickend erfolgte sie nur deshalb, da einige Parteien der politischen Minderheit auf die Nominierung eigener MandatarInnen verzichteten.
  5. Es muss in diesem Zusammenhang den Einbringern meiner Nominierung und einigen Vertretern der Minderheitsfraktionen des Südtiroler Landtages hoch angerechnet werden, dass sie durch diese Nominierung zusätzlich einem parteiunabhängigen Bürger Südtirols die Mitarbeit im K33 ermöglicht haben.
  6. Den vielen Gratulanten zu meiner Wahl in den K33 möchte ich danken. Dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass vielen BürgerInnen Südtirols der Autonomiekonvent völlig unbekannt ist. In diesem Sinne sollten wir uns als Mitwirkende an diesem Prozess auch nicht zu wichtig nehmen und in erster Linie konstruktiv die Möglichkeiten nützen an einem Zukunftsentwurf für Südtirol mitgestalten zu können.
    Bei der Mitarbeit im K33 handelt es sich um ein ehrenamtliches, sehr zeitintensives, politisches Engagement. Neben den voraussichtlich zweiwöchentlich am Samstag stattfindenden Treffen, verlangt dieses Engagement auch viel Zeit für eine seriöse Vorbereitung. Eine zeitliche Planung, die es mit meiner Familie und meinem Betrieb zu koordinieren gilt.
    Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr auf diese Herausforderung und verstehe dies als einen Beitrag für die Entwicklung Südtirols im Rahmen der Überzeugungen, Werte und Ideale, die mein Handeln auch in der Vergangenheit geprägt haben.

Wir distanzieren uns.
Wer gern mit Steinen wirft, sollte sich nicht ins Glashaus setzen

Eigentlich waren wir schon den ganzen Tag lang gespannt, ob Christoph Perathoner vom Landtag in den Konvent der 33 gewählt wird. Falls ja — und dieser Fall ist auch tatsächlich eingetreten — hätten wir uns konsequenterweise heillos darüber echauffiert. Jetzt sitzt dieser Bonze glatt als Bürgervertreter im Forum der 100 und gleichzeitig für die SVP im K33.

Doch leider blüht uns nun eine deutlich unangenehmere Aufgabe. Denn unerwartet — ja, unerwartet! — wurde auch »unser« Wolfgang Niederhofer als Vertreter der Opposition vom Landtag in den Konvent gewählt. Erst am Montag soll er vom Präsidiumsmitglied Roland Tinkhauser (F) gefragt worden sein, ob er Interesse an einer Nominierung habe. Ohne die anderen Mitglieder von BBD zu informieren, habe er nichtsahnend und ohne sich große Chancen auf eine tatsächliche Ernennung auszurechnen, zugesagt.

Was für eine Dummheit! Gerade wir, die wir anderen so oft vorgeworfen haben, nicht ausreichend auf Distanz zu bedenklichen Parteien und Vereinen bedacht zu sein, gerade wir, die wir von anderen stets maximale Transparenz eingefordert haben, stecken nun in der Bredouille. Als Vierergruppe entsenden wir gleich zwei Leute in den Konvent — wie soll man uns da glauben, dass wir nicht intrigiert und gepackelt haben? Dabei ist einer über das F100 gewählt und der andere von den Parteien ernannt worden. Aber vor allem: Es ist auf Vorschlag einer Partei geschehen, deren menschenverachtendes Gedankengut wir seit Jahren kritisieren und bekämpfen.

Und dann erfahren wir von Wolfgangs Wahl auch noch aus den Medien.

Wir könnten uns jetzt auf die Suche nach mehr oder minder glaubwürdigen, rechtfertigenden, entschuldigenden Ausreden machen. Doch wir sind der Meinung, dass es an dieser Stelle sinnvoller ist, uns für dieses Fehlverhalten zu entschuldigen und uns von Wolfgangs leichtfertiger Entscheidung zu distanzieren. Damit werden wir unseren eigenen Prinzipien noch am ehesten gerecht.

Ob es mit ihm noch eine weitere Zusammenarbeit geben kann, müssen wir so rasch wie möglich überprüfen. Wir wünschen ihm inzwischen viel Erfolg im Konvent und uns, dass er sein Mandat trotzdem als ein möglichst freies, konstruktives, unseren gemeinsamen Ideen und Werten verpflichtetes wahrnimmt.

Neue BBD-Suche und Filter.

Ab sofort verfügt unsere Onlineplattform über eine neue Such- und Filterfunktion, die — was sonst? — das gezielte Auffinden von Inhalten erleichtern soll. Sie befindet sich an gewohnter Stelle in der rechten Seitenleiste unter der Überschrift »Chirida« und bietet folgende Optionen:

  • Textsuche
  • Kategoriefilter (Categoríes)
  • Schlagwortfilter (Tags)

Die drei Suchoptionen sind einzeln, also voneinander unabhängig nutzbar — auch die Eingabe eines Suchtextes ist nicht zwingend.

Darüberhinaus ist jede denkbare Kombination von zwei oder drei Optionen möglich: Man könnte also beispielsweise nach allen Artikeln suchen, die in die Kategorie »Umfrage/Statistik« eingeordnet und mit »Südtirolkonvent« verschlagwortet wurden. Oder nach all jenen Beiträgen, in denen das Wort »Landesrat« vorkommt und denen die Kategorie »Ecologie« zugewiesen ist.

Nicht zuletzt besteht sogar die Möglichkeit, die Blogeinträge nach mehr als nur einer Kategorie und/oder mehr als nur einem Schlagwort zu filtern. Dazu reicht es, bei gleichzeitigem Gedrückthalten der Command-Taste (Mac) bzw. der Steuerungstaste (Win) mehrere Kategorien und/oder Schlagwörter auszuwählen. Man könnte somit etwa alle Artikel herausfiltern, denen sowohl die Kategorie »Medien«, als auch die Kategorie »Selbstbestimmung« zugewiesen wurde.

Es handelt sich hierbei um eine AND- und nicht um eine OR-Suche — einfach ausgedrückt: es werden nur Artikel gefunden, die alle gewählten Suchkriterien erfüllen.
Um einzelne Kategorien oder Schlagwörter wieder abzuwählen reicht es übrigens ebenfalls, die Cmd- bzw. Strg-Taste gedrückt zu halten.

Wir hoffen, den inzwischen ansehnlichen Inhalt aus über 10 Jahren Blogtätigkeit — derzeit 2.713 Einträge in 86 verschiedenen Kategorien bei 35 Schlagwörtern — nunmehr leichter durchforstbar gemacht zu haben.

Nur grafisch ist die Suchmaske noch nicht ganz zufriedenstellend. An einer Verbesserung wird noch gearbeitet.

BBD: Treffen/Incontro.

Diesen Mittwoch, den 24. Juni findet abends in Bozen ein BBD-Treffen statt, zu dem sämtliche LeserInnen, KommentatorInnen und/oder SympathisantInnen herzlich eingeladen sind. Wir bitten euch, uns eure Teilnahme unter diesem Blogeintrag als Kommentar oder via Email unter bbd[at]brennerbasisdemokratie.eu mitzuteilen.

Wir freuen uns auf euch. Der genaue Ort (das Lokal) sowie die Uhrzeit werden den angemeldeten Teilnehmern via Email bekanntgegeben.

Ziel des Abends sind das gegenseitige Kennenlernen sowie der informelle Gedankenaustausch.

Questo mercoledì, 24 giugno sera a Bolzano avrà luogo un incontro con lettrici, commentatori e/o simpatizzanti di BBD, che sono invitate a partecipare numerosi. Vi preghiamo di aggiungere le vostre adesioni nei commenti in calce al presente articolo oppure di contattarci all’indirizzo bbd[at]brennerbasisdemokratie.eu

Il luogo (il locale) esatto e l’ora dell’incontro saranno comunicati via email a chi ci annuncia la sua partecipazione.

La serata sarà l’occasione di conoscerci meglio e forse anche di dare inizio a un approfondimento informale.

Quotation (184): Wissen schafft!

War das Thema Selbstbestimmung traditionell die ausschließliche Domäne der die deutsche Sprachgruppe repräsentierenden Süd-Tiroler Freiheit, so gibt es seit einigen Jahren Tendenzen in die Richtung eines territorialen Verständnisses dieser Option.

Karl Kössler vom EuracInstitut für Föderalismus- und Regionalismusforschung schreibt in seinem Aufsatz „Autonomie – Ziel oder Zwischenlösung? Der Fall Südtirol“ für das Potsdamer wissenschaftliche Journal „Welt Trends. Zeitschrift für internationale Politik“ auch über BBD.

So betrachtet etwa auch eine sprachgruppenübergreifende Plattform für Selbstbestimmung, die sich „Brennerbasisdemokratie“ (BBD) nennt, die bestehende Autonomie als unzulänglich.

In der Folge zitiert Kössler einige Stellen aus dem (inzwischen überarbeiteten) BBD-Manifest:

[Die Autonomie] werde dem mehrsprachigen Charakter des Landes nicht mehr gerecht, stelle keine angemessene Grundlage für dessen künftige Entfaltung dar und fördere statt einer den besonderen Bedürfnissen Südtirols entsprechenden Politik “erstarrende Konflikte” (BBD-Manifest, Punkt 3). Daher solle das Ziel der Unabhängigkeit verfolgt werden, auf die das Land einen Anspruch habe, “sobald es die Mehrheit der Südtiroler wünscht” (Punkt 1). Als Südtiroler in diesem Sinne wird ausdrücklich “jeder in Südtirol ansässige Mensch” verstanden (Punkt 2).