Siegesdenkmal: Ein bisschen Selbstbetrug?

Normalerweise droht dem faschistischen Gebauten der Verlust durch Zerstörung, Wegnahme oder Verhüllung. Der Bozner Weg des dekonstruktiven Umgangs impliziert eine Form demokratisch-aufgeklärter Gelassenheit, die mit “Mut” annähernd beschrieben werden kann.

Hannes Obermair, Bozner Stadtarchivar und Historiker, in einem Interview* über das Siegesdenkmal, an dessen Umgestaltung er beteiligt war.

Könnte man die genannte »Gelassenheit« in einer Stadt, in der

eventuell auch annähernd mit »fehlendem Mut« beschreiben?

Ich denke, dass die Einordnung (Mut/Mutlosigkeit) nur im gesellschaftlichen und politischen Kontext erfolgen kann. Und immerhin war man zumindest der Meinung, den Eingriff im Vorfeld geheimhalten zu müssen, um ihn nicht an politischem Widerstand scheitern zu lassen — was nicht gerade für Courage spricht.


*) Salto in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung Museen der Autonomen Provinz Bozen

Il delirio della «tabaccaia».
Nazionalismo, forfora e fuorigioco

Manuel Tabernas

Un vecchio conoscente mi diceva: quando a qualcuno, in una strada qualsiasi, chiedi con chi gioca la nazionale e ti risponde che non lo sa, ma che deve vincere la Spagna; quello è nazionalismo. Pensavo fosse un argomento falso e che non sarebbe mai successo.

Il calcio, tecnicamente, può essere affascinante allo stesso modo di qualsiasi altro sport. Però tante bandiere nazionali in tanti locali — si sono viste nei negozi di frutta secca, nelle parruccherie e in un negozio di cristalleria — le avranno messe per amore verso il tiki taka? […] Sarà proprio vero che ci sono 47 milioni di CT.

Nel peggiore dei casi lo erano anche quelli che gridavano: «sono spagnolo, spagnolo, spagnolo». Al modo dell’umorista Forges bisognava aggiungere: «sono spagnolo, cioè quasi nulla». Il sabato dell’Orgoglio [gay] c’era gente con magliette dove si leggeva: «meno orgoglio e più spagnoli». Si poteva capire che l’orientamento sessuale rende più o meno patriottici. Dall’esterno, a dire il vero, l’impressione è che è spagnolo chi non può essere altro.

Ultimamente il nazionalismo spagnolo si è ripulito l’immagine, come piacerebbe per sé alla famiglia reale, l’altro baluardo dello stato. Un lavaggio d’immagine basato sui trionfi sportivi: tennis, pallacanestro, formula uno… e ora, finalmente, il calcio. Questa è la base del patriottismo? Si sono vinti i mondiali. S’è aperto il cielo, e invece della manna è caduta la forfora. Dei balconi con la bandiera, si dice, con retorica da radio franchista, che sono «pieni di festa», degli spagnoli che per esserlo si mettono la maglietta della nazionale, fanno della bandiera il loro vestito e anche la biancheria intima, gridano contro l’Orgoglio e chiamano «figli di puttana» gli olandesi, è la Spagna che si rivendica. Non quella della tecnica del calcio ma la Spagna ottusa e ignorante.

Tanta esposizione di «bandiere vittoriose» ha conseguito che milioni di persone considerino normale l’apoteosi della «tabaccaia». Perché si chiama tabaccaia (estanquera) la bandiera nazionale? Si riferisce alle vedove e ai mutilati della parte franchista dell’ultima guerra, che — diversamente dai rossi e dai fottuti zoppi — ricevevano, fra le altre prebende, tutte le licenze per aprire chioschi e tabacchini. Rimane la bandiera dei nazionali. Potrebbero sventolarla […] assieme alla loro ignoranza. Che non è goliarda, ma suicida. Non importa. Per uscirne ci sarà Radio Punta che dirà che c’è gente che «non avrà studiato ma ha valori». Di che valori parlano? Che cosa intenderanno per Spagna? Evidentemente nessuno che scommette per uscire dall’ignoranza. Prendiamo aria dopo tanti giorni di esaltazione nazionale. Pensiamo che, almeno, c’è una cosa positiva, con tanti locali imbandierati, è facile fare una lista nera per il prossimo sciopero generale.

27.07.2010 su Diagonal Periodico

Traduzione: BBD

Vedi anche: [1] [2] [3] [4]

Quotation (379): Compattezze.

Nostro buon interlocutore è un socialista del Pd. Su ecologia e ambiente votiamo compatti coi Verdi, dunque con la maggioranza.

Andrea Bonazza (CasaPound), citato da L’Espresso, edizione odierna («Nazitalia»), nell’articolo «Heil Bozen!».

Certo, votare «compatti» con CasaPound su temi che dovrebbero essere i propri non è una colpa — diversamente dall’essere «buoni interlocutori» delle neofasciste. Infatti nessuna con un minimo di buonsenso chiederà mai alle Verdi di abbandonare l’ecologismo. Tuttavia…

Blutsbrüder.
Die Süd-Tiroler FreiheitLichen

Der neue Obmann der Freiheitlichen, Andreas Leiter Reber, hat es sich bekanntlich zum Ziel gesetzt, die Partei in Richtung bürgerliche Mitte zu führen. Bei der alten Garde scheint sich dieses Vorhaben allerdings noch nicht rumgesprochen zu haben. Blut vor Boden und Ethnos vor Demos sind die Parolen, die Ulli Mair weiterhin ausgibt:

Nein zum Ius Soli – Weil ein Afrikaner, der in Südtirol zur Welt kommt, noch lange kein Südtiroler ist!

Diesen ihren Facebook-Post verteidigte Mair in einem Leserbrief an die ff mit großer Vehemenz und noch größerem Widerspruch:

Norbert Dall’Ò hat nicht im Ansatz verstanden, worum es beim “Ius soli” geht. Erfunden wurde es von klassischen Einwanderungsländern, die jedem “Dahergelaufenen” die Staatsbürgerschaft schenkten. […] Für reguläre Einwanderung gibt es Einwanderungsgesetze und nach bestimmten Fristen und einer Bringschuld auch die Staatsbürgerschaft.

Da hat wohl Ulli Mair etwas nicht verstanden. Ius soli betrifft nicht Einwanderer, sondern deren Nachkommen, die hier geboren werden. Welche “Bringschuld” man von einem Kleinkind einfordern möchte, das das Land seiner Eltern vielleicht nie gesehen hat und womöglich nicht einmal die dortige Sprache beherrscht, würde mich interessieren.

Heute gilt es (Anm. Ius soli) als unzeitgemäß […]

Sagt wer? Ius sanguinis ist ein Ausdruck von Nationalismus und eines ethnozentrierten Verständnisses von Staatsvolk à la 19. Jahrhundert. Also genau jene Philosophie, deren Widersinnigkeit wir in Südtirol tagtäglich aufgezeigt bekommen. Die Logik, dass zum Beispiel das Kind zweier Nordtiroler, das in Südtirol geboren ist, sein ganzes Leben lang nicht den Südtiroler Landtag wählen darf, sofern es nicht die italienische Staatsbürgerschaft annimmt, während das Kind zweier Südtiroler, die in Australien wohnen und das seit 20 Jahren keinen Südtiroler Boden betreten hat, wahlberechtigt sein könnte, erschließt sich mir einfach nicht.

Wie viele Flüchtlinge hat der Gutmensch Dall’Ò in seinem Schlafzimmer aufgenommen?

Dieses Paradeargument darf natürlich nicht fehlen. Die Antwort von Armin Wolf.

Während also die Freiheitlichen noch einen langen Weg hin zur Mitte vor sich haben, marschiert die zweite große Oppositionspartei mit Freiheit im Namen stramm in die andere Richtung. Obschon die Süd-Tiroler Freiheit in sozialpolitischen Fragen wie der Gleichstellung homosexueller Paare im Gegensatz zu den Freiheitlichen wahrlich liberale Positionen vertritt, fährt man in Sachen Gesellschaftsverständnis einen zunehmend ethnozentrierten, tendenziell xenophoben bis deutschnationalen Kurs, den man so unter Eva Klotz nicht kannte.

In seltener Eintracht mit den Italofaschisten warnt zum Beispiel Landesleitungsmitglied Stefan Zelger ebenfalls vor dem Ius soli.

Die Ausländer in Süd-Tirol leben hauptsächlich in den Städten, und dementsprechend gehen ihre Kinder in die italienischen Schulen. Sie werden zu Italienern, und mit dem neuen Einbürgerungsgesetz noch schneller als zuvor. Diese Entwicklung wird sich negativ auf wichtige Bereiche der Autonomie, wie z.B. dem Proporz, auswirken. […] Das neue Einbürgerungsgesetz kann nicht im Interesse Süd-Tirols sein.

Hauptausschussmitglied und Strache-Fan, Matthias Hofer, wiederum geißelt Philipp Achammer und die SVP für ihre angebliche “Ausländerfreundlichkeit”. (Was ist eigentlich das Gegenteil von ausländerfreundlich?)

[S]pät aber doch [hat] auch der SVP-Parteiobmann erkannt […], dass Integration eine Bringschuld ist. Es stellt sich jedoch die Frage, warum der Landesrat gerade jetzt jahrelange Forderungen der Opposition kopiert. Gerade seine Partei hat diese Vorschläge bislang immer abgelehnt. Wahrscheinlich hat er erkannt, dass die Bevölkerung schon lange den ausländerfreundlichen Kurs der SVP nicht mehr mitträgt und so blieb ihm nichts anderes übrig, als die deutsche Opposition zu kopieren.

Und der Sprecher der Süd-Tiroler Freiheit, Cristian Kollmann, spricht sogar von einer drohenden “Entdeutschung” (!) und dekoriert das ganze mit Halbmond und Stern, eingebettet ins Südtirol-Logo.

Die EU ist nicht in Stein gemeißelt. Nur, was wird dann aus dem an Italien hängen gebliebenen Südtirol? Eine entdeutschte Provinz namens “Afro-Alto Adige”?

Interessant ist diese Entwicklung auch deshalb, weil die Süd-Tiroler Freiheit nach wie vor Mitglied der European Free Alliance (EFA) ist, die zusammen mit den Europäischen Grünen im Europaparlament eine Fraktion bildet.

Die EFA zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine konsequent inklusivistische und progressive Linie fährt. So wurde die Mitgliedschaft der Lega Nord 1994 suspendiert, da diese damals ein Bündnis mit der postfaschistischen Alleanza Nazionale einging. Zwei Jahre später schied die Lega freiwillig aus. Die Union für Südtirol (jetzt Bürgerunion) wurde gar rausgeworfen, da sie 2008 die Bilbao-Deklaration nicht mittragen wollte. Darin sprach sich die EFA entschieden gegen Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung, Ausländerfeindlichkeit und Islamfeindlichkeit aus und forderte verbesserte Einbürgerungsmöglichkeiten sowie Wahlrecht für Migranten.

Wie die oben dargelegten Positionen vor allem mit den beiden letzten Punkten kompatibel sind, ist schwer nachvollziehbar.

Siehe auch: [1] [2]

Green Arrows bei »Rock für Deutschland«.

Nicht nur Themar: Am 1. Juli fand im ebenfalls thüringischen Gera das von der NPD organisierte Neonazi-Festival Rock für Deutschland (RfD) statt. Unter den sechs Bands im Lineup befanden sich diesmal auch die Bozner Green Arrows, deren politische Gesinnung schon seit Jahren kein Geheimnis mehr ist. So erscheinen zum Beispiel ihre Alben bei Black Shirts Records, auf deren Homepage man von einer Gruppe faschistischer Schwarzhemden »empfangen« wird und deren Schallplatten schon mal Hakenkreuze zieren.

Bild: RfD.

Besonders dreist: Die NPD meldet das kommerzielle Vernetzungsevent (Eintrittspreis 30,- Euro) konsequent als »politische Veranstaltung« an, um Kontrollen und Auflagen zu entgehen. Trotzdem konnten mehrere RfD-Teilnehmerinnen am 1. Juli von der Polizei wegen »Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen« angezeigt werden.

Ursprünglich war übrigens auch das RfD-Festival in Themar angemeldet, wurde jedoch kurzfristig nach Gera verlegt — möglicherweise, um Gegenprotesten aus dem Weg zu gehen. Doch in Themar geht es schon in kürze weiter: am 29. Juli mit dem Rock für Identität. Wieder mit einschlägiger Beteiligung aus Südtirol?

Heimische Neonazis in Themar.

Am 15. Juli fand in Themar (Thüringen) das Neonazikonzert »Rock gegen Überfremdung« statt, das rund 6.000 Teilnehmerinnen aus der rechtsextremen Szene anzog. Wie Indymedia und die Antifa Meran berichten, waren auch knapp 30 Südtiroler Rechtsradikale dabei, die dem Raum Vinschgau-Burggrafenamt zuordenbar sind. Der Bericht von Indymedia folgt dabei der (rechtlich heiklen) Logik des sogenannten »Outings« und beinhaltet neben Fotos auch die vollständigen Namen und Wohnorte der identifizierten Neonazis. Die italienische »Politpolizei« Digos soll die Liste Medienberichten zufolge bereits ausgewertet und in ihre Arbeit einfließen lassen haben.

Dass auch Südtiroler Neonazis (sowohl deutscher als auch italienischer Sprache) an der größten rechtsradikalen Veranstaltung im deutschen Sprachraum teilgenommen haben, zeigt auf besorgniserregende Weise, dass es sich dabei nicht um eine versprengte Gruppe isolierter und »harmloser« Anhängerinnen extremistischer Positionen handelt, sondern um Personen, die sowohl den Willen und die Fähigkeit haben, sich international zu vernetzen, um ihre Ziele umzusetzen, als auch gewillt sind, öffentlich in Erscheinung zu treten und an politischen Machtdemonstrationen wie jener in Themar teilzunehmen.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Quotation (376): La penso come loro.
Fascismo dilagante

Non ho nulla contro i consiglieri di CasaPound e se servisse appuntarsi da qualche parte il loro logo per migliorare le cose lo farei. Il punto è che su ius soli e migranti la penso esattamente come loro.

Claudio Della Ratta (PSI), consigliere comunale di Bolzano, membro della maggioranza (PD/SVP/Verdi e altri) secondo Salto.

Vedi anche: [1] [2] [3] [4] [5]

Ehrenbürgerschaft für Longon.

Die Landeshauptstadt Bozen hat kürzlich dem in Padua gebürtigen Widerstandskämpfer Manlio Longon die Ehrenbürgerschaft verliehen. Das ist gerade in Zeiten wie diesen ein wichtiges und starkes Zeichen.

Longon führte die Magnesio-Werke in Bozen und schloss sich 1943 dem Widerstand an. Anders als sein Nachfolger im CLN, Bruno De Angelis, bemühte sich Longon stets um einen — wie man es heute nennen würde: — interethnischen Widerstand und folglich um Kontakte mit dem Andreas-Hofer-Bund mit Erich Amonn, Hans Egarter und Friedl Volgger. Longon wurde 1944 von der Gestapo gefangen genommen und am 1. Jänner 1945 nach mehrtägiger Folter gehängt. Er hinterließ seine Frau und vier Töchter.

In Bozen waren Manlio Longon bereits eine Straße und eine Schule gewidmet.

Siehe auch: [1] [2] [3]