Guten Sprachkenntnissen werden verlangen.

Am Schwarzen Brett eines öffentlichen Gebäudes in Brixen bin ich heute auf folgende (zweisprachige) »Stellenausschreibung« gestoßen:

Wir suchen einen SAUNA-MITARBEITER ab sofort für Balneum in Sterzing

Es werden guten Italienisch- und Deutschkenntnissen verlangen. Man soll sich um die Sauna, den Café und die Aufgüsse kümmern.
Man bietet einen Part-Time-Vertrag (10-15 Stunden pro Woche als Schichtarbeit), inklusiv von Wochenenden und Feiertagen. Vertrag CCNL 2010/2012, Rang nach der Arbeitserfahrung zu schätzen.
Die Kandidatur soll bei E-Mail an personale@socialwork.coop geschickt werden.

Wie! ist! sowas! möglich? Ist es verwunderlich, wenn das so gefundene Personal die deutsche Sprache nicht ernstnimmt oder erst gar nicht beherrscht? Wieviele solcher Fälle sollen wir noch aufdecken, bevor in diesem Land irgendjemand, die oder der sich dafür verantwortlich hält, aus dem Tiefschlaf erwacht?

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]

»Südtirolerisch ist nicht Deutsch«.

Seit Tagen hört und liest man in Südtirol — zum Beispiel in sozialen Medien — Beschwerden, weil sich »Auswärtige« in eine angeblich rein Südtiroler Angelegenheit wie jener der Pestizide eingemischt hätten. Mit dieser Einmischung kann ich sehr gut leben und wünsche mir sogar noch mehr grenzüberschreitendes Engagement. Ärgern kann ich mich vielmehr, wenn Zugewanderte aus dem deutschen Sprachraum, wie letzthin mehrmals öffentlich geschehen, mit erhobenem Zeigefinger behaupten, unsere südbairische Mundart, der Tiroler Dialekt, sei gar nicht Deutsch. Solch unqualifizierte Aussagen verbitte ich mir — gerade gegenüber einer sprachlichen Minderheit.

Südtirol ist ein Halbzentrum der plurizentrischen deutschen Sprache und unter anderem im Rat für deutsche Rechtschreibung vertreten. Ob es Menschen aus anderen Teilen unseres Sprachraums (bzw. von dort eingewanderten Neu-Südtirolerinnen) gefällt oder nicht, auch wir definieren mit, was deutsche Sprache ist.

4 × Mehrsprachigkeit.
Erfrischend buntes Schweizer Team

Bei den Leichtathletikweltmeisterschaften in London holte die 4 × 100-m-Frauenstaffel aus der Schweiz den fünften Platz.

https://www.nzz.ch/sport/weiterer-sport/leichtathletik-wm-schweizer-rekord-und-finaleinzug-fuer-staffel-quartett-ld.1310437

Die Läuferinnen von links nach rechts:

Sarah Atcho, aus Lausanne, Muttersprache Französisch
Mujinga Kambundji, aus Uetendorf, Muttersprache Schwizerdütsch
Ajla Del Ponte, aus Losone, Muttersprache Italienisch
Salomé Kora, aus St. Gallen, Muttersprache Schwizerdütsch

Im Internet finden sich Videos in denen Sarah Deutsch und Englisch, Mujinga Französisch und Englisch, Ajla Französisch und Salomé Französisch sprechen (Anm.: kein Anspruch auf Vollständigkeit).

Siehe auch: [1] [2] [3]

Bedrohte Medienvielfalt.
Lokalblatt der Lächerlichkeit preisgegeben

Als die Tageszeitung A. Adige vor wenigen Monaten vom Verlagshaus Athesia übernommen wurde, machte sich in ganz Südtirol Besorgnis breit: Was würde aus dem traditionsreichen Blatt — nun, da es sich in barbarischen Händen befand — wohl werden? Und: Waren die Werte der Aufklärung bedroht?

Doch schon bald konnte Direktor Faustini Entwarnung geben. Die neuen Eigentümer hätten ihm völlige Freiheit zugesichert, es würde sich also nichts ändern.

Jüngere Indizien nähren nun aber wieder die düstersten Befürchtungen!

Es war die Süd-Tiroler Freiheit, die gestern mit unvorsichtigen Indiskretionen für Aufruhr sorgte. Ohne Not machte sie aus reinem Eigennutz ein Textfragment öffentlich, das ganz Südtirol in Unruhe versetzen wird:

[…] linea da sempre adottata dall’Alto Adige di moderazione dei toni nel trattare questioni aventi riflessi di natura politica.

Wenn diese Worte wirklich, wie behauptet, vom A. Adige stammen, wird man nur schwerlich bestreiten können, dass die neuen Eigentümer hinter den Kulissen eifrig an der Umwandlung des einstmals seriösen Lokalblatts in eine Satirezeitung nach dem Vorbild von Cuore arbeiten.

Südtirolerinnen! Es ist Zeit, auf die Straße zu gehen.

Südtiroler Vergraulungskultur.

Leserinnenbeitrag

Mein Name ist Maria*, ich stamme aus Polen und lebe seit über 15 Jahren in einer deutschen Großstadt, wo ich ein Doppelstudium absolviert und anschließend in größeren Unternehmen der IT-Branche gearbeitet habe. Mein Mann ist Südtiroler und ich habe inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Nun haben wir aus privaten Gründen beschlossen, künftig unseren Lebensmittelpunkt nach Südtirol zu verlegen, weshalb ich begonnen habe, mich vor Ort nach einer Arbeitsstelle umzusehen. Neben Polnisch spreche ich Deutsch, Englisch und Russisch auf nahezu muttersprachlichem Niveau; meine Italienischkenntnisse sind sehr bescheiden, doch ich habe mich in Deutschland und in Südtirol bereits nach Intensivkursen umgesehen.

Unter anderem habe ich mich an eine private Südtiroler Agentur gewandt, die sich auf die Vermittlung von hochqualifiziertem Personal spezialisiert hat. Obwohl ich klar gemacht habe, dass ich im Augenblick keinem Zeitdruck unterliege (ich kann eine neue Stelle sofort oder erst in einigen Monaten antreten) und dass ich bereit bin, während oder vor Antritt des neuen Jobs gut Italienisch zu lernen, hat man mir bereits beim zweiten Telefongespräch zu verstehen gegeben, dass meine derzeit mangelnden Italienischkenntnisse ein nicht zu überwindendes Hindernis sein könnten und dass es umgekehrt (wenn ich also muttersprachlich Italienisch, aber — noch? — kein Deutsch sprechen würde) zumindest in Bozen kein Problem wäre, eine Stelle zu finden. Das erstaunt mich nicht so sehr, weil Deutsch in Südtirol eine gleichberechtigte Sprache sein sollte, sondern hauptsächlich, weil in der IT-Branche primär gute Englischkenntnisse (und nicht die Beherrschung der jeweilgen Nationalsprachen) ausschlaggebend sind.

Noch bemerkenswerter als die angeblichen sprachlichen Barrieren, fand ich jedoch dass mir ebenfalls bereits beim zweiten Telefongespräch ausdrücklich empfohlen wurde, meinen Mann nach Deutschland zu holen, statt selbst nach Südtirol zu ziehen, da das vermutlich einfacher wäre. Ich halte eine solche Aussage, wie (wenig) ernsthaft sie gemeint sein mag, für eine Katastrophe für einen Wirtschaftsstandort. Dies hat mich (und meinen Mann) nun auch dazu bewogen, den Vorfall öffentlich zu machen, um im besten Fall eine Debatte anzuregen. Auch mein Mann ist übrigens Akademiker; wenn wir also beide nach Deutschland ziehen (bzw. dort bleiben) würden, kämen Südtirol zwei hoch qualifizierte, mehrsprachige Kräfte abhanden.

Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich betonen, dass:

  • ich auf meine Absicht, einen oder mehrere Intensivsprachkurse zu besuchen, aufmerksam gemacht habe;
  • ich hoch qualifiziert bin und mir in Deutschland regelmäßig von so genannten „Headhuntern“ neue Stellen angeboten werden (ich bin also alles andere als schwer vermittelbar);
  • ich darauf hingewiesen habe, dass ich bereit bin, in Südtirol auch weniger qualifizierte Stellen anzunehmen (und die Empfehlung, in Deutschland zu bleiben, sich nicht auf meine fachliche Qualifikation bezog);
  • meine Gehaltsvorstellungen noch kein Thema waren (dafür war es noch zu früh).

*) geändert, richtiger Name ist BBD bekannt

Ab in die… »Sebstständigkeit«.
Südtirols erste Legastheniker-WG

Der selbsternannte Mehrsprachigkeitslandesrat Christian Tommasini (PD), zuständig für italienische Kultur, Wohnbau, Hochbau und Vermögen, hat in Zusammenarbeit mit dem Wobi ein Cohousing-Projekt für junge Menschen auf den Weg gebracht. Worum es geht, findet man schnell heraus, wenn man die Unterlagen in Augenschein nimmt: »Sebstständigkeit«. Zunächst mag man verwirrt sein oder gar von einem Tippfehler ausgehen, doch je tiefer man sich einliest, desto klarer wird, dass tatsächlich »Sebstständigkeit« gemeint ist und nicht »Selbstständigkeit« oder gar: »Selbständigkeit«.

Spätestens wenn Interessentinnen auf Fragen wie

  • Wie hast du diesem Projekt Cohousing Rosenbach kennen gelernt?
  • Welche sind die Gründe die dich drücken am diesen Projekt teilzunehmen?
  • Was erwartest du dich über das Projekt Cohousing Rosenbach?
  • Was ist deine Beschäftigung im diesen Moment?
  • Welche Hobbys/Interessen hast du? Wie oft verbringst du für diese?
  • Hast du an Schulungskurse teilgenommen? An welche?
  • Hast du mal Freiwillige Erfahrungen gemacht? Wie oft und mit welche Organisation?

stoßen, werden auch sie einsehen, dass sie kurz vor der »Sebstständigkeit« stehen. Schließlich handelt es sich hier um einen »Personalbogen«, sprich:

(ein integraler Bestandteil des Antragsformulars für die Auswahl von n. 32 Jugendliche im Projekt Cohousing Rosenbach beteiligt sein)

Damit eröffnet sich auch eine weitere Gewissheit: Man hat es hier mit einer Landesregierung zu tun, bei der die Südtiroler Mehrsprachigkeit in guten Händen ist.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Quotation (380): DesIntegration.

Wie läuft die Integration der Flüchtlinge?
Die von uns angebotenen Italienischkurse werden jeden Tag fleißig besucht. Anfangs wollten wir die Teilnehmerzahl begrenzen. Es kamen aber jeden Tag neue Anfragen und dann haben wir entschieden, dass jeder kommen kann. Mittlerweile nehmen zwischen 35 und 40 Migranten das Angebot an, die sehr fleißig sind. Ob wir Deutschkurse auch anbieten, müssen wir noch schauen. Zuerst sollen die Italienischkurse funktionieren.

Karin Cirimbelli (SOS Bozen) im Interview von Michael Keitsch.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Das Süd-Tiroler Migranten-Paradoxon.

Es der Süd-Tiroler Freiheit recht zu machen, ist nicht gerade einfach, wie diese beiden erhellenden Ausschnitte zeigen:

Der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll, sieht sich angesichts der aktuellen Ausländer-Daten des Landesstatistikamtes in seinen Warnungen bestätigt, dass die Ausländer von heute zu den Italienern von morgen werden und damit das Verhältnis der Sprachgruppen zu Ungunsten der Süd-Tiroler verändern. […] Das Landesstatistikamt hat erhoben, dass der Anteil ausländischer Kinder in den Schulen rasant zunimmt. […] Der überwiegende Anteil besucht italienische Bildungseinrichtungen und wird somit italienisch aufwachsen. Seit 2009 warnt der Landtagsabgeordnete Sven Knoll vor dieser Entwicklung und hat mehrfach aufgezeigt, welche negativen Folgen es für Süd-Tirol haben wird, wenn sich die ausländische Bevölkerung größtenteils in die italienische Sprachgruppe integriert.

Presseaussendung der Süd-Tiroler Freiheit am 16. September 2016

Der Anteil an ausländischen Kindern in Süd-Tirols Kindergärten und Schulen nimmt seit Jahren ständig zu. […] Für Pädagogen/innen wird die Vermittlung der deutschen Sprache immer schwerer, zumal in einigen Kindergärten der Anteil der ausländischen Kinder höher ist als jener der deutschen Kinder. Bezirkssprecher Dietmar Weithaler warnt eindringlich davor, die vor kurzem von der Landesregierung getroffene Initiative zu überschätzen. Die Aufteilung italienischer und ausländischer Kinder auf andere Sektionen löse das Problem nicht, sondern verschiebe es nur und schlussendlich seien alle schulischen Einrichtungen sprachlich und didaktisch bedroht.

Presseaussendung der Süd-Tiroler Freiheit am 3. August 2017