Quotation (354): Esasperazioni linguistiche.
Scuola paritetica o nazismo?

Anche la Svp, che per anni ha rimosso il ricordo di un uomo „scomodo“, adesso è favorevole all’intitolazione [a Josef Mayr Nusser, nota] del liceo scientifico di via Fago.
Mi fa molto piacere, perché finalmente ci si confronta con un pezzo della nostra storia. Ma…
Ma?
Mi piacerebbe vedere che alle parole seguono i fatti e non parlo solo dell’intitolazione della scuola.
A cosa si riferisce?
Vorrei che in nome dell’abbattimento di muri e divisioni si provasse anche a superare l’articolo 19 dello Statuto che pervede scuole separate per il gruppo italiano e tedesco. […]

Cornelia Brugger (ex PD, presto nei Verdi?) nell’intervista pubblicata oggi dall’A. Adige. Ora la scuola paritetica e il superamento dell’articolo 19 vengono reinterpretati perfino in chiave «antifascista». Come se la scuola bilingue non fosse, al contrario, nata come reazione ai torti fascisti. E invece qui si insinua che «per dimostrare che davvero non siete dei nazisti dovete abolire l’articolo 19. Un’esasperazione inaccettabile del discorso sull’apprendimento linguistico.

Vorrei inoltre ripetere che già da anni la scuola media di Vintl porta il nome di Mayr-Nusser. Personalmente sono favorevole a dedicare ulteriori scuole e strade a un personaggio che è un grande esempio per noi tutti, specie in questi frangenti. Ma è ben difficile affermare che la Svp o il mondo di lingua tedesca negli ultimi decenni abbiano sistematicamente «rimosso» il ricordo della resistenza. Piuttosto è il capoluogo a dimostrare un forte deficit in tal senso.

Vedi anche: [1] [2] [3] [4]

Was bringt der Mehrsprachigkeitshype?

von Thomas Benedikter

Viel Stimmung wird derzeit für eine zweisprachige Schule gemacht, und zwar als zusätzliches Angebot zum dreigeteilten Schulsystem. Es wird spekuliert, ob zu diesem Zweck der Artikel 19 des Autonomiestatuts abgeändert werden muss oder ob seine „Neuinterpretation“ dafür reichen würde, wie es bei der soeben blockierten DFB der Fall gewesen wäre. In diesem Sinn argumentieren auch die Grünen, die vor einem Jahr einen Gesetzentwurf (Nr. 67/15) „Recht auf Mehrsprachlichkeit im Bildungssystem des Landes“ mehrsprachige Klassenzüge in bestehenden muttersprachlichen Schulen einführen wollten, wenn einige Eltern das wünschen. In dieselbe Richtung zielt der kürzlich von Senator Palermo vorgelegte Vorschlag für zweisprachige Klassen oder Schulabteilungen in den bestehenden Schulen. Statt den Artikel 19 derart überzustrapazieren, wäre es rechtlich schon korrekter, zunächst die übergeordnete Norm abzuändern, sofern sich demokratische Mehrheiten dafür finden. Würde der Südtiroler Gesetzgeber dies von sich aus einführen, wäre nämlich auch mit Klagen auf Statutsverletzung zu rechnen.

Mehrsprachigkeit ist für viele Südtiroler das Leitmotiv für die Bildung ihrer Kinder geworden, so als wäre es das absolute Oberziel der Schulbildung schlechthin, der Schlüssel fürs Leben und den beruflichen Erfolg. In diesem Sinn ist in der Bozner Pascoli-Oberschule ein dreisprachiger Schulversuch im Gang mit Deutsch, Italienisch und Englisch als Unterrichtssprachen. Es hat den Anschein, dass bei der italienischen Sprachgruppe heute das Pendel ins andere Extrem ausschlägt, nachdem die erste Generation, die mit dem Autonomiestatut aufgewachsen ist, die zweite Landessprache leider vernachlässigt hat. Wenn das die Motivation zum Deutschlernen stärkt (laut Kolipsi-Studie von 2012 waren 2009 gut 75% der italienischsprachigen Oberschüler erst auf Niveau B1 bei der deutschen Sprache), ist das nur zu begrüßen. Doch muss es in Südtirol aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit zweisprachige Schulen für alle geben?

So argumentiert Sprachwissenschaftler Siegfried Baur in der ff 11/2017 und plädiert für ein dreisprachiges Triennium vor der Matura: „Da müsste die erste Sprache allen Anfechtungen standhalten und die Jugendlichen wären international konkurrenzfähig.“ Müssen Südtirols Schüler aus einem wirtschaftlichen Grund (Konkurrenzfähigkeit) auf eine muttersprachliche Schule verzichten, die die allermeisten europäischen Altersgenossen in Anspruch nehmen? Solange nicht der gesamte deutsch- und italienischsprachige Raum von Flensburg bis Catania ein dreisprachiges Schulsystem einführt, brauchen sich Südtirols Schüler eigentlich keine Sorgen um ihre Konkurrenzfähigkeit in der EU zu machen, geschweige denn in Südtirol. Etwas CLIL, moderne Sprachendidaktik und Zusatzangebote, damit schaffen sie L2 und L3 locker. Etwas mehr Selbstbewusstsein wäre angesagt.

Die Bildungswelt Europas sieht anders aus. In Europa ist immer noch die einsprachige Schule mit 1-2 weiteren Sprachen absoluter Standard. Millionen europäischer Abiturienten erreichen Jahr für Jahr ein Niveau in einer Zweitsprache, das ihnen ein Hochschulstudium in dieser Sprache erlaubt. In Südtirol liegen mehr als die Hälfte der deutschsprachigen Oberschüler auf B2-Niveau der Zweitsprache (Kolipsi 2012), über 70% der Deutschsprachigen beherrschen fließend Italienisch (Astat). Gibt es ein Unternehmen, das Südtirol wegen mangelnder Zweisprachigkeit der Mitarbeiter wieder verlassen hat?

Ganz ohne Zweifel ist Mehrsprachigkeit im heutigen Europa ein wichtiges Bildungsziel (vgl. Barcelona-Erklärung des EU-Rats 2002: Muttersprache+2) und die Beherrschung der zweiten Landessprache ist zu Recht ein hoher Wert in der Südtiroler Gesellschaft. Doch weder hat die EU den 27 Mitgliedsländern aufgetragen, ihr Schulsystem in ein zwei- oder mehrsprachiges umzubauen, noch ist davon abzuleiten, dass Sprachminderheiten zwecks Konkurrenzfähigkeit auf Staats- und Unionsebene — also aus wirtschaftlichen Gründen — von muttersprachlichen Schulen abzugehen haben.

Dazu nochmals ein knapper Einschub aus einem Land, das von Mehrsprachigkeit etwas versteht, die Schweiz, die seit jeher den Erwerb der anderen Landessprachen in den Schulen groß schreibt (vgl. diese Analyse). In der ganzen Schweiz gibt es nicht mehr als zwei zweisprachige öffentliche Schulen, und zwar zwei englisch-deutsche Gymnasien in Zürich, die vor allem von Kindern von Business-Nomaden und gut gestellten Ausländern besucht werden. Die Einführung von zweisprachigen Oberschulen ist nicht einmal im Tessin ein Thema, das wohl am meisten befürchten müsste, auf Bundesebene sprachlich abgehängt zu werden, und auch nicht in den zweisprachigen Kantonen (eine zweisprachige Unterstufe gibt es allenfalls für die Romanen in Graubünden).

Somit könnten auch einige Missverständnisse vorliegen, die den heutigen Hype für mehrsprachige Schulen befeuern, wie etwa folgende:

  • das Missverständnis, dass die gute Kenntnis weiterer Sprachen nur über gemischte Schulen zu erreichen ist (das Standardschulmodell Europas beweist das Gegenteil);
  • das Missverständnis, dass die italienische und deutsche Sprachgruppe in Südtirol beim Sprachenerwerb denselben Bedarf haben;
  • das Missverständnis, dass es nur mit einer zweisprachigen Schule gelingt, gut Italienisch oder Deutsch zu lernen;
  • das Missverständnis, dass Sprachenlernen ein und alles für Wettbewerbsfähigkeit sei (wäre dem so, wären Exportnationen wie die Schweiz, Deutschland und die Niederlande längst abgehängt);
  • das Missverständnis, dass ein öffentliches Bildungssystem auf den Geschmack eines Teils der Eltern mit besonderen Wünschen zugeschnitten werden muss (Schule á la carte);
  • das Missverständnis, dass gerade eine Sprachminderheit aus Konkurrenzgründen eine gut funktionierende muttersprachliche Schule aufgeben solle.

Bei letzterem würden die Befürworter der zweisprachigen Schule einwenden, dass es ihnen um einen zusätzlichen zweisprachigen Klassenzug oder ein Zusatzangebot einer zweisprachigen Schule geht, doch Simon Constantini hat schon mehrfach (vgl. Gastbeitrag in „Mehr Eigenständigkeit wagen“, POLITiS 2016) treffend aufgezeigt, wohin diese Art von Konkurrenz bei den Schulmodellen unweigerlich führen würde. Fazit: Etwas mehr Bewusstsein bezüglich unserer Rechte und Fähigkeiten wäre angesagt. Warum sollten gerade die Südtiroler aus Gründen wirtschaftlicher Konkurrenz die muttersprachliche Schule einschränken, wenn das weder die übrige EU und nicht einmal die mehrsprachige Schweiz tut?

Una brutta figura, davvero!
Lettera aperta a Christian Pfeifer

Naturalmente rispetto la sua opinione secondo cui in Sudtirolo ogni cumulo di talpa oltre a un esonimo abbia bisogno di un secondo nome, anche se inventato. E sono contento di vivere in una terra in cui la sua e la mia opinione possono confrontarsi pacificamente. Perché devo ammettere che il suo punto di vista — e anche il suo modo di agire con la sua lettera aperta — per molti aspetti mi ha sommamente irritato.

Della sua lettera mi disturba l’aspetto postfattuale, che purtroppo però sembra essere abbastanza in voga (vedasi Trump, Erdogan ecc.). Mi disturba che con la sua opinione lei incarni lo stereotipo del Sudtirolo arretrato e concentrato sul proprio ombelico senza la capacità di guardare oltre il proprio naso. Mi disturba che in quanto alla soluzione di questioni di toponomastica lei metta da parte tendenze e prassi all’avanguardia a livello internazionale, come le direttive delle Nazioni Unite (ovvero l’United Nations Group of Experts on Geographical Names, UNGEGN), dipingendo invece la sua propria opinione come un’opinione maggioritaria (citazione: „[…] perché cerca di spiegare come la pensiamo veramente, noi altoatesini di lingua tedesca“), se non già come se si trattasse della verità assoluta. E infine mi disturbano il dilettantismo e l’etnocentrismo delle sue affermazioni.

Mi permetto di corroborare quanto finora affermato.

Col suo testo vuol far credere che la sua sia un’opinione largamente condivisa, anche e soprattutto fra la popolazione di lingua tedesca. Esistono però dati statistici — gli unici a riguardo, se non erro — che contraddicono questa sua pretesa e ne smascherano l’inesattezza, lontana dalla realtà dei fatti. Secondo il barometro linguistico del 2014, infatti, il 71,4% delle cittadine e dei cittadini di lingua tedesca sono dell’avviso che le località in Sudtirolo non debbano avere, capillarmente, due/tre nomi. E pur sempre un quarto degli italofoni è dell’opinione che i nomi di Tolomei non siano necessari sempre e ovunque. Recentemente poi alcuni esponenti in vista della comunità italiana del Sudtirolo (tra gli altri Carlo Bertorelle, Enzo Nicolodi e anche Alberto Stenico) hanno espresso le loro perplessità nei confronti del prontuario di Tolomei, che lei invece difende. In tutto, il 58,1% delle e dei sudtirolesi non sono d’accordo con lei. Inoltre il barometro linguistico evidenzia una chiara tendenza: il numero di coloro che non pretendono il mantenimento dei toponimi del Tolomei, nel corso di 10 anni (rispetto al barometro linguistico del 2004) è aumentato fra i 3 e i 7 punti percentuali, in tutti i gruppi linguistici.

Se guardiamo un po’ oltre i confini della nostra terra vediamo che tale opinione maggioritaria non è appannaggio di un’eventuale arretratezza sudtirolese, bensì corrisponde alla prassi internazionale per dirimere le questioni di toponomastica ispirata alle specifiche direttive dell’ONU. Se dunque lei, per il Sudtirolo, vuol proporre una soluzione anacronistica e fuori dal mondo questo è suo pieno diritto, ma deve accettare la resistenza che si formerà nei confronti della logica nazionalistica intrinseca alle sue idee. In molti paesi del mondo — imprimis, naturalmente, quelli in cui governano o hanno governato forze socialdemocratiche e liberali — si osserva una tendenza a rielaborare il proprio passato colonialista e totalitario, non solo per quanto concerne la toponomastica. Barack Obama ha restituito il nome originale — Denali — al monte più alto dell’America settentrionale, conosciuto per decenni come Mt. McKinley. Non penso che con tale passo abbia sminuito il diritto di sentirsi a casa degli abitanti di provenienza europea in Alaska. Il monolite sito nell’Australia centrale dopo un breve episodio (150 anni) è tornato a chiamarsi Uluru (e non più Ayers Rock). In Groenlandia, Sudafrica, Spagna, Francia, Canada e perfino in Cina si è dato il giusto peso agli endonimi, togliendo lo status di ufficialità ai nomi di dubbia storicità — cosa che ovviamente non vieta a nessuno di continuare a usare tali denominazioni. Così come, senza alcun problema, possiamo usare l’esonimo Mt. Everest per quello che in Cina ufficialmente ha il nome tibetano (!) di Qomolangma e sul lato meridionale porta il nome nepalese di Sagarmatha.

Solo qui da noi evidentemente l’ufficialità della Vetta d’Italia è sacrosanta. Secondo l’ONU le condizioni che hanno portato all’introduzione di un nome sono da tenere in considerazione quando decidiamo quali toponimi debbano essere ufficiali, un aspetto che indubbiamente va a sfavore del mantenimento delle invenzioni del protofascista Ettore Tolomei. Ancor più significativo però è l’effettivo utilizzo locale di un nome e il suo status di endonimo o di esonimo. Ragione per cui ad esempio non capisco perché gli esonimi di St. Ulrich/Ortisei o Stern/La Villa debbano essere ufficiali, nonostante si tratti, se vogliamo, di nomi stratificatisi storicamente. Va da se che gli italofoni potranno comunque continuare a chiamare Ortisei il paese di Urtijëi e La Villa il paese di La Ila.

Il fatto che ci si ostini a parlare quasi esclusivamente di toponimi tedeschi e italiani e solo raramente ci si riferisca agli endonimi e agli esonimi dimostra il basso livello e l’etnocentrismo di un dibattito poco scientifico e poco oggettivo. Kastelbell, Tscherms, Naturns ecc. non sono nomi „tedeschi“. Così come gran parte dei toponimi in Sudtirolo sono di origine retica, celtica o romana. Al contempo quasi mai si distingue fra bilinguismo e binomismo.

Evidentemente non si possono nemmeno „abolire“ dei nomi. Gli si può solo togliere lo status di ufficialità, e questo a sua volta può ma non deve per forza influenzarne l’utilizzo. Altrimenti non esisterebbero Flazpis (Latzfons), Fochina (Ahornach), Mailand (Milano) o Monaco (München).

E mentre molti nella nostra terra, anche e soprattutto sudtirolesi di lingua italiana, si battono per un’identità comune lontana dai gruppi linguistici (scuola plurilingue) dovremmo davvero percepire il nostro territorio come un’entità etnicamente separata? Non vorrà mica questo?

Questa lettera (versione originale in tedesco) è la risposta a un articolo di Pfeifer apparso su Südtiroler Wirtschaftszeitung.

Vedi anche: [1] [2] [3]

Brutta figura, wie wahr!
Offener Brief an Christian Pfeifer

Ich respektiere selbstverständlich, dass Sie der Meinung sind, jeder Maulwurfshügel in Südtirol solle neben der endonymen Bezeichnung auch die tolomeische tragen und ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem Ihre und meine Meinung in einen friedlichen Diskurs treten können. Denn ich muss Ihnen sagen, dass mich Ihre Ansicht — wie auch Ihr Vorgehen mit dem offenen Brief — in vielen Aspekten ungemein irritiert haben.

Mich stört an Ihrem Brief das Postfaktische, das im Moment leider en vogue zu sein scheint (siehe Trump, Erdogan und Co.). Mich stört, dass Sie mit Ihrer Meinung das gängige Stereotyp verkörpern, dass Südtirol hinterwäldlerisch sei und immer nur Nabelschau betreibe ohne über den Tellerrand zu blicken. Mich stört, dass Sie progressive internationale Tendenzen und Gepflogenheiten in Toponomastikfragen wie auch die diesbezüglichen Richtlinien der Vereinten Nationen respektive der United Nations Group of Experts on Geographical Names (UNGEGN) ausblenden und stattdessen Ihre davon abweichende Meinung, wenn schon nicht zur unumstößlichen Wahrheit, dann doch zur Mehrheitsmeinung, hochstilisieren (Zitat: „[…] perché cerca di spiegare come la pensiamo veramente, noi altoatesini di lingua tedesca“). Und zu guter Letzt stören mich auch der Dilettantismus und die Ethnozentriertheit Ihrer Aussagen.

Ich erlaube mir jetzt, all diese Vorwürfe argumentativ zu untermauern.

Ihr Text suggeriert, dass Ihre die — gerade auch unter Deutschsprachigen — vorherrschende Meinung sei. Es gibt jedoch statistische Daten — meines Wissens die einzigen diesbezüglich — die Ihren Anspruch widerlegen und als reines Bauchgefühl fernab von Realität und Fakten entlarven. Laut Sprachbarometer 2014 sind 71,4 Prozent der deutschsprachigen Bürgerinnen und Bürger der Meinung, dass es in Südtirol nicht flächendeckend zwei bzw. drei offizielle Bezeichnungen für Ortschaften und Fluren braucht. Und immerhin mehr als ein Viertel der Italienischsprachigen meint, dass die tolomeischen Namen nicht überall notwendig sind. Erst unlängst haben sich bekannte Vertreter des italienischsprachigen Kosmos in Südtirol (unter ihnen Carlo Bertorelle, Enzo Nicolodi oder auch Alberto Stenico) gegen den Prontuario ausgesprochen, den Sie verteidigen. Insgesamt sind demnach 58,1 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler aller Sprachgruppen nicht Ihrer Meinung. Zudem lässt das Sprachbarometer eine klare Tendenz erkennen. Die Anzahl derer, die nicht auf den tolomeischen Bezeichnungen beharren, ist innerhalb von zehn Jahren (Sprachbarometer 2004) in allen Sprachgruppen zwischen drei und sieben Prozentpunkte gestiegen.

Wenn man nun ein wenig über den Tellerrand blickt, erkennt man, dass obige Mehrheitsmeinung kein „rückwärtsgewandtes“ Südtiroler Spezifikum ist, sondern vielmehr internationalen Gepflogenheiten und von der UNO bezüglich der Lösung von Toponomastikproblemen publizierten Richtlinien entspricht. Wenn Sie nun für Südtirol einen von der Außenwelt isolierten anachronistischen Sonderweg vorschlagen, ist das Ihr gutes Recht. Sie müssen dann aber auch akzeptieren, dass es Widerstand gegen die, diesem Ansinnen innewohnende, nationalistische Logik gibt. In vielen Ländern weltweit — vor allem natürlich in solchen, wo linke, sozialdemokratische und liberale Regierungen an der Macht sind bzw. waren — ist der Trend zu einer offensiven Aufarbeitung von kolonialistischem und totalitärem Erbe, was nicht nur Orts- und Flurnamen betrifft, zu beobachten. So hat Barack Obama dem über Jahrzehnte als Mt. McKinley bekannten höchsten Berg Nordamerikas wieder offiziell seinen ursprünglichen Namen Denali zuerkannt. Ich denke nicht, dass er durch diesen Schritt den europäischstämmigen Menschen das Recht, sich in Alaska heimisch zu fühlen, verwirkt hat. Der Monolith im Zentrum Australiens heißt ebenfalls nach einer kurzen 150-jährigen Episode wieder Uluru (und nicht mehr Ayers Rock). In Grönland, Südafrika, Spanien, Frankreich, Kanada, ja sogar in China wurde Endonymen der ihnen zustehende Stellenwert zuerkannt und im Gegenzug historisch zweifelhaften Bezeichnungen der offizielle Status aberkannt — was natürlich niemanden daran hindert, diese Bezeichnungen weiter zu verwenden. So wie wir den höchsten Berg der Welt exonym Mt. Everest nennen können, obwohl er in China offiziell die tibetische (!) endonyme Bezeichnung Qomolangma und auf der Südseite das in Nepal gängige Endonym Sagarmatha trägt.

Nur bei uns ist eine offizielle Vetta d’Italia offenbar sakrosankt. Für die UNO sind die Umstände, unter denen Namen zustandegekommen sind, ein Aspekt, der bei der Erstellung offizieller Namenslisten von Bedeutung ist und der gegen die Beibehaltung der Erfindungen des Protofaschisten Ettore Tolomei spricht. Bedeutender jedoch ist der lokale Gebrauch und ob es sich um endonyme oder exonyme Bezeichnungen handelt. Daher ist es für mich beispielsweise auch nicht nachvollziehbar, wieso exonyme Bezeichnungen wie St. Ulrich bzw. Ortisei oder Stern bzw. La Villa — obschon diese, wenn man so will, „historisch gewachsen“ sind — Offizialität genießen sollen. Deutschsprachige werden natürlich weiterhin St. Ulrich sagen, aber offiziell sollte der Ort ausschließlich Urtijëi heißen, und Stern La Ila.

Die Tatsache, dass bei uns in der Toponomastikdiskussion meist ausnahmslos von deutschen und italienischen Ortsnamen und sehr selten von Endonymen und Exonymen die Rede ist, zeugt von der niveaulosen Ethnozentriertheit der Debatte fernab jeglicher Sachlichkeit und Wissenschaftlichkeit. Kastelbell, Tscherms, Naturns usw. sind nicht „deutsch“. So wie ein Großteil der Namen in Südtirol auf rätische, keltische und romanische Bezeichnungen zurückgeht. Auch wird kaum zwischen Zweisprachigkeit und Zweinamigkeit unterschieden.

Man kann Namen auch nicht „abschaffen“. Man kann ihnen nur den offiziellen Status aberkennen. Den Gebrauch kann, muss das aber nicht beeinflussen. Andernfalls dürfte es ja auch kein Flazpis (Latzfons) und kein Fochina (Ahornach), kein Mailand (Milano) und kein Monaco (München) geben.

Und während viele im Lande, auch und gerade italienischsprachige Südtiroler, für eine gemeinsame Südtiroler Identität losgelöst von den Sprachgruppen kämpfen (Stichwort: gemeinsame Schule), sollen wir um jeden Preis das Gebiet, in dem wir leben, in ethnisch getrennten Realitäten wahrnehmen? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein?

Dieser Brief (italienische Fassung) ist eine Replik auf einen Artikel Pfeifers, der in der SWZ erschienen ist.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Quotation (353): Militärisch erobern.

Bei der Wintertagung des Landesbeirates der Eltern zur Mehrsprachigkeit am 18. Februar marschierten auch die Schützen auf. Efrem Oberlechner, Medienreferent der Schützen, war einer der Teilnehmer an der Podiumsdiskussion, die auf die Referate folgte. Wie den Autonomiekonvent versuchten die Schützen auch die Tagung militärisch zu erobern, über den Saal verteilt und mit Spickzetteln, die kursierten. Ihre Argumente gegen die „gemischte Schule“ (so der abschätzige Kampfbegriff): Schutz der Muttersprache, Italienisch sei Fremdsprache (die freilich mit modernen  Methoden unterrichtet werden müsse), Wissen werde so nicht angemessen vermittelt, Stellen abgebaut.

ff 11/2017 „Die deutsche Angst“ zum Thema mehrsprachige Schule.

Jeder urteile selbst, wer hier eigentlich abschätzig spricht. Zudem sollte man mit Begriffen wie „militärisch“ sehr vorsichtig umgehen.

Unesco: Posse um ladinische Sprache.
Divide et impera auf Südtirolerisch

Nach der Kritik um das Fehlen der friaulischen und ladinischen Sprachen bei der Beschriftung der über 60 Schutzhütten im Naturerbegebiet der Dolomiten will die Unesco-Stiftung jetzt nachbessern. Das ist die gute Nachricht.

Wie jedoch die Usc di Ladins in ihrer aktuellen Ausgabe (vom 10. März) berichtet, kam es im Zuge der sprachlichen Neudefinition zu einer Intervention der Südtiroler Landesregierung. Während man sich zunächst auf die friaulische und auf die ladinische Einheitssprachen geeinigt hatte, bestanden die Landesräte Richard Theiner und Florian Mussner (beide SVP) offenbar auf Gebrauch der ladinischen Talidiome — eine weit verbreitete Strategie, um sprachliche Minderheiten zu schwächen. Damit leugnet man die kulturelle Einheit und reduziert Sprachen auf eine Ansammlung von Dialekten, was deren Würde, aber auch den praktischen Nutzen beschränkt.

Mag sein, dass die Ablehnung der Einheitssprache auch darauf zurückzuführen ist, dass bei deren Entwicklung zu sehr auf die Verständigung geachtet und somit wenigstens zum Teil Ausdrücke geopfert wurden, die für die ladinische Sprache charakteristisch sind. Doch dafür gibt es zwei Lösungen: Der konstruktive Ansatz würde zeitnahe Verbesserungen nach sich ziehen, während die nachhaltige Ablehnung und somit die Schwächung der Sprache den destruktiven Ansatz darstellt.

Absurde Folge der Südtiroler Forderungen: Fast im gesamten Unesco-Gebiet wird — auch außerhalb Ladiniens — auf Schildern die ladinische Einheitssprache zu lesen sein, wohingegen in Gherdëina (Gröden) und Badia (Gadertal) die jeweiligen Talidiome zur Anwendung kommen.

Zwischen Kiel und Bozen sowie zwischen Lugano und Palermo konnte man sich jeweils auf gemeinsame Schriftsprachen einigen, aber zwischen Urtijëi und Anpezo scheint dies ein Ding der Unmöglichkeit zu sein — der angeblichen Minderheitenpartei SVP sei »Dank«.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Bündner Kantonspolizei achtet auf Mehrsprachigkeit.

Die Kantonspolizei (KaPo) des nahen Kantons Graubünden hat am vergangenen Samstag erstmals zwei Polizisten vereidigt, die ihre Ausbildung an der Tessiner Scuola cantonale di polizia (SCP) absolviert haben.

Wie die Polizia chantunala mitteilt, werde »die Sprachkompetenz im dreisprachigen Kanton« seitens der Polizei »gefördert und gepflegt.«

Einerseits werden in den Regionen Sprachkurse angeboten und rege durch die Polizistinnen und Polizisten genutzt. Andererseits ist es auch ein Ziel in der Rekrutierungsphase, die für die jeweiligen Sprachregionen geeigneten Personen zu evaluieren. Mit diesen Kompetenzen können sie ideal zu Gunsten der Bündner Bevölkerung und der Gäste eingesetzt werden. Mit der Ausbildungsmöglichkeit an der Polizeischule Scuola cantonale di polizia (SCP) in Giubiasco wird der italienische Sprachraum über die Kantonsgrenze hinaus genutzt und ein Grundstein für zukünftig Auszubildende gelegt.

— KaPo Graubünden

Von einer ähnlichen Sensibilität und Einstellung können wir in Südtirol — in Ermangelung einer Landespolizei — nur träumen. Nicht nur, dass die Ausbildung von OrdnungshüterInnen ausschließlich in der Staatssprache stattfindet. Immer wieder muss das Land gegen den Staat klagen, weil elementarste Verpflichtungen missachtet werden. Polizei und Carabinieri gehören trotz ihrer hochsensiblen Aufgaben zu jenen Behörden, die den BürgerInnen ihr verbrieftes Recht auf Gebrauch der Muttersprache am häufigsten verwehren.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Quotation (351): Vielsagendes Posting.

Also, das gibt mir jetzt schon zu denken. Da gibt es einen gesamttiroler (sic) Sprachenwettbewerb für OberschülerInnen und die Südtiroler StudentInnen glänzen in Englisch, Französisch, Russisch, Latein und holen sich da die ersten Plätze! Bravo und meine Hochachtung für diese tolle Leistung!
Nur in Italienisch schauen sie durch die Lappen! Da sahnen die ÖsterreichtirolerInnen ab!!! Was will uns das sagen liebe Südtiroler und innen???

Das fragt die Brunecker Gemeinderätin und ehemalige PD-Politikerin und Landtagskandidatin Cornelia Brugger in einem Posting auf der Facebook-Plattform des so genannten „Südtiroler Frühlings“.

Ganz einfach. Es sagt uns, dass Südtiroler Schülerinnen und Schüler beim Gesamttiroler Fremdsprachenwettbewerb aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen dies- und jenseits des Brenners im Fach Italienisch nicht zugelassen sind.

Es sagt uns aber auch, dass wieder einmal – wie so oft in Sachen Bildungspolitik – vorschnell und ohne den Dingen auf den Grund zu gehen, mit Meldungen um sich geschmissen wird, die ein vom Bauchgefühl dominiertes und nicht datengestütztes Bild der Sprach- und Bildungssituation im Land bedienen.

Übrigens: Die Südtiroler Schülerinnen und Schüler haben bei besagtem Bewerb in sechs von sieben möglichen Kategorien (Italienisch ist – wie gesagt – ausgenommen) gewonnen und 16 von 21 Stockerlplätze belegt.

Ergebnisse

Siehe auch: [1] [2]