E-Commerce und Geoblocking.
Die Schattenseiten einer wichtigen EU-Verordnung

Europäisches Verbraucherzentrum Bozen

Am 3. Dezember ist die Verordnung zum Geoblocking EU-weit in Kraft getreten und in diesem Zusammenhang wurde europaweit von einem entscheidenden Schritt zum barrierefreien Online-Shopping berichtet. Auch das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Italien – Büro Bozen begrüßt diesen Schritt in die richtige Richtung, möchte gleichsam aber auch die kritische Stimme sein, welche auf konkrete Probleme aufmerksam macht, welche die Verordnung leider nicht zu lösen vermag.

Die in Kraft getretene Geoblocking-Verordnung (EU) 2018/302) verbietet Online-Anbietern von Waren und Dienstleistungen, bestimmte Verbraucher aufgrund ihres Wohnsitzes oder ihrer Staatsbürgerschaft von ihrem Angebot auszuschließen, sie automatisch auf andere länderspezifische Seiten zu verweisen oder ungerechtfertigt erschwerende Geschäftsbedingungen einzufügen.

Soweit, so gut! Hier nun ein paar konkrete Fälle:

Ein kroatischer Verbraucher hat auf einer italienischen Homepage genau den Anzug gefunden, nach dem er schon lang Ausschau gehalten hatte. Nachdem er bemerkt hatte, dass die italienische Version der Seite seinen Anzug um 318 Euro mit einem zusätzlichen Preisnachlass anbot, während dieser auf der kroatischen Seite 418 Euro kostete, legte der Verbraucher sein Wunschstück in den italienischen Warenkorb und „ging zur Kasse“. Er konnte auch ohne weiteres seine kroatischen Adressangaben machen, als er aber seinen kroatischen Wohnsitz als Lieferadresse angeben wollte, wurde seine Bestellung annulliert und er wurde gebeten, diese über die kroatische Seite auszuführen, da von der italienischen Seite aus lediglich eine italienweite Lieferung gewährleistet sei.

Sie finden das ungerecht und diskriminierend? Ist es laut der am 3. Dezember in Kraft getretenen Geoblocking-Verordnung aber nicht. Die Verordnung verbietet zwar dem italienischen Online-Anbieter dem kroatischen Verbraucher den Zugang zur italienischen Version der Seite zu verwehren (sog. Rerouting), überlässt aber weiterhin alleinig dem Verkäufer die Entscheidung, ob er gewisse Länder als Lieferadressen ausschließt. Hier sei jedoch gesagt, dass der Verkäufer sehr wohl dazu verpflichtet ist, die Abholung der Ware oder aber eine selbständige Organisation der Lieferung durch den Kunden zu ermöglichen.

Peter aus Sterzing hat bei einem deutschen Online-Anbieter einen wunderschönen Schrank zum Schnäppchenpreis entdeckt, aber leider liefert die in Deutschland ansässige Firma lediglich nach Österreich um einen Einheitspreis von 100 Euro und nicht nach Italien, informiert aber: „Sollten Sie die Lieferung in ein anderes EU-Land, das sich nicht unter den Lieferländern befindet, wünschen, kontaktieren Sie uns bitte.“ Peter folgt der Aufforderung sofort, da er den 2,40 m langen Schrank auf keinen Fall in seinem Auto Platz hat. Zur Antwort bekommt er: „Gerne liefern wir Ihre Bestellung zu Ihnen nach Italien. Die Lieferkosten belaufen sich auf 700 Euro!“

Sie finden das ungerecht und diskriminierend? Auch hierzu gibt es weder in der Geoblocking-Verordnung noch in der dieser vorausgehenden Dienstleistungsrichtlinie ein für die Anbieter verpflichtendes Regelwerk, das die freie Gestaltung der Lieferkosten verhindern würde.

Sonja ist eine begeisterte Filmguckerin und würde natürlich gerne die deutschsprachigen Streamingabo-Angebote nutzen. Von Italien aus kann sie aber beim deutschen Anbieter keinen Account erstellen.

Sie finden das ungerecht und diskriminierend? Ist es aber nicht, da die Geoblocking-Verordnung diese Dienstleistungen ausdrücklich vom Diskriminierungsverbot ausschließt; in diesem Bereich kommen urheberrechtliche Regeln zur Anwendung, die eine grenzenlose Inanspruchnahme der Dienstleistung einschränken können. Andererseits gibt es aber sehr wohl eine Verordnung, die es Ihnen erlaubt, Ihre in Italien abgeschlossenen Streamingabos mit auf Reisen und gleichermaßen im Ausland in Anspruch zu nehmen.

Und dennoch ist das EVZ Italien – Büro Bozen der festen Auffassung, dass die neue Verordnung zum Geoblocking ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist, dass aber noch ein langer Weg vor uns liegt, um barrierefreies Online-Shopping tatsächlich möglich zu machen.

Auf der Internetseite der Europäischen Kommission finden Sie eine Reihe von Fragen & Antworten zum Thema Geoblocking.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Sonderbares Deutsch im ‘Onlinestore’.

Mit Onlinestore aus Kastelbell im Vinschgau ist in Südtirol auch ein Internet-Versandhaus beheimatet. Während der entsprechende Webauftritt am Anfang ganz offiziell nur in italienischer Sprache verfügbar war, gibt es schon seit einiger Zeit eine deutsche Sprachoption. Wählt man die, sieht das dann allerdings so aus:

Einige Produktbeschreibungen gibt es auch in deutscher Sprache, doch ohne Italienischkenntnisse ist das Einkaufen nach wie vor unmöglich. Gefühlte 90% der Inhalte sind nicht auf Deutsch verfügbar, nicht einmal die Bezeichnungen der elf Hauptkategorien (»Casa e Cucina«, »Per Lui e Per Lei«…) wurden übersetzt. Eine Aufgabe, die wohl in 10 Minuten bewältigt wäre.

In Katalonien oder Québec wäre ein solches Unternehmen ohne vollständiges Service in katalanischer bzw. französischer Sprache illegal. Nicht so hierzulande* — wo sich das nach wie vor so gut wie einsprachige Unternehmen sogar mit dem Standortzeichen der Südtirol-Dachmarke schmücken darf:

Wenigstens letzteres hätte man an die Mehrsprachigkeit knüpfen können.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10]

*) in Südtirol wäre es laut italienischem Konsumentenschutzgesetz vermutlich illegal, ein solches Webangebot nicht zumindest in italienischer Sprache anzubieten.

Peinlicher Auftritt.
Wie aus dem Klassenbuch

Wie wir in Erfahrung bringen konnten, kam es neulich bei einer Veranstaltung des Deutschen Schulamtes in Bozen zum Eklat. Schon seit Jahren (Projektbeginn war 2010) wurschtelt das Land — ohne nennenswerte Erfolge vorweisen zu können — mit einem Team von rund 200 Personen an der Umsetzung eines »Schulinformationssystems« inklusive digitalem Klassenbuch herum. Gleichzeitig wurden dem bereits funktionstüchtigen Projekt eines (ehemaligen) Südtiroler Schülers, der in Eigenregie in wenigen Monaten ein digitales Register programmierte, das mittlerweile von dutzenden Schulen im Land genutzt wird, eher Steine in den Weg gelegt, als dass man sich ernsthaft um eine mögliche Zusammenarbeit bemüht hätte. Inzwischen wurde die Umsetzung an ein süditalienisches Unternehmen vergeben, das das Projekt gemeinsam mit der Südtiroler Informatik AG zu einem brauchbaren Ergebnis führen soll.

Unlängst fand nun eine Informationsveranstaltung für Schulleiterinnen statt, bei der die Softwarelösung aus Sizilien hätte erläutert werden sollen. Doch wie sich bald herausstellte, war der von der Herstellerfirma beauftragte Südtiroler Referent weder der deutschen Sprache angemessen mächtig, noch mit dem digitalen Klassenbuch vertraut. Mehr noch — die eigentliche Software wurde gar nicht gezeigt. Stattdessen hantierte der Vortragende ungelenk mit einer aus Screenshots bestehenden Powerpoint-Präsentation. Auf gezielte Fragen zum Programm — und waren sie auch noch so banal — vermochte er nicht einzugehen. Nach immerhin einer Stunde Radebrecherei wurde die Veranstaltung aufgrund von teils wütenden Protesten aus dem Publikum abgebrochen.

Nach einer Unterbrechung hat ein ebenfalls anwesender Techniker der Herstellerfirma die Veranstaltung — zwar nicht mehr in gebrochenem Deutsch, sondern in der »Einheitssprache« — fortgeführt. Immerhin war dieser, anders als der ursprüngliche Referent, inhaltlich mit der Softwarelösung sehr gut vertraut und konnte sie auch live präsentieren. Diese Version war dann auch schon eine weiter fortgeschrittene als jene, die der Referent Minuten zuvor per Screenshots präsentiert hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings schon zahlreiche Schulführungskräfte die Fortbildung verlassen. Zwar machte das Programm dem Vernehmen nach insgesamt keinen schlechten Eindruck, jedoch hinkt die Lösung jener des ehemaligen Südtiroler Schülers beispielsweise in Sachen Absenzverwaltung hinterher. Bei Letzterer können Absenzen nämlich online genehmigt werden. Beim Programm der sizilianischen Firma ist dies nicht vorgesehen und es braucht nach wie vor Zettelwerk.

Zudem ist die »Südtirolversion« der Software noch nicht ganz ausgereift, wenngleich sie laut Ausschreibung bis spätestens Mai 2019 komplett auf Deutsch zur Verfügung stehen muss. Sie soll aber dennoch bereits im kommenden Schuljahr eingesetzt werden. Es wird wohl zum »Versuch am lebenden Objekt« — also zur Entwicklung am Kunden — kommen. Man darf gespannt sein, wie sich der deutschsprachige Support dann schlagen wird.

Siehe auch: [1]

EU schränkt Geoblocking weiter ein.

Mit dem morgigen Montag fällt dank EU eine weitere Barriere im Onlinehandel. Anbieterinnen dürfen dann Kundinnen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten nicht mehr abweisen oder auf andere Länderversionen ihres Portals umleiten. Auch die Ablehnung ausländischer Kreditkarten soll nicht mehr möglich sein, sofern diese in der EU ausgestellt wurden. Gerade auch für Südtirolerinnen — die häufig Portale deutschsprachiger Nachbarländer nutzen — könnten die Neuerungen positive Auswirkungen haben. Bislang orientierten sich viele Angebote am Verlauf von Staatsgrenzen, heimische Kundinnen wurden vielfach auf italienische Portale ver- oder ganz abgewiesen. Abzuwarten bleibt, ob Versandhäuser versuchen werden, die neuen Regeln etwa durch abschreckend hohe Versandkosten ad absurdum zu führen. Darüberhinaus darf der physische Versand ins Ausland auch weiterhin abgelehnt werden.

Urheberrechtlich geschützte Online-Inhalte (Musik, Filme etc.) sind leider ganz von der Regelung ausgenommen.

Siehe auch: [1] [2]

Elektronische Rechnung: Tolomeis Erfüllungsgehilfin.

von Egon Pramstrahler

Wie viele andere Wirtschaftstreibende musste auch ich mich mit dem Thema „Elektronische Rechnung“ beschäftigen, mit welcher uns der italienische Staat ab dem 1. Jänner 2019 beglücken möchte.

Dabei werden alle Rechnungen (Ein- wie Ausgang) in Italien von/an Firmen, aber auch an Private über ein zentrales System des Finanzamtes (SDI – sistema di interscambio) geleitet und somit weiß das Finanzamt künftig über alles Bescheid. Dadurch soll (angeblich) die Steuerhinterziehung – speziell jene der Mehrwertsteuer – bekämpft und vollständig unterbunden werden.

Unter den zahlreichen Änderungen und Informationen, die dabei auf die Firmen, Freiberufler u.a. zukommen werden, ist mir ein Punkt aufgefallen, den ich anfangs gar nicht glauben konnte: So informierte mich mein Wirtschaftsberater, dass sämtliche „anagrafischen“ Daten scheinbar nur noch in italienischer Sprache verwendet werden können, d.h. Firmenbezeichnungen und Name von Land/Provinz sowie die Ortsnamen (!) sind künftig nur noch auf Italienisch verfügbar.

Bei Rechnungen an öffentliche Institutionen und Verwaltungen ist die elektronische Rechnung schon seit 2015 Pflicht, und dort ist dies bereits so umgesetzt.

Dabei wären Mehrsprachigkeit (Schnittstellen in der Sprache der Benutzer usw.) und auch verschiedene Bezeichnungen für Orte und Länder/Provinzen nirgends so einfach implementierbar, wie in elektronischen Informationssystemen. Firmen und Private sind ohnehin über die Steuer- und Umsatzsteuernummer und Steuernummer identifizierbar. Alles andere muss nur im System hinterlegt und entsprechend zugeordnet werden.

Anders aber in Italien: Wenn sich das bewahrheitet, wonach es derzeit aussieht, machen sich hierzulande die Elektronische Rechnung und die IT zu Erfüllungsgehilfen des Herrn Tolomei und löschen handstreichartig sämtliche deutschen und ladinischen Ortsnamen aus. Und da davon auszugehen ist, dass Firmen ihre Daten nicht in verschiedenen Varianten speichern werden, kann man bereits von einem Zwang in der Wirtschaft zur Verwendung der italienischen Ortsnamen und Bezeichnungen sprechen.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

Die Briefwahl-Schlamperei.

Wie chaotisch die postalische Auslandswahl zum Südtiroler Landtag diesmal ablaufen wird, lässt sich noch nicht genau abschätzen. Inzwischen zeigen sich Symptome mangelnder Sorgfalt bereits auf den dafür vorgesehenen Briefumschlägen:

Wir bitten für die schlechte Bildqualität um Verzeihung.

Nicht nur, dass man offenbar nicht imstande war, drei Sätze in englischer Sprache fehlerfrei zu schreiben (»as« statt »is« und fehlendes Leerzeichen zwischen »number.« und »Please«). Es gab aber auch mit Steuerung-C und Steuerung-V offenbar Schwierigkeiten, denn die Internetadresse http://www.upu.int/en/activities/letter-post-developments/ibrs.htm/ ist leider falsch (und somit unbrauchbar).

Korrekt müsste sie http://www.upu.int/en/activities/letter-post-development/ibrs.html (»development« statt »developments« und »html« statt »htm/«) lauten.

Über diese Schlamperei kann auch die ansprechend gestaltete Briefwahlinfo nicht hinwegtäuschen, die so aussieht, als habe sie eine unmotivierte Praktikantin in der Mittagspause erstellt.

Dass Medienberichten zufolge Briefwählerinnen unvollständige Wahlunterlagen zugestellt worden sein sollen, passt da irgendwie ganz gut ins Bild.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Auch die digitale Unterschrift ist einsprachig.

Vor wenigen Wochen habe ich mir aus beruflichen Gründen bei einer Außenstelle der Handelskammer eine sogenannte digitale Unterschrift besorgt. Anders als beim ÖSDI (digitale Identität) handelt es sich dabei nicht um ein italienisches, sondern um ein gesamteuropäisches — von der EU definiertes und eu-weit gültiges — System. Dennoch wird es wie so oft national dekliniert.

Wie so oft führt das in Südtirol dazu, dass man sich die Zwei- oder gar die Dreisprachigkeit weitgehend auf den Hut stecken kann.

Das einzige was es auch auf Deutsch gibt, sind der Antrag auf Erteilung der Nationalen Servicekarte mit Authentifizierungs- und Unterschriftszertifikat und eine Kurzanleitung (bestehend aus einer A4-Seite), die die Bedienung der einsprachig italienischen Software erläutert.

Die Software für die Registrierung, das mit ausgehändigte Infoheft mit der Anleitung, die Allgemeinen Vertragsbedingungen und eben auch die Software, mit der man die einzelnen Dokumente digital signieren kann, gibt es ausschließlich in italienischer Sprache. Genauso wie übrigens das einschlägige Webportal, auf das in der Anleitung verwiesen wird.

Selbst die Ortsnamen (Geburtsort, Wohnort, Ort der Vertragsunterzeichnung…) gibt es nur in der von Ettore Tolomei erfundenen (bzw. abgesegneten) Variante. Die scheinen dann in dieser Form auch auf dem deutschsprachigen Antrag auf, was einen Hauch von 1920er Jahren versprüht: Frau Soundso, geboren in Vipiteno und wohnhaft in Chiusa, beantragt am 20.10.2018 in Brunico einen Antrag auf Erteilung der Nationalen Servicekarte. Nachdem die digitale Signatur dann auch — ausschließlich — mit der »faschistischen« Wohnortsbezeichnung gekoppelt ist, geht mit der Digitalisierung eine erneute Teilabschaffung der historischen Ortsnamen einher. Frau Soundso aus Klausen scheint dann digital als Frau Soundso aus Chiusa auf.

Vor einiger Zeit, so versicherte mir der freundliche Kammerangestellte, seien die Ortsbezeichnungen noch zweinamig gewesen, doch das habe sich mit der Übernahme des Dienstes durch die Firma Aruba leider geändert.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

Virtueller Wahlkampf.
Analyse der Auftritte der einzelnen Parteien

Südtirol steht einen Monat vor der Landtagswahl. Wir haben das zum Anlass genommen, einen Blick auf die Online-Performance der wahlkämpfenden Listen zu werfen. Die Tabellen wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Es ist dennoch nicht ausgeschlossen, dass Accounts bzw. Seiten übersehen wurden. (Bitte um Hinweise, sollte dies der Fall sein.)

Social-Media-Auftritte

*) Auf der Webseite des Teams Köllensperger wird auf keinen institutionellen Twitter-Account, sondern auf jenen des Spitzenkandidaten Paul Köllensperger verwiesen.
**) Auf Instagram sind nur die  young greens southtyrol, nicht aber die Mutterpartei vertreten.

Erläuterungen
Die drei Parteien mit den jeweils meisten Fans/Followern/Abonnenten pro Plattform (wobei sich nur schwer eruieren lässt, ob alle genuine Fans sind oder manche auch gekauft wurden) sind dunkelgrün markiert. Hellgrün markiert ist, wer am heutigen Stichtag (20. 9. 2018) ein Posting abgesetzt hat. Hellrot markiert sind Parteien, die auf der entsprechenden Plattform seit mehr als einem Monat keine Inhalte veröffentlicht haben.

Beobachtungen

  • Alle Parteien verfügen über eine Facebookseite, die mit Ausnahme der Forza Italia regelmäßig bespielt wird. Elf von 14 Listen haben einen aktiven Instagram-Account, wenngleich das letzte Posting des PD über einen Monat alt ist. Ebenso viele sind bei Twitter, wobei Noi per A. A. Südtirol und M5S nicht wirklich aktiv sind.
  • Die STF ist auf den vier großen Kanälen (Facebook, Instagram, Twitter und YouTube) immer in den Top 3 und hat dreimal die Nase vorn. Nur auf Twitter muss sie sich der SVP geschlagen geben. Zudem ist sie zusammen mit den Freiheitlichen die einzige Partei, die alle fünf Kanäle (inkl. Google+) konsequent regelmäßig bespielt. Bei STF und F war auf keinem Kanal länger als 10 Tage Sendepause.
  • Neben den fünf dargestellten Kanälen werden von den Parteien auch noch weitere Plattformen benutzt. (Es werden jene aufgezählt, auf die es auf der Webseite einen Verweis gibt.) Die STF hat einen Pinterest-Account (ohne Posting), ist bei Tumblr, Flickr (13 Follower) und SoundCloud (13 Follower). Zudem hat sie 84 Dokumente auf Scribd und 1.806 Dokumente auf Issuu hochgeladen. Zusätzlich wird ein WhatsApp-Service und ein RSS-Feed geboten. Die Freiheitlichen sind ebenfalls auf Pinterest und Flickr (jeweils 0 Follower) und haben einen Follower in der SoundCloud. Auch sie haben 84 Dokumente auf Scribd geladen und bieten einen RSS-Feed. Die Bürgerunion hat mit 76 die meisten Follower in der SoundCloud. Forza Italia A. A. und die SVP bieten einen RSS-Feed, die Grünen ein Messaging-Service über Telegram.
  • Die neofaschistische CasaPound hat mit über Dreizehntausend Followern — das sind mehr als doppelt so viele wie die SVP — die zweitgrößte Fangemeinde auf Facebook hinter der STF.
  • Auf YouTube hat nur die STF eine nennenswerte Gefolgschaft. Das letzte Video der SVP stammt aus dem Jahre 2013. Mit über einer Dreiviertelmillion Views spielt die STF in Sachen bewegtes Bild in einer eigenen Liga. Die zweitplatzierte SVP kommt auf knapp 65.000 Views — insgesamt gerademal so viele, wie das meistgeklickte Video der STF. Die SVP ist aber — wie gesagt — seit 2013 auf YouTube inaktiv.

Internetpräsenz

 

*) Es gibt zwar die Domain https://partitodemocratico.bz für den lokalen Ableger der demokratischen Partei. Die italienische Version der Seite funktioniert aber im Moment nicht.

Erläuterungen
Bei der E-Mail-Adresse wurde nach einer “institutionellen Adresse” gesucht. Die hellgrün markierten Listen verfügen über eine solche, die auch über die entsprechende Domain erkennbar ist (info@domain.xy). Die grau markierten verfügen als Liste über eine Gmail-Adresse oder geben — wie Alessandro Urzì — die amtliche Landtags-E-Mail-Adresse an. Für die hellrot markierten Listen war keine institutionelle Adresse auffindbar.

Beobachtungen

  • Drei Listen sind nicht mit einer eigenen Internetseite im Netz präsent.
  • Zwei Listen (FI, Vereinte Linke – Sinistra Unita) können nicht per E-Mail kontaktiert werden.
  • Fünf von elf Seiten missachten die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU (DSGVO).
  • Die einzigen Seiten, die konsequent mindestens zweisprachig (DE | IT) sind, sind jene des Teams Köllensperger, der Verdi Grüne Vërc und mit Abstrichen jene des Movimento 5 Stelle.
  • Die STF und die Freiheitlichen haben ihre Webauftritte unlängst erneuert. Offensichtlich von derselben Agentur bzw. mit dem selben Template, denn die Struktur und das Erscheinungsbild der Seiten sind nahezu ident.
  • Auf der alten Seite der STF gab es noch eine Sprachwahl mit Kurzinformationen in vielen Sprachen (Italiano, Ladin, Grödnerisch (sic), English, Spanisch (sic), Łéngoa vèneta, Slovenščina). Die neue Seite ist einsprachig Deutsch. Zumindest findet sich auf der Startseite kein Sprachlink.
  • Auch bei der SVP ist die Sprachwahl der Neuerung zum Opfer gefallen. Waren auf der alten Seite noch Kurzbeschreibungen auf Italienisch, Englisch und Ladinisch zu finden, so gibt es jetzt auf der Seite der Sammelpartei der deutsch- und ladinischsprachigen (sic) Südtiroler kein einziges ladinisches Wort mehr. Selbst die Seite “SVP Ladina” ist auf Deutsch. Das Parteistatut gibt es auf Deutsch und Italienisch zum Download.
  • Pöders Bürgerunion bietet auf ihrer Seite Kurzfassungen auf Italienisch und Ladinisch. Der Link zur Datenschutzerklärung hingegen ist tot. Dafür steht im Wahlprogramm ein Absatz über “Privatsphäre und Datenschutz” — ganz ohne Ironie.
  • Der PD besitzt separate Domains für seinen deutschsprachigen und italienischsprachigen Webauftritt. Im Moment funktioniert nur der deutsche. Dort ist der letzte Eintrag aus dem Jahre 2016. Die Datenschutzerklärung ist unzureichend.
  • Die SVP stellt zwar ihre Kandidaten teilweise ausführlich vor — mit stellenweise programmatischem Inhalt, ein klassisches Wahlprogramm findet sich jedoch nicht. Vollständige Informationen über Kandidaten und Wahlprogramm gibt es nur bei TK, STF, F, BfS und Grünen.
  • Die Südtiroler Regierungspartei und gleichzeitig bislang größte “italienische” Partei im Lande, der PD, stellt weder Kandidaten noch Wahlprogramm vor.

Fazit
Nicht wenige wahlwerbende Listen sind erstaunlich unprofessionell im Internet unterwegs. Es stellt sich die Frage, ob sie eine ähnliche Unprofessionalität auch in ihrer politischen Arbeit an den Tag legen. Wenn fast die Hälfte der Listen, die für die gesetzgebende Gewalt kandidiert, geltendes Recht in Form der DSGVO ignoriert, ist das ein starkes Indiz dafür und im Grunde beschämend. Sogar die Regierungspartei PD lässt erschreckenderweise bei Transparenz und Kommunikation im Internet völlig aus. Auch hat sie auf eine E-Mail-Einladung zu einer Podiumsdiskussion — wie auch Movimento 5 Stelle — nicht einmal reagiert. Dass zwei Listen gar nicht per Mail erreichbar sind und ein paar weitere sich kein virtuelles Zuhause in Form einer Domain angeschafft haben, wirkt im Jahr 2018 auch eher hemdsärmelig. Lediglich vier (TK, STF, F, Grüne) von 14 Parteien agieren nach obigen Standards in allen Belangen professionell. Wobei die STF die meiste Energie im Internet aufzuwenden scheint und das Team Köllensperger sowie die Grünen in punkto Mehrsprachigkeit in einem mehrsprachigen Land die Nase eindeutig vorn haben.