Quotation (408): Geld statt Kultur.

„Katalonien hat weitaus mehr kulturelle Autonomie als Südtirol, doch ohne finanzielle Unabhängigkeit kommt man nicht weit“, sagt der Südtiroler Senator Karl Zeller, Vorsitzender der kleinen Fraktion „Für die Autonomie“ im römischen Senat.

aus ‘Was Südtirol Katalonien voraus hat’ (FAZ)

  • Finanzielle Argumente sind also mal wieder nur dann verpönt, wenn sie von Sezessionisten vorgebracht werden.
  • Die im Artikel genannten Zahlen (»Im laufenden Jahr darf Südtirol zwischen 80 und 85 Prozent der örtlichen Steuereinnahmen behalten. In Katalonien ist es rund ein Drittel.«) sind äußerst zweifelhaft und stammen vermutlich von Karl Zeller, da er sie schon mehrmals so vorgebracht hat.
  • Zeller gibt also zu, dass Südtirol seine Ansprüche auf kulturelle Autonomie für Geld verkauft hat. Wobei er erst kürzlich mehr Autonomie verlangt hatte — für Katalonien.

Siehe auch: [1] [2]

Quotation (395): No culture without freedom.

 

The Fundació Joan Miró staff wishes to state its adherence to the defense of the Catalan institutions in response to the Spanish Civil Guard’s raids of several Catalan government buildings. This action is a direct attack on democracy, freedom and the rule of law. Without freedom there is no culture, and therefore we invite all workers in the sector to defend our rights and participate actively in the protest rallies that are being held.

Barcelona, 20 September 2017

Meraner Bewerbung zur Kulturhauptstadt.
Pressemitteilung

Die Plattform Brennerbasisdemokratie zeigt sich über den Zustand der Demokratie in Südtirol besorgt, wenn die Kandidatur der Stadt Meran zur italienischen Kulturhauptstadt missbraucht wird, um Andersdenkende zu diffamieren und ihre politischen Ideen zu unterdrücken. Auch in der endgültigen Fassung der offiziellen Bewerbungsunterlagen werden (auf Seite 6) der Wunsch nach Selbstbestimmung und die Infragestellung nationaler Grenzen kurzerhand als extremistische Positionen eingestuft, die durch die etwaige Ernennung Merans zur italienischen Kulturhauptstadt gar »zum Schweigen gebracht« werden sollen.

Brennerbasisdemokratie bezeichnet diese Kriminalisierung demokratisch völlig legitimer politischer Forderungen durch die Meraner Stadtregierung als indiskutabel, undemokratisch und gefährlich.

Umso erstaunlicher und widersprüchlicher ist diese Vorgehensweise, da

  • die Südtiroler Volkspartei, die die Bewerbung mitträgt, nicht nur regelmäßig die Unverzichtbarkeit der nun als extremistisch eingestuften Selbstbestimmung betont, sondern gar behauptet, sie sei mit dem Autonomiestatut bereits umgesetzt;
  • die Meraner Ratsmehrheit auch »Alleanza per Merano« umfasst, deren rechtsextremistische Mitgliedspartei Fratelli d’Italia sich zum Faschismus bekennt und somit implizit die demokratische Grundordnung infrage stellt.

Quotation (392): Rigurgiti estremisti.
Candidatura di Merano a Capitale italiana della cultura

A partire da questi sforzi e da queste crepe nasce la vera sfida di Merano a divenire Capitale Italiana della cultura 2020.

  1. uno scambio tra gruppi che non sia privilegio di alcune fasce sociali della popolazione;
  2. la creazione di percorsi per i quali le opportunità di impiego e di futuro dei nostri giovani non siano affidate alla differente appartenenza linguistica, ma siano sfidanti e qualificanti;
  3. la messa a tacere dei rigurgiti estremisti di coloro che cavalcano vuoi la separazione delle due comunità, vuoi l’autodecisione del territorio, vuoi infine addirittura il riposizionamento dei confini nazionali.
  4. consolidare e lasciare alla città progetti culturali importanti che rispecchino i valori che ha ereditato dalla sua storia.

Dalla bozza ufficiale della candidatura a «Capitale italiana della cultura» 2020 di Merano; evidenziamento in grassetto: BBD.

Dunque chi ha redatto il testo ritiene che la candidatura possa essere un «antidoto» all’autodecisione e alla messa in forse dei (sacri) confini della patria — progetti politici pienamente legittimi, ma definiti «rigurgiti estremisti». E quindi, senza mezzi termini, la candidatura sarebbe rivolta contro le idee democratiche di una parte della popolazione, con lo scopo dichiarato di metterle, adirittura, «a tacere».

Vedi anche: [1]

BZ48H oder der Graben zwischen Nord und Süd.

Vom 22. bis zum 24. September findet in Bozen der Kurzfilmwettbewerb BZ48H statt, der von der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der PD-nahen Cooperativa19, dem Verkehrsamt, der Zelig School und dem Filmclub organisiert wird. In der Grande Capitale del Plurilinguismo und in unserem schönen Südtirol, das sich gern als Brücke zwischen Nord und Süd versteht, hat man es aber nicht geschafft, eine zweisprachige Jury zusammenzustellen. Weshalb die Wettbewerbsausschreibung folgende Klausel enthält:

Alle Dialoge, die nicht auf Italienisch erfolgen, müssen mit italienischen Untertiteln versehen sein. Die Untertitel […] dürfen nicht ausblendbar sein. Die Kurzfilme in deutscher Sprache werden von den Organisatoren für die Jury übersetzt.

Wer auch nur ansatzweise Ahnung vom Film hat, weiß natürlich, dass gerade letzteres ein absolutes No Go ist.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

P.S.: Die rührige Genossenschaft ist übrigens auch am Cohousing-Projekt von Land und Wobi beteiligt… weshalb ich mir auch schon vorstellen kann, wie gut hier »für die Jury übersetzt« werden soll. Vermutlich wird da jeder deutschsprachige Beitrag unfreiwillig zur Komödie.

Kolumbus fällt vom Sockel.

Der Bürgermeister von New York, Billy De Biasio, hat die Kolumbusstatue von Central Park in ein Verzeichnis zu entfernender Denkmäler einfügen lassen. Stattdessen soll ein Mahnmal errichtet werden, das an die Unterjochung und Ausrottung der Native Americans durch die europäischen Erobererinnen erinnern soll.

Schon lange ist das positive Gedenken an Kolumbus, den angeblichen »Entdecker« der »Neuen Welt«, auf dem gesamten amerikanischen Kontinent äußerst umstritten. Im Zuge der Aufarbeitung der Konföderation gerät er jetzt in den USA einmal mehr in den Fokus. Dabei haben mehrere Städte, darunter Los Angeles, auch beschlossen, fortan nicht mehr den Columbus Day zu begehen.

Protest kam übereinstimmenden Medienberichten zufolge aus dem italienischen Außenministerium, das den Genueser (auf dessen Namen übrigens das Wort »Kolonialismus« zurückgeht) und seine Taten als »Erbe der Menschlichkeit« bezeichnete. Italienische Kulturverbände in den USA kündigten an, gegen die neue Geschichtsauffassung kämpfen zu wollen, die die eurozentrische Weltsicht infrage stellt und stattdessen die Eingeborenen stärker in den Mittelpunkt rückt.

De Biasio, der selbst teils italienischer Abstammung ist, bezeichnete das Kolumbusdenkmal in seiner Stadt hingegen als »rassistisch«.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Quotation (387): Fehlender Korpus.

Die Universität Bozen und die Eurac beschäftigen sich recht gut mit dem Dialekt, ja. Was mir während meines Studiums aber immer wieder gefehlt hat, ist ein guter Südtiroler Korpus. Ein Korpus ist eine Datenbank, in der Sprachmaterial gesammelt wird. Es gibt zwar bereits einen Korpus Südtirol, der beinhaltet jedoch kein dialektales Material, sondern nur Südtiroler Zeitungsartikel. Das ist ein großes Manko: Interessante Analysen beziehen sich ja besonders auf den gesprochenen Dialekt.

Ich war dieses Jahr in Burmingham [sic] auf einer Korpus-Linguistik-Konferenz und habe mir da ein paar Vorträge angehört: In Wales wird momentan ein Welsh-Korpus angelegt und in Irland ein Gälisch-Korpus. Mich hat dabei fasziniert, wie oft betont worden ist, wie wichtig eine solche Datenbank gerade für eine Minderheitensprache ist. Und mich hat fasziniert zu sehen, dass in anderen Regionen dafür auch Ressourcen bereitgestellt werden. Denn es ist ja klar: Erst, wenn man eine Aufnahme des Ist-Zustandes des Dialektes hat, kann man überhaupt sagen: Moment, wir haben sehr viele Italianismen drin, wir müssen auf unseren Dialekt aufpassen. Aber wir können ja keine Aussagen darüber treffen, weil wir de facto nicht wissen, wie sich der Dialekt in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Isabel Meraner, Romanistin, im Barfuss-Interview

Siehe auch: [1] [2]

Toponomastica, Annibale Salsa si schiera.
Il plurilinguismo e la traduzione dei nomi non sono la stessa cosa

Annibale Salsa — professore emerito di Antropologia filosofica e di Antropologia culturale presso l’Università di Genova, presidente del CAI dal 2004 al 2010, membro del comitato scientifico Dolomiti UNESCO, presidente del comitato scientifico di Accademia della Montagna del Trentino, collaboratore del «Bureau Régional d’Ethnologie et Linguistique» della Val d’Aostanon per la prima volta ha preso posizione sulla toponomastica sudtirolese, sostenendo l’abolizione dei decreti che in epoca fascista portarono alla traduzione-storpiatura dei toponimi preesistenti.

In quest’occasione lo ha fatto al fianco di Süd-Tiroler Freiheit, che a tal fine sta portando avanti una raccolta firme e che in questi giorni ha presentato un libretto informativo in lingua italiana (che il quotidiano A. Adige si è rifiutato di distribuire).

Salsa ha fatto notare quanto lui sia un sostenitore del plurilinguismo, ricchezza di molte regioni alpine — facendo al contempo notare che la traduzione dei toponimi non ne è una logica conseguenza.

Cambiare i nomi dei luoghi e delle persone per decreto costituisce un atto di violenza morale, psicologica e culturale. La questione della toponomastica sudtirolese, a distanza di quasi cento anni, va affrontata con serenità ed obiettività scientifica al di fuori da strumentalizzazioni ideologiche che qui hanno accecato le menti ed avvelenato gli animi.

— Annibale Salsa

Vedi anche: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8]