Quotation (477): Wer will…?

Welches sind die Identitätszeichen der katalanischen Kultur?

Es ist eine Kultur, die sich zusammen mit den jeweiligen Bedingungen verändert. Vor hundert Jahren gab es zum Beispiel in Katalonien eine weitgehende Akzeptanz des Stierkampfs. Heute gilt er als etwas Verabscheuungswürdiges. Und ich denke, darin liegt gerade die Stärke des Charakters, in der Fähigkeit, sich an die verschiedenen Einflüsse anzupassen und auch den Einwanderungswellen der letzten Jahrhunderte gegenüber offen zu sein. Das hat zum Glück auch das Entstehen eines ethnischen Nationalismus verhindert, der im 19. und 20. Jahrhundert teilweise in Mode war. Wir fragen ja nicht: Wer ist Katalane? Sondern: Wer will Katalane sein?

Der ehemalige katalanische Präsident, Carles Puigdemont (PDeCAT), im Interview mit der Berliner TAZ.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

#DiscoverEU: Kostenloses ‘Interrail’.
Ab sofort bewerben

Schon seit gestern und noch bis zum 26. Juni um 12.00 Uhr können sich junge Europäerinnen über das Europäische Jugendportal online um einen von 15.000 Travel-Pässen bewerben. Damit können sie diesen Sommer mit Bahn, Bus und Fähre bis zu 30 Tage auf EU-Erkundungstour gehen.

Ziel ist es — passend zum Europäischen Kulturerbejahr — junge Menschen Europa und Europa mit seiner kulturellen Vielfalt jungen Menschen näherzubringen.

An der Bewerbung können alle EU-Bürgerinnen teilnehmen, die zwischen dem 2. Juli 1999 und dem 1. Juli 2000 geboren sind. Wer einen Travel-Pass bekommt, muss die Reise zwischen dem 9. Juli und dem 30. September antreten und kann bis zu vier EU-Länder bereisen. Am Ende sollen sie als Botschafterinnen über DiscoverEU berichten.

Siehe auch: [1]

Freiheit der Kunst: EU kein Vorbild.
Sorgenkinder Spanien, Polen und Frankreich

Freemuse/Artsfreedom ist eine internationale Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Freiheit der Kunst zu verteidigen. In diesem Bestreben hat sie kürzlich zum ersten Mal den State of Artistic Freedom Report (2018) veröffentlicht, in dem die weltweite Situation analysiert und Missstände angeprangert werden.

Dabei sticht in der EU vor allem ein Land negativ hervor: Spanien. Von 48 Künstlerinnen, die 2017 weltweit im Gefängnis saßen, waren 13 in Spanien, 12 in China, 9 im Iran hinter Gittern. Damit steht das EU-Land allein — aber auch die sogenannte europäische »Wertegemeinschaft« als Ganzes — statistisch schlechter da, als die fernöstliche Diktatur.

In der besonderen Wertung der Freiheit in der Musik liegt Spanien (diesmal vor Ägypten und China) ebenfalls an erster Stelle. Valtònyc und Pablo Hasél sind keine Einzelfälle, denn alle 13 spanischen Inhaftierten sind Rapperinnen, die auf Grundlage verschärfter Antiterrorgesetze verurteilt wurden.

Mit Frankreich nimmt aber noch ein weiteres EU-Mitglied eine unrühmliche Position ein: Zwar nicht beim Freiheitsentzug, aber bei der Zensur von Kunstwerken und der Sperrung von Künstlerinnen liegt die Republik von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (140 Zensurfälle) hinter Usbekistan (225) weltweit an zweiter Stelle. China liegt hier abgeschlagen (67) auf dem vierten Platz.

Spanien und Polen ist als zwei von zehn »Watchlist-Countries« je ein eigenes Kapitel in dem Bericht gewidmet. In manchen Grafiken — etwa über die Unterdrückung von Minderheitenstimmen (S. 16) oder zur Freiheit der Theaterkunst (S. 23) — wird auch Deutschland erwähnt, wobei hier keine näheren Angaben gemacht werden.

Nach Österreich, der Schweiz und Italien sucht man im Bericht vergeblich. Ob das daran liegt, dass für diesen ersten Bericht noch nicht genügend Informationen aus diesen Ländern vorlagen, oder daran, dass es hier nichts zu beanstanden gibt, konnte ich nicht eruieren.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Valtònyc in Brüssel – rettende Grenzen.
Wertegemeinschaft in Gefahr

Der 24 Jahre junge mallorquinische Rapper Valtònyc (bürgerlich Josep Miquel Arenas) soll sich nach Brüssel abgesetzt haben. Dieser Tage hätte er in Spanien eine dreieinhalbjährige Haftstrafe antreten müssen, weil er in seinen Songtexten und während Konzerten den Terrorismus verherrlicht und die Würde des spanischen Königs verletzt haben soll. Majestätsbeleidigung, wie zeitgemäß!

Es sagt viel aus über den Zustand unserer gepriesenen Demokratien und unserer »Wertegemeinschaft«, wenn heute in Europa wieder Künstlerinnen wegen ihrer — durchaus umstrittenen und kritikwürdigen — Kunst flüchten müssen, um nicht im Knast zu landen. Es ist gar nicht lange her, dass chinesische oder iranische Künstlerinnen nach Europa flohen.

Dabei liegt das Hauptproblem wohl darin, dass sich die EU zwar äußerst detailliert für die Finanzen der Mitgliedsstaaten und die Zusammensetzung ihrer Regierungen interessiert, deren Umgang mit Grundrechten jedoch zur internen Angelegenheit herabgestuft hat.

So konnte passieren, dass — Selbstmord eines Preises — Kollegah und Farid Bang trotz ebenso empörender Texte in Deutschland einen Echo erhielten, während spanische Gerichte Valtònyc, aber auch Rapperkollegen Pablo Hasél (dem neben seinen Texten mehrere Tweets zum Verhängnis wurden) zu Haftstrafen verdonnerten.

Um die Polizei zu irritieren, die im Vorfeld eindringlich vor einem Fluchtversuch gewarnt hatte, kauften Valtonyc-Fans im Laufe der letzten Wochen massenhaft Flugtickets auf dessen bürgerlichen Namen —  unbestätigten Berichten zufolge soll sich der Rapper dann aber auf dem Seeweg ins Ausland abgesetzt haben. Dass er es der spanischen Justiz nicht leicht machen, ja dass er sie blamieren würde, hatte er bereits angekündigt.

Im Lichte dieser Entwicklungen erhalten die verpönten Binnengrenzen — die einen Rechtsrahmen definieren, aber nicht notwendigerweise Menschen aufhalten — eine fast vergessene Bedeutung zurück. Sie bieten Sicherheit, zum Beispiel vor überzogener, politisch motivierter Verfolgung. Und paradoxerweise ist es die EU, die uns mit ihrer Unfähigkeit, als Garantin fundamentaler Rechte zu agieren, dafür die Augen öffnet, dass Grenzen noch ihre Berechtigung haben. Eine Vertiefung der Union um jeden Preis könnte bei ihrer derzeitigen Architektur Gefahren bergen: Gäbe es etwa eine noch engere Zusammenarbeit im Justizbereich — eine Art europaweiten Haftbefehl ohne Abgleich der unterschiedlichen Rechtsauffassungen — würde das der Wertegemeinschaft wohl eher schaden, als nützen.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]

Murer – Anatomie eines Prozesses.

von Oliver Hopfgartner

Letztes Wochenende ging das Filmfestival Diagonale in Graz zu Ende. Ausgezeichnet wurde ein Film, der sich mit der braunen österreichischen Vergangenheit auseinandersetzt.

Trailer des auf der Diagonale prämierten Films

Die Diagonale — das Festival des österreichischen Films — findet jedes Jahr in Graz statt. Graz ist die zweitgrößte Stadt Österreichs und seit jeher politisch stark polarisiert. So wurde der Stadt Graz im dritten Reich der »Ehrentitel« »Stadt der Volkserhebung« veriehen, da bereits vor dem Anschluss 1938 ein national-sozialistischer Putsch erfolgte. Dieses Jahr wurde ein Film ausgezeichnet, der den Finger in diese Wunden legt.

Der Film thematisiert einen der größten Justizskandale der zweiten Republik — den Prozess gegen Franz Murer, den Schlächter von Vilnius. Schauplatz dieser mit einem Freispruch endenden Farce ist ausgerechnet Graz und der Prozess endete in der Verhöhnung und Diffamierung der vor Gericht aussagenden Holocaust-Überlebenden. Der Film zeigt in schauderhafter Art und Weise die braune Durchseuchung des politischen Apparates sowohl in ÖVP als auch SPÖ auf. Aufgrund der eigenen Verstrickungen mit dem National-Sozialismus waren weder Rote noch Schwarze in der Lage, Kapital aus der Aufarbeitung der braunen Vergangenheit des politischen Widersachers zu schlagen, ohne am eigenen Ast zu sägen. Hervorzuheben ist die brillante, psychologische Betrachtung der acht bis neun Geschworenen, welche das Urteil zu fällen haben. Hierbei wird in realistischer Art und Weise der im Nachkriegsösterreich herrschende gesellschaftliche und individuelle Zwiespalt aufgezeigt.

Besonders gelungen ist dabei die neutrale, trockene Darstellung des Gerichtsfalles. Der Regisseur schafft es, die Spannung ohne viel Polemik über rund 130 Minuten aufrecht zu erhalten. Bei der Dreistigkeit der Argumentation der Verteidigung bleibt dem Zuschauer regelrecht die Spucke weg. Der Film trifft inhaltlich, künstlerisch und schauspielerisch ins Schwarze.

Ada Colau boicotta il ricevimento del re.

Riproponiamo qui una dichiarazione della sindaca di Barcellona, Ada Colau (Barcelona en Comú), pubblicata in occasione del Mobile World Congress con sede nella capitale catalana:

Ieri [sabato 24 febbraio] ho dichiarato che non avrei partecipato al ricevimento ufficiale del Re, quello che colloquialmente si conosce come «il baciamani». Invece parteciperò alla cena e all’inaugurazione del Mobile World Congress, dove converrò col Re e altre istituzioni. Lì entreremo in contatto con rispetto fra rappresentanti di diverse istituzioni che hanno lavorato intensamente perché questa edizione del Mobile diventi un successo. Però una cosa è il rispetto istituzionale e un’altra l’adorazione. Ancor più coi tempi che corrono.

Dopo le cariche della polizia del primo ottobre (a Barcellona città ci sono state cariche in 27 scuole), il Re non ha avuto neanche un minimo gesto d’empatia verso la gente che ne ha sofferto, mentre ha fatto un discorso durissimo con cui ha avallato la linea repressiva — invece di tentare di calmare il conflitto e apportare serenità, che è ciò che in principio ci si aspetterebbe da un capo di stato.

Inoltre, negli ultimi tempi abbiamo visto come la libertà d’espressione si limita a un ritmo preoccupante. Nella cornice di questa limitazione si cerca di rendere intoccabile la figura del Re e di ottenere che qualsiasi critica sia accompagnata dalla paura.

Questa settimana un rapper è stato condannato a tre anni e mezzo di reclusione per le sue canzoni. E anche se alcuni dei suoi testi mi causano un profondo dispiacere e mi provocano avversione, trovo un’aberrazione che gli si infligga un anno [di reclusione] per ingiurie alla corona.

In una democrazia avanzata qualsiasi carica pubblica, anche il Re, deve poter essere criticata e messa in forse. A maggior ragione se non si tratta di una carica elettiva ma ereditaria. Per tutto questo, oggi e domani avrò un incontro cordiale col Re, ma non parteciperò al baciamani che, come indica la denominazione stessa, è un atto di adorazione e di vassallaggio improprio per una democrazia del XXI secolo.

Traduzione:

Vedi anche: [1] [2] [3]

Meran wird nicht Kulturhauptstadt Italiens.

Es ist eine gute Nachricht: Die zweitgrößte Stadt Südtirols, die sich um den Titel beworben hatte, wird nicht Kulturhauptstadt Italiens 2020. Aus -Sicht sprach nichts grundsätzlich gegen dieses Ansinnen, doch die Bewerbungsunterlagen waren von der Stadtverwaltung unter anderem dazu benutzt worden, aus demokratischer Sicht völlig legitime, aber offenbar unliebsame politische Forderungen anzugreifen und als extremistisch abzustempeln. Diese Ausgrenzung wäre kein gutes Fundament für die Austragung der mit dem Titel einhergehenden Veranstaltungen gewesen — die übrigens laut Bürgermeister Rösch großteils trotzdem stattfinden werden.

Es ist deshalb erfreulich, dass nicht Meran, sondern Parma Kulturhauptstadt Italiens 2020 wird.

Siehe auch: [1] [2]

Satire darf nicht alles!

Heute auf SüdtirolNews:

Weil die SVP mit dem PD in Südtirol ein Abkommen geschlossen hatte, im Wahlkreis (Anm.: Bozen-Unterland) keine eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern die PD-Kandidaten zu unterstützen, sollen nun die Ortsobleute die Bevölkerung von der Wahl zweier Nicht-Südtiroler überzeugen.

Auch SVP-Bezirksobmann Oswald Schiefer hatte sich den Unmut der Parteispitze zugezogen, als er gemeinsam mit anderen bei einer Sitzung in Bozen noch verärgert verlangt hatte, „doch selbst zu den Leuten raus zu gehen und denen zu sagen, was die gute Boschi macht.“

Sein Bauchweh über die Entscheidung scheint nun aber verflogen. Ausschlag für die schnelle Genesung dürfte nicht zuletzt ein Wahlzuckerle gewesen sein. Boschi versprach nämlich, sich dafür einzusetzen, dass der Egetmann-Umzug in das immaterielle UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wird.

Siehe auch: [1]