Der 7-Giorni-Skipass für den Adulto.

Bald beginnt die Wintersportsaison und damit wieder das Übliche: Heute etwa habe ich für Freunde aus Deutschland, die uns im Winter besuchen möchten, Preise für einen mehrtägigen Dolomiti-Superski-Pass recherchiert. Auf Deutsch.

Das sieht dann auf der offiziellen Webseite des Betriebs mit Sitz in Kastelruth folgendermaßen aus:

Außer Deutsch ist — mit Italienisch und Englisch — in den relevanten Ausklappmenüs alles dabei, was das Herz begehrt. Hätten meine Freunde selbst recherchiert, weiß ich nicht, ob sie etwa »Adulto M« und »Adulto F« verstanden hätten. Durch die Ähnlichkeit zu Englisch (»adult m[ale]« und »adult f[emale]«) vielleicht doch — in einer mir unbekannten Fremdsprache würde ich persönlich aber sicher nicht auf Grundlage einer (wenngleich naheliegenden) Mutmaßung teure Tickets kaufen, mit dem Risiko, dass es dann Probleme gibt. Ein Klick auf das kleine »ⓘ« neben »Personentyp« führt übrigens auch nicht zur Erleuchtung.

Da beschließen viele Skigebiete einerseits, auf die ursprünglichen Ortsnamen zu verzichten, weil sie sich von einem vorgetäuschten Bella-Italia-Feeling drei deutsche Gäste mehr erwarten — vergraulen diese aber womöglich wieder leichtfertig, weil sie außerstande sind, wesentliche Dienstleistungen mehrsprachig anzubieten? Vom mangelnden Respekt für die Einheimischen schweige ich mal ausnahmsweise…

Wer »in Italien« auf Deutsch bedient werden will, muss wohl noch ein paar Monate warten und den Gardasee oder die Adria ansteuern.

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Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Sport Sprachpfusch Tourismus Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | | Deutsch

Unità nazionale, FNOMCeO preoccupata.
Preferibile la discriminazione

È la creazione di

una sorta di extraterritorialità dell’Alto Adige rispetto al resto del territorio nazionale

— ovvero una questione di unità nazionale — ad aver spinto il presidente della Federazione Nazionale degli Ordini dei Medici Chirurghi e degli Odontoiatri (FNOMCeO) a scrivere una lettera al presidente del consiglio Giuseppe Conte, al ministro per gli Affari regionali, Francesco Boccia (PD) e a quello della Salute, Roberto Speranza (LeU), incitandoli a impugnare la parificazione del tedesco all’italiano per l’iscrizione all’Albo professionale in Sudtirolo. L’appiglio è che le due lingue sono sì parificate per effetto dell’articolo 99 dello Statuto di autonomia, ma che

è l’italiano la lingua ufficiale dello Stato e che, come tale, essa debba essere conosciuta ai fini dell’esercizio della professione.

E quindi niente equiparazione delle lingue, nonostante l’autonomia. Insomma, per FNOMCeO è più importante l’unità nazionale rispetto alla non discriminazione sulla base della lingua.

Se i manifesti di Süd-Tiroler Freiheit erano «incitazione all’odio razziale» (secondo ANAAO), come vogliamo chiamare l’espulsione di medici dall’Ordine per ragioni di lingua, mentre al contempo coloro che non parlano il tedesco possono tranquillamente esercitare?

Ricordiamo ai più sbadati che nel sistema sanitario pubblico rimane comunque in vigore l’obbligo di bilinguismo e che quindi la discriminazione linguistica riguarda:

  • i medici privati;
  • coloro che per effetto delle deroghe avrebbero dai tre ai cinque anni per apprendere la seconda lingua.

Secondo FNOMCeO quest’ultimo è un diritto che si può concedere ai monolingui italiani, mentre i monolingui tedeschi metterebbero in pericolo l’unità del territorio nazionale. Più chiaro di così…

Vedi anche:

Arbeit Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Service Public Staat vs Land Vorzeigeautonomie Zentralismus | Italianizzazione Zitać | Giuseppe Conte | | Italy Südtirol/o | PD&Co. Sabes STF Verfassungsgericht | Italiano

Auch die STA minorisiert die deutsche Sprache.
Bozner Straßenbahn

Nicht nur der staatsweite Schienennetzbetreiber RFI mit seiner neuen und gesetzwidrigen Bahnhofsbeschilderung. Auch die landeseigene STA beteiligt sich nun an der Marginalisierung der deutschen Sprache in Südtirol.

Im soeben veröffentlichten Präsentationsvideo der Bozner Straßenbahn (Tram) sind nicht nur sämtliche italienischen Texte erstgereiht und fett, während die deutschen zweitgereiht und plain sind. Bei den Stationsbezeichnungen ist der deutsche Name auch konsequent mit einer viel kleineren Schriftgröße versehen:

Bei einer kleinen Darstellung (etwa auf einem Handy) wird die deutsche Bezeichnung somit teils ganz unleserlich.

Wieder einmal frage ich mich: Wie und mit welcher Glaubwürdigkeit will das Land die Gleichbehandlung der Sprachen Deutsch und Italienisch bei anderen erreichen, wenn es selbst genauso nachlässig handelt?

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Mobilität Nationalismus Plurilinguismo Recht Service Public | Italianizzazione | | | Südtirol/o | Land Südtirol STA | Deutsch

Gesundheit: Einsprachig in den Tod?
Zur neuen Kampagne der STF

Die STF hat eine krasse Kampagne zum Recht auf Gebrauch der Muttersprache im öffentlichen Gesundheitssystem ins Leben gerufen. Ob sie mit solchen Bildern — die entsprechenden Plakate zeigen eine Leiche mit Fußkärtchen, auf dem »Hier stirbt das Recht auf Gebrauch der Muttersprache« steht — der Sache einen Dienst erweist, wage ich stark zu bezweifeln.

Sicher ist auf der anderen Seite aber auch, dass die Gleichstellung der deutschen und der italienischen Sprache in unserem öffentlichen Gesundheitssystem immer mehr unter die Räder kommt. Die Behandlung von Patientinnen in ihrer eigenen Sprache finden Kommentatorinnen ungeachtet ihrer ideologischen Herkunft wichtig (vgl. ). Darüberhinaus werden die schwerwiegenden Risiken von Sprachbarrieren in diesem sensiblen Bereich auch von wissenschaftlicher Seite untermauert. Die Erkenntnisse gehen sogar in die Richtung, dass ein mehrsprachiges Gesundheitssystem letztendlich kostengünstiger sein kann, als der Verzicht darauf.

Es handelt sich also um ein Recht, das man bei klarem Verstand eher ausdehnen sollte, als es einzuschränken — sowohl auf die Ladinerinnen, als auch nach Möglichkeit auf Sprecherinnen anderer Sprachen sowie auf die Gebärdensprache(n). Trotz schwieriger Umstände und allgemeinen Ärztinnenmangels.

Hierfür müssten aber alle Beteiligten an einem Strang ziehen und auch die Arbeitsbedingungen möglichst attraktiv gestaltet werden. Womit konkurrenzfähige Gehälter genauso gemeint sind, wie ein ernstzunehmendes, solides Engagement für die Mehrsprachigkeit (tatsächlich funktionierende Sprachkurse, kontinuierliche Sensibilisierung des Personals, entsprechende Dienstplangestaltung…). Außerdem müssen zur Überbrückung von Notständen auch unkonventionelle Lösungen angedacht werden.

Ein absolutes No Go ist hingegen die einseitige Gewährung von Ausnahmeregelungen wie jener zum Erlernen der zweiten Sprache binnen mehrerer Jahre. Wenn dies sowohl für deutsch- wie italienischsprachige Ärztinnen und Pflegerinnen gilt, bleibt wenigstens die Möglichkeit gewahrt, Turnusse so zu gestalten, dass Patientinnen jeweils eine Behandlung in ihrer Muttersprache garantiert werden kann. Wird dies — wie derzeit — faktisch nur einsprachig italienischem Personal ermöglicht (weil einsprachig deutsche Ärztinnen aus der Kammer geworfen werden), kippt die Situation wohl unweigerlich in eine Richtung, die kaum noch die Zweisprachigkeit sicherstellt. Außerdem handelt es sich um offene Diskriminierung.

Dass Landtagsabgeordnete aller Couleur beschlossen hatten, gegen diese Ungerechtigkeit vorzugehen, stimmt zuversichtlich. Doch noch wurde das Problem nicht gelöst. Und die Zeit drängt.

Bei der STF vermisse ich leider jegliche Differenzierung.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Migraziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Service Public | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | Sabes STF | Deutsch

Der missglückte Druckkopf.
Ein Besuch bei Metro, MediaWorld und… Loacker

Am Samstag hätte ich dringend einen Druckkopf für den Plotter benötigt, da der alte Druckkopf — obwohl noch gar nicht so alt — ausgefallen war. Nachdem ich in Brixen nicht fündig geworden war, beschloss ich, mich nach Bozen zu begeben. Und ich beschloss auch, dies mit einem Sprachexperiment zu verbinden, also zu schauen, wie weit ich mit der (hierzulande angeblich dominanten) deutschen Sprache kommen würde. Ihr ahnt es schon.

Vorspann (kurz)

Zunächst habe ich bei der Metro angerufen, einem Unternehmen, dessen internationaler Hauptsitz in Düsseldorf liegt. Ich konnte mich dunkel daran erinnern, dort (in Bozen) einmal einen Druckkopf gekauft zu haben, vielleicht war es auch nur eine Tintenpatrone.
Jedenfalls konnte mir die Mitarbeiterin am Telefon keine Auskunft erteilen, weil sie mich nicht verstand — insbesondere den Begriff des Druckkopfs. Irgendwann wollte sie mich an jemand anderen weiterleiten, doch stattdessen legte sie auf. Ich rief nicht nochmal an.

1. Akt

Nachdem ich persönlich zur Metro gegangen war, wo es den gesuchten Druckkopf nicht gab, beschloss ich, mich — in Begleitung eines Freundes — zur nahen MediaWorld zu begeben. Auf meine Frage nach dem gesuchten Produkt wurde ich gefragt, ob ich das denn nicht auf Englisch wiederholen könnte. Konnte ich (print head), doch damit war der Angestellte leider sprachlich auch überfordert.

Nachdem er (wortlos) für mehrere Minuten verschwunden war — ich dachte zuerst, er sei geflüchtet —, kehrte er triumphierend mit einem Kollegen wieder, der angeblich Deutsch verstehen sollte. Mit dem Begriff »Druckkopf« konnte auch er nichts anfangen, doch mein wiederholtes »print head« übersetzte er seinem Kollegen dann als »cartuccia« (Tintenpatrone).

Erst als ich gesagt hatte, dass ich keine Tintenpatrone suchte, versuchte er eine wörtliche Übersetzung und landete bei »testa della stampante«, was der zweite dann korrekt als »testina di stampa« interpretierte, um mir wiederum falsch mitzuteilen, dass sich der Druckkopf immer auf der Tintenpatrone befindet.

Druck-KOPF – print HEAD – TESTINA di stampa, so unterschiedlich sind die Begriffe in den drei Sprachen eigentlich nicht.

2. Akt

Nach dem missglückten Kauf wollten wir noch beim Loacker im Twenty einen Kaffee trinken. Die Bestellung an der Kassa verlief so:

Ich: Hallo, einen Macchiato, bitte!
Kassierer: Un macchiato. Per Lei?
Mein Freund: Für mich auch einen Macchiato.
Kassierer: ???
Mein Freund: Auch einen Macchiato.
Kassierer: Latte macchiato?
Mein Freund: Auch einen Macchiato…
Kassierer: ???
Mein Freund: Einen Macchiato!
Kassierer: Due? Due macchiati?

Zum Glück heißt der Macchiato auch auf Deutsch Macchiato und nicht irgendwie anders, sonst wäre die Bestellung ohne Italienisch völlig unmöglich gewesen. Da ist es natürlich eine Anmaßung, von jemandem zu verlangen, dass er mit dem Wort »Druckkopf« etwas anfangen kann.

Aber eine Gleichstellung oder gar Förderung der deutschen Sprache im Konsumentinnenschutz brauchen wir in Südtirol anscheinend nicht.

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Neue Beschilderung am Bahnhof Brenner.
Auch hier wird die Zweisprachigkeitspflicht gezielt ad absurdum geführt

Am 16. Mai hatte LH Arno Kompatscher (SVP) auf die Landtagsanfrage Nr. 181/19 vom 14. März geantwortet, die für den ÖPNV zuständige Landesregierung verfüge bezüglich der gesetzwidrigen Beschilderung am Bahnhof Franzensfeste über keinerlei Informationen. Zwei Monate sind ja auch ein viel zu kurzer Zeitraum, um Nachforschungen zu betreiben. Womöglich müsste man dafür sogar das Landhaus verlassen.

Weitere vier Monate und eine weitere Landtagsanfrage (334/19) später ließ der LH endlich wissen, dass der Schienennetzbetreiber RFI die Schilder austauschen werde. Frist: keine.

An welchen anderen Bahnhöfen bereits ein ähnlich gesetzwidriges Leitsystem montiert worden ist, konnte er aber noch immer nicht beantworten. Bis heute — weit über ein halbes Jahr nach der ersten Anfrage — wurde diese Auskunft auch nicht nachgereicht.

Damit nicht etwa doch noch Mitarbeiterinnen des zuständigen Mobilitätsressorts von Daniel Alfreider (SVP) irgendwann bis zum Brenner fahren (oder bei der Gemeinde Brenner nachfragen) müssen, vermelde ich hiermit: dort, am Grenzbahnhof, ist dies zum Beispiel der Fall, wie unter anderem die folgenden Bilder zeigen.

Anders als in Franzensfeste wurden die deutschsprachigen Informationen hier auf den gelben Schildern nicht nur mit einer deutlich dünneren Strichstärke, sondern auch in viel kleinerer Schriftgröße angebracht. Dem Wegweiser zum Stumpfgleis musste ich mich etwa stark annähern, bis ich erkennen konnte, ob das darunter überhaupt die Übersetzung in deutscher Sprache sein soll.

Die jeweiligen Gleise wurden zudem in TRS und TRN (für die italienische Bezeichnung »Tronco Sud« und »Tronco Nord«) umbenannt.

Ich bin zuversichtlich, dass das irgendwann sogar die Landesregierung erfahren wird. Im Laufe der nächsten Jahre können wir unter Umständen sogar damit rechnen, dass die Situation wieder in Ordnung gebracht wird — inzwischen kann sich RFI dann ja die nächsten Demütigungen einfallen lassen.

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Rechnungshof beharrt auf Einsprachigkeit.
Recht auf nutzloses Labern in der Muttersprache

Bürgerin: Guten Tag! Buongiorno! Ich möchte mir eine Bescheinigung ausstellen lassen. Vorrei richiedere un certificato.

Beamte: Ma certo, venga. Mi dica di che cosa ha bisogno.

So könnte in Zukunft das Recht auf Gebrauch der Muttersprache aussehen, wenn sich die Auffassung des Rechnungshofs durchsetzt. Dort wurde einem Angeklagten das Recht auf einen Prozess in deutscher Sprache verwehrt. Via Tagblatt D. meldete sich der Richter zu Wort, nicht etwa um sich für sein Verhalten zu entschuldigen, sondern um es als völlig normal darzustellen. Der Anwalt der Verteidigung, Felix von Wohlgemuth, hätte seine Reden ja zuerst auf Deutsch (für die Fische) und dann auf Italienisch (fürs Gericht) halten können. Dann kann man den Autonomie-Laden auch gleich dichtmachen.

Schon liest man in den Kommentarbereichen, es sei besser einen kompetenten Richter zu haben, als einen zweisprachigen. Ich warte dann schon gespannt auf die erste einsprachig deutsche Richterin. Die flöge dann in hohem Bogen aus dem Gericht — so wie Herr Dr. Müller aus dem Krankenhaus, obwohl der gar keinen Publikumskontakt hatte.

In Zukunft brauchen dann die Bürgerinnen den Zweisprachigkeitsnachweis, während die öffentlichen Bediensteten einsprachig sind.

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Zweisprachigkeit rechnet sich nicht.

Sehen wir es positiv. Politiker und Rechtsanwalt Felix von Wohlgemuth behauptet zwar, seinem Mandanten sei ein wichtiges Recht verweigert worden, weil eine Verhandlung vor dem Rechnungshof in Bozen nicht in der Muttersprache des Angeklagten (Deutsch) möglich war. Doch womit bittesehr soll sich der Rechnungshof befassen, wenn nicht mit unnötigen Kosten? Da ist es doch wohl logisch, dass mit Sprachen sparsam umgegangen werden muss, mit Grundrechten auch — und die Lektüre des Autonomiestatuts und seiner Durchführungsbestimmungen haben sich die Richterinnen konsequenterweise auch: gespart. Siamo in Italia, da muss Italiano einfach reichen. Alles andere könnte der Rechnungshof als Verschwendung verurteilen.

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