Katalanische Willkommenskultur.
Bei Separatistinnen ausgeprägter, als bei Unionistinnen

Die neuesten Daten der sogenannten Omnibuserhebung des Centre d’Estudis d’Opinió (CEO) der Generalitat de Catalunya umfassen auch Fragen zur Bereitschaft, Geflüchtete aufzunehmen. Die Antworten lassen sich unter anderem mit den Angaben zum Wahlverhalten vom 21. Dezember 2018 überlagern, wodurch sich folgendes Bild ergibt:

  • Wählerinnen der radikal linken, separatistischen CUP sind mit der Aufnahme von mehr Geflüchteten: sehr einverstanden zu 50,0% und einverstanden zu 41,7% (Summe: 91,7%);
  • Wählerinnen der linken Catalunya en Comú – Podem: 19,4% und 65,3% (84,7%);
  • Wählerinnen der linken, separatistischen ERC: 15,9% und 61,1% (77,0%);
  • Wählerinnen der separatistischen Sammelliste Junts per Catalunya: 15,4% und 50,8% (66,2%);
  • Wählerinnen der sozialdemokratischen, unionistischen PSC: 9,3% und 52,0% (61,3%);
  • Wählerinnen der wirtschaftsliberalen, unionistischen Ciutadans: 3,0% und 31,4% (34,4%);
  • Wählerinnen der rechten, unionistischen Volkspartei PP: 0,0% und 31,2% (31,2%).

Damit bestätigt sich einmal mehr, dass die katalaninnen Unionistinnen im Durchschnitt ein deutlich ausschließenderes Gesellschaftsbild vertreten, als die Separatistinnen.

Die Daten ergeben darüberhinaus, dass die Bereitschaft zur Aufnahme Geflüchteter mit steigendem Alter abnimmt. 74,8% der 18-24-Jährigen, 74,2% der 25-34-Jährigen, 65,8% der der 35-49-Jährigen, 61,4% der 50-64-Jährigen und 46,6% der Über-65-Jährigen stimmen der Aufnahme weiterer Geflüchteter zu.

Bei den Männern (66,1%) ist die Willkommenskultur übrigens ausgeprägter, als bei den Frauen (58,7%).

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Cookinseln wollen neuen Landesnamen.

Seit Jänner wird auf den Cookinseln, einem unabhängigen Pazifikstaat in relativer Nähe zu Neuseeland (Aotearoa), wieder über einen Namenswechsel debattiert. Bei einem einschlägigen Referendum hatte sich 1994 die Bevölkerung noch mehrheitlich gegen die Annahme von »Avaika Nui« als neuen Landesnamen entschieden. Diesmal soll es jedoch anders sein, da die Initiative nicht nur von einer zivilgesellschaftlichen Plattform ausgeht, sondern auch von den Anführerinnen aller zwölf bewohnten Inseln mitgetragen wird. Obschon auch jetzt Avaika Nui zu den absoluten Favoriten zählt, gab es rund 60 unterschiedliche Vorschläge für die neue Landesbezeichnung, die die polynesische Identität des Archipels widerspiegeln soll. Das auf den knapp 19.000 Einwohnerinnen zählenden Cookinseln gesprochene Māori ist jenem in Neuseeland sehr ähnlich.

Spannend sind sowohl die historische, als auch die gegenwärtige politische Situation des Archipels: Es war 1888 auf Wunsch der Inselbewohnerinnen britisches Protektorat geworden, da befürchtet wurde, wie Tahiti von Frankreich besetzt zu werden. 1900 wandten sich die Anführerinnen der Inseln an London und beantragten die Annexion, die noch im selben Jahr stattfand. 1901 erfolgte die Eingliederung in die neuseeländische Kolonie. Das Archipel erlangte 1949 zusammen mit Neuseeland die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich und wurde 1965 ein souveräner Staat. Allerdings haben die Cookinseln bis heute einige (vor allem außenpolitische) Aufgaben an Neuseeland delegiert, die in enger Abstimmung zwischen beiden Ländern wahrgenommen werden. Eine gesonderte Staatsbürgerinnenschaft der Cookinseln existiert ebenfalls nicht: Die Bewohnerinnen sind nach wie vor neuseeländische Staatsbürgerinnen und werden von Neuseeland auch als solche behandelt. Staatschefin der Cookinseln ist die Queen of New Zealand (Kuini o Aotearoa), Elizabeth II.

Der bestehende Landesname geht auf den englischen Seefahrer und Kartographen James Cook zurück, der 1773 und 1777 auf die damals schon seit rund 800 Jahren von Polynesierinnen bewohnten Inseln kam.

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Donald Trump will Grönland kaufen.

US-Präsident Donald Trump soll ernsthaft daran interessiert sein, Grönland zu erwerben und — in welcher Form auch immer — in die Vereinigten Staaten von Amerika einzugliedern. Die größte Insel der Erde gehört derzeit noch zu Dänemark, hat aber jederzeit das Recht, seine Unabhängigkeit zu proklamieren und somit ein souveräner Staat zu werden.

Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg hatte schon die damalige US-Regierung unter Harry Truman versucht, Dänemark die Insel abzukaufen. Die Idee beruhte wohl auf der strategischen Lage von Grönland zwischen Amerika und Europa und somit auf militärischen und geopolitischen Überlegungen. Angeblich hatten die USA aber schon kurz nach dem Erwerb von Alaska (1867) erstmals konkret den Ankauf von Grönland anvisiert.

Neben Alaska haben die Vereinigten Staaten auch Louisiana (1803), die Philippinen (1898) und die Virgin Islands (1917) gekauft — letztere waren zuvor ebenfalls unter dänischer Herrschaft.

Für den neuerlichen Kauf eines bewohnten Landes kommt Donald Trump aber (hoffentlich) ein paar Jahrzehnte zu spät. Es sei denn, die Mehrheit der knapp 56.000 Einwohnerinnen von Kalaallit Nunaat — wie die Insel offiziell heißt — erklären sich mit dem Wechsel einverstanden.

Siehe auch:

Militär Politik Selbstbestimmung Wirtschaft+Finanzen | | Donald Trump | | Grönland USA | | Deutsch

Hanebüchene DNA-Aktion.

Während ich schreibe ist in Südtirol eine zwölfstündige Aktion angelaufen, mit der eine NRO auf die Nichtamtlichkeit der historisch gewachsenen Ortsnamen seit nunmehr 97 Jahren hinweist. Dazu werden »deutsche« und »ladinische« Bezeichnungen auf Ortstafeln überklebt.

Bis hierhin könnte ich mich über eine derartige Form zivilen Widerstands gegen ein historisches Unrecht — ein faschistisches zumal — noch freuen.

Es ist mal wieder die Umsetzung dieser Schützen-Maskerade, die äußerst fragwürdig ist und von der chronischen Unfähigkeit zur Differenzierung in diesem Lande zeugt.

Da wird in der begleitenden Pressemitteilung der Geburtsort Tolomeis, Rovereto, als »Rofreit« bezeichnet. Ein ungebräuchliches Exonym, dessen Geschmack zumindest in diesem Kontext den der Revanche annimmt.

Da sollen — wie im begleitenden Video angekündigt wird — sowohl »deutsche«, als auch »ladinische« Ortsbezeichnungen mit dem Hinweis »Deutsch nicht amtlich« überklebt werden, als sei Ladinisch keine eigene Sprache.

Da werden die historischen Toponyme mit Sprache gleichgesetzt, obwohl die als »deutsch« und »ladinisch« bezeichneten Ortsnamen so »deutsch« und »ladinisch« oft gar nicht sind, sondern vor allem: historisch gewachsen aus unterschiedlichsten sprachlichen Substraten.

Und dann ist da noch der Wahnsinn schlechthin: dass »Deutsch nicht amtlich« die Abkürzung »DNA« erhält, was nicht nur zufällig der Abkürzung für »Desoxyribonukleinsäure« entspricht. Dieser Zusammenhang wird auch noch ausdrücklich erwähnt.

Heute vor genau einem Jahr hatte ich auf die in Südtirol gebräuchliche und einschlägig vorbelastete Begrifflichkeit der »Volkstumspolitik« hingewiesen. Aber dass nun Sprache und Kultur sogar wieder mit Genetik in Verbindung gebracht werden — das hat noch einmal eine andere Qualität und Dimension. Ein totales No Go.

Siehe auch:

Faschismen Ortsnamen Politik Ungehorsam+Widerstand | | Ettore Tolomei | | Ladinia Südtirol/o | Schützen | Deutsch

Baustellen: Bozen macht auf Zweisprachigkeitspflicht aufmerksam.

Die Gemeinde Bozen will Baufirmen auf die Zweisprachigkeitspflicht bei der Beschilderung von Baustellen hinweisen. Dies berichtet unter anderem das Onlineportal Salto. Bürgermeister Renzo Caramaschi und dem zuständigen Referenten Luis Walcher (SVP) zufolge gebe es diesbezüglich wöchentlich rund zehn Beschwerden von Bürgerinnen. In 90% der Fälle seien die Tafeln einsprachig italienisch, vereinzelt würden aber auch einsprachig deutsche Schilder gemeldet. Um diesen verbreiteten Missstand einzudämmen, habe sich die Gemeinde nun für ein entsprechendes Promemoria entschieden, das unter anderem auf die Verpflichtungen laut D.P.R. 574/88 hinweist.

Dass die Maßnahme mit den zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung begründet wird, beweist, wie wichtig ein wachsames Auge und die aktive Einforderung von Rechten sind, damit Vorschriften ernstgenommen werden. Der Gemeinde Bozen ist für die Aktion, die sich auch mehrheitlich deutschsprachige Kommunen gerne abschauen können, zu gratulieren.

Siehe auch:

Arch Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht | Bilinguismo negato Good News | Renzo Caramaschi | Salto | | SVP | Deutsch

Einsprachige Ärztinnen am KH Meran.
Eine Übersicht

In Beantwortung einer Landtagsanfrage (Nr. 352/19) der STF gibt Landesrat Thomas Widmann (SVP) die genaue Anzahl an Ärztinnen am Krankenhaus Meran bekannt, die in Missachtung des Autonomiestatuts über keinen Zweisprachigkeitsnachweis verfügen. Es dürfte sich dabei fast ausschließlich um Personal italienischer Muttersprache handeln, da einsprachig deutsche Ärztinnen neuerdings — gegen den Gleichheitsgrundsatz — aus der Berufskammer ausgeschlossen werden.

Einer detaillierten Tabelle zufolge haben knapp 20% der bediensteten* Ärztinnen (47 von 236) keinen Zweisprachigkeitsnachweis vorgelegt:

Abteilung/DienstÄrztinnenohne Zspr.Anteil
Anästhesie22523%
Ärztliche Krankenhausleitung3133%
Augenheilkunde800%
Chirurgie1218%
Dermatologie6233%
Diätdienst200%
Geriatrie12433%
Gynäkologie1616%
HNO10440%
Internistisches Day Hospital9111%
Kardiologie900%
Kinder-/Jugendpsychiatrie7343%
Komplementärmedizin500%
Labor400%
Medizin1816%
Nephrologie200%
Neurologie9444%
Notaufnahme10440%
Orthopädie1417%
Pädiatrie14429%
Palliativmedizin11100%
Psychiatrie11327%
Radiologie16425%
Rehabilitation7114%
Urologie9222%

Wie man sieht, sind manche Abteilungen oder Dienste unterdurchschnittlich oder gar nicht vom Mangel an zweisprachigem Personal betroffen. Dafür liegt der Anteil an einsprachigen Ärztinnen in der Notaufnahme sowie in den Abteilungen HNO, Kinder-/Jugendpsychiatrie und Neurologie bei 40% und mehr. Einen besonders eklatanten Fall stellt die Palliativmedizin dar, wo der/die einzige Arzt/Ärztin keinen Nachweis über die Kenntnis der zweiten Sprache erbringen konnte.

Siehe auch:

*) also nach meinem Verständnis zzgl. der ebenfalls meist einsprachigen Vertragsärztinnen

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Recht Service Public Soziales und Arbeit Umfrage+Statistik | Bilinguismo negato Italianizzazione | Thomas Widmann | | Südtirol/o | Sabes STF Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Quästor militarisiert Bozen.

Auf Anordnung eines von Rom ernannten Beamten — und nicht etwa einer demokratisch gewählten Institution (Landesregierung/Landtag) vor Ort — steht nun also das Militär nicht mehr nur am Brenner, wo es die heilige Grenze schützt, sondern auch im zentralen Bahnhofspark der Landeshauptstadt, wo es für Sicherheit und Ordnung sorgt — zumindest dem Auftrag nach. Dabei entbehrt das Heer jeglicher Kompetenz, sowohl im Sinn von »Zuständigkeit« (zum Glück), als auch im Sinn von »Sachverstand« (leider). Reine Symbolpolitik also, wie sie überflüssiger, aber auch gefährlicher kaum sein könnte.

Nicht umsonst kennt man Bilder von Militärs mit Polizeiaufgaben vor allem von dubiosen Diktaturen. Und nicht von Ungefähr verbietet etwa das deutsche Grundgesetz den Einsatz der Bundeswehr im Innern.

Dass es gerade der Polizeipräsident war, der (ohne großartige Einbindung der autonomen Autonomie) in einer vergleichsweise friedlichen Stadt wie Bozen die Unterstützung des Heeres angefordert hat, ist außerdem ein eindeutiges Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit. Dabei hat Italien ohnehin schon eine der höchsten Polizeidichten Europas, in Südtirol soll sie noch höher sein.

Siehe auch:

Democrazia Militär Polizei Repression Sicherheit Vorzeigeautonomie | | | | Italy Südtirol/o | Land Südtirol Staatspolizei Südtiroler Landtag | Deutsch

Die Umkehrung der Normalität.
Quotation 563

A lot of the media and the right wing, and the right wing of the labour party – they are talking about extremism when they are talking about Jeremy Corbyn, when they are talking about Scottish politics. This is people fighting for social justice. People fighting for housing crisis, you know. Anti trident.

There is a real irony, I think, in the way political language is in this country at the moment, where the current system is regarded as the norm. I think it’s extremism. I think the economic model that is running at the moment, the social inequality that we got at the moment, I think that’s extremism. I think defending that is extremism. And at the moment challenging it is seen as fantasy land. I think the idea that this deregulated, centralized, chronically unequal market economy can persist, I think that’s fantasy land. I think that’s the delusion that needs to be challenged.

Patrick Harvie, Co-Spitze (Co convenor) der Scottish Greens, in einem Interview am Rande einer grünen Parteikonferenz. 

Es scheint im politischen und medialen Diskurs in der Tat so, dass es eine Art Umkehrung der Normalität gibt. Das von Harvie beschriebene Phänomen lässt sich in vielen Bereichen beobachten.

Es ist nicht bloß so, dass die Auffassung, auf einem endlichen Planeten mit begrenzten Ressourcen ein System aufrechterhalten zu können, das auf kontinuierlichem Wachstum beruht, als salonfähig erachtet und die Forderung nach einer radikalen Umkehr vielfach als Extremismus abgetan wird. Auch haben wir uns daran gewöhnt, dass wir biologisch angebaute Lebensmittel kennzeichnen, aber Landwirtschaft, die chemische Mittel zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung einsetzt, als konventionell bezeichnen. Undemokratische Verfassungsklauseln, die von “Unteilbarkeit der Nation” sprechen, sind akzeptiert,  während demokratische Selbstbestimmung auf Basis ideologischer Überzeugungen als etwas Extremes angesehen und sogar bekämpft wird. Die internationale Staatengemeinschaft sieht es auch als normal an und fordert es bisweilen sogar ein, dass Milliarden – mitunter mehr als für Bildung und Friedensarbeit – in Waffen und Armeen investiert werden und die wenigen Länder, die über keine Armee verfügen (beispielsweise Costa Rica) gelten als extreme Exoten. Ebenso gelten in der Mobilität Fahrzeuge, die fossile Energieträger verbrennen als Norm und Menschen, die Flächengerechtigkeit und Vorrang für Radfahrer und Fußgänger fordern mitunter als Extremisten. Augenscheinliches Beispiel dafür ist ein tragischer Vorfall, der sich unlängst in Niederösterreich ereignete. Dort wurde ein Fahrradanhänger von einem Auto erfasst. Zwei junge Mädchen wurden dabei getötet. Die Tageszeitung Kurier titelte daraufhin “Die große Gefahr auf Rädern” mit dem Bild eines Fahrradanhängers – und nicht etwa eines Autos. Auch wurden Stimmen (FPÖ) laut, derartige Fahrradanhänger zu verbieten.

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