Neofaschistischer Bücherladen.

Die schwarze Krake breitet sich weiter ungehindert über Bozen aus: neben den Vereinssitzen, dem zweimaligen Einzug ins Rathaus, der Gründung eines eigenen Onlinemediums oder der Eröffnung eines einschlägigen Klamottenladens möchte nun auch die neofaschistische Altaforte edizioni in der Landeshauptstadt Fuß fassen.

Altaforte ist aus dem Verlagshaus des CasaPound-Blatts Il Primato Nazionale entstanden und wird am 23. Februar in Piacenza ihre erste Buchhandlung eröffnen. Wenige Tage später, am 2. März, soll bereits der zweite Standort folgen — am Bozner sogenannten Siegesplatz, der wieder seine Rolle als Gravitationsfeld der Rechtsextremen wahrnimmt.

Bei Altaforte sind mit Titeln wie La morte della Repubblica (Der Tod der Republik) oder La nazione fatidica (Die schicksalhafte Nation) bislang ein halbes Dutzend Bücher erschienen.

Siehe auch:

Faschismen Termin Wirtschaft+Finanzen | Faschistische Relikte | | | Südtirol/o | CPI | Deutsch

Post: Zahlen, damit alles schlechter wird.

Im November 2016 hatte ich in Bezug auf das geplante Abkommen zwischen Land und italienischer Post geschrieben, dass wir dann möglicherweise 10 Millionen Euro zahlen, damit alles gleich bleibt:

Wie unterschiedliche Medien übereinstimmend berichten, will das Land Südtirol dem ehemaligen Staatskoloss mit 10 Millionen Euro jährlich unter die Arme greifen — damit alles so bleibt, wie es schon war. Es sollen keine weiteren Filialen geschlossen werden und der Dienst soll (anders, als von der italienischen Post geplant) mindestens fünf Zustellungstage pro Woche erhalten bleiben. Etwas, was laut Europäischem Parlament normal sein sollte. Darüberhinaus soll es vielleicht auch wieder ein Verteilerzentrum in Bozen geben. Wie früher.

Nach etwas mehr als zwei Jahren wissen wir: das war zu optimistisch. Trotz des »wunderbaren« Abkommens wird der Postdienst gerade auch in Südtirol »neu strukturiert« — ein Euphemismus für »kaputtgespart«, zum Nachteil der Zustellungsqualität und der Arbeitsbedingungen von Postbediensteten.

Gerade gab die Athesia bekannt, Abonnentinnen der Tageszeitung Dolomiten kostenlosen Zugang zur Online-Ausgabe zu gewähren, weil die Papierausgabe im derzeit herrschenden Chaos nicht zuverlässig zugestellt wird.

Man kann es nicht oft genug unterstreichen: Geld ist keine ebenbürtige Alternative zu echten politischen Zuständigkeiten. Wäre unsere Autonomie in diesem Bereich etwas wert, würde das Land der Post nicht Millionen überweisen, sondern klare Vorschriften machen, wie die Dienstleistung auszusehen hat.

Siehe auch:

Medien Postdienst Soziales und Arbeit Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zuständigkeiten | Zitać | | Dolo | Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Katalonien: EU wird hohen Preis zahlen.

In Zusammenhang mit dem Prozessbeginn gegen die katalanischen politischen Gefangenen hat Tagesschau24 am 12. Februar ein Gespräch mit Peter A. Kraus, Professor für vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Augsburg, geführt:

Einige Auszüge aus den Aussagen von Prof. Kraus:

[Der Straftatbestand der Rebellion] ist etwas ganz Ungewöhnliches in konsolidierten Demokratien. Wenn man nicht mit Gewalt etwas macht, kann man eigentlich nicht rebellieren — und Gewalt ist von den Leuten, die dort abgestimmt haben, in keiner Weise ausgeübt worden. Im Gegenteil: Die sind ja zum Teil zusammengeprügelt worden von spanischen Polizisten.

Die Abspaltung ist der Höhepunkt einer Entwicklung, die schon seit sehr langer Zeit anhält. Ich denke, das müsste man im historischen Längsschnitt länger nachverfolgen: Dass die Katalanen das Gefühl haben, dass sie nicht in Spanien mitwirken können, und dass sie dauerhaft einem Mehrheitsregime unterworfen sind, das ihnen keine wirklichen Mitsprachemöglichkeiten gibt, in dem man sich als nicht mehr handlungsfähig sieht.

Sie können sich das so vorstellen: Wenn Sie in einer Liga Fußball spielen, wo die Schiedsrichter permanent gegen Sie pfeifen — und das ist die Wahrnehmung der Katalanen; die mag jetzt richtig oder falsch sein, aber so ist es nunmal, — dann versuchen sie ihre eigene Liga aufzumachen. […]

Dementsprechend ist die Frage heute dringender als je zuvor: Wo bleibt die Politik? Aber die Politik hat sich an die Judikative verabschiedet.

Dass [der Versuch einer Vermittlung] damals nicht von der EU in irgendeiner Form — und sei es nur hinter verschlossenen Türen — angestoßen wurde, ist ein schwerer Fehler. Für den wird jetzt die EU selber mittelfristig auch noch einen hohen Preis zahlen, wenn die Lage in Katalonien so instabil bleibt, wie es momentan aussieht.

Transkribiert von ARD.

Die Analogie mit dem Fußball ist übrigens auch aus Südtiroler Sicht interessant, wenn man sich die vielen Einmischungen und Anfechtungen von Landesgesetzen durch römische Regierungen sowie die relativ unbestritten systematisch zentralistischen Entscheide des italienischen Verfassungsgerichts vor Augen führt.

Siehe auch:

Democrazia Politik Recht Selbstbestimmung Wissenschaft Zentralismus | Good News Zitać | | ARD | Catalunya Europa Spanien Südtirol/o | EU | Deutsch

Toponomastik auf Null gestellt.

Die Landesregierung hat beschlossen, das Südtiroler Ortsnamengesetz außer Kraft zu setzen. Es war kurz nach seiner Verabschiedung im Landtag durch SVP und PD von der römischen Zentralregierung um Mario Monti angefochten worden — auf Zuruf der radikalen und extremen Rechten. Doch auch die angeblich autonomiefreundlichen Regierungen Letta und Renzi wollten von einem Rückzieher nichts wissen, während eine Lösung in der Sechserkommission am Duo Francesco Palermo (PD/SVP) und Roberto Bizzo (damals PD) scheiterte. Letzterer leistete — wiewohl er im Landtag für das Gesetz gestimmt hatte — erbitterten Widerstand, während ersterer auf Einstimmigkeit bestand.

Um einem Urteil des Verfassungsgerichts aus dem Weg zu gehen, das — wie allgemein erwartet wird — eine ausnahmslose Beibehaltung der faschistischen Ortsnamenerfindungen fordern könnte, soll das Gesetz also wieder abgeschafft werden, noch bevor es jemals in Kraft treten konnte.

Die Rückfallebene sind nun gerade die untoten faschistischen Dekrete, mit denen die Phantasienamen einst eingeführt wurden. Somit ist die Toponomastik genau genommen nicht »auf Null«, sondern »auf Tolomei« gestellt.

Siehe auch:

Faschismen Minderheitenschutz Ortsnamen Politik Recht Zentralismus | | Enrico Letta Ettore Tolomei Francesco Palermo Mario Monti Matteo Renzi Roberto Bizzo | | Südtirol/o | Land Südtirol Lega PD&Co. PDL&Co. SVP | Deutsch

Foibe: Tutto equivale a tutto.
Quotation 519

L’intervento di Renzo Caramaschi si apre con le considerazioni amare di un sindaco «mortificato nel portare quei fiori al cippo di Norma Cossetto» nel corso della piccola cerimonia tenuta poco prima in via del Ronco. «Vorrei una società senza cippi, senza la ferita di un’umanità oppressa, vituperata, martoriata. Non c’è differenza fra Auschwitz e le foibe. La pulizia etnica è la sofferenza di un’umanità ansimante: e noi, minuscoli granelli di sabbia, non possiamo fare altro che evitare con tutte le nostre forze che quelle efferatezze si ripetano.»

dall’A.Adige di oggi

Inutile ricordare che l’incommensurabilità dell’Olocausto è data dall’industrializzazione della morte, che avrebbe dovuto cancellare un intero popolo. Inutile anche dire che le foibe non furono certamente «pulizia etnica».

Ormai tutto equivale a tutto.

Vedi anche:

Faschismen Geschichte Medien Politik | Geschichtsaufarbeitung Zitać | Renzo Caramaschi | AA | Südtirol/o | PD&Co. | Italiano

ISOV: Die Überschwemmung.

Seit ich mich vor rund einer Woche beim Vergabeportal des Landes registriert habe, wird mein Postfach mit Emails zu irgendwelchen Ausschreibungen geflutet, auch wenn ich dazu keinerlei Interesse bekundet habe. Das heißt: Ich kriege nicht nur Mitteilungen über neue Verfahren, die ich dann abonnieren könnte oder auch nicht — sondern zu jedem laufenden Pupsverfahren meines Fachbereichs (oder was die Plattform für meinen Fachbereich hält), einschließlich »Antworten auf Erklärungsanfragen«, »Erläuterungen«, »Richtigstellungen« u.v.m. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Was dabei auffällt, ist, dass sämtliche Mails der folgenden Vorlage entsprechen:

[Vorname Nachname] ([Behörde/Amt]) ti ha inviato un messaggio sul sistema di acquisti telematici della Provincia Autonoma di Bolzano

Gara di riferimento: [Name der Ausschreibung]

Ente committente: […]
Stazione appaltante: […]
Gara: […]

Auftrag gebendes Amt: […]
Vergabestelle: […]
Ausschreibung: […]

[Inhalt der Mitteilung]

———–

Per rispondere a questa comunicazione effettuare il login sulla piattaforma all’indirizzo https://ausschreibungen-suedtirol.it

Der von mir gelb hinterlegte Teil ist immer einsprachig. Aber ist es wirklich möglich, dass in all den Jahren, seit das Portal inzwischen existiert, niemandem aufgefallen ist, dass die Emailvorlage großteils einsprachig ist? Haben sich die Verantwortlichen das Ding auch nur einmal angeschaut? Und wie kommen sie dazu, einem Betreiber, der die vorgeschriebene Zweisprachigkeit so eklatant missachtet, den Führungsauftrag im Wert von über einer Million Euro zu verlängern?

Siehe auch:

Bürokratismus Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Service Public Tech&Com Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato | | | Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch Italiano