Europäische Werte.

Kommentar

Unter dem Titel »mehr Werte — mehr Respekt« schrieb Chefredakteur Toni Ebner in der gestrigen Dolomiten-Ausgabe einen Leitartikel zum Thema Homoehen. Als Vorwand diente ihm dabei die durchaus teilbare Auffassung, die westliche Welt müsse ihre eigenen Werte bewusst pflegen, damit sie von Zuwanderern aus aller Welt — besonders Muslimen — mit Glaubwürdigkeit Respekt dafür einfordern könne. Namentlich genannt wurden dabei der Humanismus, eine nicht näher definierte »Tradition« und das Christentum, wobei vor allem letzteres für die Anfeindungen gegen die Homosexuellen herhalten musste.

Lassen wir einmal beiseite, dass gerade das Christentum jene Nächstenliebe predigt, die die Kirche in ihren Attacken gegen Anderslebende stets pünktlich untergräbt. Wie aber lässt sich die Ansicht Herrn Ebners mit humanistischen Werten vereinbaren? Eine der wohl größten Errungenschaften westlicher Demokratien ist die Trennung von Staat und Kirche. Wir werden von muslimischen Mitbürgern ohnehin kaum verlangen können (und wollen), dass sie sich dem Diktat der katholischen Kirche unterordnen. Was wir jedoch einfordern sollten, ist die Akzeptanz unserer laizistischen und liberalen Grundordnung, die die Religion zur Privatsache erklärt. Darin besteht wohl auch der größte Unterschied zwischen einem großen Teil der islamischen Staatengemeinschaft und dem europäischen Selbstverständnis.

Wie jedoch können wir — frei nach Toni Ebner — von Zuwanderern verlangen, dass sie unsere humanistischen Werte respektieren, wenn wir selbst fordern, dass religiöse Grundsätze unsere Rechtsordnung bestimmen? Der Chefredakteur widerspricht sich darin selbst, mit dem einzigen Zweck, Homoehen und Immigration — kurzum: das »Fremde« — zu verteufeln.

Peter Zumthor über Briol.

Fragmente

[…]

2 Die Haupträume des kleinen Berghotels liegen an der breiten Seite des länglichen Baukörpers und schauen ins Tal. Zu ebener Erde befinden sich nebeneinander zwei holzgetäfelte Stuben, beide vom Gang aus zu betreten und untereinander durch eine Tür verbunden. Die kleinere scheint zum bequemen Sitzen und Lesen einzuladen, die grössere ist offensichtlich der Raum, in dem gegessen wird: Darin fünf Tische, alle schön plaziert. Im mittleren Stock befinden sich Gästezimmer mit tiefen, schattigen Holzlauben davor und zuoberst Gästezimmer hinter offenen Balkonen.

In den oberen Zimmern würde mir der freie Himmel, der weite Ausblick zu den Bergketten am Horizont gefallen, denke ich, als wir uns dem Haus zum ersten Mal nähern. Aber auch die Vorstellung, eines der unteren Zimmer zu erhalten und die Intimität der Lauben am späten Nachmittag beim Lesen oder Schreiben zu geniessen, scheint verlockend.

Am Fuss der Treppe, die von den oberen Stockwerken zum Eingang hinunterführt, ist in der Stubenwand eine Öffnung angebracht. Eine Durchreiche für Speisen. Auf dem Simsbrett der Durchreiche stehen am frühen Nachmittag Früchtekuchen und weisse Teller für die Gäste bereit. Der Duft der frischen Kuchen überrascht uns, als wir die Treppe herunterkommen. Die Tür zum gegenüberliegenden Raum steht halb offen. Küchengeräusche dringen heraus.

Nach ein, zwei Tagen kennen wir uns aus. Auf derjenigen Seite des Hauses, die an die grosse Wiese angrenzt, sind Liegestühle gestapelt. Drüben, im Halbschatten des Waldrandes bemerken wir in einem solchen Stuhl eine lesende Frau. Wir nehmen zwei Liegen und suchen uns einen Platz. Tagsüber setzen wir uns zum Kaffeetrinken meist an einen der Holzklapptische auf der schmalen Veranda vor den Stuben. Die schmalen Holzbretter der Klapptische sind in regelmässigen Abständen an der vorderen Brüstung der Veranda angebracht. Gut zum Lesen, diese kleinen, an die Brüstung angeschmiegten Tische-Orte, der Ellbogen ruht auf dem breiten Verandasims. Das Brett hat dafür die richtige Höhe.

Bei den Gesprächen mit anderen Gästen des Hauses in der Dämmerung sitzen wir meist an einem der grösseren Verandatische. Diese sind an der Hauswand aufgereiht und geschützt durch die vorspringenden oberen Teile des Hauses. Nach dem Abendessen wird die Fenstertür zur Veranda geöffnet, man vertritt sich die Füsse, schaut ins Tal, trinkt noch etwas, kommt ins Gespräch und setzt sich in die Nähe der Wand, die noch warm ist von der Sonne des Tages. Nur einmal sitzen wir abends am grossen Ecktisch am unteren Ende der Veranda, der zum Eingangsbereich des Hauses gehört und der tagsüber mehrheitlich von Leuten benutzt wird, die zum Haus zu gehören scheinen. Den Stunden an jenem Tisch ging eine Einladung voraus, dort nach dem Essen zusammenzukommen. Am Morgensonnentisch am anderen Ende der Veranda war ich nie. An den sonnigen Morgentagen sass dort meist jemand und las.

Wenn ich an Gebäude denke, die mir auf ungezwungene und natürliche Weise räumliche Situationen anbieten, die zum Ort, zum Tagesablauf, zu meiner Tätigkeit und meinem Befinden passen, wenn ich mir Architektur vorstelle, die mir Raum zur Verfügung stellt, mich wohnen lässt, die meine Bedürfnisse vorausahnt und sie ohne grosses Aufheben erfüllt, dann kommt mir dieses Berghaus in den Sinn. Gebaut hat es ein längst verstorbener Maler für seine Gäste.

aus Zumthor, Peter, Architektur denken, Verlag Lars Müller, Baden 1998

Peter Zumthor ist Architekt in Haldenstein, Graubünden und Professor an der Accademia di architettura in Mendrisio, Tessin. Er ist regelmäßiger Gast der Pension Briol und wurde mit deren Erweiterung in Form kleiner Dépendancen betraut, wofür er u.a. in Finnland mit dem »Spirit of Nature Wood Architecture Award 2006« ausgezeichnet wurde.

Briol.

Die Pension Briol wurde gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts errichtet, zunächst als Schutzhütte und Dépendance des traditionsreichen Hotel Bad Dreikirchen. Bereits 1928 wurde sie aber von Grund auf neu gestaltet – diesmal als Ort für die Sommerfrische.
Das Haus sollte viel mehr Licht erhalten. Daher markieren seitdem große Fenster und achtkantige Holzsäulen, welche die Balkone aufnehmen, seine Fassade. Außerdem erhielt es ein Flachdach und ein kleines Schwimmbad. Vom Bauhaus beeinflusst, entwarf der mit dem Umbau betraute Maler Hubert Lanzinger Möbel, Geschirr, Gebrauchsgegenstände mit.

Alpines handwerkliches savoir faire und die formale Zurückhaltung dieser Epoche vereinen sich in Briol zu jener Selbstverständlichkeit, mit der es einfach nur Hotel ist. Jede Form, jedes Material, jedes Detail tragen nur dazu bei, diesen einen Eindruck mit großer Präzision und Sinnlichkeit zu verstärken und abzurunden. Nirgends ist Überfluss, nirgends Anbiederung.

Der unerschütterliche Wille und die Weitsicht der Besitzer haben das Haus über die Jahrzehnte vor Renovierungen und zusätzlichem Comfort bewahrt. Lediglich eine Solarheizung und Etagenduschen sind dazu gekommen, Briol ist nahezu unverändert geblieben.

Briol 1.

Briol 2.

Briol 3.

Briol 4.

Artikel zum Thema:

SPECTRUM bei nextroom.
archithese bei nextroom.

Kargisch und Dekoro.

Ein Vortrag von Benedikt Loderer*, Stadtwanderer,

gehalten in leicht abgewandelter Form am 14.03.2006 im Rahmen der Gesprächsrunde »Architektur/Rezepte«, die der Kunstverein gokart in Zusammenarbeit mit der Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe »Emma Hellenstainer« zu Brixen an der Universität, ebenda, organisiert hat.

Meine D + H,

haben Sie gelesen, was die Einladung versprach? „Südtirol ist eine der grossen Sehnsuchtslandschaften Europas. Die touristische Erschliessung und Nutzung der Landschaft bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen respektvollem Umgang mit Landschaft, Kultur und Bevölkerung auf der einen Seite und der Störung und Zerstörung derselben auf der anderen.“ Dreimal Landschaft in zwei Sätzen, das Subjekt unserer Geschichte ist offensichtlich die Landschaft. Wir werden sehen.

Eine Einführung wurde Ihnen versprochen, allerdings nicht von mir. Nun ja auch ich komme aus einer Landschaft, bin ein Kind der Berge, drei Jahre lang Mitglied der Jugendorganisation des Schweizerischen Alpenclubs, in der Wolle gefärbt also und das werden Sie noch merken. Ich führe Sie also in die Alpen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Architektur. Damit dieser Auftritt einen roten Faden hat, garniere ich ihn mit 13 starken Sätzen, ein Verfahren, das den Mitschreibern unter Ihnen die Essenz finden hilft und allen andern die noch zu bewältigende Redestrecke verdeutlicht: nach dem 12. starken Satz kommt nur noch einer.

Glauben Sie an die einmalige Landschaft, wie sie die Veranstalter dieser akademischen Zusammenrottung selbstverständlich voraussetzen? Wenn Sie zur Tourismusfraktion gehören, tun Sie das mit kommerzieller Inbrunst, wenn sie ein denkender Mensch sind, zögern Sie und sagen: Ist nicht jede einmalig? Können Sie mit dem Satz: „Das Material ist, was es ist“ etwas anfangen? Gehören Sie zu den Architekten der strengen Observanz, so enthält er ein helvetisches Bekenntnis, sind Sie im Gastgewerbe tätig, so stocken Sie und murren: Was denn sonst? In beiden Fällen liegt es nicht an der Wortwahl, sondern am Hintersinn. Einmalig, Landschaft, Material sind Wörter, die auch Sie verstehen, wenn sie zu Worten werden, sind es Offenbarungseide. Sie künden von einer Haltung, genau das, was die „tadellose Haltung“ im Offizierskasino einmal war: die innere Übereinstimmung mit den von der eigenen Klasse geforderten Wertordnung.

Sie sehen, es wird ernst, bitterernst.

Nun, denken da die unbeteiligten Biedermänner, halb so wild, bei uns kann jeder nach seiner Façon selig werden. Das ist nichts als Trägheit des Urteils und wird spätestens von den Baureglementen als Schlamperei entlarvt, die sich Toleranz nennt. Dort steht nämlich im Befehlston: „Die Bauten und Anlagen müssen in ihrer Gesamtheit und ihren Einzelteilen sich harmonisch in das Orts- und Landschaftsbild einfügen“. Es gibt also eine Façon, nach der selig zu werden wir gesetzlich verpflichtet sind: das Orts- und Landschaftsbild, und zwar harmonisch. Man kann es im ersten starken Satz zusammenfassen: Harmonisch sei der Bau, bildtreu und örtlich. In den Alpen gelten also verschärfte Regeln. Warum? Weil wir seit Albrecht von Haller und Jean-Jacques Rousseau daran glauben, die Alpen seien schön. Das ist ein Geschmacksurteil, doch keine Tatsache. Ebenso sind wir uns einig, dass die Berge unberührt am schönsten sind. Jungfräulich sozusagen. Darum darf man sie nur behutsam vergewaltigen: im harmonischen Stil.

Darum wissen wir alle, welche Bauten von „Natur aus“ richtig sind: die der Bauern, genauer, der örtliche Tradition. Lassen wir vorerst beiseite, dass sie alle der Natur abgerungen sind, sie domestizierend und verändernd, dass also bloss von einer zweiten Natur die Rede sein kann. Ich erwähne diese Selbstverständlichkeit nur, um, wenn immer im Laufe dieses Tages jemand mit dem Erlösungswort „Natur“ fechten möchte, daran zu erinnern ist: Natur, hierzulande, ist etwas Gemachtes. Im Gelände und mehr noch in den Köpfen.

In dieser gemachten Natur leuchtet still und mahnend die Tradition. Sie ist unsere Richtschnur, die Tradition ist traditionell, harmonisch, sie fügt sich lückenlos ins Orts- und Landschaftsbild ein. Das Dörfli ist edel, hilfreich und gut. Das, Sie haben es herausgehört, ist der zweite starke Satz.

Der Bergbauer baut keine Berge, doch er erfand die Harmonie. Ihm kam das zwar nie so vor, doch nachdem die Unterländer ihn fast drei Jahrhunderte lang enthusiastisch dafür gelobt haben, glaubt er es unterdessen selbst. Bei soviel Gefühlsinvestition muss allerdings die Frage erlaubt sein: Was ist denn Tradition? Sie entsteht über eine lange Zeit durch Versuch und Irrtum. Sie löst damit im Bauernjahr und -leben sich stets wiederholende Probleme. Kurz, sie stellt einen Satz von Lösungen dar, die das Überleben ermöglichen. In diesem Lösungssatz sind auch die abverheiten Versuche enthalten. Allerdings kann die Tradition nur auf sich wiederholende Probleme einen Lösung herausbilden. Für neue, sich verändernde weiss sie keinen Rat. Der dritte starke Satz bring es auf den Punkt: Tradition ist eine Methode, kein Bild. Die Tradition braucht generationenlang Zeit und eine geschlossene Gesellschaft, um wachsen zu können. Beides gibt es heute in den Alpen längst nicht mehr.

Als vor 150 Jahren der Tourismus sich in die Berge schlich, ja hereinbrach, da war die Tradition, die Methoden, mit denen die Bergbauern ihr Überleben sicherten, eine Kuriosität. Mit naturtrübem Blick wurde sie zur Ursprünglichkeit verschielt. Seither gibt es auf der einen Seite das Echte auf der andern die Ziererei. Der edle Wilde steht weit über dem korrupten Höfling, der knorrige Bergbauer ist dem verweichlichten Städter moralisch überlegen. Der Senn ist echt und der Unterländer verlogen. Oben herrscht die Gesundheit und unten die Tuberkulose. Ich könnte diese Gegensatzpaare ad infinitum vorsetzten, sie würden nur den vierten starken Satz und das wichtigste Bildungsgesetz des Tourismus’ bestätigen: Immer wo echt drauf steht, ist die Lüge drin. Man kann es auch anders formulieren: das Echte, Edle, Gute am Gebirge und am Bauern, war und ist immer eine Erfindung der Touristen.

Das Echte, wenn wir die Wirklichkeit anerkennen wollen, war das angstvolle Überleben, war karge Subsistenzwirtschaft, war schreiende Armut, der geduldete Inzest, die allgemeine Karies und verzweifelte Auswanderung. Man schämt sich fast den fünften starken Satz auszusprechen: Der ökonomische Naturzustand der Bergbevölkerung ist die Armut. Trotzdem: Was diesen Leuten das mühsame Überleben sicherte war ihre Produktion. Sie war traditionell, will sagen vorindustriell, aber es war ihre eigene Kraft. Ihr Leitbild ist der Acker.

Die Ziererei hingegen ist Konsum. Das Orts- und Landschaftsbild wird genossen, nicht bearbeitet. Das Produkt heisst Naturgenuss und nicht Alpkäse und Roggenbrot. Es ist eine Industrie in den Bergen. Sie verbraucht das Orts- und Landschaftsbild wie ein am Ort gefundener Rohstoff. Ihr Leitbild ist die Mine. Sie wird ausgebeutet, bis sie nichts mehr hergibt und dann verlassen. Mine und Acker sind unvereinbare Gegensätze.

Das haben die Tourismuspioniere instinktiv verstanden. Sie haben keine Chalets, sondern Schlösser in die Berge gesetzt. Sie hatten begriffen, dass der Tourismus grundsätzlich und immer das Fremde ist, das Andere, das Gegenteil. Der Konsum kann keine Tradition aufbauen, weil er nicht bewahren will, sondern verbrauchen. Wir stehen vor dem zweiten Bildungsgesetz des Tourismus und dem sechsten starken Satz: Tourismus ist immer Kolonisierung.

Die Tradition ist tot, das gleich noch der siebente starke Satz. Sie starb mit der Berglandwirtschaft aus. Zurück blieb ihr Bastard, die Folklore, die sich mit frecher Stirn ursprünglich nennt und echt, in Tat und Wahrheit aber nur das Mäntelchen ist, das die Tourismusindustrie der toten Tradition überzog. Man hat die Leiche in die Landestracht gesteckt und stellt sie nun im Wachsfigurenkabinett des Selbstbetrugs zur Erbauung der Natursucher aus.

Leider waren diese grundsätzlichen Abschweifungen notwendig, um das Sprachenproblem, das ich ihnen vorführen will, zu verstehen. Vor Jahren wurde ich einmal gefragt: Wie steht es mit dem Verhältnis zwischen den Architekten und den Hoteliers? Ich kam zum Schluss: Es steht nicht. Es gibt kein Verhältnis zwischen denen, weil die beiden gar nicht miteinander reden können. Man könnte oberflächlich betrachtet meinen, sie gebrauchten dieselbe Sprache.
Deutsch in Zermatt zum Beispiel, Französisch in Chamonix oder Italienisch in Cortina d’Ampezzo, kurz die Landesprache. Das wohl doch nur wenn von Gegenständen wie Eishockey oder Wanderwegen die Rede ist, reden sie gegenseitig verständlich. Geht es aber um Architektur, so sprechen die Architekten Kargisch, die Hoteliers und mit ihnen alle Touristiker reden Dekoro.

Kargisch das ist die Herrensprache, der Dialekt der Inhaber der kulturellen Gewalt. Kargisch zu lernen, ist die lebenslange Anstrengung, die man braucht, um kulturelles Kapital zu akkumulieren. Kargisch reden die Architekten der strengen Observanz, was heisst, der Zirkel der Ernsthaften, der Avantgardisten, der Sucher und Finder. Diese Leute haben die Zusammenhänge durchschaut, sie pflichten mir bei, wenn ich im fünften starken Satz behauptete: die Tradition ist tot. Sie tun dies mit der Überzeugung der Besserwisser, denn sie sind es, die diese Tradition seziert und beschrieben haben. Sie waren es, die die alten Bauernhäuser ausgemessen und gezeichnet haben, die ihre Typologie erkundeten. Die wissenschaftlich haltbaren Untersuchungen zur Tradition stammen alle aus ihrem Kreis. Ihre Grundaussage ist klar: Methode, nicht Bild.

Wer Kargisch spricht, will nicht unbedingt verstanden werden. Kargisch ist ein Mittel zur Abgrenzung. Die strenge Observanz erkennt am Beherrschen des Kargischen, ob einer zum Orden gehört oder nicht. Diese Leute suchen nicht den Beifall der Menge, sie reagieren sogar sehr empfindlich, wenn der Applaus von der falschen Seite kommt. Wichtig ist ihnen die Anerkennung von Ihresgleichen. Der Orden ergänzt sich durch Berufungen, nicht Aufträge. In
kargisch sind die Zeitschriften und Websites abgefasst, kargisch spricht man an den Architekturschulen, kargisch werden die Wettbewerbe juriert, wer nicht kargisch kann, wird es zu einem erfolgreichen Architekturbüro bringen, nie aber zu Ruhm und Ehre. Die kargische Abgeschlossenheit und Selbstförderung ist unterdessen zum Starsystem mutiert.

Kargisch hat einen Hang zum Grundsätzlichen. Will man Kompromisse ausdrücken, eignet sich Kargisch schlecht. Im Gebirge redet Kargisch also: Da das Hotel das Fremde ist, wird dies auch immer sichtbar, so sehr man es mit Dekoro verkleidet. Darum soll es sich selber sein, Hotel, nicht Chalet. Das heutige Hotel muss man jedes Mal wieder erfinden, je nach Ort und Kundschaft. Traditionell kann daran nur die Nutzung sein, denn Hotels gibt es, seit es
Gasthöfe gibt. Seine Form aber sei eine Antwort auf die Landschaft. Mit der längst nicht mehr vorhandenen Landwirtschaft hat es nichts zu tun. Komplex sei der Bau, kontextbezogen und neu, redet im siebenten Satz der Oberpriester der strengen Observanz.

Dekoro hingegen ist die Sprache der Diener, pardon Dienstleister. Dekoro will gefallen, verständlich sein. Lernen muss man nichts, es gilt das Prinzip Bequemlichkeit. Dekoro bedient. Bedient die angelernten Vorurteile, bestärkt die mitgebrachten Bilder. Doch Dekoro ist ausserordentlich lebendig und erfindungsreich. In Dekoro lässt sich alles ausdrücken, was in Kargisch nicht zu Wort kommt. Dekoro scheut jede feste Regel, Dekoro ist flexibel, vor allem in den Grundsätzen. Dekoro wendet sich an alle, schliesst niemanden aus, der zahlungswillig ist. Dekoro ist die Lingua franca des Tourismus. Dekoro ist die Sprache der
Gefallsüchtigen.

Doch leider ist der kulturelle Status von Dekoro minderwertig, wer Dekoro redet, der bleibt gewöhnlich. Zwar kann man mit Dekoro weit mehr Geld verdienen, als mit Kargisch, doch kulturelles Kapital häuft sich damit nie. Kurz, Dekoro ist minderwertig, was die Dekoristen entweder verdrängen oder daran leiden. Davon heilt die Meisten der Blick aufs Bankkonto.

Doch wie baut man ein Hotel in Dekoro? Es gilt der Grundsatz: Der Gast will es so. Das führt bei Speisekarten zur Breite und Spezialitäten, auf die die Köche und Wirte stolz sind. In der Architektur hingegen sehen wir mit Zähneknischen der Herrschaft des allgemeinen alpenländischen Lederhosenstils zu, geboren aus dem Geiste der Sentimentalität. Dekoro, das ist die gebaute Gefühlsschlamperei.

Der Gast will es so, muss übersetzt werden. Es ist die Vorwegnahme der Erwartung. Der eigenen, nicht der Gäste. Es ist das architektonische Familienpensionsdenken. Es sind die Alpen von gestern, die der Dekorist sich herstellen will. Seine Alpen. Vielleicht waren seine Grosseltern noch Bergbauern, die Eltern jedoch kaum, die haben gewirtet und sehnten sich nicht nach dem Viehhüten. Die Arvenstübli und die Carnozets, die Holzhäute über dem Betonkern, die Kunstoffbalkendecke, die Tiroler Balkonbrüstung, kurz, der ganze folkloristische Schmuckbehaft, das sind die Bilder, die die Hoteliers selber in sich tragen. Ihr
verklemmtes Bedürfnis nach dem Dörfli, das sie mit ihrem Neubau ein Stück mehr zerstören. Es geht um Bilderhandel, Ablassgeschäfte. Dekorativ sei der Bau, sentimental und beruhigend lautet darum der achte starke Satz.

Was aber ist mit dem Gast, der da will? Er wird nicht gefragt, aber er entscheidet durch seine Wahl. Leider muss ich hier eingestehen, dass es nicht die Architektur ist, die sie entscheidet. Die Aussicht, die Küche, der Service sind in jedem Fall wichtiger. Die Landschaft allerdings wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Einzig bei den wenigen kargischen Hotels entscheidet sich die kargische Kundschaft für die kargische Architektur, womit die Kargen wieder unter sich wären und einen Nischenmarkt darstellen. Denn macht man eine quantitative Betrachtung, so gehören diese Häuser in die Abteilung kulturelle Exotik.

Als ich einmal kurz für das Schweizer Fernsehen arbeitete, hiess das Killerargument: so will es das Publikum. Welches Publikum was will, wurde nie gefragt. Anders herum, sowenig wie das Publikum, gibt es den Gast. Nur ein Beispiel: Der Snowboarder hat zwar 18 Jahre aber wenig Geld, er sucht Rambazamba unter Seinesgleichen, nicht die erhabene Ruhe angesichts der Ewigkeit der Gipfel. Seine Grundbedürfnisse sind existenziell: Gibt es Schnee, gibt es Girls?

Wie im zweiten starken Satz bereits festgehalten ist mit dem Dekoroprogramm der Glaube an das Dorf verbunden. Oben auf der Hangschulter liegt im warmen Sonnenschein mys Dörfli, die intakte Heimat meiner schlampenden Gefühle. Leider aber: Wer sich diesen Glauben bewahren will, muss zu Hause bleiben. Wer aber ins Dörfli fährt, der sieht als erstes die geschlossenen Fensterläden der Zweitwohnungen, den ebenso geschlossenen Dorfladen und die aufgegebene Poststelle. Doch sind das nicht die Anzeichen des Niedergangs, sondern die Merkmale des Erfolgs. Das Dorf ist zum ersten Mal in seiner Existenz aus den Bergen heraus gekommen. Genauer, die Welt kam zu ihm. Und seit die Strasse da ist, um die die Dörfler so lang gekämpft haben, seither gehört das Dorf endgültig zur Stadt. Denn die Verstädterung reicht so weit, wie das Auto fährt. Darum muss man das Dörfli als temporäre Schlafstadt begreifen, nicht als ausgestorbenes Bergbauerndorf. Das Dorf ist die Folklore, die Schlafstadt die Tatsache. Der Alpenbogen ist heute ein grosser Stadtpark, kein Naturreservat. München,
Mailand, Zürich brauchen ihren Auslauf. Die Leute aus dem Dickicht der Städte bringen ihre Stadt mit und bauen sie in die Berge. Dörfer gibt es nur noch gegen Armut zu haben. Wir müssen uns an den fünften starken Satz erinnern: Armut ist der ökonomische Naturzustand der Bergvevölkerung.

Ich habe Zermatt eine Woche lang von oben betrachtet: Ein Talkessel ist randvoll mit ungeordneten Bauten aufgefüllt, kaum eine Grünfläche gibt es im Talboden noch, kurz eine Stadt in den Bergen. Da wendet sich kein Gast mit Grausen, nein, alle wollen da hin. Die Stadt Zermatt, wie auch die Städte St. Moritz, Garmisch-Partenkirchen, Chamonix und Gstaad sind begehrt und vom Dorf redet nur noch der in Dekoro verfasste Prospekt. Das führt zum
neunten starken Satz: Wer nicht arm ist in den Bergen, wohnt in der Stadt. Etwas weniger um die Ecke geredet: Die Alpen sind verstädtert, wo sie es nicht sind herrscht die alpine Brache. In der Boulevardzeitung steht: Bergdorf röchelt, Bergstadt lebt.

Heute ist die Bergseligkeit, das Ergriffensein angesichts der Erhabenheit des Hochgebirges ein Minderheitenprogramm für die Andacht der Naturfrommen. Für den heutigen Gast gilt der zehnte starke Satz: Die Alpen sind ein Sportgerät. Seit man nicht mehr zu Fuss gehen muss, sind die Berge nur noch ein Konsumgut wie jedes andere, wie ein Badestrand in der Karibik oder eine Disco in Zürichwest zum Beispiel. Den Unterschied machen nur noch die Laune, die Kaufkraft und die Zugänglichkeit. Die Alpen sind nichts Besonderes mehr.

Denn die vollständige Mechanisierung der Alpen hat sie klein und geheimnislos gemacht. Das Konsumgut wurde konsequent erschlossen und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Nur die Klimaerwärmung wird den Zugriff stoppen. Zurück wird eine ausgelaugte Landschaft bleiben, übersät mit Investitionsruinen. Darum: Wem es heute mit dem Alpenschutz ernst ist, der stellt die Bergbahnen und Skilifte ab. Ja, ich weiss, doch Armut ist der ökonomische Naturzustand der unversehrten Berge. Landschaft wird mit Verzicht bezahlt, das der elfte starke Satz. Er ist unanständig, weil er auf Tatsachen gründet, aber trotzdem wahr.

Am Schluss muss ich Ihnen noch vorführen, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe. „Magie der Vielfalt. Mit diesem Slogan wird Südtirol beworben. Hat die neue Werbelinie Auswirkungen auf die Gastronomie, auf die Architektur?“ fragt die Einladung zu dieser Gesprächsrunde. Ich bitte um Nachsicht, dass ich die Gastronomie schwänze. Es hat Redner nach mir, die meine Erfahrungslücke mit Tiefe stopfen werden. Aber auf die Architektur? Überschätzen wir die Werber nicht, ihr Einfluss auf die Architektur beginnt immer erst hinterher, dann wenn sie sie zu Werbezwecken benutzen und Bilder in die Köpfe pflanzen. Doch bedeutender wäre die Frage, wie die Architektur den Tourismus beeinflusst und umgekehrt.

Gehe von deinen Beständen aus und nicht von deinen Parolen, mahnt uns Dr. Gottfried Benn. Nun der Bestand ist vorhanden. Die Baudenkmäler, die Burgen, Schlösser und die Altstädte sind die einzigen wirklich tourismuswirksamen Architekturen. Sie prägen neben der Landschaft das Bild der Prospekte und möblieren die Erinnerung. Fast alle Menschen dieser Erde reagieren auf das grafische Kürzel des Eiffelturms wie Pawlows Hund: Paris, selbst wenn sie noch gar nie dort waren. Die wenigen Beispiele der Moderne dagegen sind Exquisitäten, die nur von wenigen Kennern besucht werden.

Die ungeheure Masse des allgemeinen alpenländischen Lederhosenstils, die wir zu erdulden gezwungen sind, beeinflusst zu meinem Leidwesen den Tourismus nicht negativ. Der funktioniert auch ohne gute Architektur. Die Rettung des Tourismus durch Architektur ist also eine Illusion. Immerhin, seine Verbesserung durch Architektur scheint möglich, nur müssten dazu die Architekten Dekoro und die Hoteliers Kargisch lernen. Anders herum: sie müssten miteinander reden, statt sich mit Misstrauen zu belauern. Die Architekten müssten dabei einsehen, dass Dekoro die Ausschmückung der Sehnsucht ist. Die Leute wissen sehr genau, dass sie sich etwas vormachen, sie sind sehr wohl in der Lage, die Lederhosenarchitektur als Selbstbetrug zu erkennen. Sie haben aber Ferien, von der Arbeit und der Wirklichkeit. Sie freuen sich, ein Bühnenbild zu bevölkern, das ihretwegen aufgestellt wurde. Es ist ein Rollenspiel, das nicht allzu ernst genommen wird. Der Ausnahmezustand Urlaub entbindet vom Urteil. Das ist eine seiner Aufgaben. Schlimm am Dekoro ist nicht sein Vorhandensein, sondern wie mies und lieblos es gemacht ist. Wir fordern von den Hoteliers besseren Dekoro und von den Architekten auch. Darum lautet der zwölfte starke Satz: Lernt besser Dekoro. Besser heisst hier fantasievoller, freier, lustiger. Man muss endlich aus dem Geissenstall ausbrechen. Das Dörfli liegt hinter uns, wer für die Bergstadt baut und das Freizeitgerät bestückt, der hat mehr Möglichkeiten als das Dörflivokabular. Man muss sie nutzen. Das beginnt damit, dass das Fremde auch fremd aussieht.

Denn wenn man sich vorstellt, was an Stelle der Lederhosen hätte gebaut werden können, Dinge von der Wucht und Qualität der ersten Hotelschlösser, von der Verspieltheit Carlo Molinos, von der grossartigen Geschlossenheit der Retortenstädte in Savoyen, so kann man das Schluchzen kaum zurückhalten.

Dieser Lederhosenarchitektur wegen wird heute und auch in Zukunft garantiert niemand hierher reisen. Man muss von einem langfristigen Fehlinvestment reden.

In der Gegenrichtung ist der Einfluss des Tourismus auf die Architektur gering. Deren Entwicklung geschieht im Zirkel der strengen Observanz und da gehören die landesüblichen Dekoroarchitekten definitiv nicht dazu. Anders herum: Der Tourismus leistet keinen Beitrag zur Architektur. Noch, sage ich nicht ohne Hoffnung. Noch helfen die Rosinen im Hosenträgerteig nichts. Es müsste statt Rosinen Sauerteig sein. Solche Projekte gibt es, ich nenne stellvertretend nur den Turm auf der Schatzalp oberhalb Davos von Herzog und de Meuron. Hier wird die Tatsache Alpenstadt in Architektur umgesetzt. Darum lautet der dreizehnte starke Satz: Vermesst eure Oberstübchen neu. Anerkennt die Realität. Sie hat drei Stichworte: Bergstadt, Sportgerät, Superdekoro.

Schernelz, 13. März 06 LR


*) Benedikt Loderer (geb. 1945) studierte Architektur an der ETH Zürich. Er arbeitete als Architekt und als freier Journalist, als Fernsehmitarbeiter und Hörspielautor. Bekannt wurde Loderer als Architekturkritiker des »Zürcher Tagesanzeiger«. 1988 gründete er im Verlag Curti Medien »Hochparterre«, die Illustrierte für Gestaltung und Architektur. 1991 übernahm die Redaktion die Zeitschrift im eigenen, selbstverwalteten Kleinbetrieb. Quelle: Turris Babel – tb70extra.

Neuerlicher Anstieg.

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C’AA (III).

Am 25.11.06 ist im Corriere dell’A. Adige folgender Kommentar erschienen:

La nazione „in fieri”

Negli ultimi giorni si è tornato a parlare di autodeterminazione in relazione a due proposte molto diverse. La prima proviene dagli ambienti patriottici della destra sudtirolese (politicamente rappresentata dai partiti Union für Südtirol e Freiheitlichen) e non costituisce una sostanziale novità. La seconda, apartitica e sostenuta da un gruppo di cittadini che animano una piattaforma online denominata “Brennerbasisdemokratie”, introduce invece nel dibattito un elemento di discontinuità e, a mio avviso, merita un approfondimento.

Come detto, il gruppo di lavoro per l’autodeterminazione (“Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung”) allestito dalla destra sudtirolese non è una grande sorpresa. Per Eva Klotz e Pius Leitner, tedofori o custodi dell’inestinta brama di “libertà” del popolo sudtirolese di lingua tedesca, il futuro di questa provincia passa per un sostanziale rifiuto dell’autonomia ed è concepito come un restauro dell’appartenenza alla madrepatria austriaca, unico approdo sicuro al fine di sfuggire dalle grinfie dell’aborrito stato italiano. Per rendere la cosa un po’ più convincente e pragmatica, il documento “Südtirol – wo liegt deine Zukunft?” (Sudtirolo – quale futuro?), nel frattempo inviato in pieno stile berlusconiano ad ogni famiglia, sciorina alcuni dati di confronto tra l’Italia e l’Austria (e tra il Sudtirolo e il Tirolo del nord), giungendo alla discutibile conclusione che un “ritorno” all’Austria non sarebbe soltanto un’operazione di nostalgico restyling, ma porterebbe anche un cospicuo vantaggio economico.

Di tutt’altra natura, e molto più interessante, il contenuto della proposta autodeterministica avanzata dalla piattaforma “Brennerbasisdemokratie”. Il focus dell’analisi muove qui dalla critica rivolta alla dialettica tra una maggioranza e una minoranza intese ancora etnicamente, come blocchi contrapposti. Conseguentemente, la rivendicazione di una maggiore autodeterminazione non procede dagli interessi di un particolare gruppo (come nel caso della destra sudtirolese), ma promuove una piena integrazione e collaborazione di ogni cittadino residente in questa provincia. Per far questo si ritiene plausibile attivare un originale processo di “nation building” teso a sottolineare e a raccogliere quanto di meglio ha prodotto lo sviluppo dell’autonomia, anche e soprattutto in relazione all’emergere di una identità sudtirolese “indivisa”, concepita oltre i limiti imposti dalla vecchia logica della “nazione culturale”. Il Sudtirolo come “nazione in fieri”, dunque, immaginabile mediante la ridefinizione dei confini psicologici che ancora persistono soprattutto al suo interno.

Gabriele Di Luca

Kärnten verblödet.

H-Celovec.

Landesführer Jörg hat gestern mit der Umsetzung seiner Wahldrohung begonnen: »Kärnten wird einsprachig«. Die ersten zweisprachigen Ortstafeln wurden bereits abmontiert und durch einsprachige ersetzt.

Diese Reichskristallnacht der Slowenen nimmt BBD zum Anlass, ihre Aktion Celovec zu starten. Schreibt dem braunen Jörg (joerg.haider@ktn.gv.at) eure Meinung! Dazu stellt die Plattform folgenden Mustertext zur Verfügung:

Herr Landeshauptmann,

mit größter Empörung habe ich als SüdtirolerIn die Nachricht vernommen, dass Sie begonnen haben, in Ihrem Land zweisprachige Ortstafeln zu entfernen. Damit führen Sie nicht nur den Minderheitenschutz, die Verfassung und die Demokratie als Ganzes ad absurdum (der VfGH hat ein klares Urteil gefällt!), sondern setzen in bester rechtsextremer Manier aus kurzfristigem und zweifelhaftem politischen Kalkül auch noch das friedliche Zusammenleben der Volksgruppen aufs Spiel – ein Spiel mit dem Feuer. Mehrsprachigkeit ist keine Gefahr, sondern ein außerordentlicher Reichtum und im heutigen Europa geradezu unersetzlich. Als SüdtirolerIn bin ich über diese Entwicklung in meinem Vaterland besonders entsetzt und besorgt: Ich fordere Sie hiermit auf, diesem Treiben ein Ende zu setzen und dem Urteil des VfGH endlich Folge zu leisten. Schutzrechte gelten nicht nur für deutschsprachige Minderheiten.

Hochachtungsvoll

Vorname, Name, Datum, Ort

Falls jemand einen eigenen Text vorzieht, bitte ich ihn, diesen hier als Kommentar ebenfalls zu veröffentlichen, damit ihn sich andere zueigen machen können.