Referendum: Rekurs stattgegeben.

Das Landesgericht Bozen hat den umstrittenen Entscheid der Richerkommission um Dr. Margit Falk-Ebner gekippt. Diese hatte vor rund zwei Monaten den Großteil von rund 18.000 für das Referendum zur direkten Demokratie gesammelten Unterschriften kurzerhand für ungültig erklärt, da auf den Unterschriftenbögen ein Verbindungsstempel fehlte.

Die Initiative für mehr Demokratie hatte damals bereits darauf hingewiesen, dass eine genaue Vorschrift über die Art der Stempelung gar nicht existiere und dass für die Unterschriftensammlung ausschließlich die bereits vom Generalsekretariat des Landtags abgestempelten und vidimierten Bögen benutzt worden seien. Das 58-köpfige Promotorenkomitee hatte sich daraufhin für den nun positiv abgeschlossenen Rekurs entschieden.

Dazu das Landesgericht:

In Abweichung der Entscheidung der Kommission für die Abwicklung der Volksabstimmung vom 25.10.2013, werden im Dringlichkeitswege die vom Promotorenkomitee auf den vom Generalsekretär des Landtages vidimierten Bögen gesammelten Unterschriften als gültig anerkannt, mit allen daraus resultierenden Folgen.

Auch ohne diese Revision hätte das Referendum zur direkten Demokratie in jedem Fall stattgefunden, da neben den 18.000 Bürgerinnen und Bürgern auch die nötige Anzahl an Landtagsabgeordneten einen (gesonderten) Antrag auf Volksabstimmung gestellt hatten. Trotzdem hat die richterliche Entscheidung mehr als nur symbolischen Wert: Ohne sie hätte die Referendumskomitee sowohl auf Zugang zu den Plakatierungsflächen als auch auf die Berücksichtigung im Rahmen der »par conditio« verzichten müssen.

Klagt Venetien gegen neue Kompetenzen?

Erst gestern hatte ich in einem Artikel unter anderem über die neue Zuständigkeit des Landes Südtirol für Lokalfinanzen und Gemeindesteuern berichtet, deren (im Rahmen des Stabilitätsgesetzes stattgefundene) Verabschiedung von Senator Karl Zeller in hohen Tönen gepriesen worden war. Doch schon muss auch diesbezüglich eingeschränkt werden, da der Vorsitzende der ehemaligen PDL-Fraktion (jetzt Gemeinschaftsfraktion FI-NCD) im Regionalrat von Venetien die Neuerung für unannehmbar und verfassungswidrig bezeichnet hat. Den Präsidenten der Region, Luca Zaia (LN), forderte er dazu auf, unverzüglich Verfassungsklage einzureichen, um die Vorzugsschiene für Südtirol und das Trentino zu kippen, da sie die anderen Regionen benachteilige. Kompetenzen im Bereich der Lokalfinanzen, die noch lange keine Steuerautonomie oder Finanzhoheit bedeuten, sind also bereits mehr, als in einem Zentralstaat geduldet wird. Möglicherweise lässt auch die Verfassung eine weitergehende Selbstverwaltung in diesem Bereich gar nicht zu — in diesem Fall wäre bereits jetzt die Grenze des Machbaren erreicht und überschritten. Autonomie und Eigenverantwortlichkeit werden immer öfter mit Neid und Missgunst quittiert.

Der Spielraum, innerhalb Italiens mit einer ausgebauten Autonomie ein tragfähiges und nachhaltiges eigenes Steuersystem aufzubauen, scheint nicht gegeben.

Online-Umfrage Autonomiereform.

Die Sozialgenossenschaft für politische Bildung POLITiS und das Südtiroler Bildungszentrum (SBZ) haben eine Erhebung gestartet, mittels derer Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen der SüdtirolerInnen hinsichtlich der Fortentwicklung unserer Autonomie in Erfahrung gebracht werden sollen. In einem umfangreichen Online-Formular können sich die Teilnehmer zu vielfältigen Aspekten, etwa zu den dringend vom Staat an das Land zu übertragenden Zuständigkeiten, zur Finanzierung, zum Schul- und Bildungssystem oder zum Proporz äußern. Zudem wird ermittelt, ob und inwieweit die BürgerInnen selbst in einen allfälligen Reformprozess eingebunden werden möchten, etwa durch direkte Mitbestimmungsinstumente. Nicht zuletzt wird ermittelt, ob ein neues Autonomiestatut auch ausdrücklich die Möglichkeit beinhalten sollte, mittels Referendum über die staatliche Zugehörigkeit unseres Landes zu befinden.

Die Ergebnisse der anonymen Umfrage sollen »in einen Vorschlag zur Reform der Autonomie aus der Sicht unabhängiger Bürger und Bürgerinnen« münden.

BBD ruft zur Teilnahme an der Online-Erhebung auf: Los!

Siehe auch: [1] [2] [3]

Finanzen: Abermaliger Vertragsbruch.

Vor wenigen Tagen wurde das staatliche Stabilitätsgesetz endgültig verabschiedet. Damit geht die primäre Gesetzgebungs- und Verwaltungsbefugnis zu Lokalfinanzen und Gemeindesteuern an das Land Südtirol über, wie Senator Karl Zeller (SVP) in einer Aussendung betont. Die Maßnahme bezeichnet er darin als eine der größten autonomiepolitischen Errungenschaften nach jahrelangem Stillstand. Eigentlich sollte es sich aber wohl um eine Selbstverständlichkeit handeln, dass zumindest die Lokalfinanzen in Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips lokal geregelt und verwaltet werden, und das nicht nur in autonomen Regionen.

Im Widerspruch zu dieser Nachricht steht jedoch die Anfechtung eines staatlichen Gesetzesdekrets, die der neu gewählte Landtag am 23. Dezember in seltener Einigkeit beschlossen hat: Mit 31 Ja-Stimmen (SVP, Grüne, STF, Freiheitliche) und einer Enthaltung wurde die Landesregierung beauftragt, am Verfassungsgericht gegen die massive Benachteiligung Südtiroler Gemeinden im Rahmen der IMU-Abschaffung zu klagen. Während die Gemeinden in Regionen mit Normalstatut für die entgangenen IMU-Einnahmen sogar Ausgleichszahlungen vom Staat bekommen, werden die Regionen mit Sonderstatut geradezu »gemolken«: Sie müssen nämlich umgekehrt soviel Geld an den Staat überweisen, wie der sich von der nunmehr abgeschafften IMU erwartet hätte. Wie im Landtag bemängelt wurde, ist dies nicht nur eine nicht hinnehmbare Ungleichbehandlung — sie steht auch noch im Widerspruch zu Autonomiestatut und Mailänder Abkommen, womit also wieder ein Vertragsbruch vorliegt.

Senator Karl Zeller verlautbarte zu dieser Angelegenheit, man werde wohl auch diesmal wieder vom Verfassungsgericht Recht bekommen, der Staat werde jedoch — wie schon in ähnlichen Präzedenzfällen — die Gelder trotzdem nicht mehr zurückerstatten. Bei solch ausgeprägter Rechts- und Planungssicherheit fragt sich allerdings auch, welchen Wert eine Errungenschaft wie die eingangs erwähnte Zuständigkeit für die Lokalfinanzen haben kann. Wenn sogar »autonomiefreundliche« Regierungen schon zwanghaft Vertragsbrüche begehen, wenn Rom einfach Tatsachen schafft, die vom Verfassungsgericht de facto nur gerügt aber nicht rückgängig gemacht werden können, ist eigentlich gar keine Grundlage für Verhandlungen und Abkommen (einschließlich der Autonomie) mehr vorhanden.

Einen interessanten Vorschlag machte diesbezüglich der Landtagsabgeordnete Urzì: Um weitere Verfassungskonflikte zu vermeiden, solle man mit der Zentralregierung fortan präventiv verhandeln und ein Übereinkommen finden. Eine gute Idee: Anders ausgedrückt könnte man die Südtirol-Autonomie auch an Rom delegieren. Konflikte wird es dann sicher keine mehr geben und konsequenter wäre es allemal.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6]

Unter Freunden.

Viel war nach dem für SPÖ und ÖVP historisch schlechtesten Nationalratswahlergebnis von „Aufbruch“ und „neuem Stil“ die Rede. Man habe den Schuss vor den Bug vernommen und die Zeichen der Zeit erkannt, hieß es aus beiden Parteizentralen unisono.  Natürlich sind Sprüche, wonach man „das Wahlergebnis ernst nehmen“ und „den Wählerwillen respektieren“ werde, meist reine Floskeln am Ende einer Wahlschlacht. Doch dieses Mal war es anders. Nachdem SPÖVP zusammen nur noch knapp über 50 Prozent der Stimmen erhielten, konnte man wirklich annehmen, dass Faymann, Spindelegger und Co. den Knall gehört haben. Man durfte also tatsächlich hoffen auf den „neuen Stil“.

Gut zweieinhalb Monate nach der Wahl dann die Ernüchterung. Die beiden Regierungsparteien zelebrieren Klientelismus und wurschteln derart unbeholfen, dass sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf dem Weg sind, die 50-Prozent-Hürde bei der nächsten Wahl klar zu untertauchen. Nach der Abschaffung des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, den überraschenden Ministerernennungen, dem „plötzlich“ aufgetretenen Budgetloch, dem Fernbleiben des Neofinanzministers Spindelegger beim Europäischen Rat oder auch dem diplomatischen Fauxpas bei der Mandela-Trauerfeier, zu der einen Tag verspätet nicht etwa der Bundespräsident sondern der völlig unbekannte Bundesratspräsident geschickt wurde, war viel von „fataler Symbolik“ die Rede. Man könnte nun einwenden, dass es in der Politik ohnehin mehr um klare und richtige Entscheidungen, denn um Symbolik gehen sollte. Das ist zum Teil sogar richtig. So „fatal“ die Symbolik ist, dass das Wissenschaftsministerium abgeschafft und dem Wirtschaftsressort untergeordnet wird, so wenig fatal müssen die Auswirkungen einer derartigen Aktion in der Realpolitik sein. Es ist durchaus denkbar, dass die Agenden auch von nicht ministeriell vertretenen Stellen zufriedenstellend behandelt werden. (Auch Deutschland hat kein eigenes Wissenschafts- und Universitätsministerium und die Forschung ist dort Teil des Bildungsministeriums). Selbst dass der mit Abstand beliebteste Minister (Karlheinz Töchterle) der neuen Regierung nicht mehr angehört, könnte unter Umständen gerechtfertigt sein. Doch bei all den genannten Beispielen ist nicht nur die Optik schief. Vielmehr offenbart sich in den Geschehnissen der vergangenen Tage eine Grundkrankheit der Großkoalitionäre, die noch wesentlich fataler ist, als die Symbolik.

Der Grund für die Abschaffung des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung und die Ausbootung Töchterles war nämlich nicht notwendigerweise nur Geringschätzung für diese wichtigen Zukunftsbereiche.  Die Besetzung der Ministerliste war vielmehr ein Paradebeispiel für Klientelismus, dem jedwede Professionalität untergeordnet wurde. In erschreckender Offensichtlichkeit zelebrierten SPÖ und im noch größeren Maße die ÖVP Postenschacher. Es ging in keiner Sekunde um das Gemeinwohl oder eine Regierung „der besten Köpfe“ im neuen Stil, sondern um Partikularinteressen und Machtspiele zwischen Ländern und Bünden. Parteilose Experten, die noch dazu beliebter sind als die parteitreuen Minister, haben da weniger gute Karten. Und so kommen schon einmal Jagdfreunde oder der Rechtsanwalt des Vertrauens zum Zug. Wie die österreichische Presse übereinstimmend berichtete, hatten Neo-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und die neue Familienministerin Sophie Karmasin nur wenige Minuten (!!!) Bedenkzeit, um das Angebot auf einen Ministerposten anzunehmen. Nach zwei Monate langen Verhandlungen sind Ministerbesetzungen dann Spontanentscheidungen, die von beiden Seiten in keiner Weise ausreichend durchdacht sein können. Die Motivforscherin Karmasin konnte nach der Blitzaktion alsdann auch keine Motive für ihre Entscheidung nennen. Beide Neulinge in der Regierung konnten nicht einmal wissen, was im vereinbarten – und bis dahin geheimen – Regierungsprogramm steht. Wie professionell ist es, sich auf ein politisches Unterfangen einzulassen, das man nicht einmal kennt? Ein Unternehmen, welches seine Mitarbeiter auf diese Art rekrutiert, würde wohl kaum einen ersten Jahresabschluss schaffen. Tu felix Austria.

Quotation (118): Katalog.

[Es gibt] eine rechte deutschsprachige Opposition, die Freiheitlichen mit ihrem Hirngespinst vom Freistaat oder die Süd-Tiroler Freiheit mit ihrer Illusion einer durchsetzbaren Selbstbestimmung. Ich verstehe, dass Eva Klotz ihrem Vater treu bleiben muss, aber es ist doch ein Wahnsinn, deswegen ein ganzes Volk in eine politische Unwirklichkeit treiben zu wollen. Wollen wir uns wieder gegenseitig die Köpfe einschlagen? Die europäische Union, die Aufhebung der Brennergrenze, ist doch der Rettungsring, der uns zugeworfen wurde.

Beeindruckend, mit welch vorhersehbarer Präzision Schriftsteller Joseph Zoderer hier (ff 51/52 2013) den vollen Katalog an abstrusen Argumenten abspult, den sich die Südtiroler Intelligenz im Laufe der Jahrzehnte angeeignet hat, um das Thema Selbstbestimmung zu meiden. Es wird als rechtes Ideal bezeichnet, in ein Kokon von Vorurteilen eingehüllt und schließlich unhinterfragt abgestoßen.

  1. Auch wenn es hierzulande oft von den Rechten instrumentalisiert wird, ist die Selbstbestimmung ein urlinkes Thema.
  2. Warum soll die Durchsetzung der Selbstbestimmung eine Illusion sein, während sie in Schottland — und möglicherweise in Katalonien — demnächst ausgeübt wird?
  3. Seit wann sind Linke gegen eine Idee, nur weil sie angeblich unwirklich ist? (Die kürzlich aufgrund seines Todes im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehende Lektion von Madiba war jedenfalls eine andere.)
  4. Was hat die Selbstbestimmung, ein friedlicher, demokratischer Prozess mit »Köpfe einschlagen« zu tun?
  5. Wenn die Brennergrenze aufgehoben wäre (was leider nicht stimmt): Welches Problem würde eine weitere, derart unbedeutende Grenze darstellen?

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8]

Fahrzeugimport — Service beim Land.

Ich habe ein neues Auto im EU-Ausland erworben und selbst importiert: Zumal der ausländische Händler nur Vorkasse oder Barzahlung akzeptiert — und mir ersteres zu riskant erscheint — muss ich das Geld vom Konto holen. In der Bank sagt man mir, wenn mich jemand begleitet, sollten wir uns das Geld physisch aufteilen, damit ich bei einer eventuellen Kontrolle keine Probleme bekomme. Die Obergrenze für die Bargeldausfuhr betrage (im angeblich grenzenlosen Europa) 9.999,- Euro pro Person.
Da ich jedoch nach erfolgter Einfuhr bei der Agentur der Einnahmen die italienische Mehrwertsteuer bezahlen muss, wird man mich dort möglicherweise fragen, wie ich denn das Bargeld ins Ausland gebracht habe; und da würde man die Erklärung, der Betrag sei zur Umgehung der Vorschriften auf zwei Personen aufgeteilt worden, wohl nicht gerne hören. Ich beschließe also, die Finanzpolizei anzurufen, wo man mich darüber aufklärt, dass ich die Ausfuhr von Bargeld mindestens 48 Stunden vor Grenzüberschreitung beim Zoll oder in einer Bank melden muss — davon wusste die Bankangestellte offenbar nichts. Das ist ein Problem, da ich am nächsten Tag einen Termin beim ausländischen Autohaus habe. Nichts zu machen, den Termin müsse ich wohl verschieben, heißt es — bevor der freundliche, zweisprachige Beamte gesteht, dass er und sein gerade anwesender Kollege sich da gar nicht so sicher sind. Ich solle mich doch etwas später noch einmal melden. Da erklärt mir der Finanzer dann, die Norm sei inzwischen geändert worden und ich könnte die Bargeldausfuhr auch unmittelbar vor Ausreise beim Zoll in Sterzing deklarieren. Aufatmen.

Fahre ich also am nächsten Morgen Richtung Brenner und suche das Sterzinger Zollamt auf, das sich in einem Container auf dem trostlosen Sadobre-Gelände (»Autohof«) befindet. Das auszufüllende Formular gibt es nur auf Italienisch und Englisch — und obwohl ich meine Daten auf Deutsch eintrage, übersetzt der (ebenfalls freundliche und zweisprachige) Beamte bei der Eingabe der Daten in seinen Rechner alles ins Italienische, einschließlich meiner Adresse. Komisch, ich fahre doch von Sterzing über den Brenner nach Österreich, aber Zweisprachigkeit gilt hier wohl wieder mal nicht.

Nachdem ich schon einige Tage mit meinem Neuwagen samt ausländischem Einfuhrkennzeichen in Südtirol unterwegs war, habe ich mich heute nun endlich zur Agentur der Einnahmen begeben, um die Mehrwertsteuer zu entrichten. Warum ich das muss, ist mir zwar schleierhaft, aber es wird wohl eine europäische Norm geben, wonach Autos (oder Waren ab einem bestimmten Schwellenwert) anders zu behandeln sind, als »herkömmliche« Güter. Grenzenloses Europa eben.
Nach einer Wartezeit von einer knappen Stunde (eine untypisch lange Wartezeit, wie mir die Dame am Schalter mitteilt) bekomme ich einen einsprachigen Stempel auf die Rechnung: Fattura formalmente regolare — nulla osta per l’immatricolazione. Es geht also weiter nach Bozen. Wie man mir gestern telefonisch mitgeteilt hatte, würde ich dann mein Südtiroler Kennzeichen sofort erhalten.

Doch leider stimmt das nicht:
Der Freundliche und Zweisprachige im Kraftfahrzeugamt erklärt mir, dass ich meine Nummernschilder erst am Montag abholen kann. Es ginge wohl auch alles an einem Tag, doch dann müsse ich früh morgens im Amt erscheinen und nicht erst um elf. Das hatte mir am Telefon niemand mitgeteilt, genausowenig wie die Tatsache, dass bei Aushändigung der hiesigen Kennzeichen die ausländischen eingezogen werden. Dann allerdings verfällt auch der provisorische Versicherungsschutz, der auf die ausländische Nummer läuft. Wenn ich meine neuen Kennzeichen also (wie telefonisch versprochen) sofort erhalten hätte, hätte ich mein Auto bis zum Abschluss einer neuen Versicherung stehen lassen müssen — auch das hatte mir am Telefon niemand mitgeteilt. Am Montag geht es also mit dem Zug und mit den ausländischen Nummernschildern im Gepäck erneut nach Bozen. Nur gut, dass man sich vorher erkundigt hat.

Auch beim Fahrzeugamt des Landes gibt es übrigens eine Sprache erster Kategorie (die lingua nazionale) und eine Sprache zweiter Kategorie: Das beschränkt sich nicht nur auf die etwas inkonsequente Sprachreihung (mal so, mal so*), sondern geht tatsächlich bis zur fehlenden Zweisprachigkeit. Auf der Einzahlungsbestätigung, einem Ausdruck auf Briefpapier des Landesamtes für Mobilität, steht unter anderem, dass ich von Operatore Nr. 10 (Nummer geändert) bedient worden sei und die Abbuchung (Importo xxx) von meiner Bankomatkarte zugunsten von Motorizzazione 38,4 Pian in via Renon 12 Bolzano gehe. Grazie e arrivederci, Sparkasse – CR Bolzano. Ein Amt des Landes Südtirol und eine heimische Bank kriegen also keine zweisprachige Quittung hin — mit welcher Glaubwürdigkeit wollen wir dann bitte von auswärtigen Akteuren die Zweisprachigkeit einfordern?

Bevor ich den Schalter verlasse weist mich der Beamte noch darauf hin, dass man mich am Montag möglicherweise anrufen werde, falls das System streike. Das Landeskraftfahrzeugamt müsse sich nämlich beim Aci (einem privaten Verein!) in Rom (!) einloggen, um eine freie Kennnummer für mein Fahrzeug zu erhalten, doch das dortige System sei sehr oft nicht erreichbar, »besonders an Montagen«. Klingt vielversprechend, schon nur weil mein Einfuhrkennzeichen dann verfallen würde und ich mein neues Auto dann wieder vorläufig stilllegen müsste.

Mal sehen übrigens, ob wenigstens mein neuer Fahrzeugschein zweisprachig verfasst sein wird. Vor rund neun Jahren, als ich mein letztes Auto zugelassen hatte, war dies nämlich nicht der Fall. Der inzwischen abservierte Landesrat Thomas Widmann hatte mir damals »versprochen«, dass das System binnen kurzer Zeit umgestellt würde — ich finde, ein knappes Jahrzehnt wäre eine angemessene Frist.


*) Bei staatlichen Ämtern habe ich umgekehrt aber noch nie eine andere Sprachreihung gesehen, als die »staatlich korrekte« — und sei es im hintersten Tale.

Krankes Steuersystem (II).

Das Ende einer unendlichen Geschichte.

Es ist der 19. Dezember 2013 und ich halte nach einer 6-monatigen Odyssee meine erste italienische Steuererklärung in Händen. Heureka! Sie hat 24 Seiten und kostete mich mindestens ebensoviele Stunden Lebenszeit sowie bestenfalls 300 Euro.
Im September hatte ich an eben dieser Stelle berichtet, dass ich wegen meiner ersten italienischen Steuererklärung beinahe am Verzweifeln wäre. Seit Juni wurde ich nämlich von Pontius zu Pilatus geschickt und immer wieder an andere meist kostspieligere Stellen verwiesen, für etwas, das ich bisher eigenhändig, online, gratis und in 15 Minuten erledigte.
Nachdem man mich bei KVW und Gewerkschaft verschickt hatte, versuchte ich mein Glück bei der Agentur der Einnahmen. Nachdem ich auch dort unverrichteter Dinge von dannen zog, ging ich zähneknirschend zu einem Steuerberater. Dort erklärte man mir, dass ich mittlerweile zu spät dran sei und 25 Euro Strafe zahlen müsste. In meiner Naivität hatte ich nämlich geglaubt, dass es früh genug sei, sich Mitte Juni um seine Steuerangelegenheiten zu kümmern, wo die Frist doch der 30 Juni ist. Zudem ließ mich die nette Steuerberaterin wissen, dass mein CUD und meine Honorarnoten nicht genügen würden. Ich bräuchte zudem eine Bestätigung über die im österreichischen Bundesdienst erhaltenen Bezüge, obwohl diese in meiner 3- statt 24-seitigen österreichischen Steuererklärung – die ich inzwischen mal so schnell zwischendurch gemacht hatte, damit ich wenigstens etwas in der Hand habe – aufscheinen. Zudem bräuchte ich die Steuererklärung meiner Frau, vierteljährliche Abrechnungen meiner österreichischen Konten und Depots und meines Bausparvertrages sowie – es lebe das vereinte Europa – eine Auflistung sämtlicher Kontobewegungen aus dem Jahre 2012 in beide Richtungen zwischen meinem österreichischen Konto und irgendwelchen Konten in Italien – inklusive Betrag, Datum, IBAN und BIC.
Da ich für letztere in meinem Internetbanking nicht mehr so weit zurückgehen konnte, suchte ich meine Bank auf. Dort wollte man dann 150 Euro, da sie die gewünschten Bewegungen per Hand einzeln raussuchen hätten müssen. Ich wurde kreidebleich und lehnte dankend ab. An dieser Stelle sollten wir uns die Beträge vergegenwärtigen, um die es hier geht. Mein Gewinn aus selbständiger Arbeit im Jahr 2012 belief sich auf 623,41 Euro. Abzüglich sämtlicher Absetzbeträge weist meine österreichische Steuererklärung ein Negativeinkommen aus selbständiger Arbeit von -233,21 Euro auf. Da tun dann 300 Euro für das Erstellen der italienischen Erklärung und 150 Euro für die Auszüge schon ordentlich weh.
Wieder zurück beim Steuerberater erfuhr ich, dass es die ganzen Bewegungen nun doch nicht brauche. Gut also, dass ich die 150 Euro noch nicht ausgegeben hatte. Dafür hatte man auf der Gewerkschaft bei der Steuererklärung meiner Frau einen Fehler begangen. Unser gemeinsamer Sohn hätte nämlich zu gleichen Teilen zu unseren Lasten gehen müssen.
Wir also wieder zurück zur Gewerkschaft, um die Steuererklärung meiner Frau korrigieren zu lassen. Als ich dort meine Geschichte erzählte, zeigte man sich verwundert über den Umstand, dass ich vor Monaten verschickt wurde. Wer denn das gewesen sei? Falls der Steuerberater noch nicht begonnen habe, könnte ich nun doch bei der Gewerkschaft meine Erklärung machen lassen. Das käme billiger, sagte man mir. Ich hole mir also beim Steuerberater meine Unterlagen, berappe 75 Euro für bisher geleistete Arbeiten und marschiere schnurstracks zur Gewerkschaft. Mittlerweile wird es auch mit unserem Ansuchen für das Kindergeld recht knapp. Aber das nur so am Rande.
Tags darauf bekomme ich einen Anruf von der Gewerkschaft, dass das mit meiner Steuererklärung nun doch nicht ginge. Es tue ihnen leid, aber ich könne meine Unterlagen wieder abholen und doch die Dienste des Steuerberaters in Anspruch nehmen. Wie in Trance holte ich meine Steuermappe von der Gewerkschaft ab und brachte sie dem Steuerberater. Dieser erledigte seine Arbeit prompt und schickte mir das Ungetüm heute Nachmittag per Mail. Mit einem Happy End. Steuernachzahlung brauch ich keine zu machen. Die Lust auf meine Nebentätigkeiten, die ich mehr aus Passion denn wirtschaftlicher Notwendigkeit mache, ist mir jedoch gehörig vergangen. Schade. Dieses System treibt einen förmlich in die Illegalität. Wenn man sein Einkommen ehrlich versteuern möchte, wird man bestraft. Demotivierend ist das.