Stilblüten.
Verfasser: pérvasionEurac und Südtiroler Kulturinstitut haben eine zentrale Sammelstelle für Südtiroler Stilblüten errichtet – und deren gibt es viele. Eine Idee, die teilweise bereits von der [bbd] vorweggenommen wurde.
Zum Beispiel mit Ohne viele Worte, Bhf. Bozen, Bhf. Franzensfeste oder Kreativitätspreis. Einige Exemplare wurden denn auch von hier übernommen.
Schön, dass sich jetzt jemand ernsthaft (!) dieser umfangreichen Aufgabe angenommen hat.
Externer Verweis: Abgeblitzt.
Bonus-Bilder:
Am 14. März 2008 um 15:16 Uhr
Zum Weinen!
Am 14. März 2008 um 16:47 Uhr
Das wirft gleich mehrere Fragen auf:
- Können die Südtiroler kein Deutsch?
- Gibt es einen Zusammenhang zwischen Dialekt und mangelnder Kenntnis der Schriftsprache? (Ich glaube nein)
- Gibt es in Südtirol trotz oder wegen der Abgrenzungspolitik keine Rücksicht für die eigene(n) Sprache(n)?
- Brauchen die Südtiroler mehr oder weniger muttersprachlichen Unterricht?
- Ist das derzeitige Schulsystem wirklich das geeignetste, um die Sprachen zu erhalten?
- PISA hat in Südtirol eine gute passive Sprachkompetenz erhoben. Wann lassen wir die aktive Sprachkompetenz erheben? Wann und wie wollen/können wir sie fördern?
- Ist es normal, dass in Minderheitenregionen die Sprache verkümmert und verfällt?
Am 15. März 2008 um 16:48 Uhr
Eine Stilblüte, die mir in diesen Tagen jedesmal unterkommt, wenn ich durch Leifers fahre, ist die Bekanntmachung der Wahlbestimmungen von Seiten der Gemeinde.
Da steht tatsächlich: “Bürger, merke dir!”
Am 16. März 2008 um 11:00 Uhr
Ein paar sind echt zum Totlachen!!!
Am 21. März 2008 um 15:27 Uhr
Natürlich sprechen viele – wenn nicht sogar die meisten – Südtirolerinnen und Südtiroler kein perfektes Deutsch.
Eine Sprache erlernt man durch tägliches AKTIVES Praktizieren derselbigen. Dadurch, dass wir nun mal einen Dialekt sprechen und nicht in der Hochsprache kommunizieren, ist dies wohl kaum der Fall. Folglich gibt es natürlich einen Zusammenhang zwischen Dialekt und mangelnder Kenntnis der Schriftsprache. Ich denke auch nicht, dass die Ausdehnung des muttersprachlichen Unterrichtes viel ändern würde, das Deutsch der Lehrerinnen und Lehrer in Südtirol ist auch nicht immer astrein.
Schlimm? Ich finde nicht. Wir finden ähnliche Situationen in Österreich (Vorarlberg), wo man vielerorts sogar den Unterricht in Dialekt abhält.
Es stört mich auch nicht, wenn irgendwo “orario” fälschlicherweise mit “Stundenplan” anstatt mit “Öffnungszeiten” übersetzt wird. Jeder Mensch versteht, was gemeint ist, und das ist doch die Hauptsache. Ich finde überhaupt, dass das Anprangern solcher Bagatellen absolut überflüssig und nicht konstruktiv ist. Es hetzt auf, wirkt hemmend auf vage Versuche des “Annäherns” und zeugt davon, dass wir von einem “Miteinander” noch weit entfernt sind; entfernt von einem Zustand, wo eine ständige Übersetzung überflüssig ist, weil man beide Sprachen versteht und den Unterschied gar nicht mehr wahrnimmt, keiner fühlt sich bedroht oder angegriffen…Wohl ein Wunschtraum meinerseits…
Am 22. März 2008 um 19:13 Uhr
Ich kann den Zusammenhang zwischen der Vernachlässigung von Sprache und dem Miteinander der Menschen nicht erkennen. Eher im Gegenteil: Die Achtung für alle unsere Sprachen (und hier vor allem für die des Anderen, wie Loiny einmal treffend formuliert hat) muss eine Grundvoraussetzung für das Zusammenleben sein. Man wird uns einst auch daran messen, wie wir mit der ladinischen Sprache umgegangen sind.
Nicht nur: Südtirol hätte ja das Zeug, ein Kompetenzzentrum für Mehrsprachigkeit zu sein, nicht zuletzt für vergleichende Studien zwischen Deutsch, Italienisch, Ladinisch und so fort – dieses Feld wird aber willig anderen überlassen.
Ich persönlich halte es mit Karl Kraus, über den ich in der Folge aus Wikipedia zitiere. Ohne mir einzubilden, ein besonders gutes Deutsch zu schreiben – aber mit der Demut, meine Texte immer und immer wieder zu korrigieren: Aus Rücksicht auf die Leser und die Sprache selbst.
Am 23. März 2008 um 11:25 Uhr
War wohl eine Eintagsfliege bei der Eurac.
Am 24. März 2008 um 12:37 Uhr
Es ist wohl eine voreingenommene Haltung, wenn du glaubst, dass sich in einer unbeabsichtigten Falschübersetzung gleich Missachtung für die andere Sprache manifestiert.
Außerdem: ich gestehe der Sprache sehr wohl einen Selbstzweck zu, ansonsten wäre sie ja wohl kaum Gegenstand einer eigenen Wissenschaft.
Nur: je mehr ich darüber nachdenke, komme ich immer zum Schluss, dass sie letztendlich doch primär ein Instrument ist und einer von Menschen ausgehenden Entwicklung unterliegt.
Dass Sprach für mich auch “Medium des Denkens selbst” ist, erkennt man an meiner Ausdrucksweise, die soweit als möglich immer die weibliche Form miteinschließt. Nicht etwa der angenehmen Lesbarkeit wegen, sondern um meine Haltung in der Debatte der Geschlechterrollen zu transportieren.
Weil ich weiß, dass das ja alles nicht primär der Inhalt dieses Blogs ist, werde ich meine Ansicht nicht weiter erläutern. Mich hatten die Fotos oben nur in einem ersten Moment geärgert u. ich habe wohl nicht unterschieden zwischen privater und öffentlicher Sphäre.
Am 25. März 2008 um 20:10 Uhr
Das alles ist sehr wohl Thema des Blogs… vielleicht nicht primär, aber wie langweilig wäre es, wenn wir nur das Primäre besprächen. Nimm dir bitte kein Blatt vor den Mund!