Der große Coup.

Was haben wir uns auf in jüngster Vergangenheit die Finger wund geschrieben: Die Entwicklung unserer Autonomie sei in Gefahr. Die Mehrheitspartei sei visionslos und habe ihr Konzept der “Vollautonomie” schon längst ad acta gelegt. Der Landeshauptmann setze mit dem Finanzabkommen die Zukunft Südtirols aufs Spiel und verschenke Milliarden. Rom interessiere es einen Dreck, was mit der Südtirolautonomie im Zuge der Verfassungsreform passiert. Wir kennen sie alle. Die schweren Vorwürfe, die sich die SVP und ihr Koalitionspartner auf Landes- und Staatsebene – auch von unserer Seite – haben gefallen lassen müssen.

Und jetzt das. Wie aus dem Nichts kam unlängst die Meldung, die uns alle Lügen straft. Ministerpräsident Matteo Renzi wird im Februar ein paar Tage in Südtirol Skiurlaub machen. Und das, obwohl er erst am 5. Juli dieses Jahres auf Schloss Prösels war. Die Sonntagszeitung Zett durfte die Katze aus dem Sack lassen. An vorderster Front wie immer auch Senator Karl Zeller, der als einer der Initiatoren dieses bemerkenswerten Coups gilt – wie salto.bz aus der Zett und dem A. Adige erfahren hat:

Wo genau der Premier mit Landeshauptmann und SVP-Obamm (sic!) zusammen treffen (sic!) wird, das steht noch nicht fest – ”entweder in Bozen oder am Urlaubsort des Premiers”, vermutet Zeller, und versichert im selben Atemzug, wie wohlwollend Renzi Südtirol gesonnen sei: ”Con Renzi c’è un feeling notevole, che si è rafforzato in queste settimane. Ha dimostrato di essere di parola e noi, il Gruppo per le autonomie, a nostra volta ci presentiamo come un gruppo affidabile. Da qui il feeling con il premier.”

Gemunkelt wird auch, dass Renzi bei dieser Gelegenheit offiziell der Titel “großer Freund Südtirols” verliehen wird. Dieser höchste der Südtiroler Verdienstorden ist mit 3,2 Milliarden Euro dotiert. Ob Renzi die Ehrung persönlich entgegennehmen wird ist noch unklar. Er hat nämlich genau für den Zeitpunkt der geplanten Feierlichkeiten im Palais Widmann einen Tischtennistisch für ein Spiel mit seinen Bodyguards reserviert. “Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen”, beruhigt Senator und Feuerwehrmann Zeller. Sieben Gutachter des Landes seien derzeit beauftragt, die Möglichkeiten auszuloten, wie man den Tischtennistisch im Foyer des Palais aufstellen könnte. In einer Satzpause würde Renzi der Titel dann verliehen werden. Fest steht bereits, dass für die Verlegung des Tischtennistisches Umbauarbeiten am denkmalgeschützen Gebäude in der Höhe von rund 480.000 Euro nötig sind. Auch muss die Lüftung des Hauses aufgrund des zu erwartenden Schweißgeruches komplett ausgetauscht und durch ein leistungsstärkeres Modell ersetzt werden. “Das ist gut investiertes Geld. Das einzige Problem ist, ob wir die Ausschreibungen so kurzfristig noch hinbekommen. Es sollte ja auch rechtlich alles in Ordnung sein. Seit der SEL-Affäre sind wir gebrannte Kinder”, erklärt Landeshauptmann Arno Kompatscher, der sich auf diesen Abend schon wie ein Kindergartenkind auf das Christkind freut.

Sollte das mit der Ehrung tatsächlich glatt verlaufen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Renzi seine Skier sogar bei einem Skiverleih vor Ort mietet. “Dies wäre natürlich ein enormer Aufschwung für die vom schneearmen Winter arg gebeutelte Tourismusbranche. Die Saison wäre gerettet”, jubelt der auch für den Tourismus zuständige Landeshauptmann. Den Einwand der Opposition, dass die Gratislifttickets für Renzis Hofstab ein vielfaches der Leihgebühr ausmachten, lässt Kompatscher nicht gelten: “Werden wir jetzt bitte nicht kleinlich!”

Nachtrag:
Alessandro Urzì hat bezüglich des Skiverleihs eine Anfrage an das Landtagspräsidium gestellt. Sollte Renzi nämlich Skier der Marke “Fischer” leihen, müsse das Land unbedingt Sorge tragen, dass die Sportgeräte auch die Aufschrift “pescatore” trügen. “Wir leben schließlich in einem zweisprachigen Land”.

Willkommen in der Provinz.

Difficile est saturam non scribere.