Gemischtsprachige (schwierig).

Gleich zwei Beschlussanträge im Südtiroler Landtag (von Grünen und Elena Artioli) befassten sich kürzlich wieder mit den sogenannten »Gemischtsprachigen« und deren Erfassung. Auch in einem Leitartikel, der heute im Tagblatt A. Adige erschienen ist, wird einmal mehr gefordert, die Mehrsprachigen sichtbar zu machen.

Das Sprachbarometer 2014 gibt allerdings bereits darüber Aufschluss. Den Befragten stand ausdrücklich die Möglichkeit offen, mehr als eine Muttersprache anzugeben, wovon 5,6% Gebrauch machten. Bei 3,8% war es die Kombination der Muttersprachen Deutsch und Italienisch, bei 0,5% die Kombination aus Ladinisch mit Deutsch oder Italienisch. Über 94% der Befragten gaben hingegen nur eine Muttersprache an.

Das Phänomen [der deutsch-italienischen »Gemischtsprachler«] breitet sich nicht weiter aus; der Anteil in der jüngsten Altersklasse ist nicht signifikant höher als jener der Erwachsenen.

— Astat Sprachbarometer 2014, S. 23

Gemischtsprachige — Sprachbarometer 2014.

Der Anteil der Personen mit [den Muttersprachen Deutsch und Italienisch], die sich schwer tun, sich einer Sprachgruppe zugehörig zu erklären, ist insgesamt gering (12,5%).

— Astat Sprachbarometer 2014, S.24

Verschwindende 0,48% (oder 12,5% von 3,8%) bekannten sich also zu Deutsch und Italienisch als Muttersprache und wollten sich nicht eindeutig einer Sprachgruppe zuordnen, obschon diese Möglichkeit ausdrücklich bestand.

Der Aussage aus dem grünen Beschlussantrag, dass

gerade mehrsprachige Familien und Personen vielfach das Bedürfnis [verspüren], sich in ihrer “Besonderheit” einer messbaren Gruppe zugehörig zu zählen, gleich wie das im proporzgeprägten Südtirol für die anderen Sprachgruppen der Fall ist.

lässt sich demnach nicht ohne weiteres aufrecht erhalten. Diejenigen, die diesen Wunsch durch ihre Angaben im Rahmen der Astat-Erhebungen zum Ausdruck brachten, bewegen sich an der Grenze zur statistischen Irrelevanz. Überwältigende 87,5% von denjenigen, die Deutsch und Italienisch als gleichberechtigte Muttersprachen angaben, hatten offenbar kein Problem, sich einer Sprachgruppe zugehörig zu erklären.

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