Alles erfunden.

Der italienische UNESCO-Vorsitzende Puglisi stellt sich in der Toponomastikfrage auf die Seite des Landeshauptmanns — allerdings mit einem sehr kuriosen Vergleich, wie im gestrigen Dolomiten-Kommentar aufgedeckt wurde:

Giovanni Puglisi, Italiens UNESCO-Präsident mag Vergleiche. Beim Festakt zur Ernennung der Dolomiten zum Weltnaturerbe ortete er Ähnlichkeiten zwischen Landeshauptmann Durnwalder und dem libyschen Revolutionsführer Gaddafi. Später kam er für seinen Ausrutscher im Palais Widmann zu Kreuze gekrochen. Wer jetzt denkt, Puglisi habe einen Riecher für Fettnäpfchen, der irrt. Unlängst ließ er nämlich den Landes-Luis gekonnt auflaufen, wie man in der Fußballersprache sagt. Bezüglich Toponomastik-Streit zog der pfiffige Präsident nämlich folgenden Vergleich: “Der Everest heißt auf der ganzen Welt Everest, ohne dass dessen Name in alle Sprachen der Welt übersetzt werden müsste.” Warum sollte es also in Südtirol anders sein. Durnwalder freute sich über Puglisis Aussagen — wohl zu früh. Mount Everest ist doch ein Paradebeispiel für Sprachimperialismus, wie ihn Tolomei betrieben hat. Es heißt sogar, George Everest, jener englische Ingenieur, nach dem der Berg 1865 benannt wurde, war genau aus diesem Grund mit der Namensgebung nie einverstanden. Auf nepalesischer Seite wird der höchste Berg der Welt Sagarmatha (“Stirn des Himmels”) genannt, während ihn die Tibeter als Chomolungma (“Mutter des Universums”) bezeichnen. Beides Beispiele dafür wie viel schöner angestammte als erfundene Namen sind.

Der Kilimandscharo wäre wohl ein besseres Beispiel gewesen, als der Everest. Trotzdem sieht man sich gezwungen zu begrüßen, dass nicht auch noch der UNESCO-Präsident einen Tolomei-Persilschein ausstellt — angesichts Puglisis bisheriger Aussagen wäre ich diesbezüglich keine Wette eingegangen.

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Adéu, Espanya?

Der öffentlich-rechtliche katalanische Hauptsender TV3 hat gestern zur Hauptsendezeit einen offen »independentistischen« Dokumentarfilm (Adéu, Espanya?) ausgestrahlt und damit die höchsten Zuschauerzahlen (23,8% Share) des gesamten Jahres erzielt. Leider wäre es hierzulande — egal wie man zu diesem Film steht — wohl undenkbar, eine solche Produktion im Sender Bozen zu sehen.
Dort hat sich der Sender gegen die Einwände zentralistischer Parteien durchgesetzt, die den Film als »gut, aber nur für eine kleine Minderheit von Interesse« bezeichnet hatten. Durch den Publikumserfolg wurden sie eines besseren belehrt.

präsentiert den Film hier — via TV3 — in voller Länge. Er kann in Bildschirmgröße angezeigt werden; ein Klick auf das Ohr-Symbol blendet Untertitel in katalanischer Sprache ein, was auch einer Südtirolerin mit durchschnittlichen Italienischkenntnissen ermöglichen sollte, den Inhalt zu verstehen.

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Italien schafft es immer.
Quotation 6

(lacht) Nein, seit ich ein kleines Kind bin, heißt es immer: Der Staat packt es nicht mehr lange. Aber dann packt er es doch immer wieder.

Senatorin Helga Thaler Außerhofer (SVP) im gestrigen ‘Tageszeitungs’-Interview auf die Frage, ob Italien vor dem Staatsbankrott stehe.

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Kleiner Wahlspickzettel für Bozen.

Es soll ja tatsächlich (gemäßigte) Wähler geben, die am Sonntag Herrn Oberrauch unterstützen wollen. Denen möchte ich noch einige Details ins Gedächtnis rufen, bevor sie einen möglicherweise folgenschweren Fehler begehen.

Wer für Oberrauch stimmt, der unterstützt eine Koalition mit Unitalia. Und Unitalia, das ist eine Partei, die in den meisten westlichen Demokratien nicht wählbar wäre:

  • Ihre Vertreter haben den Bozner Gemeinderat verlassen, als einem Nazi-Widerständler die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde. Weil es sich um “einen Deserteur” handle. Das alleine ist so skandalös, dass ich die Aufzählung hiermit beenden könnte.
  • Gleichzeitig verhöhnen diese Leute die Opfer des Faschismus, indem sie Kränze vor dem Siegesdenkmal ablegen und Jahr für Jahr zum Grab von Ettore Tolomei pilgern.
  • Eine »Perle« war die Entfernung eines Hirten aus der Holzkrippe am Waltherplatz, weil Parteichef Donato Seppi eine Ähnlichkeit mit Andreas Hofer (!) erkannt haben wollte. Was lächerlich klingt, ist für eine liberale Demokratie völlig inakzeptabel. Eine Partei, die faschistische Symbolik verteidigt, beansprucht gleichzeitig die Deutungshoheit über den öffentlichen Raum und erhebt — direkt oder indirekt — den Anspruch, Zensur auszuüben. Je mehr Macht sie erhält, desto stärker wird auch ihr zensorischer Einfluss.
  • Unitalia unterstützt faschistische Organisationen (Eigendefinition!) wie den Blocco Studentesco, der in Bozen längst Fuß gefasst und öffentliche Aufmerksamkeit [Video] erregt hat. Auf der Homepage von Unitalia gibt es einen direkten Link zur faschistischen (Eigendefinition!) CasaPound. Außerdem ist die Partei lokaler Ableger der staatsweit agierenden Destra, die mit dem neofaschistischen Milieu eng verflochten ist.
  • Unitalia ist offen ausländer- und minderheitenfeindlich. Ihre Kampagnen richten sich regelmäßig gegen Zuwandererinnen und »Zigeuner«, sie sprechen die niedersten Instinkte an und vergiften das soziale Klima im Land.
  • Außerdem ist die Partei ausdrücklich autonomiefeindlich eingestellt und will selbst die Zweisprachigkeit abschaffen [W].

Wie soll ein Bürgermeister Oberrauch auch nur ansatzweise im Sinne der Gesamtbevölkerung regieren, wenn er sich von einer Partei wie Unitalia unterstützen lässt? Die Rechtsaußen sind das Extrembeispiel, aber auch andere Parteien im Bündnis nehmen ähnlich autonomiefeindliche (Teile des PDL) oder xenophobistische Positionen (Lega Nord) ein.

Wer auch nach dieser Aufzählung von seinem Vorhaben, Oberrauch zu wählen, nicht abkommt, der soll es tun — ihm ist nicht mehr zu helfen. Ich jedenfalls vertrete die Ansicht, dass es sich dabei nicht um eine normale demokratische Option handelt. Die Koalition befindet sich in großen Teilen außerhalb des verfassungsmäßigen Rahmens, wenngleich das nicht richterlich festgestellt wurde.

Faschismen Migraziun Politik Racism Roma+Sinti Ungehorsam+Widerstand | Gemeindewahl 2010 | Donato Seppi Ettore Tolomei | | Südtirol/o | CPI Lega PDL&Co. | Deutsch

Institutionelle Sprachförderung.

Zahlreiche Gemeinden, Institutionen und NROs aus Katalonien wollen am 4. Juni eine Erklärung unterzeichnen, mit der sie sich verpflichten, künftig nur noch Produkte zu erwerben, die (auch) auf Katalanisch etikettiert oder beschriftet sind, bzw. deren Handbücher (auch) auf Katalanisch verfügbar sind. Damit sollen Unternehmen unterstützt werden, welche die Landessprache benützen. Jene Unternehmen, die dies noch nicht tun, bekommen gleichzeitig einen finanziellen Anreiz für die Umstellung. Es wird damit gerechnet, dass diese Initiative den Druck auf die Hersteller über die bereits bestehenden gesetzlichen Verpflichtungen hinaus enorm verstärken wird, da die öffentlichen Verwaltungen wichtige Kunden des Handelssektors sind.

Bühne für die Unterzeichnung dieser Erklärung wird die Messe DeTotCat sein, die ausschließlich Produkten und Dienstleistungen in katalanischer Sprache gewidmet ist.

Im Gegensatz zu Katalonien, wo die öffentliche Hand mit solchen Initiativen klare Zeichen setzt, verteilt in Südtirol sogar das Land selbst Produkte, die weder auf Deutsch noch auf Ladinisch beschriftet sind. Dabei wäre eine ähnliche Maßnahme gerade hierzulande sinnvoll, weil die deutsche und die ladinische Sprache in diesem Sektor gar keinen gesetzlichen Schutz genießen.

Plurilinguismo Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Good News Produktetikettierung | | | Catalunya Südtirol/o | | Deutsch

Homophobie stoppen!

Am Wochenende wurde in Bozen ein gleichgeschlechtliches Paar wegen eines öffentlichen Kusses brutal zusammengeschlagen. Bis jetzt handelt es sich um einen — erschreckenden — Einzelfall in einem einigermaßen friedlichen Land, doch wenn nicht umgehend Maßnahmen ergriffen werden, könnte die Situation schnell kippen. Die Politik trägt meines Erachtens eine deutliche Mitschuld daran, dass Schwule und Lesben nach wie vor als eine Normabweichung gesehen und diskriminiert werden. Der Staat war, von der Kirche beeinflusst, bisher außerstande, homosexuellen Paaren eine angemessene rechtliche Anerkennung zuteil werden zu lassen. Doch auch auf Landesebene wurden kaum Versuche unternommen, die offensichtliche Diskriminierung gleichgeschlechtlich Liebender zu beheben oder auch nur wirksam einzudämmen.

Spätestens jetzt bedarf es einer klaren gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Anerkennung der Homosexualität, damit sich die — tatsächlich abnormen — Schläger und Intoleranten nicht indirekt in ihrem Hass bestätigt fühlen.

Die Brennerbasisdemokratie spricht hiermit dem betroffenen Paar und allen Homosexuellen in Südtirol ihre Solidarität aus und ruft die Politik zum Handeln auf!

Nachtrag vom 13.05.2010: Die Homosexuellenvereinigung Centaurus organisiert am heutigen Abend einen Fackelumzug gegen Homophobie. Treffpunkt ist der Kornplatz (Nähe Waltherplatz) um 20.30 Uhr. Die gesamte Bevölkerung ist eingeladen, daran teilzunehmen. Mehrere Politiker haben ihre Anwesenheit angekündigt.

Siehe auch: |

Discriminaziun Faschismen Grundrechte Kohäsion+Inklusion LGBTQIA Politik Solidarieté Termin | | | | | Centaurus | Deutsch

SVP sofort mit Spagnolli.

Mit der Ernennung Robert Oberrauchs zum Bürgermeisterkandidaten hat Mitterechts der SVP die Entscheidung abgenommen, Spagnolli schon beim ersten Wahlgang zu unterstützen. Die Sammelpartei konnte gar nicht anders — der gestern gefällte Beschluss ist dementsprechend erfreulich.

Als größte Partei im Gemeinderat sollte man aber nicht bedingungslose Unterstützung anbieten, sondern vielleicht noch ein paar Worte mit den künftigen Koalitionspartnern wechseln. Denn nicht Donato Seppi hat den AVS wegen der Hinweistafeln angezeigt, sondern Regierungspartner Guido Margheri.

Ortsnamen Politik | | Donato Seppi Guido Margheri Luigi Spagnolli | | Südtirol/o | AVS PD&Co. SVP | Deutsch

Senza Voce.

Wer tanzt, versteckt sein Gesicht nicht.

Arabisches Sprichwort.

Ein Bekannter hat kürzlich Dr. Abdelouahed El Abchi (kurz Abdel) meinen Beitrag zum Integrationsdesaster zur Kenntnis gebracht. Der habe sich — so mein Bekannter — nicht nur mit dem Inhalt einverstanden erklärt, sondern berichtet, er habe in einem Brief an den Verein Rete dei Diritti dei Senza Voce ganz ähnliche Töne angeschlagen.

Abdel stammt aus Marokko und ist in Südtirol als Interkultureller Mediator tätig. Jetzt liegt mir sein Brief an Senza Voce vor, den ich zum Zwecke der Diskussion veröffentlichen darf:

Cari senza voce,

Vorrei da tanto tempo rispondere ai vostri E-Mail che ricevo e oggi accolgo l’occasione per dirVi quello che penso:

voi siete quelli che difendono i diritti dei cittadini immigrati e cercano la convivenza in Alto Adige e sono pienamente d accordo con Voi e saro disponibile a collaborare per una società  moderna basata sull’ rispetto reciproco tra le persone e tra le culture. PERO da quello che lego e quello che fatti mi sembra tutto in Italiano, e parlati tutti solo l’Italiano e dovete essere un esempio per altri cittadini cio, che siete i primi a rispettare le altre culture cercando di imparare il Tedesco. Non mi sembra giusto parlare della convivenza in Alto Adige e voi parlate solo una lingua, sapendo che in Alto Adige ci sono tre lingue ufficiale…Noi non siamo solo in Italia, siamo in una realtà  diversa…(molto importante capirlo e farlo capire ad altri cittadini immigrati)

Quello che vorrei dire con questo E-mail: chi parla della convivenza interculturale e del rispetto, e per avere anche una credibilità  nella società  deve parlare il tedesco e l italiano.

cosa ne pensate???

Vi auguro buon lavoro.

Abdel

Mir ist nicht bekannt, was Senza Voce auf diesen Brief geantwortet hat. Hoffentlich trägt seine Veröffentlichung dazu bei, die Immigration differenzierter zu betrachten und die Probleme der Integration vorurteilslos zu analysieren.

Kohäsion+Inklusion Migraziun Plurilinguismo | Zitać | | | | | Deutsch Italiano