Utopie.
Quotation 17

Sie liegt am Horizont. Nähere ich mich zwei Schritte an, weicht sie zwei Schritte zurück. Schreite ich zehn Schritte voran, flieht der Horizont ebenso weit davon. Wie weit ich auch gehe, ich werde sie nie erreichen. Wofür also brauchen wir Utopien? Dafür: Um fortzuschreiten.

Lei è all’orizzonte. Mi avvicino di due passi, lei si allontana di due passi. Cammino per dieci passi e l’orizzonte si sposta dieci passi più in là. Per quanto io cammini, non la raggiungerò mai. A cosa serve l’utopia? A questo serve: a camminare.

Eduardo Galeano (cit. Fernando Birri)

Siehe auch:

Feuilleton | Zitać | | | | | Deutsch Italiano

Was ist eine Umfrage?

Unter dem Titel »Wer ist Südtiroler?« ist heute in den Dolomiten ein Leserbrief von Kurt Duschek aus Dorf Tirol erschienen:

Laut einer Meinungsumfrage wollen 56 Prozent der Südtiroler eine Abspaltung von Italien. Diese Aussage hat mich sehr erstaunt, aber auch verunsichert. Wie aus meinem Namen leicht ersichtlich, kommen meine Vorfahren aus der Tschechei, ich bin hier geboren, war bis zum 36. Lebensjahr Österreicher, anschließend italienischer Staatsbürger, wurde als Gemeinderat in Meran gewählt, bin ein “Grüner”, meine Kinder besuchen italienische Schulen, und ich möchte mich bei der nächsten Gelegenheit aus Proporzüberlegungen der ladinischen Volksgruppe zugehörig erklären. Sollte nun eine Abspaltung von Italien Wirklichkeit werden, muss ich dann auswandern, darf ich bleiben oder bin ich dann ein unechter Südtiroler in Österreich mit einem Doppelpass, zur ladinischen Sprachgruppe zählend und deutscher Muttersprache? Bei dieser Umfrage wurde ich nicht gefragt, vermutlich weil ich ein durch artfremde Gene und komische Gedanken verseuchter Südtiroler bin.

Das einzige wirkliche Problem, nämlich dass nicht 56%, sondern 41% der Südtirolerinnen für die Unabhängigkeit sind, hat Herr Duschek nicht erkannt. Alles andere ist wohl bewusste Täuschung.

Warum sollte man sich Sorgen machen, wenn die Bevölkerungsmehrheit etwas am Istzustand ändern möchte, sofern dies auf demokratischem Wege geschieht? Sicher nicht, weil man aus einem unabhängigen Südtirol auswandern muss: Die Heimat von Duscheks Vorfahren hat sich friedlich von der Slowakei getrennt, ohne die Bürgerinnen slowakischen Ursprungs auszuweisen.

Warum sollte sich jemand für Duscheks Gene interessieren? Das ist freilich nur Panikmache, ein billiger Versuch, die Unabhängigkeit mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen. Denn wenn man weiß, was eine Umfrage ist, dann weiß man auch, aus welchem Grund nicht jeder einzelne befragt wird — das hat weder mit den Genen, noch mit Sympathie oder »komischen Gedanken« irgendwas zu tun.

Freilich: Aus Proporzgründen Ladiner werden ist in einem unabhängigen Südtirol vielleicht nicht mehr möglich. Dann nämlich, wenn wir es schaffen, uns vom Proporz zu verabschieden.

Medien Mitbestimmung Umfrage+Statistik | Zitać | | Dolo | | Vërc |

Es entscheidet nicht die STF.
Quotation 16

Und wo bleiben die Italiener in Ihren politischen Wunschvorstellungen?
Wenn es so weit ist, wird man sich mit allen zusammensetzen und darüber reden, was für jeden wichtig ist. Das ganze ist eine Frage der Kultur und der Bewusstseinsbildung. Zuerst braucht es eine Mehrheit für einen bestimmten Weg, dann sieht man weiter.

Ist das nicht verantwortungslos?
Nein, das ist das Prinzip der direkten Demokratie. Es entscheidet nicht die STF, es entscheiden alle. Wie sagen die Italiener: “Intanto…”

Auszug aus dem Interview mit Eva Klotz (STF), ff Nr. 22 vom 01.06.2011

Democrazia Kohäsion+Inklusion Medien Mitbestimmung Politik Selbstbestimmung | Zitać | Eva Klotz | ff | | STF | Deutsch

Militärkultur.

Krieg ist Frieden.
Freiheit ist Sklaverei.
Ignoranz ist Stärke.

— George Orwell, »1984«

Auf dieses Zitat im Zusammenhang mit der Aufforderung der »deutschen Kultur«, der Alpinibrigade Tridentina eine Brixner Straße zu widmen, hat mich unser Beppi gebracht. Laut einem Artikel, der vorgestern in der Tageszeitung A. Adige erschienen ist, sprechen sich Josef Gelmi (Theologe und Historiker), don Paolo Renner (stv. Vorsitzender der Philosophisch-Theologischen Hochschule), Denkmalpflegerin Waltraud Kofler Engl und Jukas-Direktor Peter Liensberger — mit teils erstaunlichen Argumenten — für eine solche Benennung »im Namen des Friedens« aus.

Siehe auch:

Kunst+Cultura Militär Ortsnamen | Zitać | | AA | | Alpini | Deutsch

That’s democracy (darling)!

Ich nehme an, wir könnten die verfassungsrechtliche Frage aufwerfen, wer die Zuständigkeit hat [eine Volksabstimmung einzuberufen] und wer nicht, doch ich glaube, das wäre kein sinnvoller Zeitvertreib. Wenn das aktuelle Thema die Zukunft Schottlands innerhalb des Vereinigten Königsreichs ist, dann ist es wichtiger, diese Debatte zu führen, als darüber zu diskutieren, ob wir die Debatte führen dürfen.

Michael Moore
Staatssekretär für Schottland der britischen Regierung.

Wie berichtet konnte die separatistische, sozialdemokratische SNP bei den jüngsten schottischen Parlamentswahlen die absolute Mehrheit der Sitze erringen. Damit ist das schottische Unabhängigkeitsreferendum, eines der zentralen Wahlversprechen der Partei, aktueller denn je: Bereits im Laufe der kommenden Legislaturperiode soll die Volksabstimmung gemeinsam mit den Grünen auf den Weg gebracht und durchgeführt werden. Während der soeben abgelaufenen ersten Amtszeit des alten und neuen schottischen Premierministers Alex Salmond konnte die SNP im Parlament von Holyrood nicht die nötige Mehrheit für eine Befragung gewinnen. Allerdings sprachen sich die Unabhängigkeitsgegner von Labour, Konservativen und Liberaldemokraten schon damals dafür aus, das Referendum abzuhalten und auch zu respektieren, falls SNP und Grüne den entsprechenden Wählerauftrag erhielten — was jetzt eingetreten ist.

Dass das nicht nur leere Worte waren, beweist sich nach geschlagener Wahl: Nicht nur die schottischen Parteien werden das Unabhängigkeitsreferendum akzeptieren, auch die Londoner Regierung ließ bereits wissen, sie werde die Abstimmung nicht behindern. Schottland soll in dieser Angelegenheit die volle Handlungsfreiheit gewährt werden — wenngleich der konservative Regierungschef Cameron auch ankündigte, sich für den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königsreich einsetzen zu wollen. Das ist absolutes demokratisches Fairplay.

Die Volksabstimmung stellt unabhängig ihres Ausgangs das krasse Demokratiedefizit jener Länder bloß, welche den Bürgern eine Abstimmung über ihre Zukunft mit absurden Argumenten und aufgrund starrer Prinzipien verwehren.

Das wird ein spannender, für so manchen europäischen Staat unangenehmer Präzedenzfall werden.

Siehe auch:

Comparatio Democrazia Grundrechte Mitbestimmung Politik Selbstbestimmung | Zitać | | | Scotland-Alba | SNP Vërc |

Die Kulturhauptstadt-Lüge.

Um zu widerlegen, dass die Europaregion eine grenzüberschreitende Kulturhauptstadtregion hätte werden können, hat Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter-Mur bei Pro und Contra vom 11. April folgendes gesagt:

Ich muss eines richtigstellen: Es stimmt nicht, dass sich zwei Staaten bewerben können. Für 2019 — ist von Brüssel aus definitiv entschieden — bekommt eine Region, eine Stadt in Italien den Zuschlag und eine in Bulgarien.

Dem offiziellen Bericht der Bewerbung Nordostitaliens zur Kulturhauptstadtregion 2019 — deren Teil Südtirol ist — entnimmt man eine gegenteilige Information:

Alcuni suggerimenti delle Linee Guida della Commissione Europea

• Il titolo viene assegnato ad una città  per un determinato anno. Le città candidate al titolo hanno la possibilità di associare al loro programma un territorio regionale (anche euroregionale per le città frontaliere). Ad esempio, Lussemburgo 2007 ha associato la «Grande Regione» al proprio programma, mentre Essen 2010 ha associato la regione della Ruhr.

[…]

Unterstreichung von mir.

Hätte sich Südtirol eigenständig beworben, wäre also sehr wohl die Einbeziehung von Nord-/Osttirol und Trentino möglich gewesen.

Außendarstellung Faktencheck Kunst+Cultura Politik | Zitać | | Rai | Lëtzebuerg Nord-/Osttirol Südtirol/o Trentino | Euregio | Deutsch

Nationale Eingeständnisse.
Quotation 15

Südtirol ist Italien

Abdelouahed El Abchi ist ein Wahlbrixner und interkultureller Mediationsberater. Im Rahmen der Podiumsdiskussion “Tatort Integration” hielt er uns Südtirolern freundlich den Spiegel vor: Es sei zwar löblich, sagte er sinngemäß, dass sich Südtirol um Integration der Immigranten bemühe, aber im Grunde sei es uns in den vergangenen Jahrzehnten nicht einmal gelungen, die Italiener in Südtirol zu integrieren. Eigentlich gebe es nach all den Jahren immer noch kein Miteinander, sondern lediglich ein Nebeneinander: Jede Sprachgruppe lebt ihr eigenes Leben, Gemeinsamkeiten sind eher oberflächlich. Im Grunde hat er Recht. Je klarer wir trennen, desto besser verstehen wir uns, hat einst Kulturlandesrat Anton Zelger proklamiert, und dieses für die damaligen Zeiten verständliche Signal ist nach wie vor in vielen Köpfen eingebrannt. Ist es aber noch zeitgemäß? Die meisten der hier ansässigen Italiener sind inzwischen auch hier geboren, zur Schule gegangen, haben hier geheiratet und arbeiten hier, und es ist die Pflicht dieses Landes, ihnen auch Heimat zu sein. Und was tut das deutschsprachige Südtirol? Der Landeshauptmann brüskiert die Italiener mit einem Glanzstück an diplomatischem Feingefühl. Die Süd-Tiroler Freiheit brüskiert ebenso und verlangt eine fragwürdige doppelte Staatsbürgerschaft und die Abspaltung von Italien. Ich frage mich, ob es nicht Zeit wäre, einzugestehen, dass Südtirol auch für die deutschsprachigen Südtiroler nun eben doch ein Teil Italiens ist — ein besonderer zwar, mit besonderem historischen Hintergrund, aber eben doch Italien. Endlich könnte danach die Politik den Fokus auf unsere wirklichen Probleme lenken: Im Gegensatz zum schuldenfreien Land sind viele Familien, viele Unternehmen und viele Gemeinden tief verschuldet. Viele Jugendliche sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, um ihre Zukunft.

Ihr Willy Vontavon

Editorial der Bezirkszeitschrift Brixner, Ausgabe Februar 2011
Willy Vontavon ist Chefredakteur des
Brixner und Gemeinderat der SVP

(Unterstreichungen von mir.)

Wie ist es zu erklären, dass im vereinten Europa des 21. Jahrhunderts, wo angeblich keine Grenzen mehr existieren, Vertreter einer Minderheit ihr Heil noch immer darin suchen, ihre Zugehörigkeit zu einem Nationalstaat zu erklären — bzw. diese faktische Zugehörigkeit zu sanktionieren — auch wenn sie eine Nivellierung nach unten bedeutet?

Grenze Medien Migraziun Nationalismus Politik | Zitać | | | | SVP |

Stroncata la Vetta d’Europa.

Qualche giorno fa i verdi sudtirolesi hanno proposto di ribattezzare «Europaspitze – Klockerkarkopf – Vetta d’Europa» quella che Tolomei aveva nominato «Vetta d’Italia». Una proposta che non mi emoziona, ma che potrebbe anche andare bene, se — come dicono i verdi — fungesse da coronamento a una buona soluzione sulla toponomastica. Sia il CAI (a quale titolo?) che il Landeshauptmann hanno rilanciato la proposta, ma ora arriva la stroncatura del decano dell’accademia della Crusca, Carlo Alberto Mastrelli. Una stroncatura piena di contraddizioni, ignoranza e superficialità, a dimostrazione di come la «nazione» e le sue istituzioni più o meno ufficiali non riescano a superare l’equazione tra lascito fascista e identità italiana, né a condannare i metodi del fascismo.

L’intervista a Mastrelli pubblicata oggi dal Corriere dell’Alto Adige:

Toponomastica Il decano dell’Accademia della Crusca: i politici devono essere affiancati dagli esperti

«Vetta d’Italia, ingiusto cambiare il nome»

Mastrelli: la sua natura sta nell’indicazione geografica, l’Europa merita altro

BOLZANO — «Ribattezzare come “Vetta d’Europa” l’attuale Vetta d’Italia? La proposta è dettata da una lodevole intenzione ma ritengo che non sia giusta e accettabile».
A far capire come la politica stia forse facendo una «forzatura scientifica» nel mettere mano alla toponomastica altoatesina, è il glottologo Carlo Alberto Mastrelli, 87 anni, una vita dedicata alo (sic) studio e all’insegnamento delle lingue classiche, soprattutto germaniche, e della toponomastica in generale. Il parere di Mastrelli è prezioso se si considera che lo studioso è anche l’attuale decano dell’Accademia della Crusca, ovvero dell’istituto deputato ufficialmente alla «salvaguardia e lo studio della lingua italiana».

Professor Mastrelli, la politica in Alto Adige mette mano alla toponomastica…
«Mi creda, la toponomastica non è una materia che si può maneggiare senza essere preparati. Non dico che ci vogliano commissioni composte da 50 dottoroni, ma almeno bisogna avere due-tre esperti, che devono portare documenti e quant’altro. E poi si discute».

E invece?
«Il torto evidentemente è sempre dell’Italia. L’italiano non può essere gestito dal partito di governo e nemmeno da Bolzano soltanto».

Partiamo da uno degli scogli in commissione, forse quello più duro, che ha diviso i commissari. Meglio l’«Alta Via della Vetta d’Italia» o «Lausitzer Weg» (sic), come era stata denominata all’origine nel lontano 1904, prima di Tolomei e prima di essere ripristinata dagli alpini della Tridentina nel 1974?
L’approccio deve essere preciso.

Ovvero?
«Prima ci spiegano per loro cosa vuol dire quel “Lausitz”. Se non ce lo dicono, si può pensare di mettere un nome “funzionale”».

Per esempio?
«Se quella via serve, per dire, tre rifugi, si può anche trovare una nuova forma che richiami questo, tipo “Via dei tre rifugi”».

Già si dividono sui nomi esistenti, metterne di nuovi potrebbe innescare altre discussioni, o no?
«Quello che spesso non si ricorda dalle vostre parti è che la toponomastica si evolve e ce ne può essere sempre di nuova. Un esempio banale, la MeBo (il nome della superstrada per Merano, ndr). Magari certi nomi non sono ancora codificati, ufficializzati, ma nell’uso ci sono già».

I Verdi hanno riproposto l’idea langeriana di trasformare la Vetta d’Italia in Vetta d’Europa. Il Cai è pure d’accordo. Cosa ne pensa?
«Io so che “fa bello” chiamare una cosa “Europa”. Ma secondo me questo sarebbe solo un bel… cerotto».

Cioè?
«La motivazione di un nome non può essere quella di “rimediare” a qualcosa. Le motivazioni e i significati devono essere precisi. L’Europa si merita ben altra attenzione, caso mai. Se l’Alto Adige vuole rimarcare l’interetnìa sua e dell’Europa, si trovi un bel luogo nuovo».

Una bella distinzione di metodo…
«La Vetta d’Italia è un nome legittimato, non tanto dalle ascensioni giovanili di Tolomei, quanto dal fatto che la si riteneva la “vetta d’Italia”, il punto più a nord».

In effetti, la «Glockenkaarkofl» (sic), come la chiamarono nell’Ottocento, è sul crinale più a nord dell’Italia (anche se poi la Testa Gemella Occidentale è qualche centinaio di metri più a nordest, ndr)
«Quindi più che una denominazione “celebrativa” quella è una denominazione “indicativa”, geografica. Vetta d’Europa invece è una denominazione “celebrativa” e quindi diventerebbe inadeguata, un cerotto appunto».

Ma in sostanza, le denominazioni devono essere ispirati (sic) da criteri indicativi o celebrativi?
«Esiste una “natura” che va rispettata e quindi esistono delle distinzioni. Nomi indicativi sono, per esempio, Rio dei mulini, Piazza della chiesa, Via delle scuole, che danno indicazioni. Poi ci sono le denominazioni celebrative: Campo della battaglia, Piazza della Libertà, Via Trento e Trieste».

E quindi Vetta d’Italia?
«È e deve restare un nome indicativo».

Quindi la commissione…
«Il suo lavoro può essere considerato una prima sperimentazione per il conseguimento di quanto è prescritto nelle norme statuarie, ma occorrerà avere il tempo e il modo di esaminare tutto con la dovuta attenzione e competenza».

L’obiettivo?
«Che tutti i toponimi corrispondano ai criteri di un corretto bilinguismo conforme alle leggi, alle regole degli studi toponomastici e a un uso “consapevole” della lingua italiana».

Pierluigi Perobelli

Medien Ortsnamen Plurilinguismo | Zitać | Ettore Tolomei Luis Durnwalder | Corriere | Südtirol/o | Alpini CAI | Italiano