Spain ‘condemned’ by Amnesty International.

The Amnesty International Report 2017/18 — The state of the world’s human rights has been presented in Washington D. C. today. We’re publishing some excerpts relating to the situation in Catalonia, to which has been given much space in the chapter dedicated to Spain:

SPAIN
Kingdom of Spain
Head of state: King Felipe VI de Borbón
Head of government: Mariano Rajoy

The rights to freedom of expression and peaceful assembly of Catalan independence supporters were disproportionally restricted. Dozens of people were prosecuted for “glorification of terrorism” and “humiliation of victims” on social media. Law enforcement officials used excessive force against demonstrators peacefully resisting the enforcement of the High Court of Justice of Catalonia’s ruling stopping the Catalan independence referendum. Spain relocated fewer asylum-seekers than it had pledged to under the EU relocation scheme, and resettled fewer refugees than it had committed to. Thousands of people continued to face forced evictions. The authorities continued to close investigations into crimes under international law committed during the Civil War and the Franco regime.

[…]

FREEDOMS OF EXPRESSION AND ASSEMBLY
Following the Constitutional Court decision of 7 September aimed at preventing the referendum, some authorities disproportionately restricted the rights to freedom of expression and peaceful assembly. Courts in Madrid and Vitoria in the Basque country prohibited two public assemblies aimed at supporting the referendum. The municipality of Castelldefels in Catalonia adopted a blanket ban on the use of public spaces for assemblies aimed at supporting or protesting against the referendum.
On 16 October, a High Court judge ordered the pre-trial detention of Jordi Cuixart and Jordi Sánchez, the presidents of two pro- Catalan-independence organizations. They were detained and charged with sedition, a broadly defined offence, in connection with protests they organized in Barcelona on 20 and 21 September to, according to a judge, oppose a lawful police operation. In November, the Supreme Court took charge of the proceedings against Jordi Sánchez and Jordi Cuixart. The Supreme Court extended the investigation against them to the offence of rebellion.
Dozens of people were prosecuted for “glorification of terrorism” and “humiliation of victims” on social media networks. In many instances, authorities pressed criminal charges against people who had expressed opinions that did not constitute incitement to a terrorism-related offence and fell within the permissible forms of expression under international human rights law. […]

EXCESSIVE USE OF FORCE
Law enforcement officials policing protests on 1 October in Catalonia used excessive force against peaceful protesters who were opposing a police operation. The police fired blank cartridges and rubber bullets, seriously injuring one person and causing him to lose the sight in one eye.

And that’s what Salil Shetty, Secretary General of Amnesty International said to catalan public broadcaster TV3:

It’s just unbelievable all this is happening inside the EU… and thus could literally happen anywhere else.

See also:

Democrazia Grundrechte Polizei Publikationen Recht Repression Selbstbestimmung | Zitać | | | Catalunya Spanien | Amnesty International EU | English

Die irreführende Erzählung von der Flucht.

Der Präsident von Katalonien sei geflüchtet, er habe sein »Volk« im Stich gelassen, heißt es seit gestern — zum Glück nicht unisono — in vielen internationalen Medien. Politikerinnen argumenteren ähnlich. Dazu einige Überlegungen:

  • Der gewählte Präsident wurde von der spanischen Zentralregierung abgesetzt und sieht sich mit einer konstruierten Anklage wegen Rebellion konfrontiert, die zu 30 Jahren Freiheitsentzug führen könnte.
  • In Barcelona regiert — von Madrid aus — die spanische Vizepräsidentin Sáenz de Santamaría, die übrigens (wie die gesamte spanische Regierung) einer Partei angehört, die bei der letzten Wahl zum katalanischen Parlament nur 8,5% der Stimmen erhielt.
  • Die Gleichschaltung der katalanischen Generalitat durch Madrid wurde vom UN-Sonderberichterstatter De Zayas als Verstoß gegen internationales Recht bezeichnet.
  • Trotz internationaler Kritik, zum Beispiel von Amnesty International, sitzen die Vorsitzenden zweier zivilgesellschaftlicher Organisationen seit über zwei Wochen in Untersuchungshaft, weil sie zu einem friedlichen Protest aufgerufen hatten.
  • Die Anklage von Generalstaatsanwalt Maza gegen Puigdemont wird von derselben Richterin am nationalen Gerichtshof (Carmen Lamela) bearbeitet, wie jene gegen Sánchez und Cuixart.
  • Carles Puigdemont droht ein ähnliches Schicksal wie den beiden Anführern von ANC und Òmnium Cultural. Deshalb ist es hanebüchen, davon zu sprechen, er habe sein »Volk« im Stich gelassen. Er kann der Causa der Selbstbestimmung, die inzwischen zu einer demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsatzfrage mutiert ist, in Brüssel besser dienen, als in Barcelona.
  • Wohl kaum ein europäisches Medium oder eine europäische Politikerin würde einer türkischen Dissidentin eine Ausreise in die EU vorwerfen, wenn sie sich damit vor politischer Verfolgung in Sicherheit bringen wollte. Sie sollten es also auch in diesem Fall unterlassen.
  • Es wäre vielmehr an der Zeit, sich an die eigene Nase zu fassen: Spanien mag zwar nicht die Türkei sein, aber die während der letzten Wochen gesehene Vorgehensweise, einschließlich der Duldung neonazistischer Umtriebe in Katalonien, halte ich für einer europäischen Demokratie unwürdig.
  • Entscheidend ist meiner Meinung nach jedoch vor allem, dass Puigdemont nicht »irgendwohin« geflüchtet und untergetaucht ist. Vielmehr hat er sich ins Epizentrum begeben — ins Herz Europas — wo man seit Jahren so tut, als gäbe es in Katalonien (und anderen europäischen Gebieten) kein Problem. Und wo man entschieden hat, die Anwendung staatlicher Gewalt gegen friedliche europäische Bürgerinnen zu dulden und zu decken, um den Status Quo zu verteidigen.
  • Die Unruhe und das Unbehagen, die der Aufenthalt des katalanischen Präsidenten in Brüssel verursacht hat, macht meiner Ansicht nach deutlich, dass er von Beschöniger- und Heuchlerinnen als Stachel im Fleisch wahrgenommen wird, der den üblichen Betrieb stören könnte. In diesem Sinne ist Puigdemont wir alle und ist Katalonien ganz Europa.
Democrazia Grundrechte Medien Politik Polizei Recht Selbstbestimmung Ungehorsam+Widerstand Zentralismus | | Alfred De Zayas Carles Puigdemont Jordi Cuixart Jordi Sànchez | | Belgien Catalunya Spanien | Amnesty International EU GENCAT PP UNO | Deutsch

Amnesty kritisiert Inhaftierung von Sànchez und Cuixart.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hält die gegen Jordi Sànchez und Jordi Cuixart ergriffenen Maßnahmen für exzessiv. Eine Richterin des nationalen Gerichtshofs hatte gegen die Vorsitzenden von Òmnium Cultural und ANC — zwei zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für die Eigenstaatlichkeit von Katalonien engagieren — Untersuchungshaft verhängt. Sie werden beschuldigt, einen Volksaufstand organisiert zu haben und riskieren Haftstrafen von bis zu 15 Jahren.

Amnesty International ruft die spanischen Behörden auf, sowohl die U-Haft von Sànchez und Cuixart zu beenden, als auch die Anklage fallen zu lassen.

(Nein, die EU hat an der Inhaftierung natürlich nichts auszusetzen.)

Siehe auch:

Democrazia Grundrechte Recht Selbstbestimmung Ungehorsam+Widerstand Zentralismus | Good News Referendum 1-O 2017 | Jordi Cuixart Jordi Sànchez | | Catalunya | Amnesty International EU | Deutsch

Provinzielle Aufregung.
Quotation 401

Die Aufregung über das spanische Vorgehen sei eher ein Ausdruck des Südtiroler Provinzialismus. “Jeder will sich aufgrund der Probleme anderer profilieren. Und sieht dabei nur, was ihn interessiert.”

Senator Francesco Palermo (SVP/PD) über die Lage in Katalonien, zitiert in ff 39/2017

Man muss vermutlich äußerst weltgewandt sein, um die Durchsuchung von Zeitungsredaktionen, die Beschlagnahme von Urnen und Stimmzetteln, die Festnahme von Politiker- und Funktionärinnen, die Anklage von Bürgermeisterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft mitten im Europa des 21. Jahrhunderts zu verstehen. Ich muss zum Beispiel gestehen, dass ich leider den Provinzialismus und die Aufregung mehrerer dänischer, britischer, Schweizer und EU-Abgeordneter, von Amnesty International, Fundació Miró, den Bürgermeisterinnen von Barcelona und Dublin, mehrerer italienischer Persönlichkeiten oder des gesamten sardischen und aostanischen Regionalrats teile. In Zukunft werde ich mich aber anstrengen, auch nur ein wenig vom Niveau derer zu erhaschen, die der Einsatz der Polizei gegen einen demokratischen Wunsch der eigenen Bevölkerung kalt lässt — es scheint mir notwendig.

Siehe auch:

Democrazia Grundrechte Medien Politik Polizei Recht Repression Satire Selbstbestimmung | Zitać | Ada Colau Francesco Palermo | ff | Catalunya Sardigna Svizra | Amnesty International EU PD&Co. SVP | Deutsch