Die Briefwahl-Schlamperei.

Wie chaotisch die postalische Auslandswahl zum Südtiroler Landtag diesmal ablaufen wird, lässt sich noch nicht genau abschätzen. Inzwischen zeigen sich Symptome mangelnder Sorgfalt bereits auf den dafür vorgesehenen Briefumschlägen:

Wir bitten für die schlechte Bildqualität um Verzeihung.

Nicht nur, dass man offenbar nicht imstande war, drei Sätze in englischer Sprache fehlerfrei zu schreiben (»as« statt »is« und fehlendes Leerzeichen zwischen »number.« und »Please«). Es gab aber auch mit Steuerung-C und Steuerung-V offenbar Schwierigkeiten, denn die Internetadresse http://www.upu.int/en/activities/letter-post-developments/ibrs.htm/ ist leider falsch (und somit unbrauchbar).

Korrekt müsste sie http://www.upu.int/en/activities/letter-post-development/ibrs.html (»development« statt »developments« und »html« statt »htm/«) lauten.

Über diese Schlamperei kann auch die ansprechend gestaltete Briefwahlinfo nicht hinwegtäuschen, die so aussieht, als habe sie eine unmotivierte Praktikantin in der Mittagspause erstellt.

Dass Medienberichten zufolge Briefwählerinnen unvollständige Wahlunterlagen zugestellt worden sein sollen, passt da irgendwie ganz gut ins Bild.

Siehe auch:

Democrazia Postdienst Service Public Sprachpfusch Tech&Com | Landtagswahl 2018 | | | Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Ein Landtagswahlreminder für die Post!

Angesichts der Tatsache, dass die Landtagswahl bereits mit einem Hoppala gestartet ist, möchte ich hiermit noch einen unerbetenen, aber umso wichtigeren Ratschlag an die Landesregierung loswerden: Wenn ich — sagen wir mal — der Landeshauptmann wäre, würde ich keine Zeit verschwenden und dem neuen Südtiroler Postchef Luca Passero umgehend einen Brief schreiben, um ihn auf die baldigen Wahlen hinzuweisen.

Wenn ein Computer zur Hand, könnte man noch eine Email nach-, also vorausschicken, denn man weiß ja nie, die Post… Sommer… Personalengpässe… da kann schon mal was schiefgehen.

Jedenfalls sollte die Bedeutung einer solchen offiziellen Mitteilung nicht unterschätzt werden. Wir erinnern uns: Vor fünf Jahren wurde die Post von der Landtagswahl kalt erwischt! Konnte ja auch niemand ahnen, dass die Legislatur zu Ende war.

Das Chaos war perfekt. Nicht wahlrelevante Sendungen blieben in der Woche vor dem Urnengang en masse in den Postämtern liegen… und dennoch gelang es schlussendlich nicht, die bereits bezahlte Wahlwerbung fristgerecht zuzustellen. Viele gute Argumente für die eine oder andere Kandidatin trafen erst ein, als die Landtagssitze schon zugeteilt waren.

Bei der Briefwahl sah es leider nicht viel besser aus: unzählige Stimmen konnten nicht mehr berücksichtigt werden, weil der Post ganz offensichtlich niemand mitgeteilt hatte, dass schon wieder fünf Jahre verstrichen waren. Also fünfmal die Zeit, die ein Kartl von Mals bis Innichen braucht.

Damit das nicht auch diesmal passiert… eben: Briefl schreiben. Bringt’s nix, schadet’s auch net. Und fast hätte ich es vergessen! Sicherheitshalber unbedingt reinschreiben, dass die Wahl vielleicht auch diesmal mit der Verteilung der Gelben und der Weißen Seiten zusammenfallen könnte, dann kann sich die Post auch darauf einstellen.

(Wenn nicht, ist diesmal aber immerhin ein dreisprachiger Poststempel drauf.)

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Schock: Englischer Postkasten in Schottland.

Royal Mail hat sich entschuldigt, weil im schottischen Dunoon versehentlich ein Postkasten aufgestellt wurde, auf dem die Insignien von Königin Elisabeth mit dem Monogramm »EIIR« aufscheinen. Das hatte nicht nur in der rund 8.500 Einwohnerinnen zählenden Stadt, sondern in ganz Schottland für Irritationen gesorgt.

Symbolbild

Grund ist die Tatsache, dass Elisabeth I. zwischen 1558 und 1603 regiert hatte, als die Königreiche von England und Schottland noch nicht vereinigt worden waren. Das geschah erst 1707.

Aus diesem Grund wird die derzeitige Monarchin nördlich des Hadrianswalls auch nicht als Elisabeth die Zweite anerkannt. Kurz nach ihrer Thronbesteigung 1952 wurde denn auch — nach Protesten und Sabotageakten im Norden — ein eigenes Postkastenmodell für Schottland ohne »EIIR«-Monogramm entwickelt.

Die Säule in Dunoon wird laut Royal Mail natürlich umgehend ausgetauscht.

»Haben wir denn keine wichtigeren Probleme?«

Über soviel Rücksichtnahme wird man in Südtirol vermutlich schmunzeln. Hierzulande wäre ja nur ein Hundertstel davon nötig, um Jahrzehnte währende Sprachverhunzungen zu beseitigen. Doch dafür reichen bei der italienischen Post auch zehn Millionen aus dem Landessäckel offenbar nicht.

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Schicken hier die Post.

Heute komme ich wieder einmal auf den Postdienst zurück.

  • Knapp ein Jahrhundert nach der Annexion,
  • 46 Jahre nach Inkrafttreten des Autonomiestatuts,
  • 30 Jahre nach Erlass der Zweisprachigkeitsbestimmungen (DPR 574/1988) und
  • über ein Jahr nach Unterzeichnung des grandiosen Deals zwischen Landeshauptmann und italienischer Post, der in Sachen Mehrsprachigkeit vor allem den Ankauf eines neuen Poststempels zur Folge hatte

habe ich festgestellt, dass die Beschriftung von Briefkästen folgenden zwei Mustern entspricht:

Entweder die Informationen sind (wie hier in der Brixner Bahnhofstraße) dreisprachig, wobei die deutsche Übersetzung — in Widerspruch zu DPR 574/1988 — mit einer kleineren Schrift versehen ist. »Poste« und »Posteitaliane« wurde gar nicht übersetzt, »spedisci qui la tua corrispondenza« äußerst sorgfältig mit »schicken hier die Post«.

Das zweite Modell ist dieses und folgt (wie hier in der Millander Plosestraße) den stets beliebten Maximen »eh wuascht« und »scheiß drauf«.

Beide Varianten sind illegal und zeugen davon, welch ignorante und nationalistische Mentalität bei diesem Betrieb nach wie vor herrscht. Aber natürlich können wir weitere Jahrzehnte weiterkämpfen und hoffen, dass irgendwann einmal — vielleicht in 30 oder 40 Jahren — Gesetze eingehalten werden.

P.S.: Wo ist eigentlich das Regierungskommissariat, das sich angeblich so toll um die Zweisprachigkeit kümmert?

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Politik Postdienst Recherche Sprachpfusch Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | | Arno Kompatscher | | Südtirol/o | SVP | Deutsch

Hinweis auf mangelnde Kompetenz.

Heute wurde mir eine Gerichtsakte — nichts Besorgniserregendes, eher Erfreuliches — zugestellt. Das heißt genaugenommen: es wurde der Versuch unternommen. Nachdem ich gerade unterwegs war, hat man einen 61cm langen »Hinweis auf lagernde Korrespondenz« hinterlegt.

Ein kurzer Blick offenbart: Weder 10 Millionen Euro von der Südtiroler Steuerzahlerin, noch die Verheißungen des Regierungskommissärs haben bislang dazu beigetragen, die zugegebenermaßen hochkomplexe Aufgabe zu lösen, die sich da Zweisprachigkeit nennt.

Wie gehabt:

Sehr geehrter Kunde, wir ersuchen Sie ab 24/05/2018 ab Uhr 8:20 die hinterlegte Sendung hinterlegt, die Sendung an folgendem Postamt abzuholen:

Postamt: UP BRESSANONE
Adresse: VIA SAN CASSIANO 4, 39042 BRESSANONE

Öffnungszeiten:
– Aus MO zu FR aus 8:20 zu 19:05
– SA aus 8:20 zu 12:35

[…]

Das unten angegebene Objekt abzuholen:

[…]

Aber einen dreisprachigen Poststempel, den hat man für die 10 Millionen Euro gekauft. Gott sei es gedankt.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Postdienst Satire Sprachpfusch Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen | Zitać | | | Südtirol/o | | Deutsch

Post vielleicht bald zweisprachig.

Nicht einer Intervention der Landesregierung (die die italienische Post mit zehn Millionen Euro an Südtiroler Steuergeldern aufpäppelt) oder der Verbraucherzentrale, sondern der Beharrlichkeit einer oppositionellen Landtagsabgeordneten verdanken wir es, dass sage und schreibe 30 Jahre nach Erlass der einschlägigen Zweisprachigkeitsbestimmungen* (DPR 574/88) — vielleicht — alle Formulare der italienischen Post auch auf Deutsch verfügbar sein werden. Zumindest soll dies einem Bericht von Südtirol Online zufolge der hierfür zuständige Regierungskommissär Vito Cusumano angekündigt haben, nachdem Myriam Atz Tammerle (STF) sich zum wiederholten Mal über einen Zweisprachigkeitsverstoß beschwert hat.

Es wäre natürlich nett, wenn bei der anstehenden Übersetzung der Formulare auch die eine oder andere Sprachregel beachtet würde.

*) bzw. 46 Jahre nach Inkrafttreten des Autonomiestatuts

Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Postdienst Recht Sprachpfusch Vorzeigeautonomie | Good News | Myriam Atz Tammerle | Stol | Südtirol/o | STF VZS | Deutsch

Postverteilungszentrum in Betrieb.

Wie das Land mitteilt, hat heute das Postverteilungszentrum in der Landeshauptstadt seinen Betrieb wiederaufgenommen. Nachdem die Verteilung der Südtiroler Post schon 1992 nach Verona verlegt wurde, sei der Stützpunkt in der Reschenstraße 2003 geschlossen worden.

Die Wiedereröffnung war vom Abkommen vorgesehen, das Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) vor einem Jahr mit der italienischen Post unterzeichnet hatte. Zehn Millionen kosten die darin enthaltenen Maßnahmen die Südtiroler Steuerzahlerin.

Mit dem alten neuen Verteilungszentrum in der Landeshauptstadt wird vor allem verhindert, dass Post aus Südtirol, die für Empfängerinnen im Land bestimmt ist, einen Umweg über Venetien nimmt. Auf den Sendungen soll denn — laut Landespresseamt — fortan auch nicht der Poststempel Verona, sondern Bolzano/Bozen/Bulsan aufscheinen.

Weitere vom Abkommen vorgesehene Maßnahmen, wie die Einhaltung der einschlägigen Zweisprachigkeits- und Proporzbestimmungen, harren indes noch einer konsequenten Umsetzung.

Siehe auch:

Plurilinguismo Politik Postdienst Recht Vorzeigeautonomie | Good News Sprachgruppenproporz | Arno Kompatscher | LPA | Südtirol/o | SVP | Deutsch

ÖSDI kommt sofort, Zweisprachigkeit irgendwann.

Wie das Landespresseamt mitteilt, wird der eGov-Account Südtirol zum 28. Februar eingestellt. Ab März wird dieser durch die staatsweite digitale Identität (SPID bzw. ÖSDI) ersetzt — womit der Ober wieder einmal den Unter gestochen hätte.

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) wird in der Pressemitteilung mit folgenden Worten zitiert:

Die wohnortnahe und bürgerfreundliche Unterstützung bei diesem Prozess muss sichergestellt werden. Dazu zählt auch und in erster Linie die Möglichkeit, in der eigenen Muttersprache begleitet zu werden.

Sieht man sich jedoch im einschlägigen Portal der Landesverwaltung — myCIVIS — um, muss man feststellen, dass es gerade um die Einhaltung des Rechts auf Muttersprache wieder einmal schlecht bestellt ist:

Gerade jetzt, wo mit besonderem Andrang zu rechnen ist, weil die bisherigen Nutzerinnen des Südtiroler eGov-Accounts auf ÖSDI umsteigen sollen, steht also online keine Plattform in deutscher und ladinischer Sprache zur Verfügung. Einen zweisprachigen Dienst gibt es — bei einem digitalen Service, das »Zeit und Wege sparen« helfen soll — nur offline, und zwar in den Postämtern und bei der Handelskammer. Wobei wiederum einschränkend bemerkt werden muss, dass zumindest in größeren Südtiroler Ortschaften die Zweisprachigkeit bei der Post oft nur auf dem Papier existiert.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Postdienst Service Public Sprachpfusch Tech&Com Vorzeigeautonomie Zentralismus | Bilinguismo negato | Arno Kompatscher | LPA | Südtirol/o | SVP | Deutsch