»Wachhund weg!«

Jene des Präfekten (oder Regierungskommissärs) ist wohl die am meisten unterschätzte Position im Lande: Obwohl er nicht demokratisch gewählt wird, übt er eine Fülle an Zuständigkeiten aus, die in vielen Fällen die des Landeshauptmanns übersteigt. Vom Proporz ausgenommen und nicht zur Zweisprachigkeit verpflichtet — weshalb er meist die größte Landessprache gar nicht beherrscht — ist es seine erklärte Aufgabe, die Interessen Roms zu vertreten. Damit ist er Ausdruck einer deutlich zentralistischen Staatsorganisation und wird hierzulande nicht zu Unrecht oft als »Wachhund des Staates« bezeichnet. Dass es in Italien auch ohne ihn geht, zeigt die Region Aoûta/Aosta, wo die Funktion des Präfekten an den Regionalpräsidenten übertragen wurde.

Auch die Praxis bei der Ernennung der Präfekten macht eine sehr zentralistische Auffassung des Amtes deutlich: In Spanien etwa, wo es eine ähnliche, wenngleich deutlich weniger mächtige Figur gibt, werden — zumindest in mehrsprachigen Regionen — fast ausschließlich »Einheimische« zum »Regierungsdelegierten« ernannt, die dann auch die regionalen Sprachen sprechen und die örtlichen Besonderheiten kennen. Nicht nur, dass hier dagegen nie ein Südtiroler zum Regierungskommissär ernannt wurde, auch auf (die gesetzlich wie gesagt nicht zwingend vorgeschriebene) Zweisprachigkeit wurde nie geachtet. Darüberhinaus werden Präfekten meist in derart kurzen Abständen ausgetauscht, dass sie selbst bei gutem Willen kaum die Möglichkeit hätten, sich gute Deutsch- und/oder Ladinischkenntnisse anzueignen.

Seit Jahr(zehnt)en wird in Südtirol großmehrheitlich gefordert, das Regierungskommissariat abzuschaffen und die Zuständigkeiten des Präfekten auf den Landeshauptmann zu übertragen, was noch keine Vollautonomie, aber ein notwendiger Schritt dahin wäre. Vergeblich. Den Willen dazu hat der Landtag heute einmal mehr in einem Antrag zum Ausdruck gebracht, der mit 27 Ja- und nur 3 Neinstimmen (Urzì, Tommasini, Bizzo) angenommen wurde.

Freilich sind Beschlussanträge ziemlich zahnlose Tiger, werden sie doch häufig als reine Willensbekundungen des Landtags aufgefasst. Eigentlich hätte die Landesregierung jetzt den Auftrag, mit Rom in Verhandlungen zu treten, in Vergangenheit wurden solche Anträge jedoch mehr oder minder ignoriert — auch wenn sie, wie heute, von der SVP unterstützt wurden. Nachdem Renzi jedoch angekündigt hat, trotz seines zentralistischen Kurses die Präfekturen abschaffen zu wollen, könnte es diesmal eine kleine Chance geben, den Wachhund loszuwerden.

Siehe auch:

Discriminaziun Recht Vorzeigeautonomie Zentralismus | Sprachgruppenproporz | Alessandro Urzì Christian Tommasini Matteo Renzi Roberto Bizzo | | Aoûta-Aosta Südtirol/o | 5SB/M5S BürgerUnion Freiheitliche PD&Co. Regierungskommissariat STF SVP Vërc | Deutsch

Doch kein einheitliches Kulturressort?

Die beiden Landesräte Philipp Achammer (SVP) und Christian Tommasini (PD) hatten vor wenigen Tagen vorgeschlagen, mittelfristig die Zusammenlegung der drei Kulturressorts anzustreben, um Ressourcen zu bündeln und die Trennung zwischen den Sprachgruppen abzumildern.

Gerade im Kulturbereich könnte dies eine sinnvolle Maßnahme sein, auch weil Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen meist nicht einer Sprach(grupp)e zuordenbar sind, sondern möglichst viele Menschen zusammenbringen sollen.

Man möchte meinen, dass all jene, die stets reflexartig von (nicht nur physischen) Mauern und von Käfigen sprechen, wenn es um die muttersprachliche Schule geht, diesen Vorschlag begrüßen müssten — zum Beispiel das Tagblatt A. Adige. Erstaunlicherweise ist dies jedoch nicht der Fall: Zunächst stellte sich Chefredakteur Alberto Faustini in einem Leitartikel quer, heute folgte ein ebenso kritischer Kommentar von Italo Ghirigato. Das zahlenmäßige Ungleichgewicht mache das Unterfangen zu einer Gefahr, so der Tenor, die Überzahl könne einen Instinkt wecken, den anderen zu untergraben.

Fast schon unglaublich, welche (natürlich nicht zu unterschätzenden) Befürchtungen da bei einem Verhältnis von rund 26% zu 69% gegenüber einer mehrsprachigen Landesverwaltung erwachen — Befürchtungen die bei viel tiefgreifenderen Eingriffen zu Lasten der Sprachminderheiten (mehrsprachige Schule, Abschaffung von Ansässigkeitsklausel und Proporz…) regelmäßig als lachhaft, überzogen und rückständig abgetan werden — bei einem Verhältnis von 1% zu 99% und gegenüber einem einsprachigen, national definierten Zentralstaat.

Siehe auch: |

Kunst+Cultura Medien Plurilinguismo Zentralismus | | Alberto Faustini Christian Tommasini Philipp Achammer | AA | | PD&Co. SVP | Deutsch

Renzi, Wunsch und Wirklichkeit.

LH Arno Kompatscher war gestern in Rom bei seinem Freund Matteo Renzi. Dieser machte ihm eine Reihe von Zusagen, wovon jene, Minister Graziano Delrio bleibe Ansprechpartner der Autonomien, wohl die sonderbarste ist: Delrio hatte von Anfang an versprochen, reichere Regionen wie unsere unverhältnismäßig stark zur Kasse zu bitten. Zudem hatte er sich dadurch ausgezeichnet, die Beibehaltung von Staatsflaggen an Südtiroler Schutzhütten zu fordern. Trotzdem: Sein Verbleib wurde gestern als Erfolg gefeiert.

Welchen Wert Renzis Worte tatsächlich haben, wird sich erst noch beweisen müssen. Noch vor kurzem hatte er zum Beispiel mitgeteilt, er würde einen Regierungsauftrag ohne Neuwahlen ablehnen, denn das wären »Methoden wie in Zeiten der ersten Republik«. Und jetzt kommt’s trotzdem anders.

Wie weit Wunsch und Wirklichkeit oft auseinanderklaffen, zeigte sich gestern ebenfalls: Während der Landeshauptmann noch in Rom verweilte, kündigte sein Stellvertreter, Christian Tommasini (PD), in Bozen an, das Land werde gegen das Stabilitätsgesetz seines Parteikollegen, Südtirolfreund Enrico Letta, vor dem Verfassungsgericht klagen, da es unsere Autonomie missachte.

Nationalismus Recht Staat vs Land Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus | | Arno Kompatscher Christian Tommasini Enrico Letta Graziano Delrio Matteo Renzi | | | PD&Co. SVP Verfassungsgericht | Deutsch

CLIL senza dati?

In un’intervista apparsa recentemente (30 maggio) sul quotidiano A. Adige, Carlo Costa, membro del PD, annuncia che la «scuola trilingue» sarà  un punto «irrinunciabile» dell’eventuale programma di coalizione da firmare con la SVP per la formazione del prossimo governo sudtirolese. Un partito che attualmente rappresenta meno del 10% dell’elettorato, dunque, si prepara a «dettare» condizioni sine qua non al partner di governo.

Come abbiamo espresso, in varie occasioni, le nostre forti perplessità  nei confronti della scuola plurilingue, se attuata nella cornice dello stato nazionale (e dunque senza disinnescare le tensioni «assimilatorie» fra maggioranza e minoranza), ma non sarà  questo l’oggetto del presente articolo.

Piuttosto, oltre un mese prima che apparisse l’intervista con Carlo Costa, in data 26 aprile, mi ero rivolto all’assessore Tommasini (anche lui PD) per sapere se vi fossero dati riguardanti i risultati delle sperimentazioni in CLIL (insegnamento integrato di lingua e contenuto, ovvero «immersione»). La ragione per la mia richiesta era, imprimis, la mancanza di dati generali sullo sviluppo delle conoscenze linguistiche degli alunni in Sudtirolo, constatata qui.

La risposta di Tommasini, telegrafica, fu:

Certo! Abbiamo i dati delle certificazioni linguistiche. Scrivi una mail alla sovrintendente che te li manda.

Ora, è chiaro che le certificazioni linguistiche, da sole, non possano fornire informazioni sufficienti per quanto riguarda lo sviluppo, l’evolversi delle conoscenze linguistiche nel tempo — ovvero una risposta alla domanda: ma i ragazzi che (oggi) frequentano una scuola plurilingue davvero hanno conoscenze linguistiche migliori di chi (magari cinque anni fa) frequentava una scuola a insegnamento linguistico «tradizionale»? E se sì, in qual misura? Quali sono i vantaggi e quali gli eventuali problemi?

Ovviamente una sperimentazione scolastica seria — tanto più in un ambito così sensibile per la nostra convivenza e per la tutela delle minoranze — dovrebbe essere in grado di fornire queste informazioni, assieme a molte altre, e a maggior ragione se dalla sperimentazione si vorrebbe passare all’implementazione del nuovo sistema in tutte le scuole. Premetto, a scanso di equivoci, che non ho mai messo in dubbio i vantaggi della metodologia CLIL a livello individuale, e che tutte le perplessità  da me espresse, riguardano invece esclusivamente la sfera collettiva.

Lo stesso 26 aprile mi sono rivolto alla sovrintendente scolastica, dott.ssa Minnei, come consigliatomi da Tommasini, specificando il tipo di informazione che mi sarebbe piaciuto avere:

Gentile dott.ssa Minnei,

l’assessore Christian Tommasini mi ha consigliato di rivolgermi a Lei per ricevere informazioni sulle sperimentazioni scolastiche di tipo “CLIL” e i relativi risultati. In particolare mi interesserebbe sapere se ci sono degli studi o comunque dei dati attendibili sui risultati effettivi raggiunti grazie al “CLIL” — ossia una comparativa fra il livello di tedesco raggiunto coi sistemi “sperimentali” e quello raggiunto con l’insegnamento “tradizionale” di L2.

Le informazioni mi servirebbero per la redazione di un articolo.

La ringrazio e porgo

cordiali saluti

Ed ecco la risposta, giuntami il 2 maggio, quindi oltre un mese fa:

Gentile dott. Constantini,

inoltro la sua richiesta alle dirigenti scolastiche Marina Degasperi e Mirca Passarella, rispettivamente a capo dell’Istituto Comprensivo Bolzano 5 e Bolzano 6.
Saranno certamente disponibili a collaborare con lei al reperimento/fornitura dei dati utili alla sua attività .

Cordiali saluti

La Sovrintendente Scolastica
dott.ssa Nicoletta Minnei

Non so esattamente da dove spunti quel titolo («dott.»), giacché (nonostante io sia laureato) non lo uso (quasi) mai, tantomeno in ambiti estranei al mio mestiere.

Ad ogni modo da quel momento non ho più avuto notizie circa la mia richiesta. Per un assessorato e un «sistema scuola» che si vanta dei risultati raggiunti grazie al CLIL — ripeto, dei quali io non dubito, ma dei quali vanno approfonditi alcuni aspetti potenzialmente problematici nel nostro contesto caratterizzato da equilibri molto sensibili — mi sembra un modo di informare molto chiuso, incapace di fornire un minimo riscontro oggettivo. Se il PD vuole davvero elevare l’immersione a dogma per qualsiasi futura partecipazione di governo, i dati relativi alle sperimentazioni dovrebbero venir resi pubblici in maniera assolutamente trasparente; e questo a prescindere dal fatto che le perplessità  sugli effetti «a livello collettivo» di una tale rivoluzione rimangano comunque intatte, a meno che non si opti per un modello assimmetrico.

Da parte mia tornerò a rivolgermi direttamente alle dirigenti scolastiche, sperando di ottenere qualche dato utile, e ovviamente terrò al corrente i lettori di .

Vedi anche:

Kohäsion+Inklusion Medien Plurilinguismo Politik Recherche Scola | CLIL/Immersion Zitać | Christian Tommasini | AA | Südtirol/o | PD&Co. | Italiano

Verkehrte Welt.

Der pazifistische Linkspolitiker oder der durchschnittliche Linksintellektuelle in Europa hegt meist eine gewisse Distanz bis Apathie zum Militarismus oder sieht das Militär zumindest nur als irgendwann vielleicht überwindbare Notwendigkeit an. Und je höher der Bildungsgrad, desto skeptischer steht man für gewöhnlich uniformiertem Gleichschritt gegenüber. Martialisches Machogehabe und Chauvinismus sind einem suspekt. Normalerweise. Denn das Alpini-Treffen in Bozen im vergangenen Jahr schuf eine verkehrte Welt.

“Auf die Alpini war der aufgeklärte [sic] italienische Südtiroler höchstens heimlich stolz, seit der Bozner Adunata durfte man auf deutsch- wie italienischsprachiger Seite ganz offen seine Sympathien erklären,” beobachtet Christine Helfer auf Salto.bz. Wie wahr! Vor wenigen Tagen ging die Adunata 2013 in Piacenza zu Ende. Dort schmückte sich der Landeshauptmannstellvertreter der “Mitte-links”-Partei PD, Christian Tommasini, für eine Photo-Op mit Alpinihut und der grüne (!?) Kammerabgeordnete Florian Kronbichler ließ sich von den Gebirgsjägern auszeichnen, da er – noch als Journalist – “mit intellektueller Redlichkeit den tieferen Sinn des Alpini-Festes herausgearbeitet habe.” Das heißt übersetzt: “Er hat kritiklos und wohlwollend im Sinne der Alpini berichtet.” Wer weiß; vielleicht geben schon bald Grünpolitiker “Gummi-Gummi” beim GTI-Treffen in Reifnitz am Wörthersee und fungieren PD-Exponenten als Juroren beim Wettmarschieren der Schützen. Alles scheint möglich angesichts obiger Kuriositäten.

alpini

Hans Heiss hat in seinem bemerkenswerten Vortrag “Zweierlei Federn” anlässlich der Adunata in Bozen Schützen und Alpini verglichen und dabei den wirklich “tieferen Sinn des Alpini-Festes” herausgearbeitet. Eine Gleichsetzung von Alpini und Schützen ist zwar nicht zielführend, ein Vergleich zwischen den beiden “Einheiten” kann bisweilen aber durchaus erhellend sein. Die Gleichsetzung ist deswegen nicht legitim, da die Alpini nach wie vor Teil der offiziellen Streitkräfte eines demokratischen Staates sind und somit sogar eine höhere moralische Verpflichtung allen gegenüber haben als die Schützen, die ein Privatverein sind. Letztere dürfen sich ideologisch positionieren und die Grenzen der Meinungsfreiheit ausloten. Streitkräfte dürfen das nicht. Dessen ungeachtet sind Heiss’ Ausführungen enorm treffsicher und zugleich entlarvend was Selbstbild und Geschichtsverständnis der Alpini betrifft.

Die Alpini verkörpern genau jenes Gesellschaftsbild (martialisch, patriarchal, hierarchisch), das in einem tirolerischen Kontext von oben erwähnten “Alpini-Sympathisanten” zumeist als rückwärtsgewandt und ewiggestrig bezeichnet wird. Hans Heiss stellt fest, dass “Schützen und Alpini […] mit ihren Aufmärschen bewusst und wirkungsvoll Territorien [besetzen], mehr noch – sie überschreiten absichtsvoll symbolische Grenzen, um mittels massiver Präsenz Fülle und Macht zu demonstrieren. […] Alpini-Adunate und Auftritte der Schützen marschieren […] den Weg zurück: In ihrer Formation wächst nicht die persönliche Verantwortung, hier wird nicht an die Fähigkeit zu individuellem Bürgersinn und Bürgermut appelliert, sondern die Gewissheit vermittelt, dass in der Unterordnung […] ein Gutteil allen Heils liegt.” Für eine zweifelhafte Appeasement-Haltung werden also ansonsten wie eine Monstranz vorangetragene Grundsätze über Bord geworfen. Südtiroler Intelligenzija und die linke Reichshälfte marschieren im Gleichschritt und stimmen in die Alpini-Huldigung mit ein. Als Rechtfertigung dient meist der Sager: “Die Alpini tun auch viel Gutes und haben sich in Bozen ordentlich aufgeführt.” Die Selbstverständlichkeit wird einfach zur herausragenden Tugend erhoben. “Ist es wirklich eine staunenswerte Großtat, wenn eine aus Steuermitteln finanzierte Truppeneinheit, eine mit öffentlichen Mitteln reich dotierte Vereinigung wie ANA eine anerkennenswerte, aber auch pflichtgemäße Leistung vollführt?” fragt sich daher auch Hans Heiss.

Ein weiteres, noch viel gravierenderes Manko der Alpini ist jedoch ihr anachronistisches Geschichtsverständnis. Wie der Teufel das Weihwasser scheuen für gewöhnlich Intellektuelle und Linkspolitiker zu Recht Organisationen, die auch nur im Verdacht von Geschichtsrevisionismus oder Nazi-Faschismus-Apologie stehen. Das Ulrichsbergtreffen wäre für Kronbichler, Tommasini und Co. wohl ein Tabu. Bei den Alpini wird eine Ausnahme gemacht.

Freilich sind die Alpini von heute nicht für die furchtbaren Verbrechen verantwortlich, die ihre Vorgänger begangen haben. Als offizieller Teil der Streitkräfte wären die Alpini jedoch zu einer modernen Erinnerungskultur und Geschichtsaufarbeitung – im Sinne der historischen, nicht der individuellen Verantwortung – verpflichtet. Diese ist aber nicht einmal in Ansätzen vorhanden. Stattdessen suhlt man sich im Opfermythos und negiert jedwede historische Schuld. “Der Blick auf eigene, oft genug sinnlose und durch falsche Unterordnung bewirkte Opfer müsste eigentlich dazu veranlassen, Traditionen in kritischer Schärfe zu durchleuchten. Das Gegenteil ist der Fall: Geschichte und Tradition entfalten eine legitimierende, ja sogar lähmende Macht, die alle Zweifel aus dem Weg räumt. Und in der Fixierung auf den eigenen Opferstatus verschwinden die eigene Verantwortung und Täterschaft”, bestätigt Hans Heiss den befremdlichen Umgang der Alpini mit ihrer Vergangenheit. Eine derartige Verweigerung müsste für gewöhnlich genügen, um Distanz zu halten oder wenigstens politischen und gesellschaftlichen Druck aufzubauen, aufdass die Alpini sich ihrer Verantwortung stellen. Stattdessen regiert nach wie vor das anachronistische und in einem europäischen Kontext befremdliche Geschichtsverständnis. Journalisten wie Kronbichler werden zu “Mittätern”. Sie üben sich im Ausbreiten des Mantels des Schweigens und im Verharmlosen. “Die Beteiligung von Alpinitruppen an kolonialen Expansionskriegen in Übersee […] wird bagatellisiert und flüchtig übergangen. Die aktive Teilnahme von Alpinisoldaten an den Mordbrennereien deutscher Gebirgsjäger in Griechenland, ihre systematische Vernichtung von Dörfern in Widerstandsgebieten […] ist dem Vergessen anheim gefallen. Die brutale Kälte eines Alpini-Generals wie Gastone Gambara, der am Balkan als Lagerkommandant zu traurigem Ruhm gelangt ist, bleibt unerwähnt. Und dass die Alpini in der Russlandkampagne […] energisch an Repression und Judenmord beteiligt waren, schwindet hinter ihrem Opferstatus”, fasst Heiss die unaufgearbeiteten Kriegsverbrechen zusammen. Kritiker und Mahner werden dann auch leicht zu Spielverderbern und Spaßbremsen, die eine gute Party nicht zu schätzen wissen.

Es ist abstoßend und beklemmend, wie im Zusammenhang mit den Alpini doppelte Standards angelegt werden. Das Ausblenden des zweifelhaften Umgangs mit der Vergangenheit, die Verklärung martialisch zur Schau getragener Männlichkeit in Oktoberfestatmosphäre und die Erhöhung der Selbstverständlichkeit zum herausragenden Merkmal sind Taktiken, die nicht in ein vereintes, demokratisches und gleichberechtigtes Europa passen. Die “Alpiniphilie” ist kein Beispiel für “convivenza” sondern eine bedenkliche Abkehr von modernen, weltoffenen Prinzipien zum Zwecke der Anbiederung.

Faschismen Geschichte Militär Nationalismus | Geschichtsaufarbeitung Zitać | Christian Tommasini Florian Kronbichler | Salto | | Alpini PD&Co. Schützen Vërc | Deutsch

Die Immersion ist da.

Wie aus einem Interview hervorgeht, das Landesrat Christian Tommasini (PD) dem Internetportal Salto gewährte, ist die Phase der mehrsprachigen Schulversuche so gut wie beendet. Jetzt befindet sich die Immersionsschule bereits im Regelbetrieb — und das, ohne, dass jemals eine breite gesellschaftliche Diskussion über das »ob« und das »wie« geführt worden wäre. Im Gegenteil: Die Einführung eines mehrsprachigen Schulmodells wurde bewusst unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit, offenbar ohne die Verfügbarkeit ausreichenden statistischen Materials und ohne Berücksichtigung der gesellschaftlichen Risiken umgesetzt. Dies zudem, während die absolute Mehrheit der Bevölkerung Parteien wählte, die die Beibehaltung des bisherigen Schulmodells in ihren Programmen hatten.

Dass die Immersion jetzt an »italienischen« Schulen eingeführt wurde, ist ein Trugschluss — denn weder sind die Schulen jetzt noch »italienisch«, noch gibt es (glücklicherweise!) irgendwelche Einschränkungen, dort Kinder anderer Muttersprache einzuschreiben. Schon deshalb gehören die Debatte über eine derart weitreichende Entwicklung sowie die diesbezüglichen Entscheidungen nicht nur in ein »italienisches« Schulamt oder allein in die Hände eines »italienischen« Landesrats: Das ist ein Thema, das ganz Südtirol betrifft, vor allem die Minderheiten vor ein Risiko stellt und deshalb auch von allen gemeinsam beschlossen und gestaltet werden muss.

Die Immersionsschule wurde nun in Südtirol — da vermeintlich an »italienischen« Schulen eingeführt — so kalibriert, dass ein großer Teil der Fächer in der nationalen »Lingua franca« unterrichtet wird, während Deutsch an zweiter und Englisch an dritter Stelle kommen. Das ist die genau entgegengesetzte Asymmetrie, wie sie in einem Nationalstaat erforderlich wäre, um mittelfristig ein Kippen der Sprachsituation zugunsten der Nationalsprache zu verhindern. Das einheitliche katalanische Immersionsschulmodell zum Beispiel, das auf eine ähnliche nationalstaatliche Konditionierung reagiert, ist stark asymmetrisch ausgerichtet — jedoch bewusst zugunsten der Minderheitensprache. Sprachwissenschaftliche Studien zeigen, dass die SchülerInnen anschließend etwa gleich gut Katalanisch und Kastilisch (Spanisch) sprechen. Zudem wird in Katalonien sehr viel Wert darauf gelegt, flankierende Maßnahmen zu ergreifen, die dem Katalanischen in der Öffentlichkeit (mindestens) die gleiche Würde zukommen lassen, wie der Staatssprache. All diese heiklen Aspekte werden in Südtirol nicht einmal thematisiert, geschweige denn zur Kenntnis genommen und berücksichtigt.

Im Gegenteil: Immer mehr verkommt die deutsche Sprache in zahlreichen Bereichen zur Fassadensprache. Ein Immersionsschulmodell, das zudem völlig falsch gewichtet ist, hat in einem solchen Umfeld die Sprengkraft, die Minderheiten endgültig zu assimilieren.

Auf die nötige Unterscheidung zwischen individueller und kollektiver (sprich: gesellschaftlicher) Ebene wurde bereits hingewiesen: Was für den Einzelnen von Vorteil ist, kann für eine Gesellschaft über kurz oder lang massive Probleme mit sich bringen. Deshalb hat stets gefordert, die mehrsprachige Schule nicht ohne Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen einzuführen.

Auch Assimilierung und Autoassimilierung sind natürlich völlig legitim (obgleich aus unserer Sicht nicht wünschenswert) — wenn dies von den Südtirolerinnen mehrheitlich gewünscht wird. Doch um eine bewusste Entscheidung in diese Richtung fällen zu können, müssen die BürgerInnen in eine breite gesellschaftliche Debatte einbezogen werden, wozu sämtliche Fakten und Argumente auf den Tisch zu legen sind. Schleichmanöver wie jene Tommasinis sind dazu nicht angetan.

Siehe auch:

Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Scola | CLIL/Immersion | Christian Tommasini | Salto | Catalunya Südtirol/o | PD&Co. | Deutsch

Il PD del monolinguismo a senso unico.

È davvero sconcertante: Intervistato dal quotidiano A. Adige, Christian Tommasini, vicepresidente sudtirolese ed esponente di spicco del PD, definisce «irricevibile e semplicemente assurda» la proposta avanzata dalla camera di commercio (e da sempre invocata anche da ) di parificare le lingue italiana e tedesca nella tutela dei consumatori. Il PD, partner di coalizione dell’SVP sia in Sudtirolo che a livello statale, si appropria di argomentazioni sovrapponibili a quelle dei postfascisti oltranzisti alla Alessandro Urzì.

Anche per Tommasini, dunque, è normale e ovvio che ci sia una lingua di serie A (l’italiano) e una di serie B (il tedesco), in barba allo statuto di autonomia, che viene invocato a larga voce solo quando a venire «danneggiata» è la lingua italiana. Due pesi e due misure, perché non va bene che ciò che questo stato da decenni impone ai cittadini di lingua tedesca, ovvero etichette nella sola «lingua nazionale unica», possa venire equilibrato dalla possibilità  di importare anche prodotti etichettati solo in lingua tedesca: evidentemente ci sono monolinguismi accettabili e altri no.

Attualmente, infatti, siamo nell’assurdissima situazione che sui prodotti etichettati solo in tedesco (madrelingua della maggioranza di cittadini) devono venire apposte etichette posticce in italiano, che — come dimostra il caso dei supermercati MPreis — spesso e volentieri per questioni di spazio vanno a coprire le informazioni in tedesco.

Questa è una situazione davvero ridicola e insostenibile per una terra bilingue, il che però — evidentemente — al PD, tanto votato (a parole) al plurilinguismo, non interessa. D’altronde, e lo avevamo già  scritto, il PD non ha mai chiesto bilinguismo e scuole plurilingui a Cortina, Col e Fodom, dove vige il monolinguismo italiano. Le scuole bilingui le invocano solo qui, dove il modello predominante è quello della scuola tedesca. Quindi, per il PD come per Urzì sembra che il bilinguismo sia unicamente un escamotage per rafforzare la presenza dell’italiano, e non, come dovrebbe essere, per creare parità  di diritti e una società  più aperta.

Il rifiuto del PD, ovviamente, è ben più significativo di quello di Urzì, perché significa che, nonostante gli accordi elettorali, ben difficilmente ci si potrebbe aspettare un sostegno in parlamento. Forse è il caso che la SVP rifletta sull’opportunità  di portarsi ancora in giunta un partner incapace di far suo lo spirito di eguaglianza, pari dignità  e diritti di tutti i cittadini sudtirolesi.

Ancora una volta, se questi sono gli «amici dell’autonomia», i suoi nemici possono dormire sonni tranquilli.

Vedi anche:

Discriminaziun Kohäsion+Inklusion Medien Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Verbraucherinnen | Produktetikettierung | Alessandro Urzì Christian Tommasini | AA | Südtirol/o | PD&Co. | Italiano

Stereotipi.
Quotation 74

[…] E mi auguro che i giovani, soprattutto italiani, costruiscano un nuovo rapporto fra la città e il territorio, così come spero che i sudtirolesi della periferia non urbana inizino a percepire Bolzano non come un corpo avulso all’interno del loro territorio (tra il bucolico e il tradizional-nostalgico), ma come il luogo delle funzioni di eccellenza e di ricchezza.

Dall’intervista col vicepresidente sudtirolese Christian Tommasini (PD), pubblicata ieri dal quotidiano ‘A. Adige’.

Lo stesso «ministro alla cultura italiana» potrebbe invero dare impulsi a un «nuovo rapporto fra la città  e il territorio» se mettesse da parte lo stereotipo (tanto diffuso quanto superato) del territorio «tra il bucolico e il tradizional-nostalgico» — magari non dimenticando di valorizzare le famose «eccellenze» del capoluogo, ché poco si notano.

Discriminaziun Kohäsion+Inklusion Medien Politik | Zitać | Christian Tommasini | AA | Südtirol/o | PD&Co. | Italiano