Die Trennung von Politik und Sport.

Übersetzt aus: Racó Català.

Wie oft haben wir gehört, man dürfe Politik und Sport nicht vermischen? Wir haben es aus dem Mund spanischer Sportautoritäten gehört, von der spanischen Regierung, Presse, Radio, dem spanischen Fernsehen, und auch von manchem — klar: spanischen — Sportler. Es heißt, dass die Verbindung von Sport und politischen Forderungen schädlich sei für den “guten Namen” des Sports. Es hieße nämlich “weiter zu gehen” als was Sport “sein soll”, nämlich “gesunder” Wettstreit, frei von politischen Interessen.

Wir sehen es dieser Tage mit den Olympischen Spielen von Peking. Die spanische Presse macht uns vor, was es heißt, Politik und Sport zu trennen. Es genügt, irgendeine spanische (z.B. Sport-) Zeitung durchzublättern oder deren Webseite aufzurufen, um zu verstehen, dass sie dort keinesfalls Politik und Sport vermischen. Wenn von “den Unseren” oder “unseren Medaillen” die Rede ist, wenn man während der Direktübertragungen das unverrottbare “po-de-mos” (wir können! wir schaffen’s!) oder das zweifelhafte und unsportliche “a por ellos!” (“holt sie euch!”) hört. Wir haben es während der Fußball-WM erlebt,  als die spanischen Kommentatoren während dem Finalspiel daran erinnerten, dass dieses Team “uns alle repräsentiert! Viva España!”. Wenn dies nicht Vermischung von Sport und Politik ist, was ist es dann?

Die Idee von “National”-Teams ist an und für sich bereits hochpolitisch. Die Olympischen Spiele sind im Grunde ein großer Wettbewerb der Nationen. Es gilt unter anderem die Flagge des Vaterlandes (welches Vaterlandes?) zu verteidigen, gegen jene anderer Vaterländer. Wenn sie davon sprechen, Politik und Sport zu trennen, widersprechen sie dem olympischen Selbstverständnis. Vertreter spanischer Verbände nehmen unter der spanischen Flagge teil, mit spanischen Fans die abermals spanische Flaggen zeigen. Politik und Sport? Soll man nicht vermischen. Sie sagen es für den Fall, dass irgendwo eine katalanische Auswahl teilnimmt. “Ihr vermischt politische Ziele und Sport!”. Sie tun es auch, aber dann ist es “gesund”.

Politik und Sport zu vermischen, das machen alle Länder dieser Welt. China hat zwar “politische” Veranstaltungen während der Olympischen Spiele verboten. Was bedeutet dies aber? Dass Spanien und die anderen Länder nicht unter ihrer Flagge teilnehmen oder “politisch” feiern dürfen? Nein, es bedeutet, dass “andere”, wie Tibet (aber auch Katalanen und Basken) nicht “außersportliche”, politische Veranstaltungen organisieren dürfen. Die anderen, die “Offiziellen”, sie dürfen.

Man darf Politik und Sport nicht vermischen, sagen die spanischen Medien. Die dann davon berichten, der spanische Golfspieler Sergio Garcà­a sei im US Open Dritter geworden, ohne zu erwähnen, wer denn Erster und Zweiter geworden sei. Wen interessiert das schon? Der Spanier ist Dritter, andere Informationen sind unwichtig. Eine spanische Sportzeitung zu öffnen, ihre Webseite zu lesen, bedeutet mit Politik überschwemmt zu werden. Ein Spanier ist 17. im Laufen, zwei Spanier sind im Schwimmfinale, Alonso ist achter nach dem freien Training — wer Erster ist, wird nicht erwähnt —, die à‘BA (!) denkt nur daran, olympisches Gold zu holen, ein Spanier ist Dritter beim Motorrad-GP, 250m³, auch hier erfährt man nicht, wer gewonnen hat. Vamos España! Gelbrote Flaggen überall, Feiern, Exaltierung spanischer Nationalsportlichkeit. Die Werbung stimmt ein in den Chor des “Spaniersein macht nicht stolz, es ist eine Verantwortung.”

Den Extremfall haben wir bei der Übertragung eines Champions-League-Spiels der vergangenen Saison erlebt, zwischen Chelsea und Liverpool. In Ermangelung “spanischer Vertreter” in diesem Match – zu wem sollten die spanischen Kommentatoren da halten? Natürlich zu Liverpool… weil dort zwei oder drei Spanier spielen. Hervorragend. Man ist außerstande einen Sport als reinen Sport zu genießen, jede Begegnung wird analysiert, bis irgendwie ein Vorteil für Spanien festgestellt werden kann. Wenn bei Liverpool drei Spanier spielen, muss man als Spanier zu Liverpool halten, damit klar ist: Spanien ist dabei.

Gute Beispiele hierfür sind auch die Formel 1 und die NBA. Wer hat in Spanien die Formel 1 verfolgt, bevor ein Spanier mit Gewinnchancen auftauchte? Niemand. Jetzt hingegen kennt jeder die Namen aller Rennställe, der Piloten und der Strecken. Wer hat die NBA verfolgt, bevor mit Gasol ein Spanier dort spielte? Als Pau bei den Grizzlies spielte, mussten wir uns alle Spiele dieser Mannschaft vorführen lassen, obwohl sie fast immer verlor. Plötzlich waren Tausende Spanier Grizzlies-Fans, “denn dort spielt ja ein Spanier!”. Und als er zu den Lakers wechselte, wechselten die Spanier ebenfalls zu den Lakers, kein Problem, man muss ja zu einem Spanier halten.

[…]

Das ist die Trennung von Politik und Sport. Es ist dasselbe, was der Präsident des spanischen Rollsportverbandes, Carlos Paniagua, während der Versammlung des internationalen Verbandes (FIRS) in Rom meinte, als es darum ging, ob man den katalanischen Hockeyverband anerkenne. Er sagte es mit dem spanischen Reisepass in der einen Hand: Dass nämlich “die vom katalanischen Verband” kein eigenes Team bilden dürften, denn sie hätten ja einen spanischen Pass. Politik und Sport soll man nicht vermischen, sagen sie auch.

Sie sagen es immer, aber was sie damit vermitteln wollen, ist dass wir es sind, die es nicht tun dürfen. “Vermischt nicht Sport und Politik”, unterstreichen sie, während sie jahrein, jahraus vom Stolz sprechen, das spanische Trikot zu tragen, das eigene Land zu vertreten. Den Gegnern rufen sie zu: “A por ellos!”. Klingt ja sehr sportlich, “a por ellos!”.

Was hatten die Titelseiten der spanischen Zeitungen am Tag nach dem EM-Finale in Wien gemeinsam? Genau: “Viva España!” stand dort. Politik und Sport soll man nicht vermischen, jetzt ist es klar!

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Post vom Finanzressort.

Im Zusammenhang mit den Bestrebungen der römischen Regierung, den Steuerföderalismus auf den Weg zu bringen, hat die Wirtschaftszeitung Il sole 24 ore neulich Daten veröffentlicht, wonach Südtirol nicht fit für die Steuerhoheit wäre. Dies angeblich, weil unser Land zur Zeit mehr Gelder erhält, als vor Ort Steuern eingetrieben werden.

Auf meine Aufforderung hin, diese Einschätzung zu kommentieren und die offizielle Haltung der Landesregierung zur Steuerhoheit zu erläutern, ist heute ein Schreiben von Herrn Dr. Werner Frick bei mir eingegangen. Darin bestreitet der Landesrat die Behauptungen der Mailänder Wirtschaftszeitung.

Insbesondere stellen wir immer fest, dass bei den Vergleichen zwischen den Regionen mit Spezialstatut und den anderen Regionen die völlig unterschiedlichen Kompetenzen bzw. finanziellen Verantwortlichkeiten unberücksichtigt bleiben.

Was den Steuerföderalismus betrifft, gibt es eine klare Zusage:

Das Land Südtirol möchte in Sachen Steuern mehr Verantwortung übernehmen. Wir sind aber nicht bereit, nur die Einhebung (Agenzia delle Entrate [Einnahmenagentur, Anm.]) zu tätigen, wenn wir nicht auch im Meritum des Steuerrechts Möglichkeiten der Gestaltung bekommen.

Die konkrete Basis für die zukünftige Diskussion wird nun das Gesetz über den “Steuerföderalismus” des Ministers Calderoli werden. Dort geht es nicht, auch nicht bezüglich der Regionen mit Spezialstatut, um eine Steuerhoheit im engeren Sinne. Eher ist damit zu rechnen, dass die Regionen mit Normalstatut (so wie wir das vom Konzept her schon haben) eine Beteiligung an den staatlichen Einnahmen erhalten, die den Basis-Leistungsstandard insbesondere im Bereich der Sanität und des Sozialen und eventuell auch Lokaltransport garantieren. Darüber hinaus wird wohl den Regionen eingeräumt werden, für den regionalen Anteil, auch die Hebesätze zu varieren und – finanziell in einem geringen Ausmaß – auch eigene Steuern einzuführen. Letzteres wird auch die Gemeinden betreffen.

Dr. Werner Frick
Landesrat

Siehe auch: |

Föderal+Regional Medien Politik Wirtschaft+Finanzen | | | | | SVP |

La autonomia per Brunetta…

da: noeles.info

A “Cortina Incontra” ai 27 de messel: coche n minister dessena su duc
n comentar de Riccardo Zanoner, vize-president dla Union Generela

Suzedù él enstadì a Cortina. L Minister Renato Brunetta,  pro na conferenza publica, endana che al dijova ju dl’autonomia dl Trentin-Südtirol, àl ciamò enjonté: «Non possiamo dare specialità e risorse per mettere i fiori e le fioriere ai balconi». (I ne podon nia reconesce spezialités y ressurses per mete ciofs sun i solés).

Al é bele da n trat encà che, per gauja dl’autonomia, nes végnel dit dutentourn de ester “privilejés”, che al é demé na chestion de dinés y che l stat, per gauja dl’autonomia, ti ret a nosta region deplù de cie che al scod alencontra de coutes. N mingol de retorica che vignitant zachei nes reversa ados a nos, sentadins dles regions autonomes, ence per ascone les colpes de n stat che se fej tres plu ert de funzioné, che porta melester tla jent, che à tres plu problems de organisazion aministrativa, burocratica y che ne é nia datant de ti jì do ai temps, de fé reformes y de se restruturé. Sen él al govern la “Lega Nord”, n partì che dij de volei mete en ester l federalism, i vedaron. Entratant n iade, plutost che vegnì a vedei y entene coche ala funzioneia nosta autonomia, che é belavisa n ejempl de sistem “federal” (olache apede ai dinés él samben competenzes, servisc, funzionament de enc, istituzions, organs y aparac publics con duc si cosć che autró mess vegnì paiés dal stat y che chilò enveze vegn paiés da la region y da les provinzies), végnei endere fora con dì che chilò adouren i dinés dl’autonomia per mete fora “fiori e fioriere ai balconi” (ciofs y lades de ciofs sun i solés).

Apede chisc fac, ajache i son tl 2008, y donca él tost 100 agn da la fin de la Gran Vera, me végnel en ment ence cieze autres robes. Enlaouta nosc vedli, do 4 agn de vera con dutes sies tribolazions, struscies y padimenc, à vedù desmendrì almanco dl mez l valour dla “corona austriaca”. Defat, canche al é sclopé fora la vera, sun la plaza de Zurich/Turic valova 1 na corona austriaca 1 na lira y 10 centeisems. Ai 15 de november dl 1918 à depierpul l general Pecori Giraldi, governadour dles “Terre redente”, stabilì tres na sia ordenanza l engiame de 40 centeisems per 1 na corona austriaca. Zachei se recorda ciamò che tl Trentin jìvei entourn a dì: “Trento redento al 40 per cento”. Chi é pa sté enlaouta l “privilej锝?
Al basta recordé che te chi medems agn la Franzia, che ova venciu` la vera contra la Germania y che ova ciafé retus i teritores dl’Alsazia y dla Lorena, à stabilì n engiame dla valuta al 100% dl medem valour dla moneida todescia, belavisa per daidé chela jent che ova padì dejajes y desdruzions entratant l temp de vera.

Ciamò apede: n mudl de jent che ova abù danns endana la vera ova porté dant sies ghiranzes, ti damanan a l’autorité militara, aldò de coche ai fova usés a fé sot a l’Austria en caje de calamités desche agajons, meldefuesc o de autres desgrazies, de podei avei n sostegn finanziar. I plovans enstesc racomanova de ester galantoms, y de fé na domanda senziera zenza fauzaries; emben enlaouta a Roma ài dezidù de assegné demé n contribut dl 30% sun i “danni accertati” (dans azertés), donca demé a chi che i volova. Endò “privilegs” chisc per la jent de nost raion?

Ie reconesce che anter les desposizions aministratives de nosta autonomia l stat talian ti dà de outa a nosta region i 9/10 (nuef-diejems) de coutes y tasses che al scod, ma al é pa tres dinés de nosta jent; donca él ressurses che vegn cà da nost teritore zenza ti robé nia a degugn. Dessegur che dl 1948, canche adum con les competenzes dl “Statut Spezial de Autonomia”, él vegnù metù en ester ence chesta sort de sistem finanziar, i 9 / 10 dles “meseries” dl Trentin – Südtirol ne ti enteressova nia al Stat talian. Encuei les robes é mudedes, y nosta Region y les provinzies con chest sistem à a la leta bendebot de ressurses, ma sce i son enscì él ence percie che nosta jent se à dé da fé. Ala à laoré, ala à sparagné, ala é bona de se aministré y sce a zachei ti destùrbel che chilò onse zeche plu che i autri, podonse ence ti recordé che, sce ala é ence enscila, fosc vuelel dì che la storia va do sie troi, l temp concia ite les loces, y encuei nes végnel demé retù cie che nes é vegnù tout dant 100 agn.

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Bankrotterklärung.

Wie die Neue Südtiroler Tageszeitung am vergangenen Freitag berichtete, will der Staat auf Kosten der Sicherheit sparen. Drei Milliarden Euro (3.000.000.000!) sollen in diesem sensiblen Bereich gekürzt werden, und das bei einer Polizei, die schon jetzt schlecht ausgerüstet und schlecht ausgebildet ist und deren Aufklärungsbilanz im internationalen Vergleich nicht gerade brilliert. Die Polizeigewerkschaften laufen natürlich Sturm gegen diese Maßnahmen.

Ich nehme an, man wird die Strafen für Bagatelle noch einmal verdoppeln und die Finger-, Knie- und Fußabdrücke aller bösen bösen Ausländerinnen erfassen müssen, um die noch einmal verringerte Polizeipräsenz zu kompensieren.

Im TAZ-Interview warnt Gewerkschaftsvorsitzender Michele Testa, dass in Südtirol außer der Sicherheit auch die — ohnehin schon labile — Mehrsprachigkeit des Dienstes ernsthaft gefährdet sei. Statt einer schrittweisen Verbesserung blicken wir bei der Polizei also auch in Sachen Sprachkompetenz und Bürgerinnennähe einer weiteren Verschlechterung entgegen.

Dabei war laut Tageszeitung vom 27.06.2008 erstmals ein Vorhaltungsprotokoll der Polizei vor dem Friedensrichter gelandet, weil die deutsche Übersetzung nichts mehr als eine unverständliche, dadaistische Aneinanderreihung von Wörtern war. Ein Präzedenzfall für »Alibiübersetzungen«, der verspricht, eine gängige Praktik zu unterbinden — und zweisprachige Beamtinnen unentbehrlich zu machen.

Ist das Land demnächst gezwungen, neben Straßen, Lehrerinnen, Bahn und Post auch die Polizei zu übernehmen, um akzeptable Mindeststandards zu gewährleisten? Und: Wie lange brauchen wir dann noch, uns den Bankrott eines Systems einzugestehen, das den Menschen funktionierende mehrsprachige Dienstleistungen nur in jenem Maße garantiert, wie wir sie dem Einflussbereich des Staates entziehen?

Gewerkschaften Medien Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Polizei Service Public Sicherheit Wirtschaft+Finanzen | | | TAZ | | |

Schaujustiz.

Italien droht immer mehr, sich zum Polizeistaat zu wandeln, und dies paradoxerweise, weil man nicht gewillt oder nicht fähig ist, minutiöse Vorbeugungs- und Kontrollarbeit zu leisten. Stattdessen wurden letzthin Strafen auch für kleine Vergehen dermaßen ins Unverhältnismäßige erhöht, dass der Spielraum für Willkür und Schikane zunimmt. Ein einziger Fauxpas kann Existenzen zerstören.

Zum Beispiel auf den Straßen: Anstatt im Alltag Präsenz zu zeigen und auch kleine Vergehen mit angemessenen Bußen zu ahnden (und so den BürgerInnen Rechtssicherheit zu geben) setzt man auf die Wirkung von Maßnahmen, die an Schaujustiz erinnern. Zwar hat man als AutofahrerIn beinahe die Gewissheit, bei Fehlverhalten nicht ertappt zu werden. Wird man jedoch trotzdem einmal erwischt, wird man öffentlich an den Pranger gestellt, drakonisch bestraft und an den Rand des Ruins getrieben. Das soll den anderen als Abschreckung dienen.

Dieses Prinzip findet neuerdings in immer mehr Bereichen Anwendung: Der Rechtsstaat lässt grüßen!

Dabei ist ja — der Vergleich ist bewusst überspitzt — statistisch erwiesen, dass selbst die Todesstrafe in den USA die Zahl der Verbrechen nicht beeinflusst. An einer seriösen Polizeiarbeit (Prävention und Ahndung) führt kein Weg vorbei.

Kontrastprogramm: Hohe Politik und schlagende Obrigkeit gehen schonmal straffrei aus.

Mobilität Politik Polizei Recht Repression | | | | Italy | | Deutsch

Auf diese Steine können wir bauen.

Vor wenigen Wochen hat das Wochenmagazin ff (Nr. 23 vom 6. Juni) eine »große Wahlumfrage« veröffentlicht, die im Lande breit kommentiert und diskutiert wurde. Das aus meiner Sicht eklatanteste Ergebnis ist dabei bis dato völlig untergegangen: Der Aussage »Südtirol sollte ein selbstständiger Staat werden wie das Kosovo« haben 11% der befragten italienischen Mitbürgerinnen [!] zugestimmt:

ff-Umfrage

Wie Norbert Dall’Ò im dazugehörenden Artikel selbst einräumt, kann man Umfrageergebnisse durch die Art der Fragestellung maßgeblich beeinflussen. In diesem Fall ist die Assoziation mit dem Kosovo einer zustimmenden Haltung der Befragten sicherlich nicht zuträglich. Es ist wohl anzunehmen, dass der Satz nach einer leichten Umformulierung (etwa: »Südtirol sollte ein selbständiger Staat werden« oder »Südtirol sollte ein selbständiger Staat wie Luxemburg werden«) für viele wesentlich attraktiver geklungen hätte — auch für deutschsprachige SüdtirolerInnen.

Zudem ist festzustellen, dass bisher nicht nur keine ausdrücklichen Anstrengungen unternommen worden sind, die »Italienerinnen« für die Unabhängigkeit zu gewinnen. Die meisten politischen Akteure, die diese Lösung heute anvisieren, vermitteln den italienischen Mitbürgerinnen eher den Eindruck, dass sie in einem selbständigen Südtirol nicht gerade willkommen wären.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ist es für mich mehr als nur erstaunlich, dass jede zehnte Italienerin, die mir im Alltag begegnet, einer Loslösung von Italien wohlgesinnt sein soll.

Dies stimmt mich zuversichtlich, dass das Engagement von für eine inklusive Form der Unabhängigkeit irgendwann zum Erfolg führen kann.

Kohäsion+Inklusion Medien Politik Selbstbestimmung Umfrage+Statistik | | Norbert Dall'Ò | ff | Kosovo Südtirol/o | | Deutsch