Ufìtziu de sa Limba Sarda.

Otzana.Ähnlich wie in Katalonien, wo die Oficines de Garanties Lingüístiques wahre Bastionen der Sprachpflege sind, wurden auch in Sardinien — von Region, Provinzen, Gemeinden — jeweils sogenannte Sprachbüros aus der Taufe gehoben. Sie haben die Aufgabe, private und öffentliche Betriebe im Gebrauch des landeseigenen Idioms — der Limba Sarda — zu unterstützen, beratende Tätigkeit auszuüben, und notfalls Ermahnungen auszusprechen, wenn Gesetze missachtet werden.

Seit Gründung des Ufìtziu de sa Limba Sarda in Nùgoro (ital. Nuoro) wurde etwa die zweisprachige öffentliche Beschilderung eingeführt, die Polizei zur Einhaltung ihrer Sprachverpflichtungen ermahnt oder eine großangelegte Sensibilisierung von Privatbetrieben (»Inoghe faeddamus in sardu«) durchgeführt, damit sie sich der sardischen Sprache bedienen.

Außerdem wurde eine Liste der sardischen Ortsnamen in der Provinz Nùgoro ausgearbeitet. Wie das Internetportal tempusnostru berichtet, haben daraufhin einige Kommunen italianisierte Bezeichnungen durch deren sardisches Pendant ersetzt. Im Bild: Ortstafel von Otzana (ital. Ottana).

Eine Einrichtung zur Pflege unserer Landessprachen hat es in Südtirol so nie gegeben: Vielleicht hat die Überzeugung, die deutsche Sprache erfreue sich — anders als die sardische, aber auch die ladinische Sprache! — bester Gesundheit, die bisherigen Landesregierungen dazu veranlasst, auf die Schaffung ähnlicher Institutionen zu verzichten. Ein überhebliches Versäumnis, das der Mehrsprachigkeit unseres Landes mittelfristig schaden könnte: Solche zentrale Anlaufstellen für Sprachbelange könnten auswärtige Firmen (Banken, Versicherungen, Pharmakonzerne, Vertriebsketten…), die in Südtirol tätig werden, mit einschlägigen Informationen speisen, den Gebrauch der drei Landessprachen — auch über gesetzliche Verpflichtungen hinaus und im Sinne des Konsumentenschutzes — fördern und mit geeigneten Maßnahmen (Sprach- und Fortbildungskursen, Übersetzungshilfen etc.) tatkräftig unterstützen. Außerdem könnten Sprachbüros über die Einhaltung der sprachlichen Verpflichtungen durch die Verwaltung wachen, oder Empfehlungen für neue gesetzliche Maßnahmen ausarbeiten und die entsprechenden Anstrengungen koordinieren. Aber noch wurde die Mehrsprachigkeit unseres Landes nicht als Wert entdeckt, den es — wie anderswo — entschieden zu pflegen gilt.

Siehe auch: [1]

Rechte für Nationen ohne Staat?

Mehrere schottische, katalanische, baskische, korsische und sardische Parteien wollen dem Europäischen Parlament demnächst einen Antrag vorlegen, wonach »Nationen ohne Staat« grundlegende Rechte zuerkannt werden sollen. Dies ist das Ergebnis eines Gipfeltreffens auf Korsika, den sogenannten »Internationalen Tagen von Corti«. Der Beschlussantrag soll dem Plenum im September mit dem Ziel vorgelegt werden, »vor dem Parlament das Recht der historischen Regionen ohne Staat zur Geltung zu bringen«.

Die Einbringer gehen davon aus, dass rund 30 Millionen BürgerInnen der EU unter einem »Demokratiedefizit« zu leiden haben, da sie nicht die Möglichkeit haben, ihren Status über die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts zu verändern. Drei Abgeordnete werden das Dokument verschiedener independentistischer und autonomistischer Parteien, die auf die Anerkennung und den Respekt der Selbstbestimmung setzen, dem Parlament präsentieren.

Bastiano Loneposti von »Sardigna Natzione« stellt fest, dass es zahlreiche Gemeinsamkeiten in diesem demokratischen Freiheitsansinnen unterschiedlicher Regionen gibt. Der Anführer von Corsica Nazione Independente (CNI), der wichtigsten korsischen Unabhängigkeitsbewegung und Gastgeber der Veranstaltung, versteht das Dokument auch als »Verhandlungsgrundlage« mit dem französischen Staat über die Zukunft Korsikas.

Quelle: racocatala.cat.

Schotten auf!

Schottland.In rund einer Woche will Premierminister Alex Salmond (SNP) dem schottischen Parlament in Holyrood erstmals seinen Vorschlag zur Einberufung eines Unabhängigkeitsreferendums vorlegen. Dies wird im Rahmen des 100-Tage-Programms seiner neuen Regierung geschehen, die sich eine Loslösung von Großbritannien auf die Fahnen geschrieben hat.

Alex Salmond hat dabei zugegeben, dass die zahlenmäßige Lage im schottischen Parlament eine große Überzeugungsarbeit nötig machen wird, da seinen Informationen zufolge »nur« 50 von 129 Abgeordneten für die Unabhängigkeit des Landes eintreten. Dagegen sind all jene, die Salmonds Engagement schon jetzt als reinen Zeitverlust abstempeln: Labour, Tories und Freie Demokraten. Salmond steht in Edinburgh einer Minderheitsregierung vor.

Dennoch hat er nicht vor, seine Ambitionen beiseite zu legen. Das Ziel des Premiers ist klar: Ein Dokument auf den Tisch zu bringen, das die Diskussion zu diesem Thema ins Rollen bringt und alle Parteien zwingt, sich für oder wider die Unabhängigkeit zu positionieren. Im Augenblick kann Salmond neben der SNP nur auf die Unterstützung der Grünen zählen. Andere Parteien machen ihre Unterstützung noch teilweise von der Lösung Sachpolitischer Themen abhängig.

Halbjahresdaten 1/07.

Halbjahresstatistik.

Besucherstatistiken sind zwar mitunter trocken wie Staub, für eine Plattform und ihre Teilnehmer jedoch (neben der Kommentarfrequenz) auch ein wichtiger Indikator für die Effektivität der hier stattfindenden Diskussion.

Während im Februar ein neuer Allzeithöchststand von 2554 Besuchern erreicht wurde, handelt es sich bei den Ergebnissen von Mai bis Juli* um eine glatte Verdreifachung im Jahresvergleich 2006/2007. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass in der Zwischenzeit die Zählkriterien entschieden verschärft wurden, um Mehrfachzählungen zu verhindern, kann man von einer drastischen Erhöhung der tatsächlichen Leserzahlen ausgehen.

Einige eingehende Links:

Voice from South Tyrol: Blogroll.
Bedarfshaltestelle: Artikel 1.

Carbogno: Links.
Noeles: Liams aconsiés.
Vajolet: Links.
Davus Blog: Artikel.
Südtirol Blog: Blogroll.
Vino al vino: Artikel.
Youonweb: Thread.

Nachtrag:

Spaghetti mit Knödel: Artikel.
Kronplatz Blog: Artikel.
Bedarfshaltestelle: Artikel 2.


*) Für die Monate Jänner bis April sind keine Vergleichsdaten verfügbar.

I aversars stern meses-verités.

aus: noeles.info

FAC STORICS VEGN TRAC FORA DAL CONTEST PER DOCUMENTÉ NA TALIANITÉ DI LADINS DA SOURAMONT

I aversars dl referndum da souramont aguza les ermes y ne scona nience con meses-verités. La contra-propaganda al referendum da souramont à bele metù man sun i sfueis beluneisc, ence con fac zarés fora da sie contest storich y adorés tendenziousamenter per sotrissé enzai sia “talianité” y fé dl referendum na confrontazion taliana-todescia. Te n articul sun l Gazzettino de enier, 19 de messel, ti végnel p.ej. recordé ai ampezans sciche ai se à batù per mantegnì l lingaz talian tla aministrazion y tla scola, dal 1511 inant, canche Ampez ruvova pro Tirol y l emperadour Massimilian ti confermova i privilegs de auto-aministrazion ai ampezans. Chest fat vegn valuté desche “gran proa de talianité” che an dess ti recordé ai joegn sen dant l referendum. Dal 1873 volova les autorités tiroleises sforzé su l lingaz todesch desche soul lingaz de ensegnament tles valedes ladines, enscì ence te Ampez, y scirmé fora de scola l ensegnament dl talian. Via n’Ampez sciche tla Val Badia y te Gherdeina se àn paré tant dassen enfin a che les autorités à messù fé conzescions. Al metova man da se fé sentì n nazionalism todesch agressif y da l’autra pert l iredentism talian. I ladins asmacés anterite. Ai se parova sciche ai ciafiova.

sfuei = Zeitung • adoré = verwenden • te = in • messel = Juli • canche = als, wann • desche = als • dant = vor • sforzé su = aufzwingen

Ence les opzions encherscioules dl 1939 dl acord Hitler-Mussolini vegn trates ca desche proa de talianité di ampezans. Na delegazion ampezana ti ova sourandé dl 1940 a Benito Mussolini a Roma les declarazions de 788 families ampezanes y de 17 imigredes per sotlignié la “talianité” dla valeda. Sce an ti ciala a chisc fac singolarmenter pòn veramenter les ouje enscì che al pèr che ala se trate de proes de talianité, ma la storia à n grum de autres plates che spliga les entravegnudes tl contest. Desche l storich Bepe Richebuono scriv, ova gran pert di 3335 ampezans, per podei resté te sia valeda, sotescrit enlaouta declarazions singoles, declaran che sie lingaz (ofizial) ne fova mai sté l todesch, ma l talian desche al fova ence efetivamenter tla aministrazion y te scola. Enscì ésen restés sconés da na propaganda aricioula desche p.ej. te Gherdeina. Te Ampez à demé 4% opté forapert. Che chestes declarazions fova plutost na vertola y nia na proa de talianité nes vegn confermé fosch sun blanch bele dl 1945 do la liberazion y la desfata dl nazism y dl fascism. L moviment politich pro-tiroleis “Zent Ladina Dolomites” à arjont pro lites democratiches dl 1946 ben16 sun 20 scagns tl consei de comun de Ampez. Ai ne volova nia demé la agregazion a la provinzia de Bulsan, ma sostegniva enfinamai la autodeterminazion per jì inaò sot a la Austria, donca te na direzion daldut contrara che chela de “talianité”.

traté ca = heranziehen • fosch = schwarz • arjont, von arjonje = erreichen

Per cie che reverda l lingaz de ensegnament te scola él sté svilups valifs tla Val Badia y te Gherdeina. La stritaria per la scola é juda ite tla storia desche “Enneberger Schulstreit” che à duré agn alalongia. Sceben che i ladins vegniva cumpedés tl vedl Tirol pro l grup linguistich talian , volova les autorités ti sforzé su a ries dal 1873 scoles blot todesces. I prevesc, sostegnus dai peresc de familia, se damanova che al vegnissa ence ensegné tl lingaz talian, perauter enlaouta y en pert encuei lingaz de gliejia. Bele enlaouta fòvel na sort de scola paritetica taliana-todescia. Chesta ostinazion de volei mantegnì l ensegnament dl lingaz talian ne ova endere nia da fé con n sentiment de talianité desche al nes vegn tamben confermé n pue plu tert y dantaldut dal 1905 inant con la nasciuda dla pruma union ladina a Desproch, ma de arvene contra tendenzes de todeschisazion dles valedes ladines y per rejons pratiches de vita da vigni dì tla comunicazion con i vejins talians.

reverda = betrifft • stritaria = Streit, Auseinandersetzung • agn = Jahre • sceben = obschon • cumpedé = zählen • enlaouta = damals • gliejia = Kirche • tamben = auch • vigni = jede/s/r • vejin = Nachbar

Chest atejament é dret carateristich tla storia di ladins. Canche i talians volova ti sité ai ladins se arvejinòven deplù ai todesc y fajova declamazions de fedelté a Tirol y a la Austria, canche i todesc volova ti sité ai ladins y ti sforzé su valch che ai ne volova nia, desche l lingaz todesch desche soul lingaz de scola tl secul passé, spo vegnìvel fat oposizion dl auter vers y an ghirova con insistenza l talian, che la jent entenova miec te gliejia y tles ores de catechism, olàche al vegniva adoré tradizionalmenter libri talians. Chesta confrontazion à ence condut bel plan a na coscienza tres plu clera de ladinité. Tl 19eisem secul él vegnù a lum les prumes publicazions ladines, catechisms y d’autra leteratura religiousa. An ova na identité clermenter nia-taliana y nia-todescia te dutes les valedes ladines. Cie che manciova endere fova n lingaz scrit unitar reconesciù a la per dl talian y todesch. Micurà de Rü ova fat bele dl 1833 n tentatif che é endere romagnù manoscrit tla calonia de La Pli, ma n valgugn prevesc l à tres endò tout ca desche ejempl desche an veid ti svilups dla ortografia ladina. Donca tl contest é chestes declamazions da una y da l’autra pert plu che auter da interpreté desche na afermazion desche grup etnich ladin.

ghiré = verlangen • vegní a lum = ans Licht kommen

AuSStellung.

Wie das Kulturzentrum Grand Hotel Toblach mitteilt, wird dort vom 17. August bis zum 23. September eine Ausstellung zu einem bislang nicht sehr bekannten Kapitel Südtiroler Geschichte stattfinden:

[Die Ausstellung] trägt den Titel “Rückkehr ins Leben – SS-Geiseln am Pragser Wildsee”. [Darin] dokumentiert der deutsche Journalist und Schriftsteller Hans-Günter Richardi erstmalig den Transport von prominenten Sippen- und Sonderhäftlingen aus deutschen Konzentrationslagern nach Südtirol. Die 139 Gefangenen aus siebzehn Ländern Europas wurden noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges als Geiseln der SS in die “Alpenfestung”, die als Rückzugsgebiet der SS geplant war, verschleppt. Dort sollten sie dem Chef des Reichssicherheitshauptamtes, SS-Obergruppenführer und General der Polizei Dr. Ernst Kaltenbrunner, als Faustpfand für Verhandlungen mit den Westalliierten zur Verfügung stehen.

Unter den Internierten befanden sich der ehemalige österreichische Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg mit Frau und Tochter, der frühere französische Ministerpräsident Léon Blum mit Frau, der ehemalige ungarische Ministerpräsident Miklós von Kálley, der Oberbefehlshaber des griechischen Heeres, General Alexandros Papagos, mit seinem gesamten Generalstab, der französische Bischof von Clermont-Ferrand, Gabriel Piguet, der ehemalige Generalstabschef des deutschen Heeres, Generaloberst Franz Halder, mit Frau, der frühere deutsche Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister Dr. Hjalmar Schacht sowie Familienangehörige des Obersten Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 das Attentat auf Adolf Hitler verübt hatte.

Die Gefangenen wurden im April 1945 aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Flossenbürg im KZ Dachau zusammengezogen und dann von einem Sonderkommando der SS und des SD (Abkürzung für “Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS”) über das Arbeitserziehungslager Reichenau nach Niederdorf im Hochpustertal gebracht. Am 30. April 1945 wurden sie dort von Soldaten der Deutschen Wehrmacht unter dem Kommando des Hauptmanns Wichard von Alvensleben aus der Gewalt der SS befreit. Die Wehrmacht übernahm den Schutz der Häftlinge und brachte sie ins Hotel “Pragser Wildsee”, das den Gefangenen eine sichere Bleibe bot, bis dort am 4. Mai 1945 amerikanische Soldaten eintrafen und die Befreiten übernahmen. In zwei Transporten, die am 8. und am 10. Mai 1945 aufbrachen, gelangten dann die Prominenten über Verona und Neapel nach Capri, wo ihre Odyssee durch halb Europa schließlich endete.

Die Ausstellung “Rückkehr ins Leben” wurde bereits gezeigt in Niederdorf, München, Dachau, Innsbruck, Brixen, Berlin und im Südtiroler Landesmuseum im Schloss Tirol. Am 22. Juli wird die deutsch-englische Fassung in Rastenburg in Polen eröffnet, wo sich Hitlers Hauptquartier befand. Weitere Stationen in Italien sind nach Toblach Fondi und Triest.

Zur Person des Ausstellungsmachers: Hans-Günter Richardi, geboren in Berlin, war mehr als dreißig Jahre lang als Redakteur der “Süddeutschen Zeitung” in München tätig. Als Schriftsteller arbeitet er auf zeitgeschichtlichem Gebiet. In seinen Büchern beschäftigt er sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus. In “Schule der Gewalt” beschreibt er die Anfänge des Konzentrationslagers Dachau, in “Hitler und seine Hintermänner” setzt er sich mit der Frühgeschichte der NSDAP auseinander, und in “Bomber über München” befasst er sich mit dem Luftkrieg in den Jahren von 1939 bis 1945 am Beispiel der “Hauptstadt der Bewegung”. Richardi verfasste auch den “Dachauer Zeitgeschichtsführer”, der eingehend über die Geschichte der Stadt und des Konzentrationslagers Dachau im Dritten Reich unterrichtet. Über den Geiseltransport schrieb er zwei Bücher: “SS-Geiseln in der Alpenfestung” (erschienen in der Edition Raetia in Bozen) und “SS-Geiseln am Pragser Wildsee” (herausgegeben vom “ZeitgeschichtsArchiv Pragser Wildsee” in Prags).

Für seine Forschungsarbeit wurde Richardi mehrfach ausgezeichnet. Er ist unter anderem Träger der Verdienstmedaille des “Internationalen Dachau-Komitees” und der Bürgermedaille der Stadt Dachau sowie Ehrenmitglied der “Lagergemeinschaft Dachau”.

Amisc dla Ladinia: Freunde Ladiniens.

Von der Redaktion des ladinischen Internetportals Noeles habe ich heute — mit der Bitte um Veröffentlichung — folgenden Aufruf erhalten. Ein Wunsch, dem ich sehr gerne und mit persönlicher Überzeugung nachkomme:

Am 28. Oktober 2007 werden die ladinischen Gemeinden Ampez, Col u. Buchenstein eine Volksbefragung über die Angliederung an Südtirol abhalten. Dies ist zweifelsohne ein historisches Ereignis. Eine Wiedervereinigung Ladiniens innerhalb der historischen Grenzen Tirols nach der mehr als 80jährigen, von den Faschisten gewollten Dreiteilung, ist für das Weiterbestehen unserer Minderheit von entscheidender Bedeutung.

Aus diesem Grunde ist das überparteiliche Komitee „Amisc dla Ladinia Unida“ gegründet worden, das sich aus Leuten aus allen ladinischen Tälern sowie aus der Umgebung zusammensetzt.

Unser Ziel ist die volle Unterstützung des Referendums zur Angliederung der oben genannten Gemeinden an Südtirol.

Wir möchten deswegen:

  • die Kontakte zwischen den ladinischen Tälern ausbauen und intensivieren;
  • die bestmögliche objektive Information betreffend Volksbefragung, Perspektiven und Erwartungen einer Angliederung an Südtirol den Einwohnern der oben genannten Gemeinden zukommen lassen, da wie wir festgestellt haben, eine totale Desinformation und deshalb unweigerlich eine große Unsicherheit herrscht;
  • Kontakte zu allen politischen Parteien, deren Mitgliedern, und zu kulturellen Vereinigungen herstellen, um Unterstützung und Mitarbeit für die Umsetzung unserer Ziele zu erreichen.

Wir hoffen, dass auch Sie ein(e) Freund(in) Ladiniens“ sind und würden uns sehr freuen, wenn wir auf Ihre Unterstützung, auch in Ihrem Wirkungskreis, für das Wohl unserer Minderheit zählen könnten. Ebenso würden wir uns freuen, wenn Sie Ihre Unterstützung für unser gemeinsames Anliegen auf der Internetseite www.amiscdlaladinia.info öffentlich kundtun würden.

Herzlichen Dank.

Dr. Marco Pizzinini

P.S.: falls Sie uns in diesem historischen Moment auch finanziell unterstützen möchten, wäre es für uns eine große Hilfe. Zu diesem Zwecke ist ein eigenes Konto, lautend auf „Comité Amisc dla Ladinia Unida“ bei der Raiffeisenkasse Gadertal, Filiale St. Vigil, ABI 08010, CAB 58550, C/C 000305021596, IBAN IT 80, eröffnet. Auch dafür ein herzliches Dankeschön

Coordinadour:
Dr. Marco Pizzinini – str. C. Lanz, 39
I-39030 Al Plan de Mareo

Ungleichung.

Europaweit die Kräfte von Regionen mit ähnlichen Ansprüchen nach mehr Eigenregierung zu bündeln kann durchaus sinnvoll, ja notwendig sein, wenn man in der Union Ergebnisse erzielen möchte. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass gerade die Regionen sehr heterogen sind und sich beileibe nicht über einen Kamm scheren lassen.

Catalonia is not Spain.Catalonia is not Spain.
Catalonia is not Spain.Catalonia is not Spain.

Diesen Fehler hat die Süd-Tiroler Freiheit begangen, als sie mit ihrem grundsätzlich durchaus teilbaren Slogan »Südtirol ist nicht Italien« an die Öffentlichkeit gegangen ist, den sie offenbar aus Katalonien entlehnt hat. Südtirol kann zwar von den Katalanen sehr viel lernen, wie auch dieses Blog regelmäßig aufzeigt, wir dürfen uns aber deshalb noch lange keine Kurzschlüsse und Abkürzungen erlauben. Mal ganz abgesehen davon, dass es sich dort beim Slogan »Catalonia is not Spain« um eine gesellschaftliche Äußerung handelt, während sie sich hier eine politische Bewegung zueigen gemacht hat, gibt es auch einige grundsätzliche Unterschiede:

Mitunter aufgrund einer völlig anderen Ausgangslage (z.B.: die katalanische und die kastilische Sprache gleichen sich wesentlich mehr als Deutsch und Italienisch) konnte in Katalonien in der kurzen Zeit seit Ende der Franco-Ära ein gesellschaftlicher Zusammenhalt (»cohesió«) erzielt werden, der stets im Mittelpunkt der dortigen Autonomiepolitik war. Das heißt, dass es nicht getrennte Schulsysteme gibt, sondern ein einheitlich katalanisches, mit dem sich auch die Kastilier im Lande stark identifizieren. Zugewanderte werden in die katalanische Sprache eingeführt und in eine Gesellschaft integriert. Auch sonst gibt es im Land keine wahrnehmbaren Spaltungen; Parteien, die die Autonomie auch nur einschränken wollen, sind im »Parlament«, dem katalanischen Landtag, reine Randerscheinungen. Die überwältigende Mehrheit der Bürger aller Muttersprachen wünscht sich eine noch wesentlich stärkere Eigenregierung bis hin zur Schaffung eines unabhängigen Staates. Und dies, obschon die anteilsmäßige Anzahl an »Spaniern« in Katalonien wesentlich höher ist, als die der Italiener in Südtirol.

Aus ebenfalls historisch nachvollziehbaren Gründen gibt es in unserem Land dagegen eine innere Spaltung, die durch die mehr oder minder gegebene Notwendigkeit getrennter Schulsysteme, des Proporzes, getrennter Vereine und Kinos entstanden ist. Dies ist der Grund, weshalb der selbe Slogan (»Südtirol ist nicht Italien« analog zu »Catalonia is not Spain«) hierzulande eine gänzlich andere Wirkung erzielt als in Katalonien: Während es sich dort um eine gemeinsame Mitteilung aller Bürger an Vorbeikommende, Touristen und äußere Beobachter handelt, man fühle sich nicht als Teil Spaniens und verfolge (auch) daher ein stärkeres Maß an internationaler Anerkennung, reißt der Slogan hier bei uns tiefe Gräben quer durch die Gesellschaft. Es handelt sich nicht in erster Linie um eine Mitteilung für Außenstehende, sondern um eine innere Reviermarkierung, die als trennend und belastend aufgefasst wird. Ein italienischsprachiger Südtiroler wertet den – nicht zufällig nur auf Deutsch abgedruckten – Satz als eine Aggression, und nicht als eine Verteidigung auch seiner Unabhängigkeit und Interessen gegenüber staatlichem Zentralismus.

Daher ergeht an dieser Stelle eine klare Aufforderung an die Süd-Tiroler Freiheit – so sie tatsächlich die Freiheit Südtirols verfolgt – sie möge sich zuerst für die soziale Kohäsion einsetzen, dafür, dass sich Menschen aller Sprachgruppen in diesem Land gemeinsam wohlfühlen. Davor wird es nicht nur keine Unabhängigkeit geben, sie hätte zudem auch keinen Sinn!

Nicht zuletzt hat die Süd-Tiroler Freiheit mit dieser Aktion sogar ihrer eigenen Kausa einen Bärendienst erwiesen: Bei einer großen Anzahl Plakaten wurde das Wort »NICHT« bereits weiß übermalt, was bei Touristen nicht gerade die gewünschte Wirkung erzielen wird.

Siehe auch: Neither Italy. Nor Austria.