RSI kommt.

Die Landesregierung hatte die Landesrundfunkanstalt RAS kürzlich damit beauftragt, die Ausstrahlung von ORF1 und ORF2 HD, Arte, BBC one und SRG HD Suisse ins Programm zu übernehmen. Einige freigebliebene Frequenzen müssen nämlich baldestmöglich besetzt werden, da sie vom Staat andernfalls an andere vergeben werden. Da mit BBC aus rechtlichen und mit SRG HD aus technischen Gründen keine Zusammenarbeit zustandegekommen ist, hat sich die Landesregierung in ihrer heutigen Sitzung auf zwei neue Sender festgelegt. Es handelt sich um 3Sat und um das erste italienische Programm La1 des Schweizer Fernsehens (RSI – Radiotelevisione della Svizzera Italiana).

Letztere Entscheidung begrüße ich ganz besonders, da sie den italienischen Sehern einen neuen, externen Blick auf das internationale und italienische Geschehen bietet, während den Südtirolern aller Sprachgruppen die Realität der Schweiz als mehrsprachiges Land verdeutlicht wird. Außerdem ist es ein indirekter Beitrag dazu, die Zugehörigkeit zum italienischen Kulturraum nicht zwingend als Zugehörigkeit zum italienischen Staat zu verstehen.

Aus ganz ähnlichen Überlegungen hatte ich (hier) bereits vor über drei Jahren dafür plädiert, den italienischen Rundfunk der Schweiz nach Südtirol zu holen.

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Sprachgesetz gerichtlich bestätigt.

Dem katalanischen Unternehmer Manuel Nevot war 2006 von der Agència Catalana de Consum (ACC) eine Strafe in Höhe von 400 Euro ausgestellt worden, weil er die Aufschriften seines Immobilienbüros nicht »zumindest auf Katalanisch« angebracht hatte, wie das dortige Sprachgesetz vorschreibt. Außerdem waren die amtlichen Beschwerdehefte* nur auf Spanisch verfügbar. ACC verfügte die sofortige Herstellung der Legalität.

Der Unternehmer argumentierte jedoch, er habe beruflich vor allem mit Spaniern aus anderen Regionen zu tun und weigerte sich, der Aufforderung von ACC nachzukommen. Er ging gerichtlich gegen die Auflagen und gegen das Sprachgesetz insgesamt vor, welches seiner Auffassung nach »die Freiheit der physischen und juristischen Personen einschränkt, sich einer beliebigen Sprache zu bedienen«. Das Gericht jedoch bestätigte jetzt die Auflagen sowie das Sprachgesetz in allen Punkten, indem es ausdrücklich feststellte, dass »mit der Strafe nicht der Gebrauch der spanischen Sprache, sondern das Fehlen des Katalanischen sanktioniert wurde« und dass das Sprachgesetz »die freie Sprachwahl des Einzelnen nicht schwächt, sondern stärkt«. Mit dieser letzten Argumentation bestätigte das Gericht die Generalitat [w], welche die Sprachrechte der Bürger- und der Konsumentinnen stets über die der Unternehmen und Behörden stellt.

Siehe auch:

*) In Spanien ist jeder Betrieb verpflichtet, fortlaufend nummerierte Beschwerdehefte zu führen, die in regelmäßigen Abständen den Behörden vorzuweisen sind. Darin können Konsumentinnen ihre Reklamationen eintragen.

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Bozen ehrt den Nazi-Widerstand.

Vor wenigen Wochen hatte ich die Gemeinde Bozen kritisiert, weil sie den Alpini und somit einer kontroversen Militärabteilung einen Teil der städtischen Wassermauer gewidmet hatte. Nun darf ich die Verwaltung aufgrund der erfreulichen Tatsache erwähnen, dass sie gleich mehrere Schritte zum symbolischen Gedenken an den Nazi-Widerstand beschlossen hat:

Ehrenbürgerschaft für Josef Mayr-Nusser. Der junge Bozner hatte sich geweigert, den Führereid zu leisten und wurde deshalb zum Tode verurteilt. Er starb noch 1945 auf dem Weg in das Konzentrationslager von Dachau. Nachdem ihm in der Landeshauptstadt bereits eine Straße gewidmet ist, wird Mayr Nusser rund 100 Jahre nach seiner Geburt die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Ehrenbürgerschaft für Franz Thaler, dem lebenden Symbol des Südtiroler Widerstandes. Der Sarner floh nach seiner Einberufung zur Wehrmacht und landete deshalb als Deserteur im Konzentrationslager. Erst nach dem Weltkrieg kehrte er in seine Heimat zurück, wo er zunächst von Teilen der Bevölkerung als Verräter behandelt wurde.

Platzbenennung nach Hans und Sophie Scholl. Der Platz zwischen Rom- und Trientstraße soll den Namen der Geschwister erhalten, die sich als wichtige Mitglieder der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« verdient gemacht haben.

Nur die faschistischen Gemeinderäte von Unitalia stimmten den Ehrenbürgerschaften aus zweifelhaften formalen Gründen nicht zu.

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Ladinischer Fahrplan kommt.

Die von der Brennerbasisdemokratie mit Nachdruck geforderten ladinischen Fahrpläne werden ab Sommer 2010 Wirklichkeit. Dies hat mir ein Mitarbeiter des Südtiroler Mobilitätsressorts heute bestätigt. Allerdings wird es sich dabei lediglich um ein Heft mit dem binnenladinischen Bezirksfahrplan handeln, der alle Buslinien in Val Badia und Gherdëina zusammenfasst:

  • Das Heft ist nicht dreisprachig (L/D/I) sondern einsprachig Ladinisch…
  • …bzw. zweisprachig Grödnerisch/Gadertalisch, denn die Haltestellen werden im jeweiligen Talidiom benannt, talübergreifende Verbindungen werden beide Bezeichnungen (z.B. Jëuf de Frara/Jouf de Frea für Grödner Joch) führen.
  • Im ladinischen Heft berücksichtigte Bahnverbindungen des Puster- und Eisacktals werden dagegen auch weiterhin nur auf Deutsch und Italienisch angeführt werden.
  • Ladinische Busverbindungen, die in den Fahrplanheften des Puster- und Eisacktals berücksichtigt werden, bleiben wie bisher zweisprachig Deutsch/Italienisch.

Daraus ergeben sich folgende Bewertungen:

  • Grundsätzlich begrüßt die Brennerbasisdemokratie die Veröffentlichung ladinischer Fahrpläne. Besser spät als nie.
  • Erstmals wird es einen einheitlichen ladinischen Fahrplan geben, Val Badia und Gherdëina bleiben nicht auf Eisack- und Pustertal aufgeteilt.
  • Die ladinischen Idiome werden vom Land auch weiterhin gegeneinander ausgespielt — sogar in der Toponomastik, wo sinnvollerweise die Ortsnamen nur in der jeweiligen offiziellen Variante gebraucht werden sollten. Es wird streng genommen ein zweisprachiges (Grödnerisch/Gadertalisch) und nicht ein einsprachig ladinisches Heft.
  • Ladinische Exonyme in den Fahrplänen außerhalb Ladiniens bleiben Tabu, während gleichzeitig deutsche und italienische Exonyme innerhalb Ladiniens zur Anwendung kommen.
  • Es bleibt zu überprüfen, wie die Aushänge an den Bushaltestellen gestaltet werden, ob und inwiefern die ladinische Sprache auch dort und im Online-Fahrplan berücksichtigt wird.

Insgesamt ein (längst überfälliger) Schritt in die richtige Richtung, meiner Einschätzung nach aber noch immer zu kleine Brötchen für ein mehrsprachiges Land wie dem unseren. Man wird den Eindruck nicht los, dass Fahrgäste außerhalb der ladinischen Täler sowie möglicherweise »Gäste« auch in Ladinien selbst so wenig wie möglich mit dem Ladinischen »belästigt« werden sollen.

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Statistischer Jahresrückblick 2009.

Das soeben abgelaufene war wieder ein Erfolgsjahr für die Besuchszahlen von : Im ersten Halbjahr wurde mit März (4141 Besucherinnen) ein neuer Allzeitrekord verzeichnet — der im zweiten Semester auch schon wieder vier Mal übertroffen wurde. Oktober ist mit 4982 Einzelbesucherinnen der beste Monat seit Aufzeichnungsbeginn. Selbstverständlich ist 2009 mit den neuen Höchstwerten und einem Zuwachs von +17,3% gegenüber 2008 auch das bislang besucherstärkste Jahr:

Statistik 2006-2009.

Seit Mitte Oktober habe ich parallel zur gewohnten Zählfunktion Google Analytics aktiviert, was in Hinkunft eine bessere Vergleichbarkeit der Daten gestatten soll.

Für das gestiegene Interesse und die vielen regen Diskussionen danke ich den Leserinnen — und wünsche alles Beste im neuen Jahr!

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Vodafone wirbt auf Deutsch.

Vodafone nimmt auf die Mehrsprachigkeit unseres Landes Rücksicht und wirbt — nicht zum ersten Mal — auch auf Deutsch. Wie hier in der Vorweihnachtszeit am Bozner Hauptbahnhof.

Vodafone-Werbung Bozen.

Freilich bleiben Informationsprospekte und Tarifinformationen, Hotline und Anrufbeantworter, Installationsanleitungen und vieles mehr — einschließlich der Beschriftungen und der Beratung im Shop am Waltherplatz — einsprachig italienisch. Eine wirklich zufriedenstellende Situation ließe sich nur mit einem gezielten Konsumentinnenschutzgesetz herbeiführen.

Dennoch: Ein erfreulicher Schritt.

Siehe auch:

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Zuwanderer für die Unabhängigkeit.

Dutzende von Zuwanderervereinigungen haben im Vorfeld der Unabhängigkeitsbefragungen in Katalonien ihre Zustimmung zum Ausdruck gebracht. In einer eigens einberufenen Versammlung haben sie den Organisatoren der selbstverwalteten Referenda sowie der Presse ihre Unterstützung angekündigt. Gemäß einem Manifest, das diese Vereine verfasst haben, erlebe Katalonien seit 300 Jahren eine beklemmende Situation, in der den Bürgern die Selbstbestimmung verweigert wird.

Zuwanderer 13D.Laut Mbaye Gaye »hat uns Katalonien aufgenommen. Wir werden Katalonien in seiner Bestrebung unterstützen, die Eigenstaatlichkeit zu erlangen«. El-Hassane Jeffali ruft die Immigranten dazu auf, an den Abstimmungen teilzunehmen. Der Senegalese Omar Diana hat einen gewagten Vergleich zwischen Afrika und Katalonien hergestellt — in beiden Fällen handle es sich um Kolonialgebiete. Diego Arcos vom Casal Argentì (Argentiniervereinigung) begründet die Unterstützung seiner Vereinigung damit, dass sich das Land in einem ähnlichen Prozess wie damals Argentinien befinde, als es seine Abhängigkeit von Spanien über Bord warf. Ahmed Benallal stellte in den Vordergrund, dass die Abstimmungen eine Gelegenheit sind, »die uns Katalonien im Unterschied zum spanischen Staat und zu unseren Ursprungsländern bietet, und die wir gerne annehmen«.

Die Vereinigungen wurden vertreten von Clà udia Videla (Espai Latino), Jorge Cruz (Präsident von Casa Mendoza in Spanien), Èric Bertran (Präsident Nous Catalans Joves, Neue Junge Katalanen), Ahmed Benallal (Präsident Llum del Nord, Nordlicht), Abdelhak Elhaddouti (Kollektiv Amazic), Guillermo Anibal Morini (argentinischer Zuwanderer und Bürger von Arenys de Munt), Mbaye Gaye (Col·lectiu Senegalès de Catalunya und Mitglied von Nous Catalans, Neue Katalanen), Omar Diatta (Col·lectiu Senegalès de Catalunya), Oscar Carral Arriguchi (Asylant und Mitglied von Col·lectiu migrants del Vallès), Diego Arcos (Präsident des Col·lectiu Argentì), Mohamed Iqbal (Comunitat Pakistanesa, Pakistanische Vereinigung), Javed Illyas (Comunitat Pakistanesa), Flavio Carvalho (Comunitat Brasileira de Catalunya, Brasilianische Vereinigung) und Pedro Morón de la Fuente (Els altres Andalusos, Die anderen Andalusier und Catalònia Acord).

Quelle: Racó Català.

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