Interview mit HKP.

Gerne übernehme ich, auf Étrangers Anregung, dessen Gespräch mit Hans Karl Peterlini in originalsprachlicher Fassung. Hier geht es zum übersetzten Text, so wie er in der Lokalbeilage des Corriere della Sera erschienen ist.

Hans Karl Peterlini, scrittore di confine.

Che cosa distingue un giornalista da uno scrittore? Apparentemente la risposta è facile. Il primo scrive articoli che durano il tempo di una veloce lettura, prevale un contenuto informativo, e il giorno dopo sono già quasi dimenticati. Gli articoli di un giornale sono “foglie destinate a perdersi sull’acqua”, diceva sornione Umberto Eco. Uno scrittore invece scrive dei libri, cioè oggetti culturali generalmente più “solidi”, fatti per durare, e nei quali si allude ad una stratificazione di senso che il linguaggio artistico della prosa dovrebbe rendere manifesto. Ovviamente la distinzione appena tracciata è molto labile. Il confine tra i due profili poroso. Esistono giornalisti che hanno scritto bellissimi libri e scrittori che sono abilissimi giornalisti. Si possono leggere articoli stratificati e densi come una pagina di un romanzo e libri che presentano una tale facilità di esecuzione e sono così ricchi d’informazioni da risultare fluidi come un articolo di giornale. Hans Karl Peterlini è sicuramente un autore per il quale è possibile affermare che il confine tra giornalismo e letteratura sia particolarmente sottile. Anzi, considerato il suo prevalente ambito d’interessi (la storia locale), bisogna aggiungere che egli rappresenta uno scrittore di confine tout court. Per questo motivo sarebbe anche auspicabile che i suoi libri venissero tradotti in italiano e resi così accessibili ad un pubblico più vasto.

Hans Karl Peterlini, sei noto come giornalista (hai guidato per anni la redazione del settimanale “FF”) e come autore di libri sulla recente storia del Sudtirolo. La sensazione è che queste due attività  non si siano sviluppate completamente in parallelo, ma che dalla prima sia progressivamente sbocciata la seconda. Si tratta di un’impressione sbagliata?

Nein, der Eindruck stimmt, wenngleich das Bedürfnis nach Vertiefung von Anfang an da war. Mein erstes Buch habe ich 1992 geschrieben, das war “Bomben aus zweiter Hand”. Ich stand damals mehrere Jahre ziemlich ausgesetzt an der Front der Ermittlungen und Recherchen zu den Attentaten der 80er Jahre, eine Enthüllung jagte die andere, vor allem als die Affäre Gladio platzte. Der Überblick ging verloren. Ich habe mein Buch immer nur “Dokumentation” genannt, ich hatte einfach das Bedürfnis besser zu verstehen, klarer zu sehen, die Dinge in einen größeren Rahmen zu stellen. Und dieses Bedürfnis wurde umso größer, je stärker der Haupttrend im Journalismus – mit einigen löblichen Ausnahmen – in Richtung schneller, hektischer, oberflächlicher Information ging. Die Kollegen begannen zu witzeln, dass meine Artikel immer länger würden – das Buch ist da eine geeignete Form. Allerdings hat auch mein Verleger Gottfried Solderer jüngst schon gescherzt, wenn ich von 200 Seiten spreche, müsse er vorsichtshalber mit 400 kalkulieren. Ich möchte einfach die Themen ernst nehmen, die ich behandle.

Anche alla luce della tua esperienza di caporedattore di una testata che ha sempre cercato di esercitare il diritto/dovere della critica, come caratterizzeresti il panorama editoriale sudtirolese?

Südtirol trägt an einem Fluch, der zugleich seinen Reiz ausmacht: es ist ein sehr, sehr kleines Land. Ein Mikrokosmos, wunderbar zu erforschen und zu erzählen, hier lässt sich Geschichte, lässt sich Soziologie, lässt sich Politik, lässt sich Konfliktarbeit wie in einem Reagenzglas betrachten, man kann ins Kleine gehen, kann vertiefen. Aber es gibt es ein Aber. Für alles, was man hier macht, sind die Grenzen sehr eng gezogen. Der Markt ist klein, das Themenangebot ist klein, die politische Bühne, über die der Journalismus schreibt, ist ein Billardtisch, die Kugeln, die darauf herumrollen und sich stoßen, sind immer dieselben, die Werbekunden sind dieselben Leute, über die man schreiben sollte. Auf der einen Seite bringt dies das Risiko einer ständigen Selbstüberschätzung dessen, was hier passiert, eine Aufblähung. Und andererseits herrscht Erstickungsgefahr. Deshalb finde ich jede Anbindung Südtiroler Medien an größere Realitäten wichtig. Der Corriere ist für mich ein wichtiges Experiment, auch wenn es zugleich alle Schwierigkeiten des Marktes offensichtlich macht. Südtirol ist wie jeder Regionalmarkt, die Platzhirsche grasen alles ab, für den Rest bleiben ein paar Heubüschel.

In Sudtirolo, terra plurilingue, a qualcuno viene ogni tanto in mente di pubblicare un “foglio” redatto per l’appunto in più lingue. Questo anche per contrastare il meccanismo di ripiegamento all’interno dei diversi gruppi linguistici che poi, inesorabilmente, porta ad una comunicazione incapace di offrire alla popolazione locale uno specchio nel quale essa possa riconoscersi come appartenente ad uno “stesso” territorio. Che cosa impedisce, a tutt’oggi, la realizzazione di un grande progetto editoriale plurilingue?

Eine kleine Gruppe hat im vorigen Jahr versucht, das Projekt “etcetera” zu lancieren, ausgegangen ist die Idee von Aldo Mazza, Edi Rabini, Toni Colesselli, Reinhard Cristanell und anderen, ich wurde beigezogen und fand die Herausforderung spannend, auch wenn ich selbst nicht mehr “an die Front” zurück möchte. Wir haben eine Angel ausgeworfen, und gemeldet haben sich sehr viele intelligente Leute aus dem Südtiroler Kulturleben, viele junge Leute beider Sprachgruppen – eine viel versprechende Basis. Wer sich nicht gemeldet hat, war bisher leider die Wirtschaft. Anderen Initiativen ist es ähnlich ergangen, denken wir nur, dass Riccardo Dello Sbarba in der FF geschrieben hat und dann nicht mehr ersetzt wurde, ich habe einiges versucht, aber es gelang nicht, eine zukunftsträchtige Basis zu entwickeln. Die deutsche Seite im Alto Adige ist weggespart worden. Es hat wohl auch mit dem Effizienzdrall im modernen Medienwesen zu tun, es gibt immer weniger Bereitschaft von Verlegern, auf eine Idee zu setzen, sie wachsen zu lassen. Das hat früher den großen Journalismus ermöglicht, denn manche Saat braucht Zeit. Heute wird weggespart, was nach einigen Monaten nicht schon Auflagensteigerung oder, noch wichtiger, ein Plus an Inseraten bringt.

Veniamo adesso a considerazioni di carattere storico. Semplificando e riducendo all’osso la questione, possiamo dire che il grande racconto con il quale i sudtirolesi di lingua tedesca hanno interpretato l’evoluzione dell’autonomia è quello di una progressiva emancipazione dalla sfera d’influenza di uno Stato giudicato sempre come “occupante”. Per gli altoatesini, invece, questa stessa evoluzione ha finito per rendere in un certo senso più evidente la loro emarginazione, condensata poi nella formula giornalistica ma anche sociologica del “disagio”. Tu hai cercato di parlare di questa doppia chiave di lettura in un libro: “Wir Kinder der Südtiroler Autonomie”. Qual è il senso della tua analisi?

Das Problem wird gern mit linearer Kausalität betrachtet. Dann heißt es: Die Italiener haben versäumt, auf den Autonomiezug aufzuspringen, jetzt schauen sie hinterher, selber schuld. Und umgekehrt: Die Deutschen haben uns übervorteilt, sie haben uns mit der Autonomie zur Minderheit gemacht. Wir wissen aus den Sozialwissenschaften, dass solche Entwicklungen zirkulär sind, dass das Ei nicht nur das Produkt der Henne ist, sondern auch deren Ursprung. Versäumnisse, Übervorteilungen, Ausgrenzungen und Selbstausgrenzungen gehen Hand in Hand. Mit der Schuldfrage kommen wir nicht weiter. Die Frage muss lauten: Was können die Deutschen gewinnen, wenn sich die Italiener auch wohl fühlen in der Autonomie? Was können die Italiener gewinnen, wenn sie sich auf die Geschichte, die Kulturen, die Sprachen dieses Landes einlassen. Im Grunde tragen wir an einer doppelten Erblast: Die Deutschen mit dem Andreas-Hofer-Erbe, dieses Land gegen alles Fremde verteidigen zu müssen, die Italiener mit der Last der Eroberer, die an einem Sieg festhalten, um sich hier daheim fühlen zu können, während das Loslassen des Sieges ihnen das Land viel leichter öffnen würde. Im Grunde halten sich ein Verteidigungsmythos und ein Eroberungsmythos gegenseitig in Schach. Mythen sind große Erzählungen, mit denen nach Freud kollektive Traumata nur “schief geheilt” werden. Das Gegenmittel wäre die kleine Erzählung: wo kommen wir her, warum sind wir aus der Basilicata, aus Umbrien, aus Latium hierhergekommen, warum hatten wir dort keine Heimat, und warum zog meine Familie vom Berghof herunter, warum wanderte sie aus, warum sprengten unser Väter Masten in die Luft. Sich gegenseitig die eigene Vergangenheit erzählen ist der Ausweg aus der Schuldzuweisung. Das wäre mein Traum nach dem Journalismus: in Bozen eine Erzählgruppe zu bilden, mit Menschen aller Gruppen – Einwanderer eingeschlossen –, die sich ihre Herkunft und ihr Hiersein erzählen.

Alla fine dell’anno appena trascorso, hai dato alle stampe due libri incentrati su due personaggi che hanno caratterizzato il percorso dell’autonomia sudtirolese: Silvius Magnago e Hans Dietl. Leggendoli se ne ricava l’idea che sotto la superficie della storia ufficiale permanga come uno strato di possibilità latenti, che non sono giunte ad esprimersi compiutamente. Puoi cercare di illustrare questa relazione?

Magnago und Dietl sind beide Väter und Opfer des Autonomiekampfes, der unglaublich viel menschliche Kraft verschlissen hat, der Aufopferung von persönlichem Lebensglück für einen politischen Kampf verlangt und gekostet hat. In Magnago ist diese große Anstrengung zum Erfolg, zum Licht gelangt, in Dietl ist sie im Dunkeln geblieben. Die beiden hatten eine gemeinsame Herkunft, Jugend im Krieg, Hoffnung auf Befreiung Südtirols durch Hitler-Deutschland, schwere Enttäuschung, Kriegsverletzungen, ein Aufraffen nach dem Krieg im Kampf um die Autonomie. Magnago hat all dies gewissermaßen in “seinem” Paket sublimieren können, damit erlebte er einen großen Erfolg, aber letztlich auch wieder eine Einschränkung, wie immer, wenn eine Vision wirklich wird. Dietl musste seine Lebenskraft umwandeln, und es ist ihm etwas großes Unverwirklichtes gelungen, die Begründung einer Südtiroler Oppositionskultur und eines linken Patriotismus, den es in Südtirol nie gegeben hat, während er im Baskenland eine immense, wenn auch ebenfalls unterdrückte Kraft darstellt. Das Verwirklichte und das Unvollendete – dieses Nebeneinander erzählen zu können, war ein schönes Geschenk.

Hai dedicato due libri anche al tema degli attentati (“Bombenjahre”, il più recente). Qual è l’eredità di quella stagione di tensione? In che modo ha influenzato il successivo corso degli eventi?

Für mich gehören die Attentate zur Autonomiegeschichte, sie lassen sich nicht herausoperieren wie ein böses Geschwür. Damit will ich sie nicht rechtfertigen, sondern darstellen: Was hat junge Leute bewogen, in den Untergrund zu gehen, das waren die Hoffnungen, die sie hatten, was waren die Missverständnisse, denen sie erlegen sind? Und: Wie “gut” die Gewalt auch gemeint war, sie trug – wie jede Gewalt – den Keim der Eskalation durch staatliche Gegengewalt, durch Steigerung der Mittel auf Seiten der Gejagten und Gefolterten, durch Gegenterror und Geheimdienstmanöver leider von Anfang an in sich. Viele der Protagonisten jener Zeit waren unglaublich wertvolle Menschen, ich kann sie nicht verurteilen, ich kann nur mit ihnen traurig sein, dass sie keinen anderen Weg sahen.

Proviamo a riguadagnare uno sguardo dall’alto. Come vedi il Sudtirolo tra cinquant’anni? Quali cambiamenti ti auguri?

Am meisten wünsche ich mir eine Verdünnung der Außengrenzen. Südtirol hat sich abgeschottet, zuerst nach Italien, weil von dort alles Böse kam, dann von Nordtirol, von Österreich, weil es sich emanzipieren musste. Das hat uns abgesichert, aber auch klein gemacht und könnte uns provinziell machen. Hier leben zu können und zugleich an den großen Entwicklungen in Europa, in der Welt teilzunehmen, nicht mehr so fixiert sein müssen aufs Südtiroler-Sein – das ist vielleicht gar kein so verwegener Traum, die jüngeren Generationen haben den Kopf freier, scheint mir. Und dann spukt mir noch das alte Tirol im Kopf herum, ein größeres Gebiet, vom Kufstein bis zum Gardasee, dreisprachig, zwischen Deutschen und Italienern ausbalanciert, ein Raum, der atmen könnte, in dem wir europäische Tiroler sein könnten, ohne uns in Deutsche und Italiener, in Trentiner, Südtiroler, Nordtiroler aufspalten zu müssen. Ich glaube, da ist unter bösartigem Nationalismus auf beiden Seiten – denken wir an die Ermordung von Cesare Battisti durch die Österreicher – viel verschüttet worden, was eine neue, nicht mehr nationalistische Perspektive bieten könnte. Die größte Herausforderung dieses Gebietes ist der Umgang mit Fremdheit, zu lernen, dass wir so, wie wir sind, nicht vom Herrgott geschnitzt wurden wie die Grödner Korpusse, sondern selbst aus Wanderung, aus Begegnung, aus Vermischung und Verschmelzung hervorgegangen sind.

Quali sono i tuoi progetti futuri?

Ein Projekt wäre die Erforschung dieses alten Tirols. Und ich möchte weiter lernen, in einem Projekt für ein Forschungsdoktorat an der Universität in Brixen möchte ich den Südtiroler Verteidigungsmythos besser verstehen. Ich möchte Südtirol hinter mir lassen, indem ich mich durch diesen geballten historischen, psychologischen Stoff durcharbeite wie ein Nagetier oder wie ein Maulwurf, in der Hoffnung, irgendwann den Kopf im Freien zu haben. Wir haben hier die unglaubliche Chance zu lernen, wie sich historische Konflikte lösen lassen, wie Mythen umgeschrieben oder zumindest in kleinere Erzählungen gebrochen werden können, wie statt Schuldsuche ein gegenseitiges Zuhören und Erzählen angeregt werden könnte. In diesem Sinne möchte ich ein Erzähler bleiben. Journalismus war für mich immer ein Erzählen, in Zeitungen, in Büchern, vielleicht aber auch unter Menschen, in einem Zelt, auf der piazzetta vor dem Kondominium, in Kaffeehäusern … dieses Erzählen droht der Menschheit verloren zu gehen und sie braucht es mehr denn je.

Feuilleton Medien | | Hans Karl Peterlini | Corriere | | | Deutsch Italiano

Selbstbestimmung in der EU?

European Stateless Nations.

Obschon in mehreren Mitgliedsländern Unabhängigkeitsbestrebungen vorhanden sind, haben sich die europäischen Institutionen noch nie zu diesem heiklen und demokratiepolitisch relevanten Thema geäußert. Fünf independentistische Parteien, die an der Regierung ihres jeweiligen Herkunftsgebietes beteiligt sind, wollen nun eine gemeinsame Aufforderung an die EU richten, das Selbstbestimmungsrecht auf dem Kontinent zu garantieren und eventuelle Entscheide zu respektieren.

Esquerra Republicana de Catalunya (Katalonien), Bloque Nacionalista Galego (Galicien), Eusko Alkartasuna (Baskenland), Plaid Cymru (Wales) sowie Scottish National Party (Schottland) werden zu diesem Zwecke am kommenden 19. Jänner in Edimburgh zusammenkommen. Sie werden die Europäische Union dazu auffordern, ihre diesbezügliche Haltung öffentlich zu machen und außerdem dafür werben, dass eine »interne Erweiterung« der Union ausdrücklich ermöglicht wird, falls ein Land um Aufnahme bittet, das durch Inanspruchnahme des Selbstbestimmungsrechtes neu entstanden ist.

Politik Selbstbestimmung | | | | Baskenland-Euskadi Catalunya Galiza Scotland-Alba Wales-Cymru | ERC EU SNP | Deutsch

Die Totalitarismusfalle.

Die heutige Aussage einer Forza-Italia-Politikerin in ihrem Blog, wonach sie der Landesadler, offizielles Wappen des Landes Südtirol »mehr stört« als die Liktorenbündel auf dem Bozner Siegesdenkmal, ist nur auf den ersten Blick unerklärlich. Bei näherem Hinsehen handelt es sich um die logische Folge einer verzerrten und demokratiegefährdenden Betrachtungsart, die in unserem Lande längst den Durchbruch geschafft hat.

Während der letzten Jahrzehnte wurde eine Kultur der Ambiguität und des Revisionismus toleriert, ob des angeblich friedlichen Zusammenlebens ignoriert und letztlich noch aktiv gefördert. Dabei wurde wohl latent die Hoffnung gepflegt, Gras über alle Wunden wachsen zu lassen, ohne sich einer ernst- und schmerzhaften Aufarbeitung der faschistischen und Nazi-Vergangenheit widmen zu müssen.

Es gibt keinen inhaltlichen Schlussstrich unter der totalitären Geschichte unseres Landes, und dies zeigt sich deutlich auch in der sporadisch einkehrenden Unfähigkeit, der Demokratie einen völlig anderen Stellenwert zuzuordnen, als der Diktatur.

Selbst nach dem Ende des Weltkrieges wurden Aufmärsche vor faschistischen Denkmälern geduldet, als seien sie Teil einer pluralen Gesellschaft und nicht Ausdruck von Verfassungsfeindlichkeit, wie in jedem demokratischen Land. Gerade Partisanen, Linkspolitiker, Intellektuelle beider großen Sprachgemeinschaften haben sich (anders als ihnen zustünde) stets davor gehütet, dies hörbar zu thematisieren und allzu heftig zu kritisieren.*

Das geht sogar so weit, dass Intellektuelle jeder Couleur immer wieder direkte und indirekte Vergleiche zwischen Demokratie und totalitären Regimes zulassen oder gar selbst herstellen.

Prominentestes, aber beileibe nicht einziges Beispiel: Die Lösung der Toponomastikfrage. Wie selbstverständlich wird hier von meist linken Gegnern einer Änderung des Status Quo seit Jahren das Argument ins Feld geführt, eine Abschaffung der erfundenen italienischen Ortsnamen käme einer Wiederholung faschistischen Unrechts mit veränderten Vorzeichen gleich. Ohne dabei zu bemerken, dass sie einer demokratischen Institution das Recht absprechen, eine in ihren Zuständigkeitsbereich fallende Entscheidung zu treffen. Niemals könnte die Entscheidung einer vom Souverän gewollten Regierung dem Diktat eines Regimes auch nur ähneln!

Gegner der Volkspartei, die unser Land seit Jahrzehnten (gut? schlecht?) regiert und in regelmäßigen Abständen von einer zwar sinkenden, aber immer noch überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung bestätigt wird, glauben ihrem Unmut auch dadurch Luft machen zu müssen, dass sie einen angeblichen Demokratiemangel anprangern und der Partei im Übrigen die Möglichkeit vorenthalten möchten, in bestimmten Feldern tätig zu werden. Dies kann zum einen die bereits genannte Ortsnamensgebung sein, es kann sich aber auch um das öffentliche Schulmodell handeln.

In letzterem Fall ist nicht selten von einem angeblichen »Verbot« die Rede, plurilinguale Schulen einzurichten, was freilich nicht der Wahrheit entspricht. Wie in fast jedem Rechtsstaat dieser Welt wurde auch in Südtirol ein (gutes? schlechtes?) öffentliches Schulsystem etabliert, das für alle Schüler gilt. Neben diesem Modell ist es möglich, im privaten Bereich Alternativen anzubieten. Und es ist möglich, im wissenschaftlichen und politischen Diskurs Änderungen am öffentlichen Schulsystem vorzuschlagen. Solange die Mehrheit der SüdtirolerInnen jedoch hinter PolitikerInnen steht, die das aktuelle Schulmodell beibehalten möchten, kann von einem undemokratischen Zwang nicht die Rede sein.

Diese Logik führt denn nicht nur schnurstraks zu bestürzenden, eines Demokraten unwürdigen Aussagen wie der eingangs erwähnten, sondern möglicherweise auch zur Einsicht, dass eine mit Gewalt durchgesetzte »Lösung« einer demokratisch getroffenen um nichts nachsteht — und sie in Effizienz (fast schon naturgemäß) übertrifft. Faschistische Relikte kann man also nur entfernen, wenn man sie materiell zerstört, wie den reitenden Duce in Waidbruck.

Dabei müssen die Fragen in einer Demokratie völlig andere sein. Etwa: Wie kann man Mehrheitsentscheidungen inklusiver gestalten? Wie kann eine Maßnahme besser abgestimmt und für alle verständlich kommuniziert werden? Wäre es sinnvoll, die Bevölkerung selbst an gewissen Entscheidungen teilhaben zu lassen? Fragen, die in Südtirol noch zu selten gestellt werden.

Von dieser Einsicht jedoch eine Ähnlichkeit zu einem totalitären Regime abzuleiten, ist nicht nur ein grober Fehltritt, sondern auch noch hochgefährlich. Wir sind eine Demokratie!

* Antifaschismus und Antinazismus sind nie zum gemeinsamen Gut geworden, sondern gehören nach wie vor in die Schublade der trennenden Vorwürfe, die sich die Rechten beider Sprachgruppen mit großem Pathos und gleich großer Hinterfotzigkeit gegenseitig an den Kopf werfen.

Arch Faschismen Geschichte Mitbestimmung Ortsnamen Scola | | | | | PDL&Co. SVP | Deutsch

Napule.

Ich hätte gern darauf verzichtet, nach den Politikergehältern ein weiteres Thema aufzurollen, das bereits von allen Medien lang- und breitgetreten wurde.

Allerdings werde ich den Eindruck nicht los, dass nun versucht wird, den Müllnotstand in Neapel auf ein Problem der letzten Monate (und der aktuellen Regierung) zu reduzieren. Dabei beweist ein Bericht der Rai-Sendung »Report« vom Mai letzten Jahres, dass – und in welchem Umfang – der Notstand bereits seit mindestens 10 Jahren existiert.

Ein Skandal, selbst eines 3.-Welt-Landes unwürdig, den man nicht einem politischen Lager, sondern der Unfähigkeit eines ganzen Landes und seiner höchsten Institutionen zuschreiben muss. Zu den in den Sand gesetzten Unsummen lesen sich die Gehälter unserer Politiker wie Peanuts, ohne sie deshalb zu rechtfertigen.

Hier gehts zum [Video].

Nachtrag: Nicht zu vergessen bleibt in diesem Zusammenhang auch diese Perle investigativen Journalismus’.

Nachtrag II (Video): Annozero vom 21.02.08 (Raidue).

https://youtube.com/watch?v=DUrdPyKSWHI

Ecologia Medien Politik Transparenz | | | Rai | | |

Do l’aiut l tradiment.

I ladins da souramont podarà vegnì salvés, sce an i tira fora dal palù dl Venet

L document, che l club di “Amisc dla Ladinia unida” à consegné a Romano Prodi tres l president dla Generala, é n at falé, n tradiment dl fin fondamental dl referendum: l’unité di Ladins. Ampez, Col y Fodom à dit de “sce” sic et simpliciter a l’unité de duc i Ladins tres l’agregazion di comuns da Souramont tla medema region Trentin-Sudtirol y plu avisa de chisc comuns tla provinzia de Bulsan. Al n rejoné de n “Comprenjore” per i trei comuns da Souramont con n statut dal medem contegnù dl Statut de autonomia dla Provinzia de Bulsan.

Sce l club di Amisc dla Ladinia unida à dé na man sterscia per l resultat positif dl referendum, spo àl con chest document dé n segn de retromarcia. Per i comuns da Souramont él dessegur na delujion. Desche al pèr él vegnù metù adum l document zenza l consens di comuns enteressés. Chest vuel dí ­ch’an met man de se temei da la realté politica. An se tem dal Parlament de Roma y perchel pròven de fé la cossa manco pesocia. Les ultimes paroles de Lorenzo Dellai, sia proposta de ne toché nia i confins y de laoré tres autri strumenc politics per arjonje na majera unité interladina, sie contribut per daidé finanziariamenter i comuns de confin per archirté via la vueia de passé te d’autres regions y per apajé les manaces de Galan contra i privilegs dles Provinzies autonomes, dut chest fej pensé y al fej vedei ite che la ghiranza de mudé i confins è bonamenter massa grana. Chisc pensiers y chestes retromarces fej dassenn plajei al assessour Florian Mussner che da tres encà se bat contra la mudazion di confins.
Pensé de podei crié tla provincia de Belun n cianton priviligé per i trei comuns da Souramont, i fé governé aladò dla statut dla provinzia da Bulsan é na ilujion. Na aucia che é tl jí sot tl’ega t’en palù ne vegn nia salveda con ti dé n auter mangé, n’autra vejoladura, ma con la tré fora, la liberan dal palù. I Ladins da Souramont podarà resté ladins sce ai vegn trac fora dal palù dl Venet. L Statut de Bulsan funzioneia ajache al à via dedò n Consei provinzial ch é a una de met en pratica si prinzips. Chest ne suzedessa dessigur nia tl Venet. L Statut de Bulsan apasseneia pro sie patron y no pro autri. La storia dl comprensore é faleda. La soluzion dl problem é una soula: tegní adum, se bate deberieda y no pensé bele a alternatives. L staff dla Svp s’à enconté con Romano Prodi, samben per si problems. Per i ladins él demé vegnù rejoné de radio y televijion. Degun sostegn ofizial a l’anesion de Souramont, ajache Durnwalder ne vuel nia se ficé ite, desche al à dit plu iadesc. La vera mess vegnì porteda inant demé da chi da Souramont, nience i ladins dla Svp pò daidé pro. Kaiser Christoph Perathoner ne meina dessigur nia do. Al vegn demé arferé. Radio y televijion ladina? Demé valch minut de plu de folclor. Deguna plata critica ne vegnirà plu publicheda o fata conesce tres radio y televijion. Chesta é la situazion. Ence la Lista ladins se fej audí­ puech, ajache ala sà che i gherdeines ne vuel nia la unité. La gauja de dut chest é la meseria politica di ladins, souradut de chi de Bulsan y Trent. Al é n gran debujegn dla unité di ladins per emparé a ester vagugn, per avei na coscienza nosta, che mancia completamenter. Les propostes da fé é ben autres. L ann 2008 é chel dles lites provinziales. Meton mo man de dé n segnal sterch de unité ladina tolan demez i nemisc dla unité, i Mussner, i Bioc y compagns y ti don la ousc a n Dejaco, a persones dessegur ladines y che se bat per l’unité. La soluzion dl problem vegn dala popolazion y no dai partis. (uc)

Document original sourandé a Romano Prodi

Illustrissimo Presidente,

Dopo che tali richieste furono disattese per un lungo periodo di 90 anni, i tre comuni in data 28-29 ottobre 2007 hanno espresso con voto plebiscitario la propria volontà di staccarsi dalla regione Veneto per ricongiungersi ai ladini della Regione Trentino-Alto Adige/Südtirol, alla quale si sentono appartenenti per sentimento e identità storico-culturale. Questa scelta ha ragioni che vanno molto oltre a meri scopi economici e materiali. Le rivendicazioni dei tre comuni affondano le loro radici nella storia, nel comune destino che la comunità ladina ha avuto per secoli fino alla sua tripartizione nel 1923, e sono rivolte unicamente al ristabilimento dell’unità ladina in base ai principi nazionali e internazionali di tutela delle minoranze. Mentre in passato nel bellunese Cortina, Colle e Livinallongo erano gli unici comuni ad essere considerati ladini (anche se fu loro negato ogni riconoscimento ufficiale), oggi una ladinità artificiale, utilitaristica e funzionale ad un’improbabile concessione di autonomia alla provincia di Belluno ha preso piede un po’ ovunque. Quale sentimento sincero si cela dietro queste recenti rivendicazioni di comuni per i quali in passato la ladinità dei tre comuni storici fu oggetto di scherno e di umiliazione? Proprio questi motivi – l’identità ladina, l’appartenenza culturale e storica al territorio sudtirolese, dal quale furono distaccati contro la propria volontà una prima volta nel 1923 e una seconda volta nel 1945, il pericolo di diluizione dell’elemento ladino all’interno di una “neo- o pseudoladinità” bellunese poco credibile e indefinita – sono stati determinanti per il risultato referendario di fine ottobre.
Riteniamo pertanto legittime le nostre richieste e nutriamo la speranza che il Parlamento Italiano in rispetto alla propria costituzione e alla carta europea delle minoranze che hanno come scopo la difesa tangibile e reale delle minoranze linguistiche ed etniche prenda una decisione rispettosa della volontà popolare. Per salvaguardare i diritti della minoranza ladina e per impedire la sua estinzione, inevitabile, all’interno di un’entità amministrativa non in grado o indisposta a dare le dovute garanzie, La sollecitiamo a sostenere le nostre istanze per il passaggio di Regione.
Se il parlamento italiano malauguratamente non dovesse ritenere valide le richieste avanzate e confermare lo status quo, Le sottoponiamo in seguito i principali obiettivi necessari per una valida tutela della minoranza ladina limitatamente ai tre comuni storici-diritti peraltro già concessi – con risultati positivi evidenti – ai ladini delle valli di Gardena, Badia e Fassa con lo statuto di autonomia del Trentino-Alto Adige/Südtirol:

  • la definizione della minoranza ladino-tirolese in provincia di Belluno secondo criteri linguistici, culturali e storici e perciò circoscritta ai tre comuni di Cortina, Colle e Livinallongo;
  • una legislazione chiara e specifica in merito alla tutela di questa minoranza ladina che esuli dalla semplice concessione di contributi o da normative generali non vincolanti;
  • istituzione di un comprensorio ladino-tirolese che accorpi i tre comuni citati (come già esistì tra il 1868 e il 1919);
  • la possibilità – nei tre comuni in questione – di dichiarazione di appartenenza linguistica secondo il modello sudtirolese;
  • l’assunzione di personale nell’amministrazione pubblica – sempre dei tre comuni – secondo i criteri della proporzionale (nuovamente secondo il modello in vigore in Alto Adige) garantendo l’accesso agli impieghi anche ai parlanti la lingua ladina;
  • l’obbligo di conoscenza della lingua ladina per gli impiegati pubblici dei tre comuni (secondo il sistema dei comuni ladini della Val Badia e Gardena);
  • l’insegnamento obbligatorio della lingua ladina nelle scuole dell’obbligo;
  • l’assunzione di insegnanti di madrelingua ladina;
  • una sovrintendenza scolastica ladina e un istituto pedagogico ladino, nel caso che l’estensione delle competenze delle istituzioni analoghe già presenti per le valli ladine della provincia di Bolzano ai tre comuni ladini storici della provincia di Belluno risultasse amministrativamente più onerosa;
  • garanzie nella gestione dell’Istituto Ladino Cesa de Jan;
  • una rappresentanza garantita nel Consiglio e nella Giunta della Provincia di Belluno;
  • rispetto da parte delle istituzioni nei confronti della storia e delle ricorrenze e festività della tradizione ladino-tirolese.

La realizzazione di questi obiettivi, che – lo ribadiamo – sono già operanti con evidente successo per la minoranza ladina nel Trentino-Alto Adige/Südtirol, è fondamentale e urgente per garantire la salvaguardia e la sopravvivenza anche della minoranza ladino-tirolese facente parte della provincia di Belluno. In caso queste richieste non dovessero essere accolte, alla perdita di identità seguirà l’inevitabile estinzione della lingua ladina nei comuni di Cortina, Colle e Livinallongo, una perdita non soltanto per l’Italia, ma per l’Europa intera.

Union Generala di Ladins dla Dolomites – Amisc dla Ladinia unida

Erschienen bei Noeles am 05.01.2008.

Nachtrag vom 07.01.2008: Der Artikel wurde bei Noeles entfernt. Weil er zu kritisch war?

Medien Minderheitenschutz Mitbestimmung Politik | Zitać | Romano Prodi | Noeles.info | Ladinia Souramont Südtirol/o Venetien-Vèneto | PD&Co. | Italiano Ladin

Volksbefragung schon 2008?

Ikurriña.Der Lehendakari Juan José Ibarretxe (lies: Ibarretsche) hat diese Woche sein Ziel bekräftigt, am kommenden 25. Oktober eine Volksbefragung über die politische Zukunft des Baskenlandes durchführen zu lassen. Er bleibe davon überzeugt, dass mit dem Jahr 2008 »ein neuer historischer Zyklus für Euskadi anbricht, dessen Grundsätze der Dialog, das Recht auf Mitbestimmung und der Friede sind«. Der Präsident der baskischen Regierung sagte, die Befragung werde der endgültige Impuls eines Prozesses sein, der mit dem Frieden und der politischen Normalisierung des Landes enden soll.

In seiner Neujahrsansprache ließ Ibarretxe der spanischen Regierung eine Tür offen, damit sie sich an der Durchführung der Befragung beteilige. Dies, obschon die Zentralregierung in dieser Angelegenheit bereits zuvor ihre Ablehnung signalisiert hatte. Gleichzeitig wandte sich der Lehendakari an die bewaffnete Terrorgruppe ETA und forderte abermals deren unverzügliche Auflösung.

Was die Zentralregierung betrifft, so stellte Ibarretxe klar, dass sein Angebot sowohl vor als auch nach den Kongresswahlen im Frühjahr aufrecht bleibe, dass die baskische Regierung jedoch auch dann nicht von ihrem Vorhaben abzubringen sein werde, wenn die Zentralregierung das Angebot auf Zusammenarbeit ablehne. »Wir werden weitermachen.«

aus: Racó Català .

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