SNP gewinnt.

7:30 Uhr Mit dem Versprechen, innerhalb 2010 eine Volksbefragung über die Unabhängigkeit Schottlands abzuhalten, dürfte die SNP ersten Meldungen zufolge die Wahlen gewonnen haben. Ob der Vorsprung für eine Regierungsbildung reicht, war indes aufgrund gravierender Auszählungsschwierigkeiten noch unklar.

Nachtrag von 21.20 Uhr Im Laufe des Tages hat sich die Auszählung zu einem echten Krimi entwickelt, in dessen letztem Kapitel der Wahlsieg der SNP steht. Das knappe Ergebnis soll dabei nicht über die Tragweite dieses Ereignisses hinwegtäuschen: Die SNP bricht eine 50-jährige Dominanz der Labour-Partei, indem sie ihre Sitze von 27 auf 47 fast verdoppelt — und dies mit dem anspruchsvollen Wahlkampfthema Loslösung von Großbritannien. Das zeigt eindrücklich, wie konsensfähig das Thema in Schottland ist.

Siehe auch: BBC Scotland.

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Schottland mit Rückenwind.

Schottland.Laut einem BBC-Bericht vom 28. April hat das Londoner Adam Smith Institute (ein renommierter Think-Tank) eine ausgesprochen positive Wirtschaftsprognose für Schottland abgegeben, falls es die Unabhängigkeit erlangen sollte – und dies kurz vor den Wahlen zum Regionalparlament vom 3. Mai.

In kürzester Zeit würde das Land dank eines Wachstums von 7% das Vereinigte Königreich überflügeln; nach nur 10 Jahren Unabhängigkeit wäre das heute um 1.700 Pfund unter dem britischen Durchschnitt liegende Pro-Kopf-Einkommen in einen Vorsprung von rund 6.000 Pfund verwandelt, prognostizieren die Experten. Dazu müsse das Land in Sachen Steuerpolitik nur dem irischen Beispiel folgen – was ohnehin den deklarierten Absichten von Alex Salmond, Anführer der Scottish National Party (SNP), entspricht.

Damit unterstützt zum ersten Mal ein derart renommiertes englisches [!] Institut die schottische Unabhängigkeit. Dass das Gutachten von der BBC kommentarlos weitergegeben wurde, zeigt, wie sachlich und demokratisch das Thema in Großbritannien diskutiert wird.

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Willkommen, Alpini!

Alpini.In tiefster Vorfreude erwartet Brixen das große Alpinifest, das heute in der Bischofsstadt beginnen soll. Bei den »Gebirgsjägern« handelt es sich um ein ruhmreiches Korps des italienischen Heeres, das am Ende des siegreich beendeten ersten Weltkriegs — im Jubel der Bevölkerung — die lang ersehnte Befreiung des südlichen Tirols vollzogen hat. Seitdem hat unser Land von den Alpini und ihren jeweiligen Gebietern viel Zuneigung erfahren: Zunächst standen sie der Regierung in Rom bei der schwierigen Eingliederungsarbeit Südtirols in seine neue Heimat, das italienische Königreich, zur Seite — die sich etwa mit einer angemessen intensiven pädagogischen Arbeit zur Erlernung der Staatssprache bemerkbar machte.

Auch sonst haben sich die Alpini während des Faschismus durch ihre Freundschaft zur Hochetscher Bevölkerung viel Ruhm und Ehre verdient. Später, im demokratischen Italien, haben sie sich als Teil einer gezielten Besiedlungspolitik gerne bei uns aufgehalten, um uns die italienische Kultur (Sprache, Kunst etc.) näherzubringen. In der Akzeptanz für unseren neuen Staat und in der Verteidigung gegen den österreichischen Feind haben sie uns tatkräftig unterstützt. Ganze Generationen von Südtiroler Männern haben sie (in beiden Landessprachen) zu richtigen Männern erzogen, die folgerichtig auch noch wussten, was der »Inno di Mameli« ist. Sie sangen ihn ja jeden Tag.

Leider erfolglos versuchten sie uns dagegen zu vermitteln, dass eine Autonomie der falsche Weg wäre, um unsere Zugehörigkeit zum neuen Staat zu besiegeln und ihm unsere Demut zu zeigen. Auch deshalb haben sie die Polizei im demokratischen Kampf gegen Menschen unterstützt, die leider nicht verstanden hatten, dass man sich den Folgen einer Kriegsniederlage zu fügen hat. Zum Glück konnten sie allein durch ihre Anwesenheit dem Drang nach mehr Unabhängigkeit Einhalt gebieten.

Ja, ihre sprichwörtliche Freundschaft haben die Alpini in letzter Zeit — zum Teil mit Hilfe uranhaltiger Geschosse — auch in andere Teile der Welt getragen. Oft haben sie noch weitere Verbrüderungsrituale gefeiert, um sich bei der jeweiligen Zivilbevölkerung beliebt zu machen und den Ideen von Frieden und Demokratie zum Durchbruch zu verhelfen.

Deshalb: Willkommen in Brixen, willkommen in Südtirol, liebe Alpini! Hier werdet ihr ja demnächst auch ein Museum erhalten, mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde, also mit unseren Steuergeldern!

Schade nur, dass uns jene Spielverderber, die schon die Schützen angegriffen haben, weil sie eben grundsätzlich gegen alles Militärische (und gegen Waffen) sind, in ihrer unermesslichen Kohärenz nun gewiss auch noch euren Besuch vermiesen wollen. Ich hör’ sie schon.

Im Bild: Paneele, wie sie im Brixner Stadtgebiet aufgestellt wurden.

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Tribus’ Kriegsblitz.

Seit Kurzem häufen sich in der Neuen Südtiroler Tageszeitung Berichte über angebliche Abzocke durch die Polizei – zum Schaden der ach so disziplinierten Autofahrer. Einmal heißt es effektvoll »Autofahrer-Stalking«, ein anderes mal will das Blatt einen »Blitzkrieg« erkannt haben, weil Gemeinden Radargeräte samt Zivilfahrzeug mieten, um damit – wie es heißt – ihre Kassen zu füllen. Alles Dinge, die im zivilisierten Ausland gang und gäbe sind.
Und dann regt die Tageszeitung auch noch indirekt Sabotage (!) an. Auf unterstem Stammtischniveau.

Dabei muss gesagt werden, dass in Sachen Disziplin hierzulande einiges im Argen liegt. Noch immer sind Raserei und Fahren in angetrunkenem Zustand Kavaliersdelikte. Noch immer wird auf schwächere Verkehrsteilnehmer kaum Rücksicht genommen. Und: Nach wie vor lassen zu viele ihr Leben im Straßenverkehr.

Fährt man auf gerader Strecke (zumal auf der Autobahn) im Limit, wird man von Rasern und Dränglern förmlich bombardiert (um von sich gegenseitig illegal überholenden LKWs zu schweigen). Und dies nicht gerade ohne Risiko für die eigene Sicherheit – denn gewagte Überholmanöver sind auch für den so Überholten oft lebensgefährlich. Hier mit den Übertretern zu solidarisieren, ist einer seriösen Zeitung schlicht unwürdig.

Ich höre sie schon, die da sagen, dass aber eh nur kontrolliert werde, um die armen Autofahrer auszunehmen. Was soll das denn heißen? Verkehrsbeschränkungen sind mittels farbiger Schilder sichtbar angekündigt: Wer mehr aufs Pedal drückt, weiß, dass er potenziell einem Knöllchen entgegenfährt. Und kann im Grunde dennoch im Großteil des Landes sicher sein, dass er straffrei ausgeht. Es muss endlich flächendeckend systematisch kontrolliert werden. Ohne Mitleid, ohne Rücksicht, denn Strafen retten Leben.

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Tag der Befreiung.

Erstaunlich wenige Südtirolerinnen wissen, warum sie heute schul- und arbeitsfrei haben: Am 25. April wird der Tag der Befreiung vom Faschismus durch die Alliierten und Widerstandskämpferinnen begangen, durchaus auch für Südtirol ein Grund zur Freude.

Mag sein, dass hierzulande noch einiges im Argen liegt, wie oftmals unterstrichen wird: Noch immer etwa hat unser Land nicht die Möglichkeit erhalten, sich demokratisch über seinen Status auszusprechen. Ein wesentlicher Teil der Demokratie — das kann wohl niemand leugnen — bleibt damit ausgeblendet.

Doch dies wohl trotz der Befreiung und gewiss nicht wegen ihr: Der Fall des Gewaltregimes war Voraussetzung für das Ende der Verfolgung und eine demokratische und rechtsstaatliche Entwicklung, die uns nach zähen Verhandlungen ein gewisses Maß an Autonomie gebracht hat. Wichtig ist aus Südtiroler Sicht auch, dass das Ende des Faschismus die unheilvolle Option endgültig unterbrochen hat. Wir haben also allen Grund, den heutigen Tag zu feiern.

Mal ganz abgesehen davon, dass das Ende einer Diktatur immer Grund zur Freude gibt.

Democrazia Faschismen Feuilleton Militär Ungehorsam+Widerstand | | | | | |

Auf zu Käthe!

Schon seit dem 17. März läuft im Diözesanmuseum Hofburg Brixen eine ergreifende, ja erschütternde Ausstellung mit über 60 Arbeiten von Käthe Kollwitz. Vor wenigen Tagen hatte ich nun die Möglichkeit, mich mit dem vorzüglichen Werk der sozialkritischen deutschen Künstlerin auseinanderzusetzen. Unglaublich expressiv porträtiert sie in ihren Druckgraphiken und Zeichnungen den Schlesischen Weberaufstand oder die Inbrunst der Bauernkriege. Und meint damit auch unsere Zeit. Dabei ist die Ausstellung – in Zusammenarbeit mit dem Kölner Käthe Kollwitz Museum – wunderbar kuratiert und mit angenehmer Einfachheit und Zurückhaltung inszeniert.

Gleichzeitig bot sich mir die Gelegenheit, die Sammlung des Diözesanmuseums zu besichtigen: Ein kleiner, fast unbekannter Schatz im Herzen der Bischofsstadt, der – unter anderem – mit echten Perlen aufwarten kann.

Leider ist mir auch die gähnende Leere in Gängen und Ausstellungsräumen aufgefallen. Man möchte sagen: Perlen vor die Säue. Daher meine Einladung: Stürmt diese Ausstellung, sie ist ein echter Lichtblick im Südtiroler Kulturangebot. Noch bis zum 27. Mai.

Feuilleton Kunst+Cultura | | | | | |

Finger weg!

Italia.

Dass sich Südtirol selbständig vermarktet, hat nicht nur politische Gründe, sondern ab sofort auch handfeste Vorteile in Punkto Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Während uns zentralistisch organisierte Parteien ein Tourismuslogo aufzwingen wollen, das marketingpolitisch keinen Sinn macht — und dabei gleichzeitig einen Rückschritt im Zusammenleben darstellt (A. Adige statt endlich Sudtirolo) — zeigen sie uns aus Rom wie man es »besser« macht. Und setzen für ein neues staatliches Tourismusportal eine Summe in den Sand, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Sage und schreibe 45 Mio. Euro! Fünfundvierzig Millionen. Das ist ein Betrag, den die beste Webseite der Welt nicht rechtfertigen könnte – doch hier wurden zudem Nägel gemacht, die in ihrer Form nicht einmal als solche zu erkennen sind. Wahrlich das Land der Superlative.

Nach der Vorstellung von italia.it mit seinem neuen, potthässlichen Tourismuslogo (vulgo »die Gurke«) durch Minister Rutelli, haben italienische Bürger den sehr aufschlussreichen Blog »Scandaloitaliano« in Betrieb genommen. Dort wird u.a. in mühevoller Kleinarbeit eine Auflistung der zahllosen technischen und inhaltlichen Fehler versucht, die sich das überbezahlte Portal erlaubt. Einer davon: Die SMG existiert auch Wochen nach Inbetriebnahme von italia.it nicht. Mit der Region »Trentino Alto Adige« (großteils auch im Deutschen, Frau Gnecchi) ist lediglich die Seite www.trentino.to verlinkt. Irgendwie besser, denn so sehen die spärlichen und unübersichtlichen Informationen zu »unserer« Region aus:

Wo liegt das
Es handelt sich um die nördlichste Region Italiens an den Grenzen von Schweiz und Österreich.

Das Gebiet
Die Landschaft ist ein Wechselspiel von Bergen und Tälern. Hier entspringt der Adige, der zweite Hauptfluss Italiens.

Achso, immer wieder dieser Adige.

Im Archäologischen Museum Südtirols in Bozen können Sie unter einer Myriade von Statuen, Fundstücken, Waffen und Schmuckstücken, welche die lokale Geschichte vom Paläolithikum und Mesolithikum bis zur Karolingerzeit belegen, vor allem die “Bekanntschaft” von Ötzi machen.

Was ist das für ein Satz? Und was bitte ist eine Myriade?

Was gibt es zu sehen
Wer keine typischen Klischees mag, für den ist Südtirol das ideale Reiseziel.

[…]

Natürlich dürfen in den Dolomiten die Bergseen (es gibt 297 eingetragene Seen) nicht fehlen: diese reichen vom Gardasee bis zum Molveno See und den Seen von Caldonazzo, Levico, Ledro und Prags.

Ja, der Gardasee liegt bekanntlich in den Dolomiten. Und was unterscheidet eingetragene von nicht eingetragenen Seen?

In Bezug auf Orangenblüten (normalerweise jeden zweiten Sonntag im Januar) findet in Kastelruth alljährlich eine Bauernhochzeit statt, eine Erinnerungszeremonie, welche das auf der Hochebene übliche Brauchtum seit den 70er Jahren aufleben lässt.

Was bitte bedeutet dieser Satz? Kann Brauchtum unüblich sein? Und blühen die berühmten Kastelruther Orangen nur jeden zweiten Sonntag, dafür aber schon im Jänner?

Für besonders Neugierige gibt es im August in Longariù (Bozen) das Mühlenfest mit ladinischen Spezialitäten und der Besichtigung der noch aktiven Mühlen, während die Feinschmecker am Speckfest in Bozen (im Mai) teilnehmen können. Dann werden noch die Tage des Sterzinger Joghurts (im Juli) veranstaltet.

Die Chronologie stimmt da wohl nicht ganz. Und Longariù (ladinisch Lungiarü, italienisch Longiarù, deutsch Campill) gibt es gar nicht.

Werbeträger
Der Extremsportler und Bergsteiger Reinhold Messner und der Olympiasieger im Alpenski Gustav Thöni wurden in dieser Region geboren. Doch auch andere historische Persönlichkeiten hielten sich hier auf. Zu diesen zählen die Söldnerführer Maximilian I von Österreich, Napoleon Bonaparte und Vittorio Emanuele III.

Alpenski? Werbeträger Napoleon? Wo hat der sich denn aufgehalten? Naja.

Zimmer mit Ausblick
Es gibt unterschiedliche Arten, den Urlaub in Trentino- Südtirol zu genießen. Doch die originellste Art besteht in einem Urlaub auf dem Bauernhof: Typische Holzhäuser mit stark abfallenden Dächern, die einen an den Hof von Heidis Großvater erinnern. Hier können Sie herrlich entspannen und sich von der ehrlichen Gastlichkeit der Hausbesitzer verwöhnen oder einer alpinen Wellnessbehandlung “verzaubern” lassen. Zudem kommen Sie hier in den Genuss von traditionellen Gerichten, die Sie in keinem Restaurant der Stadt finden würden.

Heidis Großvater? A propos keine Klischees. Und Gerichte die man in keinem Restaurant der Stadt (welche? die Stadt Trentino-Südtirol?) finden würde? Hä?

Scandaloitaliano deckt aber auch noch weitere lustige, vom Steuerzahler teuer bezahlte Fehler auf. Ein echter Skandal. O-Ton:

Questo blog, aperto al contributo di tutti i professionisti del multimedia italiano, nasce per motivare meticolosamente, analiticamente, punto per punto perchè www.italia.it – il sito da 45 (quarantacinque) milioni (milioni) di euro (di soldi pubblici) – è un portale mal progettato, mal realizzato, mal scritto, e che grida vendetta nel suo essere scandaloso spreco di denaro pubblico, nonché un’offesa alla competenza e alla professionalità  dei lavoratori del web italiano.

Kein Wunder, dass die Region Venetien im Interesse des eigenen Tourismus’ beantragt hat, gänzlich aus italia.it gelöscht zu werden.

Herr Landeshauptmann, Herr Engl: Finger weg von diesem Portal! Südtirol muss auch im Marketing unabhängig bleiben. Jetzt erst recht.

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