Südtiroler Sprachlandschaft.

Als ich vor einigen Jahren das Sprachbarometer des Landesinstituts für Statistik in meinen Händen hielt, fiel mir sofort auf, dass die meisten Daten nach Sprachgruppen getrennt angegeben waren — wodurch es schwierig ist, ein gesellschaftliches Gesamtbild zu erlangen. Das ist vermutlich Konsequenz des Südtiroler Autonomiemodells, in dem gewöhnlich alles gesondert nach Sprachgemeinschaften betrachtet wird.

Die meisten mir bekannten mehrsprachigen Länder — von Katalonien über die Schweiz bis Wales — kennen einen sehr wichtigen Indikator, der als Grundlage für die jeweilige Sprachpolitik dient, doch genau der fehlt in der Astat-Studie: Es handelt sich um die Hör-, Sprech-, Lese- und Schreibfähigkeiten aller Bürger in den unterschiedlichen Sprachen.
Im Sprachbarometer scheint zwar auf, wie gut die Südtiroler deutscher Muttersprache Italienisch und wie gut die Südtiroler italienischer Muttersprache Deutsch beherrschen, alles andere — einschließlich der Kompetenzen in der eigenen Sprache — wird jedoch ohne ganz Angabe von Zahlenwerten und ebenfalls nach Sprachgruppen getrennt (ausschließlich graphisch) zusammengefasst.

Eine tabellarische oder grafische Darstellung der Sprachfähigkeiten aller Südtiroler (also ungeachtet ihrer Muttersprache) fehlt ganz.

Ich habe nun beim Astat die entsprechenden Daten angefordert, erhalten und auf die Gesamtbevölkerung umgelegt. Daraus ergibt sich ein viel differenzierteres Bild der Südtiroler Sprachlandschaft, als die wie üblich nach Sprachgruppen getrennte Betrachtung erahnen lässt. Daten über das Leseverständnis liegen mir leider nicht vor, genausowenig wie über die Beherrschung der ladinischen Sprache. Das hier in Folge präsentierte Ergebnis müsste normalerweise einschlagen wie eine Bombe:

Rund 68% der Südtiroler haben keine Schwierigkeiten, gesprochenes Deutsch zu verstehen. Das ist rund 1 Prozentpunkt weniger, als es — laut Volkszählung — Südtiroler deutscher Muttersprache gibt. Darüberhinaus können weitere 16% der Südtiroler Zusammenhänge eines längeren Gesprächs auf Deutsch verstehen. Insgesamt befinden sich 84% der Südtiroler Gesamtbevölkerung in diesem »grünen Bereich«.

Obwohl sich bei der Volkszählung nur 26,5% der Südtiroler der italienischen Sprachgruppe zugehörig erklärt haben, geben 59% (also mehr als doppelt so viele!) an, ohne Schwierigkeiten einem Gespräch auf Italienisch folgen zu können. Betrachtet man den gesamten »grünen Bereich«, schneiden die deutsche und die italienische Sprache sogar gleich gut ab: Bei beiden Sprachen fallen 84% der Bevölkerung in die zwei höheren Kategorien.

Fast doppelt soviele Südtiroler verstehen kaum oder gar kein gesprochenes deutsches Wort (7%), wie solche, die angeben, (fast) kein Italienisch zu verstehen (4%).

Interessant ist nicht zuletzt der Vergleich mit dem deutschen Dialekt (nicht grafisch dargestellt): 13% der Südtiroler können (fast) gar nichts verstehen, wenn sie jemanden auf »Südtiroler Deutsch« sprechen hören. Das sind fast doppelt soviele, wie beim Hochdeutschen (7%). Allerdings geben im Gegenzug nur 7% an, einfache Sätze verstehen zu können, weshalb der sogenannte »grüne Bereich« beim Dialekt mit 80% nur unwesentlich kleiner ist, als im Falle des Hochdeutschen (84%). Die Einwohner Südtirols haben also insgesamt nur unwesentlich größere Schwierigkeiten, den Dialekt zu verstehen, als die Hochsprache.

Nur wenig mehr als die Hälfte der Südtiroler (55%) geben an, sich spontan und flüssig auf Deutsch ausdrücken zu können. Das sind deutlich weniger, als sich 2001 der deutschen Sprachgruppe zugehörig erklärt hatten (über 69%). Umgekehrt sprechen mit 43% der Gesamtbevölkerung wesentlich mehr Südtiroler »perfekt« Italienisch, als die Sprachgruppenzugehörigkeit vermuten ließe.

Alarmierend ist, dass in einem Land mit deutscher Bevölkerungsmehrheit über ein Zehntel der Menschen (fast) gar nicht Deutsch sprechen kann. Das sind fast dreimal soviele, wie jene, die kein Italienisch sprechen.

Was den gesamten »grünen Bereich« betrifft, so ist er bezüglich der Sprechfähigkeit im Deutschen (74%) nur unwesentlich größer als im Italienischen (71%). Anders gesagt: Fast gleich viele Einwohnerinnen Südtirols sprechen gut Italienisch, wie jene, die gut Deutsch sprechen.

Nur knapp die Hälfte der Südtiroler traut sich zu, Texte zu komplexen Sachverhalten auf Deutsch zu schreiben. Das sind rund 20 Prozentpunkte weniger, als die, die Deutsch als ihre Muttersprache bezeichnen. Fast ein Drittel (und somit ca. 6 Prozentpunkte mehr [!], als sich »italienischer Muttersprache« erklärt haben), trauen sich dieselbe Fähigkeit im Italienischen zu. Im »grünen Bereich« der deutschen Sprache befinden sich 77% der Südtirolerinnen, in jenem der italienischen Sprache 71%: Wiederum gibt es in dieser Hinsicht keinen allzu großen Unterschied zwischen den Sprachen. Die Anzahl jener Südtiroler, die kein Deutsch schreiben können, ist um 50% höher, als jene, die kein Italienisch schreiben können.

Das sind die Daten, die man meines Erachtens — anstatt der Sprachgruppen-Zugehörigkeitserklärung — für eine seriöse Sprach- und Kulturpolitik benützen sollte, weil sie ein realeres Bild der Südtiroler Gesellschaft zeichnen. Sie könnten in zahlreichen Bereichen Anlass für eine drastische Kursänderung sein. Dabei gilt zu beachten, dass die neuen Südtiroler (Zuwanderer) in diesen Erhebungen — meines Wissens — gar nicht berücksichtigt wurden.

Die Daten beziehen sich auf das Astat-Sprachbarometer 2004 (Abschnitt 4 – Sprachidentität) und auf die Sprachgruppenerhebung von 2001. Die genauen Fragestellungen und methodologischen Hinweise sind dem Sprachbarometer zu entnehmen; ihre Ausführung würde den Rahmen eines Blogeintrags sprengen.

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Più sudtirolesi che altoatesini.

Che ci siano più sudtirolesi che altoatesini sarebbe un’affermazione ridondante se riferita all’uso che molti fanno dei due termini, «sudtirolesi» per definire i cittadini di lingua tedesca e «altoatesini» per quelli di lingua italiana. Un uso teminologico che non solo descrive, ma contribuisce a riprodurre una separazione concettuale che dovremmo finalmente lasciarci alle spalle. Seguendo tale logica i sudtirolesi sarebbero «esattamente» il 69,15% della popolazione e gli altoatesini il 26,47%, come insegnano le dichiarazioni di appartenenza.

Quel che invece potrebbe sorprendere è ciò che si evince sfogliando il cosiddetto «barometro linguistico» dell’ASTAT, nella sua versione più recente, risalente ormai al 2004. Coloro che si autodefiniscono cittadini di lingua italiana, alla domanda relativa all’appartenenza «territoriale ed etnica» dicono di sentirsi altoatesini al 10,1%, ma la somma di chi si sente sudtirolese (2,6%), sudtirolese di lingua italiana (14,4%) o adirittura tirolese (0,3%) raggiunge un ben più pesante 17,3%.

Certo, il 52,2% dei concittadini di lingua italiana si definisce prima di tutto «italiano», ma raffrontando questi risultati all’identità monolitica che solitamente attribuiamo ai gruppi linguistici constatiamo una liquidità sorprendente. Chi è già pienamente arrivato in questa terra, emancipandosi dalla necessità di definirsi lungo un’asse «nazionale» preferisce definirsi sudtirolese piuttosto che altoatesino; un fatto che rende obsoleta la distinzione fra sudtirolesi (puramente di lingua tedesca) e altoatesini (gli italiani tutti) — ed impellente un uso più inclusivo e integrativo del termine Sudtirolo (anche da parte della popolazione di lingua tedesca).

Rafforzando l’interazione degli «italiani» con l’autonomia attuale e con i progetti di un suo sviluppo — anche in chiave «sovrana» — si contribuirebbe inoltre a far crollare ulteriormente la necessità di identificarsi con una comunità «nazionale». Non è uno sforzo fine a se stesso, se pensiamo che l’identificazione nazionale è destinata a venir delusa dalla realtà e quindi a generare disagio rispetto alle proprie aspettative.

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Staat autoritär und einseitig.

Aufgrund eines Plakates der Süd-Tiroler Freiheit, auf dem die italienische Trikolore mit einem Besen traktiert wird, wurde die Maschinerie des autoritären Staates in Gang gesetzt, der mit großem Aufwand nur seine eigenen Symbole — auch gegen Grundrechte wie die Meinungsfreiheit — verteidigt. Der Slogan der Kampagne, nämlich dass wir auf diesen Staat verzichten können, wird damit in meinen Augen erst wahr.

Die politische Polizei (DIGOS) hat der Staatsanwaltschaft ein Dossier vorgelegt, StA. Guido Rispoli hat — im Geiste des noch immer gültigen faschistischen Codice Rocco — die Plakate beschlagnahmen lassen und Ermittlungen wegen Beleidigung der italienischen Flagge eingeleitet.

Wie ideologisch die Staatsgewalt handelt, wird eindeutig, wenn man sich fragt, was DIGOS und Staatsanwaltschaft unternommen haben, als CasaPound öffentlich dem Duce zum Geburtstag gratuliert hat. Als Unitalia den Ratssaal der Gemeinde Bozen verlassen hat, weil ein Widerstandskämpfer geehrt wurde. Als ein Minister der Republik angekündigt hat, er werde sich mit der Trikolore den Allerwertesten putzen. Als in Bozen ein neofaschistisches Konzert stattgefunden hat. Oder als die neofaschistische CasaItalia vom Wobi öffentlich geförderte Räume für ihren Nazibuchladen erhalten hat.

Auf einen Staat, der die Meinungsfreiheit einer Partei — deren Rhetorik ich nicht teile — angreift (indem er mit Kanonen auf Spatzen schießt), während gleichzeitig der Revisionismus der Rechtsextremisten unbehelligt bleibt, kann wohl jeder Demokrat verzichten.

Hier eine Serie von Plakaten, die in Italien selbstverständlich kein rechtliches Problem darstellen.

Faschismen Politik Recht | | | | | STF Wobi | Deutsch

Il testo dell’accordo.

PROTOCOLLO D’INTESA

tra

Il Consiglio dei Ministri e per esso il Ministro per i Rapporti con le Regioni e per la Coesione Territoriale

e

la Giunta Provinciale della Provincia Autonoma di Bolzano e per essa il Presidente della Giunta

Oggetto: Installazione di cartelli segnaletici sui sentieri di montagna della Provincia di Bolzano

*

Le Parti

– facendo seguito ad incontri, contatti e corrispondenza intercorsi;

– nell’intento di addivenire ad una soluzione condivisa per superare i contrasti insorti in merito alla cartellonistica di cui in oggetto, nel rispetto degli accordi internazionali, dei principi costituzionali e statutari, nonché delle normative statali e provinciali in vigore;

– nel rispetto della storia del territorio con i suoi tre gruppi linguistici;

– nello spirito primario di consolidare la pacifica convivenza tra i gruppi linguistici in Alto Adige e di incentivare una proficua collaborazione tra Stato e Provincia;

VISTO

– il decreto legislativo del Capo provvisorio dello Stato 28 novembre 1947, n. 1430 con cui è stata data esecuzione all’Accordo del 5 settembre 1946, riportato come allegato IV del trattato di pace fra l’Italia e le Potenze alleate ed associate firmato a Parigi il 10 febbraio del 1947, che riconosce l’utilizzo paritario della lingua italiana e della lingua tedesca in Provincia di Bolzano;

– gli articoli 8, primo comma n. 2, 99 e 101 dello Statuto speciale per il Trentino – Alto Adige, approvato con decreto del Presidente della Repubblica il 31 agosto dei 1972, n° 670;

– la legge provinciale 7 giugno 1982, n. 22;

– l’articolo 15 della legge 7 agosto 1990, n. 241 e successive modificazioni, che contempla la possibilità per le pubbliche amministrazioni di concludere tra loro accordi per disciplinare lo svolgimento in collaborazione di attività di interesse comune;

CONSIDERATO

– che l’Alpenverein Südtirol AVS, nell’implementazione del progetto finalizzato alla digitalizzazione della rete dei sentieri montani e alpini siti sul territorio provinciale e all’operatività di forme di orientamento supportate con tecnologie GPS ha programmato l’apposizione di circa 73.000 segnavia cartelli lungo i sentieri di montagna della Provincia di Bolzano;

– che quasi la metà di tali cartelli è stata già  apposta per un numero pari a circa 36.000, mentre la parte restante deve ancora essere apposta per un numero pari a circa 37.000;

– che l’iniziativa dell’AVS è stata seguita dal confronto tra le Parti sul tema particolarmente sentito dalle comunità locali;

– che l’Autorità di Polizia Giudiziaria ha individuato Ca. 1.500 cartelli segnaletici contenenti indicazioni esclusivamente monolingui;

– che la questione interessa la tutela e salvaguardia delle caratteristiche etniche e culturali dei gruppi linguistici presenti sul territorio della Provincia Autonoma;

– che l’intesa lascia impregiudicata la competenza legislativa della Provincia di Bolzano in materia della toponomastica che non è oggetto dell’intesa;

– che la situazione venutasi a creare evidenzia difficoltà oggettive, connesse all’attuazione del principio del bi- e, dove previsto, del tri-linguismo;

– che le Parti concordano sulla necessità  di individuare una soluzione condivisa del problema affinché, in tempi ristretti ma oggettivamente ragionevoli, venga disciplinata l’apposizione dei cartelli sui sentieri di montagna con l’individuazione di criteri oggettivi e chiari, nel rispetto dell’autonomia provinciale in materia di toponomastica;

tutto ciò premesso e considerato

si conviene quanto segue

Articolo 1

(Finalità e obiettivi)

1. Il presente Protocollo intende favorire, nel rispetto dei valori costituzionalmente e statutariamente tutelati, l’attuazione del principio del bilinguismo e del trilinguismo, ove previsto, in materia di cartellonistica sui sentieri di montagna, apposta con contributo pubblico.

Articolo 2

(Attuazione)

1. Le Parti si avvalgono delle proprie strutture organizzative per l’attuazione del presente Protocollo e per l’attività  di verifica periodica dell’andamento dell’intesa. Il Consiglio dei Ministri si avvale, in particolare, del Commissario di Governo per la Provincia di Bolzano.

2. Le parti o per esse i propri delegati entro quindici giorni nomineranno una commissione di esperti, composta da quattro membri, pariteticamente costituita.

3. La commissione dovrà verificare, concordare e proporre alle parti le indicazioni segnaletiche da redigere in forma bilingue ovvero trilingue nell’ambito dei Ca. 1.500 casi individuati dall’Autorità di Polizia Giudiziaria quali contenenti indicazioni monolingui.

4. Le determinazioni della commissione, anche per le parti non condivise, saranno rimesse alla valutazione congiunta delle parti, alle quali spetterà ogni determinazione in merito nel rispetto di quanto previsto dall’articolo 5, entro termini oggettivamente ragionevoli e comunque in tempo utile da consentire la sostituzione della cartellonistica esistente entro la stagione alpinistica 2013.

Articolo 3

(Cartellonistica esistente)

1. La Provincia Autonoma di Bolzano si adopererà per far adeguare i cartelli, di cui all’art. 2, comma 3, già apposti ed attualmente esistenti lungo i sentieri di montagna del territorio provinciale, come ai sensi e nei termini di quanto stabilito dall’art. 2, comma 4.

Articolo 4

(Nuova cartellonistica)

1 La Provincia Autonoma di Bolzano si adopererà per far installare i restanti cartelli, rientranti nel progetto dell’AVS di cui in premessa, nel rispetto dei principi e criteri enunciati con il presente protocollo d’intesa.

Articolo 5

(Indicazioni bi trilingui da riportare sui cartelli)

1 I cartelli da apporre secondo le modalità  descritte agli articoli 2, 3 e 4 devono riportare la forma bilingue (o trilingue laddove prevista) nel rispetto dei seguenti criteri:

a) indicazione delle denominazioni diffusamente utilizzate per i comuni e per le località  nelle rispettive lingue e delle informazioni generali.

b) mantenimento, invece, nella loro dizione originaria, in lingua tedesca e/o ladina, dei nomi storici ferma restando in ogni caso la traduzione dei termini aggiuntivi come ad esempio “malga”, “lago”, “montagna”, “fiume”.

Articolo 6

(Collaborazione e vigilanza)

1 Le Parti, ciascuna per quanto di rispettiva competenza, si impegnano a collaborare per il raggiungimento degli obiettivi del presente Protocollo e per l’attuazione delle attività  da esso previste.

Bolzano, 22 settembre 2010

Il Presidente della Provincia autonoma di Bolzano

Il Ministro per i rapporti con le regioni e per la coesione territoriale

Luis Durnwalder

Raffaele Fitto

Unterstreichungen:

Siehe auch:

Ortsnamen Politik Recht Vorzeigeautonomie | Zitać | Luis Durnwalder | | Südtirol/o | AVS Land Südtirol | Deutsch Italiano

Sprachvolontariat.

Seit Jahren bewirbt die katalanische Sprachpolitik als vorbildlich und nachahmenswert, zuletzt etwa einmal mehr im Zusammenhang mit dem Konsumentenschutz (Stichwort: MediaWorld).
Nun holt Landesrat Tommasini (PD) mit dem »Voluntariat per les llengües« — das auch hierzulande seine katalanische Bezeichnung behält — erstmals einen kleinen Happen dieser Sprachpolitik nach Südtirol. Es handelt sich um ein Projekt der dortigen Secretaria de Polí­tica Lingüí­stica, bei dem katalanische Muttersprachlerinnen ihre Sprache auf freiwilliger Basis an andere weitergeben. Von der EU wurde es als Best Practice geadelt.

In Südtirol können sich Menschen beim Sprachvolontariat melden, die fließend Deutsch oder Dialekt sprechen. Bei informellen Treffen mit einer Lernerin soll dann für zehn Wochen — einmal wöchentlich — je eine Stunde lang gemeinsam Deutsch gesprochen werden. Das Ziel ist, den Lernerinnen die Gelegenheit zu geben, ihre Angst vor der Sprache abzubauen und sie in alltäglichen Situationen zu sprechen.

Interessierte können sich unter anderem online auf dem eigens eingerichteten Internetportal anmelden, auf welchem auch alle weiteren wichtigen Informationen zum Projekt erhältlich sind. Unklar ist bis dato, ob das Projekt nur italienischen Muttersprachlerinnen zugute kommen wird, oder ob es sich — wie in Katalonien — ausdrücklich auch an Zuwandererinnen und auswärtige Uni-Studentinnen richtet.

Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele Südtirolerinnen an dieser Initiative teilnehmen — um die Deutschkenntnisse von Neuankömmlingen und Zweitsprachlerinnen zu verbessern, bestenfalls aber auch, um sprachgruppenübergreifende Freundschaften und somit den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Nicht zuletzt kann dieses Projekt dazu beitragen, in Hinkunft noch mehr Sprachinitiativen nach katalanischem Vorbild nach Südtirol zu bringen und/oder auch hierzulande eine neue Dimension der Sprachpolitik zu eröffnen. Vielleicht wird der Landesregierung ja endlich bewusst, dass gute Einzelmaßnahmen wie jetzt das Sprachvolontariat nur dann gesamtgesellschaftlich greifen werden, wenn sie in eine einheitliche und zielgerichtete Sprachpolitik gegossen werden.

Bildung Migraziun Plurilinguismo Tech&Com | Best Practices Good News | Christian Tommasini | | Catalunya Südtirol/o | GENCAT Land Südtirol PD&Co. | Deutsch

SVP zum Fascho-Konzert.

In einer Presseaussendung reagiert die SVP — ziemlich hilflos — mit »Unverständnis« auf die Genehmigung des rechtsextremistischen Konzerts in Bozen. Eine langjährige Regierungspartei darf in einem solchen Fall jedoch nicht reagieren, sie muss agieren.

Sie muss sich fragen, aus welchem Grund die Landesregierung nicht mitentscheiden darf, ob dieses skandalöse Konzert (wenige Meter vom ehemaligen Durchgangslager entfernt!) stattfindet. Staatliche Behörden (Polizei und Präfekt) machen das unter sich aus.

Und sie muss sich fragen lassen…

  • was sie konkret unternommen hat, um Zuständigkeiten in der öffentlichen Sicherheit zu erlangen;
  • warum jahrelang tatenlos zugesehen wurde, wie sich in Bozen ein rechtsextremistisches Milieu entwickelt;
  • wie es möglich ist, dass die “Faschisten des dritten Jahrtausends” (Eigendefinition!) nicht nur geduldet, sondern auch noch mit Südtiroler Steuergeldern gefördert werden — wenn etwa die rechtsextreme CasaPound für ihre Bücherei vom Wobi bezuschusste Räumlichkeiten erhält.
Faschismen Politik Polizei Vorzeigeautonomie | | | | | SVP Wobi | Deutsch

Qualitätszeichen — bedingt.

Qualitätsprodukte.

Ich habe mich schon mehrmals mit dem Vorschlag an die Landesregierung gewandt, ein umfassendes Konsumentenschutzgesetz nach katalanischem Vorbild zu erlassen, das die beiden drei Landessprachen auch in diesem immer wichtigeren Sektor endlich gleichsetzt. Leider habe ich von offizieller Stelle noch nie eine befriedigende Antwort erhalten — vermutlich auch deshalb, weil die sogenannte Vorzeigeautonomie gar nicht über die Zuständigkeit verfügt, eigenständig in den Markt einzugreifen.

Qualitätsmarke.Es gäbe da jedoch einen Weg, schon jetzt konkret für mehr Verbraucherschutz zu sorgen: Das Land vergibt vielen Betrieben im Lande ein Qualitätszeichen, dessen Benützung an präzise Voraussetzungen gebunden ist. Obwohl sie sich gerne mit der Landesbezeichnung schmücken, halten es zahlreiche Firmen für überflüssig, in der Etikettierung auch die Mehrsprachigkeit unseres Territoriums zu berücksichtigen. Es wäre hier jedoch ein Leichtes, über die Vergabebedingungen der Qualitätsmarke festzuschreiben, dass sämtliche für den Konsumenten relevante Informationen gleichwertig auf Deutsch, Italienisch und Ladinisch anzubringen sind. Andernfalls wird das Siegel, welches immerhin mit öffentlichen Geldern finanziert und beworben wird, einfach wieder aberkannt.

Das wäre ein erster Schritt in Richtung Mehrsprachigkeit im Konsumentenschutz — mit deutlicher Signalwirkung: Südtiroler Qualitätsbetriebe müssen auch auf diesem Gebiet vorbildlich sein. Erst dann können wir auch von anderen erwarten, dass sie unsere Diversität berücksichtigen.

Zur Vertiefung:

Plurilinguismo Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Produktetikettierung | | | Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Landtag gegen EGMR.

Der Landtag hat gestern den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) delegitimiert, indem er für die Anträge von Union und Lega einerseits sowie PDL andererseits gestimmt hat, welche die Anbringung von Kreuzen in allen öffentlichen Gebäuden vorsehen. Kürzlich hatte der EGMR einer italienischen Atheistin Recht gegeben, die gegen die Anwesenheit des christlichen Symbols in der Schulklasse ihres Kindes einen Musterprozess angestrengt hatte. Dies widerspreche der Laizität des Staates und dem Prinzip der Religionsfreiheit. Dennoch empfahl der EGMR nicht, grundsätzlich auf die Anbringung von religiösen Symbolen zu verzichten, sondern im Einzelfall Rücksicht auf Nicht- und Andersgläubige zu nehmen. Mit den verabschiedeten Anträgen weist der Landtag diese Forderung zurück.

Da die Urteile des EGMR rechtlich de facto nicht bindend sind, erwächst seine Autorität aus der Bereitschaft der jeweiligen Institutionen, seine Erkenntnisse umzusetzen. In diesem Sinne sind die beiden Landtagsbeschlüsse als klare Abfuhr für die hohe Instanz zu deuten. Besonders kurios ist in diesem Zusammenhang, dass die Landesregierung erst vor wenigen Tagen angekündigt hatte, die Wiedereinführung faschistischer Gesetze in Italien vor dem EGMR anzufechten — einem Gerichtshof, dem der Landtag jetzt die Legitimität abspricht.

Grundrechte Politik Recht Religiun | | | | | BürgerUnion EGMR Lega PDL&Co. Südtiroler Landtag | Deutsch