Richtung: Machtergreifung.
CPI, FdI und Lega

Von Donnerstag, den 5. September bis gestern Sonntag, den 8. September ist im nahen Verona das jährliche »Fest« von CasaPound Italia (CPI) über die Bühne gegangen. Titel: Direzione Rivoluzione — wobei Revolution in diesem Fall wohl als »Machtergreifung« verstanden werden kann.

An den zahlreichen Diskussionsrunden, die vor allem am Freitag und Samstag im Rahmen der Veranstaltung über die Bühne gegangen sind, waren — dem offiziellen Programm zufolge — auch mehrere Mitglieder der Partei von Alessandro Urzì (FdI) beteiligt:

  • Andrea Delmastro, Kammerabgeordneter;
  • Elena Donazzan, Assessorin für Schule, Bildung, Arbeit und Reindustrialisierung der Region Venetien;
  • Ignazio La Russa, Vizepräsident des italienischen Senats und ehemaliger Verteidigungsminister;
  • Stefano Bertacco, Senator.

Darüberhinaus aber auch mehrere Politikerinnen der Lega, die in Südtirol mit der SVP das Land regiert:

  • Andrea Ostellari, Senator, Vorsitzender des Justizausschusses des italienischen Senats;
  • Simone Pillon, Senator, bis vor wenigen Tagen Familienminister;
  • Jari Colla, Kammerabgeordneter.

Der Vizepräsident des Senats, Ignazio La Russa (FdI), nutzte die Veranstaltung Medienberichten zufolge sogar, um zur Einigung der »souveränistischen Front« aufzurufen, also zur engeren Zusammenarbeit auch und gerade mit den Faschistinnen des dritten Jahrtausends, wie sich die Mitglieder von CPI gerne nennen.

Es stinkt ganz gewaltig — bis in die Südtiroler Landesregierung hinein.

Siehe auch:

Faschismen Politik | | Alessandro Urzì | | Italy Südtirol/o Venetien-Vèneto | CPI Land Südtirol Lega PDL&Co. SVP | Deutsch

5SB-PD: FdI zieht unerhörte Parallele.

Für diesen Sonntag hat Fratelli d’Italia (FdI), die rechtsextreme Partei des Landtagsabgeordneten Alessandro Urzì, in Sesto San Giovanni bei Mailand eine Protestkundgebung gegen die neue Regierung von 5SB und PD unter dem bisherigen Premierminister Conte organisiert.

Wie mehrere antifaschistische Vereine, insbesondere der Partisaninnenverband ANPI, anprangern, haben die Neofaschistinnen dafür den ungeheuerlichen Slogan »8. September – das Datum der Verräter« gewählt.

Während der aktuelle Bezug auf die 5SB klar ist — wiewohl sich deren angeblicher »Verrat« nicht am 8. September vollzogen hat — ist das Datum historisch mit dem Waffenstillstand von 1943 verbunden, den Pietro Badoglio im Namen Italiens (nach dem im Juli erfolgten Sturz von Benito Mussolini) am 3. September unterzeichnete und der am 8. September verkündet wurde.

Von den Nazis und den Mussolini treu gebliebenen Faschistinnen wurde Badoglio zum Verräter gestempelt. Eine unfassbare Interpretation, mit der sich FdI nun offiziell gemein macht.

Siehe auch:

Faschismen Geschichte Politik | | Alessandro Urzì Giuseppe Conte | | Italy | 5SB/M5S ANPI PD&Co. PDL&Co. | Deutsch

Österreichische »Inkursionen« am Brenner.

Die Tatsache, dass Nordtiroler Polizeibeamte am Brennerpass bisweilen auf Südtiroler Seite einen Kaffee trinken oder einen Einkauf tätigen, ohne dafür ihre Uniform abzulegen, hatte den Post-Postfaschisten Alessandro Urzì (AAnC/FdI) kürzlich in Schnappatmung versetzt. Mit Anfrage 331/19 hatte er sich deshalb bei der Südtiroler Landesregierung erkundigt, ob sie nicht die italienischen Zentralbehörden auffordern wolle, diese »nicht rechtfertigbaren Einfälle« zu beenden. Um genau zu sein, bemühte er den Begriff »incursioni«, was laut Treccani-Wörterbuch eine »scorreria rapida e violenta di gente armata« (ein schneller und gewaltsamer Einfall Bewaffneter) oder eine »operazione di temporanea penetrazione nel territorio nemico condotta da piccoli gruppi di specialisti per compiervi, di sorpresa, distruzioni o azioni di disturbo« (zeitlich begrenztes Eindringen kleiner Spezialistengruppen in Feindesland, um überraschende Zerstörungen oder Störaktionen durchzuführen) wäre.

Anstatt diese lächerliche Provokation des rechtsradikalen Abgeordneten abzuwimmeln, hat sich die Landesregierung — wie man der Antwort auf die Anfrage entnimmt — allen Ernstes mit dem Regierungskommissariat (also mit der Vertretung der von Urzì angesprochenen »italienischen Zentralbehörden« im Lande) in Verbindung gesetzt. Demzufolge seien aber die Eintritte der österreichischen Polizei auf italienisches Staatsgebiet — beschränkt auf die Ortschaft Brenner — gemäß bilateraler Vereinbarung zwischen Österreich und Italien zulässig. Während der letzten zwei Jahre habe es auch keine Polizeiarbeit österreichischer Beamter am Bahnhof Brenner gegeben.

Die einzige suffisante Bemerkung befindet sich im Schlusssatz: Es sei aber durchaus plausibel, dass Angehörige der österreichischen Polizei in diesem Rahmen irgendetwas bei einem Lokal auf Südtiroler Seite konsumiert haben könnten.

Es lebe das »grenzenlose« Europa.

Siehe auch:

Grenze Politik Polizei Recht | | Alessandro Urzì | | Italy Nord-/Osttirol Österreich Südtirol/o | EU Land Südtirol PDL&Co. Regierungskommissariat Südtiroler Landtag | Deutsch

Bhf. Franzensfeste: LReg. ahnungslos.

Mit ihrer Landtagsanfrage Nr. 181 vom 14. März 2019 hatten die Freiheitlichen unter ausdrücklicher Bezugnahme auf den entsprechenden Beitrag in diesem Blog bei der Landesregierung nachgefragt, (1.) ob sie über die gesetzwidrige neue Beschilderung am Bahnhof Franzensfeste informiert sei, (2.) an welchen anderen Bahnhöfen im Land bereits ähnliche Schilder montiert worden seien und (3.) ob sie schon bei den zuständigen Stellen interveniert habe.

Auf alle drei Fragen antwortete Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) ganze zwei Monate später, am 15. Mai:

Die Landesregierung verfügt derzeit über keine Informationen, hat aber den Schienennetzbetreiber bereits mit der Bitte um Auskunft kontaktiert. Sobald diese Informationen vorliegen, werden wir Sie unverzüglich darüber in Kenntnis setzen.

Bis heute — seit der Anfrage sind bald fünfeinhalb Monate vergangen — scheint auf der entsprechenden Seite des Landtags keine Ergänzung auf. Der Schienennetzbetreiber (RFI) hat wohl nicht geantwortet und die Landesregierung scheint außerstande, im Laufe eines halben Jahres jemanden nach Franzensfeste zu schicken, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Notfalls gäbe es auch die Fotos, die dem BBD-Beitrag beigefügt sind.

Am 25. Juni haben die Blauen mit einer neuen Landtagsanfrage (Nr. 334) nachgehakt. Bislang wurde aber auch die nicht beantwortet, obwohl die angegebene Beantwortungsfrist am 25. Juli verstrichen ist.

Es wird nur ein Gefühl sein, aber die Anfragen des Post-Postfaschisten Urzì scheinen mir deutlich geschmeidiger zu verlaufen.

Siehe auch:

Mobilität Plurilinguismo Politik Recht Service Public Vorzeigeautonomie | afk Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | Alessandro Urzì Arno Kompatscher | | Südtirol/o | Freiheitliche PDL&Co. RFI Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

Suicidi, il Sudtirolo nel contesto internazionale.
Nella media europea

[Questa] è la terra dei suicidi, del più alto tasso di suicidi perché qui ci si annoia, perché non c’è niente da fare, questa è la verità drammatica, è la terra della sonnolenza e i modelli che vengono proposti sono i modelli dei territori sonnolenti, quelli che chiudono, quelli del nulla, del vuoto. Vi ricordate com’era la città di Bolzano qualche anno fa? Io sono di Bolzano, era un mortorio, era il nulla, oggi è una città modestissima, di periferia, ma che comunque ha una sua dignità, una sua vita.

Certamente non sarebbe stato necessario citare questa vera e propria schifezza, pronunciata da Alessandro Urzì (AAnC/FdI) nel Landtag il 16 maggio, per occuparmi — dal solo punto di vista statistico, beninteso — di suicidi. Se ho deciso di farlo è perché i dati ufficiali dimostrano come, oltre a essere un’enorme sciocchezza mettere in relazione i suicidi con le aperture domenicali dei centri commerciali (e non sto nemmeno qui dimostrarlo), sia un’enorme stupidaggine anche lo stesso ritornello della «terra dei suicidi».

Seguono i dati standardizzati di tutti i Länder della Germania e dell’Austria, oltre che delle regioni italiane e di alcune altre realtà europee, riferite al triennio 2014-2016 (Eurostat, suicidi per 100.000 abitanti):

RegioneDonneUominiTotale
Eszak-Alföld (H)9,1245,5124,55
Bretagne*10,3337,6223,15
Vallonia (BE)11,1431,0620,31
Lubuskie (PL)4,8038,0220,16
Kärnten8,1532,9619,59
Alentejo (P)7,2833,9618,99
Steiermark7,9128,4217,14
Açores (P)3,7431,3115,93
Niederösterreich6,4627,5715,03
Salzburg7,1824,3714,88
Sachsen5,9623,4113,83
Sachsen-Anhalt5,2723,6613,58
Nord-/Osttirol6,6621,5513,43
Bayern6,7321,0813,26
Oberösterreich5,4822,4213,20
Islanda5,7920,4613,15
Schleswig-Holstein6,8120,7313,00
Zürich7,1919,6112,86
Algarve (P)4,9122,3912,75
Thüringen4,2622,4912,57
Praha (CZ)5,3920,6712,51
Hamburg7,0319,0812,43
Helsinki-Uusimaa7,4118,1912,38
Vallée d'Aoste3,5222,2112,36
Wien6,7219,1612,22
Rheinland-Pfalz5,1020,0812,05
Hessen6,0218,8611,97
Svizzera Centrale6,0420,1911,83
Vorarlberg3,9320,6511,78
Alsazia*5,6319,0611,75
Baden-Württemberg5,7718,7111,74
Bruxelles7,3816,6711,56
Sjælland (DK)5,2918,2911,49
Saarland4,4519,3011,41
Asturias (ES)6,4617,6411,41
Berlin6,5417,1711,37
Niedersachsen5,2518,5111,27
Brandenburg5,8117,7811,27
Galicia5,9117,3611,24
Bremen6,3017,3811,17
Ø Media UE4,7617,7710,83
Burgenland4,5317,8410,67
Südtirol/o5,5416,5310,62
Mecklenburg-Vorpommern4,2117,9510,55
Corsica*6,3415,5210,51
Stockholm6,7714,6810,48
Scotland5,5015,6110,37
Lisbona4,7215,199,15
Ticino5,8412,669,09
Trentino2,5116,169,07
Nordrhein-Westfalen4,7513,959,00
Sardigna3,0215,418,95
Northern Ireland3,5014,438,83
Andalusia3,5914,848,74
La Rioja (ES)3,4713,508,33
Wales2,7913,788,13
Friûl VG4,2812,388,07
Umbria3,7213,328,05
Marche3,4913,087,97
Piemonte3,4912,807,75
Navarra5,3910,317,69
Euskadi4,1411,827,69
Emilia-Romagna3,4512,207,42
Malta2,4512,347,08
Île de France3,8511,017,06
Veneto2,7411,296,82
Catalunya3,6810,586,82
Toscana2,5411,706,70
Creta1,3811,566,22
Lombardia2,8110,026,18
Basilicata1,3710,485,64
Calabria2,028,845,21
Sicilia2,088,815,18
London2,448,115,17
Madrid (Comunidad)2,837,765,04
Puglia1,928,024,75
Lazio1,887,624,50
Cipro1,866,914,28
Molise1,776,694,05
Liguria1,986,564,03
Campania1,515,693,44
Istanbul0,501,831,13
Ankara0,240,810,49

*) Francia: triennio 2013-2015

Prescindiamo pure dal fatto che le statistiche su questo delicato tema devono fare i conti con un’enorme mole di dati sommersi e sono quindi da prendere con le pinze. Anche lo stolto ritornello della «terra dei suicidi» si basa infatti sul medesimo dato statistico, con tutti i problemi che ciò comporta. Tuttavia, inserito nel contesto europeo, anche tale dato ne esce ridimensionato: il Sudtirolo si trova leggermente al di sotto della media UE.

Questo senza volere minimizzare alcunché, perché ogni morte che avvenga per suicidio è una di troppo. Ma allora, e a maggior ragione, che se ne parli con il giusto rispetto.

Info Prävention | Info prevenzione

Sollten Sie selbst dringend Hilfe benötigen, können Sie sich an die Caritas Telefonseelsorge wenden: täglich rund um die Uhr — auch sonn- und feiertags — unter der Nummer 0471 052 052 oder online unter https://telefonseelsorge-online.bz.it (Erstantwort innerhalb von 48 Stunden) erreichbar.
Vertrauliche und kostenlose Beratung für junge Menschen: Young+Direct
Whatsapp: 345 081 70 56, Tel.: 840 036 366 (Grüne Nummer), Montag-Freitag: 14.30-19.30 Uhr, E-mail: online(at)young-direct.it

Se avete bisogno di aiuto, potete rivolgervi a Telefono Amico (ascolto rispettoso, anonimo e gratuito) al numero verde 800 851 097 (ore 15.00-24.00), sito www.telefonoamico.it.
Servizio di consulenza per giovani, confidenziale e gratuito: Young+Direct
Whatsapp: 345 081 70 56, tel. 840 036 366 (numero verde) dal lunedì al venerdì, 14.30-19.30, mail: online(at)young-direct.it

Quelle | Fonte: Caritas Südtirol.

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Regierungskrise: Vom Regen in die Traufe?

Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini (Lega) hat der unsäglichen blaugelben Regierung den Stecker gezogen. Damit sind die nützlichen Idiotinnen von der 5SB, seine Steigbügelhalterinnen, wohl schon bald Geschichte. Man kann zunächst auch aufatmen ob der Entlassung eines Di Maio oder eines Toninelli aus ihren Regierungsämtern. Aus Südtiroler Sicht wird das Ausscheiden der uns nicht besonders freundlich gesinnten Ministerin Grillo vielleicht etwas Ruhe in den ohnehin angeschlagenen Gesundheitsbetrieb einkehren lassen — wiewohl schon beschlossene Anfechtungen nicht automatisch hinfällig werden.

Noch größeres Aufatmen verursacht bei mir die Krise vorerst wegen des Ausscheidens der menschenverachtenden, rechtsradikalen Lega aus der Regierungsverantwortung. Doch wie zumindest die Umfragewerte ahnen lassen, wird es sich nur um eine vorläufige Atempause handeln, bevor sie von einer wachsenden Anzahl Italienerinnen zurück in eine dann wohl noch einmal deutlich nach rechts verschobene Regierung gehievt wird. Zu befürchten steht eine Koalition der Salvini-Partei mit der rechtsextremen Fratelli d’Italia, die die blaugelbe Regierung schon bald alt und nahezu harmlos aussehen lassen könnte.

Aufbauend unter anderem auf die beiden repressiven »Sicherheitsgesetze« der frühzeitig beendeten Legislatur und die solide Basis des faschistischen Codice Rocco, könnten sie die Erinnerungen an alte Zeiten schon bald aufleben lassen. Da würden wir uns dann wundern, was alles geht.

— Übrigens auch in Südtirol direkt, wo der umtriebige Fanatiker Alessandro Urzì (AAnC/FdI) dann direkte Ansprechpartnerinnen in der römischen Regierung hätte.

Hinweis: Sowohl Ende der Regierung Conte, als auch Auflösung des Parlaments und Neuwahlen sind zum jetzigen Zeitpunkt nur politische und zumindest theoretisch noch abwendbare Ankündigungen.

Siehe auch:

Faschismen Gesundheit Nationalismus Politik Racism Repression | | Alessandro Urzì Matteo Salvini | | Italy Südtirol/o | 5SB/M5S Lega PDL&Co. | Deutsch

Zweisprachig, zweinamig, zwei Akte.
(Nach wessen Pfeife hier getanzt wird)

Erster Akt – Zweisprachigkeit

Am 14. März 2018 hatte ich die Gemeinde Natz-Schabs via Email darauf hingewiesen, dass sämtliche Batteriesammelbehälter auf dem Gemeindegebiet ausschließlich auf Italienisch beschriftet sind: »Raccolta differenziata pile esaurite«. Nur einen Tag später antwortete mir der zuständige Gemeindereferent:

Guten Tag Herr Constantini,

danke für den Hinweis, es ist war [sic] sicherlich keine bewusste Entscheidung[,] die Beschriftung nur einsprachig anzubringen. Wir werden [es] umgehend veranlassen[,] auch die deutsche Beschriftung aufzukleben.

Mfg [sic]

Bald 17 Monate später ist die Situation trotz »umgehender Veranlassung« noch immer unverändert. Ich habe keine Ahnung, wie viele Jahre noch ins Land gehen müssen, bis dieses hochkomplexe Problem einer Lösung zugeführt werden kann.

Zweiter Akt – Zweinamigkeit

In einer Anfrage vom 20. März 2019 (zwei Tage, nachdem sich mein Hinweis gejährt hatte) beanstandete Alessandro Urzì von der rechtsradikalen Fratelli d’Italia, dass die Viumser Straße in Schabs nicht nach faschistischer Vorschrift, sondern als »via Viums« übersetzt worden sei. Statt nach den vorgesehenen 30 Tagen antwortete die Landesregierung erst am 3. Juni. Doch das Schild ist inzwischen bereits ausgetauscht: Nicht einmal fünf Monate sind seit Einreichung der Landtagsanfrage vergangen, gar nur zwei Monate seit der Antwort, bis die Lösung im Sinne von Alessandro Urzì (und seinem Vorbild Tolomei) umgesetzt wurde.

Klar: Ich bin kein Landtagsabgeordneter, sondern »nur« ein Bürger. Und ich habe keine faschistischen Dekrete, sondern »nur« das Autonomiestatut auf meiner Seite.

Siehe auch:

Discriminaziun Faschismen Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Politik Recht Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Italianizzazione Zitać | Alessandro Urzì Ettore Tolomei | | Südtirol/o | PDL&Co. Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

KH Meran: Deutscher Zusatztext muss weichen.

Es ist ein Lehrbeispiel für die Südtiroler Unterwürfigkeit, wie sie für minorisierte Sprach(gemeinschaft)en emblematisch ist: Eine österreichische Firma liefert dem Meraner Krankenhaus eine medizinische Gerätschaft und dazu das gemäß EU-Norm vorgesehene Warnschild mit drei Piktogrammen. Diese sind noch mit einem einsprachig deutschen Text versehen. Irgendjemand spielt dem Landtagsabgeordneten Alessandro Urzì (AAnC/FdI) ein Foto davon zu, der eine Landtagsanfrage (Nr. 218/19) verfasst.

Am 14. Juni antwortet der zuständige Landesrat, Thomas Widmann (SVP), dass der Text, in welcher Sprache auch immer, vom Gesetz nicht vorgesehen sei und deshalb einen freiwilligen Zusatz darstelle, den die liefernde Firma hinzugefügt habe. Die Piktogramme allein seien völlig ausreichend. So weit, so gut.

Doch dann fügt Widmann hinzu, dass das Schild inzwischen durch ein anderes ersetzt worden sei, auf dem nur die Piktogramme — ohne den Zusatztext — abgebildet sind. Vorbildlich, um nicht zu sagen: zu vorbildlich, jedenfalls, wenn man sich das Konzept der »affirmative action« vergegenwärtigt. Es geht dabei darum, Benachteiligungen auch durch Überbetonung (oder »positive Diskriminierung«) wenigstens teilweise aufzuwiegen.

Im Gesundheitsbereich ist die deutsche Sprache in Südtirol extrem unter Druck: so wird zum Beispiel die Vorschrift, die bei Medikamenten zweisprachige Packungsbeilagen vorschreibt, seit Jahrzehnten ignoriert. In mehreren Apotheken des Landes — insbesondere in den Städten — ist oft erfahrungsgemäß auch das Personal nicht in der Lage, Patientinnen auf Deutsch über die Medikamente aufzuklären. Und im öffentlichen Gesundheitsdienst wurde zudem während der letzten Jahre immer mehr vor allem einsprachig italienisches ärztliches und pflegerisches Personal aufgenommen — während jetzt eine Hetzjagd auf einsprachig deutsche Ärztinnen eröffnet wurde.

Trotz alledem wird jetzt die deutsche Sprache bereitwillig auch dort gelöscht, wo sie nur zufällig und als freiwilliger Zusatz vorhanden war — weshalb eine Übersetzung gar nicht nötig gewesen wäre. Nicht misszuverstehen: Per se ist diese Haltung positiv, doch sie berücksichtigt nicht den Kontext, also die sprachliche Gesamtsituation.

Es ist, als würde man ein Gremium, das ausnahmsweise fast ausschließlich aus Frauen besteht, im Sinne der Gleichberechtigung mit Männern nachbesetzen, obwohl es »im Großen« die Frauen sind, die unterrepräsentiert sind.

Siehe auch:

Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Service Public | affirmative action Bilinguismo negato Italianizzazione Packungsbeilagen | Alessandro Urzì Thomas Widmann | | Südtirol/o | PDL&Co. Sabes Südtiroler Landtag SVP | Deutsch