Quotation (359): Natürlich Blödsinn!

Wer die deutschsprachigen Tageszeitungen liest oder auch die Internetforen, der sieht immer wieder Texte von Leuten — ob das dann repräsentativ ist, ist eine andere Frage — die […] feststellen, es würde inzwischen alles fast italianisiert werden. Was natürlich ein völliger Blödsinn ist […].

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) am Runden Tisch von Rai Südtirol, 3. April 2017

Dann verbreitet vermutlich auch das Landesstatistikinstitut (Astat) völligen Blödsinn.

Wer ist progressiv?

Die Diskussionen im Konvent rund um den Art. 19 und den Gesetzesentwurf von Francesco Palermo haben in den Medien zu zahlreichen Reaktionen geführt. Riccardo Dello Sbarba vermittelt in seinem Beitrag (“Pech gehabt”), dass nur Neinsager am Werk sind. Maurizio Ferrandi (C’è un altro Sudtirolo?) sieht die Zeit gekommen, dass in Südtirol eine gemischtsprachige Schule eingeführt wird, da sich ja die Zeiten geändert haben und quasi die ganze Welt derartige Schulmodelle einführt. All jene, die nicht eine gemischtsprachige Schule unterstützen, sind wieder einmal die Hinterwälder und bekommen gar nichts mit und verharren in der Vergangenheit. Damit werden wir wieder von allen “progressiven” Kreisen fleißig “schubladisiert”, wer nicht für eine gemischtsprachige Schule ist, ist per definitionem rückständig und rechtsgerichtet. Ich bezeichne mich selbst als liberal und bin grundsätzlich neuen Entwicklungen und Initiativen aufgeschlossen und nehme sie gerne an, so wie hier auch im BBD-Blog, wo wir versuchen, der Idee eines unabhängigen Südtirols Argumente zu liefern. Wieso bin ich in der Frage der Schule so “rückständig”?

Ich persönlich unterscheide zwischen zwei Ebenen, eine objektive und eine subjektive, die mich letztlich gegen eine allgemeine Einführung einer gemischtsprachigen Schule geführt haben:

  • In unserem Land werden die Sprachkenntnisse nur unzureichend erhoben, das Astat veröffentlicht alle 10 Jahre das Sprachbarometer, welches für mich die wichtigste Grundlage zur Beurteilung der Sprachentwicklung im Land darstellt. Bei dieser Erhebung wird klar, dass in Südtirol das Italienische besser verstanden und gesprochen wird als Deutsch, auch wenn es seit 2004 eine positive Entwicklung gegeben hat. Es ist allerdings in einem Minderheitengebiet wie Südtirol viel zu wenig, nur alle 10 Jahre die Sprachkenntnisse zu erheben, die Katalanen machen beispielsweise eine jährliche Erhebung. Ein Kind durchläuft innerhalb von 10 Jahren die Grund-, Mittel- und einen Teil der Oberschule. Sollten sich die Sprachniveaus verschlechtern, so wird dies erst viel zu spät festgestellt.
  • Zwar wird landauf und landab über den bestehenden Zweitsprachenunterricht gejammert, es fehlt aber nach wie vor eine umfassende, repräsentative Erhebung zur Qualität des Zweitsprachenunterrichtes in Südtirol. Es ist verwunderlich, dass das Thema gesellschaftlich zwar stark diskutiert, es aber keine ausreichende Datengrundlage zur Beurteilung der Qualität des Unterrichtes gibt. Die Erhebung des Ist-Zustandes sollte doch immer der Ausgangspunkt jedweder Verbesserungsversuche sein. Nur so lassen sich Defizite erkennen und klar benennen.
  • Die Befürworter der gemischtsprachigen Schule haben im Konvent unter anderem auf die Umfrage des Elternbeirates verwiesen, wo es eine klare Aussage hinsichtlich der Einführung einer gemischtsprachigen Schule gibt. Erschreckend ist hier die Tatsache, dass die Erhebung keineswegs repräsentativ ist, da sie als Vollerhebung und nicht als repräsentative Stichprobe geplant war, es aber nur einen Rücklauf von 25% gegeben hat. Drei Viertel aller Befragten haben also nicht geantwortet, zudem wurden die Fragen fast suggestiv gestellt, da es beispielsweise keine Möglichkeit gab, für die Verbesserung des bestehenden Unterrichts einzutreten, sondern nur alternative Modelle abgefragt wurden. Genau so gut könnte man die aktuelle ff-Umfrage hernehmen, die ebenso nicht repräsentativ ist und wo sich (bis jetzt) drei Viertel der Teilnehmenden gegen eine gemischtsprachige Schule ausdrücken.
  • Weitere “Zaubermethoden” wie etwa CLIL erweisen sich bei näherer Betrachtung keineswegs so erfolgreich wie es in den Medien und in der Politik dargestellt wird, sondern führen zum Teil zu schlechteren Ergebnissen im Vergleich zum bestehenden Unterricht und wurden zudem schlampig evaluiert. Für mich ist es in diesem Zusammenhang immer wieder erstaunlich, wie wenig Politiker und Befürworter dieser Methode über den Erfolg der Methode wissen, vielmehr wird es wie ein Schlagwort für einen besseren Zweitsprachenunterricht gehandelt.
  • Erstaunlich ist auch die Tatsache, wie wenig über den bestehenden Englischunterricht gejammert wird. Wäre es nicht interessant zu untersuchen, wieso hier alles so viel besser läuft? In Gesprächen mit anderen Eltern hört man immer wieder, dass ihre Kinder wesentlich schneller Englisch als Italienisch erlernt haben. Ich vermute eine andere Didaktik im Unterricht, die offensichtlich zu besseren Ergebnissen führt.
  • Die zahlreichen Experimente, die in den letzten Jahren an den Schulen durchgeführt wurden, führen nicht per se zu besseren Ergebnissen, in wacher Erinnerung habe ich die Methode “Lesen durch Schreiben”, die vor etwa 15 Jahren eingeführt, sich erst im Laufe der Zeit als untauglich für all jene erwiesen hat, die leichte Schwächen aufweisen. Trotzdem hat man die Methode eingeführt (und mittlerweile klammheimlich begraben), allerdings wurde an einer ganzen Generation von Schülern herumexperimentiert, ohne dass etwaige Schwächen der Methode im Vorfeld untersucht worden wären.

Neben diesen objektiven Erkenntnissen habe ich als Vater von drei schulpflichtigen Kindern noch einige Erfahrungen sammeln können, die mich in meiner Meinung bestärkt haben, dass zuerst der bestehende Unterricht verbessert gehört. Diese Erfahrungen sind natürlich rein subjektiv:

  • Meine Kinder haben in der Schule größtenteils sehr bescheidene Italienischkenntnisse erlangt, obwohl im Laufe einer Schulkarriere bis zur Matura an die 1.800 Stunden Italienisch gelehrt wird.
  • Immer wieder gab es auch Probleme mit Italienischlehrern. Letztes Jahr musste ich als Elternrat auf Wunsch der Schüler eingreifen, da laut Aussage der Schüler der Unterricht katastrophal war und sie gerne eine andere Lehrperson gehabt hätten. Ähnliche Erlebnisse wurden mir auch von anderen Eltern berichtet, und in meiner eigenen Schulkarriere hatte ich auch unter ein paar Totalversagern zu leiden. Man stelle sich nun vor, diese würden nun auch noch andere Fächer unterrichten. Zuallererst muss deshalb der Blick auf die Qualität des Unterrichts gerichtet werden; wenn diese gewährleistet ist, wird sich möglicherweise eine Ausweitung des Zweitsprachenunterrichtes erübrigen.
  • Die ständige Konzentration auf den mangelhaften Sprachunterricht verstellt den Blick auf andere, mindestens gleich wichtige Kenntnisse wie Mathematik und die Naturwissenschaften. Südtirol steht wie der Rest der Welt in einem Wettbewerb um die besten Ressourcen, deshalb ist es nicht allein entscheidend, ob Fremdsprachen gesprochen werden. Mindestens gleich wichtig sind technische und naturwissenschaftliche Fächer. Dieses “Sprachmantra” verstellt den Blick auf Fähigkeiten und Kenntnisse, die wir für unsere Wettbewerbsfähigkeit in Südtirol unbedingt brauchen.
  • Rein subjektiv erlebe ich immer wieder ein gewisses Ungleichgewicht im Sprachgebrauch. Während man bis hinauf zur letzten Almhütte ohne Probleme auf Italienisch seine Bestellungen aufgeben kann, ist dies umgekehrt vielfach nicht gewährleistet: Ich empfehle jedem, mal auf Deutsch in einem der großen Bekleidungsgeschäfte unter den Bozner Lauben zu kommunizieren; letzthin wurde meine (deutsche) Frage mit einem “do you speak English?” beantwortet. Hier wünsche ich mir manchmal mehr Selbstbewußtsein auf Seiten der Deutschsprechenden, ansonsten laufen wir ständig Gefahr, auf eine automatische Rückfallebene zu schalten und die “lingua franca nazionale”  durch unser eigenes Verhalten zu festigen. Geben wir auch den italienischsprechenden Südtirolern eine Chance, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Letzlich habe ich das Gefühl, die Probleme rund um die Zweitsprache sind mit einem Pkw vergleichbar, wo ein Reifen ständig Luft verliert, man aber nicht den mangelhaften Reifen flickt, sondern immer wieder einen fünften Reifen an das Fahrzeug montiert, um die Probleme zu beheben. Dass das nicht gut gehen kann, ist nachvollziehbar. Aus all diesen Gründen habe ich mich im Konvent nicht für die Einführung einer gemischtsprachigen Schule ausgesprochen. Wie etwa Ewald Rottensteiner treffend sagte, ist unsere Muttersprache der Grund für unsere Autonomie und der Muttersprachunterricht eine der Grundsäulen unseres Autonomiestatutes. Wir sollten deshalb wohlüberlegt und hochprofessionell an dieses Thema herangehen, die letzten Jahrzehnte haben bewiesen, dass ein Beharren auf einige Grundprinzipien des Statutes, wie etwa auch den Proporz, sich letzlich als Erfolgsfaktor für unser Land erwiesen hat, selbst Riccardo Dello Sbarba hat in einer der Konventsitzungen den Proporz, obwohl jahrzehntelang von seiner Partei bekämpft, als erfolgreich bezeichnet. Gleichzeitig können im Rahmen der Schulautonomie viele Schulen alternative Modelle ausprobieren, die italienischen Schulen experimentieren mit dem Immersionsunterricht.  Diese Freiheit würde ich beibehalten, für die italienischen Schulen könnte effektiv das katalanische Modell eines asymmetreichen Immersionsunterrichtes sehr zielführend sein. Auch hier erweist sich, dass das übergeordnete Prinzip des Muttersprachunterrichtes nicht angetastet werden  muss. Sollte Südtirol eines Tages den Weg der Unabhängigkeit wählen, ändert sich alles, die deutsche Sprache ist dann plötzlich nicht mehr die Minderheitensprache und unser mehrsprachiger Quellcode kann zu völlig neuen Schulmodellen führen.

Ortsnamen interessieren nicht. Oder doch?
Südtiroler Mythen

In seinem Leitartikel zum Wochenende schreibt TAZ-Herausgeber Arnold Tribus zu einem Thema

das auf der Straße kaum eine Seele interessiert, abgesehen von Politikern und Patrioten: die Toponomastik.

Nun lässt sich schwer quantifizieren, wieviele SüdtirolerInnen zu den beiden von Tribus genannten Kategorien gezählt werden können — doch dass sich »kaum eine Seele« für die Thematik interessiere, soll ja nahelegen, dass die Ortsnamensfrage unwichtig sei.

Wiewohl das heute eher nicht mehr erwünscht ist, möchte ich der Behauptung des Leitartiklers ein paar Fakten entgegenhalten: Laut Astat-Sprachbarometer 2014 halten 40,9% der SüdtirolerInnen die Ortsnamenfrage für ein wichtiges Thema. Das mag zwar nicht die Mehrheit sein, »keine Seele« ist für einen derart hohen Anteil aber wohl auch kein Ausdruck. Es sei denn, wir zählen vier von zehn BürgerInnen in diesem Land zu den »Politikern und Patrioten«.

Nach Sprachgruppen aufgeschlüsselt sind 37,8% (gegen 55,3%) der Deutschsprachigen, 48,8% (gegen 41,4%) der Italienischsprachigen und 54,8% (gegen 45,2%) der Ladinischsprachigen der Meinung, dass die Toponomastik ein wichtiges Thema sei.

Siehe auch: [1] [2] [3]

Gesundheit oder Zweisprachigkeit.
Abwicklung eines Grundrechts

Rund ein Viertel der ÄrztInnen, die im Südtiroler Gesundheitsbetrieb tätig sind, haben keinen Zweisprachigkeitsnachweis und sind demnach nicht imstande, das Recht auf Muttersprache zu gewährleisten — in einem Kontext, in dem Menschen besonders schwach und verletzlich sind.

Nun erfährt man vom Generaldirektor ebendieses Betriebs, Thomas Schael, dass man nicht etwa versucht, dieses Problem in den Griff zu bekommen — sondern vielmehr, dass beabsichtigt wird, massiv weitere einsprachige ÄrztInnen einzustellen. Die Losung lautet, dass »Gesundheit vor Zweisprachigkeit« geht, doch dahinter versteckt sich die Abwicklung eines Grundrechts, das die Existenzgrundlage unserer Autonomie darstellt.

In Wirklichkeit ist »Gesundheit ohne Zweisprachigkeit« in einem Land wie dem unserem kaum menschenwürdig hinzubekommen. Auch in der »Strategy for the National Languages of Finland« wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass besonders im Sicherheits- und Gesundheitsbereich — als zentrale Bereiche des menschlichen Lebens — auf ausreichende Kenntnis beider Amtssprachen zu achten sei.

In Südtirol ist leider das genaue Gegenteil der Fall:

  • Laut Astat-Sprachbarometer von 2014 wurde den SüdtirolerInnen am häufigsten im Gesundheitswesen (26,9%) das Recht auf Gebrauch der Muttersprache verweigert, dicht gefolgt von den Carabinieri (26,2%). An dritter Stelle folgt Polizei (18,2%). Gesundheit und Sicherheit.
  • Die Zweisprachigkeitspflicht gilt oft gerade dort nicht — oder wird dort missachtet — wo es sprichwörtlich »um Leben und Tod« geht: Bei den Packungsbeilagen von Medikamenten, dem Hinweis auf Gifte und sonstige Lebensgefahren sowie bei der Etikettierung von Lebensmitteln, einschließlich Informationen für AllergikerInnen.

Und jetzt werden wir uns wohl auf eine weitere Verschlechterung im öffentlichen, von uns allen finanzierten Gesundheitswesen einstellen müssen. Schon bald könnte es sein, dass wir für ein psychologisches Gespräch (um einen Bereich zu nennen, wo sprachlichen Nuancen eine besonders große Wichtigkeit zukommt) in der eigenen Muttersprache privat bezahlen müssen.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

Margiacchi: Tre multe, tre.

Sull’edizione odierna dell’A. Adige si ritorna sulla volontà del governo sudtirolese di farsi attribuire, tramite apposita norma di attuazione, la competenza sanzionatoria in materia di bi- e trilinguismo, ora in capo alla prefettura.

Ricordiamo che ad esempio nella regione della Vallée d’Aoste la prefettura non esiste e tutte le sue funzioni vengono esercitate dal presidente regionale.

Per quanto riguarda l’applicazione della norma di attuazione dello Statuto di autonomia sull’uso delle lingue italiana e tedesca, oggetto di cicliche ed infondate polemiche, questo commissariato del governo vigila sul rispetto dell’importante normativa (Dpr 574/1988): nell’esercizio di tale competenza svolge un’attenta e continua attività di monitoraggio al fine di assicurare il rispetto delle disposizioni richiamate.

[…]

Nel quadro di una scrupolosa ed imparziale attività di monitoraggio, l’Ufficio, a fronte dell’avvenuto accertamento di altrettante violazioni — presupposto imprescindibile per poter operare —, ha emesso, dal gennaio 2015 al gennaio 2016, 3 provvedimenti sanzionatori, tutti, contrariamente a quanto strumentalmente asserito, a seguito di violazioni inerenti il mancato uso della lingua tedesca.

Così il quotidiano cita una nota del prefetto Elisabetta Margiacchi che sarebbe stata diffusa ieri. Tre sanzioni in un anno!

Ad ogni modo parrebbe che all’attività di monitoraggio, definita (senza nemmeno l’ombra di un’autocritica) «attenta», «continua», «scrupolosa» e «imparziale» qualcosa sfugga.

Il «barometro linguistico» dell’Astat, per esempio, non restituisce l’immagine di una situazione sotto controllo, facendo anzi registrare, nel corso di 10 anni, un drastico peggioramento del bilinguismo nell’amministrazione pubblica. Lo stesso SUAP (Sportello Unico delle Attività Produttive), accessibile anche dal sito della prefettura, non è disponibile in lingua tedesca.

(Ah già, sto ancora attendendo una risposta a una mia richiesta d’informazioni.)

Vedi anche: [1] [2] [3] [4] [5]

Öl ins Feuer. • Olio gettato sul fuoco.

[DE] Im gestrigen A. Adige ist ein Kommentar der grünen Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa erschienen, der seinerseits eines Kommentars bedarf.

Da es unserer, »wenngleich« wir Sezessionisten sind, antifaschistischen Grundhaltung widerspricht, mittels Leserbrief über ein Blatt zu antworten, welches kontinuierlich die faschistischen Umtriebe von CasaPound und Konsorten verharmlost, bleibt uns nur dieser Weg, um Feuerlöscher zu spielen.

[IT] Sull’A. Adige di ieri è apparso un commento della deputata verde alla dieta sudtirolese, Brigitte Foppa, che a sua volta — in quanto ci chiama in causa — rende necessario un nostro commento.

Siccome, «pur» essendo secessionisti, rispondere dalle righe di un quotidiano che attivamente contribuisce a sdoganare CasaPound contrasterebbe con le nostre convinzioni antifasciste, ci limitiamo a scrivere da qui.

Zum Text:

Passiamo al testo:

Cari secessionisti, vi scrivo. Vi devo scrivere, dopo i vostri ultimi due successi.

Primo, aver suscitato un dibattito reale. Aver suscitato nella nostra provincia un dibattito reale (ancora non ci posso credere) su una possibile squadra nazionale di calcio sudtirolese. E secondo, quello di essere riusciti a far eliminare la parola “altoatesini” da un testo di legge.

Da Foppa den politischen Gegner pauschal auf eines seiner Ziele reduziert, sei zunächst die Frage erlaubt, inwiefern eine Ersetzung des italienischen Begriffes »altoatesini« durch den italienischen Begriff »della Provincia di Bolzano« mit Sezessionismus zu tun hat.

Als weitere Frage drängt sich auf, warum die Forderung nach einer Mitgliedschaft Südtirols bei der FIFA und der UEFA derart abartig sei, dass man sie nicht glauben könne. Es ist eine völlig legitime und demokratische politische Forderung, deren Verwirklichung Vor- und Nachteile mit sich bringt und der man daher zustimmend oder ablehnend gegenüber stehen kann. Es sei denn, man hält die Abkehr von nationalpatriotischer Zugehörigkeit in Italien für ein Sakrileg.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass die Süd-Tiroler Freiheit in keiner ihrer Aussendungen oder Beschlussanträge diesbezüglich das Wort Südtiroler »Nationalmannschaft« in den Mund genommen hat.

Visto che Foppa, generalizzando, riduce i suoi avversari a una sola delle loro posizioni, ci sia concesso domandare qual’è il legame fra il secessionismo e la sostituzione del termine italiano «altoatesini» col termine italiano «provincia di Bolzano».

Inoltre ci chiediamo perché rivendicare l’adesione del Sudtirolo alla UEFA e alla FIFA sarebbe talmente perverso da risultare incredibile. Si tratta di una richiesta politica assolutamente legittima e democratica, la cui realizzazione comporterebbe vantaggi e svantaggi e la quale, dunque, si può certamente assecondare o avversare. Eccetto se si ritiene un sacrilegio il solo pensiero di emanciparsi dall’appartenenza nazional-patriottica all’Italia.

Ad ogni modo, Süd-Tiroler Freiheit in nessuno dei suoi comunicati stampa né in alcuna mozione parla di squadra «nazionale» sudtirolese.

In entrambi i casi vi è venuta dietro la Volkspartei, ma, vabbè, questa è una questione di tattica politica (stanno perdendo consensi a vista, dopo aeroporto e chiusura del reparto nascite di Vipiteno).

Nach den vielen Erfahrungen der Vergangenheit ist es freilich naheliegend der SVP opportunistische, politische Taktik vorzuwerfen. Es könnte aber auch sein, dass die SVP mittlerweile zwischen dem Beschlussantragseinbringer und dessen Intentionen sowie der eigentlichen Sachfrage, über die es zu befinden gilt, zu unterscheiden vermag. Die Unfähigkeit, dies zu tun, hat dem Südtiroler Landtag nämlich einen der unrühmlichsten Tage seiner Geschichte beschert, als dieser mehrheitlich (mit den Stimmen der SVP, des PD und der Grünen) ein Bekenntnis zu einem Teil der Menschenrechte und zu friedlichen Lösungen von Minderheitenkonflikten ablehnte, nur weil der Antrag von der Süd-Tiroler Freiheit kam. Und selbst wenn die vermuteten Intentionen des Einbringers unlauter sind, kann man sich die Sachfrage zu eigen machen und im eigenen Sinne positiv gestalten.

Viste le esperienze del passato è comprensibile che si tenda a pensare che l’SVP operi per puro opportunismo politico. Non è da escludere, però, che nel frattempo anche il partito di raccolta abbia imparato a distinguere fra i proponenti di una mozione, le loro intenzioni e il contenuto della proposta. L’incapacità di fare questa distinzione qualche anno era stato alla base di uno dei giorni più bui della dieta sudtirolese, in quanto si arrivò (con i voti di SVP, PD e Verdi) a rifiutare una parte dei diritti umani e il principio di risoluzione pacifica dei conflitti etnici, solo perché la relativa mozione era stata presentata da Süd-Tiroler Freiheit. Anche quando le intenzioni dei proponenti fossero dubbie, è possbile far propria la questione connotandola in maniera positiva.

Sembra tutto incredibile. Siamo tra i più ricchi d’Italia e dell’Europa. Viviamo in un territorio baciato dalla fortuna. Bello, ricco di bellezze naturali di ogni tipo, invidiato da buona parte dell’Italia.

Zudem, dass man nicht versteht, was an den Forderungen so »unglaublich« ist, wird es jetzt richtig absurd. Worin der Zusammenhang zwischen dem Wohlstand und den natürlichen Reichtümern unserer Heimat und dem Willen nach politischer Veränderung sowie fortlaufender Weiterentwicklung (zumindest sind die Forderungen nach dem Dafürhalten der Einbringer eine solche) besteht, weiß wohl nur Foppa selbst. Die Position der Frau oder Homosexueller war wohl in der Geschichte der Menschheit auch noch nie besser als im Europa von heute. Dennoch ist es legitim sich für eine weitere Verbesserung hin zur echten Gleichstellung einzusetzen. Auch ist das Zentrum der neuseeländischen Nordinsel ein Naturparadies, das von vielen beneidet wird. Und dennoch engagieren sich die Maori dort für ihre Gemeinschaft. Überdies mutet es aus dem Munde einer Grünen befremdlich an, wenn materieller Wohlstand als Gradmesser für Zufriedenheit gelten soll. Demnach dürften auch die Menschen in Katar keinen Grund zur Klage haben.

Oltre a non essere chiaro che cosa sia talmente «incredibile», qui il discorso diventa veramente assurdo. Probabilmente solo Foppa sa qual’è il nesso fra il benessere e le ricchezze naturali della nostra terra e la volontà di cambiamento e di continua evoluzione (almeno per chi ha presentato la mozione è di questo che si tratta). Le donne o gli omosessuali in Europa non hanno mai avuto più diritti di oggi, ma ciononostante è legittimo che si continui a combattere per un ulteriore miglioramento sino all’eguaglianza totale. Il centro dell’isola settentrionale della Nuova Zelanda è un paradiso naturale invidiato da molti; eppure i maori, che vi abitano, s’impegnano per migliorare i diritti della propria comunità. Fa un certo effetto udire, dalla bocca di un’esponente dei Verdi, che il benessere economico sia un indicatore per la soddisfazione. Allora gli abitanti del Qatar non avrebbero ragione di lamentarsi.

Eppure, c’è chi, evidentemente qui si sente male. Ma non sono gli immigrati, i rifugiati, neanche gli italiani, che pure vivono concentrati nei punti meno esaltanti della provincia. Non sono nemmeno le donne, che comunque sono ancora in svantaggio su molte questioni. No, sono i tedeschi, spesso maschi, spesso giovani, di per sé predestinati a formare la classe dirigente della nostra terra, i protagonisti di questo nuovo malessere (non lo chiamo disagio per rispetto verso chi il disagio lo percepisce da tempo e per motivi più reali). In altre parti d’Europa forse le stesse persone vivono un malessere sociale che incanalano in un voto di destra xenofoba.

Vom Absurden zur Pauschalisierung: Die Migranten, Flüchtlinge (auch die, die die Landespolitik auf der Straße leben lässt) und Italiener (gemeint sind wohl die italienischsprachigen Südtiroler) fühlen sich hier wohl und genießen den Wohlstand und die Naturschönheiten. Die Deutschen jedoch (gemeint sind wohl wiederum die deutschsprachigen Südtiroler) sind trotz allem unzufrieden. Stereotyper geht’s wohl kaum. Das Schlimme daran ist, dass Foppa damit genau jene Vorurteile bedient und Generalisierungen betreibt, die das Zusammenleben in Südtirol so erschweren. Und das gleich in zweierlei Hinsicht:

So wie den Italienischsprachigen von der »Gegenseite« erklärt wird, dass ihr »disagio« unbegründet sei und auf Nichtigkeiten beruhe, so wird hier umgekehrt die Legitimation für ein Unbehagen abgesprochen. Das Unbehagen ist dennoch da und für die, die es fühlen, auch real begründet. Der Grund ist dabei in den seltensten Fällen ökonomischer Natur.

Zum Zweiten projiziert Foppa gewisse Ansichten auf eine ganze Sprachgruppe. »Die Deutschsprachigen sind unzufriedene Sezessionisten« ist ungefähr so präzise wie »die Italienischsprachigen sind im Ventennio stecken geblieben«. Es ist diese Art von Pauschalisierung, die das Klima im Land vergiftet, da sie die jeweils andere Seite als rückständig, hoffnungslos und dialogunfähig darstellt. Dass Foppa bezüglich Sezessionismus nicht differenziert und das kontraproduktive, ohnehin schon verfestigte und fast ausschließlich in Südtirol gängige Vorurteil befeuert, dass ein Unabhängigkeitswille notwendigerweise rechtsnational motiviert sein muss, macht ihre Aussagen noch schwerwiegender.

Qui si passa dall’assurdo al pregiudizio: gli immigrati, i profughi (anche quelli che vengono lasciati per strada) e gli italiani (probabilmente i sudtirolesi di lingua italiana) si sentono a loro agio e si godono le bellezze naturali e il benessere economico. I tedeschi (probabilmente s’intendono i sudtirolesi di lingua tedesca) invece, nonostante tutto, sono insoddisfatti. Stereotipi all’ennesima potenza. La cosa peggiore è che Foppa ripete gli stessi pregiudizi e opera le stesse generalizzazioni che rendono così difficile la convivenza in Sudtirolo. E lo fa in un senso doppio:

Così come spesso ai cittadini di lingua italiana dalla «controparte» viene spiegato che il loro «disagio» è ingiustificato e si basa su futilità, qui Foppa nega la legittimazione a sentire un malessere. Il malessere però esiste e per coloro che lo sentono è realmente motivato. E solo raramente le ragioni hanno radici economiche.

Inoltre Foppa proietta determinate opinioni su un intero gruppo linguistico. L’affermazione che i cittandini di lingua tedesca sono secessionisti insoddisfatti è tanto superficiale quanto quella che i cittadini italiani sono tutti rimasti fermi al ventennio. Questo tipo di generalizzazioni avvelena il clima della nostra terra perché rappresenta «gli altri» come retrogradi, senza speranze e incapaci al dialogo. Che Foppa non faccia alcuna differenza in merito alla secessione non facendo altro che sottolineare il pregiudizio secondo cui l’indipendentismo sarebbe per forza un’idea da attribuire alla destra nazionalista, rende il tutto ancor più preoccupante.

Nella nostra provincia invece questo malessere si articola in un disagio culturale, nutrito e amplificato da voi secessionisti. Spesso tirate in ballo la storia, ricordando le umiliazioni inflitte dal fascismo alla popolazione tedesca del Südtirol-Alto Adige. Fate bene a ricordare i tempi bui delle dittature fasciste, bisogna sempre tenere a mente quello che i nostri nonni hanno subíto o fatto subire.

Ed è importante che ne siano consapevoli sia i nipoti di chi ha subíto il torto che i nipoti di chi lo ha inflitto.

Zustimmung. Wobei sich das »kulturelle Unbehagen« durchaus auch in einem konsequenten Antinationalismus und Antifaschismus manifestieren kann (und die Ladiner in der Aufzählung der Opfer des Faschismus wieder einmal außen vor gelassen wurden).

D’accordo. Ma il «disagio culturale» può senz’altro manifestarsi anche sotto forma di un forte antinazionalismo e antifascismo (ancora una volta, inoltre, si è dimenticato di aggiungere i ladini all’elenco delle vittime del fascismo).

Questa consapevolezza potrebbe anche unirci, ma non è questo che cercate. Vi serve invece una nuova polarizzazione tra italiani e tedeschi e fate di tutto per aumentarla. Con continue provocazioni (la maglietta neutra per i nostri sportivi, l’inno di Hofer per l’Euregio, le polemiche se gli sportivi cantano l’inno italiano o portano la bandiera italiana, ecc. ecc.), con l’inquadramento ideologico delle giovani leve (che iniziano a pensare che in Italia non si può esser liberi o che chi usa un toponimo tolomeiano è fascista ecc. ecc.), con tutti i più stupidi clichè che vengono tenuti in vita (gli italiani che non sanno il tedesco perché “siamo in Italia”, gli italiani che non vogliono capire la terra in cui abitano, ecc. ecc.). E sempre più spesso anche con l’umiliazione. Perché imporre le parole agli altri è un segno di dominazione.

Man kann Foppa beipflichten, dass viele Aktionen der Süd-Tiroler Freiheit – sei es aus Kalkül, sei es aus Ungeschicklichkeit – nicht gerade zu einem gemeinsamen Geschichtsbewusstsein und gegenseitiger Verständigung beitragen. Potentiell einende Vorschläge aber pauschal als Provokationen abzutun, ohne ihren Kern zu hinterfragen, ist ebenso kontraproduktiv. Ob dies aus Kalkül oder Ungeschicktheit heraus passiert, wage ich nicht zu beurteilen.

  • ad neutrale Leibchen: Dieser Vorschlag schlägt in die gleiche Kerbe wie die Forderung nach einem eigenen Südtiroler Team. In ihrem Kern, ist diese Idee die einendste überhaupt, wenn man sich das Identifikationspotenzial des Sports vor Augen hält. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Südtiroler Sprachgruppen (die in ihrem Fanverhalten, anders als oft dargestellt, auch in sich nicht absolut homogen sind) in großen Teilen auf eine bestehende (National-)Mannschaft einigen können. So wie es für viele Deutschsprachige nicht denkbar ist, Italien die Daumen zu drücken, so hegen nur wenige Italienischsprachige im Lande Sympathien für österreichische oder deutsche Teams. Wenn wir alle vom Nationalismus abkehren und gemeinsam mit einer bunten, nicht nationalen Südtiroler Mannschaft mitfiebern könnten, wäre das ein großer Schritt in Richtung gesellschaftlicher Kohäsion.
  • ad Hofer-Hymne: »Zu Mantua in Banden« ist nach Ansicht von BBD als Hymne für die Euregio unbrauchbar. Nicht, weil sie sich gegen die italienischsprachigen Bürgerinnen und Bürger richtet (das tut sie nämlich nicht, denn Andreas Hofer starb ein halbes Jahrhundert bevor Italien überhaupt existierte), sondern weil es ein durch und durch martialisches Lied ist, dass nicht zu einem Friedensprojekt wie der Euregio passt. Inwiefern aber eine Hymne über einen Mann, der zwar reaktionär aber des Italienischen mächtig war und in dessen Reihen Scharen italienischsprachiger Tiroler gegen Bayern und Franzosen gekämpft haben, eine spezifische Provokation gegenüber den italienischsprachigen Mitbürgern sein kann, ist schleierhaft.
  • ad Mameli-Hymne und Trikolore: Grundsätzlich sollte es den Sportlern überlassen bleiben, ob und mit welchen Symbolen sie ihre Erfolge feiern. Für Südtiroler Sportler besteht diesbezüglich jedoch ein immenser Druck und nicht selten wurden in der Vergangenheit absurde nationalpatriotische Bekenntnisse eingefordert. Im Übrigen ist »Fratelli d’Italia« neben der französischen »Marseillaise« und mehr noch als die Andreas-Hofer-Hymne eines der scheußlichsten und martialischsten Lieder überhaupt, das im völligen Widerspruch zu einem pazifistischen europäischen Geist steht.
  • ad Freiheit: Wiederum geht es hier nicht um die Extreme »frei« und »unfrei«, sondern um den Grad der Freiheit. Natürlich können alle Menschen in Südtirol freier leben als in Saudi Arabien. Auch sind wir alle in Europa heute freier als noch vor 60 Jahren. Das heißt dennoch nicht, dass es keine Luft nach oben gibt. Es ist ein Faktum, dass Italien – was Freiheitsrechte betrifft – in vielen Rankings im europäischen Vergleich hinterher hinkt.
  • ad Tolomei: Freilich ist nicht jeder, der tolomeische Namen verwendet, ein Faschist. Es ist auch nicht jeder, der »Neger« sagt, ein Rassist. Wir müssen aber verstehen, dass Wörter und Bezeichnungen – sogar solche die ursprünglich semantisch neutral waren – belastet und somit für andere verletztend sein können und dass konsequenter Antifaschismus/Antirassismus einen Verzicht auf solche Begriffe bedeutet.
  • ad Klischees: Nachdem Foppa kein Klischee über Deutschsprachige und Sezessionisten ausgelassen hat, beklagt sie nun, dass die Italienischsprachigen mit Klischees über sich zu kämpfen hätten. Inwiefern man bezüglich Sprachkenntnissen von einem Klischee sprechen kann, wenn in einem auf dem Papier durchgehend zweisprachigen Land laut Astat-Sprachbarometer ein Drittel der Italienischsprachigen aus welchen Gründen auch immer so gut wie kein Deutsch versteht, bleibt jedem Einzelnen überlassen. (Deutschsprachige, die kein bis rudimentär Italienisch verstehen gibt es rund 5 Prozent).

Foppa ha ragione, molte azioni di Süd-Tiroler Freiheit — per calcolo o per goffaggine — non contribuiscono esattamente a una visione condivisa della storia e alla comprensione reciproca. Altrettanto controproducente sarebbe classificare (per calcolo o per goffagine) come mere provocazioni tutte le loro proposte, anche quelle potenzialmente unificanti.

  • magliette neutre: Questa proposta va nella stessa direzione di una squadra indipendente. Nel suo nocciolo si tratta di un’idea assolutamente coesiva, se pensiamo al potenziale identificativo dello sport. È assai improbabile che tutti i gruppi linguistici (che anche al loro interno in tal senso, al contrario di quel che si dice, non sono certo omogenei) inizino a tifare congiuntamente una delle squadre (nazionali) esistenti. Così come per molti sudtirolesi di lingua tedesca sarebbe inimmaginabile tifare Italia, pochissimi sudtirolesi di lingua italiana hanno simpatie verso l’Austria o la Germania. Se tuttavia provassimo tutti ad allontanarci dai rispettivi nazionalismi e potessimo tifare una variopinta squadra sudtirolese, ciò sarebbe un passo importante verso la coesione sociale.
  • inno di Hofer: «A Mantova in catene» a giudizio di BBD è inservibile come inno dell’Euregio. Non perché fosse un attacco ai concittadini di lingua italiana (Andreas Hofer perì mezzo secolo prima che esistesse uno stato italiano), ma perché si tratta di una canzone intrinsecamente marziale, inadatta a un progetto di pace come l’Euregio. Ma una canzone su un personaggio certamente reazionario, ma che parlava l’italiano e le cui truppe comprendevano un grande numero di tirolesi di lingua italiana, che con lui combatterono contro francesi e bavaresi, non può certo essere una provocazione specificamente indirizzata ai cittadini italofoni.
  • inno di Mameli e tricolore: Fondamentalmente gli atleti dovrebbero poter decidere se e con quali simboli festeggiare i loro successi. Gli sportivi sudtirolesi però si vedono confrontati con pressioni immense e non di rado in passato gli si è chiesto di dimostrare la loro appartenenza nazionalpatriottica all’Italia. Tra l’altro «Fratelli d’Italia» assieme alla «Marsigliese» (e più ancora dell’inno di Hofer) è una delle canzoni più marziali, totalmente incompatibile con uno spirito di pace europeo.
  • libertà: Qui non si tratta degli estremi «libero» o «non libero», bensì del grado di libertà. È chiaro che tutti in Sudtirolo possono vivere in maggiore libertà che non in Arabia Saudita. E in Europa oggi siamo tutti più liberi che 60 anni fa. Ma ciò non significa che non ci sia più alcun margine di miglioramento. Ed è un fatto che lo stato italiano in molte classifiche internazionali risulta in coda agli stati europei, anche per quanto riguarda la libertà.
  • Tolomei: Ovviamente non tutti coloro che usano i toponomi di Tolomei sono fascisti. Come non tutti quelli che usano la parola «negro» sono razzisti. Dobbiamo però capire che le parole e le denominazioni — perfino quelle che in origine erano semanticamente neutrali — possono essere compromesse o risultare offensive per altri e che un coerente antifascismo/antirazzismo richiede la rinuncia a una certa terminologia.
  • cliché: Foppa non ci risparmia alcun cliché sui sudtirolesi di lingua tedesca e sui secessionisti e poi si lamenta dei cliché sui sudtirolesi di lingua italiana. Ma che i dati confermati dal barometro linguistico dell’Astat, secondo cui un terzo dei cittadini di madrelingua italiana (ma solo il 5% dei cittadini di lingua tedesca) non parla l’altra lingua, difficilmente potrà essere chiamato un cliché.

Lo sanno bene i sudtirolesi. Per questo il piccolo gesto l’altro giorno in Consiglio, quando avete fatto togliere “altoatesino” dal testo italiano mi ha spaventata.

Dass die Forderung von der »falschen Seite« und mit »verdeckter Intention« kommt, tut in der Essenz nichts zur Sache. Es geht hier mehr um politische Korrektheit, denn um Aufoktroyierung. Man hätte der Forderung inhaltlich ja auch zustimmen und die eventuell andersgelagerten Motive dafür (politische Korrektheit, Antifaschismus) kommunizieren können. Somit hätte man den politischen Gegner entzaubert und gleichzeitig das – in einem internationalen Geiste – »Richtige« getan. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an einen Aufsatz, den die großartige Lidia Menapace für Politika 10 – Das Südtiroler Jahrbuch für Politik geschrieben hat, in dem sie erklärt, warum sie – wie im Übrigen auch die Verdi Grüne Vërc selbstkonsequent Sudtirolo und nicht Alto Adige verwendet.

Che la richiesta provenga dalla «parte sbagliata» e con «intenzioni mascherate» è essenzialmente ininfluente. Si tratta più di correttezza politica che di un’imposizione. Quindi si poteva aderire alla mozione comunicando le proprie motivazioni (correttezza politica, antifascismo), smascherando l’avversario politico ma facendo comunque la cosa «giusta». In questo contesto mi viene in mente un contributo della grandissima Lidia Menapace per l’annuario Politika 10, in cui spiegava le ragioni per cui — come anche i Verdi Grüne Vërc stessi — usava solo il termine Sudtirolo e mai Alto Adige.

Nachtrag:
Einen demokratischen Entscheid, der sich nur auf den amtlichen Gebrauch bezieht, mit dem Diktat eines totalitären Regimes zu vergleichen, das die historischen Ortsnamen und die deutsche Sprache in allen Lebensbereichen verbieten wollte (und großteils verboten hat) ist absurd. Sind folglich auch die Katalanen, Aostaner, Grönländer, Südafrikaner und australischen Aborigines Revanchisten und auf einer Stufe mit (Franko-)Faschismus und Kolonialismus, da sie genau das getan haben, was auch der Südtiroler Landtag mit seinem Beschluss gemacht hat?

Appendice:
È assurdo equiparare una decisione democratica, riferita al solo uso ufficiale di una denominazione, al dettato di un regime totalitario, che intendeva vietare i toponimi originali e la lingua tedesca in tutti gli ambiti (riuscendoci in gran parte). Quindi anche i catalani, gli aostani, i groenlandesi, i sudafricani e gli aborigeni australiani sono sullo stesso piano di (franco-)fascisti e colonialisti, perché hanno fatto la stessa identica cosa che ha fatto anche la dieta sudtirolese con la sua decisione di evitare il termine «altoatesino»?

Badate bene che ripagare le umiliazioni subíte con ulteriori umiliazioni, non porta a nulla se non a nuovi conflitti.

Zustimmung. Aber wo ist die Erniedrigung?

D’accordo. Ma quale sarebbe l’umiliazione?

Vi serve probabilmente per accumulare consensi per il vostro progetto secessionista. Ma il prezzo che dobbiamo pagare noialtri, che vogliamo solo pacificamente vivere, capire, fruire la nostra composita e curiosa convivenza, è troppo alto.

Non voglio pagarlo.

Und ich möchte nicht den Preis dafür bezahlen, dass vermeintlich weltoffene Menschen, die von Klischees und Ignoranz geprägte Kampagnen einer Zeitung mittragen, indem sie Öl ins Feuer der Ewiggestrigen schütten.

E io non vorrei pagare il prezzo per chi, ritenendosi persona particolarmente aperta, sostiene le campagne basate su cliché e ignoranza di un certo giornale.

E non credo di essere sola in questo.

Der Text hat bestimmt dazu beigetragen, dass noch mehr Menschen ein undifferenziertes Bild haben und sich in ihrer Haltung bestätigt fühlen.

Il testo ha certamente contribuito a promuovere una visione superficiale delle cose e a confermare molte persone nei loro pregiudizi.

Siehe auch/Vedi anche: [1] [2] [3] [4] [5]

Ein alter Mythos: Die »Spaltung der Sprachgruppen«.
Südtirol-Bericht der Neuen Zürcher Zeitung

von Thomas Benedikter

»Gemeinsam einsam« ist ein Beitrag der NZZ-Romkorrespondentin Andrea Spalinger über Südtirol vom 16. Juni betitelt und bringt eine Reihe alter Märchen über unser Land. Einige Kostproben:

Vor wenigen Jahrzehnten herrschten in Südtirol noch bürgerkriegsähnliche Zustände

Wahr ist: es gab Attentate gegen Einrichtungen des Staates, Angriffe gegen Polizei und Militär, doch es gab in Südtirol nie eine verbreitete Gewalt zwischen italienischer und deutscher Zivilbevölkerung. In Südtirol herrschte in den 1960er Jahren genau so wenig »Bürgerkrieg« wie im Schweizer Jura in den 1970er Jahren.

Trotz obligatorischer Zweisprachigkeit beherrschen laut Studien die meisten Südtiroler die andere Sprache nur ungenügend

In zweifacher Hinsicht ein Unsinn: Weder ist es bei uns Pflicht, zweisprachig zu sein (gibt es das etwa in der Schweiz?), noch sind die Zweitsprachkenntnisse der Südtirol aller Sprachgruppen so schlecht. 75% der Deutschen können laut Astat gut oder sehr gut Italienisch, fast 40% der Italiener können sehr gut oder gut Deutsch. Spalinger hat sich die wichtigste Studie in diesem Bereich eben nicht angeschaut (Astat-Sprachbarometer 2014).

Die deutsche Rechtsopposition stellt nicht ein Drittel des Landtags, sondern 10 von 35 Abgeordneten. Diese landläufig als »patriotisch« bezeichneten Parteien als »Ewiggestrige« zu bezeichnen, rückt sie in gewissen Sinn schon in die Nähe der NPD oder von CasaPound. Gegenfrage an Spalinger: Bezeichnen Sie die Schweizer SVP und ähnliche Schweizer Gruppen auch als Ewiggestrige? Unabhängig von der jeweiligen Position zur Selbstbestimmung: Ist Eintreten für Selbstbestimmung »ewiggestrig«?

In ihrer Nachzeichnung des Südtiroler Wegs zur Autonomie unterscheidet Spalinger zudem nicht zwischen der Region Trentino-Südtirol und den autonomen Provinzen Trient und Bozen, eine grobe Unterlassung. Überdies fließen schon länger nicht mehr 90% der Steuereinnahmen wieder zurück ins Land, vielmehr sind es seit dem Sicherungspakt 2014 nur noch rund 75%.

Journalistisch unkorrekt und sachlich falsch ist dann folgende Einschätzung: Rom sei irritiert darüber, »dass die gewährten Privilegien von den Südtirolern nicht gebührend geschätzt werden und die Autonomie in gewissen Kreisen immer noch umstritten ist«. Richtig ist: Weder ist die Errichtung einer Autonomie ein Privileg, sondern vielmehr eine völkerrechtliche Verpflichtung Italiens, noch ist die Autonomie in diesem Sinn umstritten. Fast alle deutsch- und ladinischsprachigen politischen Kräfte (und auch das Trentino) betrachten die heutige Autonomie als unzureichend, weshalb vor einem halben Jahr ein institutioneller Reformprozess gestartet worden ist. Hat Spalinger das überhaupt nicht mitbekommen?

Florian Kronbichler als ersten und einzigen Nicht-SVP-Vertreter Südtirols zu bezeichnen, bestätigt die Oberflächlichkeit einer Journalistin, die nur mit Vertretern der Grünen sowie mit den beiden Journalisten Georg Mair (ff) und Gabriele Di Luca gesprochen hat. Nicht nur sitzen heute Politiker anderer Couleur im Parlament (sind Palermo, Gnecchi usw. keine »Vertreter Südtirols«?), auch früher schon gab es Südtiroler Oppositionelle im Parlament (z.B. Gianni Lanzinger).

Erste obligatorische Fremdsprache.
Quelle: Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz.

Ein in Südtirol hartnäckiger Topos ist schließlich jener der Trennung durch separate Schulen:

Aus Angst vor Italianisierung hat man danach auch Schutz durch Trennung gesetzt. Deutsch- und italienischsprachige Südtiroler besuchen vom Kindergarten bis zur Matura separate Schulen.

Hier zitiert die Autorin Spalinger Gabriele Di Luca, aber bei »Schutz durch Trennung« müssen auch in der Schweiz weniger Informierte an eine Art Apartheid denken. Wo bitte erklärt Spalinger der NZZ-Leserschaft das Südtiroler Sprachgruppenprinzip? Warum schreibt sie nicht, dass in Südtirol seit 70 Jahren das Recht auf eigenständige Schulen in den jeweiligen Muttersprachen ein Grundpfeiler des Minderheitenschutzes ist?

Aus Schutz vor Germanisierung haben die Tessiner eine italienischsprachige Schule?

Hat Spalinger jemals das Tessiner Schulsystem so beschrieben?

Auch in der Schweiz gilt überall, auch in den zweisprachigen Kantonen wie Freiburg und Wallis, der jeweilige Vorrang der Kantonssprache oder Kantonsteilsprache in der obligatorischen Schulbildung. Sind die Walliser deshalb »gespalten« oder getrennt?

Eine direkte Frage an Andrea Spalinger zum Abschluss, weil sie Südtirol so »gespalten« sieht: Ist die Schweiz in vier Sprachgruppen »gespalten«? Sorry, aber gerade von der NZZ hätte ich mir etwas mehr Sorgfalt in Recherche und Urteil erwartet.

Siehe auch: [1]

NZZ-Bericht über die Situation in Südtirol.

Schon wieder ist in einem internationalen Medium ein — aus meiner Sicht — äußerst unausgewogener und schlecht recherchierter Bericht über Südtirol erschienen, diesmal in der NZZ. Allein schon, dass den Beitrag eine Karte ziert, auf der zwar die Region Trentino-Südtirol hervorgehoben, diese jedoch als »Südtirol« beschriftet ist, zeigt, wie tiefgreifend die Recherche und wie hoch die Ansprüche wohl waren.

Auch sonst wiederholt der von Rom-Korrespondentin Andrea Spalinger verfasste Artikel großteils die weithin bekannten Klischees (und manche Idealisierungen). Von einem Qualitätsmedium aus der ebenfalls mehrsprachigen Schweiz hätte man sich jedenfalls mehr erwarten dürfen.

Dass Bozen wie »eine deutsche Kleinstadt«, nur charmanter und lebensfreudiger wirke, lasse ich mal wohlwollend unkommentiert, es kann unter »harmlose Pauschalisierungen« verbucht werden.

Einige andere Passagen kann man aber kaum unwidersprochen lassen:

Die Autonomie hat nicht nur Frieden gebracht, sondern auch beeindruckenden Wohlstand. […] Und selbst im Vergleich mit dem benachbarten österreichischen Bundesland Tirol schneidet Südtirol deutlich besser ab.

Deutlich besser? Von der Arbeitslosigkeit über die Indikatoren für Forschung & Entwicklung bis hin zu BIP, Wertschöpfung und »verfügbarem Einkommen« schneidet das Bundesland Tirol in fast allen wirtschaftlich relevanten Bereichen besser ab, als Südtirol. Eindrucksvoll belegt durch offizielle Statistiken. Auf welche Quellen sich Frau Spalinger bezieht, ist hingegen unklar.

Noch mehr Unabhängigkeit dürfte Südtirol von Rom allerdings kaum bekommen. «Was wollen wir denn auch noch mehr?», fragt der Journalist Mair. «Wir haben bereits grosse finanzielle und gesetzgeberische Kompetenzen.»

Das ist eines der Lieblingsklischees hiesiger Politiker und Journalisten und wird im NZZ-Beitrag unhinterfragt übernommen. Dabei mögen die Zuständigkeiten im Vergleich zum sonst sehr zentralistischen Italien groß sein. Doch eigentlich ist die Autonomie in vielerlei hinsicht nicht einmal mit der eines normalen deutschen Bundeslandes vergleichbar, geschweige denn mit jener eines Schweizer Kantons. Landespolizei? Fehlanzeige. Primäre Schul- und Bildungskompetenz? Nicht vorhanden. Justiz? Keineswegs. Finanzhoheit? Höchstens ansatzweise.

und trotz obligatorischer Zweisprachigkeit beherrschen laut Studien die meisten Südtiroler die andere Sprache nur ungenügend.

Auch hier wäre es nett, wenn im Artikel eine Quelle genannt würde. Denn laut offiziellem Sprachbarometer nahmen die Zweitsprachkenntnisse im Laufe von zehn Jahren deutlich zu — und zumindest bei den Italienischkenntnissen der deutschsprachigen Bevölkerung kann von »ungenügend« kaum die Rede sein. Ob man noch besser werden könnte? Keine Frage.

Gemäss der letzten Volkszählung (2011) sind 63 Prozent der rund 500 000 Einwohner der Provinz Südtirol deutschsprachig, 23 Prozent italienischsprachig. 4 Prozent gehörten der ladinischen Minderheit an, die Romanisch spricht.

Leider wird gerade von internationalen BeobachterInnen immer wieder übersehen, dass diese Volkszählungsdaten keinerlei Aussagen über die tatsächlichen Sprachkenntnisse machen. Nachdem die Erhebung die Grundlage für den ethnischen Proporz bildet, kann davon ausgegangen werden, dass zahlreiche Angaben aus Opportunismus gemacht werden. Wie wenig die amtlichen »Volksgruppen« mit der Sprachlandschaft korrelieren, hatten wir zum Beispiel anhand des Sprachbarometers von 2004 aufgezeigt.

Dem Landeshauptmann bereitet das Erstarken dieser Ewiggestrigen Sorgen. Früher hätten diese argumentiert, innerhalb des italienischen Staates könne das deutsche Volkstum nicht geschützt werden, sagt Kompatscher. Mittlerweile sei das Gegenteil bewiesen.

UnabhängigkeitsbefürworterInnen pauschal als ewiggestrig darzustellen, ist ein Unding, an das wir uns nie gewöhnen werden. Inwiefern aber bewiesen sein soll, dass die deutsche Sprache in Italien geschützt werden kann, bleibt wiederum offen. Das hängt wohl auch davon ab, welche Maßstäbe man anlegt. Während nämlich die Bevölkerung immer zweisprachiger wird, nimmt die Bedeutung der italienischen Staatssprache in Südtirol zu, sodass sie nun (ungeachtet der oben erwähnten Volksgruppenstärken) von allen Sprachgemeinschaften schon als die wichtigste Landessprache empfunden wird. Die Gleichstellung von Deutsch und Ladinisch mit Italienisch ist nicht nur ungenügend, sondern verschlechtert sich zunehmend.

Jene, die sich von Italien loslösen wollten, brächten nun ökonomische Argumente vor. Italien gehe es schlecht und man wolle nicht mit dem sinkenden Schiff untergehen, heisse es.

Keine der im Artikel genannten Parteien, aber auch keiner der sonstigen gesellschaftlichen Akteure, die sich für die Unabhängigkeit aussprechen — ob sie nun rechts oder links einzustufen sind — bemüht ausschließlich oder vordergründig ökonomische Motive, sondern vor allem kulturelle, sprachliche und solche der Eigenverantwortlichkeit und Autonomie. Die einen tun dies mit egoistische(re)n Hintergedanken (die wir als ökosozial inspirierte Plattform heftig kritisieren), die anderen mit Blick auf ein solidarisches, inklusivistisches, subsidiäres Europa. Dagegen muss schon mehr her, als der Vorwurf der »Ewiggestrigkeit«.

Die historisch gewachsene Sonderbehandlung wird im Parlament aber kaum infrage gestellt.

Das ist nun wirklich hanebüchen. Immer wieder werden im römischen Parlament Vorlagen zur Abschaffung der Sonderautonomien präsentiert. Sowohl der heutige Ministerpräsident Renzi, als auch Reformministerin Boschi hatten sich solchen Forderungen bereits angeschlossen. Auch sonst ficht Rom (Regierung oder Parlament) immer wieder Landesgesetze vor dem Verfassungsgericht an und kürzt einseitig die Finanzmittel.