Südtiroler Polizei in Innsbruck und München.

Es ist wieder so weit. Mal tun Polizeibeamte aus Südtirol beim Münchner Oktoberfest, mal — wie jetzt — beim Innsbrucker Christkindlmarkt Dienst, um die örtliche Polizei im Umgang mit italienischen Touristinnen zu unterstützen. Wäre diesbezüglich in Südtirol alles eitel Sonnenschein, könnte man auf diese Art des Außendiensts fast stolz sein. Nachdem das jedoch nicht der Fall ist und die heimische Polizei trotz ihrer äußerst sensiblen Aufgabe durch fast schon systematische Missachtung der Zweisprachigkeitspflicht ins Auge sticht, frage ich mich jedesmal von neuem, was das eigentlich soll.

Ich kann mich des Eindrucks schwer erwehren, dass die Behörden in Nord-/Osttirol und in Bayern in Punkto Mehrsprachigkeit — zumindest im Umfeld von Großveranstaltungen — mehr Sensibilität an den Tag legen, als in Südtirol. Und das, obwohl Touristinnen anders als die Menschen hierzulande gar keinen Rechtsanspruch auf Behandlung in ihrer Muttersprache haben.

Wurden denn bei größeren Veranstaltungen in Südtirol jemals Beamtinnen aus Bayern oder Österreich hinzugezogen? Jedenfalls nicht, dass mir bekannt wäre — aber dafür fehlt ja auch jegliches Problembewusstsein. Eher noch kommt weitere einsprachig italienische Verstärkung aus Venetien und der Lombardei.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

Gratisskipässe her!

Auf offiziellem (und natürlich einsprachigem) Briefpapier des Alpinen Ausbildungszentrums der Carabinieri in Sëlva, fein säuberlich protokolliert unter Nr. 107/8-2/2018 — denn man hat ja nichts zu verbergen — ergeht am 28. November die unverschämte Forderung an die Bergbahnen der Seiser Alm: höflichst her mit einer angemessenen Anzahl Gratisskipässe für die Angehörigen des Personals. Dass ein derartiger Vorfall publik wird, grenzt in Südtirol an ein Wunder, schließlich sitzt die Militärpolizei im Zweifelsfall am längeren Hebel und ist Whistleblowing hierzulande noch keine weitverbreitete Tugend.

Und dann? Zwar berichten einige Medien brav über den Vorfall, doch damit hat sich die Sache offenbar auch schon wieder. Dass es hier nicht um ein paar Skipässe, sondern wie gehabt um kolonialherrische Mentalität vom feinsten und, ganz grundsätzlich, um einen möglichen Machtmissbrauch durch Sicherheitskräfte geht, wird nicht breiter thematisiert. Gewollt oder ungewollt schwingt bei einer solchen Forderung immer eine Drohung (bzw. ein Versprechen nach wohlwollender Behandlung durch die Ordnungskräfte) mit. Das lässt sich bei dem intrinsischen Machtgefälle gar nicht vermeiden.

Doch zwei Tage später scheint der Vorfall auch schon wieder vergessen — politische und/oder disziplinarische Konsequenzen fordert niemand. Das wars dann wohl?

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

Best-Case-Zukunft.
Quotation 507

Wenn wir unsere Träume nicht einmal selbst ernst nehmen können, wird das Entwerfen von zukunftsfähigen Gesellschaftsformen schwierig, die Umsetzung geradezu unmöglich. Ohne eigene und gemeinsame Vorstellungen davon, wohin es in Zukunft gehen soll, ohne ein Bildinventar der Zukunft, werden wir nicht einmal uns selbst davon überzeugen können, dass es eine gute Zukunft gibt. Geschweige denn andere. Also: Lasst uns das Träumen, das Imaginieren von Utopien wieder gesellschaftsfähig machen und politisch; ernsthaft, selbstbewusst und angstfrei über unsere Best-Case-Zukunft sprechen. Sonst kann es sie nicht geben.

Gemina Picht und Magali Mohr in ‘Zukunftsbilder Jugendlicher – Ich wünsch mir einen Mähdrescher’, ‘taz futurzwei’.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

Tag+Nacht: Der Wertekatalog.

von Felix von Wohlgemuth (Vërc)

Wenn die Lega [den von der SVP vorgelegten Wertekatalog] nicht unterschreibt, heißt das, dass es keine Verhandlungen gibt.

SVP-Obmann Philipp Achammer auf ‘Rai Südtirol’.

Habe ich gesagt, dass die Lega etwas unterschreiben muss? Der Obmann und ich sind uns so einig wie nie. Die Lega soll uns mündlich antworten, ob sie für den Schutz der Menschenrechte und für den Euro ist.

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) in der ‘Tageszeitung‘.

Siehe auch: [1] [2]

Tag+Nacht: Ex-Obleute zur Lega.

Dipingere oggi il Carroccio come una cosa dell’altro mondo è assurdo. La Lega non è solo Salvini, che può piacere o no. Ci sono molti personaggi ragionevoli come Zaia, Maroni, Fugatti, Calderoli. Dire in sostanza che questa gente non rispetta i valori compresi nel codice di condotta è azzardato. Far passare il messaggio che “non vorremmo con la Lega, ma dobbiamo” è limitativo.

Siegfried Brugger, ex Obmann SVP, ‘Corriere dell’A.A.’, 29.11.2018

Die Lega ist keine normale Partei. Ihr Chef hetzt ununterbrochen gegen Minderheiten, er lässt rund um die Uhr Meldungen über die elektronischen Medien verbreiten, in denen er Minderheiten verunglimpft. Aus moralischen Gründen kann man nicht für die Lega stimmen, denn keine andere Partei ist so weit von unseren Grundwerten entfernt wie sie.

Richard Theiner, ehemaliger SVP-Obmann, ‘Tageszeitung’, 29.11.2018

Siehe auch: [1] [2] [3] [4]

Doppelpass berührt »überhaupt nicht«.

Die Tageszeitung veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom Wochenende (27./28. Oktober) Daten aus einer Demox-Research-Studie zur Landtagswahl 2018. Ich möchte hier auf den Einstieg eingehen, der wie folgt lautet:

Man kann schon einmal festhalten: Der Doppelpass berührt die Südtiroler überhaupt nicht. Nur für 7 Prozent der Menschen im Lande ist die doppelte Staatsbürgerschaft ein Thema, das sie zur Zeit sehr beschäftigt.

Das ist interessant, denn die Befragten sollten höchstens drei Themen nennen. Wenden wir die 7% auf die 382.964 Wahlberechtigten an, heißt das, dass für 26.807 von ihnen die doppelte Staatsbürgerschaft* so wichtig ist, dass sie ihnen eine Nennung noch vor vielen anderen tagesaktuellen und konkreten Problemen wert war. Dies mit »berührt die Südtiroler überhaupt nicht« zu beschreiben, wird den Tatsachen wohl kaum gerecht.

Andererseits: Wenn die Befürchtung jene war, dass der Doppelpass bei einer Mehrheit der italienischen Mitbürgerinnen Albträume verursachen würde, kann anhand dieser Zahlen Entwarnung gegeben werden. So schlimm scheint es dann doch bei weitem nicht zu sein.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5]

*) die ja selbst für viele ihrer Verfechterinnen eher ein symolisches Anliegen mit geringem konkreten Nutzen ist

Sie sind nicht wie die anderen!

Die Tageszeitung hat im Hinblick auf die baldige Landtagswahl den CPI-Vertreter Maurizio Puglisi Ghizzi interviewt. Ich kann und will mich einfach nicht daran gewöhnen, dass man erklärten Faschistinnen eine solche Bühne bietet.

Im konkreten Fall handelt es sich — anders als beim (ebenfalls problematischen) Salto-Gespräch mit Andrea Bonazza (CPI) und Hannes Obermair (Grüne/LeU) — um ein »widerspruchsloses« Einzelinterview. Umso wichtiger wären eine kritische Interviewführung und beharrliches Nachhaken, speziell da, wo sich Puglisi Ghizzi wieder einmal ungeniert ausdrücklich auf den Faschismus beruft. Stattdessen: Nichts. Mehrmals sogar ein (hoffentlich nicht zustimmend gemeintes) »mhm« vonseiten des Interviewenden, Markus Rufin.

Dass dem Faschisten sogar noch eingeräumt wird, sich von einem deutschsprachigen Medium auf Italienisch interviewen* zu lassen, ist dann wohl das Tüpfelchen auf dem i.

Siehe auch: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9]

*) und ich meine hier vor allem, dass ihm die Fragen auf Italienisch gestellt wurden; wenigstens passive Deutschkenntnisse sollte man doch voraussetzen dürfen, wenn jemand von einem deutschsprachigen Medium interviewt werden will

Wahrlich ein Schlag ins Gesicht.

Wie sowohl die Antifa, als auch die Tageszeitung berichten, befindet sich auf der Landtagsliste der Freiheitlichen nach dem Rückzug von Gudrun Ceolan noch immer (wenigstens) ein Kandidat mit extrem rechtem Gedankengut. Es handelt sich dabei um Nico Vallazza aus dem Ahrntal, der in Vergangenheit Neonazibands und ihre Songs auf Facebook gelikt, geteilt und zustimmend kommentiert haben soll.

Daneben Spruchbilder mit Texten wie „Der Sieg ging an die Alliierten; der soldatische Ruhm an die Deutschen“ und Likes für das „Grossdeutsche Reich“ und den Massenmörder Anders Behring Breivik. Und als Lieblingszitat „Staatsbürger kann nur sein wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein wer deutschen Blutes ist.“, Punkt 4 des 25-Punkte-Programms der NSDAP.

– Antifa Meran

Am 9. September dieses Jahres soll Vallazza vom Sportgericht als Torwart des FC Prettau bis Juni 2019 gesperrt worden sein, weil er einen gegnerischen Spieler am Hals gepackt, zu Boden gestoßen und mit mehreren Fausthieben ins Gesicht traktiert habe.

Hätte er eine andere Hautfarbe, würden ihn die Blauen vermutlich nicht auf ihrer Liste, sondern am liebsten hinter Gittern sehen wollen.