Arbeit: Kostenlose Sprachkurse.

Unzulänglichkeiten bei den Zweitsprachkenntnissen zählen laut LPA zu den größten Hürden, um in Südtirol eine Arbeit zu finden. Deshalb haben die Ämter für Weiterbildung, für Zweisprachigkeit und Fremdsprachen sowie das Arbeitsservice eine Maßnahme zur Förderung der Zweitsprachkenntnisse entwickelt. Über Gutscheine, die von den Arbeitsvermittlungszentren vergeben werden, kommen Arbeitslose mit ungenügenden Sprachkenntnissen fortan in den Genuss von kostenlosen Zweitsprachlehrgängen. Gerade in der aktuellen Phase der durch Corona stark angestiegenen Arbeitslosigkeit kann das ein nützlicher Beitrag zur rascheren Wiedereingliederung in die Arbeitswelt sein.

(Warum heißt das Amt aber nicht »für Dreisprachigkeit und Fremdsprachen« und warum werden nicht auch die Drittsprachkenntnisse gefördert?)

Siehe auch:

Arbeit Bildung Plurilinguismo Service Public | Coronavirus Good News | | LPA | Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Digitalizzazione plurilingue. In Slovenia.

In varie occasioni su abbiamo segnalato il monolinguismo imperante nell’ambito della digitalizzazione delle amministrazioni pubbliche italiane. Fanno molto meglio gli Stati costitutivamente plurilingui (come la Svizzera), ma ci sono anche esempi positivi di Stati cosiddetti (mono-)nazionali — ad esempio la Slovenia.

Pochi giorni fa, nel contesto della restituzione del Narodni dom alla Comunità slovena di Trieste, non per la prima volta mi sono imbattuto in un sito governativo della piccola repubblica nata dalla dissoluzione della Jugoslavia — notandone il sostanziale plurilinguismo.

Questo è il caso anche del sito dedicato all’amministrazione digitale, disponibile nella lingua nazionale slovena, ma anche nelle lingue minoritarie ufficialmente riconosciute (l’italiano e l’ungherese), oltre all’inglese:

E non si tratta di un mero plurilinguismo di facciata: anche addentrandosi nelle singole voci, i contenuti — ivi inclusi i moduli da scaricare e compilare — sono disponibili nelle varie lingue, senza necessità di ricorrere allo sloveno.

Chiaramente, non ho potuto (né era nelle mie intenzioni) fare un’analisi esaustiva e rappresentativa, ma tutto ciò che si può appurare con una semplice visita al sito di eGovernment supera di gran lunga (!) quel che noi sudtirolesi siamo abituati da qualsiasi sito delle amministrazioni statali italiane.

Per ragioni di attualità faccio notare che anche il sito sloveno dedicato alla pandemia in corso è disponibile nelle quattro lingue, mentre quello del Governo italiano (a dispetto di quanto raccomandato dal Consiglio d’Europa) è disponibile solamente in italiano e inglese.

Ciliegina sulla torta: sono plurlingui addirittura le URL, ad esempio:

  • Sloveno: gov.si/drzavni-organi/ministrstva/
  • Italiano: gov.si/it/organi-dello-stato/ministeri/
  • Ungherese: gov.si/hu/allamigazgatasi-szervek/a-miniszteriumok/
  • Inglese: gov.si/en/state-authorities/ministries/

Un dettaglio che anche le amministrazioni locali sudtirolesi spesso trascurano.

Insomma, senza voler giudicare la situazione generale delle minoranze italiana e ungherese in Slovenia, sicuramente il plurilinguismo delle istituzioni statali in rete è nettamente più completo ed evoluto che in Italia.

Vedi anche:

Comparatio Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Recherche Service Public Tech&Com | Autonomievergleich Best Practices Coronavirus | | | Italy Slowenien Südtirol/o | | Italiano

Wenn Minderheiten das Nachsehen haben.

Am 15. Juni veröffentlichten die Südtiroler Grünen eine Pressemitteilung mit dem Titel Wenn die Fahrgäste das Nachsehen haben. Bebildert war der Text ausgerechnet mit einem Corona-Sicherheitshinweis von RFI, auf dem die Missachtung der deutschen Sprache klar ersichtlich ist. Zu dem Zeitpunkt hatte der Schienennetzbetreiber zwar bereits teilweise nachgebessert, die Situation bleibt aber bis heute gesetzwidrig.

Unter dem Titel der Aussendung hätte man sich erwarten dürfen, dass speziell die mehrsprachigen Grünen — und wenn auch nur in einem Nebensatz — die Missachtung der Sprachbestimmungen geißeln. Doch dem war leider nicht so. Auch auf eine spätere Äußerung der Grünen zu dem Thema hätte man bis heute vergeblich gewartet.

Dass die Sprachrechte nicht nur ein Spleen von sind, sondern wesentlicher Bestandteil unseres Statuts, dürfte den Autonomiepatriotinnen ja bekannt sein. Sowohl der Europarat als auch der Hohe Kommissar für nationale Minderheiten der OSZE haben ferner gefordert, auch und gerade in Pandemiezeiten besondere Rücksicht auf Sprachminderheiten zu nehmen.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Mobilität Plurilinguismo Recht Service Public Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione | | | Südtirol/o | Europarat OSZE RFI Vërc | Deutsch

Noch mehr gesetzwidrige Bahnhofsschilder.
Systematische Marginalisierung der deutschen Sprache

Dieser Tage habe ich wieder einmal jemanden vom Bahnhof Franzensfeste abgeholt. Während der Wartezeit habe ich geschaut, ob sich seit März 2019 etwas an der illegalen Bahnhofbeschilderung geändert hat. Spätestens seit September 2019 wollte RFI ja angeblich nachbessern.

Doch nein, es hat sich nichts verändert, jedenfalls nicht zum Besseren. Im Gegenteil: RFI hat es seit damals — nicht nur Corona-bedingt — sogar fertiggebracht, die Situation weiter zu verschlimmern.

Bei gewissen Hinweisen muss man schon sehr genau hinsehen, um die deutsche Übersetzung überhaupt zu bemerken.

Die einschlägige Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut schreibt gleiche Schriftgröße und gleiches Schriftbild vor, doch hier ist ausschließlich der italienische Text in Großbuchstaben und fett gehalten, zudem mit einer deutlich größeren Schriftgröße.

Doch es geht auch noch schlimmer: Der Hinweis zur maximalen Anzahl von Personen, die sich in einem Raum aufhalten dürfen, ist einsprachig Italienisch.

Und auch auf dem (soweit ich beobachten konnte neu angebrachten) Schild, das auf das Vorhandensein eines offenen WLANs hinweist, ist sich — den angekündigten Nachbesserungen zum Trotz — eine deutsche Übersetzung offenbar nicht ausgegangen:

Wie sich das Land (stellvertretend für alle Südtirolerinnen) von staatlichen Betrieben auf den Kopf sch***en lässt, dürfte wirklich fast einmalig sein.

Das sollte vielleicht irgendwann Gegenstand tiefenpsychologischer Untersuchungen werden.

Siehe auch:

Discriminaziun Minderheitenschutz Mobilität Plurilinguismo Politik Recherche Recht Service Public Sprachpfusch Tech&Com Vorzeigeautonomie | Bilinguismo negato Coronavirus Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | Land Südtirol RFI | Deutsch

Südtiroler Immuni-Pflicht.

Neue Corona-Regeln bringen in Südtirol erstmals einen — kontextbezogenen — Zwang zur Installation der staatlichen Trackingsoftware mit sich. Der Eintritt in eine Diskothek ist ab sofort nur jenen gestattet, die Immuni auf dem eigenen Smartphone installiert und in Betrieb genommen haben.

Damit ist die absolute Freiwilligkeit zur Nutzung der Software erstmals gebrochen. Das bringt auch mit sich, dass diejenigen, die kein Handy besitzen oder sich kein Smartphone leisten können, das die Kontakttracingfunktion von Apple bzw. Google unterstützt, erstmals vom Aufenthalt an bestimmten Orten ausgeschlossen sind.

Unklar ist — wenigstens mir — derzeit noch, wer das Vorhandensein sowie die dauerhafte Aktivierung der Software während eines Discobesuchs wie überprüfen wird.

Gesundheit Recht Tech&Com | Coronavirus | | | Südtirol/o | Land Südtirol | Deutsch

Corona-Vereinfachungen angefochten.

Im Rahmen des Nachtragshaushalts (Gesetz Nr. 3 vom 16. April 2020) hatte die Landesregierung befristete Abänderungen am Vergabegesetz im Sinne der Entbürokratisierung und Vereinfachung vorgenommen, um die öffentliche Vertragstätigkeit in Corona-Zeiten zu unterstützen.

Obschon Südtirol bei der Reglementierung der öffentlichen Auftragsvergabe EU-Recht eigenständig umgesetzt hatte, beharrt nun die italienische Zentralregierung auf eine angebliche transversale Zuständigkeit in dem Bereich und betrachtet wesentliche Teile des staatlichen Vergabegesetzes als eine grundlegende wirtschaftlich-soziale Reform der Republik. Letzteres ist das Zauberwort, das de facto dem berüchtigten »nationalen Interesse« entspricht.

Erst 2017 waren Südtirol per Durchführungsbestimmung neue Zuständigkeiten im Bereich der Auftragsvergabe zugeteilt worden.

Die — inzwischen auf die Unterstützung der SVP angewiesene — Regierung Conte hat am 5. Juni beschlossen, die entsprechenden Teile des Nachtragshaushalts anzufechten. Am 7. Juli hat sich nun die Landesregierung dazu entschieden, die beanstandeten Vereinfachungen vor dem Verfassungsgericht zu verteidigen.

Siehe auch:

Bürokratismus Politik Recht Staat vs Land Vorzeigeautonomie Wirtschaft+Finanzen Zentralismus | Coronavirus | Giuseppe Conte | | Italy Südtirol/o | Land Südtirol SVP Verfassungsgericht | Deutsch

Offener Brief zum Iceman Ötzi Peak.

Offener Brief des Heimatpflegeverbands an die Schnalstaler Gletscherbahnen AG.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die Pflege einer zeitgemäßen authentischen Volkskultur und der Schutz der gewachsenen Kultur- und Naturlandschaft sind Kernanliegen des Heimatpflegeverbands Südtirol. Ihre in den „Dolomiten“ von Samstag, 4. Juli 2020 geäußerte Replik auf unsere Presseaussendung vom 28. Juni 2020 wird von uns zurückgewiesen.

Die Aussichtsplattform auf der Grawand ist Ausdruck einer seit Jahren grassierenden Berg-Bespaßung und Inszenierung der Alpen, deren Ergebnis Funparks oder über Abgründe hinauskragende Plattformen (z.B. Martell, Naturnser Sonnenberg) sind – geradezu eine Verkehrung des echten Naturerlebnisses! Ihre Aussichtsplattform verunziert den Gipfel der Grawand, das Gipfelkreuz wirkt nun beinahe deplaziert. Ihrem Hinweis, dass durch die Aussichtsplattform „alle Menschen – und nicht nur wenige bergerfahrene – das Bergerlebnis leben können“, möchten wir entgegnen, dass die zehn Minuten von der Bergstation bis zur Grawand von einigermaßen kreislaufstabilen Menschen durchaus bewältigbar sind.

Zur Benennung der Plattform: Sie weisen darauf hin, dass nicht der Grawandspitz, sondern nur der Kunstbau den Namen „Iceman Ötzi Peak“ tragen würde. Die englische Bezeichnung (auf Deutsch „Eismann-Ötzi-Spitze“) bezieht sich jedoch eindeutig auf den Gipfel. Dies erinnert frappierend an die 2007 erfolgte Umbenennung des Osttiroler Mullwitzkogels in „Wiesbauerspitze“ (nach einem Wiener Wurstfabrikanten). Die Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde (AKO), das Koordinationsgremium aller in Österreich mit geografischen Namen befassten Dienststellen, verfasste dazu eine Stellungnahme: Darin heißt es, dass Neu- oder Umbenennungen von geografischen Objekten nach dem ortsüblichen Gebrauch zu erfolgen hätten, dass Bergnamen eine wichtige Orientierungsfunktion aufweisen würden (im Falle eines Rettungseinsatzes lebenswichtig!) und dass geografische Namen allgemein ein wertvolles Kulturgut einer Talschaft darstellten, welches – wie Gerüche (Heumahd) oder vertraute Laute (Kuh-/Kirchenglocken) – einen Teil der Identität der Lokalbevölkerung bildeten. Namen reflektieren die Wahrnehmung der Bevölkerung, die Grawand erschien den Kurzrasern eben als eine „graue Felswand“. Das Englische nun als Sprache des Respektes in Südtirol zu bezeichnen, ist in unseren Augen unverständlich. Verstehen Sie uns nicht falsch – wie alle Sprachen verdient auch das Englische größten Respekt. Wir sind aber der Überzeugung, dass das dreisprachige Südtirol mit seinen vielen dialektalen Abstufungen gerade die Besonderheit als zentralalpine Region ausmacht. Gerade in anglophonen Ländern wie Australien und den USA wurden in letzter Zeit berühmte Berge umbenannt. Mit den Namen Uluru (statt Ayers Rock) und Denali (statt Mount McKinley) hat man ein Zeichen der Wiedergutmachung gegenüber der indigenen Bevölkerung gesetzt. Namenlandschaft ist geistige Kulturlandschaft. Geografische Namen, so Egon Kühebacher, sind Denkmäler der Sprachgeschichte. Die Schnalstaler Glestscherbahnen schlagen mit dem Terminus „Iceman Ötzi Peak“ einen unzeitgemäßen Weg ein – weg von Authentizität, hin zu billiger Anbiederung an den internationalen Seilbahn- und Halbschuhtouristen.

Wenn Sie dann auch den Heimatpfleger/innen „rückwärtsgewandte Romantik“ vorwerfen und Sie die Covid-Krise als Vorwand für eine weitere technische Erschließung des Schnalser Talschlusses hernehmen, möchten wir an dieser Stelle die Südtiroler Bevölkerung fragen, wer hier rückwärtsgewandt handelt: jene die sich für den Erhalt gewachsener Landschaften einsetzen oder jene, die vor zwei Jahren den Weidegang der Schafe planierten (ein Tälchen!), in eine weitere Skipiste verwandelten und anschließend die Unverfrorenheit besaßen diese Piste „Transhumanz“ zu nennen? Für die Schnalserinnen und Schnalser wird der Skibetrieb gewiss wirtschaftliche Vorteile bringen – aber welcher Preis wurde bis heute dafür bezahlt? Ich darf Sie daran erinnern, dass sich Josef Rampold, der frühere Chefredakteur der Dolomiten, in den 1970er und 1980er Jahren vehement gegen die Verschandelung des Schnalser Talschlusses eingesetzt hat. Dies scheint heute weitgehend vergessen.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Plaikner, Obfrau Heimatpflegeverband Südtirol
Johannes Ortner, Vorstand Heimatpflegeverband Südtirol

Verknüpfungen von hinzugefügt.

Siehe auch:

Arch+Raum Außendarstellung Ecologia Kunst+Cultura Ortsnamen Plurilinguismo Tourismus Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus Zitać | | Dolo | Nord-/Osttirol Oceania Österreich Südtirol/o USA | | Deutsch

Iceman Ötzi Peak.

Aus Respekt vor den Moneten Gästen werden die Ebners am Schnalstaler Gletscher Natur und Kultur opfern und den Grawandspitz in einen Selfie-Insta-Tiktok-Park verwandeln müssen. Wir wissen alle wie das ist: Wenn es der Respekt gebietet, kann sich die Athesia nicht mehr zügeln.

Und weil die Gäste unisono darum gebeten haben, den Gipfel nicht nur umzugraben, sondern auch -zubenennen, und zwar bitteschön in feinstes Englisch, wird der Iceman Ötzi Peak schon bald das Licht der Welt erblicken. Prehistoric Lives Matter. Südtiroler Tscheggl Lives können das natürlich nicht nachvollziehen. Aber: Auch sie werden begeistert sein, wenn sie erfahren, dass man von dort oben sowohl die Staatsgrenze (wie am Brenner!) als auch den Pfad der Transhumanz (UNESCO!) erblicken kann.

Was von einem Grawandspitz aus unmöglich war, ist am Iceman Ötzi Peak ein Kinderspiel.

Denen, die — wie der Heimatpflegeverband — die respektlose Frage aufwerfen, wem denn die Berggipfel gehören, lässt die Gletscherbahn via Stol eine (ausgesprochen respektvolle) Antwort zukommen:

  • Erstens sei der Gipfel gar nicht umbenannt (sondern lediglich einem Lifting unterzogen und wie nach der Annexion toponomastisch bereichert) worden;
  • Zweitens: Corona (passt einfach immer);
  • Und drittens gehören die Berge natürlich weitehin allen (Aktionären der Gletscherbahn). Deshalb wurde der Gipfel für alle zugänglich gemacht. Die 50.000, die wegen der Pandemie in Lohnausgleich sind und sich kein Ticket kaufen können, wollen eh nicht hinauf.

Siehe auch:

Arch+Raum Außendarstellung Ecologia Grenze Kunst+Cultura Ortsnamen Satire Tourismus Wirtschaft+Finanzen | Coronavirus | | Athesia Stol | Südtirol/o | UNESCO | Deutsch