Unwürdig.
Quotation 77

Mit alten Kommunisten hat [die SVP] das [Koalitionsabkommen] ja geschlossen, oh Schande, und was kommunistisch riecht, kann für uns nicht gut sein. Als die alten Kommunisten des PCI [KPI] für das Statut stimmten, dann waren sie gut, als Prodi und die Kommunisten den Südtirolern alles Mögliche gaben, auch die Energie, der sie sich dann als unwürdig erwiesen, war alles in Ordnung. Nun wir[d] die Anti-Kommunismus-Keule wieder geschwungen.

Arnold Tribus im Leitartikel der aktuellen Wochenendausgabe der TAZ.

Schon wieder diese unsägliche, undemokratische Kategorie der Unwürdigkeit und des Sich-Verdienen-Müssens .

Was den Kommunismus betrifft, möchte ich die Kritiker des Abkommens zwischen SVP und PD beruhigen: Der PD ist genauso kommunistisch, wie die CDU in Deutschland. Eigentlich befindet er sich eher rechts der Mitte, was die Wirtschafts-, die Sozialpolitik oder gesellschaftliche Fragen angeht. Selbst die SPD, die sich während der letzten Jahre weit von ihren ursprünglich linken Positionen wegbewegt hat, ist wohl weiter links. Die Kommunismuskeule ist also völlig deplatziert.

Democrazia Medien Politik | Medienkritik Quote SX di DX | Arnold Tribus Romano Prodi | TAZ | Deutschland Italy Südtirol/o | CDU/CSU PD&Co. SPD SVP | Deutsch

Historische Chance.
Quotation 76

In ihrer Strategie, die deutsch-italienische Achse zu sprengen, setzte die englische Regierung auf Südtirol.
Im April 1938 hatten sich als Touristen getarnte Agenten des englischen Secret Sercive (sic) nach Südtirol begeben und sowohl dem Deutschen Verband [s. Wikipedia] als auch dem VKS (Völkischer Kampfring Südtirols), der 1934 gegründeten, nationalsozialistisch ausgerichteten Untergrundorganisation, den Vorschlag unterbreitet, ihnen bei terroristischen Aktionen gegen das faschistische Regime behilflich zu sein. Viel bedeutsamer war allerdings das explizite Angebot, die Südtiroler voll und ganz zu unterstützen, falls diese bereit wären, gleich wie die Sudetendeutsche Partei Henleins das Selbstbestimmungsrecht zu fordern.
Die NS-Ideologie des VKS und die damit verbundene absolute Unterordnung unter das Führerprinzip somit auch unter die von Deutschland betriebene Achsenpolitik, aber auch das Schweigen des Deutschen Verbandes, führten dazu, dass dieses Angebot mit ausdrücklichem Bezug auf die »Rücksicht auf die politischen Notwendigkeiten des Reiches« abgelehnt wurde.
Der Umstand, dass die politische Führung Südtirols dieses englische Angebot ablehnte, bedeutete allerdings nicht, dass Großbritannien diese politische Perspektive endgültig begrub. Auf Grund des Unmuts und der Unsicherheit in Südtirol, die sich vor und nach dem unmittelbaren Bekanntwerden der Umsiedlungsvereinbarungen zwischen Italien und Deutschland breitgemacht hatten, schien England verstärkt die Möglichkeit geortet zu haben, nochmals die Karte Südtirol einzusetzen.
Zu Ostern des Jahres 1939, so berichtet der deutsche Generalkonsul in Mailand, Otto Bene, sei angeblich von englischer Seite nochmals das Angebot unterbreitet worden, »die Südtiroler Volksgruppe beim Völkerbund als Minderheit anzumelden und ihre Forderung nach kultureller Autonomie bis zum Selbstbestimmungsrecht zu unterstützen.«

[…]

Ein reibungsloses Funktionieren der Achse [zwischen Rom und Berlin] hing aber nach Meinung Englands und Churchills wesentlich von der Lösung des Südtirolproblems ab.
Churchill versucht […] die ideologischen Widersprüche Hitlers auszuspielen, wenn er diesem vorwirft, entgegen den völkischen Grundsätzen des Nationalsozialismus ohne Skrupel bereit zu sein, die »Heimat des Patrioten Hofer«, wie er 1946 Südtirol im englischen Unterhaus nannte, als Preis für seine Bündnispolitik mit Italien zu zahlen […].

[…]

Vielleicht wäre die Südtirolpolitik nach Kriegsende anders verlaufen, wenn die politische Führung des Landes, statt eine Option zwischen dem »Gauner Hitler« und dem »Idioten Mussolini« zu akzeptieren, das englische Angebot bezüglich einer Selbstbestimmung nicht abgelehnt hätte.

Günther Pallaver, TAZ, 11.01.2013

Faschismen Geschichte Medien Politik Selbstbestimmung | Quote | Günther Pallaver | TAZ | Südtirol/o | | Deutsch

Gegenseitige Akzeptanz.
Quotation 71

Katalonien hat ein für allemal zu akzeptieren, dass Spanien sich nicht ändern will, und dass es Spaniens Recht ist, sich nicht zu ändern. Ebenso sollte Spanien akzeptieren, dass Katalonien weder absorbiert, noch assimiliert oder homogenisiert werden will.

Artur Mas, wiedergewählter katalanischer Präsident, bei seiner gestrigen Ernennungsrede.

Politik | Quote | Artur Mas | | Catalunya | | Deutsch

Ein Bild spricht Bände.
Quotation 70

ff Alpini.

Zum Vergrößern anklicken.

Nachdem das Wochenmagazin ff in der letzten Ausgabe zum wiederholten Mal ein Lob auf die Alpini angestimmt hatte, legt Chefredakteur Dall’Ò in der aktuellen Doppelnummer (51-52) noch einmal nach — mit einem vielsagenden Bild zum Text. So darf man sich also ein gelungenes Fest vorstellen.

Siehe auch:

Medien Militär | Quote | Norbert Dall'Ò | ff | Südtirol/o | Alpini | Deutsch

Unterstreichen.
Quotation 68 // Verharmlosungen

Die zahlenmäßig stärkste Entwicklung erfuhr die italienische Sprachgruppe in der Zeit des Faschismus in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als das Mussolini-Regime versuchte, durch eine massive Zuwanderung aus dem Süden den »italienischen Charakter« Südtirols zu unterstreichen.

Quelle: Broschüre »Das ist Südtirol«

Und das deutsche Reich versuchte wohl fast zeitgleich, den »deutschen Charakter« Polens zu unterstreichen.

Außendarstellung Faschismen Geschichte Medien Politik Publikationen | Geschichtsaufarbeitung Quote | | | Italy Südtirol/o | | Deutsch

Ostacoli.
Quotation 66

Credo che ci troviamo nel 21° secolo, e nel 21° secolo la democrazia è sacra. In un processo con queste caratteristiche non si può avanzare con le minacce. Quindi, se c’è un’ampia maggioranza favorevole all’esercizio del diritto all’autodeterminazione, e in Catalogna c’è, sono sicuro che alla fine non ci possa essere nessun problema. Ci saranno degli ostacoli, questo è ovvio, però credo che potremo superarli.

Joan Herrera, giurista, segretario generale dei Verdi catalani.

Vedi anche:

Democrazia Politik Selbstbestimmung | Quote | | | Catalunya | Vërc | Italiano

Small countries.
Quotation 63

In the first half of the last century, small countries had two problems: security and access to markets. Now, markets have opened, and security threats are from terrorism and network-based crime. All of that means that the disadvantages of small countries have been minimized, and they can use their natural strengths — such as the speed of decisionmaking — more effectively.

— Alex Salmond (SNP), First Minister of Scotland.

See also:

Kleinstaaten Politik | Quote | Alex Salmond | | Scotland-Alba | SNP | English

Wegsperren.
Quotation 62

Das Spannende in Südtirol ist doch die kulturelle Vielfalt. Ich hoffe, dass hier niemand auf die Idee kommt, die Ladiner oder die Italiener wegzusperren. Der richtige Ansatz ist schon, diese Vielfalt innerhalb einer größeren Grenze wahrzunehmen und davon zu profitieren.

Horst Reichenbach, Leiter der »Task Force Griechenland« der Europäischen Kommission, im dieswöchigen ff-Interview auf die Frage: »In Südtirol diskutiert man im Moment […]: Weg von Italien? Freistaat? Freikaufen…?«

In Anlehnung daran, was ich schon bezüglich Prof. Sonja Puntscher Riekmann geschrieben habe, kann ich nur sagen: Ernüchternd, dass einem überzeugten Europäer zum Thema Unabhängigkeit nichts anderes einfällt, als

  • es zu Mehrsprachigkeit und Vielfalt in Widerspruch zu setzen;
  • undemokratische und menschenrechtswidrige Absichten zu unterstellen.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Medien Plurilinguismo Politik Selbstbestimmung | Quote | | ff | Südtirol/o | EU | Deutsch