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Rettung für Geburtsstationen?

Neuen Informationen zufolge können die Geburtsstationen in Sterzing und Schlanders, obschon sie die Mindestfallzahl von 500 Geburten pro Jahr nicht erreichen, gerettet werden. Was mit der Station in Innichen passiert, die beinahe über Nacht geschlossen wurde, scheint noch unklar. Die (auch für Souramont wichtige) Einrichtung ist möglicherweise einer Kurzzeitbestimmung zum Opfer gefallen.

Während diese Geburtsstationen also bis gestern als Gefahr für die Unversehrtheit von Mutter und Kind galten, soll es nun plötzlich anders sein. Mit besonnener und glaubwürdiger Politik hat das nicht viel gemein. Wie froh wir nun auch über die Entscheidung sein mögen: Sie führt uns gleichzeitig vor Augen, wie willkürlich (angeblich alternativlose) Weichenstellungen vorgenommen werden und wie wenig die sogenannte Vorzeigeautonomie gegen Rom ausrichten kann und will. Ohne ein neuerliches Dekret aus dem Gesundheitsministerium, das das Kriterium der Mindestfallzahlen aufweicht, hätte wohl zumindest Sterzing dasselbe Schicksal ereilt, wie Innichen.

Denen, die den Mut hatten, sich nicht nachvollziehbaren und zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig vermittelten Entscheidungen zu widersetzen — durch Kundgebungen, durch ihr Wahlverhalten, durch konstruktive Kritik — anstatt, wie zahlreiche Entscheidungsträger, einfach die Nerven wegzuwerfen, muss man an dieser Stelle großen Dank aussprechen. Wahrscheinlich käme sonst der Beschluss aus Rom für alle drei Bezirkskrankenhäuser zu spät.

Das Trentino hat, dank der beharrlichen Weigerung seines Landtags, die gesundheitliche Nahversorgung aufs Spiel zu setzen, sicher auch zu dieser Entwicklung beigetragen.

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Zweisprachigkeit im Amt deutlich verschlechtert.

Alle zehn Jahre veröffentlicht das Landesstatistikinstitut (Astat) ein sogenanntes Sprachbarometer, das — wie der Name schon verrät — die wichtigsten Daten zur Sprachsituation in Südtirol beinhaltet. Nun ist es endlich wieder so weit.

Da es sich beim soeben veröffentlichten Bericht (erst) um den zweiten dieser Art handelt, sind jetzt erstmals Vergleiche möglich. Eine Gesamtanalyse maße ich mir noch nicht an, doch habe ich mir vorerst einen wichtigen Teilaspekt herausgefischt — und der hat es in sich.

Schon 2004 wurde klar, dass die deutsche Sprache als Amtssprache, obschon rechtlich der italienischen gleichgestellt, einen sehr schweren Stand hat. In einem mehrheitlich deutschsprachigen Land wie Südtirol war die Schwierigkeit, die deutsche Sprache im Umgang mit öffentlichen Ämtern zu benutzen, eher mit der Lage der (rechtlich nicht umfassend gleichgestellten) ladinischen Sprache zu vergleichen, als mit der Lage des Italienischen.

Diese Tatsache hat sich im Laufe der letzten 10 Jahre nicht etwa verbessert, sondern noch einmal bedeutend verschlechtert. Während nämlich die — unbefriedigende — Situation des Ladinischen mehr oder minder unverändert blieb, verschlechterte sich die Erfahrung der deutschen Sprachgruppe in öffentlichen Ämtern noch einmal deutlich, sodass der Anteil an Negativerfahrungen zwischen den beiden Minderheitensprachen nur noch rund fünf Prozentpunkte auseinanderliegt (59,6% und 64,4%).

Amtssprachen Sprachbarometer 2004-2014.

Bemerkenswert ist zudem, dass auch die Mitglieder der italienischen Sprachgruppe insgesamt eine Verschlechterung beklagen und nunmehr zu rund 14% angeben, (im Jahr vor der Erhebung) »oft« oder »manchmal« eine Verweigerung ihres Rechts auf Muttersprache erlebt zu haben. Wie schon 2004 war die Situation des Italienischen als Amtssprache jedoch »um Welten« besser, als die der beiden anderen Landessprachen.

Der Anteil an Bürgerinnen der deutschen Sprachgruppe, denen im Jahr vor der Erhebung nie ihr Recht auf Muttersprache verweigert wurde, sackte zwischen 2004 und 2014 um über 40% ein und liegt nunmehr bei lediglich 25,4%.

Erstaunlich ist, dass die Verweigerung der deutschen Amtssprache auch in der Landesverwaltung und im (ebenfalls vom Land Südtirol abhängigen) Gesundheitswesen um ein Vielfaches größer ist als die Verweigerung der italienischen Amtssprache.

Die deutsche Sprache wird von den Carabinieri (36,1%) am häufigsten verweigert, dicht gefolgt von den Sanitätseinheiten und Krankenhäusern (31,9%). Für Italiener- (8,8%) und Ladinerinnen (56,3%) stellt das Gesundheitswesen gar den Bereich dar, wo ihnen das Recht auf Muttersprache am häufigsten verweigert wurde — wodurch dies auch sprachgruppenübergreifend der Sektor ist, der (dicht gefolgt von den Carabinieri) die meisten Probleme schafft.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Plurilinguismo Polizei Recht Service Public Umfrage+Statistik | Sprachbarometer | | | Ladinia Südtirol/o | Astat Land Südtirol Sabes | Deutsch

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Bonvicini — la sanità monolingue.

Il signor Matteo Bonvicini non è solo il capolista della Lista Civica Spagnolli alle elezioni comunali di domenica prossima, ma è anche il titolare della farmacia San Quirino e presidente Federfarma Bolzano. La farmacia fa parte del Gruppo Bonvicini che opera nella sanità privata e che secondo il proprio sito internet è convenzionato con l’Azienda Sanitaria pubblica sudtirolese.

L’offerta del gruppo si suddivide in sette strutture (Casa di Cura, Radiologia, Centro Emodialisi, Farmacia San Quirino, Poliambulatori, Laboratorio Druso e Medicina del Lavoro) rappresentate dai sette simboli sul sito internet:Bonvicini-Klinik.

Nonostante la convenzione col servizio sanitario pubblico però sul sito non sono disponibili informazioni in lingua tedesca. Ciò vale anche per la sezione dedicata alla farmacia San Quirino, anch’essa completamente monolingue. Questa totale mancanza di rispetto nei confronti dei cittadini dell’altra lingua assume particolare gravità in un ambito sensibile come quello sanitario, in cui i «clienti» — ovvero i pazienti ed i loro congiunti — si trovano spesso in situazioni di fragilità e sono bisognosi di particolare attenzione. Inoltre, siamo di fronte a un’infrazione all’obbligo di bilinguismo previsto per tutti i concessionari di servizio pubblico, finanziati con i soldi dei contribuenti.

Ovviamente il signor Bonvicini avrebbe una particolare responsabilità anche come presidente di Federfarma (la federazione dei farmacisti) in una terra plurilingue — oltrettutto a maggioranza germanofona — come quella sudtirolese; responsabilità che dovrebbe indurlo ad assumere un comportamento esemplare anche per gli altri titolari di farmacia.

Purtroppo invece il Gruppo Bonvicini, al contrario, rappresenta una pessima carta da visita per chi si (ri-)candida a governare il capoluogo di una terra plurilingue.

Vedi anche: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/ 8/ 9/

Discriminaziun Gesundheit Plurilinguismo Politik Recht Service Public Sprachpfusch | Bilinguismo negato Gemeindewahl 2015/16 Italianizzazione | Luigi Spagnolli | | Südtirol/o | Sabes | Italiano

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Zweisprachige Polizei?

Wie Südtirol Online (Stol) berichtet, wehrt sich das Bozner Polizeipräsidium gegen die Anschuldigung, die gesetzlich vorgeschriebene Zweisprachigkeit des Diensts sei nicht garantiert — was das Nachrichtenportal unhinterfragt wiedergibt:

Die Ämter der Polizei, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, sind zweisprachig.

Die Erhebungen des Astat-Sprachbarometers (2004) ergeben jedoch ein völlig anderes Bild:

Verweigerte Muttersprache.

Eigentlich hätte ein derartiges Ergebnis, wonach ein erheblicher Teil der deutschsprachigen Südtiroler ihre Muttersprache nicht mit Carabinieri und Gemeindepolizei sowie mit Polizei und Finanzwache verwenden konnten, einen Aufschrei und massive Gegenmaßnahmen auslösen müssen. Übrigens schnitt der Gesundheitsbetrieb des Landes auch nicht viel besser ab, was erstaunt und beschämt.

Es mag natürlich sein, dass sich die Situation bei der Polizei seit Veröffentlichung des Sprachbarometers drastisch verbessert hat, doch dazu hätte es vermutlich eines erheblichen Engagements bedurft, das leider nicht zu bemerken war. Der Polizeipräsident macht es sich mit einer kurzen Pressemitteilung ziemlich einfach, ein nachgewiesenermaßen existierendes Problem so abzufertigen. Nachdem jedoch von Südtiroler Medien kaum ein Nachhaken bzw. ein Faktencheck zu erwarten sind, wird dies wohl das Niveau der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema bleiben.

Fakt ist: Die letzten vom Landesstatistikinstitut zu diesem Thema veröffentlichten Daten sprechen eine völlig andere Sprache, als die Polizei nahelegen möchte. Nicht zuletzt angesichts des gefühlten Sicherheitsnotstands in Südtirol sollte eine funktionierende Kommunikation mit der Bevölkerung in deren Sprache eigentlich eine Priorität sein.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

Discriminaziun Faktencheck Medien Plurilinguismo Polizei Service Public Umfrage+Statistik | Bilinguismo negato Sprachbarometer | | Stol | Südtirol/o | Astat Carabinieri Finanzpolizei Land Südtirol NISF Sabes Staatspolizei | Deutsch

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Mayrs »Anzeige«.

Seit ihre Schließung konkret im Raum steht, wurden die Geburtenabteilungen in Sterzing und Innichen zum Symbol und Exzerzierfeld »erneuerter« Landespolitik. Weit über die Bedeutung der Abteilungen hinaus geht es um das Verhältnis zwischen Stadt und Land, um die Einbindung der Bevölkerung in maßgebliche gesundheits- und sozialpolitische Weichenstellungen, um Transparenz in der Kommunikation, um Prioritätensetzung, um die Gewichtung von qualitativen/quantitativen/wirtschaftlichen Faktoren und nicht zuletzt um den Zustand der Autonomie. In wohl keiner dieser Disziplinen könnte man der Landesregierung ein positives Zeugnis ausstellen.

Einen Qualitätssprung beschert der Diskussion nun angeblich Gesundheitsdirektor Oswald Mayr, der sich laut heutiger TAZ schriftlich an die Landesregierung und an die Staatsanwaltschaft (!) gewandt haben soll, um seine zivil-, straf- und finanzrechtliche Verantwortung abzustreifen. Ein solches Vorgehen sollte sich für einen Spitzenbeamten, der politische Beschlüsse umsetzen muss, eigentlich verbieten und ist — da nicht mit einem Rücktritt gepaart — ein wohl fast einmaliger Vorgang.

In seinem Schrieb weist Mayr darauf hin, dass die staatlichen Vorgaben bei den Geburtsstationen nicht nur in Sterzing und Innichen, sondern trotz einschlägiger Anstrengungen bis auf Bozen auch sonst in keinem einzigen Krankenhaus erfüllt werden konnten. Selbst Meran wäre demnach also derzeit nicht dazu befugt, Geburten ’durchzuführen’.

Trotz politischen Willens konnten Landesregierung und SVP in Rom keine Ausnahmeregelung von den Mindestanforderungen erwirken, die es — wie von zutage gefördert — so in vergleichbaren Nachbarregion jenseits der »nicht existierenden« Grenzen nicht gibt.

Was den Anspruch einer sogenannten »Vollautonomie« betrifft stehen wir also einmal mehr vor einem Scherbenhaufen.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

Gesundheit Grenze Medien Mitbestimmung Politik Recht Staat vs Land Vorzeigeautonomie Zentralismus Zuständigkeiten | | | TAZ | Südtirol/o | Sabes SVP | Deutsch

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Krankes Gesundheitssystem.

Seit einer schweren Krankheit vor 20 Jahren muss ich im Zwei- bis Vier-Wochen-Rhythmus die Gerinnung meines Blutes kontrollieren lassen. Bislang habe ich das noch immer im Stubaital gemacht und das funktionierte so:
Ich gehe — egal an welchem Wochentag irgendwann zwischen 7 und 19 Uhr — zu meinem Hausarzt. Ich muss weder den Arzt sprechen, noch im Wartezimmer Platz nehmen, sondern gehe direkt nach Registrierung meiner E-Card in ein kleines Zimmer, wo mir eine Assistentin in den Finger stupft und ein paar Tropfen Blut entnimmt. Dann kommt dieses Blut in einen so genannten »Coagu-Check« und ich hab binnen 30 Sekunden das Ergebnis. Wenn dieses innerhalb des therapeutischen Bereichs liegt, bleibt die Dosierung meines Medikaments automatisch gleich und ich brauche nicht zum Arzt. Ich trage den Wert selber in meinen Ausweis ein und verlasse im Regelfall und im Durchschnitt nach fünf Minuten die Praxis. Nebenbei erwähnt: Ich bin ganz normal pflichtversichert. Bezahlt habe ich für die Bluttests jedoch noch nie einen einzigen Cent.
Als Alternative gäbe es noch die Möglichkeit, sich kostenlos ein Schnelltestgerät zu leihen und die Bluttests selbst durchzuführen.
Da ich nun etwas seltener im Stubaital bin, habe ich mich entschlossen, den Blutwert ab jetzt in Südtirol kontrollieren zu lassen und das funktioniert so:
Obwohl ich diesen Test nach derzeitigem medizinischen Wissensstand für den Rest meines Lebens machen werde müssen, darf ich jedes Mal wenn eine Blutprobe bevorsteht (also alle zwei bis vier Wochen) meinen Hausarzt aufsuchen (vier Mal in der Woche nur vormittags von 8 bis 12 Uhr oder einmal nachmittags von 16 bis 19 Uhr möglich). Aber nicht etwa, um dort den Test zu machen, sondern um mir eine Überweisung zu holen, mit der ich mich dann entweder zum Sprengel (Blutabnahme zweimal in der Woche von 8 bis 9 Uhr möglich) oder ins Krankenhaus (täglich von 7.30 bis 12 Uhr) begeben muss. Dort sitze ich dann nach zweimaliger Anmeldung (Hauptanmeldung an der Pforte und dann noch einmal im Blutlabor) mit einer Nummer im Warteraum und harre der Dinge bis mir venös eine Ampulle Blut abgezapft wird. Ergebnis bekomme ich aber noch keines. Dieses leitet der Sprengel oder das Krankenhaus nämlich erst am Nachmittag an den Hausarzt weiter, den ich dann neuerlich aufsuchen muss (an einem anderen Tag versteht sich), damit dieser die Dosierung in meinem Ausweis vermerkt. Für das ganze Prozedere, bei dem einige Stunden draufgehen, darf ich dann auch noch bezahlen. (Ironie am Rande: Mein Hausarzt verfügt – im Gegensatz zu vielen anderen Südtiroler Hausärzten – sogar über einen Schnelltester. Dieser sei aber nur für Notfälle. Regelmäßige Tests würden nicht rückerstattet, sondern müssten komplett in Rechnung gestellt werden.) Um wenigstens einen Teil der Kosten zu sparen, musste ich mir jetzt eine Überweisung für die Gefäßchirurgie ausstellen lassen, wo man mir eine so genannte »Ticketbefreiung« (dass man für medizinische Leistungen ein »Ticket« benötigt, war mir auch neu) ausstellte, die ich alle drei Jahre erneuern muss, obwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass mir nicht spontan eine neue Hohlvene nachwächst.
Neben der Entmündigung der Patienten und Hausärzte sind es vor allem die Absurdität des bürokratischen Prozedere und der damit einhergehende Zeit- und Kostenaufwand, die mich sprachlos machen. Wieso muss ich für etwas, das ich in satter Regelmäßigkeit voraussichtlich den Rest meines Lebens machen muss, jedes einzelne Mal eine Überweisung holen? Ganz als ob ich mir meine Krankheit im Zwei-Wochen-Rhythmus immer wieder bestätigen lassen muss. Warum wird der Test nicht von den Hausärzten gemacht? Warum wird der viel weniger zeit- und kostenaufwändige Schnelltest nicht rückerstattet? Wieso muss ich um eine »Ticketbefreiung« regelmäßig im Krankenhaus ansuchen? Warum muss ich überhaupt für etwas bezahlen, das eine chronische Erkrankung betrifft? Wieso braucht es drei Gänge (Hausarzt, Blutlabor, Hausarzt) für einen Routinebluttest? Warum kann ich mich nicht selbst testen bzw. zumindest selbst dosieren, solange der Wert im therapeutischen Bereich liegt? Hat irgendwer plausible Antworten für mich oder ist das alles einfach nur krank?

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/

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Abbau von Krankenbetten.

Die während der letzten Tage angedrohte Schließung zweier Südtiroler Krankenhäuser (Innichen und Sterzing — Schlanders wäre zunächst nicht von der Maßnahme betroffen gewesen) durch die Regierung in Rom ist vorerst abgewendet. Das verdanken wir nicht unserer (inzwischen kannibalisierten) Autonomie, sondern der Tatsache, dass sich der Gesundheitsminister noch einmal gegen Regierungschef Monti durchsetzen konnte. Das heißt dann auch, dass das Damoklesschwert weiterhin über den beiden Einrichtungen schwebt und dass die Organisation des einheimischen Gesundheitswesens von den Launen Roms abhängt.

Die Tageszeitung la Repubblica berichtet in ihrer heutigen Ausgabe jedoch, dass das heute Nacht verabschiedete Sparpaket den Abbau von Krankenbetten vorschreibt. Alle Regionen und autonomen Länder müssen deren Anzahl auf 3,7 je 1.000 Einwohner reduzieren. Derzeit verfüge Südtirol jedoch über 4,4 Betten je 1.000 Einwohner, weshalb jetzt insgesamt 285 Betten abgebaut werden müssten — das sind mehr als 1/10 der bestehenden Anzahl. Südtirols Zuständigkeiten im Rahmen der Organisation des Gesundheitswesens wurden also einmal mehr übergangen.

Siehe auch: 1/ 2/

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Drei Tage Haft.

Wie befürchtet hat sich die Landesregierung diese Woche dafür entschlossen, aus rein politisch-ideologischen Gründen — medizinische gibt es keine — Frauen drei Tage lang im Krankenhaus festzuhalten, nachdem sie mittels Pille einen Schwangerschaftsabbruch »begangen« haben. Dieselbe für den Steuerzahler sehr kostspielige Strafmaßnahme gilt nicht für chirurgische Abtreibungen. Italien ist weltweit das einzige Land, das die Vergabe der sogenannten RU-486 mit einem Krankenhausaufenthalt verknüfpt.

Reichlich sonderbar mutet die offizielle Begründung für diesen Schritt an: Man habe sich an eine Empfehlung aus Rom gehalten. Hätte man anders entschieden, wäre das Land Südtirol dafür verantwortlich. Dass Autonomie Verantwortung bedeutet, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Schöpft man den (geringen) Handlungsspielraum nicht aus, weil man nicht den Mut dazu hat, kann man den Laden auch gleich dichtmachen.

Zahlreiche italienische Regionen mit Normalstatut (!) haben ihre Entscheidungsbefugnis ausgeschöpft und geben die Pille in »eintägiger Behandlung« ab.
Im Vorfeld des Beschlusses hatte die Landesregierung großmundig verkündet, sie würde sich strikt an medizinische Erwägungen halten. Sie wollte sich diesbezüglich auch in Innsbruck erkundigen, wo die Pille seit elf Jahren ohne Zwangsaufenthalt verabreicht wird. Offensichtlich erfolglos.

Siehe auch: 1/

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