Der Umgang mit Corona in der OECD.

Die Economist Intelligence Unit (EIU) hat die von 21 OECD-Mitgliedsländern ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie unter die Lupe genommen und sie nach derzeitigem Stand (9. Juni) bewertet. Mit berücksichtigt wurden auch die vorbestehenden Risikofaktoren, einschließlich der demographischen Altersstruktur und der Anzahl internationaler Ankünfte, um nicht Ungleiches gleich zu beurteilen.

Das Ergebnis ist eindeutig: An erster Stelle liegt Neuseeland (mit 3,67 Punkten), gefolgt von Deutschland und Österreich (je 3,56) sowie Dänemark, Norwegen, Island, Israel und Australien (je 3,44).

Gut haben Portugal (3,22), Chile, Frankreich, Portugal und die USA (je 3,11) abgeschnitten. Mittelmäßig die Schweiz und Japan (je 2,89), Südkorea (2,78), Schweden (2,56) und die Niederlande (2,44).

Am schlechtesten wurden die Maßnahmen von Italien, Spanien und Vereinigtem Königreich (je 2,22) sowie jene Belgiens (2,11) bewertet.

Wirtschaftliche Maßnahmen wurden übrigens nicht berücksichtigt. Die Untersuchung befasst sich ausschließlich mit dem gesundheitlichen Aspekt.

Siehe auch:

Gesundheit Umfrage+Statistik Wissenschaft | Covid-Stats | | | Belgien Deutschland France Island Italy Oceania Österreich Spanien Svizra United Kingdom USA | OECD | Deutsch

Diplocat-Talk mit Francesco Palermo.
Veranstaltungshinweis

Am 25. Juni um 12.00 Uhr (MEZ) findet das erste sogenannte Digital Talk des katalanischen Rats für öffentliche Diplomatie (Diplocat) statt. Es wird gemeinsam mit dem Centre d’Estudis de Temes Contemporanis (CETC) der katalanischen Regierung und in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Idees organisiert und bildet den Auftakt zur Serie Diplocat Digital Talks – The World after COVID-19.

Das Thema der ersten Veranstaltung lautet Zentralisierung versus Dezentralisierung: Welche Strategie ist zur Bekämpfung von COVID-19 am besten geeignet?

Unter den vier teilnehmenden Expertinnen befindet sich auch Francesco Palermo:

  • Mireia Grau – Leiterin der Forschungsabteilung am Institut d’Estudis de l’Autogovern der katalanischen Regierung.
  • Nicola McEwan – Professorin für Territorialpolitik und Co-Direktorin des Centre on Constitutional Change an der Universität von Edinburgh.
  • Francesco Palermo – Professor für vergleichendes Verfassungsrecht an der Universität Verona und Leiter des Instituts für Vergleichende Föderalismusforschung an der Eurac.
  • Johanna Schnabel – Lehrbeauftragte für Vergleichende Politik an der Universität Kent.

Das Gespräch wird vom Politikwissenschafter und Professor Marc Sanjaume moderiert.

Hier geht es zur erforderlichen Anmeldung.

Nachtrag vom 25. Juni: Das Gespräch kann hier nachgesehen werden.

Siehe auch:

Bildung Föderal+Regional Gesundheit Politik Termin Wissenschaft Zentralismus | Coronavirus | Francesco Palermo | | Catalunya Scotland-Alba Südtirol/o United Kingdom Venetien-Vèneto | Diplocat Eurac | Deutsch

Corona: Kanada erhebt Sprachmissstände.

Im Zuge der Corona-Pandemie war es in Kanada zu Missachtungen der Sprachrechte gekommen — in einem Ausmaß, das in Südtirol noch niemanden hinter dem Ofen hervorlocken würde. So wurden etwa aus den USA Desinfektionsmittel importiert, die nur auf Englisch (und nicht wie vorgeschrieben auch auf Französisch) etikettiert waren. Premier Justin Trudeau hatte sich für diesen Missstand bereits entschuldigt.

Dennoch — oder gerade deshalb — hat das Büro des kanadischen Sprachgaranten (Commissioner of Official Languages) nun eine Untersuchung eingeleitet, um das reale Ausmaß der Missstände zu erfassen, aufzuarbeiten und Lösungen für künftige Krisenfälle vorzubereiten.

Die Unverzichtbarkeit von mehrsprachiger Kommunikation auch und gerade in Notsituationen hatte der Garant schon im März betont.

Der nun freigeschaltete Online-Fragebogen, der Teil der Untersuchung ist, glänzt durch Prägnanz:

In wenigen Schritten können Bürgerinnen ihre wichtigsten Anliegen sowie Kritik zum Ausdruck bringen.  Schon ganz am Anfang wird zudem auf die Möglichkeit hingewiesen, eine förmliche Beschwerde einzulegen.

So sieht zeitgemäße Sprachpolitik aus, die die Grundrechte und Sorgen der Bevölkerung ernstnimmt und auf sie eingeht. In Südtirol wird auf wesentlich größere Missstände leider noch zu oft mit einem gleichgültigen Schulterzucken reagiert.

Siehe auch:

Comparatio Grundrechte Plurilinguismo Politik Recht Service Public Umfrage+Statistik | Best Practices Coronavirus Good News Packungsbeilagen | | | Canada Südtirol/o | | Deutsch English

Versuchskaninchen und Asoziale.

Eine verkehrte und gar »undankbare Südtiroler Welt« sieht Südtirol Online in Zusammenhang mit der gesamtstaatlichen Corona-Studie, die vom Istat durchgeführt wird. Fast die Hälfte (45%) der kontaktierten Südtirolerinnen habe abgelehnt, daran teilzunehmen.

Der zuständige Landesrat, Thomas Widmann (SVP), wird vom Onlineportal folgendermaßen zitiert:

Schon erstaunlich. Zuerst hat die ganze Bevölkerung [?] allerorten Tests gefordert. Jetzt wird getestet, aber Testmöglichkeiten werden nicht angenommen. Dabei geht es um eine ganz wichtige wissenschaftliche Studie. Eine Studie, die einer ganzen Bevölkerung Sicherheit gibt. Aber dies wird hintangestellt aus Angst vor möglicherweise 2 Wochen Quarantäne. Ein Infizierter, der nicht zum Test geht, würde einen nicht wiedergutzumachenden Schaden für Südtirol anrichten. Das ist nicht Verantwortungsbewusstsein. Ich verstehe, dass der eine oder andere nicht im Lande ist oder keine Zeit hat, aber diese Menge ist für mich verwunderlich. Es geht hier nicht um den Einzelnen, es geht um Südtirol.

Wer sich bei einem positiven Test nicht in Quarantäne begäbe, wäre wirklich verantwortungslos. Doch darum geht es hier eigentlich gar nicht. Nicht zu berücksichtigen scheint der Landesrat zwei weitere Szenarien: Erstens dürften nicht wenige Angst haben, sich im Rahmen der Testung zu infizieren. Dies ist eine hoffentlich unbegründete, aber völlig nachvollziehbare Befürchtung. Zweitens wollen sicher viele nicht das Risiko eingehen, sich bei einem zweifelhaften Ergebnis zwei Wochen wegsperren lassen zu müssen — eine Maßnahme, die möglicherweise auch auf andere Mitglieder des eigenen Haushalts ausgedehnt werden könnte.

Was dies bedeutet, durfte ich nach meiner Rückkehr aus dem Ausland (am 21. April) persönlich erfahren, obschon mir zuvor (fälschlicherweise) mitgeteilt worden war, dass eine Isolation bei Rückkehr aus beruflichen Gründen nicht mehr vorgeschrieben sei: Es ist nicht nur wie ein gewöhnlicher Hausarrest, der nicht zufällig als eine Form der Freiheitsstrafe gilt, sondern ein Hausarrest unter verschärften Bedingungen:

  • Selbstüberwachung des Gesundheitszustands, einschließlich regelmäßiger Messung der Körpertemperatur (zweimal täglich zu vorgegebener Uhrzeit);
  • Regelmäßige Mitteilung der Ergebnisse an das Gesundheitsamt;
  • Keine Besuche anderer Personen, Einhaltung von Abständen zu Personen des eigenen Haushalts;
  • Rückzug in ein Einzelzimmer, falls die Maßnahme nicht sämtliche Mitglieder des Haushalts gleichzeitig betrifft;
  • Benützung eines gesonderten Badezimmers und — falls nicht möglich — systematische Desinfektion nach Benützung.
  • Einnahme von Mahlzeiten getrennt von anderen Personen;
  • Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Einkäufen vor die Haustür;
  • Sonderbehandlung der Abfälle (doppelt einpacken, gut verschließen, keine Mülltrennung);
  • Neuntägige Quarantäne für Wäsche, die nicht bei 60-90 Grad gewaschen werden kann.

Dass dieses Szenario — überdies im möglicherweise unbegründeten Verdachtsfall — für sehr viele Menschen abschreckend wirken, ja gar gesundheits- und existenzgefährdend sein kann, ist für mich sehr gut nachvollziehbar. Dabei hatte ich noch das »Glück«, dieser Maßnahme zu einem Zeitpunkt unterworfen worden zu sein, als das öffentliche Leben ohnehin deutlich eingeschränkt war. Zudem kann ich in meinem Beruf ziemlich viel in Heimarbeit erledigen.

Dem Risiko, diese Erfahrung jetzt wiederholen zu müssen, würde ich mich aber ungern aussetzen.

Die Gefahr einer ungerechtfertigten Quarantäne zu entkräften ist den zuständigen Behörden bisher auch gar nicht gelungen. Ich halte es also für höchst unangemessen, wenn Landesrat Widmann Menschen, die sich dieser potenziellen Belastung nicht aussetzen möchten, als verantwortungslos und unsolidarisch brandmarkt.

Siehe auch:

Gesundheit Grundrechte Umfrage+Statistik Ungehorsam+Widerstand Wissenschaft | Coronavirus Zitać | Thomas Widmann | | Südtirol/o | Istat Sabes SVP | Deutsch

Crisanti: L’Austria fa bene a non aprire.
Quotation 609

Ospite di Agorà su Rai Tre, il professore di Microbiologia Andrea Crisanti ha difeso la decisione dell’Austria di non aprire, per ora, i confini verso l’Italia:

Crisanti, fa bene l’Austria a non aprire i propri confini all’Italia?

Io penso che faccia bene…

Come fa bene?

…perché ci sono ancora un sacco di casi in Italia. Voglio dire… penso che l’Austria abbia investito quanto noi per eliminare il virus, non vedo perché debba correre il rischio di importare nuovi casi senza implementare misure di controllo. Guardi, questa è una cosa seria, eh? Io penso che anche noi dovremmo implementare delle misure di controllo verso tutti quei paesi dove l’epidemia è ancora attiva.

Tipo?

Tipo… che ne so, l’America… il Sudamerica, ci sono tantissimi paesi […] anche sui paesi europei bisognerebbe fare delle differenze, perché ci sono paesi e paesi […]. Io non è che farei entrare o non farei entrare, io stabilirei dei criteri. Voglio dire: entri in Italia e ti controlliamo sì la temperatura, tanto abbiamo visto che serve a ben poco; ti facciamo il tampone e ti verifichiamo che tu sei rintracciabile e se sei positivo ti mettiamo in isolamento. Non è che si può riaprire tutto così, eh?

Trascrizione mia.

Il prof. Crisanti (Università di Padova) si è distinto per la gestione del Coronavirus in Veneto e, in particolare, a Vo’. Recentemente è anche stato nominato membro della commissione di esperti che accompagnano la cosiddetta fase due in Sudtirolo.

Vedi anche:

Gesundheit Grenze Medien Mobilität Tourismus | Coronavirus Quote | | Rai | America Europa Italy Österreich Südtirol/o Venetien-Vèneto | | Italiano

Immuni: Italienischer Covid-Tracker auf Deutsch.

Auch Italien hat nun mit Immuni eine Corona-Tracking-App fürs Smartphone. Obschon sie bereits heruntergeladen werden kann, soll sie erst nach einer Testphase richtig in Betrieb gehen.

Mich hat überrascht, dass die App tatsächlich auch auf Deutsch verfügbar ist — wiewohl es das entsprechende Portal nur auf Italienisch gibt.

Die Übersetzung ist zwar nicht perfekt, aber doch sehr solide. Besser als das, was uns manchmal von der Landesverwaltung geboten wird.

Dass bei den Sprachversionen an die autochtonen Minderheiten gedacht wurde, darf dabei zumindest bezweifelt werden: Außer auf Deutsch und Italienisch ist die App nämlich auf Englisch, Französisch und Spanisch verfügbar. Von Slowenisch, Sardisch oder Friaulisch bzw. Ladinisch fehlt jede Spur.

Bei der Auswahl der Heimatregion und des Landes (Provinz) hört die Mehrsprachigkeit dann auch schon wieder auf:

Und auch sonst merkt man, dass nur das Allernötigste übersetzt wurde: Die häufig gestellten Fragen gibt es in der deutschen Sprachversion der App nur auf Englisch, die Nutzungsbedingungen nur auf Italienisch.

Schwärzung von mir.

Da ist man dann — anders als Nutzerinnen der italienischen Version — doch wieder auf ein außerordentliches Maß an (Fremd-)Sprachkenntnissen angewiesen.

Möchte man sich die Datenschutzinformationen anzeigen lassen, landet man derzeit gar auf einer leeren Seite mit dem Hinweis »Not Found«. Für eine App dieser Art ist das dann doch ein Armutszeugnis.

Insgesamt ist das Fazit also durchwachsen. Den Südtiroler Zweisprachigkeitsbestimmungen entspricht Immuni sicherlich nicht, doch immerhin stehen die allerwichtigsten Funktionen und Informationen auch auf Deutsch zur Verfügung.

Bilder und Informationen beziehen sich auf die iPhone-Version von Immuni.

Siehe auch:

Datenschutz Gesundheit Minderheitenschutz Ortsnamen Plurilinguismo Service Public Tech&Com | Coronavirus | | | Italy Südtirol/o | | Deutsch

Society is a Contract.
Quotation 607 // Black lives matter

I saw so many people online saying: “These riots are disgusting, this is not how a society should be run. You do not loot and you do not burn and you do not… this is not how our society is built.” And that actually triggered something in me, where I was like: man, okay… society, but what is society?

And fundamentally, when you boil it down, society is a contract. It’s a contract that we sign as human beings amongst each other. We sign a contract with each other as people, whether it’s spoken or unspoken, and we say: “Amongst this group of us, we agree in common rules, common ideals and common practices that are going to define us as a group.” That’s what I think a society is, it’s a contract. And, as with most contracts, the contract is only as strong as the people who are abiding by it.

But if you think of being a black person in America, who is living in Minneapolis or Minnesota or any place where you’re not having a good time — ask yourself this question when you watch those people: What vested interest do they have in maintaining the contract?

Why don’t we all loot? Why doesn’t everybody take…? Because we’ve agreed on things. There are so many people who are starving out there, there are so many people who don’t have. There are people who are destitute, there are people who, when the [Corona] virus hit, and they don’t have a second paycheck, are already broke, which is insane, but that’s the reality.

But still, think about […] the have-nots say: “You know what, I’m still gonna play by the rules, even though I have nothing, because I still wish for the society to work and exist.” And then, some members of that society, namely black American people, watch time and time again how the contract they have signed with society is not being honored by the society that has forced to sign it with them.

When you watch Ahmad Aubery being shot and you hear that those men have been released and, were it not for the video and the outrage, those people would be living their lives, what part of the contract is that in society?

When you see George Floyd on the ground and you see a man losing his life in a way that no person should ever have to lose their life at the hands of someone who is supposed to enforce the law, what part of the contract is that?

And a lot of people say: “Well, what good does this do?” Yeah, but what good doesn’t it do? That’s the question people don’t ask the other way around. What good does it do to loot Target [shops]? What does it, how does it help you to loot Target? Yeah, but how does it help you to not loot Target? Answer that question. Beacause the only reason you didn’t loot Target before was because you were upholding society’s contract. There is no contract if law and people in power don’t uphold their end of it.

It’s the same way we tell parents to set an example for their kids, the same way we tell captains or coaches to set an example for their players, the same way you tell teachers to set an example for their students. The reason we do that is because we understand in society that if you lead by example, there is a good chance that people will follow that example that you have set. And so, if the example law enforcement is setting is that they do not adhere to the laws, then why should the citizens of that society adhere to the laws when, in fact, the law enforcers themselves don’t?

When Colin Kaepernick kneels, they say: “This is not the right way to protest.” When Martin Luther King had children as part of his protests in Birmingham, Alabama, people said: “Having children at your protest is not the right way to do things.” When he marched in Selma people said: “This is not the right way to do things.” When people marched through the streets in South Africa during apartheid they said: “This is not the right way to do things.” When people burn things, they say it’s not… it’s never the right way because there’s never a right way to protest, and I’ve said this before, there is no right way to protest because that’s what protest is. It cannot be right because you are protesting against a thing that is stopping you.

Trevor Noah (excerpted from here)

See also:

Grundrechte Politik Polizei Racism Repression Soziales Ungehorsam+Widerstand | Coronavirus Quote | | | Afrika USA | | English

Covid: Schienennetzbetreiber bessert nach.

Neulich hatten wir die illegalen, einsprachigen Hinweise auf die Covid-Sicherheitsvorschriften an Südtirols Bahnhöfen thematisiert . Jetzt hat der italienische Schienennetzbetreiber RFI nachgebessert, wie diese Bilder zeigen, die uns wiederum Lokführer Andreas Thanei zugeschickt hat:

Zusammenfassend kann man sagen: Deutsch kommt später, Deutsch kommt schlampig, Deutsch kommt zweitgereiht und Deutsch kommt teils mit deutlich kleinerem Schriftbild. Das ist noch immer illegal, doch im Vergleich zu vorher ist es eine klare Verbesserung. Auch so wird man als Minderheit dazu erzogen, sich zu begnügen.

Siehe auch:

Discriminaziun Gesundheit Minderheitenschutz Mobilität Nationalismus Plurilinguismo Service Public Sicherheit Vorzeigeautonomie | Coronavirus Good News Italianizzazione | | | Italy Südtirol/o | RFI | Deutsch