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Suprematistische Zweisprachigkeit.

Bei den jüngsten Kommunal- und Regionalwahlen in Spanien kam es zu großen Umwälzungen. Über Madrid und València, wo die neuen Bürgermeisterinnen bereits angekündigt haben, Straßenbezeichnungen eliminieren zu wollen, die sich auf den Franquismus beziehen, hatte ich bereits berichtet.

Doch auch auf regionaler Ebene kam es vielfach zu Regierungswechseln, so etwa in der Region València (País Valencià) und auf den Balearen. Beide katalanischsprachigen Gebiete waren vom konservativ-zentralistischen PP regiert worden und haben nun wieder linke Regierungen. Da sich die Linken in ihrer Sprach- und Kulturpolitik tendenziell am Vorbild Kataloniens (Principat de Catalunya) orientieren, macht sich nun Hoffnung breit, dass die vom PP benachteiligte katalanische Sprache wieder aufblüht. Besonders im País Valencià gibt es diesbezüglich viel zu tun, da der PP dort 20 Jahre ununterbrochen regiert hatte.

Süd/Sud.

Für das katalanische Nachrichtenportal Vilaweb schrieb Professor Ferran Suay nun den beachtlichen Artikel »Polí­tica lingüí­stica per a un paí­s en construcció« (Sprachpolitik für ein Land im Aufbau), aus dem ich hier einige Passagen zitieren möchte, von denen manche auch für Südtirol gelten. Insgesamt zählt Suay zehn Prioritäten für eine gelingende neue Sprachpolitik im Paí­s Valencià auf.

Die Gewählten dieser Legislatur tragen die Verantwortung, einen korrekten, würdigen und konsistenten Gebrauch der valencianischen Sprache [also der valencianischen Variante des Katalanischen, Anm.] zu machen, ohne sich automatisch der Sprache der Gegenseite unterzuordnen. Es ist wichtig, dass sie nicht den absurden Fehler begehen, all ihre öffentlichen Äußerungen selbst zu übersetzen. Dies zu tun, wäre eine Erniedrigung für sie und für die [katalanische] Sprache, da damit die klare Botschaft vermittelt wird, dass die Kenntnis des Katalanischen unnötig und somit irrelevant ist.

Unter der Führung des PP war die valencianische Verwaltung, was den internen Sprachgebrauch betrifft, nicht von jener in spanischsprachigen Regionen zu unterscheiden. »Alles auf Spanisch und für das Spanische« scheint die Maxime der letzten zwanzig Jahre gelautet zu haben. Als BürgerInnen mussten wir ausdrücklich darum bitten (oft auch mehrmals), dass sich die Verwaltung auf Valencianisch an uns wendet, um Mitteilungen in unserer Sprache — meist voller Rechtschreibfehler — zu bekommen. Die landeseigene Sprache muss nun normalisiert und als vorrangig in der internen und externen Kommunikation definiert werden.

Ein Erfolg der Sprachvernichter war es, uns die Auffassung einzureden, dass »die Sprache« ausschließlich den Bildungsbereich betrifft (um sie dann auch dort zu majorisieren). Um die Falschheit dieser Idee zu verstehen möge die Feststellung ausreichen, dass es für die andere Amtssprache (die einzige wirkliche Amtssprache: das Spanische) keine derartige Restriktion gibt. Die Sprache ist eines der transversalsten Elemente jeder Gesellschaft. Weder das Gesundheitssystem, noch die Wirtschaft, noch die Stadtplanung, noch irgendein anderer Aspekt des gesellschaftlichen Lebens finden ohne Sprache statt.

Ich erinnere daran, dass es einen Teil der valencianischen Bevölkerung gibt (den, der sich auf Spanisch verständigt), dessen sprachlichen Rechte bereits voll und effektiv anerkannt sind. Es sind die Rechte der Valencianischsprachigen, die verteidigt und gefördert werden müssen, um sie an jene ihrer Nachbarn anzugleichen. Keine demokratische Gesellschaft darf die Existenz von BürgerInnen erster und zweiter Klasse dulden; doch genau dies passiert derzeit im Paí­s Valencià.

Die Ortschaften in Kastilien haben einen Namen: ihren eigenen. Die Ortschaften der Region València haben deren zwei: ihren eigenen und eine kastilisierte Version. Die Straßen[schilder] sind voller Absurditäten wie Elx/Elche, Sagunt/Sagunto oder Benicàssim/Benicasim, die keine relevante Information beinhalten und gleichzeitig das Bild einer Unterordnung (Subordination) vermitteln. Jedes Dorf und jede Stadt sollte [wie in Katalonien oder in Galicien, Anm.] nur einen Namen haben, den jeder gemäß seiner phonetischen Fähigkeiten aussprechen wird.

Die »suprematistische« Zweisprachigkeit abschaffen: Das Grundprinzip dieser Perversion ist es, dass alles, was auf Katalanisch geschrieben wird, auch auf Spanisch übersetzt werden muss, aber nicht [immer] umgekehrt. Das betrifft nicht nur die Ortsnamen — und vermittelt den Eindruck, dass die Landessprache völlig vernachlässigbar ist. Noch mehr: dass sich niemand daran »anstecken« soll, indem er sie lesen muss. Deshalb gibt es sogar Übersetzungen für so schwierige Botschaften wie »Nord/Norte« oder »Direcció/Dirección«. Das ist eine Beleidigung für das Katalanische und für die Intelligenz der LeserInnen. Jeder, der versteht, was »Norte« heißt, weiß auch, was »Nord« bedeutet, ohne einer Übersetzung zu bedürfen.

Den Privatsektor erreichen: Ein weiterer großer Erfolg der Sprachvernichtungspolitik, die wir ertragen mussten, ist eine Gesetzgebung, die das Valencianische im Privatbereich nicht schützt. Läden, Geschäfte oder große Supermärkte unterliegen [anders als z.B. in Katalonien, Anm.] keiner gesetzlichen Verpflichtung, die Rechte der Valencianischsprachigen einzuhalten. Alles wird dem guten Willen der Betriebe überlassen.

[…]

Übersetzung:

Leider gleicht die Südtiroler »Vorzeigeautonomie« vielfach eher der von 20 Jahren PP-Politik »geschädigten« Situation im Paí­s Valencià, als dem katalanischen Modell.

Ferran Suay ist Doktor der Psychologie und führendes Mitglied von ‘Acció Cultural del País Valencià’ und der ‘Plataforma per la llengua’.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

Comparatio Cultura Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Politik Recht Service Public Verbraucherinnen Vorzeigeautonomie | Zitać | | Vilaweb | Catalunya Galiza Illes Balears País Valencià Spanien | PP | Deutsch

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Autorinnen und Gastbeiträge

Europa: una nuova prospettiva sui processi d’indipendenza.

di Gennaro Ferraiuolo*

Nel dibattito sulla prospettiva di una Catalunya indipendente, il fattore UE è una delle armi più spesso utilizzate da chi è contrario alla secessione dalla Spagna e al diritto del popolo catalano di esprimersi, attraverso un referendum, sulla questione. Le conseguenze di una inevitabile uscita dall’Unione e l’impossibilità di rientrarvi per l’annunciato veto di Madrid renderebbero quasi superflua ogni discussione, trasformando automaticamente i sostenitori del procés in nemici del benessere e del progresso del paese.

Non si intende entrare nel tema, controverso, della ineluttabilità giuridica e della insuperabilità politica di una fuoriuscita dall’Unione di un ipotetico nuovo Stato indipendente che si separa da uno Stato membro. Quello su cui interessa ragionare è il sostanziale rifiuto sino ad oggi mostrato dalle istituzioni europee di confrontarsi con una questione considerata – in maniera per lo più implicita, in rari casi esplicita ma laconica – un assunto tutto interno alla dimensione spagnola.

Il rapporto tra processi (d’integrazione europea da un lato, sobiranista dall’altro) potrebbe apparire insanabilmente conflittuale per la loro differente direzione (unione/divisione). Ma, ad una analisi più profonda, il discorso può ribaltarsi: quei processi esprimono entrambi – univocamente – la tensione al superamento della sovranità assoluta dello Stato-nazione. E’ la stessa domanda di permanenza nell’Unione a rendere quella degli indipendentisti (catalani e scozzesi) una richiesta di sovranità  pur sempre limitata; una richiesta di una indipendenza fondata sul presupposto di una irrinunciabile interdipendenza tra le realtà statuali contemporanee. La cornice europea potrebbe rappresentare, in questo scenario, un fondamentale elemento di sdrammatizzazione delle tensioni in atto.

L’indifferenza delle istituzioni comunitarie potrebbe dunque celare non la difesa di una ordinata evoluzione della storia, che guarda, attraverso l’idea di Europa, al superamento delle tradizionali frontiere nazionali; ma al contrario, e paradossalmente, una strenua difesa di quelle frontiere medesime, assunte come immodificabili. Si intravede, al fondo, un preciso calcolo utilitaristico dei governi nazionali, che mostra come gli incontrastati signori dell’Europa siano ancora questi ultimi e non i cittadini.

D’altra parte una simile impostazione traspare in modo chiaro in molte riflessioni proposte nel dibattito pubblico. Un autorevole politico italiano, ad esempio, ha paragonato le rivendicazioni scozzesi (e catalane) all’attentato di Sarajevo che condusse allo scoppio del primo conflitto mondiale. L’indipendenza della Scozia – questo il ragionamento – avrebbe privato il Regno Unito, in vista del referendum sulla permanenza nella UE, della porzione di popolazione più europeista, favorendo la vittoria degli euroscettici e una irrimediabile crisi del processo di integrazione.

Non si vogliono valutare, nel merito, gli intenti (probabilmente condivisibili) che stanno alla base di simili posizioni. Queste sembrano però supportate soltanto da valutazioni di ordine geopolitico etero-determinate, che rimandano all’idea di uno stratega che, osservando dall’alto una scacchiera, decide quali pezzi vadano mossi e come. Si omette, invece, qualsiasi considerazione dei contenuti di determinate istanze, del supporto popolare che le sostiene, delle motivazioni che ne stanno alla base.

Un simile modo di ragionare rischia peraltro di condurre ad esiti contraddittori. Il referendum britannico sull’UE si terrà; pare – come ha annunciato Cameron dopo le elezioni dello scorso maggio – entro il 2017. Nel caso l’out – nonostante la Scozia – prevalesse, lo stratega dovrebbe cambiare radicalmente impostazione: la secessione andrebbe a quel punto auspicata, perché consentirebbe ad un frammento importante del Regno non più Unito di permanere (o rientrare?) nell’edificio europeo. Gli indipendentisti scozzesi, da dinamitardi dell’Europa ne diventerebbero, improvvisamente, paladini: e in effetti essi, in modo coerente con la loro vocazione europeista, hanno già chiesto che nel referendum si tenga conto della volontà delle diverse nazioni del Regno, evitando che la Scozia sia costretta ad abbandonare l’UE per il voto degli inglesi.

Nello scenario – ipotetico – descritto, ci si dovrebbe confrontare con le posizioni cui oggi si presta accondiscendenza. Se il dato decisivo è quello – formale – della entità statuale che partecipa all’Unione attraverso la stipula dei trattati, un nuovo Stato indipendente dovrebbe sempre intraprendere, ex novo, il percorso di adesione; e se il prevedibile veto ritorsivo spagnolo – inteso a non creare un precedente su cui possano far leva i catalani – fosse effettivamente un ostacolo giuridicamente e politicamente insormontabile, l’UE dovrebbe, suo malgrado, vedersi costretta a tenere fuori la Scozia europeista e quei cittadini scozzesi già cittadini europei e che vogliono continuare ad esserlo.

E’ molto probabile che il pragmatismo delle istituzioni europee troverebbe il modo di scongiurare tali conseguenze. Ma, proprio in questa prospettiva, è forse necessario iniziare a riflettere in modo diverso su fenomeni che, per il rilievo assunto, richiedono un più sistematico e coerente inquadramento. Evitando, quindi, atteggiamenti appiattiti sulle convenienze contingenti e sui desiderata dei governi statali, che portano ad eludere questioni cruciali.

Per far ciò occorrerebbe considerare – come suggerito da alcuni studiosi – la questione degli indipendentismi che si agitano in seno all’Unione quale problema europeo: senza affidarsi ad un assoluto principio di non ingerenza (anacronistico in rapporto al livello d’integrazione raggiunto), ma ricercando risposte adeguate alle problematiche attuali nel bilanciamento tra “i diritti delle persone appartenenti a minoranze” (art. 2 TUE) e il rispetto delle “funzioni di salvaguardia dell’integrità territoriale” degli Stati membri (art. 4, co. 2 TUE).

Per tale strada, l’Europa potrebbe assumere, prima di tutto, un fondamentale ruolo nella selezione degli interlocutori: distinguendo le istanze riconducibili al nazionalismo liberale da quelle di stampo etnico-razziale (di norma, e non a caso, caratterizzate da un’impostazione spiccatamente antieuropea). Ancora, potrebbe promuovere il dialogo tra nazionalismi dominanti e nazionalismi minoritari, contrastando posizioni di immobilismo che rischiano di acuire irrimediabilmente il conflitto (come ha provato a fare, di recente, il Parlamento danese con l’approvazione, il 19 maggio, di una mozione sulla questione catalana, che dovrebbe avere ora un seguito innanzi al Consiglio d’Europa). Infine, potrebbe contribuire – se necessario – ad incanalare i processi secessionisti entro percorsi democratici, all’interno dei quali l’opinione dei cittadini possa formarsi ed esprimersi in maniera pienamente consapevole e dunque libera.

*) Gennaro Ferraiuolo è professore di diritto costituzionale presso l’Università Federico II di Napoli; l’articolo è apparso su Vilaweb ed è stato tradotto dal catalano da Col·lectiu Emma.

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«Disobbedire al TC, non al popolo.»

Gerard Gómez è portavoce delle JERC, Gioventù della Sinistra Repubblicana di Catalogna (ERC), secondo partito al Parlament di Barcelona, ma primo partito nelle intenzioni di voto secondo i sondaggi più recenti. In un’intervista concessa al portale d’informazione Vilaweb, Gómez spiega che cosa si aspettano le JERC per il prossimo 9 novembre, data per la quale il governo catalano ha annunciato un referendum di autodeterminazione. È molto probabile, infatti, che il governo centrale cercherà  di evitare il referendum impugnandone la convocazione al Tribunale Costituzionale (TC). Ma a quel punto, avverte Gómez, il Parlament avrà  due opzioni: disobbedire ai giudici o disobbedire al popolo catalano, che non solo è sceso massicciamente in piazza per l’autodeterminazione, ma aveva anche concesso un mandato forte e chiaro durante le elezioni anticipate del 25 novembre 2012. Inutile dire che fra le due opzioni Gómez vede solo una possibilità , quella di disobbedire a un’eventuale censura del TC. Non crede invece all’efficacia né di ripiegare su una dichiarazione unilaterale di indipendenza (DUI) né alle elezioni «plebiscitarie», ovvero a un referendum cammuffato da elezioni anticipate — nelle quali il voto per un partito indipendentista equivarrebbe a un «sì» all’indipendenza. Secondo il portavoce delle JERC, infatti, i catalani non sono mai scesi in piazza per la DUI o per le plebiscitarie, ma per un referendum.

Col suo appello Gómez si avvicina molto anche alla posizione delle CUP (candidature di unità  popolare), di estrema sinistra, che da sempre difendono il ricorso alla disobbedienza civile.

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Merkel gegen Selbstbestimmung.

Die deutsche Bundeskanzlerin, die schon bald wieder in Südtirol urlauben wird und von der der Europa-Visionär Robert Menasse nicht zufällig behauptet, sie habe »Europa nie verstanden«, hat zum ersten Mal öffentlich zu den Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen Stellung genommen. Bei der traditionellen Sommer-Pressekonferenz im Saal der Bundespressekonferenz auf den laufenden Prozess angesprochen, machte sie laut dem katalanischen Nachrichtenportal Vilaweb klar, dass sie voll auf EVP-Linie steht und somit die Auffassung des spanischen Premiers Mariano Rajoy (PP) und des neuen Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker (EVP) stützt — die da lautet: Ist nicht, darf und wird nicht sein. Und wenn doch, fliegt Katalonien eben aus der EU. Gleichzeitig wies die Kanzlerin auf das deutsche Beispiel hin, wo die einzelnen Bundesländer über große Handlungsspielräume und autonome Befugnisse verfügen. Dass dies jedoch in anderen Staaten nicht so ist, überging sie in ihrer Stellungnahme genauso wie die Tatsache, dass nationale Minderheiten in national definierten Staaten mit völlig anderen Problemstellungen konfrontiert sind, als ein deutsches Bundesland in Deutschland. Eine Zusammenkunft mit dem katalanischen Präsidenten Artur Mas (CiU) oder mit dem politisch engagierten Bayern-Trainer Pep Guardiola schloss die Kanzlerin auf Nachfrage kategorisch aus und verwies darauf, dass sie sich in eine interne Angelegenheit Spaniens nicht tiefer einmischen wolle.

Die Haltung von Angela Merkel zeugt nicht nur davon, dass sie die öffentliche Politik scheut und »einfach in Ruhe weiterregieren« will, wie die Zeit feststellt, und auch nicht bloß von einem Desinteresse und Unverständnis der demokratischen Selbstbestimmung gegenüber: Vielmehr bestätigte sie mit ihren Aussagen gleich mehrfach, dass Robert Menasse mit seiner Einschätzung richtig liegt. Die deutsche Bundeskanzlerin ist nämlich offenbar außerstande, ein grundsätzlich demokratischeres (und damit geeinteres und bürgernäheres) Europa zu denken, sich in andere Befindlichkeiten einzufühlen, als die bundesdeutsche — und unterschätzt darüber hinaus wohl auf eklatante Weise die internationalen (das heißt: binneneuropäischen) Auswirkungen der Prozesse in Katalonien und in Schottland. Dabei fehlen nur noch wenige Monate, bis sie gezwungen sein wird, sich damit auseinanderzusetzen.

Siehe auch: 1/

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Südtiroler Unternehmer bekämpft katalanische Unabhängigkeit.

Südtiroler Selbstbestimmungsgegner sind an Verbissenheit kaum zu übertreffen — das ist jedenfalls ein Eindruck, dessen man sich manchmal nicht erwehren kann.

Eine wenig schmeichelhafte Angelegenheit, die während der vergangenen Tage durch Spanien ging, könnte man als Bestätigung hierfür interpretieren. Kürzlich war in Katalonien eine ominöse Erklärung aufgetaucht, in der sich »deutschsprachige Unternehmer« öffentlich gegen die Unabhängigkeit des Landes aussprachen und der Region nichts weniger als »verheerende Folgen« in Aussicht stellten, falls sie sich von Spanien ablöste. Die meisten der angeblichen Unterstützer der Deklaration wollten offenbar nicht namentlich genannt werden, der Kreis deutschsprachiger Führungskräfte (kdf) mit Sitz in Barcelona distanzierte sich unverzüglich von der plumpen Einflussnahme. Mit vollem Namen firmierte aber unter wenigen anderen Erwin Rauhe, Vorstandschef von BASF in Spanien und: gebürtiger Südtiroler. Auf letzteres wurde in katalanischen Medien ausdrücklich hingewiesen.

Ob Rauhe den Fauxpas seiner Südtiroler Herkunft zu verdanken hat, ist freilich unklar. Sehr schnell musste er jedenfalls zur Kenntnis nehmen, dass dunkle Drohungen, wie sie hierzulande üblich sind, in anderen Ländern nicht zwangsläufig komplizenhaftes Schulterklopfen zur Folge haben. Stattdessen sah sich die Fa. BASF dazu veranlasst, Medien gegenüber ihr Unbehagen über die Einflussnahme zum Ausdruck zu bringen und sich direkt bei der katalanischen Regierung zu entschuldigen. Gegenüber demokratischen Entscheiden wie dem in Katalonien anstehenden Selbstbestimmungsreferendum wolle man sich selbstverständlich neutral verhalten.

In Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Verunsicherung und Bedrohung, die mit dem katalanischen Unabhängigkeitsprozess in Verbindung gebracht werden sollen, gibt es übrigens interessante Daten: Im ersten Halbjahr 2013 (aktuellste verfügbare Daten) konnte Katalonien 42% mehr ausländische Investitionen anziehen, als im Vorjahr. Damit lag das Land, während die Selbstbestimmungsdebatte bereits voll in Gange war, europaweit an zweiter Stelle. Dies veranlasste den linken katalanischen Abgeordneten Alfred Bosch (ERC) vor einiger Zeit dazu, einen sarkastischen Tweet abzusetzen: Noch etwas mehr Sezessionismus, dann könnte man den ersten Platz anstreben — zum Leidwesen derer, die eine demokratische Abstimmung mit wirtschaftlichem Ruin gleichsetzen möchten.

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Maroni »nicht willkommen«.

Der lombardische Präsident Roberto Maroni hält sich dieser Tage in Katalonien auf, unter anderem um die Expo vorzustellen, die 2015 in Mailand stattfinden wird. Zudem nutzt er die Gelegenheit zu politischen Gesprächen mit katalanischen Spitzenpolitikern.

Im Lande ist jedoch ein breiter Widerstand dagegen ausgebrochen, dass sich Präsident Artur Mas mit dem xenophoben Lega-Politiker treffen könnte. Vereine wie SOS Racisme oder Amical de Mauthausen rufen den CiU-Politiker dazu auf, Maroni den offiziellen Empfang zu verweigern.

Unabhängigkeitsbefürworter warnen, Roberto Maroni möchte sich mit den fremden Federn des katalanischen Prozesses schmücken. In einem Leitartikel mit dem eindeutigen Titel »Roberto Maroni is not welcome in Catalonia« schreibt der Herausgeber von Vilaweb, einem der wichtigsten katalanischen Nachrichtenportale im Internet, aufgrund seiner institutionellen Rolle könne man dem Lombarden einen amtlichen Empfang nicht einfach verweigern. Umso wichtiger sei es daher, dass die Zivilgesellschaft ihre klare Ablehnung zeige.

Die Lega Nord sei »eine populistische, xenophobe Bewegung, die eine erfundene Identität wie die padanische« für ein Projekt missbrauche, das dem »pluralistischen, inklusiven und demokratischen Geist« des katalanischen Prozesses widerspreche. »Hier [in Katalonien] wird niemand gefragt, woher er kommt, sondern vielmehr, was er sein möchte. Wir glauben, dass eine Gesellschaft je pluraler, desto reicher ist.«

Man könne keinen Staat gründen, wenn man Menschen, die darin leben, ausgrenzt. Katalonien habe mit der Lega nichts zu tun und wolle damit auch niemals etwas zu tun haben. Nicht nur, »ich glaube wir sind uns in Katalonien alle einig, dass wir hier unser Bestes geben, um Europa nicht in den dunklen Graben fallen zu lassen, in den uns die Lega alle reißen möchte«, so Herausgeber Vicent Partal abschließend.

Und es gibt tatsächlich Leute, die der katalanische Unabhängigkeitsbewegung Europafeindlichkeit unterstellen möchten, um den Prozess zu diskreditieren und im Widerspruch zur kontinentalen Einigung darzustellen.

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»Demokratie wichtiger als Verfassung.«

Das katalanische Nachrichtenportal Vilaweb hat mit Prof. Huw Evans, der an der Cardiff Metropolitan University Recht doziert, ein Interview über das Thema Selbstbestimmung geführt (englische Fassung). Der Autor der Studie mit dem Titel »Law and Legitimacy: The denial of the Catalan Voice« (Gesetz und Rechtmäßigkeit: Die Verweigerung der katalanischen Stimme) argumentiert, dass eine Verfassung nicht losgelöst von den Prinzipien, auf denen sie gründet, betrachtet werden kann. Er stellt eine Parallele zu Québec her, wo schon mehrmals über die Loslösung von Kanada abgestimmt wurde: Das kanadische Verfassungsgericht hatte dies zugelassen, da es nicht nur den Wortlaut der Verfassung berücksichtigt hatte, die eine einseitige Abtrennung verbietet, sondern die allgemeinen demokratischen Prinzipien. Wenn ein Land dagegen der Bevölkerung einer Region eine Abstimmung mit Verweis auf die Verfassung verweigere, schränke es das Recht auf freie Meinungsäußerung ein und verliere an demokratischer Legitimierung: Eine demokratische Verfassung könne nicht die Demokratie aufheben.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/

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»Consell per a la Transició Nacional.«

Gestern wurde von der katalanischen Regierung jener Rat gegründet, der laut Abkommen zwischen CiU und ERC den Unabhängigkeitsprozess begleiten soll. Er wurde bereits beim Gründungsakt damit beauftragt, rund 15 Gutachten auszuarbeiten, die es Regierungschef Artur Mas und seinen Ministern (Consellers) gestatten sollen, die Einleitung eines Referendums und die etwaige Vorbereitung der katalanischen Institutionen auf die Unabhängigkeit möglichst fachkundig anzugehen.

Die vier Themenbereiche, denen die Arbeit — und somit auch die Ausarbeitung der Gutachten — zugeordnet wird, sind:

  • Die Schaffung von Staatsstrukturen, unter anderem: Steuereintreibung, Zentralbank, Regulierungsbehörden, Justiz, Wahlen, Verhältnis zum Ausland.
  • Prozesse, unter anderem: das Unabhängigkeitsreferendum, Überführung in ein eigenes Rechtssystem (Zivil- und Strafgesetz, Handelsgesetz…), Verhältnis zur EU, internationale Organisationen, Verhältnis zum spanischen Staat.
  • Wirtschaft, unter anderem: öffentlicher Haushalt, Steuern, Umgang mit Aktiva und Passiva gegenüber dem spanischen Staat, Rechtsnachfolge des Staates im Inland.
  • Der vierte Themenbereich ist Angelegenheiten vorbehalten, die aufgrund ihrer weitreichenden Komplexität gesondert behandelt werden müssen, unter anderem: Sozialfürsorge, Energie, Sicherheit, doppelte Staatsbürgerschaft, Sprache.

Regierungssprecher Francesc Homs (CiU) wies auf die »enorme« Arbeit hin, die auf den hochkarätig besetzten Rat zukommen wird. Noch vor dem Sommer soll in jedem Fall das Gutachten über das Unabhängigkeitsreferendum vorliegen. Homs wies darauf hin, dass der Rat nicht Befindlichkeiten berücksichtigen werde, sondern Informationen über Fakten und Möglichkeiten auszuarbeiten habe, wie die Ziele der Regierung erreicht werden könnten.

Die derzeitigen Mitglieder des Rates sind:

  • Carles Viver i Pi-Sunyer als Ratspräsident, Direktor des Institut d’Estudis Autonomics (Institut für Autonomiestudien).
  • Enoch Albertí­ i Rovira, Professor für Verfassungsrecht an der Universitat de Barcelona.
  • Carles Boix i Serra, Professor der Politikwissenschaften an der Universität Princeton (USA).
  • Núria Bosch i Roca, Professorin für Staatsfinanzwesen an der Universitat de Barcelona.
  • Salvador Cardús i Ros, Soziologieprofessor an der Universitat Autonoma de Barcelona, Journalist.
  • Àngel Castiñeira i Fernàndez, Direktor des Lehrstuhls für Leadership and Democratic Governance sowie des Departements für Sozialwissenschaften an der Barcelona Business School ESADE-URL.
  • Francina Esteve i Garcia, Professorin für internationales Recht an der Universität Girona.
  • Joan Font i Fabregó, Unternehmer.
  • Rafel Grasa, Direktor des Institut Català Internacional per la Pau (Internationales katalanisches Friedensinstitut).
  • Pilar Rahola i Martí­nez, Journalistin und Schriftstellerin.
  • Josep Maria Reniu i Vilamala, Professor der Politikwissenschaften an der Universitat de Barcelona.
  • Ferran Requejo i Coll, Professor der Politikwissenschaften an der Universitat Pompeu Fabra.
  • Joan Vintró i Castells, Professor für Verfassungsrecht an der Universitat de Barcelona.

Der Rat kann weitere Mitglieder ernennen. Er wird unter anderem sämtliche juridischen Alternativen für jeden Bereich des Übergangsprozesses analysieren, die Regierung beraten, Verfahrensoptimierungen vorschlagen, die internationale Wahrnehmung des Prozesses fördern sowie Synergien und Unterstützungsmöglichkeiten suchen.

Quelle der Informationen: Vilaweb.cat, Ara.cat.

Siehe auch: 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 6/ 7/

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