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MSPI: Landtag tadelt EU-Kommission.

Gleich zwei Beschlüsse zum Minority Safepack (MSPI) hat der Südtiroler Landtag am 10. März gefasst und damit auf die skandalöse Entscheidung der EU-Kommission (EU-K) reagiert, die die Vorschläge zum Minderheitenschutz nicht berücksichtigen will. Dabei wurden die beiden Anträge von Freiheitlichen (vom 24. Jänner) und SVP (vom 17. Februar) gemeinsam behandelt.

Landtag bzw. Landesregierung werden dazu aufgefordert:

  • eine offizielle Protestnote an die EU-K zu schicken;
  • den Präsidenten des EU-Parlaments aufzufordern, die MSPI erneut aufzugreifen und den Druck auf die EU-K zu erhöhen;
  • die Europäische Bürgerinitiative (EBI) als partizipatives Instrument zu würdigen und als verbindendes Element zwischen Vielfalt der Völker und EU-Institutionen hervorzuheben;
  • die EVTZ-Versammlung aufzufordern, eine gemeinsame Position zu Erhaltung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt Europas und gegen den Trend der Assimilierung und des Sprachverlusts zu verabschieden;
  • die Minderheiten- und Sprachpolitik im Ausschuss der Regionen zu thematisieren;
  • die EU-K aufzufordern, die Themenbereiche der MSPI bei ihrem Agenda-Setting zu berücksichtigen;
  • ein Schreiben an die EU-Abgeordneten aus Italien und Österreich sowie an die Mitglieder der Intergruppe im EU-Parlament zu richten und sie zu ersuchen, MSPI und Minderheitenschutz auf die Agenda der europäischen Institutionen zu setzen.

Der freiheitliche Antrag wurde mit 30 Ja einstimmig genehmigt, der der SVP mit 29 zu einer Stimme — weil Urzì es inakzeptabel fand, auch die österreichischen Abgeordneten anzuschreiben.

Damit stellt sich der Landtag selbstbewusst an die Seite des Parlaments von Fryslân und zahlreicher anderer europäischer Regionen.

Minderheitenschutz Mitbestimmung Plurilinguismo Politik | Good News Minority Safepack | Alessandro Urzì | | Europa Südtirol/o | Freiheitliche Landesregierung Südtiroler Landtag SVP | Deutsch

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Autodeterminazione, l’SNP lancia la sua proposta.
La Scozia verso le elezioni

Il Governo scozzese ha appena pubblicato un disegno di legge sul nuovo referendum di indipendenza, in vista anche delle elezioni scozzesi del prossimo 6 maggio. Se in quell’occasione dalle urne, ancora una volta, uscisse una maggioranza indipendentista, ciò verebbe interpretato come un incarico a mettere in atto quanto previsto dal Draft Independence Referendum Bill.

La bozza prevede che sia il parlamento di Edimburgo a fissare la data della consultazione e non Londra. Secondo quanto anticipato dal partito di governo SNP si punterebbe comunque a convocarla nella prima metà della prossima legislatura. E c’è la volontà di trovare un accordo preliminare anche con l’Unione Europea per il riconoscimento automatico del risultato.

La domanda, secca, da sottoporre all’elettorato, nelle intenzioni del partito della prima ministra Nicola Sturgeon dovrà essere la stessa del 2014: Should Scotland be an independent country? (La Scozia deve essere un paese indipendente?). Altrettanto secche le possibilità di scelta: sì o no. Sarà in ogni caso la Commissione elettorale a dover confermare o emendare il quesito, che, diversamente dal 2014 sarà tradotto anche in gaelico.

Ulteriormente ampliata invece la platea degli aventi diritto al voto, come d’altronde già per le elezioni del 6 maggio: potranno partecipare al referendum, sempre secondo la bozza presentata oggi, tutte le persone legalmente residenti in Scozia, indipendentemente dalla nazionalità, ivi inclusi i cittadini UE, i rifugiati e chi gode di asilo. Confermata l’età minima di 16 anni.

Con questa chiara dichiarazione di intenti non rimane che attendere le elezioni di maggio — e di capire se e come Londra vorrà eventualmente cercare di ostacolare questo secondo referendum.

Vedi anche:

Democrazia Kohäsion+Inklusion Plurilinguismo Politik Selbstbestimmung | Good News Indyref2 | Nicola Sturgeon | | Scotland-Alba United Kingdom | EU SNP | Italiano

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Immersion ist für Minderheiten nicht.

Am 22. Februar hat das Network to Promote Linguistic Diversity (NPLD) ein hochkarätig besetztes Onlineseminar zum Thema des Immersionsunterrichts im zweisprachigen Kontext organisiert.

Die ausschließlich weiblichen Vortragenden waren:

  • Jasone Cenoz, Professorin für Forschungsmethodik im Bildungswesen an der Universität des Baskenlandes sowie Präsidentin des bildungswissenschaftlichen Komitees in der staatlichen spanischen Forschungsagentur AEI.
  • Vesna Crnić-Grotić, Vorsitzende des Expertinnenkomitees der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen beim Europarat.
  • Edel Ní Chorráin, Vizedirektorin des Bildungsservices beim irischen Sprachförderungsinstitut Foras na Gaelige.
  • Christina Gestrin, Generalsekretärin des Folktinget, der Schwedischen Versammlung in Finnland.
  • Mònica Pereña Pérez, Präsidentin von Linguapax International, Vizegeneraldirektorin Sprache und Mehrsprachigkeit im Bildungsdepartement der Generalitat de Catalunya.

Insbesondere fand ich interessant, was in den Vorträgen über die Rolle von Immersion (und CLIL) im Kontext von Sprachminderheiten gesagt wurde.

Es deckt sich mit dem, was wir ansatzweise schon aus den Erfahrungen in Kanada und insbesondere den USA herausgeschält hatten — nämlich, dass die Immersion vor allem für Mitglieder der nationalen Mehrheitsgesellschaft geeignet ist, um eine Minderheitensprache zu erlernen. Nicht anders herum.

Doch die Klarheit, mit der diese Erkenntnis in diesem Seminar vorgebracht wurde, ist besonders erhellend.

Prof. Jasone Cenoz beschreibt in ihrem Vortrag nebenbei, was der Hauptunterschied zwischen Immersion und CLIL ist: Durch Immersion wird hauptsächlich eine Minderheitensprache gelehrt und gelernt, durch CLIL vor allem Englisch.

Diesbezüglich ist es also zumindest etwas sonderbar, dass in Südtirol die Erlernung von Deutsch bzw. Italienisch als CLIL bezeichnet wird (vermutlich um das »Reizwort« Immersion zu umgehen).

In der Folge will ich hier einige aus meiner Sicht signifikante Zitate aus den NPLD-Vorträgen wiedergeben. Der gesamte Vortrag kann aber unter obigem Link abgerufen werden und ist meiner Meinung nach äußerst lohnend. Unter anderem erläutert Frau Pereña Pérez Ansätze zur Einbindung der Herkunftssprachen von Kindern, deren Erstsprache keine der örtlichen Amtssprachen ist.

Die Idee der Immersion ist in Europa eng mit der »Umkehr des Sprachwechsels«, wie es [Joshua] Fishman genannt hat, verknüpft. Die Immersion soll einen Beitrag leisten beim Versuch, den Prozess des Verlusts oder der Schwächung von Minderheitensprachen zu stoppen. So haben wir in Europa eine Kombination von Programmen, die Spracherhalt und -entwicklung für Sprecherinnen von Minderheitensprachen und Immersionsprogramme für Sprecherinnen von Mehrheitssprachen oder anderen Home-Languages sind. Es ist also eine Kombination von beidem. Streng genommen handelt es sich um Immersion für die, die die Mehrheitssprache oder eine andere Sprache zu Hause sprechen.

— Prof. Jasone Cenoz

Ich muss unterstreichen, dass die Charta [der Regional oder Minderheitensprachen] — unabhängig von der Notwendigkeit, den Unterricht in der offiziellen Staatssprache aufrecht zu erhalten — nicht den Schutz der offiziellen Staatssprache betrifft. Dies ist nämlich eine nationale Frage. Und wie einige Beispiele aus Kanada zeigen, kann die nationale Mehrheit nicht wie eine Minderheit behandelt werden, und zwar ungeachtet der speziellen Situation. Das ist eine der Schlussfolgerungen des Menschenrechtsausschusses, die im Zusammenhang mit dem Internationalen Pakt über politische Rechte gemacht wurden.

— Vesna Crnić-Grotić

Immersion nach dem kanadischen Modell wurde in Finnland Ende der 70er Jahre eingeführt. Es handelt sich um ein optionales Unterrichtsangebot, das für jene existiert, die die Mehrheitssprache — in diesem Fall also Finnisch — als Erstsprache haben und die sonst nicht auf natürliche Art mit der Immersionssprache Schwedisch in Berührung kommen würden. […] Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel aus der finnischen Schule Keskuskoulu in der zweisprachigen Gemeinde Vasa geben: Die Schule hat 400 Schülerinnen in den Schuljahren 1 bis 6. Zwei Drittel der Schülerinnen erhalten Immersionsinterricht, und um es klarzustellen: alle diese Schülerinnen haben Finnisch als Muttersprache. Im ersten Schuljahr ist der gesamte Unterricht in Schwedisch und wenn die Schülerinnen die 5.-6. Klasse erreichen, wird die Hälfte des Unterrichts in der Immersionssprache [Schwedisch] abgehalten, die andere Hälfte in der Erstsprache und in anderen Sprachen. Die Lehrpersonen, die in der Immersionssprache unterrichten, sprechen nur diese Sprache mit den Schülerinnen, da es wichtig ist, dass die Schülerinnen die Sprache in verschiedenen Funktionen und Situationen hören und gebrauchen.

— Christina Gestrin

Übersetzungen aus dem Englischen von mir.

Siehe auch:

Kohäsion+Inklusion Migraziun Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Scola Wissenschaft | Best Practices Charta der Minderheitensprachen CLIL/Immersion Zitać | | Social Media | Baskenland-Euskadi Canada Catalunya Europa Finnland-Suomi Irland USA | Europarat | Deutsch

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Deutsche Schule: Entwicklung negativer als prognostiziert.
2002-2015

Vor knapp einer Woche hatte ich anhand von offiziellen Zahlen versucht, darauf aufmerksam zu machen, wie sich die Anteile der deutschen, italienischen und ladinischen Schulen an der Schulbevölkerung seit rund einem Vierteljahrhundert zu Lasten jener mit deutscher Unterrichtssprache entwickelt.

Diesbezüglich ist auch interessant, dass das Astat im Jahr 2005 eine Prognose über die Entwicklung der Schülerzahlen bis 2015 herausgegeben hatte, in der — unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung, einschließlich der zu erwartenden Zu- und Abwanderung — die negative Entwicklung für die Schulen mit deutscher Unterrichtssprache vorweggenommen wurde.

Allerdings läuft dieser Prozess in Wirklichkeit um ein Vielfaches (!) schneller ab, als es die Statistikerinnen vorhergesagt hatten.

Grundschule

Zum Vergrößern anklicken. Strichlinie: Prognose.

Das Statistikinstitut des Landes hatte damals beispielsweise progonostiziert, dass der Anteil an Schülerinnen, die eine Grundschule mit deutscher Unterrichtssprache besuchen, von 76,3% (2002) um 0,6 Prozentpunkte auf 75,7% (2015) sinken würde. Im selben Zeitraum hätte der Anteil der italienischen Grundschulen um ebenfalls 0,6 Punkte steigen sollen.

In Wirklichkeit jedoch war diese Entwicklung zu Lasten der deutschen und zu Gunsten der italienischen Schule über sechsmal so ausgeprägt, wie 2005 erwartet worden war.

Mittelschule

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Noch ausgeprägter war der Unterschied zwischen Progonose und Realität im Fall der Mittelschule: Um 0,8 Punkte hätte der Anteil der Einrichtungen mit deutscher Unterrichtssprache von 2002 (76,7%) bis 2015 (75,9%) fallen, der der italienischen um 0,5 Punkte (von 19,1% auf 19,6%) steigen sollen.

Stattdessen fiel der Anteil der deutschen Mittelschulen über sechsmal so stark (-5,0 Punkte), während der der italienischen Schulen gar knapp zehnmal (+4,9 Punkte) so stark stieg, wie das Astat vorhergesehen hatte.

Oberschule

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Völlig daneben lagen die Statistikerinnen bei der Oberschule: Hier war eigentlich bis 2015 sogar eine leichte Veränderung zugunsten der Schulen mit deutscher Unterrichtssprache (+0,5 Punkte) vorgesehen.

In der Realität jedoch auch hier: deutliche Abnahme des Anteils der deutschen Oberschulen am Gesamtkuchen (-4,8 Punkte) bei gleichzeitiger Zunahme für die italienischen Schulen (+3,6 Punkte).

Mich würde an dieser Stelle interessieren, ob den zuständigen Politikerinnen diese Zahlen überhaupt bekannt waren — und falls ja, welche Schlüsse sie daraus ziehen. Aus einer sprach- und minderheitenpolitischen Perspektive müsste diese Entwicklung eigentlich Grund zur Sorge sein.

Wichtige Hinweise:

Einige Zahlen sind Rundungen, deshalb ergeben etwa die Summen aller Anteile nicht notwendigerweise genau 100%.

Die ladinischen Schulen wurden in diesen Betrachtungen nicht etwa aus mangelndem Interesse vernachlässigt, sondern weil es so etwas wie eine ladinische Schule streng genommen gar nicht gibt. In den ladinischen Ortschaften besuchen alle Schülerinnen dieselben, paritätischen Schulen (mit hauptsächlich deutscher und italienischer Unterrichtssprache), in denen Ladinisch eine eher geringe Rolle spielt. Aussagen über die Minderheit lassen sich daraus m. M. n. kaum extrapolieren.

Siehe auch:

Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Recherche Scola Umfrage+Statistik Vorzeigeautonomie | Italianizzazione | | | Südtirol/o | Astat | Deutsch

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Deutsche Schule: Ein Aderlass.
1995-2019

Wir könnten behaupten, dass die deutsche Sprache in Südtirol eine dominante Rolle einnimmt und einer goldenen Zukunft entgegensieht. Dass sie eine Killersprache ist, vor deren unaufhaltsamer Expansion die anderen Sprachen im Land geschützt werden müssen. Dass es hier bald kein Italienisch mehr geben wird, schon gar nicht auf dem Lande. Und dass wir — auch deshalb — ganz dringend die Immersion in der Staatssprache Italienisch gewährleisten müssen.

Oder wir schauen die realen Zahlen an und erkennen, dass auch die deutschsprachigen Südtirolerinnen gegen die Entwicklungen, die die Zugehörigkeit zu einem monolingualen Nationalstaat für gewöhnlich mit sich bringt, keineswegs immun sind. Dass der Trend also in die genau entgegengesetzte Richtung läuft.

Das zeigen die Erhebungen zur Missachtung der Zweisprachigkeitspflicht und zu Status und Bedeutung der Sprachen — aber auch die für Minderheiten extrem wichtigen Zahlen über den Schulbesuch, die in Südtirol zu den wenigen für längere Zeiträume verfügbaren, offiziellen Daten zur Sprachentwicklung gehören.

Viele Erhebungen zum tatsächlichen Sprachgebrauch, wie sie in anderen multilingualen Gebieten üblich sind, werden hierzulande nämlich gar nicht oder erst seit wenigen Jahren durchgeführt. Die Datenlage ist dünn und die häufig zitierten Sprachgruppenzugehörigkeitszahlen sagen über die wirkliche Situation kaum etwas aus.

Ich habe mir also angeschaut, wie sich die Schülerzahlen in den letzten 24 Jahren (1995-2019) entwickelt haben. Das ist der Zeitraum, für den ich beim Astat umfangreiche Daten gefunden habe.

Grundschule

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Die Zahl der Kinder, die eine deutsche Grundschule besuchen, stagniert seit 24 Jahren (+1,6%), obschon heute rund 80.000 Menschen mehr in Südtirol leben als 1995. Gleichzeitig boomt die italienische Schule: sie hat heute fast 50% Schülerinnen mehr als zu Beginn des Zeitraums.

Dies hat dazu geführt, dass der Anteil der Grundschulen mit deutscher Unterrichtssprache an der Gesamtschülerzahl von 78,9% um fast 6 Punkte (bzw. 7,4%) auf 73% gefallen ist. Währenddessen ist der Anteil der italienischen Schulen von 16,9% um 6 Punkte (bzw. 35,4%) auf 22,9% gestiegen.

Dass eine derartige Entwicklung für eine Minderheit höchst verhängnisvoll ist, braucht hier wohl nicht gesondert ausgeführt werden.

Mittelschule

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In der Mittelschule ist die Entwicklung sogar noch akzentuierter: Die Schülerzahl in den Einrichtungen mit deutscher Unterrichtssprache ist seit 1995 bei steigender Bevölkerungszahl sogar um 3,8% gefallen. Die italienische Mittelschule ist hingegen nocht stärker gewachsen (+55,8%) als die italienische Grundschule.

Das bedeutet für die deutschen Mittelschulen, dass ihr Anteil in 24 Jahren von 79,3% um 7,9 Punkte (oder 10%) auf heute nur noch 71,4% gesunken ist. Dagegen konnte die italienische Schule ihren Anteil von 16,7% um 7,6 Punkte (bzw. 45,7%) auf 24,3% steigern.

Oberschule

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Weniger aussagekräftig sind die Zahlen der Oberschulen, da der Besuch freiwillig ist. Die Anzahl der Schülerinnen ist sprachgruppenübergreifend gestiegen, was vermutlich mit der Verlängerung der Schulpflicht zusammenhängt. Die Zunahme war aber bei den italienischen Schulen (+47,5%) deutlich stärker als bei den deutschen Schulen (+11,4%).

Der Anteil der deutschen Schulen an den Oberschülerinnen ist von 71,1% um 5,7 Punkte (oder 8,1%) auf 65,4% gefallen. Gleichzeitig ist der der italienischen Schulen von 26,4% um 5,8 Punkte (bzw. 21,7%) gestiegen. Auch die Oberschulen fügen sich also ins Gesamtbild.

All dies geschieht, obwohl es ja heißt, dass angeblich so viele Italienerinnen wie nie zuvor ihre Kinder in eine deutschsprachige Schule schicken.

Das einzige Glück, das wir in Südtirol haben (bzw. hatten), ist, dass wir von einem aus Sicht des Minderheitenschutzes vergleichsweise günstigen Verhältnis zwischen den Sprachen gestartet sind, die Fallhöhe dementsprechend groß war und diese Entwicklung folglich länger dauert.

Umso weniger ernst wird sie genommen. Im Gegenteil, übermütig scheinen viele zu denken, Minderheitenschutz sei Luxus, uns sei nichts anzuhaben.

Wichtige Hinweise:

Einige Zahlen sind Rundungen, deshalb ergeben etwa die Summen aller Anteile nicht notwendigerweise genau 100%.

Die ladinischen Schulen wurden in diesen Betrachtungen nicht etwa aus mangelndem Interesse vernachlässigt, sondern weil es so etwas wie eine ladinische Schule streng genommen gar nicht gibt. In den ladinischen Ortschaften besuchen alle Schülerinnen dieselben, paritätischen Schulen (mit hauptsächlich deutscher und italienischer Unterrichtssprache), in denen Ladinisch eine eher geringe Rolle spielt. Aussagen über die Minderheit lassen sich daraus m. M. n. kaum extrapolieren.

Siehe auch:

Faktencheck Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Scola Umfrage+Statistik Vorzeigeautonomie | Italianizzazione Zitać | | | Südtirol/o | Astat | Deutsch

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Facharztausbildung hält stand.
Wann kommt das neue Berufsverzeichnis?

Im Oktober 2019 war die Ärztegewerkschaft Anaao mit ihrer Klage gegen die Ausbildung von Fachärztinnen nach österreichischem Modell in Südtirol schon einmal abgeblitzt. Das reichte dem nationalistischen Verein offenbar nicht, sodass der Weg vor das Oberlandesgericht eingeschlagen wurde.

Auch dort war ihnen jedoch kein Glück beschieden, wie die TAZ nun berichtet. Geklagt hätten Claudio Volanti und vier weitere Ärzte als »Privatpersonen«, da Volanti angeblich von einem der in Ausbildung befindlichen Jungärzte behandelt worden sei. Damit sollte vermutlich das persönliche Interesse, also die Klageberechtigung gerechtfertigt werden.

Das Oberlandesgericht hat nun jedoch »das erstinstanzliche Urteil […] umfassend bestätigt«, so die TAZ.

Interessant ist, dass derselbe Herr Volanti im Jänner zum Nachfolger von Monica Oberrauch als Präsidentin der Südtiroler Ärztekammer gewählt wurde. Leute, die unser Gesundheitssystem aus nationalistischen Gründen torpedieren, scheinen an der Spitze des Berufsverbands beliebt zu sein.

Besonders folgenreich könnte die Wahl des Anaao-Manns für die Gleichstellung der deutschen Sprache im Arztberuf sein: Mit einer Gesetzesänderung im Rahmen des Haushaltsgesetzes wurde nämlich nicht automatisch ein Berufsverzeichnis für Ärztinnen mit deutschem statt italienischem Sprachnachweis eingerichtet — vielmehr wurde die Schaffung einer solchen Sektion ausdrücklich dem Gutdünken des Kammerpräsidenten überlassen.

Dass der neue Kammerpräsident für seine nationalistischen Aktionen bekannt ist, legt nahe, dass er sich mit der Einrichtung des neuen Berufsverzeichnisses — wenn überhaupt — sehr sehr lange Zeit lassen wird. Zum Nachteil der Bürgerinnen.

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Zweisprachig von 8.15 bis 16.00 Uhr.
Sparkasse

Eine kurze Geschichte über die zunehmende Marginalisierung der deutschen Sprache in Südtirol:

»[…] Sehr geehrter Kunde, nach 16.00 Uhr können wir die Dienstleistung nur in italienischer Sprache anbieten. Wir bitten um Ihr Verständnis. Für den Dienst in deutscher Sprache stehen Ihnen unsere Mitarbeiter von Montag bis Freitag von 8.15 bis 16.00 Uhr zur Verfügung. Um das Gespräch in italienischer Sprache fortzusetzen, wählen Sie 1.« (Transkription von mir.)

Entweder es gibt bald Vorschriften, die so etwas untersagen — oder die Richtung ist vorgegeben. Selbst Regionalbanken wie Sparkasse und Volksbank, für die die Verwurzelung im Land einer der größten Wettbewerbsvorteile ist, scheren sich immer weniger um die (noch) mehrheitlich gesprochene Sprache.

Dass sich an dieser verhängnisvollen Entwicklung von selbst noch einmal etwas ändert, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.

Siehe auch: |

Discriminaziun Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Verbraucherinnen Wirtschaft+Finanzen | Bilinguismo negato Italianizzazione | | | Südtirol/o | | Deutsch

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Olympia und die Vielfalt.

Der rührige Hotelier Michil Costa zeigt sich in einem Communitybeitrag auf Salto entsetzt: Wenn die Eröffnungszeremonie der Ski-WM in Anpezo (Cortina) ein Vorgeschmack auf die Winterspiele 2026 ist

dann bestätigt das leider unsere Zweifel an dieser olympischen Veranstaltung[.]

Als Ladiner (ähm) habe er sich betrogen gefühlt: alle Ansprachen nur auf Italienisch, die Dolomiten nicht wahrnehmbar.

Enttäuschend, banal, deprimierend und beleidigend habe er ferner gefunden

wie wenig Raum unserer ladinischen Kultur eingeräumt wurde, mit Tänzen und einer Musik, die nichts mit uns und unserer Heimat zu tun haben[.]

Wer sich aber von nationalistischen Festspielen wie einer WM oder Olympia etwas anderes erwarten würde, als die Negierung von Diversität über das Allernötigste hinaus, müsste sich als naiv bezeichnen lassen. Da zählt billige Folklorisierung schon zum höchsten der Gefühle. Um etwas anderes zu erzielen, müsste man schon einen Plan haben — sowie den Willen, die Kraft und die Beharrlichkeit, ihn umzusetzen. Barcelona ’92 ist Legende, doch viel wahrscheinlicher ist, es geht schief.

Am weitgehenden Verschwinden des Ladinischen aus dem öffentlichen Leben von Anpezo haben die Olympischen Spiele von 1956 ihren gewichtigen Anteil. Warum sollte gerade eine Wiederholung desselben Fehlers, noch dazu im Schlepptau einer italienischen Großstadt, daran etwas ändern?

Wohl nur eine Erzählung, die das Nationale stark konterkariert (z.B. die Austragung der Spiele als grenzüberschreitende Euregio) könnte dem gleichmacherischen Automatismus substanziell etwas anhaben.

Siehe auch:

Außendarstellung Minderheitenschutz Nationalismus Plurilinguismo Sport | | | Salto | Italy Souramont | Euregio | Deutsch