Canigou? Canigó!

Canigó.Im angeblich so minderheitenfeindlichen Frankreich tut sich Unverhofftes: Der Canigó, wichtigster und symbolträchtiger Berg des zu Frankreich gehörenden Teils von Katalonien, wurde neulich in den Rang eines staatlichen Naturerbes erhoben. Es handelt sich dabei um eine Auszeichnung, die mit dem Weltnaturerbe der UNESCO verglichen werden kann. Gleichzeitig wurde er vom französisierten — und touristisch weithin bekannten — Canigou in katalanisch Canigó zurückbenannt, da dies der historisch korrekte Name ist. Zu diesem Anlass hat der zuständige Generalrat des zu Frankreich gehörenden Teils Kataloniens die nebenstehende Informationskampagne gestartet.

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Bahnbrechender sardischer Weg.

Eine Innovation auf dem Weg zum neuen Autonomiestatut: Volksabstimmung auf Sardinien am 10. Juni 2012

von Thomas Benedikter

Nach der Volksabstimmung im Juni 2011, bei der es auf Sardinien auch um regionale Referenden ging, wird der kommende 10. Juni wieder ein Tag der direkten Demokratie für die Insel. Immerhin 10 Einzelfragen werden den Wählern vorgelegt, zum Teil als abschaffende, zum Teil als beratende Referenden. 30.000 Unterschriften waren dafür bei einer Bevölkerung von knapp 1,6 Millionen gesammelt worden, das Doppelte als erforderlich. Die 10 Fragen betreffen allesamt Aufbau und Funktionsweise der Demokratie auf Sardinien: Die Abschaffung von neuen und alten Provinzen, die für überflüssig und zu kostspielig befunden werden; die Abschaffung von aufgeblähten Verwaltungsräten regionaler Körperschaften; die Abschaffung des Regionalgesetzes, das die Diäten der Abgeordneten regelt; die Einführung von Vorwahlen für die Benennung des Kandidaten für die Präsidentschaft der autonomen Region seitens der wahlwerbenden Parteien. Schließlich der am weitesten reichende Vorschlag: Die Sarden sollen darüber abstimmen, ob eine »statutarische Versammlung« direkt gewählt werden soll, die ein neues Autonomiestatut ausarbeiten soll. Somit geht es am 10. Juni 2012 nicht nur um eine Abschlankung des bürokratischen Apparats der Region mit all den damit verbundenen Posten und Pfründen, sondern auch um neue Regeln für die demokratische Mitbestimmung der Bürger.

Die Idee der Wahl einer Art »statutgebenden Versammlung« ist eine vielleicht bahnbrechende Idee, ein absolutes Novum in der Geschichte des italienischen Regionalstaats. Würde die Referendumsvorlage gutgeheißen, könnten die Sarden nach dem Muster der klassischen verfassunggebenden Versammlungen ein demokratisches Verfahren erhalten, um die Funktionsweise und Bürgerrechte ihrer Region neu zu regeln. Anstatt diese Rolle einer kleinen Gruppe von Berufspolitikern der Parteispitzen in Cagliari und Rom zu überlassen, würde diese Aufgabe Abgeordneten anvertraut, die direkt von der sardischen Bevölkerung legitimiert sind. Die »statutsgebende Versammlung« könnte in öffentlicher und transparenter Weise das zukünftige Statut debattieren, wobei die Bürger mit ihren Vorschlägen und Ideen in geeigneter Form einbezogen werden können. Um diesen »verfassunggebenden Prozess« demokratisch zu vollenden, bedürfte es freilich eines bestätigenden Referendums über einen von besagter Versammlung verabschiedeten Statutsentwurf, etwa nach dem Muster der Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Bisher fehlen jedoch die Voraussetzungen für ein derartiges Verfahren. Gleichermaßen fehlen auch in Sardinien die wichtigsten Verfahren der direkten Demokratie: Das bestätigende Referendum für Regionalgesetze und Verwaltungsakte von großer Tragweite, die Volksinitiative mit unmittelbarer Volksabstimmung, die Statutsinitiative, die es den sardischen Wählern erlauben würde, direkt einzelne Bestimmungen des Autonomiestatuts abzuändern.

Schließlich schwebt bei der heutigen Regelung über den sardischen Volksabstimmungen, wie im übrigen Italien, das Damoklesschwert des Beteiligungsquorums, das in Sardinien 33% beträgt. An diesem Punkt könnte man jetzt schon folgerichtig das Hauptthema für die nächste Volksabstimmung auf Sardinien ableiten, vielleicht für den Juni 2013: die Abschaffung des unzureichenden Regionalgesetzes zur Regelung der direkten Demokratie, die Abschaffung des Quorums, die Einführung des gesamten Spektrums an demokratischer Mitbestimmungsrechten. Könnte dieser »sardische Weg« zu Reform und Ausbau von Autonomie und Demokratie in einer Region mit Sonderstatut gar ein Beispiel für unsere autonome Region und Provinz sein?

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Pustertaler Freiheit.

Ein Blogleser hat den Innichner Tourismusverein (TV) auf den -Artikel über die Digitalanzeige am Ortseingang aufmerksam gemacht. Die Antwort, die ihm der Präsident des TV daraufhin geschickt hat, ist derart skandalös, dass er sie mir zur Kenntnisnahme weitergeleitet hat. Es hat aber noch mehrerer Tage und einiger Überredungskünste bedurft, bis sich unser Blogleser einverstanden erklärt hat, dieses Schmankerl zu veröffentlichen. Der Herr — der auch Gemeindereferent unter BM Tschurtschenthaler (SVP) ist — hat in seiner öffentlichen Rolle als TV-Präsident gehandelt. Und wie ich finde hat die Öffentlichkeit das Recht (oder zumindest ein Interesse) zu erfahren, wie manch voll…autonomer »Volksvertreter« tickt:

Sehr geehrter Herr [Blogleser]!

Es wird immer interessanter[,] wie sich die gebildete Klasse Südtirols sich [sic] solcher Probleme annimmt!

Eigentlich müssen wir uns glücklich schätzen, dass das die einzigen Probleme sind [, die] wir in Südtirol haben!

Eines muss ich Ihnen klarstellen, dass was wir in Innichen publizieren geht sie [sic] gar nichts an und vor allem

Interessieren mich Belehrungen in dieser Art gar nicht!!!

Jedenfalls werde ich, als Verantwortlicher[,] anordnen[,] nichts zu ändern!

Zum guten Schluss lade ich Sie gerne zu einem persöhnlichen [sic] Gespräch im TVerein Innichen ein[,] um noch mal

Eindringlich meinen Standpunkt zu überbringen, auch weil ich die schriftlichen Sachen als [sic] unpersöhnlich [sic] finde!

Und eins ist klar, dass wir genüber Ausländern unser Dorf in gewollter Weise immer mit San Candido kommunizieren und dies

Aus folgenden Grüden [sic]:

seit 1920 gehören wir politisch zu Italien

für ausländische Gäste sind wir Italiener

interessieren unsere ausländische [sic] nicht[,] was in Südtirol politisch
abgeht!!

4. haben wir nicht genug Personal[,] um allen Gästen unsere
Vergangenheit zu erklären!

Ganz zum Schluss möchte ich Ihnen sagen[,] dass ich Doppelstaatsbürger bin AUT/ITA[,] deswegen finde ich es als tief beleidigend[,] mir ethische Diskurse über unser Deutschtum zu machen!

Mit freundlchen [sic] Grüssen [sic]

[Name]

Tourismusvereinspräsident

Außendarstellung Ortsnamen Tourismus | Doppia Cittadinanza Italianizzazione | | | Südtirol/o | SVP | Deutsch

Testis Relikte.
Quotation 40

Der Architekt des Siegesdenkmals, Marcello Piacentini hat in Rom das Forum Italicum gebaut, wo sich das Olympiastadion befindet, das Marmorstadion und das olympische Schwimmstadion. Das hat die Gemüter der Römer nie beunruhigt. […] Hier in Südtirol gibt es eine andere Realität, dessen bin ich mir bewusst.

Hier in Südtirol hat auch niemand die Schleifung des Drususstadions, des Lido oder der Grieser Lauben gefordert. Es gibt nicht nur einen Unterschied zwischen Rom und Bozen, sondern auch noch einen zwischen »funktionaler« Architektur und einem Denkmal.

Ich bin dafür, den Namen Vetta d’Italia beizubehalten. […] Es geht ja darum, wie verbreitet ein Name ist — in Zeitungen, im Internet, nicht nur in Südtirol, sondern auch auf dem gesamten Staatsgebiet.

Nicht nur Geographiewissenschaftler weltweit, sondern auch die UNO sieht das völlig anders. Und: Heißt Trient bald auch offiziell Trient, wenn wir den überregionalen Kontext mitberücksichtigen? Oder gilt dieses Privileg nur für nationale Mehrheiten?

Wenn ich heute die auf Deutsch verfassten Medienberichte verfolge, dann verstehe ich viel mehr als 2007. Deutsch sprechen ist jedoch schwierig. Wenn man sich wirklich verstehen will, dann sind Sprachkenntnisse aber kein Hindernis.

Klar, die lingua franca spricht ja jeder. Auf regionale Folkloresprachen ist der Herr nicht angewiesen.

(Kommentierte Auszüge aus dem heutigen Dolomiten-Interview mit Regierungskommissär Fulvio Testi aus Anlass seiner Frühpensionierung.)

Siehe auch:

Arch Faschismen Medien Nationalismus Ortsnamen Plurilinguismo Politik Zentralismus | Faschistische Relikte Geschichtsaufarbeitung Zitać | | Dolo | Südtirol/o | UNGEGN | Deutsch

Gentrifizierung stoppen.

Es ist eine ganz spezielle Form der Gentrifizierung, welche inzwischen auch große Teile der Alpen erfasst hat. Wozu sie führt, können wir mittlerweile schon in zahlreichen Tourismushochburgen in Südtirol beobachten. Ein Paradebeispiel befindet sich jedoch vor den Toren unseres Landes, im Venetien zugeschlagenen Tiroler Ort Cortina (Anpezo): Zahlungskräftige »Auswärtige« haben dort, besonders seit den Olympischen Spielen von 1956, nach und nach große Teile des Immobilienbestands erworben, um sich den Wunsch nach einer Zweiwohnung zu erfüllen. In der Regel sind die dann nur noch wenige Wochen im Jahr bewohnt. Die daraus resultierende Wohnungsknappheit ließ — gepaart mit dem großen »Appeal« des Standorts — die Wohnungspreise in die Höhe schnellen, sodass besonders junge Einheimische keine Chance mehr hatten, vor Ort an erschwinglichen Wohnraum zu gelangen. Viele wanderten ins nahegelegene Cadore aus, und kehren seitdem täglich in ihren ursprünglichen Heimatort zurück, wo sie ihr Brot damit verdienen, dass sie für diejenigen arbeiten, von denen sie vertrieben wurden. Das hat nicht nur zur Entvölkerung des Ortes geführt, der zur Nebensaison einer Geisterstadt ähnelt, sondern auch zur Marginalisierung des einheimischen dolomitenladinischen Idioms, das vom Aussterben bedroht ist.

Besonders in den ladinischen Tälern Südtirols und in einigen Gemeinden des Hochpustertales hat diese Entwicklung inzwischen ebenfalls ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Während mehrere Schweizer Kantone, aber auch das Bundesland Tirol, dieses Problem durch gezielte Gesetzesmaßnahmen weitgehend in den Griff bekommen haben, ist Südtirol mit dem Modell der sogenannten Konventionierung — die zudem häufig umgangen wird — noch eher schlecht aufgestellt.

Im Jahr 2009 hatten die Abstimmenden beim Landesreferendum einem einschlägigen Gesetzesvorschlag der Union für Südtirol (UfS) breite Zustimmung zukommen lassen. Seitdem ist leider — auch aufgrund des verfehlten Quorums — wenig geschehen.

Seit einigen Wochen machen der Heimatpflegeverband, die Gewerkschaft ASGB und der Schützenbund in einer gemeinsamen Initiative auf dieses Problem aufmerksam. Die BürgerUnion, Nachfolgerin der UfS, will einen Gesetzesentwurf in den Landtag bringen. Es ist höchste Zeit, dass die Südtiroler Politik auf diesem Gebiet aktiv wird.

Arch Gewerkschaften Kunst+Cultura Mitbestimmung Politik Soziales Tourismus | | | | Ladinia Svizra | BürgerUnion | Deutsch

Innichen, pardon…

So begrüßt Innichen direkt an der Dorfeinfahrt — gut sichtbar von Staats- und Gemeindestraße sowie vom Zug — mittels überdimensionalem Display am öffentlichen Zivilschutzzentrum die von Osttirol (und vom Skigebiet Helm) kommenden Gäste. Den immer zahlreicheren »fremdsprachigen« Touristinnen erziehen wir Südtirolerinnen die italienischen Ortsnamen förmlich an — und wundern uns dann womöglich, wenn sie sich immer mehr durchsetzen.

Aber zu einem Bürgermeister, der gern mal seine repräsentative Notdurft vor faschistischen Monumenten verrichtet, passt das freilich ausgezeichnet.

Siehe auch:

Außendarstellung Ortsnamen Plurilinguismo Tourismus | | | | Nord-/Osttirol Südtirol/o | SVP | Deutsch