Medienvorschau.

Angeblich werden aufgrund der ff-Titelstory (s. gesonderten Eintrag) sowohl die ORF-Sendung Südtirol heute, als auch die Tagesschau des Rai Sender Bozen am heutigen Abend über das Thema Selbstbestimmung und über berichten:

Südtirol heute, ORF 2*, 18.30 und 19.30 Uhr
Tagesschau, Rai Bozen, 20.00 und 22.10 Uhr

Wer die Möglichkeit hat, die Sendungen aufzunehmen und digital zur Verfügung zu stellen, ist gebeten, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Wir wären daran interessiert, die Videos im Blog zu veröffentlichen.

* Nur in Nord-, Süd- und Osttirol.

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Es reift schön langsam…

Da ist man mal kurz weg — im Urlaub — und schon steht die (Blog-)Welt auf dem Kopf! Im Laufe der letzten Tage hat sich in der Sache viel getan, angefangen beim Leitartikel der aktuellen ff bis hin zur regen Diskussion hier bei uns.

Mit freundlicher Genehmigung Norbert Dall’Òs gebe ich hier seinen Beitrag wieder, erschienen in ff 09 vom 26. Februar:

Ich hatte einen Traum

Die “dynamische Autonomie” ist zum Stillstand gekommen, die Sache mit dem Föderalismus überzeugt nicht. Wennschon – dennschon: Man müsste vielleicht nur etwas Phantasie walten lassen.

Die Sache mag eine Bagatelle sein – ist aber bezeichnend für die verfahrene Situation in Sachen dynamische Autonomie: An den Grenzen Südtirols wachen acht sogenannte Grenzveterinäre, dass bei den Lebensmittelimporten alles mit rechten Dingen zugeht. Die Veterinäre sind sicherlich tüchtig und professionell. Aber es handelt sich um Beamte des italienischen Staates. Sie sind organisiert, wie die Beamtenschaft in Italien halt organisiert ist. Der Dienst funktioniert schlecht. Die betroffenen Unternehmen müssen sich alles Erdenkliche einfallen lassen, um ihre Produkte in vernünftigen Zeiten über die Grenze zu bringen. Warum sind die Grenzveterinäre nicht Landesbeamte? Warum übernimmt das Land Südtirol nicht den Dienst? Der Übergang vom Staat aufs Land hätte schon längst vonstattengehen sollen – aber Rom bockt. Seit Berlusconi und seine Mander am Ruder sind, geht nichts mehr in Sachen Kompetenzabtretung. Ob ein Dienst funktioniert oder nicht, interessiert die Herren in Rom nicht. Wichtiger ist offensichtlich, uns Crucchi zu zeigen, wo der Bartl den Most holt. Um die dynamische Autonomie ist es still geworden. Der Grund: Mit der – ausgerechnet von der Wirtschaft torpedierten – Mitte-links-Regierung war gut Kirschen essen. In Bozen und in Rom hatte man ein gemeinsames Interesse: den öffenlichen Dienst effizienter gestalten. Warum sollten die Straßen beim Staat bleiben, wenn das Land Südtirol viel besser dafür sorgen kann? Rom sparte – und Südtirol konnte seine Effizienz unter Beweis stellen. Nicht, dass hier alles bestens läuft. Aber die Regel: Südtirol macht es besser als Rom – diese Regel ist unbestreitbar. Wenn die dynamische Autonomie zum Stillstand gekommen ist, heißt das, dass Südtirol keine zusätzlichen Kompetenzen übertragen bekommt. Das heißt weiters: Die angestrebte Vollautonomie ist eine Illusion. Mit dieser Situation könnte ich durchaus leben, würde sich der Staat Italien, dessen Politik und stolzes kulturelles Erbe sich in eine Richtung entwickeln, die ich irgendwie mittragen kann. Aber genau das tut es nicht. Als einst glühender Fan der italienischen Art zu leben, leben zu lassen und zu überleben, stelle ich Tag für Tag mit Grausen fest, dass es bald nichts mehr gibt, mit dem ich mich identifizieren kann. Vielleicht inspiriert vom Schützenaufmarsch am Sonntag in Meran hatte ich einen sonderbaren Traum: Barbara Repetto, die Landesrätin, stand an der Bozner Talferbrücke und sammelte Unterschriften. Auf einem Plakat stand geschrieben: “Per l’autodeterminazione. Für die Selbstbestimmung.” Hunderte Menschen standen Schlange, warteten darauf, ihre Unterschrift auf das Dokument setzen zu können. Alle sprachen italienisch. Tags drauf hatte ich den Traum längst vergessen, da traf ich einen Freund, der wild über die Zustände in der Post schimpfte – und dann meinte: “Wenn ich ein deutschsprachiger Südtiroler wäre, wäre ich für die Selbstbestimmung.” Hoppla! Und was, wenn man der Selbstbestimmung die ethnische Sprengkraft nehmen würde? Was, wenn man die Rückkehr zu Österreich mal ausschließen und stattdessen andere Varianten durchdenken würde: Südtirol als autonome, selbstständige Pufferregion, eingebettet und geschützt von Europa, mit gewissen Bereichen (zum Beispiel Außenpolitik), die entweder an Rom oder Wien delegiert werden? Wer sollte was dagegen haben, wenn das Ziel eine bessere, möglichst bürgernahe Verwaltung ist? Wer sollte was dagegen haben, wenn die Gesetze, die unser Leben bestimmen, in Bozen und nicht mehr in Rom geschrieben werden? Hand aufs Herz: Können Sie sich am Föderalismus, so wie ihn sich Berlusconi oder Bossi vorstellen, erwärmen? Ich nicht. Aber ich habe auch keine Lust, weiterhin zwischen der Nicht-Alternative Italien oder Österreich entscheiden zu müssen. Vielleicht sollten wir doch unsere Phantasie walten lassen – und alle gemeinsam, Deutsche, Italiener, Ladiner, mal darüber nachdenken, ob es denn nicht einen machbaren Weg gibt, um diesem Staat auf eleganter Weise “Ciao” zu sagen. Und wenn es nur ein Traum ist.

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Erfreulicher Neuzugang.

Mit »Laurin’s Garden« verzeichnet die Südtiroler Blogszene einen wichtigen Neuzugang aus den Reihen der ehemaligen ff-Forumsteilnehmer (zu denen man auch Segnavia, Sammelsurium, Blaun und zählen kann). Ich freue mich schon auf reichlich frischen Diskussionsstoff. Bereits der Anfang ist vielversprechend, ich wünsche Alexander viel Erfolg!

Der Link befindet sich ab sofort in der -Seitenleiste unter Blogs+Fora.

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Cusanus-Akademie: Termine.

Von Sentieri Interrotti/Holzwege übernehme ich auf Gabrieles Vorschlag folgende Terminhinweise für Brixen:


Hans Karl Peterlini, Journalist, Bozen
Cusanus-Akademie, Brixen
Dienstag 03.03.2009, 20:00 Uhr

Die Politik geht mit vielem auf Stimmenfang. Mit Geschenkartikeln, mit Versprechungen, aber vor allem mit einem: mit Sprache.
“Die Politik ist das Paradies zungenfertiger Schwätzer”, so sah es der Literat George Bernard Shaw. Auch wer es nicht ganz so zynisch und negativ ausdrücken möchte, muss eines zugeben: Ob in einer Wahlrede, bei einem Fernsehauftritt oder bei der Wahlwerbung, PolitikerInnen möchten mit dem, was sie sagen, positive Gefühle auslösen, Eindruck machen, überzeugen. Schließlich befinden sich PolitikerInnen – vor allem, aber nicht nur in Wahlkampfzeiten – in einem ständigen “Bewerbungsgespräch” mit ihren potentiellen WählerInnen.
Welche sprachlichen Strategien wenden PolitikerInnen an, um ihre Ziele zu erreichen? Das Ohr nah am Volk, der Mund ebenso? Oder vielleicht doch lieber Worte, die gut klingen, aber wenig sagen? Und welche Muster und Denktraditionen verbergen sich hinter den Worten?
Hans Karl Peterlini hat sich die Sprache der Politik in Südtirol genauer angeschaut, insbesondere den Wahlkampf der letzten Landtagswahl und wird über seine Eindrücke auch aus tiefenpsychologischer Sicht berichten.


Anatomie des “disagio”/ Anatomia del “disagio”
Cusanus-Akademie, Brixen
Donnerstag, 05.03.2009, 20:00 Uhr

Referate und Diskussion / Relazioni e discussione:
Lucio Giudiceandrea + Mauro Minniti
Einführung und Moderation / Introduzione e moderazione:
Gabriele Di Luca

Feuilleton Kunst+Cultura Politik Termin | | Hans Karl Peterlini Lucio Giudiceandrea Mauro Minniti | | | | Deutsch

Zum Thema Freiheit.

von Karl Popper

Wir wissen nur wenig über die Geschichte der Besiedelung der österreichischen, der schweizerischen und französischen Hochalpen, die ja in prähistorischen Zeiten stattfand. Aber wir dürfen wohl darüber nachdenken, wie es dazu gekommen sein mag, daß Menschen, die Ackerbau und Viehzucht trieben, in die wilden und unwegsamen Täler der Hochalpen zogen, wo sie zunächst bestenfalls ein hartes, karges und gefährdetes Dasein fristen konnten. Es ist wohl am wahrscheinlichsten, daß diese Menschen in das Gebirge zogen, weil sie das ungewisse Dasein in der Wildnis der Unterjochung durch mächtigere Nachbarn vorzogen. Trotz der Unsicherheit, trotz der Gefahr wählten sie die Freiheit. Ich spiele oft und gerne mit dem Gedanken, daß insbesondere die schweizerische und die Tiroler Tradition der Freiheit bis auf jene Tage der prähistorischen Besiedelung der Schweiz zurückgeht.

Es ist jedenfalls interessant und auffallend, daß England und die Schweiz, die beiden ältesten Demokratien des gegenwärtigen Europa, heute einander so ähnlich sind in ihrer Freiheitsliebe und in ihrer Bereitschaft, ihre Freiheit zu verteidigen. Denn in vielen anderen Zügen und insbesondere in ihrem politischen Ursprung sind ja diese beiden Demokratien grundverschieden. Die englische Demokratie verdankt ihre Entstehung dem Stolz und dem Unabhängigkeitssinn des Hochadels und, in ihrer späteren Entwicklung, der protestantischen Denkungsart, dem persönlichen Gewissen und der religiösen Toleranz — Folgen der großen religiösen und politischen Konflikte, die durch die Puritanische Revolution heraufbeschworen wurden. Die Schweizer Demokratie entstand nicht aus dem Stolz, dem Unabhängigkeitssinn und dem Individualismus eines Hochadels, sondern aus dem Stolz, dem Unabhängigkeitssinn und dem Individualismus der Hochgebirgsbauern.

Diese völlig verschiedenen geschichtlichen Anfänge und Traditionen haben zu ganz verschiedenen traditionellen Institutionen und zu ganz verschiedenen traditionellen Wertsystemen geführt. Was ein Schweizer — oder ein Tiroler — vom Leben erwartet oder erhofft, ist, glaube ich, im allgemeinen recht verschieden von dem, was ein Engländer vom Leben erwartet oder erhofft. Die Verschiedenheit dieser Wertsysteme ist wohl zum Teil in der Verschiedenheit der Erziehungssysteme begründet; aber es ist doch sehr interessant, daß die Verschiedenheit der Erziehungssysteme ihrerseits tief in jenen geschichtlichen und sozialen Gegensätzen begründet ist, auf die ich hingewiesen habe. Erziehung war in England bis tief in das [zwanzigste] Jahrhundert hinein ein Privilegium des Adels und des Grundbesitzes — der Squirarchie; also nicht der Stadtbewohner und des Bürgertums, sondern der auf dem Lande lebenden Familien von Großgrundbesitzern. Diese Familien waren die Träger der Kultur; aus ihnen kamen auch die Privatgelehrten und Wissenschaftler (oft einflußreiche und originelle Amateure) und die Mitglieder der höheren Berufe — Politiker, Geistliche, Richter, Offiziere. Im Gegensatz dazu waren die wichtigsten Kulturträger des Kontinents Stadtbewohner; sie kamen zum großen Teil aus dem Stadtbürgertum. Erziehung und Kultur war nicht etwas, das man ererbte; es war etwas, das man sich selbst erarbeitete. Erziehung und Kultur waren kein Symbol einer ererbten sozialen Stellung einer Familie, sondern ein Mittel und ein Symbol des sozialen Aufstiegs, der Selbstbefreiung durch das Wissen. Das erklärt es auch, warum der siegreiche Kampf gegen die Armut in England eine Art Fortsetzung der Religionskämpfe auf einer anderen Ebene war — ein Kampf, in dem der Appell des Adels und des Bürgertums an das religiöse Gewissen eine entscheidende Rolle spielte —, während der Kampf gegen die Armut und das Elend in der Schweiz und auch in Österreich von der Idee der Selbstbefreiung durch das Wissen inspiriert war, von der großen Erziehungsidee Pestalozzis.

Trotz aller dieser tiefliegenden Verschiedenheiten wissen beide, England und die Schweiz, daß es Werte gibt, die um jeden Preis verteidigt werden müssen, und zu diesen Werten gehören vor allem die persönliche Unabhängigkeit, die persönliche Freiheit. Und beide haben gelernt, daß die Freiheit erkämpft werden muß und daß man auch dann für sie einstehen muß, wenn die Wahrscheinlichkeit des Erfolges verschwindend klein zu sein scheint. Als England im Jahre 1940 allein für die Freiheit kämpfte, versprach Churchill den Engländern nicht den Sieg. »Ich kann euch nichts besseres versprechen«, sagte er, »als Blut und Tränen.« Und das waren die Worte, die England den Mut zum Weiterkämpfen gaben.

In der Schweiz war es gleichfalls nur die traditionelle Entschlossenheit zu kämpfen — auch gegen einen zweifellos übermächtigen Gegner, wie es zuerst die Habsburger und später das Dritte Reich war —, die den Schweizern ihre Unabhängigkeit während des Zweiten Weltkriegs bewahrte.

aus: Popper, Karl R., Alles Leben ist Problemlösen, Piper, München 1994, S. 155ff.

Siehe auch: Weltwoche/Artikel.

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Sportlerinnen in den Landesdienst.

Der Vorschlag des Forums Heimat in der SVP, einheimische Sportlerinnen in den Landesdienst zu holen, um Abhängigkeiten zu brechen, stößt bei italienischen Verbandsfunktionären verständlicherweise auf Ablehnung. Die inhaltliche — politische — Kontrolle über ihre Schützlinge könnten sie damit weitgehend einbüßen. Mit dem Argument, die Politik solle sich aus dem Spiel halten, möchten sie das Thema denn auch am liebsten gleich vom Tisch fegen.

Doch das Problem existiert: Gerade die heute übliche Mitgliedschaft der Athletinnen in militärischen und paramilitärischen Einheiten wie Carabinieri und Finanzwache übt, mit Hilfe des wirtschaftlichen Hebels, einen gar nicht so unterschwelligen Druck aus — den auch ich in eklatanter Weise feststellen durfte, als ich im Namen von mehrere Spitzenathletinnen anschrieb: Ganz unverblümt antwortete der Manager von Manfred und Manuela Mölgg damals, die Sportlerinnen dürften sich zu politischen Fragen nicht äußern, weil sie durch nationale Verträge gebunden und Mitglieder der Finanzwache seien [siehe]. Von anderen gab es erst gar keine Antwort.

Solche Zwänge und Ängste erinnern eher an die DDR, denn an ein liberales und demokratisches Land.

Aus diesem Grund begrüße ich den Vorstoß, Südtiroler Sportlerinnen — auf freiwilliger Basis — eine Alternative anzubieten, die ihnen die nationale Vereinnahmung samt Beschlagnahme des Rechts auf freie Meinungsäußerung erspart. Dies kann jedoch nur ein erster Schritt hin zu einem unabhängigen, alle Sprachgruppen einbindenden Team sein.

Siehe auch:

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