Il termometro del bilinguismo.

di Romano Viola

Sono decenni che si parla del «patentino». E’ stato odiato come la quintessenza di tutti i mali dell’Autonomia. Sulla lotta al patentino molti politici hanno imperniato la carriera. Intorno ad esso sono sorte leggende metropolitane. Ottimi conoscitori della lingua di Lutero e di Goethe sarebbero stati respinti solo per colpa di commissioni ingiuste e feroci. Perfetti bilingui sarebbero caduti solo per colpa di domande-carogna su parole impossibili. E così via lacrimando.

Diversi politici hanno tentato per anni, con tenacia, di aggirare il patentino con l’ipocrita proposta di conferirlo, in automatico, assieme al diploma di maturità. E’ una fortuna che non ci siano riusciti: la già scarsa motivazione dei nostri studenti per lo studio del tedesco avrebbe subito un colpo mortale. L’Unione Europea ha poi imposto alla Provincia di accettare, oltre al certificato del patentino, anche quelli rilasciati da altri Istituti linguistici. La soddisfazione è stata subito generale. Confesso una certa fatica a coglierne le ragioni. Se l’esame del «Goethe Institut» si rivelerà più difficile da superare di quello del patentino, nessuno lo farà. Se la difficoltà sarà la stessa, non cambierà nulla. Se invece l’esame del «Goethe» si rivelerà più facile, allora nessuno farà più il patentino: e la conoscenza del tedesco fra gli italiani scenderà ancora.

Il patentino, in fondo, sta alla conoscenza della seconda lingua come il termometro sta alla febbre. Il problema è la febbre, non il termometro. Dalla febbre si guarisce con una dieta appropriata e medicine efficaci. Non mi risulta che si guarisca cambiando il termometro. Anche per quella sorta di «febbre» linguistica rappresentata dall’ignoranza del tedesco vale, in fondo, lo stesso discorso. Per guarirla esiste, da sempre, una sola cura efficace: lo studio. Dopo di che tutti i patentini-termometro (purché funzionino in modo corretto) vanno bene.

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Ungeprüfte Zweisprachigkeit?

von Verena Frei und Diego Poggio*

Nur weil in Südtirol zwei Sprachen gesprochen werden, heißt das noch lange nicht, dass jeder sie beherrscht. Wer beispielsweise beim Land arbeiten will, muss die Kenntnis der beiden Sprachen belegen. Bisher musste dafür der berühmt-berüchtigte amtliche Zweisprachigkeitsnachweis erworben werden: eine schriftliche und mündliche Prüfung in den beiden Landessprachen, nach deren Bestehen man ein Leben lang von sich behaupten konnte, zweisprachig zu sein.

Da es jedoch nicht ganz EU-konform war, dass das Land die Monopolstellung zum Erstellen dieses Attestates hatte, musste man sich Alternativen überlegen.
Am Dienstag, dem 29. Juni 2010, trat nun die Neuregelung bezüglich des Nachweises der Zweisprachigkeit in Kraft. Nun werden auch deutsche und italienische Sprachzertifikate als gleichwertig anerkannt. Es wird in Zukunft also so ausschauen, dass man nicht nur mehr mit dem amtlichen Zweisprachigkeitsnachweis seine Zweisprachigkeit belegen kann, sondern auch mit jenen Zertifikaten, die dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen entsprechen. Diese werden auf deutscher Seite beispielsweise vom Goethe-Institut und für Italienisch von der Società  Dante Alighieri vergeben. Die darin vorgesehenen Studen A2, B1, B2 und C1 entsprechen den Zweisprachigkeits-Laufbahnen D, C, B und A. Bescheinigungen über den Besuch von Sprachkursen und anderweitig ausgestellte Sprachzeugnisse werden nicht anerkannt. Erhält jemand ein solches Diplom nur in einer der beiden Sprachen, muss er immer noch eine Prüfung in der jeweils anderen Sprache bestehen, um den Zweisprachigkeitsnachweis zu erlangen, unabhängig davon, ob es sich um seine Muttersprache handelt oder nicht. Wie auch beim bisherigen Zweisprachigkeitsnachweis muss man belegen, die eigene Sprache zu beherrschen, was in einem Land, in dem Dialekt gesprochen wird, ja nicht immer der Fall ist.

Außerdem — und das ist die zweite Alternative zur herkömmlichen Zweisprachigkeitsprüfung A — ist die Kombination aus dem Abschluss einer Oberschule in der einen und dem Abschluss eines Uni-Studiums in der jeweils anderen Sprache gültig, um automatisch, also ohne zusätzliche Prüfung, in den Genuss des Zweisprachigkeitsnachweises A (bzw. C1 des Europäischen Referenzrahmens) zu kommen.

Von dieser neuen Maßnahme sind freilich viele Südtiroler Studierende betroffen: Dazu gehören all jene, die eine deutsche Matura haben und ihr Hochschulstudium in Italien fortsetzen, aber auch all jene, die aus einer italienischen Oberschule kommen und in Innsbruck oder Wien ein Studium absolvieren. Voraussetzung für die Erlangung dieses Diploms ist, dass das Uni-Studium vorwiegend in deutscher oder italienischer Sprache absolviert worden ist. Das heißt auch, dass etwa das mehrsprachige Studium an der Uni Bozen oder jenes an der Claudiana nicht als Sprachnachweis anerkannt wird.

Ein größeres, noch zu bewältigendes Problem dürfte allerdings jenes für Maturanten sein, die zwar deutscher oder italienischer Muttersprache sind, aber aus freien oder zwingenden Gründen ihre Matura an einer Oberschule der anderen Sprache ablegen. Dies ist im Besonderen beim folgenden Fall kritisch zu betrachten: In Bozen gibt es das “Istituto Walther”, eine private Schule, in der ein Deutschsprachiger in der vierten Oberschulstufe einsteigen kann und nach erfolgreicher Maturaprüfung ein italienisches Diplom ausgestellt bekommt. Nun nehmen wir an, geht dieser deutschsprachige Maturant mit diesem italienischen Maturadiplom nach Österreich zum Studieren. Nach abgeschlossenem Studium und Rückkehr nach Südtirol bekommt dieser automatisch den Zweisprachigkeitsnachweis A ausgestellt — für die höchste Ebene also. Das Bedenkliche an dieser Sache ist, dass dieser Student in seiner schulischen Karriere nur ein Jahr italienischen Unterricht hatte und dafür den höchsten Zweisprachigkeitsnachweis bekommt.

Ein ähnlich problematischer Fall ergibt sich, wenn beispielsweise jemand in Österreich studiert hat und dann einen einjährigen Master in Italien besucht. Außerdem stellt sich die Frage der Unterrichtssprache an einer Uni, nämlich ob es legitim ist, einem Mathematikabsolventen, der freilich — sprachlich gesehen — nicht sonderlich fit sein muss, um sein Studium zu beenden, einen Zweisprachigkeitsnachweis A auszustellen.

*) die Autoren sind Mitarbeiter der Südtiroler HochschülerInnenschaft.

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Bilinguismo sconFitto.

Il ministro per gli affari regionali, che esige la reitalianizzazione delle montagne sudtirolesi, ufficialmente lo fa in nome del bilinguismo. In realtà del bilinguismo e delle minoranze se ne frega altamente, e se potesse, probabilmente, reintrodurrebbe il prontuario come unica fonte di verità. Lo deduco da alcune sue scandalose dichiarazioni che ha rilasciato al quotidiano Libero in riferimento alla situazione della lingua friulana (ed. 27.09.2009):

La Legge 15 dicembre 1999, n.482, “Norme in materia di tutela delle minoranze linguistiche storiche”, infatti, ha incluso fra le lingue minoritarie presenti in Italia anche il friulano e il sardo, che non rappresentano evidentemente delle minoranze, ma delle comunità regionali o locali come tutti i dialetti italiani. È stata una forzatura legislativa di cui a distanza di tempo si sono viste tutte le conseguenze. L’ultima, e la più grave, è data dal contenzioso in atto tra il Friuli e lo Stato italiano, che nel febbraio 2008 ha impugnato la legge regionale sulla “lingua friulana”. Le norme contestate – ha reso noto il ministero degli Affari regionali – «oltre ad apparire in contrasto con numerosi principi costituzionali, esorbitano dall’oggetto della legge, la tutela della lingua friulana, e prefigurano un regime di sostanziale bilinguismo e, per taluni aspetti, di esclusività  della lingua friulana».

Purtroppo per lui la situazione legale in Sudtirolo gli consente solamente la reintroduzione di invenzioni fasciste fino all’ultimo maso, ma non l’abolizione del «sostanziale bilinguismo». In ogni caso per analogia col friulano considera il ladino un dialetto dell’italiano. Per un ministro agli affari regionali non c’è proprio male.

Ripreso da: Noeles.
Vedi anche:

Discriminaziun Medien Minderheitenschutz Ortsnamen Plurilinguismo Politik | Zitać | | Noeles.info | Friaul-Friûl Ladinia Südtirol/o | PDL&Co. | Italiano

Grober kulturpolitischer Unfug.
CAI will alle Wege mit Tolomei-Namen beschildern.

von Thomas Benedikter*

Soll Tolomei einen späten Triumph erhalten, indem flächendeckend alle Wegschilder des AVS zweinamig gefasst werden müssen? Oder sollen zumindest die Wanderer und Bergsteiger vom Unfug der Tolomeischen Fantasienamen verschont bleiben? Jahrzehntelang haben sich weder die italienischen Mitbürger noch die Urlaubsgäste an den einnamigen Wegweisern gestoßen. Erst die Digitalisierung der Wanderrouten durch den AVS hat der italienischen Rechten den Anlass geliefert, einen Angriff gegen dieses Refugium gewachsener Ortsnamen zu starten. Statt Tolomeis Prontuario im öffentlichen Gebrauch aufs unvermeidliche Minimum zu reduzieren, statt eine Lösung im Einklang mit internationalen Standards des Minderheitenschutzes bei der Ortsnamengebung zu suchen, soll das Tolomei-Erbe bis aufs letzte Hinweisschild im hintersten Bergtal ausgedehnt werden, obwohl fast kein Italiener diese Namen kennt oder jemals verwendet hat. Sogar ein Ultimatum meinte Regionenminister Fitto dafür setzen zu müssen: eine Revanche der italienischen Rechten gegen die langjährigen Bestrebungen der Südtiroler, zumindest einen Teil der Tolomei-Namen ins Kuriositätenfach der Geschichte zu entsorgen? Dazu kommen konnte es freilich nur, weil das Land die Materie seit Jahrzehnten vor sich herschiebt und nicht in der Lage war, durch ein klares Landesgesetz den vom Autonomiestatut erlaubten Spielraum vor dem Verfassungsgericht auszuloten.

Dabei könnten einnamige Wegschilder, versehen mit den italienischen geografischen Bezeichnungen (Berg, Bach, Alm usw.), Teil der Südtiroler kollektiven Erinnerung sein. Die AVS-Schilder erinnern die italienischen Gäste und Mitbürger daran, dass hier die allermeisten Flur- und Ortsnamen einnamig deutsch oder ladinisch waren, bis es einem Roveretaner Fanatiker eingefallen ist, sich am Schreibtisch 8000 Namen aus den Fingern zu saugen und per Dekret Mussolinis einem ganzen Land aufzustempeln. Es war ein Projekt der kulturellen Kolonisierung und wird der deutschen Sprachgruppe als solches in Erinnerung bleiben. Wie die nicht durch Kontextinformationen relativierten faschistischen Denkmäler sind sie ein penetrant störendes Element im Zusammenleben der Sprachgruppen. Ein sprachgruppenübergreifender Widerstand gegen den Tolomei-Unfug aus Einsicht in die Revidierbarkeit einer kulturpolitischen Aggression der Vergangenheit ist in Südtirol nie entstanden, doch auch eine Kompromisslösung etwa im Sinne der Prozentlösung der fünf Vereine oder des Durnwalder-Vorschlags zur Regelung der Mikrotoponomastik auf Gemeindeebene wird nicht ohne deutlicheres Engagement gelingen.

Dass die italienische Rechte und PDL-Minister diese Linie fahren, kann niemanden überraschen, bietet doch der Symbolgehalt von Namen und Denkmälern den klassischen Stoff für nationalistische Stimmungsmache. Dass sich der CAI für 7000 solcher Namen stark macht, ist aber wenig angetan, die Stimmung zwischen deutsch- und italienischsprachigen Bergfreunden zu verbessern. Traurig schließlich, dass die Grünen und der PD sich für das Ansinnen der Durch-Tolomeisierung der Landschaft hergeben. Die Grünen müssen sich fragen, ob solche Positionen mit der Tatsache in Zusammenhang stehen, dass es landesweit nur mehr 20 grüne Gemeinderäte gibt. Der PD, offensichtlich gefangen in der italienischen Wahlarithmetik, glaubt, dass jegliches Nachgeben bei den Ortsnamen als Kniefall gegenüber der deutschen Sprachgruppe ausgegeben wird und nicht als Akt kulturpolitischer Vernunft. Um keine Stimmen zu riskieren, lässt man sich die Position von der italienischen Rechten diktieren. Für die italienische “società  civile” Südtirols bleibt es ein Armutszeugnis, die Tolomei-Namen auf allen Wegweisern im Land durchsetzen zu wollen. Diesen kulturpolitischen Unfug einzudämmen wäre ein wichtiger Schritt zur gemeinsamen Beheimatung der Sprachgruppen in diesem Land, nicht seine Ausweitung und Perpetuierung.

*) Thomas Benedikter ist Wirtschafts- und Sozialforscher in Bozen. Er ist u. a. Autor von »Autonomien der Welt« (Athesia, Bozen 2007) und »The World’s Working Regional Autonomies« (Anthem, London/Neu-Delhi 2007).

PS: Sollten, wie der HGV dies vorschlägt, auf den künftigen Wegschildern auch englische geografisch-technische Bezeichnung Platz finden, wäre ich absolut für die Ergänzung mit chinesischen Bezeichnungen. Wie kann man es bloß den Angehörigen dieser großen Kulturnation, zahlreiche und zahlungskräftige Touristen der Zukunft, zumuten, “Tal”, “Alm” und “Berg” in einer Fremdsprache lesen zu müssen?

Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins ff erschienen.

Kunst+Cultura Ortsnamen Plurilinguismo Politik | Italianizzazione | Ettore Tolomei Luis Durnwalder Thomas Benedikter | | Südtirol/o | AVS CAI PD&Co. PDL&Co. Vërc Verfassungsgericht | Deutsch

Gleichberechtigung? Nicht zumutbar.

Herr Roland Lang hat mir einen sehr aufschlussreichen Briefwechsel zwischen ihm und »unserem« Europaabgeordneten Herbert Dorfmann zukommen lassen, in dem es um die Gleichberechtigung der deutschen und der italienischen Sprache in der Produktetikettierung geht. hat schon mehrmals bemängelt, dass Sprachrechte als Teil des Konsumentenschutzes hierzulande — auch im Vergleich zu anderen Regionen (Katalonien, Tessin…) — völlig vernachlässigt wurden. Nun erfahren wir aus dem Munde des Europaabgeordneten, dass er darin nicht im entferntesten ein Problem erkennen mag; in einer haarsträubenden Stellungnahme rechtfertigt er dies mit Argumenten, die das Recht auf Gebrauch der Muttersprache generell ad absurdum führen.

Jene Partei, die uns das heutige Autonomiemodell als endgültige und beste Lösung verkauft sieht also keinen Handlungsbedarf, wenn es um die Gleichberechtigung der Sprachen in Südtirol geht.

Roland Lang > Herbert Dorfmann am 27. Juni:

Sehr geehrter Herr EU Abg. Dr. Herbert Dorfmann

Bezugnehmend auf Ihr Interview in der Südtiroler Tageszeitung vom 23.6.2010 “Angst um Nutella” haben Sie laut Tageszeitung u.a. auch folgendes bemerkt:
“Es ist mein Recht zu wissen, was in den Lebensmitteln alles enthalten ist”. Ebenso steht im Artikel “Dorfmann spricht sich für eine informativere Etikettierung aus.”
Als Endverbraucher von Lebensmitteln muss ich Ihnen dazu vollkommen Recht geben und danke Ihnen für Ihren Einsatz dafür.
Allerdings würde das Recht, zu wissen, was in den Lebensmitteln drinnen ist sowie eine “informativere Etikettierung” von Lebensmitteln in Südtirol auch die zweisprachige Etikettierung (Deutsch und Italienisch) voraussetzen. Besonders für die immer zahlreicheren Allergiker! Diese Angelegenheit wurde von der EU eigentlich bereits in folgendem Rechtsakt der EU berücksichtigt:

Laut Rechtsakt und Richtlinie 2000/ 13/ EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 20. September 2000 befindet der letzte Passus:

“VERWENDUNG DER SPRACHEN FÜR DIE ETIKETTIERUNG

Am 10. November 1993 hat die Kommission eine Mitteilung über die Verwendung der Sprachen beim Inverkehrbringen von Lebensmitteln (Auslegung der Rechtsvorschriften) im Anschluss an das Urteil “Peeters” genehmigt [KOM(93) 532 endg. – Amtsblatt C 345 vom 23.12.1993].
In dieser Mitteilung weist die Kommission darauf hin, dass die Etikettierung von Lebensmitteln, die ohne Weiterverarbeitung an Letztverbraucher verkauft werden, in einer leicht verständlichen Sprache abzufassen ist; dies ist/sind im Allgemeinen die Amtssprache(n) des Landes, in dem der Verkauf erfolgt. Allerdings dürfen Ausdrücke in einer Fremdsprache, die für den Käufer leicht verständlich sind, verwendet werden.”

Da in Südtirol -Autonome Provinz Bozen- deutsch und italienisch gemäß Autonomiestatut Amtssprachen sind, muss die Richtlinie 200/ 13/ EG wohl dahingehend verstanden werden, dass die Etikettierung von Lebensmittel für den Letztverbraucher sowohl in italienischer wie deutscher Sprache erfolgen muss.

Sehr geehrter Herr EU Abg. Dr. Dorfmann, ich möchte Sie ersuchen, in dieser Angelegenheit aktiv zu werden. Es wäre auch ein Beitrag zum friedlichen Zusammenleben, wenn die Hausfrau deutscher Muttersprache ebenso wie ihre Italienische [sic] die Tabellen über die Brennwerte, die Kalorien und eine klare Auflistung der Inhaltsstoffe in ihrer Muttersprache lesen könnte. Ganz im Sinne der Gleichbehandlung der Volksgruppen in Südtirol.

Bitte informieren Sie mich, welche Schritte Sie in dieser Angelegenheit unternehmen werden!

Mit freundlichen Grüßen

Roland Lang

Terlan/ Südtirol

Herbert Dorfmann > Roland Lang am 29. Juni:

Sehr geehrter Herr Lang,

danke für Ihr Mail. Nun ja, ich teile Ihre Bemerkungen nur teilweise.

Lebensmittelhersteller verpacken ihre Lebensmittel so, dass sie diese mit der gleichen Verpackung in einem möglichst großen Gebiet verkaufen können. Es ist zwar alles schön und recht, aber es erscheint mir höchst unwahrscheinlich, dass internationale Hersteller, und um solche handelt es sich in den allermeisten Fällen, Lebensmittelverpackungen eigens für Südtirol herstellen. Stellen Sie sich einmal vor, ein Hersteller wie beispielsweise Loacker müsste bei der Etikettierung seiner Waffeln alle Sprachsituationen in Europa berücksichtigen…

Die Hersteller machen es sich entsprechend (und verständlicherweise) einfach: sie drucken ihre Hinweise in möglichst vielen Sprachen auf die Packungen, um in möglichst vielen Ländern mit der gleichen Verpackung verkaufen zu können. Kontollieren Sie deshalb einmal die Verpackungen in Südtirol: sie werden auf sehr vielen Verpackungen Angaben in dt, it, en und fr finden. Die genau gleiche Verpackung finden sie dann in Innsbruck, in München, in London oder in Paris.

Insofern unterscheidet sich die Lebensmittelkennzeichnung maßgeblich von der Kennzeichnung von Arzneimitteln, wo der Text auf den Beipackzetteln, auch aufgrund der Länge des Textes, meistens nur in einer Sprache, bei uns meistens in Italiensch abgedruckt ist. Dort bin ich übrigens dabei, hier im EP eine Regelung zu erreichen, damit die Hersteller verpflichtet werden, die Informationen in der Sprache des Käufers zur Verfügung zu stellen, sofern diese eine Amtssprache der EU ist.

Der Einsatz für die deutsche Sprache ist ein Leitthema meiner Arbeit, aber ich denke auch, dass es auch dabei ein bisschen europäischen Geist braucht. Und zum europäischen Geist gehört ganz grundsätzlich die Pflege der eigenen Sprache und das Erlernen anderer Sprachen. In der nun neu zu fassenden Richtlinie über die Lebensmittelkennzeichnung wird geregelt, wie Angaben über Zucker, Salze, Fette und Kohlenhydrate sowie Kalorienangaben zu gestalten sind. Jenseits aller Differenzen sollten wir auch in Südtirol zur Kenntnis nehmen, dass wir in einem Land leben, in dem das Erlernen beider Landessprachen für alle Bürger Teil der Schulpflicht ist. Ich erwarte mir deshalb eigentlich schon, dass alle Südtiroler die Begriffe Zucker, Salz, Fett, Kalorien ecc. in dt und it verstehen. Wenn dem nicht so sein sollte, dann sollten wir ernsthaft überlegen, ob der Sprachunterricht seine Pflicht erfüllt.

Auch diesbezüglich befinden wir uns übrigens auf einem vollkommen anderen Terrain wie bei Beipackzetteln, wo der Text oft kompliziert und schon in der Muttersprache schwer verständlich ist und übrigens das Nicht – Verstehen auch gefährlich sein kann.

Für mich geht also die in der Verordnung festgelegte Diktion in Ordnung, dass die Angaben in einer Amtssprache der Union sein müssen, von der man annehmen kann, dass die Konsumenten diese verstehen.

Für weitere Informationen stehe ich zu Ihrer Verfügung.

Herbert Dorfmann

  • Bestürzend ist, dass die Zweisprachigkeit (der Bürger) als Begründung herhalten muss, den Sprachen gleiche Würde und gleiche Rechte in Abrede zu stellen. Dies geschieht außerdem in einer Weise, dass der Staatssprache einseitig die Rolle als lingua franca im Privatsektor zuerkannt wird. Bürger italienischer Sprache haben das gesetzlich garantierte Recht, alle Informationen in ihrer Sprache zu erhalten, Deutschsprachige haben nur die Pflicht, die andere Sprache zu verstehen und zu sprechen. Mit ebendiesem Argument könnte man das Recht auf Zweisprachigkeit auch im öffentlichen Sektor auf wenige sensible Bereiche zurückstutzen oder aber ganz abschaffen.
  • Dass jedes Produkt, welches aus dem deutschen Sprachraum importiert wird, mühevoll italienisch nachetikettiert werden muss, stellt für den Europaabgeordneten folgerichtig kein Problem, sondern die Normalität dar.
  • Der Konsumentenschutz liegt Herrn Dorfmanns Denkweise völlig fern. Vorrangig sind nicht die Rechte des Bürges, sondern was man den Konzernen zumuten kann. Damit, dass Unternehmen in Kleinstaaten mit eigener Sprache (Island, Estland…) sehr wohl die Staatssprache benutzen, dass sie in der Schweiz mehrsprachig etikettieren, dass Katalonien mit eigenen Gesetzen für die Gleichberechtigung der Amtssprachen sorgt, hat sich der Europaabgeordnete offensichtlich noch nie auseinandergesetzt.
  • Dass man die Gleichberechtigung zumindest in der Form herstellen könnte (und müsste), dass außer einsprachig italienischen auch einsprachig deutsche Beschriftungen erlaubt werden — was Rechte und Pflichten beider Sprachgruppen angleichen würde — zieht der MEP nicht in Erwägung.

Siehe auch:

Minderheitenschutz Plurilinguismo Politik Verbraucherinnen Vorzeigeautonomie | Packungsbeilagen Produktetikettierung Zitać | Herbert Dorfmann | | Catalunya Europa Südtirol/o Ticino | EU SVP | Deutsch

Großer »Wanderweg«.

Weil ein privater Verein auf großteils privaten Wanderwegen nicht zweisprachig und — vor allem! — zweinamig beschildert hat, haben sich mit großem Trara zuerst der Präfekt, dann die Staatsanwaltschaft und zuletzt noch die Zentralregierung eingeschaltet. Währenddessen kümmert es anscheinend niemanden, dass die Zweisprachigkeit auf der wichtigsten Verkehrsader Südtirols teils grob vernachlässigt wird — obwohl es sich um eine öffentliche Infrastruktur handelt, an deren Verwaltung Südtirol (Land, Gemeinden Bozen und Meran…) auch noch direkt und maßgeblich beteiligt ist. Seit kurzem ist auch der Präsident der A22 wieder ein Südtiroler.

Hier sind es weniger die Ortsnamen, sondern vor allem funktionale, teilweise sicherheitsrelevante Hinweise, die unübersetzt bleiben.

Galerie (Bildbeschreibungen beachten):

 Siehe auch:

Mobilität Ortsnamen Plurilinguismo Recherche Sprachpfusch Verbraucherinnen | | | | Südtirol/o | A22 | Deutsch

Post: Zweinamigkeit.

PosteItaliane.Vor einigen Jahren wurde die italienische Post pro forma privatisiert. Das Unternehmen gehört zu 65% dem Wirtschaftsministerium und zu 35% der Cassa Depositi e Prestiti, die ihrerseits zu 70% vom Wirtschaftsministerium kontrolliert wird. Seitdem heißt die Post nicht mehr Post, sondern auch in Südtirol einheitlich Posteitaliane — das sei ein Firmenname, und Namen seien nicht übersetzbar, so das Totschlagargument. Kein römisches Ministerium, kein Staatsanwalt, kein Präfekt hat sich je daran gestoßen, obwohl diese Erklärung im speziellen Fall (anders, als bei Toponymen) sehr fadenscheinig ist.

Ortsnamen Plurilinguismo Postdienst Recht Wirtschaft+Finanzen | | | | Südtirol/o | | Deutsch

Gebärdensprachgesetz.

Das katalanische Parlament hat gestern einstimmig ein eigenes Gebärdensprachengesetz (Llei de la Llengua de Signes Catalana – LSC) verabschiedet, das »der katalanischen Gebärdensprache den Wert gibt, der ihr zusteht und ihr den Status einer Sprache mit einem eigenen linguistischen System verleiht«, wie der Vizepräsident der Generalitat, Josep-Lluí­s Carod-Rovira (ERC) betonte. »Die katalanische Gebärdensprache ist eine der Sprachen Kataloniens und heute geben wir ihr in diesem Parlament — durch die institutionelle Anerkennung — jene Würde, die sie verdient.«

Es handelt sich um eine Sprachnorm, weilche den Sprachgebrauch, die Lehrvoraussetzungen, die Erlernung, die Forschung und die Übersetzung dieser Sprache regelt und außerdem einen eigenen Universitätstitel als Simultanübersetzer an katalanischen Fakultäten erschafft. Das Gesetz wird den rund 25.000 katalanischen Tauben und Taubstummen zugute kommen. So haben an der Plenarsitzung des Parlaments rund einhundert Vertreter von Vereinen und betroffenen Berufsgruppen teilgenommen, welche zum Teil auch aktiv an der Ausarbeitung der Norm beteiligt waren.

Laut Carod-Rovira wurde mit diesem Gesetz »soziale Gerechtigkeit geschaffen«. Das Gesetz, das die bereits seit Jahren existierende, benutzte und anerkannte katalanische Gebärdensprache regelt und fördert, mache aus Katalonien »einen Vorreiter neben Ländern wie Finnland und Schweden«.

Es ist immer wieder erstaunlich, in welche Sphären die Katalaninnen mit ihrer ausgezeichneten Sprachpolitik vordringen, während diesbezügliches Interesse in Südtirol häufig noch immer als Chauvinismus oder Spinnerei abgetan wird.

Solange — um ein Beispiel zu nennen — die meisten Post-Vordrucke nur einsprachig abgefasst sind, braucht man sich erst gar nicht zu fragen, in welcher Sprache die Blinden-Informationen in den Postämtern abgefasst sind.

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