{"id":101687,"date":"2026-09-30T14:35:57","date_gmt":"2026-09-30T12:35:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=101687"},"modified":"2026-09-30T19:35:42","modified_gmt":"2026-09-30T17:35:42","slug":"sprachen-in-der-eu-ein-interview-mit-herbert-dorfmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=101687","title":{"rendered":"Sprachen in der EU, ein Interview mit Herbert Dorfmann."},"content":{"rendered":"<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 15px; border: none; margin-top: 0em; background-color: darkred;\"\/><\/div><p><em>Der S\u00fcdtiroler EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann (<abbr title=\"S\u00fcdtiroler Volkspartei\">SVP<\/abbr>) begehrt, zu dem Beitrag <a title=\"Spanien macht Minderheitensprachen zur Bedingung f\u00fcr EU-Erweiterung.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=101497\">\u00bbSpanien macht Minderheitensprachen zur Bedingung f\u00fcr EU-Erweiterung\u00ab<\/a> Stellung zu beziehen. Ein Interview.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wolfgang Mayr: Die spanische Regierung fordert die <abbr title=\"Europ\u00e4ische Union\">EU<\/abbr> auf, Baskisch, Galicisch und Katalanisch als Amtssprachen anzuerkennen. Was ist dagegen einzuwenden?<\/strong><\/p>\n<p>Herbert Dorfmann: Dagegen ist grunds\u00e4tzlich nichts einzuwenden. Im Gegenteil, ich bin \u00fcberzeugt, dass es wichtig ist, Regionalsprachen wie Baskisch, Galicisch oder Katalanisch, aber auch andere Regional- und Minderheitensprachen in der Europ\u00e4ischen Union zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>WM: Die S\u00e1nchez-Regierung koppelt ihre Forderung an die Ank\u00fcndigung, die Aufnahme neuer EU-Mitglieder zu blockieren, bevor die oben zitierte Sprachenfrage nicht gel\u00f6st wird. Sie sagen, das geht gar nicht. Warum denn nicht?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Diese Forderung der spanischen Regierung zeigt, zu welchen absurden Auswirkungen das Einstimmigkeitsprinzip auf EU-Ebene f\u00fchren kann. Wenn Beitrittskandidaten, wie beispielsweise Montenegro, alle Voraussetzungen erf\u00fcllt haben, um Mitglied der Europ\u00e4ischen Union zu werden, dann haben wir im Europ\u00e4ischen Parlament und die Staaten im Rat mit der Abstimmung doch zu entscheiden, ob dem so ist und die Aufnahme passieren kann.<\/p>\n<p>Und es kann nicht sein, dass die Aufnahme eines neuen Staates blockiert wird, weil ein Mitgliedstaat etwas durchsetzen will. Damit schafft man ein Erpressungspotenzial, das leider die EU als Ganzes sehr oft l\u00e4hmt.<\/p>\n<p><strong>WM: Die spanische Regierung wird von katalanischen, baskischen und galicischen Parteien unterst\u00fctzt. Im Gegenzug sollte die Regierung daf\u00fcr sorgen, dass die drei Regionalsprachen \u2014 die in Spanien als \u00bbkooffizielle\u00ab Sprachen gelten \u2014 EU-Amtssprachen werden. Vor drei Jahren deponierte die S\u00e1nchez-Regierung diese Forderung in Br\u00fcssel. Passiert ist bisher nichts. Wer blockt?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Es ist klar, dass diese Frage vor allem ein innenpolitisches Thema in Spanien ist. Die S\u00e1nchez-Regierung braucht die Zustimmung der Regionalparteien f\u00fcr die Regierungsmehrheit, und f\u00fcr diese Regionalparteien ist der Gebrauch der Sprache ein wichtiges Thema. Das ist auch durchaus legitim.<\/p>\n<p>In Br\u00fcssel gibt es derzeit keinen Fortschritt im Rat. Ich denke, dass man sich durchaus einmal Gedanken dar\u00fcber machen sollte, wie man mit der Sprachenvielfalt insgesamt umgeht. Dies auch, weil mit der Erweiterung der Union ja einige weitere Sprachen dazukommen werden.<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00e4re es m\u00f6glich, sich zu \u00fcberlegen, wo der Gebrauch von wenig gesprochenen Sprachen einen wirklichen Mehrwert ergibt, weil es einen Kontakt zur breiten \u00d6ffentlichkeit gibt \u2014 zum Beispiel bei gestreamten Sitzungen oder bei der Publikation von Rechtsakten \u2014 und wo auf eine \u00dcbersetzung in alle Amtssprachen auch verzichtet werden kann.<\/p>\n<p>Da denke ich vor allem an jene Arbeitsunterlagen, die haupts\u00e4chlich im Parlament oder im Rat bleiben oder h\u00f6chstens von Experten gelesen werden, wie beispielsweise die Tausenden von Ab\u00e4nderungsantr\u00e4gen zu jedem Dossier.<\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnte man das Ganze verschlanken, und die Aufnahme neuer Sprachen w\u00e4re auch kein gr\u00f6\u00dferes Problem.<\/p>\n<p><strong>WM: <\/strong><strong>Die EU versteht sich als eine Union, die \u00bbin Vielfalt geeint\u00ab ist. Mit Vielfalt sind aber wohl nur die offiziellen Sprachen der Nationalstaaten gemeint, oder?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Das \u00bbIn Vielfalt geeint\u00ab bezieht sich sicher auch auf die vielen Sprachen in der Europ\u00e4ischen Union. Aber ich glaube, dieser Begriff geht weiter. Mit Vielfalt meinen wir auch die verschiedenen Kulturen, die verschiedenen V\u00f6lker und nat\u00fcrlich deren Sprachen in Europa.<\/p>\n<p><strong>WM: Der S\u00fcdtiroler Wissenschaftler Paul Videsott legte interessierten Europaparlamentariern ein Memorandum \u00fcber den Zustand der Minderheitensprachen vor. Fakt ist, es findet ein minorit\u00e4res Sprachensterben statt. Das scheint f\u00fcr die EU aber kein Thema zu sein. Warum denn nicht?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Da hat Professor Paul Videsott sehr recht, und ich selbst habe immer wieder auch im Parlament auf diese Situation hingewiesen.<\/p>\n<p>Das Sprachensterben betrifft sicher auch die Regionalsprachen, vor allem aber die kleinen, wenig gesprochenen Minderheitensprachen. Wenn man f\u00fcr eine Sprache nichts tut, geht sie unweigerlich verloren. Und daf\u00fcr gibt es viele Beispiele in Europa.<\/p>\n<p>Leider werden viele Sprachen heute nur mehr von \u00e4lteren Menschen gesprochen, und damit ist deren Aussterben de facto besiegelt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann hier nicht alles die Europ\u00e4ische Union machen. Das ist auch eine Verantwortung der Mitgliedstaaten und der Regionen. Das Ladinische bei uns ist hier ein gutes Beispiel daf\u00fcr. Es lebt in S\u00fcdtirol und im Trentino, wo es unterst\u00fctzt wird, und stirbt im Veneto, wo f\u00fcr die Sprache wenig bis gar nichts getan wird.<\/p>\n<p>Aber die Europ\u00e4ische Union k\u00f6nnte einen Beitrag leisten, denn Sprachen sind ein Kulturgut, genauso wie Kirchen, Baudenkm\u00e4ler, Literatur, Kunst und anderes.<\/p>\n<p>Und wenn wir an unsere kulturelle Vielfalt glauben und sie unterst\u00fctzen wollen, m\u00fcssen wir uns auch alle miteinander \u2014 Europ\u00e4ische Union, Staaten und Regionen \u2014 daf\u00fcr einsetzen, dass das Kulturgut Sprache nicht verloren geht.<\/p>\n<p><strong>WM: Eine Kostenfrage scheint es nicht zu sein. Spanien hat sich bereit erkl\u00e4rt, die mit der Aufnahme der neuen Amtssprachen entstehenden Kosten vollst\u00e4ndig und dauerhaft zu tragen. Aus der Erfahrung mit der Einf\u00fchrung des Irischen hatte die Kommission eine vorl\u00e4ufige Sch\u00e4tzung ver\u00f6ffentlicht, die sich auf eine \u00fcberschaubare Summe von rund 44 Millionen Euro pro Jahr und Sprache bel\u00e4uft. Also warum das Bocken?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Das Ganze ist ja nicht unbedingt eine Frage im Europ\u00e4ischen Parlament, und wir bocken im Europ\u00e4ischen Parlament auch nicht. Die Frage h\u00e4ngt derzeit im Rat, also bei den Mitgliedstaaten.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht unbedingt, dass es um das Geld geht. Vielmehr gibt es nat\u00fcrlich Staaten in Europa, Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union, die sich seit Jahren oder seit Jahrzehnten konsequent wehren, ihre eigenen Regionalsprachen zu unterst\u00fctzen, und deshalb bef\u00fcrchten, dass ein solcher Schritt zu Forderungen im eigenen Land f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich denke da zum Beispiel an das Korsische in Frankreich.<\/p>\n<p>Ich denke aber, dass es dem Rat schon auch darum geht, zu definieren, wo dann eine Grenze liegt oder nach welchen Kriterien Regionalsprachen zu Amtssprachen der Union werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heute gibt es bereits 24 Amtssprachen. Mit der Erweiterung n\u00e4hert man sich 30 Sprachen. Und es stellt sich nat\u00fcrlich schon auch die legitime Frage, wie komplex der Umgang mit den Sprachen dann wird.<\/p>\n<p>Man muss ja bedenken: Bei einer neuen Amtssprache geht es nicht nur darum, dass Kosten entstehen, sondern das Ganze wird nat\u00fcrlich auch sehr viel komplexer.<\/p>\n<p><strong>WM: Der spanische Au\u00dfenminister Jos\u00e9 Manuel Albares kritisierte seinen italienischen Amtskollegen Antonio Tajani von <em>Forza Italia<\/em> \u2014 und Freund der SVP \u2014 w\u00f6rtlich als einen der \u00bbmaximalen Bremskl\u00f6tze\u00ab bei der Anerkennung von Baskisch, Galicisch und Katalanisch. Wie begr\u00fcndet Tajani seinen Widerstand?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Ich habe nie mit Antonio Tajani dar\u00fcber gesprochen, und da m\u00fcssen Sie eher ihn selbst fragen, was er von diesem Vorschlag h\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>WM: Faktisch haben die drei Sprachen seit Jahren schon eine eingeschr\u00e4nkte institutionelle Pr\u00e4senz auf EU-Ebene, da sie aufgrund von Verwaltungsvereinbarungen mit Spanien in einigen EU-Institutionen verwendet werden und auch bereits \u00dcbersetzungen von Vertr\u00e4gen und Teilen der Gesetzgebung vorliegen. Warum das Nichtstun?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Wenn eine Sprache eine Amtssprache der Europ\u00e4ischen Union ist, dann sind damit klare Verpflichtungen auf EU-Ebene verbunden. Das hei\u00dft, alles, was im Parlament und im Rat produziert wird, jeder Ab\u00e4nderungsantrag, jede Vereinbarung, muss in alle Amtssprachen \u00fcbersetzt werden.<\/p>\n<p>Jede Ver\u00f6ffentlichung muss in allen Amtssprachen der Europ\u00e4ischen Union erfolgen. Jede Sitzung wird in die Amtssprachen der Europ\u00e4ischen Union verdolmetscht.<\/p>\n<p>Also noch einmal: Vielleicht kann man sich \u00fcberlegen, was hier wirklich sinnvoll und f\u00fcr die Sprache hilfreich ist und was nur Kosten produziert, ohne damit der Sprache zu helfen. Dieser Debatte m\u00fcsste man sich stellen, und das w\u00e4re zugunsten der Sprachenvielfalt in Europa.<\/p>\n<p><strong>WM: Spanien sperrt sich nicht prinzipiell gegen Neuaufnahmen, sondern es geht darum zu verhindern, dass im Zuge der Erweiterung neue Staatssprachen automatisch zum EU-Sprachenregime dazukommen, w\u00e4hrend Baskisch, Galicisch und Katalanisch auf der Strecke bleiben. Klingt doch logisch?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Wenn neue Staaten in die Europ\u00e4ische Union aufgenommen werden, dann haben die Amtssprachen dieser Staaten nat\u00fcrlich das Recht, Amtssprachen der Europ\u00e4ischen Union zu werden. Das ist bisher immer so gewesen, und es w\u00e4re doch auch absurd, wenn dem nicht so w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>WM: F\u00fcr Minderheiten in Europa hat das Engagement der spanischen Regierung eine wichtige Bedeutung. Wenn die Initiative Erfolg h\u00e4tte, w\u00fcrde die EU zum ersten Mal eine institutionelle Gleichstellung von Sprachen anerkennen, deren Status sich nicht davon ableitet, dass sie die Staatssprachen eines Mitgliedslandes sind. Das w\u00e4re doch angesichts des Sprachensterbens ein starkes Signal?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Nat\u00fcrlich, deswegen ist die Debatte auch wichtig und richtig, wobei man schon auch sagen muss: Das Sprachensterben betrifft derzeit nicht die gro\u00dfen Regionalsprachen, wie etwa Katalanisch, sondern betrifft leider vor allem die kleinen Sprachen.<\/p>\n<p>Dort braucht es ein Engagement der Union oder eine Finanzierung der Union f\u00fcr diese Sprachen.<\/p>\n<p><strong>WM: Bei diesem Streit geht es doch auch darum, die EU als \u00bbClub der Nationalstaaten\u00ab tats\u00e4chlich zu einer Union in Vielfalt umzubauen. Ist das nicht auch ein Ziel der SVP, Stichwort Europa der Regionen?<\/strong><\/p>\n<p>HD: Wir als <em>S\u00fcdtiroler Volkspartei<\/em> haben die Sprachenvielfalt nat\u00fcrlich immer unterst\u00fctzt und waren auch ma\u00dfgebliche Unterst\u00fctzer beim <em>Minority SafePack,<\/em> wo ja genau diese F\u00f6rderung der Minderheitensprachen, der kleinen Sprachen, gefordert wurde.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re dringend notwendig, dass die Europ\u00e4ische Union ein F\u00f6rderprogramm auflegt, das diesen kleinen Sprachen weiterhilft und verhindert, dass sie langsam, aber sicher sterben.<\/p>\n<p>Damit geht kulturelle Vielfalt in Europa verloren.<\/p>\n<!-- Snippets by WebberZone Snippetz --><div class=\"ata_snippets\"><hr style=\"height: 10px;border: none;margin-top: 0px;background-color: darkred\" \/>\r\n\r\n<div style=\"background-color: none;padding: 0px;font-size: 14px;font-family: Helvetica,Arial;margin: 10px 0px 0px 0px\"><span style=\"color: darkred\"><small>I cuntribuc esterns ne spidlea nia for la minonga o la posizion de BBD, nsci coche i\/la aut\u00ebures ne sust\u00ebn nia for i fins de BBD. \u00b7 <\/small><strong><small>Autor:innen- und Gastbeitr\u00e4ge widerspiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder die Position von BBD, so wie die jeweiligen Verfasser:innen nicht notwendigerweise die Ziele von BBD unterst\u00fctzen.<\/small><\/strong><small> \u00b7 I contributi esterni non necessariamente riflettono le opinioni o la posizione di BBD, come a loro volta le autrici\/gli autori non necessariamente condividono gli obiettivi di BBD. \u2014 <a href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?page_id=11356#copyleft\"><strong>\u00a9<\/strong><\/a><\/small><\/span><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der S\u00fcdtiroler EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann (SVP) begehrt, zu dem Beitrag \u00bbSpanien macht Minderheitensprachen zur Bedingung f\u00fcr EU-Erweiterung\u00ab Stellung zu beziehen. 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