{"id":10198,"date":"2012-02-03T14:57:27","date_gmt":"2012-02-03T13:57:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10198"},"modified":"2023-01-08T14:57:02","modified_gmt":"2023-01-08T13:57:02","slug":"liberalisierungen-beispiel-einzelhandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10198","title":{"rendered":"Liberalisierungen: Beispiel Einzelhandel."},"content":{"rendered":"<p>St. Peter in Villn\u00f6\u00df, ein Dorf wie viele in S\u00fcdtirol, verf\u00fcgt \u00fcber einen kleinen Supermarkt, eine B\u00e4ckerei und einen kleinen Elektroladen, wo man zumindest eine Gl\u00fchbirne bekommt. Im Nachbardorf St. Magdalena, am Fu\u00dfe der Villn\u00f6\u00dfer Geisler, bietet ein Betrieb in seinem Supermarkt sogar einen recht gut sortierten Getr\u00e4nkemarkt an. Selbst das 600 EinwohnerInnen z\u00e4hlende Teis, das auch zur Gemeinde Villn\u00f6\u00df geh\u00f6rt, verf\u00fcgt \u00fcber einen Dorfladen wo man das Notwendigste bekommt. Eine Situation wie in vielen anderen Landgemeinden S\u00fcdtirols.<\/p>\n<p>Wird es in S\u00fcdtirol in wenigen Jahren \u00e4hnlich aussehen, wie in bestimmten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, wo Orte mit etlichen Tausend EinwohnerInnen \u00fcber keinerlei Infrastruktur verf\u00fcgen und die Funktion von reinen Schlaforten aus\u00fcben? Zum Einkaufen f\u00e4hrt man dort l\u00e4ngst ins Kaufhaus auf der gr\u00fcnen Wiese.<\/p>\n<p>Wenn es nach dem Liberalisierungsgesetz des neoliberal orientierten Ministerpr\u00e4sidenten Monti geht, dann steht auch S\u00fcdtirol eine Revolution bevor. Mit teils \u00fcberalteten Rezepten aus der Bl\u00fctezeit des Neoliberalismus \u2014 laut Prof. Tappeiner wird im Begleitwerk des Gesetzesvorschlages keine wissenschaftliche Studie zitiert \u2014 soll unter anderem der Bereich Einzelhandel auf den Kopf gestellt werden. In Gewerbegebieten darf demnach in Zukunft ziemlich hemmungslos Einzelhandel betrieben werden. Die Sonntagsruhe wird genauso abgeschafft, wie Warentabellen.<\/p>\n<p>Die italienische Regierung erhofft sich durch die Liberalisierungen einen signifikanten Wirtschaftsaufschwung und f\u00fcr die B\u00fcrgerInnen niedrigere Preise. Die neoliberalen Verhei\u00dfungen treten zwar selten ein, daf\u00fcr besteht f\u00fcr S\u00fcdtirol die konkrete Gefahr von ver\u00f6deten Ortskernen, automobil erschlossenen Einkaufszentren in architektonisch sch\u00e4bigen Gewerbegebieten und wirtschaftliche Konzentrationsprozesse mit einhergehender Oligopolisierung des Angebotes. Die Preise sinken h\u00e4ufig nur in der ersten Phase von Liberalisierungen, nachdem sich einige Oligopole durchsetzen steigen die Preise wieder.<br \/>\nArbeitspl\u00e4tze in Landgemeinden werden vernichtet, die Lebensqualit\u00e4t und soziale Struktur von Landgemeinden verschlechtert sich. Keine sehr nachhaltigen Szenarien. Aber f\u00fcr Nachhaltigkeit haben die neoliberalen Heilsbringer meist wenig \u00fcbrig.<br \/>\nDie Diskussion \u00fcber die Vor- und Nachteile von Liberalisierungen ist die eine Sache \u2014 im Falle von S\u00fcdtirol verschleiert diese Diskussion allerdings recht elegant, dass wir, wie in so vielen Bereichen, die Regeln von Rom diktiert bekommen. Italien richtet seine Wirtschaftsordnung neu aus und S\u00fcdtirol kann im Rahmen der staatlichen Vorgaben bestenfalls korrigierend einwirken. Dies just in dem Moment, wo die st\u00e4rkste Partei des Landes die Vollautonomie zum neuen Ziel erkoren hat.<br \/>\nFakt ist, dass S\u00fcdtirol in den allermeisten Bereichen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Zukunft nicht selbst steuern kann. Daran \u00e4ndert auch die Klausur der Landesregierung wenig. Es bleibt ungewiss, ob es noch gelingen wird, den hemmungslosen <em>laissez faire<\/em> im Einzelhandel zu unterbinden. Schon jetzt sollen sich Dutzende Gro\u00dfbetriebe um Einzelhandelslizenzen in Gewerbegebieten bem\u00fchen.<br \/>\nNach dem Durnwalder&#8217;schen Wildwuchs in der Raumordnungspolitik w\u00fcrde das zentralstaatliche Liberalisierungsdiktat die Zersiedelung von S\u00fcdtirols Kulturlandschaften weiter beschleunigen und in vielen Bereichen eine nachhaltige und \u00f6kologisch vertretbare Entwicklung verunm\u00f6glichen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St. Peter in Villn\u00f6\u00df, ein Dorf wie viele in S\u00fcdtirol, verf\u00fcgt \u00fcber einen kleinen Supermarkt, eine B\u00e4ckerei und einen kleinen Elektroladen, wo man zumindest eine Gl\u00fchbirne bekommt. Im Nachbardorf St. Magdalena, am Fu\u00dfe der Villn\u00f6\u00dfer Geisler, bietet ein Betrieb in seinem Supermarkt sogar einen recht gut sortierten Getr\u00e4nkemarkt an. 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