{"id":10886,"date":"2012-04-18T19:20:03","date_gmt":"2012-04-18T17:20:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10886"},"modified":"2022-12-13T22:21:14","modified_gmt":"2022-12-13T21:21:14","slug":"toponomastikkommission-ii-comparatio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10886","title":{"rendered":"Toponomastikkommission (II): Name \u2260 Sprache."},"content":{"rendered":"<blockquote><p>In einem rechtlich zweisprachigen Gebiet, wo also zwei Sprachen mit gleicher Rechtsstellung nebeneinander stehen, ist es eigentlich klar, dass jede der beiden Sprachen \u00d6rtlichkeiten in ihrem Sprachsystem benennt \u2014 welcher Herkunft diese beiden Namen sind, ob sie einander \u00e4hnlich oder un\u00e4hnlich sind, ob sie eine weit zur\u00fcckreichende Geschichte auf ihrer Seite haben oder rezente Pr\u00e4gungen sind, ist demgegen\u00fcber zweitrangig.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>In der Diskussion wird oft darauf verwiesen, dass es in Europa ja auch Regionen gibt, wo nur die Namenformen der Regionalsprache amtlich sind, nicht jedoch die Formen der jeweiligen Nationalsprache. Konkret: In Spanien sind in Katalonien nur die katalanischen, in Galizien [Galicien, Anm.] nur die galizischen [galicischen] Namenformen amtlich, und man strebt das teilweise auch im Baskenland an. Die Situation ist aber anders als in S\u00fcdtirol: In S\u00fcdtirol ist gerade auf der Landesebene deutsch [sic] und italie\u00adnisch [sic] gleichberechtigt und gleich offiziell, w\u00e4hrend in Katalonien und Galizien [sic] auf Regionalebene die Regionalsprache, also Katalanisch und Galizisch [sic], ein Alleinstellungsmerkmal beansprucht \u2013 das Spanische ist offiziell nur als Sprache des Gesamtstaates anerkannt. So sind alle katalanischen Regionalgesetze nur katalanisch, nicht spanisch, ver\u00f6ffentlicht, und der staatliche Schulunterricht ist inzwischen einsprachig katalanisch, mit Spanisch als Fach wie Englisch oder Deutsch. Das ist mit der Situation in S\u00fcdtirol ja nicht zu vergleichen, wo beide Landessprachen gleichberechtigt nebeneinander stehen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Univ. Prof. Dr. Johannes Kramer (Leiter der F\u00e4chergruppe Romanistik an der Universit\u00e4t Trier, hat bereits des \u00d6fteren mit dem von E. Tolomei gegr\u00fcndeten und von C. A. Mastrelli geleiteten <\/em>Istituto di Studi per l&#8217;A. Adige<em>\u00a0in Florenz zusammengearbeitet). Aus den Protokollen des Sonderausschusses Ortsnamensgebung im S\u00fcdtiroler Landtag, wo Kramer als Experte eingeladen war.<\/em><\/p>\n<p>1. Die sogenannten Regionalsprachen sind in Katalonien und noch deutlicher in Galicien und dem Baskenland kein Alleinstellungsmerkmal. Kastilisch (Spanisch) ist neben Katalanisch, Galicisch oder Baskisch sehr wohl auch laut jeweiligem Autonomiestatut (und nicht \u00bbnur\u00ab aufgrund staatlicher Gesetze) Amtssprache.<\/p>\n<p>2. In Katalonien ist Kastilisch (Spanisch) nicht ein Fach wie Englisch oder Deutsch, sondern Teil der asymmetrischen katalanischen Immersion, die <a title=\"Katalanische Immersion, europ\u00e4isches Modell.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=8937\">hier<\/a> bereits beschrieben wurde.<\/p>\n<p>3. Im Baskenland sind die Amtssprachen Baskisch und Kastilisch (Spanisch) v\u00f6llig gleichberechtigt, auch das Schulsystem gleicht mit nach Sprachen getrennten Modellen jenem in S\u00fcdtirol. Trotzdem sind nur sehr wenige Ortsnamen zweinamig (die St\u00e4dtenamen Gasteiz-Vitoria, Donostia-San Sebastian und Bilbo-Bilbao). Das meiste andere wurde zugunsten der baskischen Versionen abgeschafft.<\/p>\n<p>4. Das Argument, in zweisprachigen Gebieten seien Ortsnamen grunds\u00e4tzlich zu \u00fcbersetzen, entkr\u00e4ftet auch Egon K\u00fchebacher (ehem. Lehrbeauftragter der Universit\u00e4t Innsbruck und ehem. Experte des S\u00fcdtiroler Landesarchivs) \u2014 ebenfalls als Experte eingeladen \u2014 in seiner folgenden Stellungnahme:<\/p>\n<blockquote><p>Noch etwas zum Schluss, wodurch ich mich nun von meinen Vorrednern stark unterscheide. Es wurde gesagt, wo zwei amtliche Sprachen sind, braucht es auch zwei gleichberechtigte verschiedene Namen. Ich habe es immer so gelernt und es von anderen Kollegen auch mitbekommen, dass die geographischen Namen mit der gesprochenen Sprache ihres Gebietes \u00fcberhaupt nichts zu tun haben m\u00fcssen, [<del>au\u00dfer<\/del>] zum Beispiel in der ehemaligen deutschen Sprachinsel Zarz in Oberkrain, im heutigen Slowenien, wo das deutsche Sprachleben schon um 1920 total ausgestorben ist. Es wird schon l\u00e4ngst seit zwei Generationen nur slowenisch gesprochen, aber die gesamte geographische Nomenklatur ist noch deutsch. Die Berge, die H\u00f6fe, die Hofgruppen, die Felder haben deutsche Namen und nichts anderes, ebenso etwa in den 7 Gemeinden, in denen das deutsche Sprachleben l\u00e4ngst erloschen ist und die Namen der Felder, der H\u00e4user usw. deutsch geblieben sind. Im Aostatal gibt es genauso wie in S\u00fcdtirol amtliche Zweisprachigkeit, aber amtliche franz\u00f6sische Einnamigkeit, obwohl heute das <em>Patu\u00e0\u00a1<\/em> [falsche Transkription, m\u00fcsste <em>Patois<\/em> hei\u00dfen, Anm.] nur mehr von wenigen, vielleicht von 10 Prozent der Bev\u00f6lkerung gesprochen wird.<\/p>\n<p>Jeder Name hat nicht eine Wortbedeutung. W\u00f6rter kann man \u00fcbersetzen, W\u00f6rter und ihre Bedeutung k\u00f6nnen mit gleichbedeutenden W\u00f6rtern einer anderen Sprache [\u2013] oft\u00a0 nicht genau [\u2013] wiedergegeben werden, aber Namen bezeichnen, identifizieren, sie sind mit dem Bezeichneten unl\u00f6sbar verbunden und sind grunds\u00e4tzlich nicht \u00fcbersetzbar. Ich kann das Wort &#8220;M\u00fchlbach&#8221; mit einem Bach, der M\u00fchlen treibt, \u00fcbersetzen, aber ich kann nicht den Name[n] &#8220;M\u00fchlbach&#8221; \u00fcbersetzen, denn dieser bedeutet etwas ganz anderes. Er bedeutet nicht mehr einen Bach, der M\u00fchlen treibt, sondern eine Ortschaft am Eingang des Pustertales mit einem gewissen Kirchturm usw. Das bedeutet er. Es ist genau gleich wie bei den Personennamen, wenn ich den Herrn M\u00fcller gr\u00fc\u00dfe, dann denke ich nicht an einen M\u00fcller, der aus Getreide Mehl macht, obwohl ein Vorfahre von diesem Herrn M\u00fcller wirklich ein M\u00fcller war, aber heute bedeutet f\u00fcr mich M\u00fcller nur mehr der Angeh\u00f6rige der Familie M\u00fcller. Der Name hat keine Wortbedeutung.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Toponomastikkommission (I): Qualis pater\u2026\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10874\" rel=\"\"><code>01<\/code><\/a>\u00a0<span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; font-weight: normal;\">||<\/span> <a title=\"Toponomastikkommission (III): BBD.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=10948\" rel=\"\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>01<\/code><\/span><\/a> <a title=\"Kolonialistische Toponomastik.\" href=\"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=70287\" rel=\"\"><span style=\"color: #ff8c00\"><code>02<\/code><\/span><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem rechtlich zweisprachigen Gebiet, wo also zwei Sprachen mit gleicher Rechtsstellung nebeneinander stehen, ist es eigentlich klar, dass jede der beiden Sprachen \u00d6rtlichkeiten in ihrem Sprachsystem benennt \u2014 welcher Herkunft diese beiden Namen sind, ob sie einander \u00e4hnlich oder un\u00e4hnlich sind, ob sie eine weit zur\u00fcckreichende Geschichte auf ihrer Seite haben oder rezente Pr\u00e4gungen [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10886","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entity-sudtiroler-landtag","issue-zitac","location-catalunya","location-euskadi","location-galiza","location-slowenien","location-sudtirolo","language-deutsch","topic-minderheitenschutz","topic-ortsnamen","topic-plurilinguism","topic-politik"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10886","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10886"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10886\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75184,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10886\/revisions\/75184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10886"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}