{"id":11705,"date":"2012-06-11T15:33:55","date_gmt":"2012-06-11T13:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=11705"},"modified":"2024-12-08T17:12:49","modified_gmt":"2024-12-08T16:12:49","slug":"sprachgruppenlotterie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=11705","title":{"rendered":"Sprachgruppenlotterie."},"content":{"rendered":"<p>Morgen sollen die Daten der Volksz\u00e4hlung vorgestellt werden, aber schon heute wird darauf reagiert. Das einzige, was man schon jetzt kritisieren k\u00f6nnte, ist das Zustandekommen der Ergebnisse, da die Methode starke Zweifel an ihrer Brauchbarkeit aufkommen lassen m\u00fcsste. Doch das tut niemand.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier noch einmal veranschaulichen, warum das Verfahren v\u00f6llig abstrus erscheint:<\/p>\n<ol>\n<li>Die namentliche Zugeh\u00f6rigkeitserkl\u00e4rung wurde 2011 erstmals von der statistischen Erhebung getrennt. Letztere ist jedoch f\u00fcr die Zuteilung von \u00f6ffentlichen Arbeitspl\u00e4tzen, Stipendien, Sozialwohnungen, Kulturf\u00f6derung und vielem mehr ausschlaggebend, obwohl die Ergebnisse der beiden Z\u00e4hlungen auseinanderklaffen k\u00f6nnen. <span style=\"text-decoration: underline;\">Was bedeutet das?<\/span> Nehmen wir an, bei der namentlichen Erkl\u00e4rung (welche in versiegelten Kouverts bei Gericht aufbewahrt wird) haben sich 65% deutsch, 30% italienisch und 5% ladinisch erkl\u00e4rt. Bei der statistischen Erhebung haben sich dann jedoch \u2014 aus welchem Grund auch immer \u2014 70% der deutschen, 27% der italienischen und nur 3% der ladinischen Sprachgruppe zugeh\u00f6rig erkl\u00e4rt. Den 65% der Bev\u00f6lkerung, die sich bei der namentlichen Erkl\u00e4rung als deutsch deklariert haben, st\u00fcnden dann fortan 70% der Arbeitspl\u00e4tze, Stipendien, Sozialwohnungen, Kulturf\u00f6rderung u.v.m. zur Verf\u00fcgung, also mehr, als ihnen zust\u00fcnde. Den 30% Italienern und 5% Ladinern blieben im Gegenzug nur 27% respektive 3% der genannten G\u00fcter, Dienstleistungen und Ressourcen, also weit unterhalb des realen Bedarfs.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend jeder, der Recht auf die Inanspruchnahme eines durch den Proporz geregelten Gutes, einer Dienstleistung oder einer Ressource hat (also auch Zuwanderer) die namentliche Zugeh\u00f6rigkeitserkl\u00e4rung abgeben muss bzw. darf, wurde bei der Volksz\u00e4hlung nur die sprachliche Zugeh\u00f6rigkeit der italienischen Staatsb\u00fcrger erhoben. <span style=\"text-decoration: underline;\">Was bedeutet das?<\/span> Zuwanderer aus dem italienischen Staatsgebiet wurden sehr wohl gez\u00e4hlt und haben das Ergebnis zugunsten der italienischen Sprachgruppe verzerrt, w\u00e4hrend Zuwanderer aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz nicht ber\u00fccksichtigt wurden. Wenn aber der Anteil der Italiener k\u00fcnstlich vergr\u00f6\u00dfert wurde, haben sie dem Ausma\u00df dieser Verzerrung entsprechend Anspruch auf mehr Arbeitspl\u00e4tze, Stipendien, Sozialwohnungen, Kulturf\u00f6rderung u.v.m., als ihnen proportional\u00c2&nbsp;\u00bbreal\u00ab zust\u00fcnde. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen auch andere EU-B\u00fcrger auf diese Ressourcen zugreifen, Deutsche und \u00d6sterreicher (sowie die in vielen Belangen gleichgestellten Schweizer) tun dies dann jedoch zu Lasten der deutschen Sprachgruppe, da ja zu erwarten ist, dass sie sich in der namentlich-pers\u00f6nlichen Erkl\u00e4rung dieser Gruppe zugeh\u00f6rig erkl\u00e4ren.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Es ist gar nicht abzusehen, wer die Leidtragenden dieser Verzerrungen sein werden, weshalb es m\u00fc\u00dfig w\u00e4re, hier von Bevorzugung der einen oder der anderen Sprachgruppe zu sprechen. Die Erhebungsmethode treibt jedoch den Proporz ad absurdum und k\u00f6nnte kurz- bis mittelfristig zu Spannungen f\u00fchren. Ob ein solches Gl\u00fccksspiel einer h\u00f6chstrichterlichen \u00dcberpr\u00fcfung standhalten w\u00fcrde, ist zudem fraglich.<\/p>\n<p>Das ist der Skandal und damit sollten sich unsere Politiker besch\u00e4ftigen. Wennschon Proporz, dann proportional \u2014 sonst gar nicht!<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Helvetica, Arial, sans-serif; text-transform: uppercase;\">C\u00ebla enghe:<\/span><\/strong> <a title=\"Proporz unproportional.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=9005\"><code>01<\/code><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgen sollen die Daten der Volksz\u00e4hlung vorgestellt werden, aber schon heute wird darauf reagiert. Das einzige, was man schon jetzt kritisieren k\u00f6nnte, ist das Zustandekommen der Ergebnisse, da die Methode starke Zweifel an ihrer Brauchbarkeit aufkommen lassen m\u00fcsste. 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