{"id":12246,"date":"2012-07-20T10:01:30","date_gmt":"2012-07-20T08:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12246"},"modified":"2023-01-07T17:35:12","modified_gmt":"2023-01-07T16:35:12","slug":"die-neuen-schutzhutten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12246","title":{"rendered":"Die neuen Schutzh\u00fctten."},"content":{"rendered":"<p>Rund um die drei geplanten neuen Schutzh\u00fctten in S\u00fcdtirol hat sich \u2014 ob ihrer Architektur \u2014 eine breite Diskussion zwischen Bef\u00fcrwortern und Gegnern entwickelt. Zivilgesellschaftliches Engagement ist stets erfreulich und die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung kann, solange sie fair gef\u00fchrt wird (und nicht etwa in Beleidigungen oder Zensurw\u00fcnsche ausartet), f\u00fcr beide Seiten nur gewinnbringend sein.<\/p>\n<p>Vom Reflex, auf die langj\u00e4hrige Ausbildung der Architekten zu verweisen \u2014 weshalb sie schon w\u00fcssten, was sie da machen \u2014 halte ich wenig. Einerseits ist das Vertrauen in die Ausbildung verst\u00e4ndlicherweise angeschlagen, da bei weitem nicht jeder Architekt so baut, wie es sein Fachwissen und das Berufsethos von ihm erwarten lie\u00dfen. Und andererseits ist ein derartiger Verweis undemokratisch: Schlie\u00dflich wird die Ausbildung vorausgesetzt, entbindet aber nicht von der besonderen Verantwortung, welche durch die Bebauung \u00f6ffentlichen Raums \u2014 noch dazu in einer so au\u00dferordentlichen Lage \u2014 gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit entsteht. Ich glaube an die Vermittlerrolle des Architekten, die jedoch durch den R\u00fcckzug auf das Argument der eigenen fachlichen \u00dcberlegenheit umgangen wird.<\/p>\n<p>In ihrer Stellungnahme zur gegenw\u00e4rtigen Diskussion hat die S\u00fcdtiroler Architektenkammer richtigerweise auf die Entwicklung hingewiesen, die zum Beispiel die Ausstattung von Bergsteigern w\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte durchlaufen hat. Genauso wie niemandem einfallen w\u00fcrde, im Sinne der Tradition zu fordern, wir sollten die Dolomiten mit Schuhwerk aus dem 19. Jahrhundert erklimmen, w\u00e4re es unverst\u00e4ndlich, so zu bauen, wie damals. Die Erfordernisse an eine Bergh\u00fctte haben sich seit damals ebenfalls ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erfordert das Bauen am Berg jedoch auch eine hohe Sensibilit\u00e4t und viel Zur\u00fcckhaltung. Vor Moden sollten wir uns in Acht nehmen. Eine H\u00fctte soll nicht einen Wanderer in greller Bergbekleidung mimen, der am Ende seiner Anstrengungen wieder nach Hause zur\u00fcckkehrt: Die H\u00fctte bleibt.<br \/>\nEs besteht aber kein Zweifel, dass wir zeitgem\u00e4\u00df bauen m\u00fcssen. Zeitgem\u00e4\u00df ist nicht gleichbedeutend mit gut, denn auch zeitgem\u00e4\u00dfe Architektur kann, wie alles andere, gut oder schlecht, sch\u00f6n oder unsch\u00f6n sein. Sicher falsch w\u00e4re aber unzeitgem\u00e4\u00dfes Bauen: Wir k\u00f6nnten dem historischen Bestand keine gr\u00f6\u00dfere Respektlosigkeit erweisen, als ihn nachzu\u00e4ffen, mit anderen Worten ausgedr\u00fcckt, mit den uns zur Verf\u00fcgung stehenden technischen M\u00f6glichkeiten so zu tun, als habe es keinen Fortschritt gegeben. Die \u00bbWahrheit\u00ab des Bauens liegt darin, dass zu jeder Zeit so gebaut wurde, wie es am Effektivsten und Effizientesten war, was freilich nicht bedeutet, Bew\u00e4hrtes zu verwerfen, sondern behutsam abzuw\u00e4gen, was auch heute noch gut ist und was hingegen sinnvollerweise ver\u00e4ndert, erg\u00e4nzt und verbessert werden kann. Mit \u00c4sthetik hat das nur am Rande was zu tun.<\/p>\n<p>Deshalb ist es v\u00f6llig irref\u00fchrend, in der derzeitigen Debatte zwischen <em>Bewahrern<\/em> (den Gegnern der neuen H\u00fctten) und <em>Erneuerern<\/em> (ihren Bef\u00fcrwortern) zu unterscheiden. Wer zeitgem\u00e4\u00df baut und auf die \u00dcberheblichkeit verzichtet, auch Gutes aus missverstandener Fortschrittlichkeit zu verwerfen, ist n\u00e4mlich der eigentliche Bewahrer einer bew\u00e4hrten Bautradition.<\/p>\n<p>Die konkreten Projekte kenne ich \u2014 wie vermutlich fast alle, die sich an der Diskussion beteiligen \u2014 nur aus der Presse und kann deshalb kein endg\u00fcltiges Urteil f\u00e4llen. Doch den ver\u00f6ffentlichten Bildern l\u00e4sst sich meiner Einsch\u00e4tzung nach nichts entnehmen, das den Schluss zulie\u00dfe, Planer und Juroren h\u00e4tten ihre Aufgabe nicht ernstgenommen, eine m\u00f6glichst gute Antwort auf die Problematik \u00f6ffentlichen Bauens in einer so besonderen Lage zu suchen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund um die drei geplanten neuen Schutzh\u00fctten in S\u00fcdtirol hat sich \u2014 ob ihrer Architektur \u2014 eine breite Diskussion zwischen Bef\u00fcrwortern und Gegnern entwickelt. 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