{"id":12286,"date":"2012-07-24T09:36:42","date_gmt":"2012-07-24T07:36:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12286"},"modified":"2023-01-07T17:29:57","modified_gmt":"2023-01-07T16:29:57","slug":"das-schweinebucht-syndrom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12286","title":{"rendered":"Das Schweinebucht-Syndrom."},"content":{"rendered":"<p><em>Die Zeit<\/em> Nr. 28, vom 5. Juli 2012, analysiert im Artikel \u201cGef\u00e4hrliches Schweigen \u2013 Eine sozialpolitische Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Debakel bei der Euro-Rettung\u201d (S. 29) ein hochinteressantes Ph\u00e4nomen. Ausgangspunkt der Analyse ist das Schweigen des Harvard-Professors und Historikers Arthur Schlesinger jr. bei der entscheidenden Sitzung als die Kuba-Invasion geplant wurde. Schlesinger hat nicht widersprochen, deshalb plagten ihn schwere Selbstzweifel.<\/p>\n<blockquote><p>Wie konnte das nur passieren? Schlesinger rechtfertigte sein Schweigen im Kabinettssaal: \u201cWiderspruch h\u00e4tte wenig mehr bewirkt, als mir den Ruf einer Nervens\u00e4ge einzubringen\u201d. Der amerikanische Sozialpsychologe Irving Janis hat analysiert, wie au\u00dfenpolitische Katastrophen der USA zustande kamen. Er fand immer wiederkehrende Verhaltensmuster der Entscheider, die ihnen den Blick auf die Realit\u00e4t verbogen. Eines davon lautet: Wer f\u00fcrchtet, vom Kollektiv in die Ecke gestellt zu werden schweigt lieber. Wer schweigt, hat in der Wahrnehmung des Kollektivs aber zugestimmt. Gruppendenken (groupthink) nannte er seine Theorie des selbstgewissen Scheiterns, von vielen auch salopp \u201cSchweinebucht-Syndrom\u201d getauft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist nicht Inhalt dieses Beitrages, der Frage nachzugehen, ob in der Eurorettung \u00c4hnliches abl\u00e4uft. Vielmehr gilt es der Frage nachzugehen, ob wir in S\u00fcdtirol im Zusammenhang mit der Diskussion um die Unabh\u00e4ngigkeit von einem \u00e4hnlichen Syndrom geleitet werden. Die Mehrheitspartei, aber in letzter Zeit auch sehr h\u00e4ufig sogenannte <a title=\"Autonomiepatriotismus.\" href=\"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=11658\">\u201cAutonomie-Patrioten\u201d<\/a> und die Mainstream-Medien ersticken ja alle Diskussionen \u00fcber Alternativen zum derzeitigen Autonomiekurs im Keim. Unschwer lassen sich \u00e4hnliche Vorgangsweisen, wie im Artikel von Hennerkes erkennen.<\/p>\n<ol start=\"1\">\n<li>Potentielle Abweichler werden wieder auf Kurs gebracht. Unbedingte Loyalit\u00e4t wird eingefordert. Parteien verf\u00fcgen hier \u00fcber ein gro\u00dfes Repertoire, Druck auszu\u00fcben. Die eigene Karriere setzen dann Mitglieder der Gruppe nicht in Frage, besonders wenn es sich um finanziell nicht v\u00f6llig unabh\u00e4ngige Mitglieder handelt. Wer verliert schon gerne einen gut bezahlten Job?<br \/>\nAuch im vorpolitischen Bereich l\u00e4sst sich dieses Ph\u00e4nomen beobachten: Ein allzu unabh\u00e4ngigkeitsfreundlicher Artikel wurde in der Wirtschaftszeitung vor einem Jahr schnell wieder vom Netz genommen. Und im Falle von linksliberalen Kreisen kommt in S\u00fcdtirol h\u00e4ufig ein psychologisches Moment dazu, da das Thema traditionell von Rechtsparteien besetzt wird. \u00d6kosoziale Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrworterInnen d\u00fcrften aus Angst vor moralischer \u00c4chtung ein Outing vermeiden bzw. lange vermieden haben.<\/li>\n<li>Und damit w\u00e4ren wir schon bei einem der effektivsten Mittel, das Hennerkes beschreibt, um Abweichler auf Kurs zu bringen: Der Gruppenglaube an die eigene moralische \u00dcberlegenheit. Wenn die Argumente br\u00fcchig werden und von der Realit\u00e4t \u00fcberholt werden, dann schl\u00e4gt die Stunde der Moral. Wer f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit ist, ist f\u00fcr einen Krieg, zumindest aber ein Z\u00fcndler. Unabh\u00e4ngigkeit bedeutet <em>raus aus der EU.<\/em> Unabh\u00e4ngigkeit wird mit Einsprachigkeit gleichgesetzt oder mit Einigelung. Eine Losl\u00f6sung von Italien ist <em>utopisch<\/em>, niemand w\u00fcrde S\u00fcdtirol unterst\u00fctzen. Die Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fchrt in die <em>Kleinstaaterei<\/em>. Innerhalb der EU gibt es eh keine Grenzen mehr, warum neue aufbauen? Die Liste lie\u00dfe sich fortsetzen, die wenigen Beispiele zeigen die Fallh\u00f6he.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Jedenfalls ist es aus rationellen Gr\u00fcnden nicht mehr erkl\u00e4rbar, dass nicht l\u00e4ngst auch innerhalb der Mehrheitspartei, einflussreichen Verb\u00e4nden und Organisationen, also den eigentlichen Machtzentren S\u00fcdtirols, eine ergebnisoffene Diskussion \u00fcber die Zukunft des Landes, einschlie\u00dflich der Option auf Unabh\u00e4ngigkeit, gef\u00fchrt wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit Nr. 28, vom 5. Juli 2012, analysiert im Artikel \u201cGef\u00e4hrliches Schweigen \u2013 Eine sozialpolitische Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Debakel bei der Euro-Rettung\u201d (S. 29) ein hochinteressantes Ph\u00e4nomen. Ausgangspunkt der Analyse ist das Schweigen des Harvard-Professors und Historikers Arthur Schlesinger jr. bei der entscheidenden Sitzung als die Kuba-Invasion geplant wurde. 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