{"id":12664,"date":"2012-09-11T20:12:05","date_gmt":"2012-09-11T18:12:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12664"},"modified":"2025-07-10T16:40:21","modified_gmt":"2025-07-10T14:40:21","slug":"ff-sparvorschlage-beispiel-bahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brennerbasisdemokratie.eu\/?p=12664","title":{"rendered":"<em>ff<\/em>-Sparvorschl\u00e4ge: Beispiel Bahn."},"content":{"rendered":"<p>Die Titelgeschichte von <em>ff<\/em> 35\/2012 besch\u00e4ftigt sich mit den 50 \u00fcberfl\u00fcssigsten Ausgaben des Landes. Die Auflistung ist beeindruckend und zeigt gro\u00dfes Einsparpotential. Trotzdem scheinen zumindest einige Posten in die Liste gerutscht zu sein, ohne dass sich dies auch mit Fakten belegen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Beispiel Bahnverkehr:<\/p>\n<blockquote><p>Das Land S\u00fcdtirol hat in den Vergangenen Jahren gro\u00df in den Bahnverkehr investiert. Das hat zwar zu Verbesserungen gef\u00fchrt, war aber nicht immer sehr effizient. Ein Beispiel: In Percha wurde f\u00fcr mehrere Millionen Euro ein neuer Bahnhof errichtet \u2013 nur wenige Hunder Meter \u00f6stlich vom alten Bahnhof.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was dieses Beispiel mit der Effizienz des Bahnverkehrs insgesamt zu tun hat bleibt schleierhaft. Tatsache ist, dass es im Bahnverkehr in den letzten 4 Jahren immense Fortschritte gegeben hat. Ein durchgehender Taktverkehr wurde eingef\u00fchrt, dort wo dieser nicht funktioniert liegt die Ursache am staatlichen Schienennetzbetreiber <abbr title=\"Rete Ferroviaria Italiana\">RFI<\/abbr>, der auf der Brennerstrecke just zwischen 9.00 Uhr und 11.30 Uhr einen Wartungsintervall hat, von dem er auch nicht abr\u00fccken will. Deshalb verkehren auf der Brennerstrecke, wie auf vielen Hauptstrecken auf Staatsebene, in den Vormittagsstunden kaum Z\u00fcge, was die Netzwirkung drastisch reduziert.<\/p>\n<p>Durch die Einf\u00fchrung von Taktfahrpl\u00e4nen wurde die Effizienz des S\u00fcdtiroler Bahnverkehrs sogar gesteigert. Leicht merkbare Taktfahrzeiten mit systematischen Anschl\u00fcssen in Knotenpunkten f\u00fchren auch zu standardisierten Umlaufpl\u00e4nen, die generell zu einem effizienteren Einsatz des Personals und Rollmaterials f\u00fchren.<\/p>\n<p>Was den Bahnhof Percha (eisenbahntechnisch ist es eine Haltestelle und kein Bahnhof) betrifft, m\u00fcsste insgesamt eine Kosten\/Nutzen-Rechnung erstellt werden, ob die Anbindung des Skigebietes Kronplatz an dieser Stelle volkswirtschaftlich die beste L\u00f6sung war. Die Gegner des Projektes Ried sind hier anderer Meinung. Aber die Bewertung von gr\u00f6\u00dferen Projekten mit Kosten\/Nutzen-Studien scheint in S\u00fcdtirol sowieso keine sehr ausgepr\u00e4gte Disziplin zu sein.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass der Bahnhof nicht an der alten, seit Jahrzehnten aufgelassenen Haltestelle errichtet wurde, sagt allein \u00fcberhaupt nichts \u00fcber die Kosten aus. Die alte Haltestelle war ja sowieso nicht mehr verwendbar.<\/p>\n<blockquote><p>Der Eisenbahng\u00fcterverkehr ist im Pustertal nun wegen der an mehreren Stellen neu geschaffenen, zu engen Kurvenradien \u201cnur bedingt m\u00f6glich\u201d, sagt der Uil-Gewerkschafter Christian Troger. Fr\u00fcher wurden dort j\u00e4hrlich etwa 900.000 Kubikmeter Holz per Bahn, vom Osten kommend, nach S\u00fcdtirol und das \u00fcbrige Italien transportiert. Heute m\u00fcssen diese Holzlieferungen in Osttirol, vorwiegend in Sillian, von der Bahn auf LKWs verladen und dann auf der Stra\u00dfe nach S\u00fcdtirol und Italien transportiert werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Zuge der Umbauarbeiten an der Pustertaler Bahnlinie wurden meines Wissens keinerlei Kurvenradien verengt. In etlichen Bahnh\u00f6fen wurden alte Weichen durch neue ersetzt. Die Umbauma\u00dfnahmen des Landes als Grund f\u00fcr den aufgelassenen G\u00fcterverkehr heranzuziehen ist deshalb grober Unfug. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Umladungen in Sillian sind die zu hohen und teilweise ung\u00fcnstig gestaffelten Tarife von Trenitalia und die Auflassung von Umladem\u00f6glichkeiten im Pustertal, die der staatliche Schienennetzbetreiber RFI zu verantworten hat. Auch zeitlich f\u00e4llt die Auflassung des G\u00fcterverkehrs nicht mit den Umbauma\u00dfnahmen zusammen. Schon Jahre vorher gab es auf der Pustertaler-Bahn keinen G\u00fcterverkehr mehr.<\/p>\n<blockquote><p>Jetzt m\u00f6chte das Land die Bahnstrecke Bozen-Meran \u00fcbernehmen. Das w\u00fcrde wieder viel Geld kosten \u2013 \u00fcber den Nutzen kann man geteilter Meinung sein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man kann \u00fcber vieles geteilter Meinung sein. Wenn man m\u00f6chte, dass der Verkehr auf der Strecke Bozen\u2013Meran in erster Linie \u00fcber die MeBo abgewickelt wird, dann wird man einer \u00dcbernahme der Bahnstrecke Bozen\u2013Meran wohl wenig abgewinnen. Wenn man der \u00dcberzeugung ist, dass der Bahnverkehr in Zukunft eine wesentlich zentralere Rolle spielen soll, als heute, f\u00fchrt an einer \u00dcbernahme durch das Land S\u00fcdtirol kein Weg vorbei. Warum?<\/p>\n<ol start=\"1\">\n<li>Die Meraner Bahnlinie ist technisch veraltet. Viele Versp\u00e4tungen werden teils durch Probleme an der Oberleitung verursacht. Investitionen, die \u00fcber die notwendigsten Wartungsarbeiten hinausgehen, werden von RFI sowieso nicht mehr durchgef\u00fchrt, m\u00fcssten also in jedem Falle vom Land finanziert werden.<\/li>\n<li>Die Meraner Linie wurde seinerzeits relativ ungeschickt, mit vielen unn\u00fctzen Kurven, trassiert. Ein notwendiger S-Bahn-Verkehr zwischen Meran und Bozen verlangt gro\u00dfz\u00fcgige zweigleisige Kreunzungsabschnitte. Eine Begradigung der Strecke und der Ausbau zu zweigleisigen Abschnitten m\u00fcsste in jedem Falle vom Land bezahlt werden. RFI finanziert hier nichts, behindert aber hinter den Kulissen tatkr\u00e4ftig eine \u00dcbernahme durch das Land. Laut einer vertrauensw\u00fcrdigen Insiderinformation bekam das Land nach 5 Jahren Verhandlungen pl\u00f6tzlich die Information, dass man (RFI) f\u00fcr eine \u00dcbergabe der Linie an das Land sowieso nicht zust\u00e4ndig sei, sondern das entsprechende Ministerium.<\/li>\n<li>Der Grund f\u00fcr den zeitlich relativ eingeschr\u00e4nkten Bahnverkehr auf der Meraner Bahnlinie in den Morgen- und Abendstunden liegt in der Gestaltung der Trassenpreise vonseiten RFI. Wenn das Land S\u00fcdtirol morgens und abends noch ein oder zwei Z\u00fcge bestellen m\u00f6chte, so w\u00fcrde RFI sofort Betriebskosten f\u00fcr weitere 8 Stunden verlangen. Derartige organisatorische Starrheiten w\u00fcrden bei einer Betriebsf\u00fchrung durch das Land (siehe Vinschgaubahn) wegfallen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Lange Rede, kurzer Sinn: Eine umfassende Liste von Einsparm\u00f6glichkeiten sieht gut aus, aber einer Faktenpr\u00fcfung h\u00e4lt zumindest der Punkt <em>Bahnverkehr<\/em> nicht stand.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Titelgeschichte von ff 35\/2012 besch\u00e4ftigt sich mit den 50 \u00fcberfl\u00fcssigsten Ausgaben des Landes. Die Auflistung ist beeindruckend und zeigt gro\u00dfes Einsparpotential. Trotzdem scheinen zumindest einige Posten in die Liste gerutscht zu sein, ohne dass sich dies auch mit Fakten belegen lie\u00dfe. 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